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Full text of "Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst"

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ARCHIV 

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FRANKFURTS GESCHICHTE 

und 

KUNST. 



Neue Folge. 

HerauBgegeben 

von dem 

Vereine ffir Gescblehte and AlterthumskuDde 
zu Frankfurt am Hain. 



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FRANKFURT a. M. 

Im Selbat-Verlage des Vert 
, ^i In Comaiiäsion bei Heinrioh Keller. 



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Der Verein ftLr Geschichte und Alterthumskunde hat bis jetzt folgende 

Schriften veröffentlicht : 

1) Arehiv fSr FrankAirtB Geschichte und Kunst Neue Folge. Band I. IL Mit 
Abbildungen. Fnuddurt 1860. 1862. (Schliesst sich an das gleichnamige von 
der Gesellschaft fEkr Frankfurts Geschichte und Kunst in 8 Heften 1839—1858 
herausgegebene Archiv an.) 

2) Mittheilungen an die Mitglieder des Vereins. Band I. IL Frankfurt 1860—1864. 
Dritter Band Nummer 1, ausgegeben April 1865. Frankfurt. 

3) Des Ganonicus Baldemar von Peterweil Beschreibung der kaiserl. Stadt 
Frankfurt am Main aus dem 14. Jahrhundert. Urschrift mit Uebers. und 
ErL Herausgegeben von Dr. L. H. Euler. Frankfurt 1858. (Ist besonderer 
Abdruck aus Nr. 1 der Mittheilungen.) 

4) Das steinerne Haus und die Familie von Melem in Frankfurt. Frankfurt 1859. 
(Besonderer Abdruck aus Bd. L Nr. 3 der Mittheiluogen.) 

5) Neiyahrsblatt ftlr 1859. — Dorf und Schloss Rödelhehn. Beitrage zu der 
Geschichte derselben von Dr. L. H. Euler. Frankfurt 1859. 4^. 

6) Desgl. f&r 1860. — Der Frankfurter Chronist A. A. von Lersner, von Dr. 
£. Heyden. Frankfurt 1860. 4P, 

T) Desgl. für 1861. — Die Melanchthons- und Lutherherbergen zu Frankfurt 
am Main : Claus Brommen Haus» Lisa's von Rückingen Haus, Wolf Parente^s 
Haus. Eine Untersuchung zur topograph. Geschichte der alten Reichsstadt 
von G. E. Steitz, Doctor der Theologie. Frankfurt 1861. 4o. 

8) Desgl. für 1862. — Samuel Thomas von Soemmering, der Heilkunde Doctori 
k. baier. Geheimerath, nach seinem Leben und Wirken geschildert von Dr. med. 
W. Stricker. Frankfurt 1862. 49. 

9) Desgl. für 1863. — Drei römische Votivhfinde aus den Rheinlanden, von Dr. 
J. Becker. Frankfurt 1863. 4^. 

10) Desgl. für 1864 und für 1865. Johann Davfd Passavant. Ein Lebensbild von 
Dr. A. Conill. Abth. I. II. Frankfiirt 1864. 1865. 4o. 

11) Die Heddernheimer Votivhand. Eine römische Bronze aus der Dr. Römer- 
Bttchner'schen Sammlung der XX. Versammlung deutscher Philologen, Schul- 
männer und Orientalisten zu ehrerb. Begrüssung vorgelegt von dem Verein 
für Geschichte und Alterthumskunde. Frankfurt 1861. 4^. (Mit dem innem 



Titel : Die Heddemheimer Bronzehand. Ein Votivdenkmal des Jnppiter Doli- 
chenns mit den übrigen Dolichenos-Denkmälern aus Heddernheim zuAammen- 
geetellt von Prof. Dr. J. Becker.) 

12) Aerzte, Heilanstalten, Geisteskranke im mittelalterlichen Frankfurt a. M. Zwei 
Abhandinngen von Dr. G. L. Eriegk. Der Dr. Senkenbeig. Stiftung zur Feier 
ihres lOOjShr. Bestehens dargebracht von dem Verein Ülr Geschichte nnd 
Alterthamskunde. Frankfurt 1863. 40. 

13) Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main von Johann Georg 
Battonn, gew. geistL Rath, Gustos und Ganonicus des St Bartholomäiuuitifts. 
Aus dessen Nachlass herausgegeben von dem Vereine fflr Gesehichte und 
Alterthumskunde durch den zeitigen Director desselben Dr. jur. L. H. Euler. 
Heft L n. in. Frankfurt 1861—1864. 






Zar Urgesehiebte des Rhein- und Mainlandes. 

Von Professor Dr. J. Becker. 

(▼gl. Arehiv. N. S. I. S. 1--46.) 



III. 

Mythologische Namen römisch-keltischer Badeorte 

in Oallien. 

ZurGrründung von grösseren und kleineren Städten und Ansied- 
lungen gaben bekanntlich schon in uralter Zeit die ihrer wohlthätigen 
Wirkungen wegen bei Römern wie Kelten gleich hoch verehrten 
und vergöttlichten Mineralquellen und Heilbäder einen so natürlichen 
Anlass ^; dass es nicht auffallen kann insbesondere auch in den Reise- 
handbüchern des Alterthums^ den Itinerarien^ einer grossen Menge 
von Oertlichkeiten zu begegnen , welche entweder einfach und 
schlechthin mit der Bezeichnung Aquae belegt sind, oder letztere 
noch durch einen naher erklärenden Beisatz erweitern; der sich 
(meist in der Form des Adjektivums) bald auf die Natur der 
Heilquellen als calidaC; frigidae, amarae oder sonstige Verhältnisse 
(vivaC; regiae u. a. m.) bezieht , bald auch nur das Volk (Aquae 
AUobrogum, Convenarum; Jasae = Jasorum Orelli 508; Plin. N. H. 
UI; 28) oder den Namen der Stadt nennt; wo sie sich befinden; 
wie StatiellaC; Lesitanae, Selinuntiae u. a. m. Eine dritte Classe 



1 Vgl. Plin. N. H. XXXI, 2: urbesque condunt aquae, sicat Pnteolos in 
Campania, Statiellss in Lignria, Sextias in Narbonensi provincia. Ebenso 
wurde im Mittelalter eine Reihe von Abteien und Klöstern z. B. in Frankreich 
an ehedem heiligen Quellen begründet und darnach benannt: vgl. B. M« Lersch 
Geschichte der Balneologie, Hydroposie und Pegologie (Wfirzburg 1863) S. 17, 
der S. 68 mit Recht darauf hinweisend sagt: »»Wie viele Ortschaften wnrden 
noch unter römischer Herrschaft nach ihren Heilwässern benannt! Wie viele 
tragen noch immer im Namen die Anzeige, dass sie durch Quellen ausgezeich- 
net sindl Man denke nur an die Orte, welche Aix, Baden, Bath heissen. 
Selbst Grafschaften und ein Königreich sind so benannt. In deutschen Orts* 
namen deutet die. Endung „ach*' auf die Gegenwart von Wasser." 

1 



^ 



_ 2 - 

dieser erklärenden Beisätze zu Aquae erhält weiter durch das nomen 
gentilicium^ wie Sextiae^ Aureliao, Flaviae^ Domitianae, eine Beziehung 
auf die Namen der ersten Gründer und Stifter von Niederlassungen 
bei denselben. Eine vierte Classe dieser Beisätze endlich deutet 
entweder auf mythologische Bezüge^ wie bei den italischen Aquae 
Apollinares^ oder ist ihrer Bedeutung nach mehr oder weniger dunkel 
und uns unverständlich^ wie Aquae Balissae^ Labanae^ Labodes; 
Aravenae, Tatelae, Albulae^ Voconae. Die Mehrzahl dieser letztem 
nennt das unter dem Namen der Tabula Peutingeriana überkonmiene 
Itinerarium fast allein nur, und es wird sich weiterhin zeigen , dass 
auch grade sie noch einige andere als Aquae bezeichnete Orts- 
namen allein überliefert hat, welche in mythologischer Hinsicht 
die bedeutsamsten Einblicke in den Cultus der Heilquellen und Mi- 
neralbäder, namentlich bei den Kelten, gestatten: eine Ueberliefe- 
rung, welche die hohe Wichtigkeit der Tab. Peuting. auch von die- 
sem bis jetzt noch gar nicht gewürdigten mythologischen Standpunkte 
aus aufs Neue darthut. Es findet sich auf dieser Tafel nämlich 
ausser jenen adjektivischen Beisätzen zu Aquae eine wenn auch 
kleine Anzahl solcher, welche in dem Genitiv eines S übst an tivums 
bestehen: es sind die Aquae Originis, A. Passeris (Martial VI, 
42, 6 = A. Passerianae bei Orelli-Henzen 6634), A. Tauri (Tab. 
Peuting. segm. IV. F. ed.Scheyb) und A. Casaris (d. h. wol Caesaris 
ebendort segm. HI. F.), deren Beinamen auf verschiedene mehr oder 
weniger bekannte Anlässe und Ausgangspunkte zurückweisen, die 
hier nicht näher betrachtet werden können. Wichtig imd bedeutsam 
ist nun aber, dass ausser diesen unzweifelhaft römischen Benen- 
nungen eine weitere Anzahl ebenso unzweifelhaft keltischer Bei- 
namen von Aquae in den Itinerarien, insbesondere Wieder in der 
Tab. Peuting., überliefert ist, welche sich als Genetive der Namen 
von Gottheiten herausstellen, denen die Heilquellen selbst gewid- 
met und heilig waren. Wiewohl nändich bei einer grossen Anzahl 
dieser heilkräftigen Quellen zahlreiche Votivinschriften bezeugen, 
dass die Bömer bei der dauernden Besitznahme der Keltenländer 
ihre Quell- und Heilgottheiten, wie die Nymphae, Apollo, Aescula- 
pius, Hygia und Hercules,, an die Stelle der einheimischen setzten, 
so haben sich doch letztere — sowohl männliche als weibliche — 
vielfach neben und trotz jenen erhalten und in dem Cultus der Sieger 
und der Besiegten fortgelebt ^. 



2 Vgl. Cic. nat. D. III. 20: ergo et flumina et fontes sunt dii; Plin. H. N. 
X2XI, 2: aquae aagent nameram deorum nominibus variis. 



- 3 - 
A. Miniüiche Qoell- uad BadegoUkeiten. 

Was zunächst die männlichen Quell- und Badegottheiten aui 
keltischem Gebiete angeht ^ so lassen sich unter ihnen einestHeils 
solche unterscheiden, welche durch eine weitere Verbreitung mehr 
oder weniger den Charakter allgemeiner und gemeinsamer 
Götter annehmen, andemtheils solche, die, wie es scheint, fast nur 
mehr 1 o c a 1 einzelnen bestimmten Quellen und Bädern zukommen. 
Zahlreiche inschriftliche Zeugnisse nennen uns diese Gottheiten 
entweder inuner allein oder abwechselnd theik mit einer homogenen 
römischen identifizirt, theils auch ohne diese Zusammenstellung. 
Die römische Gottheit aber, welche solchergestalt mit den sowohl 
mehr allgemeinen, als auch den besondern localen kellischen Bade- 
gottheiten identifizirt zu werden pflegt, ist immer nur eine und die- 
selbe, nämlich Apollo. Der Grund dieser Erscheinung liegt nahe. 
Schon Caesar (b. g. VI, 17) fand unter den Hauptgottheiten der 
Gallier einen vor, welchen er als den vorzugsweisen Heilgott der- 
selben charakterisirt uud geradezu so mit dem römischen Apollo 
identifizirt, wie er den gallischen Teutates durch Mercurius, den 
Esus oder wahrscheinlicher den Camulus durch Mars, den Taranis 
durch Juppiter, die Belisama durch Minerva wiedergibt: in gleicher 
Weise entsprach sein Apollo dem keltischen Bei onus. Wiewohl 
dieser nämlich sowohl als Sonnengott wie als Orakelspender dem 
römischen Apollo vergleichbar war und daher auch nach ausdrück- 
lichen Zeugnissen der Alten von seinen Verehrern mit diesem iden- 
tificirt wurde, so trifi*t doch auch das bei Caesar vom Apollo bemerkte 
(Apollinem morbos depellere) auf ihn genau zu, da auch er, wie alle 
übrigen mit Apollo zusammengestellten gallischen Götter, besoaders 
als Heiig Ott verehrt erscheint Zwei Inschriften (Grut p. 73, 3] 
44,4) bezeugen nämlich den Belenus als Heil quell eng Ott (Föns) 
und es sind solche ihm geweihte Heilquellen und Tempel ebenso 
nachgewiesen, wie es ausgemacht ist, dass man die göttliche Heil- 
thätigkeit der mit Apollo identifizirten allgemeinen und localen Gott- 
heiten ganz besonders in der mit dem wohlthätigen Einflüsse der 
Sonnenwärme verbunden gedachten Einwirkung der heissen und 
mineralischen Quellen sich äussern uud hervortreten zu sehen glaubte ^. 
Es ist daher auch nur dem Zufalle zuzuschreiben, dass einige unter 
den localen Badegottheiten der Kelten auf ihren Votivaltären nicht 



3 Vgl. Annalen des Vereins für Nassauische Alterthnmskande and Oeschiohts- 
forscbong IV. S. 365-381 u. Lorsch S. 29. 33. 

1* 



_ 4 - 

mit Apollo zusammengestellt werden: diejenigen unter ihnen^ welche 
bald ohne; bald mit ihm in den Votivinschriften identifizirt erscheinen; 
beweisen vielmehr^ dass auch jene vorerwähnten ohne Zweifel gleich- 
falls als Apollines bezeichnet werden konnten und wurden. Ser- 
her gehört 

1. Der Schutz- und Badegott des alten Luxovium; des noch 
heutO; wie im Alterthume und Mittelalter durch seine warmen Mine- 
ralquellen bekannten Luxeuil in der Franche-Comt^^ welcher auf den 
ihm gewidmeten Votivinschriften LuxoviuS; Lixovius oder 
Lissovius genannt; theil weise auf denselben Denkmälern mit einer 
Brixia, Briciazu gemeinsamer Verehrung verbunden ist, welche 
Göttin man theils zu dem nahen Bache Breuchin^ theils zu dem 
DorfeSaint-Bresson bei Luxeuil in Bezug brachte ^ Noch die ersten 
christlichen Missionäre fanden dort unter den Trümmern der in den 
Stürmen der Völkerwanderung untergegangenen Badestadt eine 
],densitas imaginum lapidearum^ d. h. doch wol eine Menge 
noch nicht umgestürzter Götterbilder undVotivaltäre aus der römischen 
Zeit vor *. Weiter gehört hierher 

2. der Deus Lixo; der Schutz- und Badegott des gleichfalls 
auch heute noch als Badeort bekannten Bagn^res -de-Luchon 
im südwestlichen Frankreich. Vier dortselbst oder in der Umgegend 
gefundene Inschriften bezeugen seine Verehrung^ 

3. Von demselben sprachlichen Stamme wie Lixo scheint auch 
des Deus Lexis Namen abgeleitet zu sein: er war der Schützer 
und Vorsteher der am Eingange des Thaies von Aran in den Pyre- 
näen gelegenen ^eaux de Lez/ über welche Ed. Barry unter Zu- 
sammenstellung der bezüglichen Funde ausführlich gehandelt hat ^ : 
ausser mehreren den Nymphae dieser Quellen geweihten Votivaltären 
hat sich auch einer mit der Widmung 

LEXI 

DEO 

C.SABI 

HORT. F. 

gefunden. Ebendahin gehört ferner 

* Vgl. Orelil 2024. Rainguel description de Luxeuil p. 28. Greppo 
Etndes aar les eaux min^rales et thermales de la Gaule (Paris 1846) p. 123 
not. 2 u. p. 126. 

s Vit. SS. Columbani et Agili in den Act. SS. Benedict. II., 12, 13, 317. 
vgl. Grimm Myth. I. S. 73. 99. 

6 Vgl. Greppo a. a. 0. p. 69| n. 12. Du Möge Archäologie pyr^nöenne 
p. 212. Orelli-Henzen 5897. 

» Rev. archöol. 1857 XIII, 2 p. 677-688. 



— 5 — 

4. als Hauptschatzgott der Stadt wie ihrer berühmten Quelle 
der auch auf Münzen verewigte Dens Nemausus der gallo -römi- 
sehen Colonia Augusta Nemausus Neptunia Volcarum Arecomiconmi; 
welche in der Tab. Peuting. segm. I. F. noch mit dem alten^ spfiter, 
wie es scheint, wieder aufgetauchten Namen Nenniso belegt ist, 
heut zu Tage Nim es im südöstlichen Frankreich. Schon Ausonius^ 
stellt diese Quelle neben die unten zu erwähnende Diyona und den 
Patavinischen Aponus, während eine nicht geringe Anzahl grie- 
chischer und römischer Votivwidmungen die andauernde Verehrung 
ihres Gottes bezeugt^. 

5. Schliesslich lässt sich hier noch eine Gottheit Ussubius am- 
reihen, welche In einer Votivinschrift aus Mas d'Agenaiß (D^p. de 
Lot-et^Garonne) überliefert ist. Sowohl die Tab. Peuting. segm. I. A. 
nennt einen Ort Vesubio, als auch das Itin. Antonini p, 220 ein 
UsBubium auf der Strasse von Burdigala nach Argantomagus : 
die zuletzt genannte Namensform stimmt genau mit der Inschrift; 
selbst : 

TVTELAE AVG 

VSSVBIO.LABBVM 

SILVmVS SCI 

PIONIS.F.AN 

TISTES.D 

wobei die Widmung eines labrum durch einen antistes auf einen 

Tempel des Gottes und Badgebäude mit Sicherheit schliessen 

lässt 10. 

Wiewohl alle vorgenannten Badegottheiten, wie schon bemerkt, 
nirgends mit Apollo identifizirt oder zusammengestellt werden, so 
kann doch kaum bezweifelt werden, dass dieses bei der so offen- 
kundig vorliegenden Vermischung gallischer und römischer Glaubens- 
anschauungen geschehen konnte und sicherlich auch geschehen ist. 
Es beweiset dieses die zweite Olasse dieser gallischen Badegott- 
heiten, welche entweder gleichfalls nur an und für sich mit blossem 
Namen genannt oder zur Bezeichnung ihrer göttlichen Vorstandschaft 
mit ihren Heilquellen (Aquae) so verbunden werden, dass letztere 
ihnen gradezu zugeschrieben und nach ihnen benannt sind. Es sind 



8 Nob. urb. XIV. Bardigal. 93 ff. 

9 Vgl. Orelli 1245. 2032. 4220. Beines. Synt. inscript. p. 848, 107. 
Maffei Mus. Veron. p. GOCCXIII, 3.. E. Gerhardts Archaeolog. Anzeiger 1853. 
Nr. 50. S. 297. 

10 YgL Mömoires de la soeiM archöol. da midi de laFranoe I. p. 253—267. 



— 6 - 

ApoDUB, Nerus, NisineiaB und Bormo oder Boryo, 
nach welchen die 4hnen zugehörigen heilkräftigen Quellen: Aqnae 
Aponi, Aquae Neri, Aquae Nisiueii und Aquae Bormonis genannt 
werden. Die zuletzt erwähnte Gottheit Bormo oder Borvo konunt 
aber auch ausserdem auf einem ihrer Denkmäler noch als Apollo 
Borvo Tor^ so dass demnach auch ein Kückschluss auf die übrigen 
▼orhergenannten Quellgötter bezüglich einer gleichen Identifizirung 
mit dem römischen Gotte wol verstattet ist^ zumal auch ein bri- 
tannischer Dens Maponus gleichfalls weiter als Apollo Maponus 
inschriflilich beglaubigt ist^ wie sich unten näher zeigen wird« 

, 6. Aponus — Aquae AponL Die heisse Schwefelquelle zu 
Abano bei Fadua (Patavium: daher Aquae Patairinae^ Patavinorum 
aquae calidae Plin. N. H. U, 103) war sowohl wegen ihrer heil- 
wirken den, als auch ihrer weissagerischen Kraft bis in die 
spätesten Zeiten berühmt und wird theils einiach Aponus^ theils 
nnmen Aponi^ theils fons oder fontes Aponi^ theils endlich 
auf sieben Inschriften Aquae Aponi genannt ^^ 

7. Nerus — Aquae NerL Auch diesen Badeort nennt nur 
allein die Tab. Peuting. segm. I. £.; jedoch ohne Beisetzung des sonst 
bei den Aquae sich findenden viereckigen Gebäudes, auf der Strasse 
von Avaricum (Bourges) nach Augustonemetum (Clermont) zwischen 
Mediolanum (Chäteau-Meillant) und Cantilia (Sidon. Apollin. epist. 
IV, 13; wol Chantelle-la-Vielle). Sein Namen findet sich zunächst auf 
folgendem Bruchstücke eines zu Alichamps gefundenen Meilensteins ^^: 



FELICI.AVG.TEIB.P.COS.m 
P.P.PROCOS.AVAR.L.Xin 
MEDI.Xn.NEKI.XXV 
Demnach hat man diesen Namen auf das noch jetzt durch seine 
Quellen, sowie die i. J. 1820 erfolgte Aufdeckung römischer Bade- 
substruktionen (Dampfbäder, ähnlich den zu Aix in Savoyeu biosge- 
legten), Statuen, Säulen, Kapitelle und anderer architektonischen 
Ornamente bekannt gewordene Neris-les Bainsim Departement 
de TAllier bezogen, woselbst auch wie in vielen andern Badeorten 
eine Bronzestatuette der Diana ^^ gefunden wurde, über welche 



11 Salatifer Aponus Gassiod. Varr. lectt. 2, 39. Suet. Tib. 14. Aqboq. a.a. 0. 
Lucan. Phars. VII, 202. Claudian. Idyll. VI. Orelli 1880. Martial. VI, 42, 6. 
Orelli 1643. 1644. 2620. 3011. Maffei Mob. Veron. p. LXXXIX, 1. Murat. p.87,8 ; 12. 

^2 Caylas Recueil d'Antiq. UL p. 371 ff. 

13 Vgl. Greppo a« a. 0. p. 45—51. Walckenaer Göogr. des Gaules I. p. 372. 
HL p. 66. d*Anville Notioe de rancienne Gaule p. 77. 



_ 7 - 

Gottheit als VorBteherin von Bädern unten noch Näheres erwähnt 
ist. Mit Unrecht und ohne allen Grund wollte d'Anville in der 
Tab. Peuting. Aquae Nerae lesen, was wenigstens; wie schon Greppo 
bemerkt, Aquae Neriae heissen müsste: aber auch andere theilweise 
erst in der neueren Zeit ebendort aufgefundene Steinschriften beweisen, 
dass der Quellgott Nerus und danach seine Wasser Aquae Neri 
hiessen. Ein von Greppo *♦ angeführtes Fragment hat NENNERIO 
— OVH — VISSV; eine andere ebendort i. J. 1796 gefundene, jetzt 
j^dans une petite villa apell^e les Billoux^, einige Minuten von Neris 
aufbewahrte Inschrift lautet nach Greppo p. 47: 

NVMINIBVS 
AVGVSTORVM 
ET IVNONIBVS 
VICANI 
NERIOMAGIENSES 
während de Caumont Bulletin monumental vol. XXI (1855) p. 60 
in der letzten Zeile NEBIONACENSES bietet, welche adjektivische 
Form offenbar auch in dem obenerwähnten Fragmente NENNERIO — 
vorliegt: es hat sich also gewiss schon in uralter Zeit bei den dem 
Nerus geweihten Mineralquellen eine kleine Ansiedlung (vicus) ge- 
bildet, deren einheimische Localvorsteherinnen, die bekannten galli- 
schen Muttergottheiten, Deae Matres oder Matronae, in obiger In- 
schrift als Junones romanisirt sind. Weit wichtiger als dieses 
Denkmal ist die folgende leider fragmentirte Aufschrift einer Tafel 
aus weissem Marmor bei Greppo p. 58: 

. , . nNIB. AVG ET NERI_ 

sn.EQVES.ER.nvm.n 

LVCn.IVniEQ.ESTRIS.FILn 

AS . PORTICVS . QVIBVS . FONTES 

OMNIBVS . SVIS . ORNAMENTIS 

weil sie neben den NVMINA AVGVSTORVM ausdrücklich wiederum 
auch das NVMEN NERI, sowie seine fontes, die Säulenhallen des 
Badegebäudes und dessen architektonische und statuarische Aus- 
schmückungen (ornamenta) erwähnt. Vier Inschriften liegen dem- 
nach als sprechende Urkunden des Quell- und Badegottes Nerus 
vor und bestätigen evident die Richtigkeit der Ortsbezeichnung 
Aquae Neri in der Tab. Peuting. 

1^ Greppo p. 50 nach Barailon Recherches bjit rancienne ville romaine de 
Kerls (Paris 1806, 8) p. 142 o. 58. NERVS hat sich als Töpfemamen auf Stem- 
peln zu London, Paris und Ems gefanden: vgl. Fröhner Insc. terr. coct. 
vas. n. 1863—85. 



— 8 — 

8. Niflineiaft — Aqaae NisineiL Wie die Aqaae Neri, 
so sind auch diese Aquae einzig und allein nur durch die Tab. 
Peuting. segm. I. C. überliefert; woselbst sich^ auf. der Strasse von 
Avaricum (Bourges) nach Augustodunum (Autun); neben dem Namen 
auch wieder das mehr ei-wähnte viereckige Gebäude angezeichnet 
findet: übereinstimmend^^ nimmt man daher Bourbon-Lancy 
(Saöne et Loire) als die Aquae Nisineii an; diese können aber 
nach Analogie der übrigen Aquae nur von einem Quellgotte Nisi- 
nein»; nicht von ^quelque personnage distingu^^ dieses Namens, wie 
Greppo meint; ihre Namensbezeichnung empfangen haben. Mit 
gleicher Evidenz bezieht man aber auch darauf die an Constantin 
gerichteten Worte des Eumenius panegjr. VI, 22 bezüglich der 
3,aquae calentes^ bei den Aeduem: ^miraberis profecto illam quoque 
numinis tui sedem et calentes aquas sine ullo solis ardentis in- 
dicio; quarum nulla tristitia est saporis aut halitus; sed talis haustu 
et odore sinceritas; qualis fontium frigidorum.^ Das numen tuum 
ist natürlich Apollo, wie aus Vergleichung von cap. 21 erhellt 
Es lag nahe auch den heutigen Namen der Stadt auf den Namen 
des Gottes Nisineius zurückzuführen: d'Anville leitet das FAnci 
von dem Namen Ancellus, Anceau ab, wie er auch bei dem unten 
zu erwähnenden Bourbon-rArchambault auf einen Erchembaldus zu- 
rückgeht. Miliin dagegen 1^ dem Lancy sofort den Namen des 
Nisineius zu Grunde , zumal der Namen der Stadt bei älteren 
französischen Autoren theils Bourbon nensj, theils Bourbpn — Nansy 
lautet; auch Greppo will Nansy aus Nisineius entstanden wissen. 
Doch dieses Alles bleibt umsomehr blosse Vermuthung; als sicherlich 
auch der erste Theil des modernen Namens von dem gleich zu er- 
wähnenden Gotte Bormo oder Borvo abgeleitet ist. 

9. Bormo (Borvo) — Apollo Borvo — Aquae B.ormonis. 
Nicht weniger als 4 Badeorte sind es^ an welche sich Namen und 
Denkmäler des Gottes Bormo oder Borvo knüpfen. Schon darum 
allein müsste seine mythologische Bedeutung als eine allgemeinere, 
auf Wasser und Bäder überhaupt bezügliche vermuthet werden, wenn 
auch andere diese Vermuthung evident bestätigende Momente nicht 
vorlägen. Es begegnet aber der dem Worte zu Grunde liegende 
Stamm nicht blos in Ortsnamen vieler zum Theil weit von einander 
liegenden Gegenden, sondern es liegt dabei auch in vielen Fällen 
eine Beziehung auf Wasser oder wasserreiches Land nahe oder ist 

<» Vgl. Valesius Notitia Gallianim p. 104. d'Anville p. 78 Walckenaer I. 
p. 872. III. p. 68. Greppo p. 51—59. 



• >• 

• T 



- 9 — 

leicht nachzuweiseii. Ganz abgesehen von flo^fio^og ist den Fran- 
zosen noch jetzt la bourbe eine sumpfig- morastische Niederung: 
eine Beschaffenheit des Terrains^ auf welche sich ohne Zweifel auch 
die bei anderer Gelegenheit^* näher erörterten Localnamen Borma, 
Bormanum^ Bormani^ Lucus Bormani oder Bormanae^ Bor- 
mana^ Borbitomagus (Worms in einer wasserreichen Niederung am ^ 
Rhein); das heutige Bormes an der Küste von Südfrankreich^ 
sämmtlich im Gebiete des alten Gallien ebenso beziehen ^ wie die 
Aquae Bormiae*^, das heutige Bormio *® am Wormser Joch im 
Veltlin und das makedonische Worms Bormissus mit dem Grabe 
des Euripides in der Umgebung zweier Qu eilen; endlich vielleicht 
auch der von den Nymphen in die Fluthen gezogene und alljährlich 
durch feierliches Todtenfest beklagte Mariandjnische Wasserheros 
B^quoq, Zu allen diesen offenbar von demselben Stamme ausgegan- 
genen Local- und Personennamen gesellt sich jetzt auch weiter noch 
ein hispanischer Dens Bormani cus ^'; um insbesondere die Zahl 
derjenigen Ableitungen zu vervollständigen; welche dem reinkeltischen 
Sprachgebiete angehören und zur Genüge bezeugen; dasS; wie oben 
bemerkt; die Bedeutung auch des Bormo oder Borvo die mehr 
allgemeine eines Wassergottes war; die dannwol ihre besondere 
Beziehung auf Mineralquellen und Heilbäder erhielt und den in den 
Votivinschriften begegnenden Gott namentlich in seiner Identifizirung 
mit Apollo als Badeheilgott erkennen lässt. Die vorerwähnten 
vier Badeorte; deren moderne Namen noch auf diese Gottheit zu- 
rückweisen; sind nun aber folgende: 

Bourbon TArchambault (Allier): wiewohl an diesem Orte 
bis jetzt gar kdne Votivaltäre des Bormo (Borvo) zu Tage getreten 
sind; so hat man doch dort die Ueberreste eines römischen Amphi- 
theaters; einer Wasserleitung; Bäder; Ziegeln von der Badeheizung uilter 
einer; wie es scheint; verschwenderischen Anwendung von Marmor und 
Porphyr gefunden. So sicher es aber nur dem Zufalle zuzuschreiben 
ist; dass bis jetzt keine Denkmale jener Gottheit daselbst aufgefun- 
den wurden; so sicher hat dennoch dieselbe dem Orte seinen Namen 
gegeben. Dafür zeugt der heutige Namen dieses* Badeorts nicht 
weniger als der mittelalterliche und antike. Sirmond^ führt aus 



' 16 Vgl. Bonner Jahrb. XXXIII. XXXtV. S. 15 ff. 
" Cassiodor. Varr. lectt. X, 29. 
1» Lersch a. a. 0. S. 166. 
' 19 Vgl. Hübner in den Monatsberichten der K. Akad. der WisB. zu Berlin 

1861 S. 801 f. 

20 Sirmond ad Sidon. not. p. 48. 



— 10 - 

einem alten Chronisten folgende Stelle an: ^Äquitaniam ingresaus 
quaedam oppida et castella manu cepit, in quibus praecipua fuere 
Burbonium, Cantillia; Clanis mons^: hier kann sich daß Bur- 
bonium nur auf unsern Badeort beziehen. Dazu kommt endlich 
das wichtige Zeugniss der Tab. Peuting. segm. I. C. mit ihren 
„Aquae Bormonis'', eingeschrieben wiederum neben einem vier- 
eckigen Gebäude auf der Strasse von Augustodunum (Autun) nach 
Avaricum (Bourges) zwischen Suillia oder Sitillia (Thiel) und 
Degena (D^cise): einstimmig haben die französischen Archäologen** 
darin Bourbon - TArchambault erkannt und angenommen. Weiter 
gehört hierher 

Bourbon-Lancy: in diesem schon oben bei den Aquae 
Nisineii besprochenen Badeorte fanden sich drei Votivinschriften, 
deren zwei unzweifelhaft Borvoni et Damonae, eine Bormoni 
etDamonae gewidmet ist *^. Desselben Badegottes Verehrung 
beurkundet ferner auch jetzt noch der Namen von 

Bourbonne - les -Bains (Haute Marne), sowie zwei dort- 
selbst zu Tage geförderte Votivaltäre, welche Borvoni et Damo- 
nae und Deo Apollini Borvoni et Damonae, demnach also 
demselben Götterpaare gewidmet sind ^^. Auch diesen Ort wollte 
d 'An vi 11 e 24 in einem der mehr erwähnten viereckigen Badegebäude 
der Tab. Peuting. segm. II. A. auf der Strasse von Andomatunum 
(Langres) nach Tullum (Toul) erkennen, bei welchen kein Na- 
men beigeschrieben ist: er vermuthete denmach, dass auch hier 
ein Ort Aquae Bormonis d. h. eben das heutige Bourbonne-les- 
Bains gewesen sei. DaBs zwei Badeorte nach einer Gottheit be- 
nannt worden seien, hat bei der allgemeinen Bedeutung des Deus 
Bormo nicht allein Nichts auffallendes, sondern wird sich weiter 
auch durch ein analoges Beispiel evident bestätigen lassen. Endlich 
ist die Verehrung des Bormo auch durch zwei Inschriften beglaubigt, 
welche sich 

zu Aix-les-Bains in Savojen gefunden haben. Die erste 
dieser Inschriften ist ungenau zuerst vonAlbanis de Beaumont*^ 
also mitgetheilt worden: 



21 Vgl. Valesius Notit. Gall. p.l04. a. d'Anville notice p. 74. Walckenaerl. 
p. 372. ÜI. p. 67. Greppo p. 25—27. L. Renier annaaire de la sooiötö des An- 
tiquaires de France, 1850, p. 247. 

22 Greppo p. 56 u. 57. 

23 Greppo p. 28 u. 29. Orelli-Henzen 5880. 
2* Notice p. 75. 

25 Description des Alpes Grecqaes et OottienneB pL XIX, 9. 



— n — 

QVRMIVS 

CVIICVS 

BON VS . M 
etwas besser von Greppo^*: 

GVLILIVS 

CVRICVS 
BOMV.V.S.L.M 
zuletzt endlich genauer von Allmer*^: 

CVLTIIVS 

CVTICVS 

BORVVSLM 

d. h. wol: Gaius Vettius Cuticus Bormoni uti voverat solvit lubens 

merito. Ebenderselbe theilt dann weiter a. u. a. O. p. 7 auch die 

zweite dieser Inschriften folgendermassen mit: 

M LICIN RVSO BORM VVSLM 
Wiewohl unter diesen sieben Votivinschriften des Bormo oder 
Borvo nur eine ist, in welcher, wie oben schon bemerkt, dieser 
Gott mit Apollo identifizirt erscheint, so kann dieses doch ebenso- 
wenig auffallen, wie die danebenstehende Thatsache, dass vier die- 
ser Quell- und Badegottheiten immer nur in der Zusammenstellung 
mit Apollo begegnen. Dass dieses nur dem Zufalle beizumessen ist, 
welcher bis jetzt noch kein inschriftliches Zeugniss an's Tageslicht 
gefördert hat, das diese Götter nur mit ihrem einheimischen Namen 
allein aufwiese: dafür zeugen zwei Votivinschriften eines Dens 
Maponus, welcher, obgleich Britannien angehörig, doch füglich 
hier eingereiht werden darf. 

10. Maponus — Apollo Maponus — Aquae Maponi. 
Die eine dieser Votivinschriften, zu Armthwaite in Cumberland ge- 
funden, ist, neben den Numina Augustorum, in erster Stelle Deo 
Mapono, die andere aus Ribchester aber Deo sancto Apollini 
Mapono gewidmet: letztere zeigt auf der einen Seite den Apollo 
mit der Leier, auf den beiden andern weibliche Gestalten mit Blumen- 
körbchen ^^. Dass aber auch dieser locale Apollo Maponus ein 
Quell- und Badegott gewesen, darauf weiset, wenn nicht Alles trUgt, 



" Öreppo p. 156. 

27 Sar deux inscriptions votives en rhonneur de la d^esse (II) Bormo, pro* 
tectrice, ä Föpoque romaine, des eaaz thermales d*Aix en Savoie et sar Föty- 
mologie du mot BOVRBON. Lyon 18ö9. 8. p. 6. 

20 Vgl. Gollingwood Bruce im Archaeological Journal 1855 p. 47. p. 226. 
Britannia Romana ed. Camden-Groagh III p. 378. ed. Camden-Gibson II. p.974. 
Tb. Wright the Gelt, the Roman, Ihe Saxon p. 268. Orelli-Henzen 5900. 



— 12 — 

eine in diesem Bezüge unschätzbare Notiz des Geographns Ravennas *^, 
welcher unter andern britannischen Oertem auch ein jetzt nicht leicht 
mehr näher bestimmbares Maponi anfftihrt, dessen eigenthtimliche 
Form einen Genitiv yermuthen lasst^ bei welchem ein zugehöriger 
Nominativ, wie öfter, ausgefallen ist: dieser Nominativ dui-fte aber 
kaum ein anderes Wort als eben ^Aquae' gewesen sein: es wären 
demnadi auch fUr Apollo Maponus die nach ihm benannten 
Aquae Maponi nachgewiesen« 

Was nun aber jene vorerwähnten vier Badegottheiten angeht, 
welche auf Inschriften .immer nur mit Apollo identifizirt werden, 
so sind es Apollo Cobledulitavus, Apollo Grannus, Apollo 
Livius und Apollo Toutiorix, von denen der erste dem Südwest-' 
liehen Frankreich, die übrigen den Rhein- und Mainlanden angehören. 

11. Apollo Cobledulitavus: seine Heimath ist das alte Pe- 
trucorii, jetzt Perigueux in Südfrankreich; wiewohl man dort 
selbst nämlich erst in neuerer Zeit die Substruktionen römischer 
Badeanlagen aufdeckte, so war doch deren einstige Existenz be- 
reits durch folgende, schon seit längerer Zeit aufgefundene, jetzt j^dans 
les ruines du chateau de Barrifere^ aufbewahrte Inschrift beurkundet^: 



ET DEO APOLUNI 

COBLEDVLITAVO 

M . POMPEIVS . C . POMP 

SANCTI SACERDOT 
ARENSIS . FIL . QVIR . LIB 
SACERDOS . ARENSIS 
QVI TEMPLVM DEA . 
TVTELAE ET THERMA 
PVBLIC . VTRAQ . Ol 
VETVSTAE COLLAB 
SVA PEGVNIA REST 
V.S.L.M 
Diese leider fragmentirte Inschrift ist nach Anleitung von Zeile 
7. 8. im Anfange DEAE TVTELAE zu ergänzen: eine Gottheit, 
deren Verehrung durch zahlreiche Votivinschriften aus dem südwest- 
lichen Frankreich dokumentirt ist; ebenso ist Zeile 9 VTRAQ . Ol 
wol einfach in VTRAQ VE zu verbessern, mit welchem Worte das 
templum der Dea Tutela und die thermae publicae zusammen bezeicfa- 



3> p. 486, 20 ed. Finder n. Psrthey. 

'0 Vgl. Revae des sodötte savantes 1868. IV. p. 106. 



- 13 — 

net werden; gleicherweise ist in dem angeblichen VETVSTAE von 
Zeüe 10 die Verbindung von A und T übersehen, da es VETVSTATE 
heissen muss. Unerklärlich bleibt der SACEKDOS AEENSIS, des- 
sen Würde die beiden in der Inschrift genannten Pompejer^ Vater 
und Sohn, bekleideten; mit Abbe Audierue einen sacerdos Martis 
zu verstehen, ist mehr als ^weifelhafl;. Die thermae publicae aber 
beziehen sich offenbar auf Apollo Cobledulitavus, welcher ohne 
Zweifel als der Quell- und Badegött deren Schutzgottheit und Vor- 
steher war. 

12. Apollo Grannus — Aquae Granni. Die Bedeutung die- 
ses weitverehrten Heilgottes erhellt zunächst aus einer Nachricht des 
CassiusDio^^ über die Krankheit des Garacalla, wdcher während der- 
selben verschiedene Heilgötter ohne Erfolg anrief, darunter auch den 

Apollo Grannus: ^/d^ o ^Anollwy o r^apvog ov^' o UaxX^ntog ov^ 6 

2a^i%ig »alntQ noXld fuv InettiaavTi etit^ fStj^ilfianf^ . Zu diesem Zeug- 
nisse kommen noch siebz ehn meist in Süddeutschland und den Rhein- 
landen, einzeln auch in Kom, Siebenbürgen und dem Grabe eines 
normannischen Häuptlings am Mälarsee in Schweden aufgeAmdene 
Votivinschriften««, welche APOLLINI GBANNO gewidmet sind: auf 
einigen derselben ist er zugleich mit den NYMPHAE, der HYGIA und 
einer gleichfalls keltischen DEA SQtONA^ zusammengestellt, wodurch 
einerseits für ihn selbst auch die Bedeutung als Heilgott und zwar 
insbesondere durch Heilquellen bestätigt, andererseits auch das Wesen 
seiner zuletzterwähnten göttlichen Begleiterin vermuthungsweise näher 
festgestellt werden kann. Schon die bemerkenswerthe Thai»ache, 
dass die bei weitem grössere Anzahl dieser Votivinschriften das Rhein- 
land 9um Fundgebiete hat, weiset darauf hin, dass die „Aquae 
Granni^ ebendort gesucht werden müssen, ^ und man hat daher 
längst schon dieselben in den Heilquellen von Aachen mit um so 
grösserem Rechte wiedergefunden, als ihr Namen fast unverändert 
in derselben Form durch das ganze Mittelalter fortgelebt hat^. Die 
reiche Urkundensammlung des Niederrheins von Lacomblet ent- 
hält im ersten Bande ^e zahlreiche Menge von Dokumenten aus 
dem IX. bis XII. Jahrhunderte, unter welchen nur drei in der 
Subscription als Ort der Ausstellung „Aquis^^ schlechthin aufweisen; 
eine hat „apud Aquis granum^^, eine andere „in aquis gra- 



31 Lib. LXXVn, 15 vol. IL p. 413 ed. I.Bekker. 

32 Vgl. OrelU-Henzen Ind. s. v. p. 23. 

'3 Vgl. Yalesins Notit. Gall. p. 28. Eckhart de Apollhie Granne in Euchen- 
beckeri Analeet. Hassiac. Marburg 1728. collect. III. n. XI. p. 220—244. Bimard 
diatrib. ad Murat col. 59. Greppo p. 159—161. 



— 14 — 

nensi palatio^^^ die weitaus grössere Anzahl (16) bietet ^^Aquis 
Grani*% theils in einem; theils in zwei Wörtern geschrieben; 
ebenso hat auch Einhard in seiner Vita Caroli M.; während 
eine von Fröhner^^ mitgetheilte mittelalterliche Hofdichtung 
.,ad Aquas Orani'^ anAihrt Man ersieht aus allen diesen 
Erwähnungen^ dass, wenn irgendwo^ grade dort sich der römische 
Namen ^^Aquae Granni^' lange erhalten hat; wenn auch die Form 
Aquis granum (eine an sich ungeheuerliche Wortbildung!) da^ 
rauf hinweiset; dass die ursprüngliche mythologische Bedeutung und 
Beziehung des ,;Grannus" völlig verloren ging; wie auch die Schrei- 
bung des ;;Grani'^ mit einem N bezeugt Wie. in vielen analogen 
Fällen ^ schon im Alterthume geschah, liess man allmählig den Zu- 
satz ;; Granu i'^ ganz fallen; wonach sodann aus dem übrig bleibenden 
;;Aquae^' das deutsche Aachen und das französische Aix wurde; 
welchem letztem sodann theils wol zur Unterscheidung von dem pro- 
ven^alischen und savojschen AiX; theils vielleicht auch zur Bezeich- 
nung der religiös-kirchlichen Bedeutung der Stadt — und wie zum 
Gegensatz gegen den heidnischen;; Graun us^' — noch das charak- 
teristische ;;la Chapelle^' hinzugefügt wurde. 

13. Apollo Livius. Demselben Rheingebiete gehört weiter 
auch der auf einer Votivinschrift aus IKetkirchen bei Bonn zu Tage 
getretene ApolloLivius an^. Der anscheinend römische Beinamen 
Livius darf hier nicht befremden: auch Zeuss^' weiset nach; dass 
dieser angeblich römische Namen keltischer Abstanmiung sei : Plinius 
H. N. III; 4 erwähnt eine Stadt Glanum Li vi, ein pagus Livius 
findet sich auf einer Inschrif); aus Brescia, eine Frau Cracca Livo- 
nis filia ist gleichfalls inschriftlich beglaubigt^: lauter unzweifelhaft 
keltische Personen- und Ortsnamen. Eckhart ^^ bezieht den Apollo 
Livius auf den zwischen Kaisers werder und Ordingen auf dem 
linken Bheinufer liegenden Ort Linne: wiewohl' dieses nur Vermu- 
thung ist; so liegt doch die Annahme sehr nahe, dass ApolloLivius 
der göttliche Vorsteher einer der zahlreichen kleineren Mineral- und 
Heilquellen Bheinpreussens gewesen ist, welche schon den Bömem 
bekannt waren. 



^^ Vgl. Haupts Zeitschrift f. deutsches Alterthnm. XL S. Iti. 
3* Vffl. Annalen des NaBsau'schen Vereins VII, 1. S. 122. 
36 Vgl. Hüpach Epigr. p. 6 n. 12. Orelli 2021. 
3» Gram. Celt. p. 24. 

38 Octavio Rossi Le Memorie Bresciane ed. Vinaccesi p. 233 n. 16. Murat. 
p. 77, 16. Orelli 4901. 

39 de Apolline Granne a. a. 0. p. 225. 



— 15 — 

14 Apollo Toutiorix. Wie die ;;Aquae Granni" haben 
Bicherlich auch die heissen Quellen des heutigen Wiesbaden eine 
der ersten Stellen unter den von den Römern b^i^^tzten Heilquellen 
der beiden Germanien eingenommen^ und es wäre auffallend^ wenn 
uns nicht auch über die Localgottheit derselben irgend ein Zeug- 
niss überkommen wäre. Bekanntlich erwähnt zuerst Plinius N. H. 
.XXXI;2, 17 die ,,fontescaliditransIUienum^^zu ^Mattiacum inGeiv 
mania^; welcher Ort ^offenbar mit dem Mamanov des Ptolemaeus II, 
11; 29 und dem heutigen Wi esbaden identisch ist^. Wenn nun auch 
Ammianus Marcellinus XXIX, 4 dieselben Quellen j^Aquae Mat- 
tiacae^ nennt, so haben beide Zeugnisse zunächst nur die Benen- 
nung der Quellen nach der sie umwohnenden Völkerschaft der Mat- 
tiaci im Auge: sowie aber z. B. die Aquae Patavinae als identisch 
erkannt wurden mit ,, Aquae Aponi^, so darf auch wol auf eine 
analoge Schutzgottheit für die heissen Quellen des alten Mattiacum 
geschlossen werden. Und in der That wurde schon i. J. 17^4 bei 
der Fundamentirung des Gasthauses zum Schützenhof in Wiesbaden 
selbst eine grosse i. J. 1852 von da ins Museum verbrachte Votivinschrift 
aufgefunden; welche die Gelübdeerfüllung eines Centurionen der VII. 
Legion verewigt; der offenbar in den Heilquellen seine Genesung ge- 
funden hatte. Dieser höchst wahrscheinlich zwischen den Jahren 222 
bis 235 n. Ohr. gestiftete Votivaltar aber ist APOLLINI TOVTIORIGI 
geweiht, dem einzigen Apollo; welcher; unseres WissenS; auf den In- 
schriften des römischen Nassau beg^net^« Es kann wohl kaum 
einem Zweifel unterliegen; dass dieser einzig dastehende Apollo 
Toutiorix als Heilgott und sicherlich als Vorsteher der heilkräfti- 
gen Quellen des alten Mattiacum anzusehen ist; welche demnach 
auch wol als ^ Aquae Toutiorigis^ bezeichnet worden sein moch- 
teU; wiewol ein ausdrückliches Zeugniss darüber nicht vorli^. 

B. Weibliche Quell- und Badfgottlieiteii. 

Neben diese männlichen Quell- und Badegotäieiten der Kelten 
stellen sieh nun aber auch eine Anzahl weiblicher; ohne dass je- 
doch bei diesen eine römische Gottheit nachgewiesen werden kanU; 
welche mit ihnen so identifizirt worden wäre; wie Apollo mit jenen. 
Der Grund dies^ Erscheinung liegt ganz nahe: es finden sich näm- 
lich fast an allen durch Mineral- und Heilquellen ausgezeichneten 



'^ Vgl. Annalen a. a. 0. S. 76, 138 f. 

«< OrelU 2069* Annalen lY. S. 375 n. 518 n. 48. 



- 16 - 

Orten der ehemaligen Nordprovinzen des rdmischen BeicheB vom 
FuBBe der PTren&en bis an den Rhein und die Donau zahlreiche Vo- 
tivaltäre der Nymphae: diese aber waren bei den Körnern bekanntr 
lieh die eigentlichen Vorsteherinnen der Quellen^ in welchen sie ver- 
ehrt wurden; eine besondere weibliche Gottheit gab es daher bei 
ihnen nicht; welche in analoger Weise, wie Apollo mit den männ- 
lichen, also mit den weiblichen Quell- und Badegottheiten bei der. 
Amalgamirung keltischen und römischen Glaubens hätte identifizirt 
werden können. Dazu konunt, dass überhaupt auch die nachweis- 
liche und muthmassliche Zahl der weiblichen Gottheiten dieser Art 
nur klein ist und sich im Ganzen auf sechs bis sieben beläuft. Voran- 
zustellen ist 

1. Segesta — Aquae Segestae. Zwei an verschiedenen 
Stellen der Tab. Peuting. neben das mehrerwähnte viereckige Ge- 
bäude eingezeichnete Namen von Badeorten sind offenbar von einer 
und derselben Gottheit abgelötet, welche gleich dem Bormo und 
der unten näher zu besprechenden Sirona eine allgemeinere 
Bedeutung gehabt haben muss. Einerseits nämlich führt die Tab. 
Peuting. segm. I. F. einen Ort ^ Aquae Segete^ im Gebiete der 
Segusiavi auf, welchen man jetzt gemeinlich in Moind bei Mont- 
brison sucht ^^; andererseits findet sich ebendort segm. I. C. im Ge- 
biete der Senones gleichfalls ein Bad ^ Aquae Segestae^ einge- 
zeichnet, welches man in Montbouis zwischen Chätillon-sur-Loing 
und Montargis wiederzufinden meint ^'. Es kann keinem Zweifel 
unterliegen, dass diese Badegottheit Segesta (denn also ist an 
beiden Stellen der Tab. Peuting. zu lesen) gar Nichts mit der römi- 
schen Segetia^ oder Seia oder Segesta^ als die zufällige Na- 
mensidentität gemein hat, sondern vielmehr als eine einheimische 
gallische Göttin anzusehen ist Plinius N. H. III, 5 und 19 erwähnt 
Städte des Namens Segesta aus dem Gebiete der Ligurischen Ti- 
guUi und der keltischen Cami: in letzterer Stelle ist nämlich Se- 
gesta statt der Vulgate Segeste aus dem trefilicheh Parisinus A (6796) 
ohne Bedenken in den Text aufzunehmen. Dazu kann noch Se- 
gestica als Namen einer durch den Zusammenfluss des Savus und 
der Colapis gebildeten Insel aus demselben Schrifteteller EU, 25, 28 



^2 Vgl. Forbiger Hdbch. d. a. Geogr. III. S. 210. Ang. Bernard descriptioB 
du paya des Segusiaves, Lyon 1858) p. 94. 
♦s Greppo p. 71-86. 

^ Vgl. Augnstin. Civ. Del. IV, 8, 25 vol. I. p. 146 ed. Strange. 
« Vgl. Plin. N. H. XVIII, 2. 



— i7 — 

geftigt werden. Der Segesta reiht sich zunächst eine britannische 
Quell- und Badgottheit an^ da bei ihr. genau dasselbe Verhältniss ob- 
waltet; wie bei dem oben mit aufgeführten britannischen Apollo Ma- 
ponus: diese Gottheit ist 

2. Sulis — Sulis Minerva — Aquae Sulis. Das Itine- 
rarium Antonini^ führt nämlich einen Ort auf^ welcher in der ge- 
wöhnlichen Lesung mit ^Aquis Solis^ bezeichnet wird. Während 
Ptolemaeos^^ ihn einfach vdata i^s^fiu, aquae ealidaC; nennt^undman 
denselben längst in dem heutigen durch seine heissen Quellen^ wie 
durch seine zahlreichen römischen Alterthümer bekannten Badeort 
Bath erkannt hat, stand die unverfUschte Schreibung seines Namens 
noch nicht fest. Da unter den Handschriften des Itin. Anton, die 
zweite Hand des dem VIH Jahrhunderte angehörigen codex Vindo- 
bonensis (L) und der mit ihm eng verwundte Remensis (I: praefat. 
p. XVII), sowie der mit ihm meist tibereinstimmende Vaticanus 1883 
(N: praefat p. XX) jedoch „Aquis Sulis^ bieten, so ist bereits 
von E. Hühner^® auf diese' Leseart als die allein richtige hingewie- 
sen worden, zumal nun, auch die inschriftlichen Zeugnisse die- 
selbe evident und überraschend bestätigen. Ganz abgesehen davon, 
dass, wie Hübner bemerkt, „Aquae Solis^ schon mythologisch ganz 
unwahrscheinlich ist (denn die ^quae Apollinares^ bei Vicarello in 
Italien können bei der ganz verschiedenen Beziehung des Apollini- 
schen bei ihi er Benennung gar nicht verglichen werden): liegen näm- 
lich sechs inschriftliche Votivwidmungen aus Bath vor, von denen 
drei einer DEA SVLIS (denn also lautet der Nominativ zu dem 
gleichlautenden Genitiv und dem Dativ SVLI dieser Inschriften) 
schlechthin, drei andere aber einer DEA SVLIS MINERVA ge- 
weiht sind^': der englische AlterthumsforscherLysons^ hat daher, wie 
Hübner bemerkt, den Namen der Göttin mit den ,, Aquae Sulis^ 
zusammengestellt und allerlei etymologische Versuche daran geknüpft. 
Dass es dieser nicht bedarf, erheUt aus unserer ganzen Erörterung, 
wonach einerseits bei der evidenten Uebereinstiinmung der besten 
handschriftlichen und inschriftlichen Urkunden über den Namen der 
„Aquae Sulis^ ebensowenig Zwdfel mehr sein kann, wie anderer- 



« p. 486,. 3 ed. Wesseling; p. 233 ed. Pinder u. Parthey. 

47 p. 73, 16 ed. Tanchnitz. 

^ Rhein. Mus. f. Phüol. N. F. XIV S. 349. 

49 Lysons Reliquiae Britannico-Komanae (London 1813. fol.) vol. I. Tab. X, 
1, 2, 3, 4; Tab. VI, 6; XIU, 2. Orelli 2052. OrelH-Henzen 5914. 

50 Lysons vol. I. p. 9. not. c. 



- 18 - 

seitB darüber; daM jene ^Aqaae' ganz und gar nach Analogie der 
meüten rorerwähnten Badeorte ebendiesen ihren Namen von ihrer 
einheimischen keltischen Sehntegottheit erhalten haben. Oans beson- 
ders bemerkenswerth ist nun aber die Identifimrung denelben mit 
der römischen Minerya, wie sie in drei Inschriften klar yorliegt. 
Es würde hier zu weit führen, das Wesen der keltischen Belisama, 
welche die Bömer wol zunächst mit ihrer Minerva identifizirten, 
sowie anderweitige Identifizirungen keltischer Göttinnen mit ebender- 
selben^ insbesondere mit Rücksicht auf Caesar b. g. VI, 17, näher 
zu erörtern; eine bemerkenswerthe Thatsache dagegen darf nicht 
übersehen werden, das unzweideutige Zeugniss nämlich, welches da- 
rüber vorliegt; dass, bei dem allmähligen Untergange der alten kel- 
tischen Götterwelt und dem vollständigen Siege der Götter Roms, 
auch in Bath die einheimische Sulis zuletzt ganz und gar der ro- 
mischen Minerva gewichen ist, unter deren Schutz sodann alle jene 
Heilquellen kamen. Es berichtet nämlich C. Julius Solinus^ bei sei- 
ner Beschreibung Britauniens: ,,CircuitUB Britanniae quadragies oc- 
ties septuaginta quinque milia (passuum) sunt In quo spatio magna 
et multa flumina, fönt es calidi opiparo exculti apparatu ad usus 
mortalium: quibus* fontibus praesul est Minervae numen, 
in cuius aede perpetui igues numquam canescunt in favillas, sed ^bi 
ignis tabuit, vertit in globos sazeos.^ Die zuletzt erwähnte Thatsache 
von einem ewigen Feuer scheint auch einem Chronisten des 14. Jahr- 
hunderts bekannt gewesen zu sein, welcher dasselbe in einen dem 
Apollo und der Minerva geheiligten Tempel versetaf . Ueberhaupt 
dauerte die Bedeutung und Frequenz des Badeorts Bath sicherlich 
unter lebendiger Bewahrung der lokalen Traditionen durch das ganze 
Mittelalter fort^ wie ausser den mannigfachen Restaurationen der dor- 
tigen Thermen von geistlicher und weltlicher Seite, sowie den Bad- 
besuchen selbst der königlichen Familie ^ insbesondere noch ein Be- 
richt aus dem Jahre 1671 mit den Worten meldet: „Illnc omnis ge- 
neris omnisque conditionis viri foeminaeque, sanitatis, imo delitiarum 
causa tota ex Britannia confluunt.^^^ 

Auf dieselbe britannische Dea Sulis bezieht sich vielleicht auch 
ein auf der Tab. PeutiQg. segm. I. A. in dem Gebiete der Britannien 



" G. Julii Solini polyhistor ed. Salmas. (Piinianae fixerdtt.)» Utrecht 1689, 
fol. cap. XXII. p. 31.p. 114 f. ed. Th. Mommsen. 
» Lersch a. a. 0. S. 29. 
.s3 Lersch a. a. 0. S. 161 n. 165. 
^ Lersch a. a. 0. S. 204. 



- 19 - 

ge^nüber auf der Westküste Frankreich wohnenden Veneti einge- 
zeichneter Ort Sulim^ welchen d'Anville**Suli8nenntund Wale ke- 
naer** nach Hennebon in Morbihan verlegt: ein Ort, der nach Pa- 
tisBier'^ Mineralquellen enthält ; ob aber auch römische) Alterthümer; 
ist nicht bekannt. Diesen beiden Gtöttinnen reihen sich am besten 
zwei schon genannte göttliche Begleiterinnen des ApoOo an. 

3. Damona: sowohl auf den beiden zu Bourbonne-les-Bains als 
den drei zu Bourbon-Lancy gefundenen Votivaltären des Bormo oder 
Borvo ist diese Göttin mit Ap^ollo zu einem Qötterpaare verbunden, 
so dass wol aus der Natur und dem Wesen ihres (Begleiters auf ihr 
eigenes Wesen ein Schluss erlaubt ist, wie dieses auch bei andern 
ähnlichen Götterpaaren aus der römisch-keltischen Mythologie nahe- 
gelegt ist. Bemerkenswerth ist bei diesen Votivinscbrifien no'ch, dass 
eine derselben einen G, Daminius Ferox, civis Lingonus, zum 
Stifker hat, dessen Namen so sehr an den der Damona anklingt, 
dass eine Art besonderen Namenspatronatsverhältnisses vorzuliegen 
scheint ^^. Derselbe Wortstamm liegt übrigens offenbar audi den 
keltischen Personennamen Dama, Damo und Damio zu Grunde ^^ 

4. Sirona. Wie Damona mit (Apollo) Bormo oder Borvo, so 
ist auch Sirona auf vier der obenerwähnten Volivaltäire des 
Apollo Grannus mit diesem zu einem Götterpaare verbunden und 
darf desshalb wol ebenfalls als eine wohlthätige Heil- und Quellgott- 
heit angesehen werden. Bestätigt wird dieses ganz besonders durch 
eine vor nicht langer Zeit in dem obenerwähnten Badeort Luxeuil 
(Luxovium) aufgefundene Votivinschrifk, welche ebenso wie eine an- 
dere von der unten zu erwähnenden Quelle beiNiersteiu; vielleicht 
auch eine dritte aus Graulx bei Soulosse in Frankreich, nur dem 
Apollo allein ohne weitere B^amen und der Sirona gewidmet ist: 
auch diese beiden Fundstätten und diese Zusammenstellung der Si- 
rona mit dem römischen Heilgotte kann nur die jener Göttin beige- 
legte Bedeutung bekräftigen. Dass aber, wie auch wol bei der 
Damona, diese Bedeutung weniger eine locale, an dne bestimmte 
Heilquelle vorzugsweise geknüpfte, sondern vielmehr, wie bei Bormo, 



» Notice p. 622« 

w Ööogr. m. p. 58. 

^v Manuel des eaoz minörales de la France p. 557, 

5» Vgl. Orelli-Henzen 5880. Zeitschrift f. d. Alterthnmsw. 1845 S. 56 und 
1851 8. 119 ff. 

59 Vgl. Wiener Jhrb. 1846. CXVI. Anzbl. S. 59. Stuart Gaiedonia Romana 
tab. y. 5 p. 192. Overbeck Katalog des Bonn. Mus. S. 73 n. 146. Fabrett. 
p. 465, 96. Ballet. delF inst arch. 1848 p. 110. Orelli 1658. 

2* 



— 20 — 

eine allgemeinere war; dafbr zeugen überdiess noch sieben 
weitere Votivinschriften^ welche nicht nur der Dea Sirona allein 
gewidmet sind; sondern auch durch ihre Auffindung in dem weiten 
Gebiete von Bretten in Siebenbürgen bis lief nach Frankreich hinein 
zugleich genugsam die weite Verbreitung ihres Cultus und damit 
sicherlich auch die allgemeinere Bedeutung ihres Wesens beurkun- 
den^. Der Damona und Sirona «chliesst sich zunächst an die 

5. Divona^ jene berühmte Quelle zu Burdigala (Bordeaux)^ 
welche man jetzt in der Quelle von Fondaud^ge zu sehen glaubt: 
bekannt ist das hohe Lob, welches ihr Ausonius gegen Ende des « 
vierten Jahrhunderts spendet**: 

Salve fons ignote ortu^ sacer, ahnC; perennis, 

Vitree^ glauce^ profunde^ sonore, illinis^ opace; 

Salve urbis genius; medico potabilis haustU; 

Di von a Celtarum lingua fons addite Divis, 
und an Güte über die Wasser des Aponus und Nemausus stellt 
Burdigala gehörte bekanntlich zu dem Gebiete der Bituriges Vivisci, 
während auch die Hauptstadt der Cadurci, das jetzige GahorS; gleich- 
falls Divona hiess*^. Ausser den vorgenannten Quell- und Badegott- 
heiten lassen sich noch einige andere Göttinnen mit fast gleicher 
Sicherheit demselben mythologbchen Kreise einreihen. Zuvörderst 
ist aus diesen 



«0 Vgl. Bonner Jahrb. XX. S. 108 f. XXYII. S. 80-82. OrelU-Henzen Ind. 
8. V. p. 38. 

" Clar. urb. XIV, 29 ff. 

<> Vgl. Forbiger a. a. 0. III. S. 165. Ghandmc de Crazannes in Rev ar- 
ch6o]. 1841 p. 165—170. Greppo p. 113 f. Mit Unrecht verlegt Lersch a.a.O. 
S. 15 f. die Qnelle Divona nach Bagnöres-de-Lnchon, dessen Badegottheit Lixo 
oben von uns nachgewiesen wurde. Zur Divona fons mag hier noch die Ura 
fons verglichen werden, welcher ein auf dem rechten Ufer der Yidourle bei 
der alten Stadt Ambrussium im Garddeparrement gefundener Votivaltar geweiht 
ist, der sich jetzt im Museum der Stadt I^imes befindet und in der Mitte der 
Vorderseite einen mit der patera libirenden verschleierten Priester zeigt, ober- 
und unterhalb dessen die Inschrift 

AVGVST 

LARIBVS 

CVLTORES VRAE 

FONTIS 

verthdlt ist. Diese üra fons ist bald auf die Vidourle selbst, bald auf den 

Baoh Etire, dessen Wasser ehemals mit der Quelle Airan nach Nimes geleitet 

waren, bald auf die fontaine d*Urre bei Uzte unweit Nimes gedeutet worden: 

vgl. Annales encyclopediques tom. III. (1818) p. 271. Greppo p. 213. Boissieu 

Insc. de Lyon p.49 n. XXXII. Gomarmond descript. du musöelapidaire de Lyon p.351 

n.587 pl.IXn.587. Catalogue du mus.d. Nimes p. 71. Annal.deir inst. arch.l8ö3. p.58. 



- 2i — 

6. A c i o n n a henrorzuheben, welcher die nachfolgende VotiTin- 
Schrift einer quadratischen Platte gewidmet ist, die bei den Ausgra- 
bungen der Fontaine de l*Etuv^e zu Fleury unweit Orleans zu Tage 
gefördert wurde ••: 

AVG . ACIONNAE 
SACRVM 

CAPILLVS ILLIO 
MARI.F.PORTICM 

CVM SVIS ORNA 
MENTIS.V.S.L.M 

Uebereinstimmend sehen alle Erklärer dieser Inschrift in der AGI- 
ONNA die Göttin der Quelle de TEtuv^e selbst : eine Ansicht, welche 
insbesondere durch die Vergleicbung der einen zu Neris-les-Bains ge- , 
fundenen und dem NERVS gewidmeten Inschrift eine grosse Stütze 
erhält. Beide Inschriften beurkunden die Errichtung einer Säulen- 
halle d. h. einer eleganten (cum suis ornamentis) Trink- und Spa- 
zierhalle für die Kurgäste um die betreffenden Heilquellen von Sei- 
ten genesener und daher gegen die Quellgottheit dankbarer Bade- 
gäste; wie zu Neris-les-BaipS; so wird demnach also auch hier die 
4iarüber sprechende Votivurkunde der wohlthätigen Gottheit selber 
gelten. Wie Acionna darf dann auch wol 

7. Blandaftir die Mineralquellen des auch durch anderwei- 
tige Inschriftenfunde ^ bemerkenswerthen Belley (Belicensis vicus) 
im D^artement de TAin als Schutzgöttin und Vorsteherin mit gutem 
Ghrmde vermuthet werden. Es liegt für diese Vermuthung bis jetzt 
freilich nur eine einzige im dortigen Präfekturgebäude aufbewahrte 
inschriftliche Urkunde vor, welobe Greppo p. 182 also mittheilt: 

D. BLANDE 

CAESU . RV 

FINA.PRO.SA 

LVTE . BELLI 

RVFI ANI . FIL 

EX.V 



» Vgl. B. Stark Stfidteleben , Kunst und Altertham in Frankreich, Jena 
1855, 8. S. 618. M^m. et dissert d. l. soe. d Antiq. d. France, VIT praef. 
p. 99 and XI (1885) p. 391. de Wal Myth. sept. mon. epigr p. 8 n. X. Has6e 
d'Orleans: explication des tableaux, antiqaitto etc. Orleans 1851 p. 186. 
Greppo p. 267 f. 

^ Reines. Synt. p. S09. OCXYI. GCXVIL Orelli 1898. 



- 22 - 

Zu dem Namen der GOttin, der vielleicht eine Zusammenziehong 
au8 Belanda ist und damit an den oben erwähnten BelenuB, den 
Nf^men des Belicensis vicus selbst^ die gallische Völkerschaft der 
Belindi und andere Bildungen ähnlicher Art erinnern würde, lassen 
sich aber zunächst der Namen der hispanischen Stadt Blandae bei 
Plin. N. H IIT, 3, sowie ein Helvetier Blandus Vindaluconis filius 
bei Mommsen Insc. Helv. 290 vergleichen. Wie Blanda^ so dürfte 
weiter auch 

8. Du na als Quellgöttin in einer von zwei Votivinschriften auf- 
zufassen sein^ welche^ zu Bouhj zwischen St. Amand und £ntrs^ins 
gefunden, dem MAKS BOLVINNVS gewidmet sind» Während 
nämlich dieser Gott einer der zahlreichen gallischen mit dem römi- 
schen Mars identifizirten*^ Kriegsgötter, zugleich aber als die Local- 
gottheit des dem Fundorte Bouhy benachbarten Dorfe Boulin nicht 
zu verkennen ist, wird die mit ihm gepaarte Duna sicherlich als 
Vorsteherin der, wie LeBlant hervorhebt, den Römern wohlbekann- 
ten Mineralquellen von Bouhy mit allem Bechte anzunehmen 
sein. Der Duna schliesst sich endlich an 

9. Meduna und 10. Devercana, beide durch einen kleinen 
in dem rheinpreussischen Badeort Bert rieh gefundenen Votivaltar 
beurkundet*»^ und vielleicht als Vorsteherinnen dortiger Quellen ver- 
ehrt: 

DEVERCANE 

ET MEDVNE 

L.TACCITVS 

V.S.L.M 

Zur Vervollständigung dessen, was bereits oben über diejenigen 
römischen und griechischen Gottheiten angedeutet worden ist, welche 
noch ausser und neben dem ersten und vorzüglichsten Heilgotte 
Apollo bei der im Laufe der Zeiten immer gewaltigem Ueberwucht 
des Glaubens der siegrdchen Eroberer über die Götterwelt der be- 
siegten Kelten an die Stelle der einheimischen Quell- und Badegott- 
heiten getreten sind, erscheint es nicht unangemessen, einige Bemer- 
kungen über Hercules, Aesculapius und Hjgia, sowie ins- 
besondere über Diana als Badevorsteherin beizufügen. Mit Becht 



<5 Vgl. de Canmont Ballet monum. vol. XX (1854) p. 252. La Blant In- 
seriptions chrötiennes de la Gaule, Paris 1866, 4. L p.28. Bomier Jahrb. XXIX 
XXX. p. 171 f. 

«« Rhein. Mus. f. Philo!. N. F. XVH. S. 18. A. 7. 

^ Bonner Jahrb» XXYIU. a 109. XXIX XXX. S. 78-82. u. 170. 



- 23 — 

wird unter diesen Hercules als die personifizirte gewaltig^ Natur- 
kraft sei sie neptunischer oder vulkanischer Art vorangestellt^ zumal 
sich diese doppelte Art der Naturwirkung grade in der Mineral- und 
Heilquelle so offenkundig dokumentirt. Aus diesem Grunde waren 
vorzugsweise alle heissen Quellen ihm geweiht und nach ihm be- 
nannt: seine Tempel erhoben sich allenthalben bei denselben und er 
selbst wurde als Hercules salutifer Heilgott wie Apollo ^^. Nicht 
minder grade bei den Heilquellen und wiederum insbesondere bei den 
warmen verehrt erscheint Aesculapius mit seiner göttlichen Be- 
gleiterin Hygia: auch ihre Tempel und Bilder^ sowie die ihnen zur 
glücklichen Genesung (pro salute) Erkrankter geweihten Votivaltäre 
fanden sich bei vielen Heilquellen durch das Bömerreich ^^^ so insbe- 
sondere auch in unseren Bhein- und Mainlanden ^ in welchen der 
Sauerbrunnen bei Godesberg unweit Bonn gleichfalls als Fundort 
einer beiden Gottheiten geweihten Votivinschrift bekannt ist'^. An 
Hjgia schliessen sich zunächst die in zahlreichen inschriftlichen Ur- 
kunden überlieferten Nymphae^ über welche bereits oben ebenso 
wie über die an die Stelle der Dea Sulis getretene britannische 
Minerva gesprochen worden ist Es erübrigt sonach noch Diana 
in ihrer besondem Beziehung zu Heilwassem einer kurzen Betrach- 
tung zu unterziehen und namentlich die wenigen Spuren zusammen- 
zustellen^ welche auf ihre Verehrung an Mineralquellen Galliens und 
vor allem der Bhein- und Mainlande hindeuten. Wie Artemis^ so 
wurde auch Diana^ die göttliche Vorsteherin der Waldgebirge und 
der Jagd^ bei den Quellen verehrt; gleich dem Sonnen- und Quellen- 
heilgott Apollo^ wurde wol auch sie als Göttin der Nacht, des in 
den Quellen sich spiegelnden Mondes , als SchÜtzerin der dieselben 
umgebenden Waldungep in enge religiöse Beziehung zu jenen ge- 
bracht '^ Schon oben ist der Fund- einer Statuette der Diana zu 
Neris-les-Bains erwähnt worden: ein ebenso unverkennbares 
Zeugniss ihres nahen Verhältnisses za den dortigen Quellen , wie zu 
L^omont im Departement de la MeurthC; woselbst sich bei einem 
Gehölze eine Quelle findet, welche der localen Tradition nach der 
Diana geheiligt gewesen sein soll: eine Ueberlieferung , die sich 
evident durch die Auffindung einer Anzahl Medaillen von Blei 



^ Vgl. Lersch a. a 0. S. 16 n. 230. 

M Vgl. Lersch 8. 27-29. 

^ Steiner ood. insc. Rom. Danub. et Rhen. n. 1006. 

" Vgl Lersch 8. 82. 230. 



— 2* - 

mit dem Bilde dieser Göttin bestätigt hat^'; es bilden diese 
Medaillen eine der zahlreichen Sorten von Heilgaben ex voto^ die 
man nach erlangter Genesung zum Danke in die Quellen zu werfen 
pflegte '3. — In gleicher Weise wie in dem innem so treten aber 
auch die Spuren dieser Dianenenverehrung bei den Mineralquellen 
auch in dem rhein- und mainländischen Gallien herror. Zunächst ist 
hier das römische Bad zu Badenweiler im Schwarzwalde als 
Fundstätte von zwei theilweise leider bruchstücklichen Votiv- 
inschriften zu bezeichnen '^\ deren eine einem wohlerhaltenen Votiv- 
altare angehört, welcher sich vor der geöffneten Vorderseite der 
Mittelhalle (vestibulum); die von den Höfen aus in das einst gross- 
arlige Badegebäude filhrt, noch jetzt befindet, ganz charakteristisch 
demnach den Eintretenden sogleich die Schutzgöttin und Vorsteherin 
der • Heilbäder vor Augen stellte: es war dieses Diana Abnoba. 
Die Dea Abnoba ^^ war bekanntlich die göttliche Personification 
des Sch,warzwaldes (mons Abnoba), woraus sich einerseits ihre Iden- 
tifizirung mit Diana, andererseits deren Verehrung im römischen 
Badenweiler leicht erklärt Die Ausdehnung des Schwarzwaldes 
durch das ganze heutige Baden lässt es weiter sehr natürlich finden, 
dass dieselbe Diana Abnoba auch. in der Hauptstadt desselben, bei 
den berühmten Quellen von Baden-Baden, gleichfalls ihre Ver- 
ehrung gefunden habe, wie eine im Sommer d. J. 1845 dort zu Tage 
geförderte 2" hohe Statuette von Erz genugsam beurkundet, welche 
eine Diana und ohne Zweifel eine Diana Abnoba vorstellt, wie 
sie eben den Bogen spannt ^^. Dieselbe Verdrängung der einheimi- 
schen Localgottheit durch Diana liegt ferner auch bei dem rhein- 
preussischen Bade Ber trieb vor, dessen vennuthliche Vorsteherinnen 
Devercana und Medui^a oben besprochen worden sind. Ebendort 
in der Bonbeuemer Flur, einem Abhänge, an welchem sich in etwa 

I 

30' Länge die Grundmauern eines Gebäudes hinziehen, wurde näm- 
lich i. J. 1860 eine V/2' hohe Figur der Diana aus feinem aläbaster- 



,T2 Vgl Alfred Maury in Rev. archöolog. N. 8. I (1860) p. 59 not. 7 nach 
L^page le d^partement de la Meurthe IL p. 291 f. 

73 Vgl. über diese Heilgaben (stipes) in Quellen, Flüssen, Seen ausser Lersch 
S. 43-49. Becker-Marquardt Rom. Alterth. IV S. 157 A. 920. . 

7* Vgl. H. Leibnitz Die römisohen Bäder bei Badenweiler im Schwarstwald 
Leipzig 1855 S. 11 und Taf. II fig. 1. Steiner a. a. 0. 845 u. 846. 

75 Vgl. OrelH 4974. Fiekler Die Donanquellen und das Abnobagebirge der 
Aiten, Carlsruhe 1840, S. 86. A. 58. Fröbner Die. grössherzogl. Sammlung 
vaterländischer Alterthümer zu Carlsruhe (1860) S. 16 n 39. 

T6 Vgl. Ph. Rappenegger Aurelia Aqueusis, die Stadt Baden als römische 
Niederlassung, Mannheim 1853, S. 91, n. 10, 2. 



— 25 - 

ähnlichem Marmor g^nden^ neben welcher die Hindin herläuft^ 
die von dem an ihr aufspringenden Hunde so eben ereilt wird: die 
Göttin^ mit dem Köcher auf dem Bücken (der rechte Arm^ welcher 
den Bogen hielt; fehlt), in dem ärmellosen dorischen Chiton, ist als 
rasch dahin eilende Jagdgöttin dargestellt^^. Da diese Figur der 
Göttin, ohne sonderlich feine Ausfuhrung fabrikmässig gearbeitet, 
ohne eigejitlich künstlerischen Werth ist, in den rheinischen Bömer- 
ansiedlnngen aber Darstellungen der Diana überhaupt als selten 
bezeichnet werden müiteten; so ist ihr Vorkonmien in dem kleinen 
Bömerbad offenbar daher zU erklären, dass die fragliche Figur ohne 
Zweifel als Bild der Badevorsteherin auf öffentliche Kosten in irgend 
einer gallischen Fabrik bestellt und in der Nähe des Hauptbadege- 
bäudes errichtet worden ist — Eine vierte unzweideutige Spur der 
Verehrung der Diana als Badevorsteherin findet sich endlich in 
der Vita S. Bemacli c. 12, woselbst von einer Wandeiling des Hei- 
ligen in dieArdenaen also berichtet wird: ^Warchinnam rivulum 
accedit, invenit illic certa indicia loca' illa quondam idolatriae fuisse 
mancipata. Erant illic lapides Dianae et id genus portentosis no- 
minibus inscripti vel effigies eorum habentes; fönt es etiam homi- 
num quidem usibus apti, sed gentilismi erroribus poUuti atque ob id 
etianmum daemonum infestationi öbnoxii.^ Die j^lapides Dianae por- 
tentosis nominibus inscripti^ und die „effigies^ beziehen sich sowohl 
auf Bilder der Diana und anderer römischen Gatter, als auch auf 
Votivaltäre mit und ohne solche Bilder. Die .Diana aber, welche 
hier bei den Heilquellen verehrt wurde, war ohne Zweifel die Diana 
des Ardennenwaldes (Arduenna) selbst. Wie nämlich der oben er- 
wähnte Schwarzwald bei den Anwohnern als Dea Abnoba vergött- 
licht wurde, so der Ardennerwald als Dea Arduinna, deren Denk- 
mäler zum Theil gerade am Rande desselben gefunden wurden ^^. 
Gleich der Abnoba aber wurde auch Arduinna gradezu mit Diana 
identifizirt alsDiana Arduinna und sie ist es, welche in der oben- 
erwähnten Stelle der Vita S. Bemacli gemeint wird. — Aus dieser 
göttlichen Funktion der Diana als Quell- und Badevorst^herin, wie 
sie in den vorerwähnten wenigen, aber unzweideutigen Spuren vor- 
liegt, erklärt sich denn auch zur Genüge, wie sie nicht blos als eine 
Vt^aldgöttin „Diana nemorensis^, sondern gradezu auch als eine 
j^regina undarum^ bezeichnet werden konnte, wie es auf einer 
Inschrift aus den „Aquae Jasae^ dem heutigen Warasdin in 
Siebenbürgen, bei Gruter p. XXXIX, 8 geschieht. 

" Vgl. Bonner Jahrb. XXVIII. S.108 f. XXIX. XXX. 8. 78 f. 
T8 Vgl. Bonner Jahrb. XXIX XXX. S. 64—77. 



- 26 - 



IV. 

Bheinländisohe Heilbäder und Mineralquellen in 

Bömerseiten. 

Wiewohl in der yorau%ehenden ZuBammenstellnng der Torzags- 
weise in Gallien nnd seinen rheinischen Vorlanden verehrten Quell- 
und Badegottheiten sowohl keltischen als römischen Glaubens bereits 
mehrfache Veranlassung gegeben war, die vornehmsten theilweise 
offenbar schon vor der römischen Occupation von den Ureinwohnern 
benutzten Heil- und Mineralquellen; sowie die dabei entstandenen 
Ansiedlungen zu erwähnen: so dürfte es doch zur allseitigen Vervoll- 
ständigung dieses kleinen Beitrages zur Ui^eschichte der rheinischen 
Bäder nicht unerwünscht sein, auch diejenigen Heilbäder in Kürze 
aufzuführen, welche oben keine Erwähnung gefunden haben. Zuvör- 
derst — um bei dem Oberrheine zu .beginnen — sind hier die bei- 
den Baden, sowie das schon berührte Badenweiler nebst dem 
ebässischen Niederbronn. voranzustellen. 

1. Baden im schweizerischen Canton Aargau war, wie man aus 
Tacitus ^' ersi^t, ein bei den dortigen ohne Zweifel schon von den 
Ureinwohnern viel benutzten Quellen, erwachsener Ort der Hei vo- 
tier, bei welchen die Römer ein Standlager errichtet hatten, dessen 
obligater Tross (canabenses) mit den Einwohnern allmählig (longa 
pace) zu einem Städtchen erblühte, das bereits die Formen eines 
römischen Municipiums angenommen hatte, als das in den Militärun- 
ruhea nach Nero's Tod eingetretene Missverhältniss zwischen den 
Helvetiern und dem in Obergermanien commandirenden Caecina letz- 
teren veranlasste das Städtchen im J. 72 n. Chr. zu zerstören. Spä- 
ter wieder hergestellt und durch eine der Isis gewidmete Votivin- 
schrifi aus Wettingen bei Baden als vicus Aquensium beurkundet^, 
wlag es ohne Zweifel in den Zeiten des sinkenden Keiches den das 
Zehntland überschwemmenden Alamannen und findet sich selbst 1110 
noch in diesem Zustande. In den Jahren 1344 und 1388 wurde es 



v9 Caecina belli avidas proximam qaamque culpam anteqoam poeniteret. 
ultom ibat: mota propere castra, vastati agri (Helvetiorum), direptus longa 
pace in modüm munioipii exstructas locus, amoeno salabrium 
aqaarnm usu frequens* Tacit. Hist. L c. 67. 

^ Vgl. Orelli 457. Mommsen Insc Helv, 241. 



- 27 — 

wiederholt verwftstet^ erhob sich aber dann^ wie m scheint^ rasch 2U 
einem Badeorte, in welchem man i. J« 1480 an SOOO Kurgäste zählte. 
Ausser obigen und andern Inschriften wurde der längere Aufenthalt 
der lUkner dortselbst schon ums Jahr 1420 durch bemerkenswerthe 
Funde von Erz- und Goldmünzen, Hausgeräthe, Statuetten, Bingen 
und Würfeln bezeugt, welche Fundstücke zum grossen Theile als 
Heügaben in den Quellen selbst gefunden wurden ^^ Würfel be- 
ziehen sich dabei bekanntlich auf die den Quellen zugeschriebene 
weiseagerische Kr^ft 

2. Badenweiler im badischen Oberrheinkreis ist schon oben be- 
rührt worden. Seine noch jetzt grossartigen Badesubstruktionen ge- 
hören zu den besterhaltenen von allen römischen Bädern in Germa- 
nien, nehmet eine Fläche von 126 Quadratruthen ein und waren 
seit langem ergiebig an verschiedenartigen Fundstücken, wie Löffel- 
eben, Glöckchen, Haften; Schnallen, Ohrgehängen, Lampen, Gläsern, 
Thonwaaren, die nur zum Theil als Heilgaben (stipes) angesehen 
werden können; viele dieser Gegenstände gehörten auch dem Bad- 
gebrauche selbst an. Ausser den beiden obenerwähnten Votivaltären 
der Diana Abnoba ist weitaus der interessanteste Fund ein silber- 
nes Amulettäfelchen mit mystischen Formeln, dergleichen auch 
anderwärts in Quellen .gefunden wurden und in dieselben unter aber- 
gläubischer Anrufung von Dämonen zur Abwehr von Uebeln, Erhaltung 
der Gesundheit oder ähnlichen Zwecken hineingeworfen worden wa- 
ren ^^ Dieses Täfelchen gehört der Zeit des sinkenden Beiches an 
und dürfte somit die fortdauernde Benutzung dieser Bäder bis ins 
4. Jahrhundert bezeugen, womit auch die Beihenfolge der dort zu 
Tage geförderten 64 Bronze-, 21 Kupfermünzen nebst mehreren sil- 
bernen und einer goldenen Philipps des Macedoniers zusammentrifil, 



81 Mommi^en a. a. 0. 240-244. liersch S. 26. 47. J29. 148. 167. 172. 

^ Schon langst vor der A* 74 erwähnten Schrift von Leibnitz sind die 
Badesobstmotionen von Badenweiler von A. G. Preuschen Denkmäler von alten 
phisischen und politischen Bevoluzionen in Deutschland, besonders in Rhein- 
gegenden (Frankf. a.M. 1787. 8) 8.97—288 und ihre Fundausbeute ausführlich 
besprochen worden. Zu dem dort S. 209 ff. eingehend behandelten zehnseiligen 
Inhalt des Silberplättchens sind die in den Bädern von Am^lie-les-Bains (Rev. 
arch^olog. IV. annöe I. part. 1847. p. 409—414. pl. 71. n. 1—8) gefundenen 
Bleiblättohen, weiter das Silberplättchen von Poitiers (Beiträge zur vergleichen- 
den Sprachforschung von Kuhn und Schleicher III) 2« S. 170, n. 14. S. 175 ü. 
212. lY, 1. S. 160 f., sowie die gnostischen Amuletsteine (llonatsberichte der 
Berliner Akademie 1855. Nov. 9. 701 f. Rev. arch^olog. IIL annöe. I. part. 1846. 
p. 260. H. Monin Monuments des anciens idiomes gaulois, Paris et Besan^^n 
1861, 8. p. 25. 27 f. 182 f.) zu vergleichen. 



— 28 - 

indem aie mit Claudius in der Mitte des ersten Jahrhunderts be- 
ginnen und mit Constantin d^m Grossen aufhören^'. Welchen Na- 
men die Ansiedlung bei den wol mehr von den Umwohnern und zu- 
gereisten Kurgästen; als von dem römischen Militär benutzten Quellen 
gehabt; ist in tiefes Dunkel gehüllt; da nur spärliche inschriftliche 
Urkunden bis jetzt dort zu Tage getreten sind^. 

3. B a d e n im badischen Mittelrheinkreise war von uralten Zeiten bis 
in unsere Tage der bevorzugte Badeort der eleganten und vornehmen 
Welt Wie die Quellen bei Badenweiler; so sind ohne Zweifel auch 
die von Baden den Römern i>ei der Occupalaon des sog. Zehntlandes 
(agri decumates) d. h. des Gebietes zwischen Oberrhein und Ober- 
donau ^^ bekannt und sodann alsbald ebenfalls Anlass zu einer An- 
siedlung geworden; deren Anfilnge sicherlich unter Trajan fallen, 
auf den' die älteste Steinschrift von Baden zurückweiset^. Diese 
Ansiedlung erhielt wie überall in analogen Fällen den Namen 
^Aquae^ und ist sodann der Mittelpunkt eines jener grössern 
Gemeinwesen (respublica; civitas) geworden; welche die Böm'er durch 
ganz Gallien organisirt haben. Besonderer Gönner und Beförderer 
scheint dann auch Hadrian gewesen zu sein und unter ihm wol 
bildete sich die Badestadt „Aquae^ als Hauptort einer auf einer 
Inschrift vom Jahre 197 n. Chr. ^ genannten ;; Respublica Aqu e n - 
sium^^ heraus ; die ihre Blüthe aber; wenn nicht Alles trügt, 
unter M. Aurelius Antoninus Caracalla (um 213 n. Chr.) erreichte; 
welcher auf seiner Bheinreise o.ffenbar auch dort verweilte und das 
von ihm allwärts geförderte Badeleben in neuen Au&chwung brachte. 
Von ihm 'nahm jetzt die ganze Civität; deren Mittelpunkt die Stadt 
;;Aquae^' war; den Beinamen Aurelia an und erscheint demnach 
aufsog. Meilenzeigem der von ;;Aquae^^ ausgehenden Hauptstrasse 
vom J. 213 — 222 als ;;Civitas Aurelia Aquensium"^, Dass 



^3 Die bezüglichen MCitizen von Claudias, Vespasian, Trajan, Hadrian und 
den Antoninen s. bei Prenschen S. 187 £f. 

^ Das OIVIT. VV auf einem GeflKssdeckel bei Preuschen S. 183, 14 u. 19S 
(Steiner 848) kann bei seiner Rftthselhaftigkeit nicht in Betracht kommen. 

w Vgl. Tacit-Germ o.,29. 

86 Vgl. Pröhner a. a. 0. n. ÖO. 

»» Fröhner n. 61. 

«8 Vgl. Fröhner a. a. 0: n. 72. 73. 74. 76. 76. Lersch S. 130. Wie diese 
civitas Aquensinm, so nahmen sicherlich damals noch andere Orte des Zehnt- 
landes den gleichen ehrenden Beinamen von Caracalla an: dahin gehört offen- 
bar auch der vicus Aurelius., das römische Geh ringen in Wtirtemberg, 
wie eine i. J. 1861 dort aufgefundene Steinschrift ausd. J.2dd n. Chr. dargethan hat: 
vgl. Th. Mommsen in E. Gerhards Arch&olog. Anz. 1861. N. 154. l&ö. S. 380.» 



- 29 - 

die locale Tradition von dem an die Namen der Kaiser Hadrian 
mid Caracalla sich knüpfenden Aufschwung der dortigen "" Bäder 
selbst durcli das ganze Mittelalter sich erhielt, bezeugt eine Schen- 
kungsurkunde aus dem Kloster Weissenburg im Elsass aus dem 
Jahre 676, in welcher der König Dagobert IL vergabt: ^^balnea 
illa trans Bhenum in pago Aucicensi sita, quae Antho- 
nius et Adrianus quondam imperatores suo opere aedi- 
ficaverunt^'^^ Die meisten Forscher haben hier ohne Zweifel 
richtig in dem ^^Anthonius^^ den Antoninus Caracalla erkannt^. 
Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass seit langer Zeit eine 
bis in die jüngsten Tage herab fortgehende Aufdeckung zahlreicher 
Beste aus dem römischen Baden ein lebendiges Bild der einstigen 
Bhithe dieses Badeorts vor Augen stellen. Umfangreiche Mauerreste 
und Sübstruktionen von Bädern und Oebäuden, G-rabsteine von 
Militär- und Civilper^onen, Legionsziegelstempel, Beliefs, Votivaltäre 
und Münzen ' zeugen noch jetzt von der bürgerlichen und militäri- 
schen Bedeutsamkeit des Orts: insbesondere weiset ein d^n Ootte 
Neptun von einer Schifiergüde (contubernium nautarum) gewidmeter 
Altar auf eine Lebhaftigkeit des Handels und Verkehrs auf der Oos, 
Murg, Alb und dem Bheine hin, wie sie nur ein blühendes reiches 
Leben und seine mannigfachen Bedürftiisse hervorzurufen vermögen ^^. 
Wie Badenweiler erlag sicherlich auch die in Baden Jahrhunderte 
lang blühende Cultur der alles zerstörenden .Wuth der anstürmenden 
Alamannen, wahrscheinlich schon gegen die Mitte des 3. Jahrhunderts^^, 
bis die vereinte Bemühungen christlicher Mönche und eines fränki- 
schen Königes auch dort die Jahrhunderte hindurch in Trümmern 
liegenden Cidturstätten einer untergegangenen Weh wieder zu neue- 
rer Lebensentfaltung beriefen. Davon zeugt die obenerwähnte Weis- 
senburger Schenkungsurkunde, welcher ein weiteres Zeugniss^ über 
die Existenz Badens erst für das 11. Jahrhundert beigefügt werden 
kann, wiewohl nicht zu bezweifeln steht, dass auch dieser Badeort, 
wie das schweizerische Baden, sich eines grossen Zulaufs während 
des Mittelalters zu erfreuen hatte. Der Namen „Bad derKüngen'^ 



»9 Mon. Boic 31 p. 1. Lersch p. 141. 160. Rappenegger a, a. 0. S. 3 f. 11. 

^ Vgl. Rappenegger S. 4. . 

9^ Rappenegger S. 12^26, woselbst die dnzeineD Kategorien der Fundstflcke 
behandelt! sind: S.26— 35 Bind insbesondere die Inschriftenzasammengestell^, 
womit Fröhner n. 2—5. 6. 8. 9. 11. 12. 14. 15. 37. 38 41. 42. 48. 60-63. 65.66. 
70. 77. 78. 86—91 zu yergleichen ist. 

92 Lersch S. 132 nimmt die ZerstOrimg gegen 234 n. Chr. an. 

93 Vgl. Rappenegger S. 11. 



- 30 - 

nnd spftter im 13. Jahrhundert^ unter öBterreichiBcher Herrschaft^ 
^^Herzogenbad'^^ wenigstens weiset um so überzeugender darauf 
hin; als auch Kaiser Friedrich III. auf einer Reise nach Strassburg 
i. J. 1478; sowie sein Sohn Maximilian I. L J. 1517 dortselbst die 
Heilquellen benutzten*. — Zum Oberrhein gehört endlich noch 

4. der Salzbrunnen zu Niederbronn im ElsasS; dessen Be- 
nützung durch die Römer dreihundert in denselben als Heilgaben 
geworfene römische Münzen bezeugen^ welche i.'J. 1692 aufgefunden 
wurden ••. 

Weit zahlreicher; wenn auch im Ganzen wohl nicht bedeutender 
als die Heilbäder am Oberrhein erweisen sich diejenigen Mineral- und 
Heilquellen; welche den Römern am Mittel- und Niederrhein bekannt 
und in Benutzung genommen wurden. Voranzustellen ist unter diesen 

5. die im April 1803 wiederentdeckte Schwefelquelle zu Nier- 
stein unweit Oppenheim oberhalb MainZ; bei deren Aufräumung die 
römische Fassung derselben; Trümmer von Bauwerken; darunter eine 
kleine SftulC; ein Becken ron Stein, Statuetten von gebrannter Erde, 
nebst 14 Kupfermünzen aus den Jahren 86 bis 267 n. Chr. in der 
Quelle selbst gefunden wurden. Üass die meisten dieser letzteren ein 
frisches Gepräge aufzeigten und von runden Oypskugeln umgeben 
wareu; weiset darauf hin, dass sie als Heilgaben (stipes) von Gene- 
senen in die Quelle gelegt worden waren. Zugleich bekundet die 
Reihenfolge; dass die Quelle wenigstens seit Domitian bis zu der 
ftLr das ganze Rheinland so bedeutsamen Wiederherstellung der rö- 
mischen Macht am Rhein durch Postumus im Gebrauche war. Zu 
allen diesen Urkunden kommt nun aber noch die schon oben er- 
wähnte Votivwidmung einer JuUa Frontina an Apollo den Quellen- 
heilgott und seine keltische Begleiterin Sirona, welche Inschrift 
dem rheinischen Alterthumsforscher Fr. Lehne Veranlassung gab; 
die Quelle selbst als ;;8ironabad^' zu benennen '^ Der in einer 
Urkunde Garlomanns v. J. 742 als Neristein zum erstenmale vor- 
kommende Namen des nahen Nierstein gab ihm dabei zugleich 
einen Anhalt au der im Hinblick auf die obenerwähnten doppelten 
;;Aquae Bormonis'^ und ;;Aquae Segestae^' ansprechenden 



^ Vgl. Lorsch S. 165, wenn anders Lersch hierbei nicht Baden-Baden 
mit Baden bei Wien verwechselt. 

>» Vgl. Lersch S. 172 a 186. 

^ Lersch S. 47. 

9* Vgl. Das Sironabad bei Niersteln n. seine Mineralquelle. Mainz 1827. 8., 
besonders S. 1—18 (Lehne Ges. Sehr. ED. S. 51— 68). Lersch 8. 48. 



— 81 — 

V^rmuthuBgy dase der Ort selbst wegen seiner Qndle ^^Aquae 
Neri^; wie das römische Neris-les-Bains geheissen habe^. Zur Be- 
gründung dieser Ansicht bedarf es vor AUem einer genauen sprach- 
lichen Untersuchung der Bedeutung des ersten Theils des Namens 
„Nierstein". Dieser Mineralquelle reihen sich nun weiter die 
Heilquellen und Mineralwasser des Taupus und der angrenzenden 
Lande an. Dahin gehört vor allem 

6. Wiesbaden^ Mattiacum, Aquae Mattiacae^ dessen bereits 
oben besprochene Quellgottheit ApoUo Toutiorix zur Hinwei- 
sung'' auf die Entstehungsgeschichte der Badestadt^ des bei ihr von 
den B4)mem errichteten Castells und die Ausbeute der Funde beider 
Oertlichkeiten Veranlassung gegeben hat. Weit geringer noch als 
zu Wiesbaden sind die Ergebnisse der Funde aus der Römerzeit in 
der Badestadt 

7* EmS; wiewohl die Nähe de& vorüberziehenden Pfahlgrabens 
(limes imperii transrhenanus); eine an demselben errichtete Wach t - 
Station; sowie sonstige antiquarische Funde ^^ hinter demPffurrgar- 
ten am Spiess, bei sftmmtUchen Neubauten von Dor£-Ems und bei 
den 1863^ vorgenommenen Kanal -Anlagen der Haupistrasse die 
dauernde Occupation des Orts in Bömerzeiten ausser Zweifel stellen. 
Zahlreiche Gräber mit iluren gewöhnlichen Beigaben an Thon- und 
Olasgefösseu; Lampen u. ä. m. sind dabei aufgedeckt worden^ wozu 
endlich im Herbste 1858 auch die erste^ leider bruehstückliche; in- 
schriftliche Urkunde über die wahrscheinlich durch eine dort statio- 
nirte Militärabtheilung bewirkte Erbauung eines grossem Gebäudes 
hinzukam; an welchem letztem der Stein wohl zugleich als Votiv- 
tafel zu Ehren des kaiserlichen HäuseS; insbesondere ftLr das Wohl 
des regierenden Kaisars Septimius Sevenis und seiner Söhne Cara- 
calla und Geta, demnach also im Anfange des ^tten JaliThunderts, 
angebracht worden war; welche Zeit überhaupt wol als der Höhe- 
punkt der ungestörten Blüthe der rheinischen Bäder in Röm^zeiten 
angesehen werden kann. Dass es meist nur dem Zufalle oder andern 
jetzt unbekannten Ursachen zuzusdureiben ist, w^in die Spuren des 

^ Vgl. Eckhart comment de rebus Franciae orientalis. Wirceburgi 1729. 
fol. Tom. I. Hb. XXin. c. Y. p. 391. Dr. Ph. A. F. Walther Das Grossherzog- 
thom Hessen. Daniistadtl854. 8. S. 518. Förstemann Altdeutsches Namenbach 11. 
S. 1073 tt. Deutsche Ortsnamen. Nordhausen ld6a 8. 8. 139, welcher jedoeb 
Naristagne a. dJ. 823 als die älteste Form des Namens anführt und 
Neristein erst a. d. J. 882* beibringt. 

9» Vgl. A. 40. 

100 Vgl. Annalen VI, 2. S. 343— 347. Archiyf.FrankfartsGeschiehteu Kanst. 
N. F. I (1860). S. 30-34. 



— 32 — 

Aufenthaltes der Römer an dem einen Orte bis jetzt zahlreicher und 
bedeutsamer zu Tage getreten sind^ als an dem andern ; dafür legt 
weiter unter den Nassau'schen Bädern auch 

8. Schlangenbad vollgiltiges Zeugniss ab: obwohl nämlich an 
diesem Badeorte unseres Wissens bis jetzt kein antiquarischer Fund 
als Urkunde einer Benutzung seiner Quellen durch die Römer ge- 
macht worden ist; so hat dennoch die Natur forschung im er- 
freulichen Bunde mit der Alterthumskunde dort eine in ihrer Art 
eben so überraschende wie untrügliche Spur des Gebrauchs der dor- 
tigen Heilquellen im Alterthume nachgewiesen. Das Verdienst dieser 
schätzbaren Entdeckung gebührt dem Scharfblicke des gelehrten En- 
tomologen Hm. Senator C. H. G. von Hey den zu Frankfurt a. M.^ 
welcher in den ^^Jahrbüchern des Vereins für Naturkunde im 
Herzogthum Nassau" *•* folgende Beobachtungen niedergelegt hat: 

^So viel mir bekannt ist^ werden die milchwarmen Quellen von 
Schlangenbad zuerst 1640 von Merian und 1650 von Winkel- 
mann erwähnt; jedoch noch nicht als Badeort. Die drei Mühlen^ 
welche hier standen^ hiessen die warmen Mühlen^ der Bach der warme 
Bach. TabernämontanuS; der 1581 in seinem Wasserschatz die 
Mineralquellen der Niedergrafschaft Katzenelnbogen beschrieb; 
scheint sie noch nicht gekannt zu haben. Als der Ort zuerst als 
Bad benützt wurde, nannte man ihn das Karisthaler oder Bärstädter 
Bad. NieseU; in seinem Bericht über Schwalbacfa; nennt schon 1687 
Schlangenbad. Die Quellen sollen 1657 einem Dr. Gloxin aus Worms 
gehört haben. Landgraf Moritz von Hessen liess hier 1694 die ersten 
Gebäude auffiihren. Im Jahre 1817 besuchte ich Schlangenbad; be- 
sonders um die daselbst vorkommende Schlange näher kennen zu 
lernen; die damals und auch noch später ziemlich allgemein als die 
gemeine Natter (Tropidonotns Natrix L:) angenommen wurde. Ich 
fand; dass es die gelbliche Natter (Calppeltis 'fiavescens Scop.) ist 
NaU; der die Amphibien der Unigegend von Mainz flüssig beob- 
achtete; hat sie trotz der Nähe von Schlangenbad ' nicht gekannt. 
In seinen 1791 erschienenen ^Nenen Entdeckungen und Beobachtun- 
gen^ beschreibt und bildet er eine angeblich neue Schlange ab; die 
er aus Oesterreich erhalten hatte. Es ist dieses ebenfalls Trop. fia- 
vescens und er würde sie sicher erwähnt haben; wenn isie ihm auch von 
Schlangenbad bekannt gewesen wäre. — Dieselbe Schlange wurde 
von einigen Naturforschern als Coluber Aesculapii (verschieden von 
der indischen Col. Aesculapii Lin.) beschrieben und ist solche nicht ver- 



101 H. XVI. S. 263-266. 



- 33 - 

schieden von der berühmten Aesculapch oderEpidaurus Schlange^ 
welche als Symbol der wofalthätigen Gottheit betrachtet und als 
Attribut des Aesculaps um seinen Stab gewunden ist Zur Zeit^ als 
Q. Fabius und 0. Brutus Consuln waren, herrschte in Rom die Pest, 
und wurden, um solche zmn Aufhören zu bringen, damals viele 
Schlangen von Epidaurus geholt, auf der Tiberinsel ausgesetzt und 
daselbst verehrt. Noch jetzt soll daselbst in den Gärten des heiligen 
Bartholomäus ihr Bild in Marmor ausgehauen zu sehen sein. Gegen- 
wärtig ist diese Schlange um Rom noch sehr häufig, was wohl in 
früheren Zeiten nicht war, da man sonst nicht nöthig gehabt hätte, 
sie von Epidaurus zu holen. Die Schlangenbader Schlange gehört 
dem südlichen Europa an und war sie in Deutschland nur aus dem 
südlichen Tyrol bekannt. Ihr ganz vereinzeltes Vorkommen bei 
Scblangenbad macht es sehr wahrscheinlich, dass. die Quellen daselbst 
schon von den Römern als Heilquellen benutzt wurden und'~desshalb 
diese Schlange von ihnen dahin gebracht worden ist. Begünstigt 
durch die steinige Umgebung Schlangenbads hat sich dieselbe so 
isolirt von ihrem eigentlichen Vaterlande hier erhalten können. Es 
ist nicht unwahrscheinlich, dass die Römer an die ihnen bekannten 
Quellen von Wiesbaden ebenfalls Schlangen eingeführt hatten, 
die aber im Laufe der Zeiten daselbst wieder verschwunden sind. 
Einige Jahre später habe ich dieselbe Schlange bei Baden-Baden 
geftmdjBn, dessen Mineralquellen ebenfalls schon den Römern bekannt 
waren. 

Sicher interessant ist es, dass ich (1819) bei dem ebenso den 
Römern schon bekapnten Bade Ems eine Schlange — Tropidonotus 
tessellatus Laur. — entdeckte, die sonst auch nur dem südlicheren 
Europa angehört Ich zweifele nicht, dass sich dieselbe hier auf ge- 
eignetem Terrain, auch aus den Zeiten der Römer erhalten hat. Bei 
ihr ist noch zu bemerken, dass sie vor andern verwandten Arten die 
besondere Lebensweise hat, sich gerne längere Zeit im Wasser auf- 
zuhalten. Noch jetzt entspringen bei Ems mehrere warme Quellen 
im Flussbette der Lahn und findet man hier und in den Abzugs- 
gräben der Bäder die Schlange nicht selten. Es wäre hiernach mög- 
lich, dass den Römern diese Eigenthümlichkeit der Schlange schon 
bekannt war, auch dass sie i;i Rücksicht der verschiedenen Wirkungen 
auf die Gesundheit dieser Quellen auch verschiedene Schlangenarten 
an dieselben ausgesetzt haben. 

Um das Römerbad Badenweiler im Schwarz walde, das ich 
mehrmak besuchte, konnte ich keine der Gegend eigenthümliche 
Schlangenart auffinden.^ 



— 34 — 

Vorstdiende werthvolleii Beobachtungen des Hrn. v. Hey den 
conatatiren zuvörderst die gewichtige Thatsache^ dass sich bei den 
von den Römern benutzten Quellen von Baden-Baden sowohl, 
als auch bei Schlangenbad eine Schlangenart findet, welche nur 
dem südlichen Europa angehört und in Deutschland nur aus Süd- 
tyrol bekannt war: es ist dies die sog. Aescnlaps- oder Epidaurus- 
schlange; weiter sodann^ dass auch bei dem den Römern ebenso be- 
kannten Bade Ems gleichfalls eine Schlangenart vorkonunt, die sonst 
auch nur dem südlichen Europa angehört. Es wird an diese That- 
Sache mit gutem Grunde die Vermuthung geknüpft, dass diese Schlan- 
gen von Italien her durch die Römer ,an diese Quellen eingeführt 
worden; denmach sich ehemak auch wol zu Wiesbaden vorgefun- 
den haben, daselbst aber im Laufe der Zeit wieder verschwunden 
seien. Die Schlange als Symbol des Aesculap ist zu bekannt, als 
dass nicht sofort deren Einführung an die, wie oben bemerkt, auch 
unter dem Schutze dieses Heilgottes stehenden Quellen als ein reli- 
giöses Moment erkannt werden sollte. Erklärlich ist demnach, , 
wenn auch seine Begleiterin Hygia^^^ gleichfalls mit diesem Symbol 
ausgestattet erscheint und in der That zeigt auch eine zu Tiberias 
in Palästina gefundene Münze Hygia mit der Schlange, auf 
einer Anhöhe sitzend, aus welcher mehrere Quellen entspringen ^<^'. 
Auch der Isis, welche, wie schon oben bemerkt, an Heilbädern ihre 
besondern Verehrer fand, war die Schlange heilig ^^. Nach allem 
diesem darf der oben ausgesprochenen Vermuthung, dass dereinst 
auch zu Wiesbaden (und wol auch zu Badenweiler und 
Aachen) solche südländische Schlangen von den Römern einge- 
führt waren, volle Berechtigung zugestanden werden. — Nicht 
unerwähnt mag hierbei bleiben, dass auch das germanische 
Heidenthum die Schlange mit den Heilquellen in Verbindung 
bringt. Grimm D. M. S. 554 sagt darüber: „Das schwedische Volk 
schreibt die Kraft einiger Hellquellen weissen Schlangen zu. 
1809 strömten Tausende aus Halland und Vestergötland zu dem 
wunderthätigen Helsjö (einem kleinen See unweit Rampegärde); 
nian erzählte sich, Kinder am Strande das Vieh hütend hätten 



102 Vgl. Maorob. Saturnal. I, 24j simalaeris etAesoulapii etSalutis Draco 
subiungitur ; humana corpora velut infirmltatis pelle deposita ad pristinum re- 
virescunt virorem, nt virescunt dracones per annos singuIOB pelle senectnUs 
exttta. 

1«» Vgl. Lersch S. 29. 

»»♦ Vgl. Lersch S. 15 u. 88. - 



- 35 - 

Jahr über oft eine schöne Jungfrau am Ufer sitzen sehen ^ sie hielt 
in ihrer Hand eine Schlange und wies sie ihnen. Nur alle hundert 
Jahre erscheint diese Wasserjungfrau mit der Schlange. Bexells 
Halland 2^ 320. 3^ 303.^ Wie bei den Römern Aesculapius und 
Hygia als Vorsteher der Heilquellen mit dem symbolischen Attribute . 
der Schlange ausgestattet sind; so hier die in der Sage zur Fee 
gewordene ursprtbigliche altheidnische Quellgottheit. — Den Tau- 
nusbädem ist noch anzuschliessen der Mineralbrunnen von: 

9. Schwalheim im kurhessischen Amte Dorheim, eine halbe 
Stunde von Bad Nauheim^ in dessen Bereiche 1862 ein ansehn- 
licher Fund keltischer Münzen gemacht wurde ^<^^ Dicht an die- 
sem Sauerbrunnen ziehen die Spuren des alten Steindammes , d. h. 
der Römerstrasse vorbei und die imgefähr alle 15 Jahre vorgenom- 
menen Ausf^ungen des Brunnens selber haben jedesmal eine klei- 
nere oder grössere Anzahl von römischen Münzen^ darunter auch 
eine goldene^ zu Tage gefördert^ welche ohne Zweifel nach uiid 
nach im Laufe der Zeit als Heilgaben (stipes) hineingeworfen wor- 
den waren. Im Jahre 1811 fand man fast 30^ i. J. 1827 etwa 35, 
im September 1831 noch weitere 5 mit den Bildnissen des VespasiaU; 
TituB, Domitian, Nerva, Trajan, Hadrian und Antoninus Pius'®*. 
Schon in uralter Zeit suchte und schöpfte man also ^uch hier, unter 
dem wohlthätigen Einflüsse der dankbar bedachten Quellgottheit, Ge- 
nesung und neues Wohlsein aus dieser ,,Lebensquelle^^ der Natur, 
wie sie in goldenen Lettern auf schwärzer Marmortafel über dem 
Eingange zum dasigen Kurhause in folgendem Distichon: 

Föns vitae saliens gemmas eflundit in herbam: 
MergC; puer, pateram, sub pede vita fluit 
genannt wird, welches der bekannte Genosse Barth^lmy's, der poetische 
Panegyriker der napoleonischen Glorie, Mery, bei Gelegenheit einer 
Badekur verfasst haben soll. Nicht unerwähnt darf hier auch die 
einige Stunden südlich von Nauheim und Schwalheim auf grossher- 
zoglich hessischem Gebiete entspringende mineralische Quelle von 

10. Vilbel bleiben, an welchem Orte ausser nicht unbetr&cht> 
liehen Substruktionen von Gebäuden und Badeanlagen auch der 



10» VgL Mittheilungen an die Mitglieder des Vereins ftlr hessische Geschichte 
and Landeskunde 1862. Nr. 7 S. 8. 

10« Vgl. Hanauisches Magazin I.<1778) St. 17. S. 150. Ph. Dieffenbach Ueber 
Alterthümer in und am Friedberg-, Giessen 1829, S. 8 u. 9. A.** Ders. im Ar- 
chiv für Hess. Gesch. a. Alterth. IV S. 248, 258. Periodische Blätter der 
mittelrheinischen Geschichts- u. Alterthamsvereine 1855. Nr. 7. S. 238 f. II. 
Lersch S. 47. 

3* 



— 36 - 

prachtvolle^ jetzt im Museum zu Darmstadt bewahrte, Mosaikboden zu 
Tage gefördert wurde, welcher ohne Zweifel zur Villa eines reichen 
Provinzialen gehörte und eikien sprechenden Beweis von dem üom- 
fort der Bewohner jener äussersten Gegenden des Bömerreiches ab- 
gibt. Es berechtigt dieses zu der Annahme ^^^, dass auch der Ge- 
sundbrunnen und eine warme Quelle dortselbst schon in den ältesten 
Zeiten den Anlass zu einer Ansiedlung gaben, welcher sicherlich um 
so mehr die den Alten an sich schon unentbehrlichen Bäder nicht 
gefehlt haben werden. 

Wie am Mittelrheine, so kannten und benutzten die Römer auch 
am Niederrheine alle diejenigen Heilquellen und Mineralwasser, 
welche die Neuzeit theilweise erst wieder auffand und dem Heilge- 
brauche zugänglich machte. Es gehören dahin zunächst: 

11. Die Säuerlinge am L aacher See, wie verschiedene Bau- 
überreste von Quelleinfassungen aus römischer Zeit beurkunden, 
welche unter andern bei Burgbrohl gefunden wurden**'^, wie denn 
überhaupt das in naturwissenschaftlicher wie antiquarischer Hinsicht 
gleicher Weise interessante Brohlthal auch bezüglich seiner 
Quellen für die römische Zeit bedeutsam ist. Noch i. J. 1862 
hat man bei Aushebung der römischen Fundamente des in einem 
Seitenthälchen jenes Thaies gelegenen Heilbrunnens in der Quell- 
spalte des Felsens, die etwa auf V/t' zugänglich war, gegen 100 
meist Kupfer- theilweise auch Bronze- und Silber-Münzen mit 
zum Theil noch sehr wohl erhaltenen Umschriften und Köpfen ge- 
funden : diese offenbar als Heilgaben in die Quelle geworfenen Mün- 
zen erstrecken sich von den letzten Zeiten der römischen Republik 
bis auf Constantin den Grossen ^^^. Nicht weit von da entfernt Hegt 

12. Der Siedinger (Biedinger) Dreis, eine Sauerquelle bei 
Gerolstein (Kreis Dann, Begierungsbezirk Trier) in der Eifel, bei 
deren Wiederherstellung i. J. 1778 man als sprechende Urkunden 
ihrer Benutzung in römischer Zeit 143 römische Münzen grössten- 
theils von Maximinus auffand ^^^. Eine ähnliche kleine Mineralquelle 
scheint 



lOT Vgl. Dr. Bossler Die Römerstfitte bei Vilbel in dem vorgenannten 
Archiv. X, 1 Nr. .1 besonders S. 5 a. 35. 

108 Vgl. Lorsch S. 129. 

109 Vgl. Joh. Freadenberg Das Denkmal des Hercules Sazanns im Brohl- 
thaie, Bonn 1862, S. 3. A. 1. Lersch S. 47. 

110 Vgl. j. s. Schannat Eiflia illustrata oder geogri^ihiscbe und historische 
Beschreibung der, Eifel. Ans dem lateiniitohen Manusoript ttbersetst und mit 
Anmerkungen und Zusätzen bereichert von Georg Barsch. Leipzig 1850 ff. 8 
III, 2, 1 S. 40 f. Lersch S. 47. 



- 37 - 

13. Der Birresborn in der Bürgermeisterei Mürlenbach (Kreis 
Prüm^ Regierungsbezirk Trier) in geringer Entfernung vom rechten 
Ufer der Kyll am Fusse eines, Grauwacken-Plateaus zu sein: auch 
dort haben die in der Nähe des Brunnens aufgefundenen Münzen 
bezeugt, dass dieser Born gleichfalls den Römern wol bekannt war ^^^. 
Zu den bedeutenderen Heilbädern der Bheinlande aber in römischer, 
mittelalterlicher und neuerer Zeit gehört weiter auch 

14 Bertlich, gewöhnlich Bertrich, in den 100 Fuss tiefen 
Thälem des Uesbaches in der Bürgermeisterei Lützerath (Kreis 
Cochem, Begierungsbezirk Trier), an dessen wannen Quellen zu ver- 
schiedenen Zeiten die unzweideutigen Spuren der dauernden Be- 
nutzimg in Bömerzeiten zu Tage getreten sind. Bereits i. J. 1843 
fand man 20^ unter dem jetzigen Boden den alten Bömerbrunnen, 
welcher & breit und 7' lang in den Felsen gehauen und wenigstens 
27' tief ist. Auch entdeckte man in der Nähe dieses Brunnenschachtes 
ein. altes mit römischen Ziegeln gemauertes, gemeinschaftliches 
Bad von etwa 12' im Gevierte, in welchem eine grosse Amphora 
lag. Mehreremals hat man überdiess bei Bertrich römische Mün- 
zen gefunden, unter andern eine GoldmtUize des Vespasian und eine 
Münze Constantins des Grossen. Der wiederaufgefundene alte Römer- 
brunnen wurde neu gefasst und durch eine wohlgelungene Leitung 
der Quellen die Mächtigkeit der Thermen bedeutend verstärkt ^^K 
Weitere Aufdeckungen folgten l J. 1860 bei Anlage des neuen Bades, 
wobei, ausser dem oben besprochenen Votivaltärchen der Dever- 
cana und Meduna und der Marmorfigur der Diana, die SO' lange 
Grundmauer eines Gebäudes blosgelegt wurde, auf dessen Mörtelestrich, 
ausser Hirschgeweihen (die sich vielleicht auf den Cult der Diana 
beziehen), Statuetten vcm Thon u. a. m.^ wiederum Münzen von 
Hadrian, Commodus, den Antoninen und Valentinian vorgefunden 
wurden ^^^. Welche Bedeutung diese Thermae ad S. Bertricum oder 
Aquae Bertlichianae, wie sie in Urkunden genannt werden, im Mittel- 
alter gewannen, davon zeugen die wiederholten Restaurationen des 
Erzbischofs Johann von Trier in den Jahren 1456 und 1471, so dass 
sich dort selbst während des 16. Jahrhunderts ein reges Badeleben 
entfaltete. Später kam das.Badin Vergessenheit, bis es um 1741 zu neuem 
Rufe gelangte, aber erst 28 Jahre später durch die Fürsorge des 
letzten Kurfürsten von Trier wiederum so aufblühte, dass sich dar- 



in Vgl. Schannat III, 2, 1 S. 279 f. 
1» Vgl. Schannat III, 1, 3 S. 288—291. 
11^ Vgl. Bonner Jahrb. XXVIU S. 109. 



— 38 ~ 

nach unter französischer ^ später unter preussischer Herrschaft die 
Frequenz immer mehr hob ^^*, Ausser dem schon oben erwähnten 
Säuerling bei Godesberg^ welcher ebenfalls den Römern bekannt 
war, erübrigt schliesslich noch der Thermen von 

15. Aachen zu gedenken , dessen Namen ,,Aquae Granni^^ 
bereits oben auf die Bedeutung seiner Heilquellen in römiseher Zat 
hinzuweisen veranlasste. Schon längst hat man dort bei der Eaiser- 
quelle die Substruktionen von Bädern mitHohlziegelU; sowie Mün- 
zen aufgefunden <«, neuerdings auch bei den im dortigen Münster 
nach dem Grabe Karls des Grossen ^ angestellten Nachgrabungen ^*^« 
Dass auch die nahliegenden Quellen von Burtsc hei d gleichfalls schon 
von den Römern benützt wurden, ist um so wahrscheinlicher, weil 
auch eine Leitung für kaltes Wasser dortselbst als ein Rom er werk 
erkannt wurde **^. 



V. 

Mythologisches zu den Itinerarien. 

Ausser den oben erörterten mit ,,Aquae^' gebildeten Ortsnamen 
machen sich unter der grossen Menge der in den Itinerdirien über- 
lieferten Localbezeichnungen verschiedener Art neben der zahlreichen 
Classe blosser Eigennamen weiter auch noch andere von ähnlicher 
Bildung bemerkbar, welche gleichfalls aus einem lateinischen 
Appellativum nebst zugehörigem Adjektive oder Nominativ oder 
Genitiv eines Eigennamens zusammengesetzt sind. Ganz analog 
unsem zahllosen Ortsnamen auf heim, dorf, berg, bürg, markt, 
brücken, hafen, gau u. a. m. haben die Appellativa theils eine auf 
natürliche Verhältnisse der mannigfachsten Art bezügliche Be- 
deutung, wie mons, pous und portus, theils weisen sie auf militä- 
rische (castra, castellum, praetorium, turris) oder bürgerliche 
(pagus, vicus, forum) Ansiedlungen hin, theils endlich geben sie sich 
als ursprünglich religiöse Mittelpunkte zu erkennen, um welche sich 
meistens wol ein bürgerliches Gemeinwesen kleineren oder grösseren 



*i» Vgl. Lersch S. 168. 

"* Vgl. Lersch S. 47. 128 A. 129. 141. 

"« Vgl. Bonner Jahrb. XXXllI. XXXIV. S. 223. 

1» Vgl. Lersch S. 141. 



- 8» - 

UmfangB bildete, das von ihnen seinen Namen erhielt: hierher ge- 
hören die Beseiclinungen als compitnm, templam, fanum, lacus. 
Für compitum liegt unseres Wissens nur die- eine Stelle im It. 
Ant. p. 145 der Berliner Ausgabe vor, woselbst ein Ort Compi- 
tum aufgeführt ist, welcher ebendort p. 143 mit sub Anagniae 
and in der Tab. Peuting. segm. V. E. mit Conpito Anagnino 
beseichnet wird : die Schreibung Conpito lässt yielleicht auch in 
der mutatio C.onpetu des It. Hierosol p. 289 eine ähnliche auf 
ein compitum zurückzufahrende Ortsbezeichnung vermuthen. Gleiche 
BewandtnisB scheint es auch mit den als templum charakterisirten 
Namen der Tab. Peuting. zu haben (vgl. Index bei Scheyb p. XI), 
bri welchen auf der Tafel selbst überall ein einzelnes Haus, offen- 
bar als Andeutung des Tempels eingezeichnet ist: es findet sich so 
templum Jovis, Minervae, Veneris, Herculis (zweimal) und Augusti. 
Von grösserer Bedeutung aber in injthologischer Hinsicht sind die 
durch fanum und lucus als heilige Stätten gekennzeichneten Oert- 
lichkeiten, insoferne sie zugleich auf ein anderes nichtrömisches 
Glaubensgebiet hinüberführen, welches ausserdem hauptsächlich nur 
durch inschriftlicheZeugnisse beurkundet ist. Beide vorerwähnte 
Wörter werden bemerkenswerjther Weise bei diesen Ortsbezeichnun- 
gen entweder in üblicher Art vor ihren zugehörigen Genetiv gesetzt 
oder aber sie folgen demselben nach und werden bisweilen sogar 
mit ' demselben ^u einem Worte verbunden. - 

Fanum. 

1. Fanum Cocidi. . 2. Haevaef.anum. 

Sowol der Qeographus Bavennas p. 258, 11 und 826, 6 als aucli 
Guido p. 462, 11 und 605, 4 erwähnen das jetzige Fano in Umbrien, 
die Colonia Julia Fanestris, mit der blossen Bezeichnung Fanum, 
während die Tab. Peutii^. segm.iy.B mit ihrem fanoFurtunae (sie) 
und die li Ant. p. 126 und Hierosol. p. 615 mit fano Fortunae 
deutlich noch auf die erste Tempelanlage, das U^v T^g Tv/vi, hin- 
weisen (vgl. F orbiger Hdb. d. Geogr. I, 618), deren Namen durch 
die analogen Ortsnamen eines fanum Martis (Tab* Peuting. segm. I. 
It Ant p. 387) und ebenso eines fanum Minervae (It Ant p. S64) 
in Gallien bestätigt wird. Es darf daher gewiss auch bei dem von 
dem It Ant p. 80 angeführten fanum Carisi auf der Insel Sar- 
dinien in dem zweiten Worte gleichfalls der Namen einer einheimischen 
sardischen Gottheit vermuthet werden^ zumal auch die von Forbiger 
S. 835 dazu verglichenen Km^f^potoir des Ptolemaeus den nichtrömischen 



- 40 - 

Urgprnng des Wortes weiter zu beurkunden scheinen. Schwieriger 
ist die Entscheidung über ein fünftes fanum^ das fanum fugitivurn in 
Umbrien bei Guido p. 419,17, welches das It. Hierosol. p. 613 mu- 
tatio fani fugitivi und die Tab. Peuting. segm. IV. F. fano fugitivi 
nennt Es scheint demnach der Namen fanum fugitivi gewesen, seinem 
Ursprünge nach aber dunkel zu sein, da fugitivi wol nichts mit dem 
Namen einer Gottheit zu schaffen hat, ^wie in den vorhergehenden 
Fällen und offenbar auch in den beiden folgenden, welche gleichfaUs 
wieder nichtrömische d. h. keltische Gdttemamen als Ausgangs- 
punkte von Ortsnamen aufzeigen und damit zugleich auf die alten 
Quellen zurückführen, die den bekanntlich oft bis zur Ungeheuer- 
lichkeit entstellten Ortsbezeichnungen des Geographus Ravennas ganz 
unzweideutig zu Grunde liegen. Dieser erwähnt nämlich unter den 
zahlreichen tbeilweise auch von Ptolemaeus aufgeführten Ortsnamen 
Britanniens, welche in grader lüehtung von Meer *zu Meer Uegen 
sollen, p. 433,4 einen Ort, welchen die Ausgaben Fanocedi, der 
treffliche cod. Parisinus allein (und daher die Berliner Ausgabe) 
Fanocodi, der Vaticanus und Basiliensis dagegen übereinstimmend 
Fanococidi nennen und dieses ist die allein richtige Leseart. Es haben 
nämlich schon die beiden englischen Archäologen BoachSmüh CSol- 
lect antiq. II. p. 201 und CoUingwood Bruce the Roman Wall p. 381 
edit II. auf etwa 10 zu Bankshead und Howgill, »in deren Nähe man 
den besagt^i Ort des Ravennaten sucht und setzt, wie auch zu Bir- 
doswald, Netherby und Bleatam, meist Orte an der Britannien quer 
durchschneidenden Linie des Antonjnischen Walles, aufgefundene 
Votivaltäre hingewiesen, welche einem DEVS COCIDIVS gewid- 
met sind, der auf ' denselben auch, wie zahlreiche andere keltische 
Götter, vmit dem. römischen Mars identifizirt wird. Fanum Gocidi 
(Cocidii) ist also dem obenerwähnten fanum Martis ganz analog und 
damit in jenem bisher ganz rätbselhaften Ortsnamen bei dem Raven- 
naten ein neues gewichtiges Zeugniss fär den Cult dieser britanni- 
schen Gottheit vgewonnen. Von ähnlicher Art ist der zweite Fall. 
Unter den auch hier wieder grösstentheils bis zur Unkenntlichkeit 
entstellton Localnam^n am Niederrhein nennt derRavennate p. 228,4 
einen schon vielfach der historischen Interpretation unterstellten Ort 
Coadulfaveris, an d^sen Stelle die Tab. Peuting. segm. I. B.U.G. 
die beiden Ortsnamen Carvone und Castra Herculis bietet. 
Unmittelbar hinter, demselben bringt der Geographus RavennsA weiter 
einen Ort Evitano (mit der Variante evitario in dem Basiliensis), 
stattdessen die Tab. Peuting. segm. I. B. hinwieder Levefano auf- 
fuhrt. Aus der Vergleichung dieser beiden Namen ersieht man deut- 



— M ~ 

lichy dass in dem Texte des jGreographus bisweilen die Anfangs- 
buchstaben der Namen weggefallen sind^ andererseits liegt ebenso 
klar Tor^ dass Levefano aus Leve d. h. Levae oder Laevae und 
fano zusammengesetzt ist. Die Erwähnung des Ortes Castra Herculis 
aber und die Auffindung einer Anzahl einem kelto-römischen HEB- 
CVLEH MAGVSANVS gewidmeter Votivaltäre an verschiedenen 
Orten Hollands hat. daher Alfred Maurj (Bev. arch^ol. 1849. p. 237: 
vgl. Beucker de orig. iur. frisic. p. 294) zu der ansprechenden Ver- 
muthung Azüass gegeben^ dass in beiden Itinerarien Haevaefano 
zu verbessern sei, da ein zu Malburgen in Holläadisch-Geldem zu 
Tage geförderter Votivaltar HEBC VLI MAGV8AN0 ET HAEVAE 
(Orelli 2006) geweiht ist : eine > Textesveränderung der Itinerarien, 
welcher in paläographischer Hinsicht kaum ein erhebliches Bedenken 
entgegengestellt werden kann. Es wäre demnach nahe bei den Castra 
Herculis, welcher Gott dort gewiss leicht zu .einer Identifizirung mit 
dem einheimischen Dens MAGVSANVS kommen konnte, einfanum 
Haevae d. h. ein seiner göttlichen Begleiterin, der gleichfalls ein- 
heimischen, nicht-römischen HAEVA geweihtes. Heiligthum nachge- 
wiesen, um welches sich als Mittelpunkt auch eine gleichnamige An- 
siedlung. gebildet haben. mag. 

Lucus. 

1. Lucus Bormanae. 2. Poenilucus. 3. Stailucus. 4. Sage- 

lucus. 

Denselben mythologischen Ausgangspunkt und Anlass, wie die 
mit fanum gebildeten Ortsnamen, haben auch die mit lucus zusam- 
mengesetzten, deren zweiter Theil meistens der Genitiv eines Götter- 
namens ist; wie dort ein heiliges Gebäude, so gab hier ein heiliger 
Hain wol öfter die natürliche Veranlassung zu einer Ansiedlung, 
welche sich nn Laufe der Zeit zu einem grossem Gemeinwesen er- 
weitem mochte. Heilige Haine aber waren dem römischen wie kel- 
tischen Cultus gemeinsam und es kann daher auch hier nicht auf- 
fallen, lucus mit Namen von Gottheiten aus beiden Mythölogieen zu- 
sammengestellt zu sehen. ItaUen selbst gehören der lucus Fwoniae 
(Plin. N. H. nn, 5, 8) und der lucus Angitiae an, dessen gleich- 
namiger Ort noch in dem heutigen Luco fortlebt (Forbiger S. 642); 
auch das süd-italische Lucos der Tab.Peuting. segm. VLB. gründet 
sich sicherlich auf eine gleiche heilige Waldstätte, wenn ^uch die 
Gottheit, welcher dieselbe ursprünglich geweiht war, grade so nicht 



— ^2 - 

mit überliefert ist^ wie oben bei dem Ravennaten das bloBse Fanum^ 
statt Fanum Fortunae steht ^ wie weiter Bchlechthin Lucas im It. 
Ant p. 170, It. HieroBol. p. 263, Tab. Peuting. segm. II. D. und bei 
demGeogr. Rav. p. 241 (mit den Varianten tueo undtuco) statt Incus 
Augusti (Luc en Die in Frankreich : Plin. N. H. III, 4, 5) und eben 
so im It. Hierosol. p. 203. 204 statt Lucus Augusti (Lugo it Spanien) 
gesetzt ist, wobei beiläufig bemerkt sei, dass Lucus Asturum (Asto- 
rum: Gkogr. Ray. p. 320, 16), uiovnug 'Aatov^av, einer der kleinen 
Orte im Ghebiete der hispanischen Astures, deren Haupt- und Natio- 
nalheiligthum gewesen zu sein scheint Diese Benennung naheliegen- 
der Ansiedlungen nach solchen heiligen Hainen einheimischer Gott- 
heiten bezeugt auch der grosse Wald Bouconne im südwesdichen 
Frankreich am Fusse der Pyrenäen, an dessen westlichem Saume die 
Spuren einer römischen Niederlassung gefunden werden, welche die 
locale Ueberlieferung gleichfalls mit dem Namen Bouconne be- 
zeichnet ; es erwähnt nun aber das It. Hierosol. p. 261, 1 1 westlich 
von Tolosa an der Strasse nach Burdigala unter andern Orten eine 
mutatio Bucconis, welchen Ort Bucconae man in dem Flecken 
Empeaux und Ue-en-Jourdain erkennen wollte : mit grösserer Wahr- 
scheinlichkeit ist aber diese mutatio vielmehr in der obenerwähnten 
gleichnamigen römischen Ansiedlung am Rande des Waldes 
Bouconne zu suchen. Ganz analog dem italischen lucus Feroniae und 
Angitiae ist weiter auf gallischem Gebiete auch der Namen des älao^ 
'Aifdatfig oder vielmehr *Av9gwfitig, lucus Andart^e, der britannisdhen 
Siegesgöttin bei Cass. Dio LXII, 2 gebildet und es lassen sich nach 
dieser Analogie auch die Namen anderer keltischen Grottheiten fest- 
stellen, welche bis jetzt ganz unerkannt in solchen Ortsnamen der 
Itinerarien verborgen waren» Es erwähnen nämlich das It. Ant. p. 
141. Tab. Peutmg. segm. II. F. Geogr. Rav.^ p. 270, 8; 338, 4 und 
Guido p. 476, 9; 612, 25 einen li guri sehen Ort, dessen Namen 
sie in seinem ersten Theile Lucus im Ganzen übereinstimmend, 
mehr oder minder abweichend aber in seinem zweiten Tbeile über- 
liefern: es ist das zwischen Albingaunum und Costa Balenae au%efilhrte 
Lucus Bormani. Von den Handschriften des It Ant. haben nur 
der tre£fliche ParisinuB D und der Scorialensis Luco, alle übrigen 
Loco; in gleicher Weise weichen von der Vulgate Bormiani der eine 
Florentinus mit bormoni/der Scorialensis mit bormaci und am 
auffallendsten der vorerwähnte Parisinus mit bormaniae ab; die 
Tab. Peuting. segm. IL F. hat Luco Boramni mit offenbarer Ver- 
Schreibung statt Bormani. Noch weiter ab liegen die Lesearten 
des Ravennaten und des Guido. Jener bietet an erster Stelle Luco 



— »3 - 

VermaniB^ ebenso auch an zweiter Stelle^ woselbst jedoch der Va- 
ticanus und ParisinuB Loco Germaziis, die Ausgaben Loco Ber- 
man ig haben. Die Handschriften des Guido haben an erster Stelle 
Locö oder Leco Vermanis oder Vernattis, an zweiter Loco 
Germinis. Auffallend ist hierbei; dass während It. Ant. und Tab. 
Peuting. auf einBormani hinführen; bei dem Ravennaten und Guido 
dieses Wort auf i s ausgeht; was als leicht aus einem i e entstanden; 
auf das bormaniae des Parisinus D zurückweisen würde. Zunächst 
ist aber als Nominativ zu Bormani ein Borroanus festzuhalten und 
ist hierzu die ganze Reihe theils dem StammC; theils der ableitenden 
Endung nach verwandten und analogen Bildungen zu vergleichen; 
welche oben S. 9 zusammengestellt worden sind; unter denen die 
beiden letztern dem Bormanus am nächsten kommen und ebenso 
wie Lucus Bofmani selbst auf eine einzige keltische Gottheit 
zurückzudeuten scheinen; welche entweder ein Deüs Bormanus 
oder eine Dea Bormana gewesen ist. Und in derThat lassen sich 
wol beide nachweisen. Einerseits nämlich hat Httbner ^^^ zwei 
Votivinschriften au« Spanien; demnach also ebenfiBills aus einem Kelten- 
lande; mitgetheilt; welche einem DEVS BOBMANIOVS gewidmet 
sind und andererseits hat sich; nicht allzufeme von demjenigen Land- 
striche GallienS; welchem die Orte Lucus Bormani und das Pli- 
nianische Bormani angehören; zu Saint- Vulbas (d^p. deTAin) eine 
Votivara mit folgender Inschrift gefunden "': 

BOKMANAE 

AVG SACK 

CAPRI 

A : TRATINVS 



als deren Schlus^ ein Fragment gelten darf; das. sich in der Mauer 
einer Mühle desselben Dorfes befindet : 

. SABINL^VS 
DSD 
Demnach darf wol das LucusBormani auf jenen Gott BORMANVS 
oder BORMANICVS bezogen oder; soferne Bormani leicht aus Bor- 
mane d. h. Bormanae verschrieben werden konnte; in Lucus Bor- 
manae geändert werden; wovon auch der treffliche Parisinus D des 



»« Vgl. Anmk. 19. 

11* VgLGaillemot introduction k la monographie du Bugey p, 106. AUmer 
sur denx inaeriptions votivea (vgl. Anmk. 87) p. 18. Bonner Jahrb. XXXIil. 
XXXIV 8. 17. 



_ M* — 

It. Ani in Beinern Bormaniae eine unzwrideutige Spnr erhalten zu 
haben scheint. 

Eine ähnliche, schon frühe, wie es scheint, allgemein gewordene 
Verderbniss der ursprünglichen Namensform hat auch die Bezeich- 
nung der Alpes Poenniae und Alles, was mit derselben zusammen- 
hängt, betroffen. Fast überall nämlich zeigen die späteren hand- 
schriftlichen Quellen und Urkunden eine Entstellung des Poeninus 
in das wegen seines Anklangs anApenninus naheliegende Penn in us, 
so dass die Varianten der Handschriften beide Formen untereinander 
mischen, wie ein Blick auf Tab. Peuting. IIL D; II. C; II. B. und 
den Bavennaten p. 237 genugsam zeigt Schon längst aber hat ^^ 
die Uebereinstiminung der besten Handschriften und der Inschriften 
dargethan, dass nur Po en in üb die allein richtige Form des Namens 
ist, deren Entstellung in Peoeninus undPuoeninus in zwei Inschriften 
nur als Schreibfehler anzusehen und ohne alle Bedeutung ist ^^K Mit 
Recht hebt daher Mommsen a. u. a. O. hervor, dass nach allem 
diesem die auch von Zeuss (gr. celt p. 77. 99) noch adoptirte land- 
läufige Ableitung von dem gallischen penn ebensowenig stichhaltig 
sei, als die von livius XXI, 38 gemachte Angabe, wonach die vallis 
Poenina von der Localgottheit der Veragri, dem später mit dem 
römischen Juppiter identifizirten Dens Poeninus, ihren Namen erhal- 
ten habe, aus sprachlichen Gründen angenommen werden könne, da 
vielmehr für beide Ableitungen eine gemeinsame Wurzel voraus- 
zusetzen sei. Es ist nämlich evident, dass das Attribut Poeninus zu 
Alpes, Vallis und dem DEVS der Veragri ^'^ nur als eine adjdLtivische 
Ableitung von einer kurzem Wurzel Poen angesehen werden kann. 
Diese Wurzel selbst aber hat Mommsen sicherlich ebenso über- 
zeugend u;i dem Namen der rätischen "Aimig uowal bei Ptol. II, 12, 2 
in ihrer ursprünglichen Form nachgewiesen, als andererseits scharf- 
sinnig auch in dem ganz entstellten Pennelocus der Itinerarien 



120 Vgl. Th. Mommsen Die Schweiz in römischer Zeit. (Mittheilangen der 
Antiq. Gesellsch. ii;^ Zttrich IX, 2, 1 1854) S. 6. A. 6. 

«» Vgl. Strabo UI, 6; PtoL III p. 171 ed. WUberg; Plin. N. H. III, 17, 
21; Tacit. Eist. I, 61, 70, 87; IV, 68; Ammian. Marc. XV, 10; Liv. V, 35; 
XXI, 38; Zosim. Eist. VI, 3; Grut. p. 37t>. 6; Maffei Ver. illustr. VIII p. Sa»?; 
Orelli 3888; Mommsen Insc. Helv. p. 7—10; Bonner Jahrb. IX S. 91 und XI 
S. 11-14. 

122 Pa mehr als 21 aaf dem grossen St. Bernhard aufgefundene Votivin- 
Schriften den Poeninus als männliche Gottheit beurkunden, so kann des Ser- 
vius (zu Vergil. Aen. X, 13. vol. I p. 54T ed. Lion) Dea Poenina nur auf 
eipem Irrthume beruhen und ist wol mitD'eyks (Bonner Jahrb. XI S. 19) in Dens 
Poeninus zu verbessern. 



— 45 - 

yermnthei Dieser Ort, ohne Zweifel das heutige Villeneuve in 
Wallis, wird im It Ant. p 167 durch die 5 Handschriften DJLNP, 
auf deren lieber einstinunung p. XXXIII der Berliner Ausgabe ein 
grosses Gewicht gelegt wird, als Penne locos, durch die übrigen 
als Penne locus bezeichnet, während die Tab. Peuting. segm. II. 
B: Pennolucos und der Valicanus nebst dem Parisinus desRaven- 
naten p. 237 Pennolocus, der Basiliensis Pennolicus bietet. Das 
für die Abschreiber unverständliche, aber in der Tab. Peuting. glück- 
lich bewahrte lucos inusste, wie man sieht, sich die Aenderung in 
das naheliegende locus gefallen lassen, ganz analog der oben er- 
wähnten Stelle des Lucus Bormani im It Ant. p. 141, woselbst nur 
zwei Handschriften luco, alle übrigen aber loco haben. Es kann 
aber kein Zweifel sein, dass in dem lucos der Tab. Peuting nur 
eine keltisirte Nomin^tivform statt lucus zu sehen ist, da bekannt- 
lich diese Endung os als eine keltische statt der lateinischen us auf 
zahlreichen keltischen Münzlegenden sowol als in inschriftüchen Eigen- 
namen kellischen Gepräges gewöhnlich ist, somit also auch bei Orts- 
namen wird zur Anwendung gekommen sein ^^. Der erste Theil 
dieser mit lucos zusammengesetzten Localbezeichnung aber hat nun 
ohne Zweifel dieselbe Wandelung des Poeüo oder Poe ne in Penno 
oder Penne erlitten, wie sie in Penninus au^ Poeninus offenbar vorliegt. 
Es haben daher Wesseling (zu It Ant p« 352) und H. Meyer *^ 
den Namen dieser römisch -gallischen Station als Poenilucus (Poeni- 
lucos) d. h. Hain des Poenus hergestellt: eine uralte einheimische 
Gottheit Poenus muss demnach also auch sprachlich Anlass und 
Ausgang der Benennung gewesen sein, womit das ganze Rhonethal 
(vallis), sodann der* dazu gehörige Alpenzug (Alpes Poeninae), end- 
lich der auf der Höhe des grossen St. Bernhard verehrte Juppiter 
optimus maximus belegt wurde : wie überall ging auch hier der 
Localgott in der Identifizirung mit dem siegreichen Römergotte unter. 
Dass im Laufe der Zeit und bei der Verdunklung der ursprünglichen 
Bedeutung des Wortes sich leicht aus Poeniluoos ein Penne — oder 
Pennolucos oder locus für den bei dem uralten Haine des Poenus 
entstandenen Ort als Namensform bilden konnte, liegt auf der Hand: 
vielleicht enthält auch das Pennolicus der Baseler Handschrift des 
Ravennaten noch eine Spur des ursprünglichen Namens, da es wie 
eine Verschreibung aus Pennilocus oder Pennilucos d. h. Poenilucos 



123 Vgl. Kuhn u. Schleiclier Sprachvergl. Beiträge in, 2 S. 189 f. 
IM Die römischen Alpenstraflaen in der Schweiz (Mittheilangen der Antiq. 
Gesellsch. in Zürich SLni, 2, 4) S. 120. 



— 46 - 

ersohwit Wie fanum, so ist nämlich auch lacus dem Namen der 
Gottheit nachgesetsst d. h. angehängt worden, bo dass gich statt Lucus 
Poeni ein Poenilucusy wie oben Haevaefanum, feststellte. Fttr 
diese Art der Namenbildung zeugt vielleicht auch der Ortsnamen 
StailucuB in der Tab. Peuting. segm. IV. C, dessen «^ter Theil 
sich sowol sonst noch in derselben Tab. Peuting. segm. XII. B., als 
auch auf römisch-keltischen Inschriften nachweisen lässt:^**^ 

SVGASSIS 

HANIVS 

. . . DIAE.STAI.F. 

. . . SVGASI ET STAIC. 
und somit ebenfalls wenigstens auf einen Personennamen STAIVS 
zurückweiset, der wol auch ab Gdttemamen vorkam. 

Dieselbe Namenbildung mit lucus, aber auch dieselbe Verwech- 
selung des Wortes mit locus, scheint endlich auch in einem dritten 
Ortsnamen vorzuliegen, welchen das It Ant p. 226 Segeloco, p. 
228 aber Ageloco nennt: auch der Kavennate bezeichnet offenbar 
denselben Ort in gewohnter Entstellung mit Segeloes: aus diesen 
Fokmen dürfte sich ohne Zwang die Verbesserung Segel ucus oder 
SagelucuB herleiten lassen, so dass Sagaelucus wiederum, wie 
oben Haevaefanum gebildet wäre; ist auc^ in Britannien selbst (wo- 
hin jener Ort gehört) keine DEA SAGA bis jetzt nachgewiesen, 
so begegnet eine solche jedoch auf folgender römisch - keltischer In- 
Schrift Spaniens: ^^ 

SAGAE 

MAVRVS 

CAVDI 

V.L.A.S 



125 Vgl. Octavi. Roftsi Memor. Bresc. ed. Vinaccesi p. 277 n. 25. 

126 Ygl. Cean - Bermadez Sammario de las Antiguedades Romanas qua hay 
en EspaSa, Madrid 18S2, fol. p. 422. 



xVv 



Des Kanonicus Job Rohrbach am Bartholomäusstifte 

Frankflirter Ckroilk 

vom Jahre 1494 — 1502. 

Zum ersten Male herausgegeben 

von 
Qeorg Eduard Steits, Doctor der Theologie. 



Einleitung. 

In den folgenden Blättern lege Ich denGeBchichtsfreundenindner 
Vateratadt das Tagebuch des im Jahre 1602 in jugendlichem Alter 
verstorbenen Kanonicus Job Bohrbach vor, in welches dieser die Er- 
eignisse seiner Familie ; seiner Freunde und seiher Mitbürger vom 
Jahre 1494 bis 1502 eingetragen und au%ezeichnet hat Ich habe 
bereits von der WIederaufGndung dieser interessanten Handschrift in 
der Einleitung zu der Familienchronik Bernhard Bohrbachs im 2. 
Bande der neuen Folge dieses Archives S. 415 Nachricht gegeben 
und vor zwei Jahren in den Versammlungen des Frankfurter Ver- 
eines für Geschichte und Alterthumskunde in drei Vorträgen den 
reichhaltigen Inhalt derselben entfaltet (Vergl. Frankfurter Patricier- 
leben zu Ende des flinfzdinten Jahrhunderts, Frankfurter Conver- 
satiousblatt 1868 Nr. 4—7. 16—20. 25 -28). Was in jenen 9 Jahren 
in Scherz und Emat; in Lieb und Leid die Bürgerschaft bew^te, 
tritt uns in diesen fortlaufenden handschriftlichen Au&eichnungen in 
einer Beihe von Bildern enlgegen, die mit naivem Sinne, in leichten 
Umrissen absichtslos hingeworfen, uns den Blick in die stillen Kreise 
des häuslichen und bürgerlichen Lebens und seiner Sitte eröffnen, 
über die man damals nur selten etwas niederschrieb und auch das 
Wenige nur als Anhalt ftar die eigene Erinnerung, nicht um die 
Neugierde der künftigen Geschlechter zu befriedigen. Das Büchlein, 
in welchem Job 178 Blätter mit eigener Hand beschrieben hat, wurde, 
in Pergamentumschlag geheftet. In der Familie Bohrbaoh ala ehr- 
würdiges Erbstück bis zum Erlöschen des Mannatanunea bewahrt; 
mit Margaretha, der letzten dieaea Geachlechtea, der Gattin Johann 
Adolfavon Glauburg, ging ea wohl 1579 in den Besitz dieaer FamiUe 






— 48 — 

über und wurde von einem Gliede derselben um 1636 mit Zusätzen 
und Randbemerkungen versehen. Durch welche Umstände es in die 
Hände meines GrossoheimS; des Finanzratbes, nachmaligen SchöfFen 
und Bürgermeisters Georg SteitZ; kam, ist mir unbekannt Von ihm 
vererbte es auf seinen Neffen, den Herrn Rath Georg Finger, der es 
mir mit gewohnter Liberalität zur Benützung anvertraute und dem 
ichr dafür jetzt auch öffentlich den herzlichsten Dank Aussprechen 
darf. Der selige Böhmer, den meine Mittheilungen daraus in dem 
Conversationsblatte noch auf seinem schweren Krankenlager im 
höchsten Grade fesselten, hatte das Büchlein nie gesehen. Seine 
Vermuthung, dass es wohl Fichard gekannt haben dürfte, ist nicht 
begründet : dieser würde sonst manche Angaben in seiner Geschlechter- 
geschichte (z. B. über den Tod Gilbert Holzhausens zum Spangen- 
berg, den er irrthümlich erst 1496 setzt) berichtigt und ergänzt haben. 
Der Einzige, der es gekannt, aber weder in seinem Werthe gewür- 
digt, noch auch eingehend benützt hat, war der selige Römer. Welche 
reiche Quellen und Ströme würden sich erst für die vaterstädtische 
Geschichte eröffnen, wenn die Familie Holzhausen ihr Archiv, in 
das so viele Archive einzelner Geschlechterfamilien übergegangen 
sind, nicht mehr in ängstlicher Zurückhaltung, für die kein Grund 
vorliegt, der Benützung verschlösse, sondern die Möglichkeit gewähi*te, 
die unvergesslichen Verdienste ihrer grossen Ahnen ^ wie sie es ver- 
dienen, zum Gegenstand der Bewunderung für die Nachwelt zu 
machen ! 

Die ältere Geschichte der Familie Rohrbach darf ich hier als 
bekannt voraussetzen, da die Familienchronik Bernhards darüber 
erscliöpfende Nachrichten gibt. Ich beschränke mich daher nur auf 
die Erinnerung, dass dieselbe durch Konrad Rohrb^ch, gestorben 
1400, nach FrankAirt kam, dass sie durch Handel mit Elsässer 
Weinen und durch Heirathen frühzeitig ein bedeutendes Vermc^en 
und ein ausgedehntes Grundeigenthum erwarb, dass schon Konrads 
beide Enkel Johann (im Jahre 1444) und Heinrich der Alte in den 
Rath erkoren, und dass auch die beiden Söhne des letzteren, Heinrich 
der Junge und Bernhard, im Laufe des Jahrhunderts die Nachfolger 
ihres Vaters auf dessen Rathsitze wurden. 

Job oder IJiob Rohrbach, der dritte Sohn Bernhards, der von 
seinem Vater die Neigung zur Aufzeichnung städtischer Begeben- 
heiten geerbt zu haben scheint, wurde am 27. December 1469 ge- 
boren und von dem Kanonicus zu St Leonhard Wemherus Erbstadt 
aus der Taufe gehoben. Die Firmelung empfing er .1477, «Is er im 
achten Jahre stand. Da als sßin Firmpathe ^Antonius Armigeri, sin 



- 49 — 

Rector zu St Bartholomeus*' erwfihnt wird, so dürfen wir daraus 
gchliessen, dass er die Stiftsschule daselbdt besucht und in ihr seine 
erste wissenschaftliche Bildung empfangen habe. Als sein Vater 
Bernhard am 6. December 1482, erst 36 Jahre alt, starb, waren von 
dessen neun Kindern nur noch sechs am Leben. 'Die Wittwe Elgin 
Bohrbach war eine Tochter des verstorbenen Schoflen Konrad Hqjz- 
hausen und dessen Ehefrau Engin, einer geborenen Sassen ^. Sie 
wohnte in dem Wixhäuser (dem heutigen Aügsburger) Hof, dessen 
östliche und westliche Seite damals noch nicht mit Häusern verbaut 
und wie heute zur Strasse eingeengt waren ^ während das Gebäude 
selbst, mit Thurm und Erker stattlich geschmückt, die ganze nörd- 
liche Breite des Hofes einnahm und mit seiner Ea^ade nach Süden 
schaute. Ausserdem besass sie noch immer das Haus Ehrenfels in 
der Schnurgasse und einen grossen Hof auf der Eschenheimergasse 
mit mehreren Zinshäusern, über dessen Eingang sie im Jahre 1496 
das' RohrbacVsche und Hotzhausen'scbe Wappen aufrichten liess. 
Auch ein Bohrbach'scber Garten, ohne Zweifel der jüngst verkaufte 
grosse Bleichgarten auf der Breitengasse und dem Klapperfeld, wird 
von Job häufig erwähnt '. 

Von den drei Söhnen trat d.er jüngste, Konrad, schon am 8. April 
1493 nach eben zurückgelegtem/ zwölften Lebensjahre eine Reise nach 
Augsburg und Venedig an, von der er erst im März 1498, also im 
siebzehnten Lebensjahre, zurückkehrte. Die Dauer seiner Abwesen- 
heit, seine zarte Jugend imdder längere* Aufenthalt in diesen Städten, 
welche die grossen Mittelpunkte des Handels zwischen Deutschland 
und Italien bildeten, legt die Annahme nahe, dass sich Konrad dem 
Kaufmannsstande widmete und dass der Zweck dieser Reise seine 
merkantilische Ausbildung war^ Wenige Tage vor Konrads Abreise 
war auch der älteste Sohn Bernhard, damals 26 Jahre alt, am 26. 
März 1493 nach Italien gezogen *, weilte längere- Zeit in Rom und 
erreichte erst zwei Jahre später mit Ludwig Hokhausen die Heimath. 
Als beide auf dem Rückwege am 20. Mai 1495 eben auf einem Roll- 
wagen Worms verlassen wollten, begegnete ihnen, wie es scheint, 
von Ungefähr dort Job Rohrbach mit mehreren Frankfurtern, Karl 



1 Bernhard Rohrbaoh's Familienchronik §. 94—105 (bes. §. 96); 8- 124. Job 
Rohrbach Chronik §.1. 

> Job's Chronik §. 89 flg. §. 78, 81, 9, 14 etc. 

3 Ibid. $ 3 u. 87. DafOr spricht auch sein spfiterer Aufenthalt in Antwer- 
pen g. 10. 

♦ §. 4. 

4 



— 50 — 

Hjnsberg; Ulrich Neuhauseii; Bechtold Heller^ Johann zum Jungen^ 
Wolf Blum; dem Schultheisen Ludwig zum Paradies ^ dem Doctor 
Adam Hejmbach und Anderen. Sofort kehrten sie mit ihnen in die 
Stadt zurück und feierteii mehrere Tage lang ein fröhliches Wieder- 
sehen. Begleitet von vier Dienern fuhren sie in einem Rollwagen 
am 24. Mai; ihrer fünfzehn; nach Oppenheim; von da am 25. zu 
Schiffe nach Mainz und mit dem Mainzer Marktschiff; welches bereits 
das gewöhnliche Beförderungsmittel für Beisende aller Stände war, 
nach Frankfurts Schon im Jahre 1496 sehen wir Bernhard das 
Boss besteigen zu einer neuen italienischen Beise; die ihn sechs Mo- 
nate lang dem 'Familienkreise fern hält und wiederum bis nach Born, 
von Job schlechthin urbs genannt; führte üeberhaupt ist der Zug 
nach Italien eiine charakteristische Erscheinung in dem Leben der 
reichen Frankfurter jener Zeit Auch von Haman Holzhausen lesen 
wir; da;ss er in seiner Jugend sich dort aufgehalten und für sich und 
seinen Beisegenossen Jakob Kühorn einen Ablassbrief erwirkt habe, 
der im Jahre 1491 auf die Glieder von Beider Familien ausgedehnt 
wurde. Ln September 1494 treten abermals drei junge Frankfurter, 
Loy Jostenhofer; ein Sohn des Johannes von Bhein und Magister 
Wolfgang Heller die Beise nach Italien, und da sie Briefe für Bern- 
hard Bohrbach mitnahmen; so scheint eS; nach Bom an '. Was sie 
dorthin zog; war gewiss nicht blos die Herrlichkeit des Landes ; die 
noch heute jedem; .der es zu sehen das Glück hatte ; in frischer Er- 
innerung bleibt; sondern zugleich die Sprache , die durch eine allge- 
mein bewunderte Literatur vertreten; als ein nothwendiger Besitz Aller 
galt; die auf höhere Bildung Anspruch machten. Auch Job; obgleich 
wir nicht erfahren; dass 'er das Land selbst bereiste; hat nichts desto- 
weniger diese Sprache erlernt : unter den wenigen Büchern ; die er 
auf Anlass seiner Anschaffungen und der ihm^ gewordenen Geschenke 
erwähnt; fuhrt er namentlich die sämmtlichen Werke' des Francesco 
Fetrarcha; eine Liebesgabe des befreundeten Dr. Florentius von 
Veningeu; auf. Uebrigens waren jene Beisen damals noch mit weit 
grösseren Gefahren verbunden, als in unseren Tagen und es fehlt 
nicht an Beispielen; diuis Manche jener Jünglinge die Befriedigung 
ihrer Sehnsucht nach der Heimath der Kunst und der Wiederaufleben- 
den classischen Bildung mit dem Leben büssen mussten: Job selbst 



s §. 6. cf. §. 52. 
« §. 8. 
» §. 5. 



- 51 — 

erzählt ubb; das» Wolfgang Heller mit seinem Gefährten Otto Eron- 
berger auf der Heinureise im Gebiete von Siena elendiglich ermordet 
worden sei. Am 25. August 1495 liessen der gebeugte Vater Becfathold 
Heller und die Brüder des Gemordeten, Jakob, Bechthold der Jün- 
gere und Caspar, ihm in der Bartholomäuskirche die Exequien ver- 
anstalten ®. . 

Die beiden älteren Schwestern Anna und Afra wurden durch 
den Willen der Mutter dem Elosterleben bestimmt • Im Jahre 1488, 
wo jene vierzehn, diese zwölf. Jahre alt war, schloss Elgin mit 
Anna Bückerin, Priorin zu den Weissfrauen, einen Vertrag, kraft 
dessen ihren beiden Töchtern zwei Pfründen zugesichert und dem 
Erlöster eine Summe von 250 fi. für jede ausgesetzt wurde, wogegen 
es auf ihre Erbschaft; Verzicht leistete. 1490 wurde diese Summe fttr 
Anna, 1492 für Afra ausgezahlt nebst 10 fl. ftr die Kleider jeder. 
Sie traten also um diese Zeit ihr Noviziat an'* Schon im Jahre 1488 
werden beide in einer dem Convente ausgestellten Ablassbulle ge> 
nannt^; den Schleier nahmen sie indessen erst am 6. August 1494 
nut vierzehn anderen Jungfrauen ^K Anna, damals zwanzig Jahre alt, 
überlebte nur um wenige Wochen ihre Einkleidung, sie verschied 
am 23. August in dem Kloster ^^. Ihre Schwester Afra vertrauerte in 
den öden Mauern ihre Jugendzeit unter frommen Uebungen und 
kleinlichen weiblichen Handarbeiten ; ihrem Bruder Job v^ertigte 
sie aus Seide einen Zweig mit drei weissgefüllten Knospen, drei 
Eicheln, zwei rothgefüllten Blumen und vielen ande]:en kleinen Blüm- 
chen : das wehmüthige Bild eines vertrockneten und verkümmerten 
Lebens ^^ 

Nur die jüngste Tochter Martha war bestimmt, als Gattin und 
Mutter das Loos des Weibes in den Freuden und Leiden des H!aus- 
standes zu tragen. Sie vermählte sich 1495, siebzehn Jahre alt, mit 
Karl Hjusberg und die Schilderung der Förmlichkeit^ womit dies 
geschah, bildet einen der interessantesten Abschnitte unserer Hand- 
schrift**; 

Am 11. Mai 1495 kamen in dem Klappergarten von Katharina 
Holzbausen im Beisein Jobs, Gilbert Holzbausen's und Jakob Neu- 



8 §. 268. 

9 Fichard Geschlechtergeschiehte. 
10 Lersner I, II, 79. 

1* §. 72. 
« §. 73. 
ö §. 74. 
» i 78—81. 



4* 



— 52 — 

hausen'B Elgin Bohrbach die Matter und Karl Hynsberg ttberein^ dass 
der letztere Martha zur Ehe nehmen solle. Am 16. Mai imirden die 
beiden gleichlautenden Exemplare der eheliehen Briefe versiegelt, 
von Seiten des Bräutigams durdi Doctor Ludwig zum Paradies, Schul- 
theiss, mit seinem Amtssiegel, Ort zum Jungen und Konrad Neuhaus; 
von Martha's wegen durch Georg Frosch/ Haman Holzhausen und 
Job Bohrbach, der zu dieser Handlung bemerkt : „Und ist das erste 
Mal, dass ich gesiegelt habe, denn meiner Schwester zu lieb, liess 
ich das Siegel graben/' ,;Am 18. Mai lud man — erzählt er weiter — 
von beiden Seiten Frunde, zu vollenbringen und zu beschliessen die 
Ehe zwischen Karlen Hynsberg und Martha Bohrbächerin, myner 
Schwester, und hat Karl sjne Frunde durch synen Knecht lassen 
laden und mjne Mutter ihre Frunde von Marthen wegen lassen 
laden durch Meister Niclasen Schorrebrant, den^ man nejnnt den Arm- 
brüster — die Jungfrauen, die nit zu gehören, die lädt man durch 
ein Meyd des Morgens. Und sind die Frunde geladen word^i von 
beyden Seiten des Morgens, also dass man die hat gebeten zu kom- 
men zwischen zwölf und ein Uhr zu den BarfUssem, die Frauen 
und Jungfrauen in das Hus myner Mutter. Also ist es auch vollen- 
gangen. Und so die Mannen von beiden Seiten zun Barfbssern ka- 
men, schickten sie ein Knecht zu den Frauen ins Haus, liessent fra- 
gen: „War es den Frauen gelegen, wollten sie kommen.^' Entboten 
ihnen die Frauen : „Es war' ihnen, gelten.'' Da thet Georg Frosch 
ein Abred, also lutend in der Meinung: „Als beredt und betheidingt 
war' zwischen Karlen Hynsburg und Jungfrauwen Marthen ein Ehe, 
mit beider Seiten Frunde Bath, Wissen und Willen, die also zu be- 
schliessen bat' ' er sie darby zu sin.'' l!)ess sie all' gutwillig waren und 
^ngen von den BarfÜssem in myner Mutter Hus zu der Brut und 
den Frauen und Jungfrauen. Da im Hus thet Georg aber wie vor 
ein Abred, nach der nahm Herr Johann Brun (von Brunfels) Jung- 
frau Marthen und Karlen und gab sie zusammen zu der heiligen 
Ehe ein vierteler Stund nach einer Uhr Nachmittag." Man nannte 
diese ganze Handlung den Handschlag oder den Weinkauf. Die 
Zahl der Gebotenen von Seiten des Bräutigams, welche den Fami- 
lien Heringen, Hynsberg, Marpurg zum Paradies, zum Jungen und 
Neuhaus angehörten, betrug 11, die von Seiten der Braut, die Bohr- 
bache, Holzhausen, Frosche, Blume, Glauburger und Holzheimer 
waren 28; 6 waren als nicht in der Stadt anwesend oder krank 
nicht erschienen; die Sassen waren wegen Trauer ausgeblieben, was, 
wie Job versichert, nicht als vollgiltiger Entschuldigungsgrund ange- 
sehen wurde. Jungfrauen waren vier gebeten. Nach vollzogenem 



- 53 — 

Handschlag begab sich der Bräutigam auf die Stube des Hauses 
Löwenstein und lud die jungen ; d. h. unverheiratheten Oesellen^ 
welche man dort vorfand; zum Nachtmahle:, es waren ihrer acht, ein 
neunter war von der Mutter der Braut geladen ; ein ssehnter, Jo- 
hann Brunu; war zugezogen worden, weil er als Priester die Verlo- 
bung vollzog. Diese Ordnung stand so unverbrüchlich fest, dass, als 
Bernhard Weiss am 18. August, dem Tage des Hajidschlags , die 
jungen Gesellen durch einen Diener von Haus zu Haus zum Nacht- 
mahl laden liess, Job dies als eine Abweichung von der hergebrach- 
ten Sitte ausdrücklich tadelt. Der Bräutigam scheint dies selbst ge- 
fühlt zu haben, denn am folgenden Tage brachte er, nochmals per- 
sönlich die Einladung an die jungen Gesellen auf die Stube und 
sandte dieselbe auch den Jungfrauen zu und es wurde zum zweiten 
Male geschmausst und auf dem Römer getanzt ^^ 

Erst sechs Wochen später fand die kirchliche Bestätigung der 
Ehe statt: Karl von Hynsberg wurde am 1. Juli von seinen beiden 
Schwägern Bernhard, der unterdessen von seiner ersten Bomfahrt 
zurückgekehrt war, imd Job zur. Kirche geleitet, Martha von ihrer 
Mutter, von ihrer Schwiegermutter, Gutgen Heringen, und von den 
Jungfrauen Anna und Agnes Blum. Nach Job^s Darstellung scheint 
es, als ob dieses der ganze Hochzeitzug und somit die kirchliche 
Trauung derjenige Act gewesen sei, der von Seiten der Verwandten 
und Freunde die spärlichste Betheiligung fand. Am 6. Juli folgte 
die eigentliche Hochzeit, welche in dem 4em Churfilrsten von Trier 
zugehörigen Hof, damals noch der ,ßf onzhof'^ oder Münzhof genannt, 
gefeiert wurde. Die Geladenen assen und tanzten dort, am Abend 
aber geleitete man das junge Paar in die Wohnung der Schwieger- 
mutter, den Wixhäuser Hof, wo die Braut in der gemalten Stube, 
die sich über dem gewölbten Saale befand, dem Bräutigam beigelegt 
wurde. Man bezeichnete dieses Beilager treffend mit den Ausdrücken 
apponere sponsam sponso oder consummatio matrimonii in thoro. Es 
war dabei üblich, dass einer der Brautführer ihr den linken Schuh 
auszog und ihn dem andern gab. Job, der durch einen Fieberanfall 
verhindert gewesen war, dem Hochzeitsschmliuss und Tanz beizu- 
wohnen, wollte sic^ wenigstens diese Dienstleistung nicht nehmen 
lassen, er hatte sich unter dem Ehebette versteckt, und als seine 
Schwester sich diesem näherte, zog er ihr rasch den rechten Schuh 
aus, aber Jakob Neuhausen, mit der Sitte genauer bekannt, entklei- 



» §. 8d0. 



— 54 — 

dete sie des linken und überreichte ihn Gilbert Holzhansen: erbatte, 
wie Job znftagt; das Biefatigere getroffen (et Ule rectins me egit). 
Dreizehn Tage später^ am 19. Juli^ wurde Martha Bohrbächerin in 
den Hof ihres Eheherrn ^ den Fodenhof; feierlich geleitet und ihm 
übergeben. Man sah es ungern ^ wenn der Pomp^ womit man diese 
Hochzeiten ausstattete^ ii^endwie eingeschränkt wurde. Als im Jahre 
1496 Johann Knoblauch nur den engsten Kreis seiner Hausfreunde 
zu dieser Vorfeier seines Beilagers zuzog, sah Job darin einen Be- 
weis sdmes übermässigen Geizes ^^, und als am 29. Octöber 1498 
Dr. Johann Glauburg in seine dritte Ehe mit Margaretha Horugin 
trat und den üblichen Hochzeitsschmauss unterlassen wollte^ brach- 
ten Friedrich von der Filsch^ Clas von BücluDgen, Ludwig Holz- 
hausen und Job Bohrbach ohne sein Wissen einen Pfeifer in sein 
Haus und eröflheten dort den Tanz^^ 

Diese ganze Darstellung zeigt deutlich; dass man zu Ende des 
fünfzehnten Jahrhunderts den Abschluss einer Ehe vornehmlich aus 
dem Gesichtspunkt eines bürgerlichen Vertrags betrachtete und dabei 
die kirchliche Trauung nur als die Bestätigung des bereits voUgilti- 
gen Vertrags vor der Kirche ansah. Noch deutlicher trat dies in der 
älteren Sitte hervor. Dass der kirchlichen Einsegnung der Ehe 
der Handschlag oder der Weinkauf ^^ vorausging, bei welchem 
die freunde , d. h. die Verwandten des Bräutigams und der 
Braut ihre Zustimmung zu der Verchlichung gaben und das 
Paar durch einen Anwesenden zusammengegeben wurde, also 
die Verlobung im Familienkreise, haben wir bereits bei 
der Ehe Karl Hynsberg's mit Martha Bohrbach gesehen. Die- 
ses Zusammengeben geschah früher einfach durch ein Familien- 
glied. Bernhard Bohrbach der Vater und Elgin Holzhausen wurden 
durch den Bruder des Vaters der Braut, durch den Schöffen Jo- 
hann von Holzhausen, zusammengegeben (Bernhards Familien- 
chronik §. 103). Eine wesentliche Veränderung bei dein Handschlag 
finden wir zur Zeit Jobs. So oft er fast desselben umständlicher er- 
wähnt, werden die Brautleute im Hause der Mutter der Braut durch 
einen Kleriker zus4mmengegeben. Von Jobannes Brun, der die- 
sen Act bei Jobs Schwester und Karl Hynsberg vollzieht, wird uns 
deutlich bemerkt, er sei (obgleich er nicht zu den Verwandten ge- 
hörte) eingeladen gewesen, weil er als Priester die Verlobung yoll- 



«« §. 291. 
» §. 257. 
« §. 23 u. 106. 



- 55 — 

zogen habe (inTitatuS; quia deBpondit iste Bacerdos). Gilbrecht Holz- 
hausen rnid Katharina SasBen wurden am 16. December 1499 von 
Georg Schwarzenberg; Cantor und Canonicus zu St. Barth olomäi^ zu- 
Bammengegeben ^9. Am 14. October 1498 ^bt Job Bohrbach die 
Schwester Beiner Köchin Agnes^ Elgin von Sprendlingen^undGicBsen 
Henn im WixhäuBcr Hof zuBammen und bemerkt: ,,Und ist das die 
erste Ehe^ die ich gemacht und zusamen geben hab; Gott geh, dass 
wohl gerathe! Amen!" £r war kurz vorher Kanonikus geworden ^. 
So wurde allmählig die Verlobung aus einem bürgerlichen Familien- 
act zu einem geistlichen Hausact. Dieser Uebergang fällt zwiBchen 
die Jahre 1470 bis 1490. Die eigentliche kirchliche Trauung bestand 
in der Erklärung des ehelichen Consenses vor Pfarrer und Zeugen^ 
die man ,,prieBterliche Benediction" nannte. So heisst es von 
Clas Stalburg und Margaretha vom Rbyn^ sie hätten am 21. October 
1499 in der Kirche ihre Ehe solemnisirt und von dem Stadtpfarrer 
Doctor Conrad Hensel die Benediction empfangen'^. Von Gilbrecht 
HolzhauBcn und Krinchen Sassen wird gesagt^ sie seien in der Kirche 
am 10. Februar 1500 „inthronisirt" worden**. Auch Job gab im 
Jahre 1501 ^^ seinen Bruder Bernhard und dessen Braut nicht blos 
als Verwandter^ sondern als Kleriker zusammen. 

Eigentliche Hochzeitsgeschenke finden wir hier und da erwähnt. 
Als nämlich Dr. Bernhard Kühorn sich am 9. November 1500 in 
Mainz mit der nachgelassenen Tochter des kurfürstlichen Kanzlers 
Georg Hell; genannt Pfeffer; vermählte und; wie es scheint; eine 
prächtige Hochzeit veranstaltete; fuhren unter Anderen auch die 
Brüder Bernhard und Job mit dem Schiffe des Käthes nach Mainz 
hinab; dort lebten sie bis zum 13. November vier Tage herrlich und 
in Freuden (LautO; imo lautissime viximus et triumphavimus); dann 
schenkte jeder einen Ducateu; den er für einen Gulden nnd neun 
Schillinge erstanden hatte. Ebenso schenkte Job dem Gilbrecht 
Holzhausen und seiner jungen Ehefrau bei der Hochzeit; am 
10. Februar 1500, weil er, wie er sagt; beiden blutsverwandt war; drei 
Gulden ; vorher hatte er, wie er selbst sagt ; noch kein Hochzeits- 



«9 §.284. 

^9 §. 107. Kur einmal finden wir §. 261 , dass Verlobte nicht durch einen 
Kleriker, sondern einen Laien, nfimlich Glas Rfickingen zusammen gegeben 
werden. Denn dass unter diesem der Vater, nicht der Sohn verstanden werden 
mnss, geht daraus hervor, dass der Letztere erst viel später Kleriker wurde. 

" §.322. 

" §. 284. Vergl. ttber diesen Ausdruck meinen Artikel Inthronisation hi 
den Supplementen von Herzogs theologischer Realencyclopfidie. 

M §• 10. 



- 56 — 

geschenk gemacht '^. Indesseii ist diese Bemerkung nur von wirk- 
lichen Geldgeschenken, nicht von sjrmbolischen Gaben zu verstehen: 
so erzählt Job selbst, seine Mutter und sein Bruder Bernhard hät- 
ten am 25. Januar 1496 dem städtischen Syndikus Eberhard Rosen- 
acker und seiner Neuvermählten, jene einen Goldgulden, dieser ausser 
einem Goldgulden auch eine Münze, die man „einen engelisch'' ge- 
nannt, er, Job, dagegen drei Würfel und zwei Nadeln, eine mit 
einem grauen, die andere mit einem blauen Faden, geschenkt^« 

Neben den Fathengeschenken, wie sie nach Bernhards Fami- 
lienchronik der Päthe dem Täufling machte, wird zum ersten Male 
von Job eine Verehrung desselben an die Wöchnerin erwähnt; so 
schenkt Goffert von Ellehen der Ehefrau des Haman Holzhausen 
bei der Taufe ihres Söhnleins Georg fünf Goldgulden »*• Die Taufen 
wurden damals entweder an dem Tage der Geburt oder an dem 
darauf folgenden v<^ogen. Ebenso fanden die Beerdigungen meist 
schon am Tage nach dem Tode statt 

Eigentliche Haussteuern scheinen nur 'in dem Falle üblich ge- 
wesen zu sein, wenn die Eheleute einen eigenen Hausstand gründe- 
ten. Dieser Fall trat bei Haman Holzhausen ein. „Am 4. Septem- 
ber 1495^', berichtet Job, „halt Haman Holzhausen mit samt Margarethen 
Froschin'', seiner Hausfrau (er hatte sich mit dieser schon 1491 
vermählt), zum ersten, als einer, der eigen Haus halten will, im 
Monzhof, den man auch den Trier'schen Hof nennet, gössen, und 
darnach uf den 5. Tag des Septembers haben sie zum ersten drin 
geschlafen, also sind sie ganz zu Hus gezogen. Item darnach uff 
den 13. Tag des Septembers habent mjn Mutter und Krinchen Holz- 
huserin zu Spangenberg gekocht und die Kost in Monzhof 
getragen und haben den neuen Husluten geschenkt den Mittags- 
imbiss, und hat mjn Mutter geschenkt ein schön kupfern Kes- 



^ §. 298. 284. 

>' §. 308. Die drei Würfel erscheinen auch unter den Gaben, welche der 
Pathe dem Täuflinge zu schenken pflegte, in Bernhards Familienchronik §. 95. 

26 §. 279. Ich habe vermutheti dass die Abbreviatur bei den Fathenge- 
schenken, die in Bernhards Familienchronik aufgeführt werden, III ald th. zu 
lesen sei und Tumosen bezeichne (zu §. 95). Es ist aber, wie ich aus Jobs 
Handschrift ersehe, wahrscheinlich III. ald h. zu lesen und demgemäss drei alte 
Heller zu verstehen. Diese Gabe neben grösseren Mflnzen kann wie die drei 
Würfel nur symbolisch gemeint sein. 

>v Es ist dies ein Gedächtnissfehler. Nicht Margarethe, die Gattin Ha- 
man*s, — sie war eine Tochter des churmainzisehen Kanzlers Georg Hell, 
gen. Pfeffer, vergl. §. 279 — sondern Katharina Holzhausen zum Spangenberg, 
war eine geborne Froschin. 



— 57 — 

sei, da man Gläser in waschet, kostet ein Gulden vier Schilling; nnd 
ich ein Schindellad, darin standen klein hölzerin Büchslin sieben, 
dass sie Species (Spezereieu) darin thun sollen, die in die Küchen 
gehören; Krinchen zu Spangenberg schenkt ein Schleier; Ludwig 
Holzhausen, ihr Sohn, schenkt ein Instrument von Messing, da man 
die Pfann uffsetzet, kostet 15 Albus ; Elgin, ihre Tochter, ein gross 
hölzerin .Hofschüssel, da man Teller über Tisch einwirft, wenn man 
ein lassen uff will heben. Und des Mittags, was wir assen , schenkt 
mjn Mutter und KrincheQ zu Spangenberg, und assen da myn 
Mutter, myn Bruder Bernhard und ich, Katharin zu Spangenberg, 
Ludwig, ihr Sohn, Elgin, ihre Tochter, Herr Johann Brun; des 
Nachts lud uns allesamt herwieder Haman uff sine Kosten. So pfle- 
get es denei^ zu geschehen, die ihr eigen Hus halten wollen, und 
wann der Mann und die Frau beide, oder eins von ihnen zuvor 
nicht geehelicht gewesen ist"'®. 

Gastm&hler waren damals überhaupt ungemein beliebt und eins 
gab nicht selten den Anlass zu einem andern oder gar zu mehreren, 
die sich ihm anreihten. Als am 1. Juli 1496 die Herren des Bathes 
nach altem Brauch das berühmte Hirschessen abhielten (in welcher 
Weise dies geschah, ersieht man aus Jobs classischem Ausdruck: 
Bacchanalia cervi peragunt), veranstaltete Clara, Johann Glauburg's 
Ehefrau, in dem Hause des Ambrosius Glauburg (weil in dem Gar- 
ten ihres Gatten das Hirschgelag stattfand), ein, wie es scheint,, nicht 
minder opulentes Mahl, zu welchem auch Job mit seiner Mutter, 
seiner Schwester und seinem Schwager geladen war: zwei Tage 
wurde in Freuden geschmaust und getrunken und erst am dritten 
Tage, dem der Maria Magdalena, wurde zu Oberrad , dessen Patro- 
nin sie war, die Gasterei zu Ehren derselben in gleicher Weise ge- 
, schlössen ^^ Li Frankfurt wurde der 5. Januar, die Vigilie des 
Dreikönigs- oder Epiphanienfestes, durch ein Gastmahl verwandter 
und engverbundener Familien begangen, bei welchem man durch das 
Loos den König für das folgende Mahl bestimmte, das wenige Wo- 
chen später veranstaltet werden musste. So erzählt Job : „Am 5. Ja- 
nuar 1496 wurde ich am Epiphanienabend in meiner Abwesenheit 
im Goldstein durch das Loos zum König gewählt, des Königs Gast- 
mahl wurde am 3. Februar begangen'^ ^. Leider hat er uns nichts 



28 §. 220. 

>' §. 21 r. Das Datam mnss auf Irrthnm beruhen ; da der Marien-Magda- 
lenentag nämlich auf den 22. Juli fallt, so kann das Hirschessen erst am 20. 
Juli stattgefunden haben. 

«> S. 225. 



- 58 - 

Näheres über die übliche Form einer Feier berichtet, deren meines 
Wissens- kein anderer Frankfurter Berichterstatter gedenkt. Es wird 
daher Manchem willkommen sein, einige Winke über ihre Begehung 
in andern Ländern zu empfangen. Der Dreikönigstag, mit welchem 
die Zwölfte, d. h. die zwölf heiligen Nächte oder Julnächte schlös- 
sen und der darum in England the twelfth day oder the twelfth 
night heisst, in Deutschland aber der Berchtentag genannt wurde, 
weil an ihm die segnende Göttin Peratha oder Frau B^chta (Frau 
Holla) ihren . Umzug beendigte , wurde bei allen germanischen Völ- 
kern heilig gehalten. Am Vorabende desselben waren in England 
Vermummungen üblich, die mancherlei Verwechslungen und Irrun- 
gen im Gefolge führten : diese Sitte klingt noch an in dem Titel von 
Shakespeare's allerliebstem Lustspiel: twelfnight (der heilige Drei- 
königsabend) oder „was ihr wollt*'. Am Tage selbst wird in Eng- 
land noch heute der Königskuchen gespeist, der von bedeutendem 
Umfang die Grundlage für ein aus Kandiszucker aufgebautes und 
von Conditorfiguren umstelltes gothisch^s Gebäude abgibt; der f)lr 
die königliche Familie bereitete hatte vor einigen Jahren ein Ge- 
wicht von einem vollen Centner. Am Abende findet in den Familien 
grosse Gesellschaft statt, und es werden durch das Loos der König 
und die Königin, sowie die sämmtlichen Aemter des Hofstaates be- 
stellt. Zur Zeit der Königin Elißabeth geschah die Königswahl durch 
eine in den Kuchen gebackene schwarze und weisse Bohne; jetzt 
in der Begel durch Zettel, und da nach altem Brauche dem Königs- 
paare die Pflicht obliegt, die Kosten des Gastmahls zu bestreiten, 
so sucht man bs so einzurichten, dass diese Loo^re in die Hände des 
Hausherrn und der Hausfrau gespielt werden. In Flandern trägt der 
König eine Krone, und so oft: er den Becher an den Mund setzt, 
ruft jeder Anwesende: der König trinkt! wer es versäumt, wird von 
dem Hofnarren mit einem schwarzen Striche im Gesichte gekenn- 
zeichnet. An dem Bhein war die Königswahl und das Königsgelag 
gleichfalls Sitte; die Wahl geschah dureh Zettel, in derEifel gleich- 
falls durch die schwarze und weisse Bohne. Zum Theil haben sich 
Ueberreste dieses Brauches noch heute sporadisch erhalten^. In 
Frankfurt haben ohne Zweifel auch Frauen Theil genommen, da die 
Wahl Jobs in dem Goldsteine, der Behausung der verwittweten 
Katharina Holzhausen , stattfand; dagegen erscheint es als locale 



3« Vergl. Reinsberg - Düringsfeld, das festliche Jahr. Leipzig 1863, znm 
Januar. 



— 59 — 

« 

Eigenthümlicbkeit j dass am Epiphanienabend nur die Königswahl 
vollzogen^ dagegen des Königs Gastmahl erst mehrere Wochen spä- 
ter abgebalten wurde: für das letztere gibt, wie wir vernehmen, Job 
den 3. Februar, also den Tag nach Maria Lichtmess, an; beruht 
dieses Datum nicht auf einer Zufälligkeit, so würde es auch fär im- 
sere Gegend als letzte Spur des in manchen Städten Englands frü- 
her bestandenen Gebrauches gelten können, die Nachfeier des Christ- 
festes bis zur Lichtmess auszudehnen. 

Eine andere Sitte bestand darin , dass ein Mann einer Fran 
oder eine Frau einem Manne beim Mahle einen Kranz aufsetzte 
und dem, welchem dies geschah, die Nöthigung auferlegte, selbst ein 
Gastmahl zu halten. War dies ein Unverheiratheter oder wenigstens 
ein solcher, der keinen eignen Haushalt hatte, so waren ihm darin 
Andere behülflich. So erzählt Job in einem lateinisch abgefasten 
Berichte aus dem Jahre 1500, wo er bereits Kanonikus zu St. Bar- 
th olomäi und Episteler, d. h. Subdiakonus war: j^Am 3. Juni hatte 
ich Gäste zum Abendmahl; das kam so: am 28. Mai lud Ambrosius 
Dietrich, Protonotar des Beichskammergerichts, zum Abendmahl im 
Hause Jacobs Neuhaus mehrere Frauen mit ihren Ehemännern und 
einigen Andern. Nach gehaltener Mahlzeit setzten scherzend die 
Frauen dem Ulrich Neuhaus den Kranz auf, dass er am folgenden 
Abend ein Mahl gebe, wora^uf Ulrich auf die Bitte der Frauen und 
weil meine Mutter ihm ihr Haus, ihre Köchin, Holz und das Ueforige 
anbot, Alle auf den folgenden Tag einlud; auch wurde beschlossen, 
dass jede Hausfatnilie, mochten ihrer Einer oder Mehrere in einem 
Hause sein, zwei Maass Weines stellen sollte, und so kamen wir auf 
den folgenden Tag in unserem Hause zusammen. Ulrich setzte den 
Kranz der Ursula Schwarzenbergerin, diese setzte ihn mir„ Job, aui 
und so lud ich die ganze Gesellschaft zum Abendmahl auf den 
3. Juni; ich hatte aber bei diesem Mahle folgende Personen: meine 
Mutter Elgin^ meinen Bruder Bernliard, Georg Neuhaus, Ulrich Neu- 
haus, Gilbert Holzhausen, seine Hausfrau Katharina, Katharina, die 
Wittwe Gilberts Holzhausen zu Spangenberg, ihren Sohn Ludwig, Ur- 
sula Schwarzenbergerin, Ottilia zu Schwanau, Friedrich Faut und seine 
Hausfrau Margaretha, Nicolaus Schorrebrant, den man nennt Arm- 
brüster,* Karl Hynsberg, meinen Schwager, mit seiner Ehe&au Martha, 
meiner Schwester. Haman Holzhausen mit ^seiner Ehefrau Marga- 
retha kam nicht, weil er krank war^.^^ Am Schlüsse setzte Job den 

Kranz der Katharina zum Spangenberg auf. Es war dies die erste 

> 

■ 
M §. 221. 



— 60 — 

Gasterei; die er verauBtaltete^ und sie bildete ein so wichtiges Ereig- 
niss in seinem Leben^ dass er daran die Reflexion knüpft: auf einen 
Mittwoch sei er geboren ^ an einem Mittwoch sei er in den Besitz 
seiner Präbende gekommen, an einem Mittwoch habe er zum ersten 
Male Gäste bewirthet. 

Job hat uns aber auch a,usführ]ich belehrt, wie es bei diesem 
für ihn so wichtigen Mahle mit den Speisen bestellt gewesen sei. 
Er fügt nämlich hinzu: »Wir gaben diese Gerichte oder Trachten: 
zum ersten Erbsen mit Zucker; darnach in jeglich Schüssel vier 
junge Hühner und ein Stück Hanmielfleisch gedämpft mit Cjbeben, 
grossen und kleinen Bosmen, Muscaten und Muscatblumen, darnach 
gesottene Scheffen oder Schoten, darnach Gebratenes, je in eine 
Schüssel vier junge Hühner, einen Hammelsbug, eine halbe Gans 
und frisches Solz, darauf Käse und Kirschen zur CoUaz, am Abend 
Käse, Confect, Bettig und zwei Malken, das eine in den Schüsseln, 
das andere uss dem Hafen zu trinken^ ^. 

Diese Berichte haben uns zugleich einen Blick in den Freundes- 
kreis der Biohrbach'schen FamiUe eröfinet und es sei mir gestattet, 
einige dieser Verwandten näher hervorzuheben. Die eine ist 
Katharine Holzhausen, geborte Schwarzenbergerin, die Wittwe des 
Schöffen Johann Holzhausen, die Mutter Hamans und Gilbrechts, 
deren letzterer von Schurg^^ als Feind des Klerus bezeichnet wird, 

33 Die yerschiedenen Gänge des Mahles wurden also nicht sowohl durch 
die Gattungen der Speisen , als darch die Art ihrer Zubereitung abgegrenzt, 
daher denn dieselben Fleischarten im zweiten und vierten Gange, nor anders 
bereitet, wiederkehren. Ebenso unterscheidet man noch heute im italienischen 
Pranzo vier Hauptgerichte: Bollito, fritto, umido und arrosto. Scheffen ist 
nach Schmellers Bayrischem Wörterbuch schwäbischer Name für Schoten. Wer 
sich Aber die Küche des Mittelalters belehren will, findet reiches Material dazu 
in dem von dem literarischen Vereine zu Stuttgart in dem neunten Bande 
seiner Bibliothek publieirten: „Buche von guter Speise'*. Solsz scheint iden- 
tisch mit tfSalse'^f im 34. Recept wird die Bereitung so angegeben: „Nimm 
saure Weinbeeren und thue Salbey, zwei Knoblauchshaupter und Speck dazu; 
'stoss es zusammen, drücke es und gieb es für einen guten Salse." Nach Re- 
cept 49 sollen die Ingredienzien aus Wein, Honigseim, Ingwer, Pfeffer, Knob- 
lauch und £iern bestehen. Die Textesworte: „fyrssess solss*' bei Job Rohrbach 
getraue ich mich nicht mit voller Sicherheit zu erkiftren: wahrscheinlich ist 
fyrss provincieller Ausdruck für frisch. AusSalae sind die Wörter Sauce, Salat 
und Sulz (das letztere in Schwaben eine Fleischgel^) entstanden. „Malk'* 
scheint mit melken, Milch, zusammenznhfingen und eine ArtCrtoe zu bezeich- 
nen, daher es ebenso gut aus Schüsseln gegessen, als aus Schalen getrunken 
werden konnte. Sämmtliche Speisen wurden stark gewürzt. 

3^ Anno 1514 die 7 mensis Junii, quae fuit quartaPentecostesobiit Gilbrecht 
Holtshausen zum Goltstein, osor Gleri. Msc. Schurg auf der Stadtbibliothek» 
p. 198. 



- 61 — 

während ersterer der thätigste Beförderer des KeformationswerkeB 
in Frankfurt wnrde. Eatharina's Wohnung war der Goldstein am 
Eingang der häutigen Buchgasse; in ihm muBs eine Kapelle ge- 
wesen sein; wenigstens wird in einem Berichte Jobs ein eigner Holz- 
hansen'scher Kaplan zum Goldstein erwähnt^. Dieses Haus ging; 
wie ich an anderem Qrte^ nachgewiesen habe^ von Katharina auf - 
ihren jüngeren Sohn Gilbert und nach dessen Tode 1514 auf seinen 
in demselben Jahre geborenen gleichnamigen Sohn zweiter Ehe über^ 
während dessen Minderjährigkeit es die Wohnung Nesen's und Mi- 
cyll's und der erste Sitz der lateinischen Schule gewesen ist Die 
andere Katharina oder Krinchen Holzhausen war eine gebome 
Frosch; hatte sich am 15. August 1469 mit einem andern Gilbert 
Holzhäusen verlobt, aber erst 1471 vermählf'; im Jahre 1479 er- 
öffnete sie mit ihrem Ehemann ihren eignen Haushalt in dem Hause 
zum Spangenberg zunächst ^er liebfirauenkirche auf dem Berge; 
1494 starb am 25. April ihr Gatte ^; sie ist eS; die^ nach der Auf- 
zeichnung des jüngeren Matthias Bitter^ Luther im Jahre 1521 ; als 
er auf den Tag nach Worms zog^ in seiner Herberge zum Strauss 
begrüflste, bewirthete und mit weissagenden Worten ermuthigte^*. 
Sie hat noch am 4. August 1523 nach Ausweis ihres Testamentes 
gelebt. Ihr älterer Sohn war Ludwig, der jüngere Blasius Holzhau- 
sen, von dem Job berichtet , dass er und der junge Gilbert zum 
Goldstein ihn am 8. November 1494 nach Mainz zu dem Kanzler 
Georg Heller, genannt Pfeffer, geleitet haben, damit er dort seine 
Studien betreibe *<^. Diese Abwesenheit von der Vaterstadt ist der 
Grund, warum er in den fröhlichen geselligen Kreisen desRohrbach- 
schen Hauses nicht genannt wird. Im Jahre 1521 war er mit Phi- 
lipp Fürstenberg Abgeordneter der Stadt auf dem Wormser Beichs- 
tage. Man ersieht zugleich aus diesen Berichten, dass der alte Be- 
griff der Freundschaft im Sinne von Verwandtschaft, wie er 
noch heute im Munde des Frankfurter Bürgers lebt, damals seine 
volle Wahrheit in den socialen Lebensverhältnissen hatte: die Ver- 
hältnisse der Freundschaft ruhten meist auf dem Grunde der Ver- 
wandtschaft 



55 §. 277. 

3« Steitz, Luthers- und Melanchtfaonsherbergen S. SO flg. 

3' §. 274. Dass Fichard unsere Handschrift nicht gekannt habe, ergiebt 
sich daraus, dass er in der Geschlechtergoschichte zweifelt, ob diese Yermählnng 
1469 oder 1471 anzusetzen sei. 

3« f. 277. 

'9 Luthers- und Melanohthonsherbergen S. 16 flg. 

»0 §. 16. 



- 62 — 

Sonst muBB das Leben in Frankfurt sich in ziemlich einförmigen 
Bahnen bewegt haben und der Kreis der Interessen ein sehr be- 
schränkter gewesen sein. Ein Qang nach Hausen um in der Nied 
zu fischen , ein Bitt zu dem Amtmann auf den Goldstein oder in 
BonameS; wo dann die Nacht fröhlich verprasst und die Schmause- 
reien in Frankfurt fortgesetzt wurden, ein Ausflug nach Mainz oder 
nach Wiesbaden, eine Badekur daselbst oder in Ems, eine Beise 

4 

bis Köln oder Worms, waren Unterbrechungen, welche in das ein- 
förmige Alltagsleben einige Mannigfaltigkeit und Abwechslung 
brachten. Die Heirathen, die Geburten, die Sterbfälle und Leichen- 
begängnisse waren Ereignisse, denen sich vor Allem die Theilnahme 
zuwandte und die gleichfalls zu Schmausereien und Gelagen Veran- 
lassung gaben. In dem Jahre 1500 wurde es Sitte, dass die Leichen 
vornebmer und reicher Bürger unter dem Vortritt des gesammten 
Klerus der Pfarrkirche und der Schüler der Stiftsschulen und unter 
dem Geläute der Glocken zu Grabe getragen wurden. Früher war 
4ies nur bei den Bestattungen von Klerikem üblich, bei Laien aber 
unerhört gewesen ^^ Als die Exequien für Arnold Schwarzenberger 
drei Tage nach dessen Tod, am 29. October 1500, bei den Carmeli- 
tern beendigt waren, versammelte sich der ganze Bath, sämmtliche 
Prälaten und Kanoniker des Bartholomäusstiftes und viele andere 
Geladenen zum Mittagsmahl in dem Sterhhause und erfüllten die 
Stätte der Trauer mit den lauten Klängen der Freude^'. Einfacher 
vielleicht, aber um so wehmüthiger mag eine andere Todtenfeier 
gewesen sein, deren Job gedenkt. Lysgin Sassen, die durch seltene 
Schönheit und Anmuth ausgezeichnete Tochter Hen Sassens, hatte 
sich 1496 mit Johann Frosch verlobt; beider Eltern und Verwandte 
waren mit dieser Verbindung einverstanden, aber ein Hinderniss 
stand ihnen entgegen; Bräutigam und Braut waren im dritten imd 
vierten Grad verwandt, die päpstliche Dispensation musste nachge- 
sucht werden, sie traf ein, aber bereits hatte ein unheilbares Siech- 
thum sich in dem Kerne der zarten Blüthe ausgebildet; rsksch schritt 
die Krankheit fort und statt des Brautkranzes schmückte die Stime 
der lieblichen Jungfrau die Todtenkrone^. Sie verschied am Oster- 
tage 1497. Auch bei Karl Hynsperg und Martha Bohrbach stellte 
sich später heraus, dass sie im dritten und vierten Grad verwandt 
waren — Fichard hat in seiner Geschlechtergeschichte diese Ver- 



♦1 §. 286. 306. 326. 88. 
« §. 320. 
♦3 §. 310. 



- 63 - 

wandtBchaft durch eine eigene Tabelle erläntert — aber da die Ehe 
in allen Formen rechtsgültig abgeschlossen war^ so worde dieses 
lösende Hindemiss dnrch einen nachträglichen päpstlichen Dispens 
gehoben. . 

Eine dauernde Unterbrechung und Trübung erfuhr im Jahre 
1496 die Unbefangenheit und der heitre Frohsinn des bürgerlichen 
Lebens durch das erste Auftreten der SjphiUs oder der französischen 
Krankheit. Job Bohrbach ist der Einzige, dem wir darüber eine 
Kunde verdanken. Er erzählt :. „Anno 1496 zur Sommerszeit oder im 
Frühjahr ist ein ungehört grussUch und erschrockenlich Krankheit 
unter die Teutschen von den Walen kommen; die Walen haben sie 
krieget von den Franzosen und wird die Krankheit genennet Mal 
Franzos und regiert fast in deutschen Landen, noch viel mehr in 
Italia und Francia. Die Krankheit macht den Menschen unsäglich 
ungeschaffen [missgestalt] ; welcher sie hat , ist über ganz sin Idb 
voll schwarz rother Blattern, währt ein Th^ [bei den Einen] 
ein halb Jahr, den andern dreiviertel, den andern ein ganz Jahr und 
nach dem bleiben die Flecken an ihnen zuweilen lai^e. Ungestalter 
Ding hat kein Mensch nie gesehen, von solcher oder dergleichen 
Krankheit nie kein Mensch mehr gehört, auch findet k^ Arzt da- 
von nicht geschrieben, ausser so viel man irgend dawider ersann^.'' 
Auch in Jobs nächster Umgebung entfaltete die Krankheit ihre 
furchtbare Wirkungen. Sein Bruder Bernhard wurde im Jahre 1498 
in so heftiger Weise von ihr befallen, dass er sich dem mensch- 
lichen Anblick und Umgang völlig entzog; er zog sich nämlich am 
11. Juli in die Einsamkeit seines Gartens, wahrlicheinlich auf dem 
Klapperfelde, zurück und rasierte, ohne Zweifel wegen der Ge- 
schwüre auf seinem Kopfe, sein Haupthaar am 23. völlig ab. Doch 
war das Uebel bei ihm von kürzerer Dauer als bei vielen Andern ; 
am 8, Januar des Jahres 1499 konnte er bereits wieder in sein Haus 
zurückkehren^. Was Lersner erzählt: „1497 und 1498 haben die 



♦♦ §. 172. 

^' §. 9* Es mass übrigens hier ausdrücklich bemerkt werden, dass die Seuche in 
ihrem ersten Auftreten epidemisch war und auch ohne unmittelbare Berflhrung 
ansteckte. Wir dürfen daher keineswegs im einzelnen Falle der Ansteckung 
auf sittliche Vergehen schliessen, obgleich über diese das TJrtheü in jener Zeit, 
ein weit leichtfertigeres war, als in unseren Tagen. Hütten giebt das siebente 
Jahr nach Entstehung der Krankheit, also etwa das Jahr 1500 als die Zeit- 
grenze an, von welcher an sie nur dnrch Contagium, namentlich durch ge. 
schlechtliche Berflhrung sich fortpflanzte, vergl. de Guiaci medidna et morbo 
Gall. c 1. und über die Krankheit überhaupt Stranss, ühr. Hütten I, 338 flg. 



— 6» — 

Franzosen allhier stark re^eret, also dass auch vornehme Personen 
damit inficiert gewesen und man die Badstuben zuhalten müssen" ^, 
ist nur eine Bestätigung des Berichtes von Job; dessen Handscbrift ihm 
wahrscheinlich nicht unbekannt gewesen ist Auch die Notiz über 
das Grassiren der Blattern im Jahre 1496^^ bezieht sich^ wie ich 
glaube^ auf dieselbe Krankheit, als deren Symptome Job ja aus* 
drücklich „schwarz rothe Blattern'^ angibt. Uebrigens schdnen die 
Mittel der Arzneikunde in jener Zeit noch sehr einfach und be- 
schränkt gewesen zu sein: eine Klistier , welche ihm der Apotheker 
Jodocus applicirte, ein Syrop und Pulver zum Purgieren, eine Ader- 
lasB am linken Fusse sind die einzigen, deren Job in seinen man- 
nichfachen E^rankheiten erwähnt^. 

Wir wenden uns von dem häuslichen zum öffentlichen Leben. 
Die Mittelpunkte des regsten geselligen Verkehrs bildeten die Trink- 
stuben. Bernhard und Job Rohrbach schlössen sich zunächst der 
Gesellscbafi; Lebenstein oder Löwenstein an, welche sich früher im 
Hause Limburg zu versammeln pflegte (in welchem in imseren Ta- 
gen eine Zeit lang wieder die alte Trinkstube eröffnet war), und seit 
dem Jahre 1486 in das Haus Löwenstein rechts vom Brömer über- 
gesiedelt war. Am 5. Juni 1494 hielt Job seine erste Zeche auf der 
Stube und verprasste dort sechs Heller ^^ Aber da er noch nicht 
förmlich eingetreten war und das Gesellenrecht erworben hatte, so 
wurde ihm und Konrad zum Jungen um Fastnacht 1495 nur aus- 
nahmsweise verstattet, „ihren Pfennig mit den Andern dort zu ver- 
zehren", mit dem Bescheid: j^Wolle er für die andere Fastnacht Ge- 
sellschaft halten, so solle er Geselle werden" ^, Am 19. Februar 
des genannten Jahres wurde die Gesellschaft zum Abendessen mit 
den Frauen eingeladen und jeder zahlte dabei sechs Albus; den 
Abend beschloss ein Tanz auf der Stube mit Fackeln oder Lichtem *^ 
Am 26. Februar Di^istag vor Fastnacht wurden bereits die Festlich- 
keiten mit einem Nachtessen auf der Stube eröffnet ; am Sonntag 
und Montag den 1. und 2. März auch die Frauen zugezogen ; am 
Dienstag „uff aller Mann Fassnacht" .und am Aschermittwoch kam 
zu dem Abendessen auch ein Mittagsmahl; nach diesem stachen am 



♦« I, II, 32. 
« n, II, 86. 

*s §. 21. 25. 70. Vergl. auch Kriegk, Aerzte, Heifanstalten n. Geisteskranke 
im mittelalterlichen Frankfurt. 1863. 
♦• §. 11. 
M §. 177. 
« 8. 176. 



— 65 — 

Dienstag Jörg Seiss und Nicias von Babenhausen^ früher Amtmann 
auf dem Goldstern , mit „Kronlin" ***, der erstere behielt den Sieg; 
am Aschermittwoch stachen^ als die Frauen aus Gläuburg's Garten 
surückkehrteu; ^vier Reisige mit Kolben'^^ zwei mit Namen Martin 
und Eberhard waren Knechte des von Heusenstamm^ zwei mit Namen 
Weissbrod und RutÜinger Söldner der Stadt ; Weissbrod föllte zu 
mehreren Malen die Heusenstammer Knechte und „blieb doch hart 
sitzen'^ Hierauf „stachen mit E^ronlyn'^ Konrad zum Jungen und 
Konrad Mones. Am Donnerstag nach Aschermittwoch assen die Ge- 
sellen allein ohne die Frauen auf der Stube zu Mittag ; es rechneten 
die Küchenmeister Clas von Rückingen und Ulrich Neuhauseu; des- 
gleichen die Weinmeister Johann Holzheimer und Philipp Weiss ab; 
die Kosten betrugen auf jeden der 43 Gesellen drei Gulden; dabei 
sprang noch ein Abendessen für Männer und Frauen an demselben 
Tage heraus. Frauen mussten nur am Aschermittwoch einen Albus, 
Wittfrauen dagegen nach freier Wahl vier Hühner oder vier Schil- 
linge geben ; Jungfrauen waren ganz frei ; es waren 28 Frauen und 
Jungfrauen^ welche „Gesellschaft hielten^. Donnerstag Abend assen 
Männer und Frauen auf der Stube. Ein G^sellennachtessen, das auf 
den Kopf drei Schillinge machte ; beschloss am Sonntag Invocavit 
die Fassnachtprasserei im Jahre 1495 ^. Auch sonst boten Geschenke 
an Wildprett einen Anlass zu Gesellenessen; so wurden Männer und 
Frauen am 2. October 1494 eingeladen^ weil Ambrosius Glauburg 



s2 Eine nähere Erklärang fordern die Ausdrücke ,,tnit kronlyn'^ und „mit 
kolben stecllen*^ Stechen bezeichnet überhaupt im Mittelalter tarnieren und 
wird von allen Gattungen der Turnierkämpfe gebraucht, namentlich sofern 
diestiben ohne Ernst und zum heitern Spiele dienten. Nach Bfisching's Ritter- 
zeit und Ritterwesen I., 168 gebrauchte man bei den Tarnieren zweierlei Lan- 
zen, die spitzen zum sogenannten Scharfrennen oder zum ernstlichen Kampfe, 
die stumpfen dagegen, welche von den Kronen, mit denen dieselben oben an 
der Spitze versehen waren, „Krönige*' genannt wurden, blos zum Scherzspiele« 
Die Krone muss demnach ein an der Spitze der Lanze befindliches, etwa ge- 
kerbtes Stichblatt gewesen sein. Man vergleiche auch das von Klüber Über- 
setzte und erläuterte Werk: Das Ritterwesen des Mittelalters von de la Curne 
de Sainte-Palaye U, 97. Die bei den Turnieren, den Zweikämpfen und krie- 
gerischen Gefechten üblichen Kolben waren von Holz, und sind ebensowohl 
von dem Morgenstern, einer eisernen mit Stacheln versehenen Kugel an einem 
hölzernen Stiele, als von den kleinen metallnen Kolben zu unterscheiden, welche 
scepterartig geformt und am Knaufe zierlich durchbrochen, den Rittern mehr 
zum Schmuck dienten , zu ernstlichen Kämpfen aber nicht die ausreichende 
Stärke hatten. Doch erwähnt unten Job eine clava ferrea, einen eisernen 
Streitkolben, als Waffe, die er besessen hat. (§. 4Q.) 

w §. 177. 

5 



— 66 — 

drei Hasen, am 27. December; well derselbe zwdl Hasen, und am 
10. Februar 1495, weil der Schultheiss Lndwig zum Paradies einen 
Hirsch geschenkt hatte ^^ Noch erhob die Gesellschaffc als solche 
keinen Anspruch auf Adel: Job bemerkt ausdrücklich, dass die 43 
Theilnehmer an der Fastnacht Edele und Andere gewesen seien. 
Ueberhaupt vereinigten sich die Adeligen mit den Andern im Be- 
wusstsein ihres gemeinsamen Bürgerthums, und ol^leich nach ein^r 
Notiz Bernhards auf der P^gamentdecke seiner Familienchronik 
die Bohrbache sich schon im Jahre 1470 einen Adelsbrief erwirkt 
hatten, so redet doch Job nur von seinen Brüdern Bernhard und 
Konrad Bohrbach und seiner Mutter „der Bohrbächerin^. Noch 
1526 schreibt Margaretha Homgin an ihren in Wittenberg studierea- 
den Sohn Johann Glauburger, dass drei um die Hand der Anna 
!^oblauch werben, zwei Edelleute und Johann Wolf Bohr- 
bach, der Frau Ursula von der grünen Thür Sohn. Job sagt con- 
stant: Haman oder Gilhrecht Holzhausen, JohannesGl&uburgeru. s. w. 
Solche, die wirklich ritterlichem Geschlechte angehörten oder aus ihm 
stammten, wie die Heusenstamm, Babenhausen und Andere bezeichnet 
er meist mit nobilis oder er giebt ihnen, wie dem Clas von Bückingen 
und Johann von Holzheim bisweilen das Prädicat „von^^, obgleich 
auch dies kein sicheres Zeichen des Adels iftt, wie wir von der Fa- 
milie Melem wissen ^^ In aller Naivetät erzählt er, dass bei der 
Taufe des Clas Stallburger, desselben, den man später den B^hen 
nannte — die Bilder seiner Eltern befinden sich, in Oel gemalt, noch 
in der Gallerie des StädeFschen Institutes — am 16. März 1501 der 
Schneider Clas von Haffem, — trotz des Wörtleins »von'' vor seinem 
Namen schwerlich ein Adeliger — Pathe gestanden habe ^. Den 
Titel „Herr** giebt er in seinen Aufzeichnungen nur den Geistlichen, 
Ein ungemein wichtiges Ereigniss war im Jahre 1495 die Er- 
öffnung des Beicbskammergerichts in Frankfurt. Schon im Monate 
September miethete der Bath die Bäumlichkeiten dazu in dem Hause 
zum Braunfels auf vier Jahre um dreissig Gulden für das Jahr. 
Hierauf wurde ein Podium mit Sitzen für den Kanmierrichter und 
die Beisitzer und eine eigene Bühne ftir die Procuratoren und Bedner 
erbaut : dem Bichter wurde eine Art Loge mit Fenstern hergerichtet, 
die Bänke der Assessoren und Notare mit Tuch ausgeschlagen. Stufen 



^ §. 173-175. 

55 Eoler, das steinerne Haus und die Familie von Meiern , Mittheilungen 
unseres Vereines B. I. S. 228. 

56 §. 322. 



- 67 — 

fährten zu dem Podium hinauf. Am 30. S«pt^nber 14VI5 bestieg i» 
römische König Maximilidu die Bühne und rerpflichtete den Bichter 
Oraf Ejrtel Friedrich von HohenzoUem und die Assessoren und No- 
tare^ so weit sich dieselben bereit» in derBtadt befanden; die^ welche 
sp&ter eintrafen , ebenso die niederen Beamten , legten, ihren Eid in 
. die Hände des Kammenrichters ab. Am 8.. November hielt dieser 
die erste Sitzung; zu »einer Rechten sassen diejenigen Assessoren, 
wdehe den Doctorgrad hatten^ zu seiner Linken die nicht graduirten 
Adeligen (nobiles), unter ihnen nennt Job einen Grafen von Eber- 
stein. Nach Eröffnung der Audienz erinnerte der Graf von Zollern 
die Procuratoren, dass sie in ihrer Saehwaltung nach der zu Worms 
ertheilten Instruction zu verfahren hiitten; und versprach, dass etwaige 
Mängel an derselben im Laufe der Zeit verbessert werden sollten. 
Hierauf trat im Nal^en der Majestät der königliche Fiscal Dr. En- 
gelender als Kläger gegen einen Grafen v. Mörb auf. Acht Procurur 
toren waren zugegen, zwei Sekretäre ftihrten das Protocolly ein dritter 
war bestimmt, den gefällten Bichterspruch zu verlesen. Es war dies, 
wie Job sagt, die erste Audienz des Kammergenchts, „denn obgleich 
der Bichter schon mehrere "Sitzungen in Worms gehalten hatte, so 
waren diese doch, wie männiglich bekannt, nur ein Vorspiel mid Bild 
von dieser" ^7^ 

Am 2. November 1495 begab sich des römischen Königs Perse- 
vant^^ n^ch dem Bömer ^und hat alle Febdebriefe vom Römer ab* 
g^ipmmen, au» Ursai^e, dass unser Herr, der König, alle Fehden, 
die diese Stadt auf das Mal hat, hingel^ hattet «». Für Frankfart 
tn^ diese Verklindigung de& Landfriedens vorerst sehr fühlbare 
Fo%en. Diö Stadt hatte erbitterte Feinde in dem umwohnenden 
Ranbadel, namentlich in Jost Frund und den Herren von Hütten, 
die ihr Gebiet seit längerer Zeit beunruhigten und sdiädigten. Im 



5' §. 111—113, 

^ Persevant von dem französuchen poursuivant wurde der Gebülfe und 
Lehrling des Herolds genannt, und bezeichnete in Frankreich! den ersten der 
Grade, durch welche Jünglinge tut Ritterwilrd^ geleitet wurden. Die Perse- 
vsnten begletteteo d^ Herold und gebc^eD, wenn dieser aasrief , dam Volke 
Stillschwefgen. Sie lernten von dem Herold die Wappenkunde, tragen Ritter- 
helm und Lanze und folgten im Kriege dem Heere, daher der Name Waffen- 
persevant. Im Frieden wurden sie auf Reisen geschickt und besuchten die 
Hofe der Grossen, um sich mit den höfischen und ritterlicheh Sitten, mit Tur- 
nieren und Waffenübungen vertraut zu machen. „Des römischen Königs Per- 
sevant'* bei Job scheint einfach einen Bevollmächtigten aus des Königs Gefolge 
oder vielleicht den Herold selbst zu bezeichnen. 

»» §. 114. 

5» 



— 68 - 

M&rz 1493 hatte das ^Gemperljn^^ die Glocke, welche die Ankunft 
von Feinden anzeigte^ die Bürger und Söldner aufgerufen; weil solches 
Gesindel eine Heerde weggetrieben hatte, obgleich diese nicht Frank- 
furter Eigenthum war. Am 8. Januar 1495 steckten sie eine Scheune 
in Oberrad in Brand ; am 8. Mal ertönte abermals das ^Gemperlyn^, 
Jost Frund und die Hutten'schen beabsichtigten einen Baubeinfall in 
das städtische Gebiet; Alles eilte so rasch zu den Waffen, dass fdr 
dieses Mal die Feinde die Flucht ergriffen. Am 7. Juni vernahm 
man aufs Neue den Schreckensklang; sie hatten diesmal 100 Kühe 
der Gemeinde zu Niederrad geraubt und die Hilfe der Stadt kam 
zu spät. Am 23. Juli überfielen sie zwei Frankfurter Fischer in der 
Nähe von Bumpenheim und misshandelten sie so schwer, dass der 
eine als Leiche in die Stadt gebracht wurde, der andere in der Nacht 
seinen Geist aufgab. Zwei Tage später raubten sie in Dortelweil 
19 Kühe und 27 Pferde sammt ihrem Geschirre. Am 17. August 
verbrannten sie Thüren und Planken auf dem Knoblauchs Hof, dem 
Gute Wolf Blums. Am 26. August überfallen sie nochmals Dortel- 
weil und treiben ausser einigen Pferden viele Kühe, Schweine und 
500 Schafe fort. An demselben Tage, an welchem Maadmilian den 
Kammerrichter, die Assessoren und Notare in Pflicht nahm, ver- 
brannten Jost Frund und die Hutten'schen in Bonames acht Häuser, 
und wagten es Tags darauf, der Stadt einen Fehdebrief zu übersen- 
den. So gross war der Schrecken, den diese Vorgänge verbreiteten, 
dass, als am 4. October eine Mainzische Beiterschaar in die Nähe der 
Stadt kam, man schon die Bäuber vor den Thoren zu erblicken 
meinte, Sturm läutete und die Bürger bewaffnet hinaus eilten, aber 
im Angesichte der vermeintlichen Feinde ihren Irrdium erkannten 
und wieder zurückkehrten *<'. Diesen Belästigungen und Beängstigun- 
gen frecher Baubritter setzte wenigstens für Frankfurt der Landfriede 
zunächst ein Ziel Job Bohrbach erwähnt ihrer von diesem Zeit- 
' punkte an nicht mehr. 

Mit der Eröffnung des Beichskammergerichtes traf ein anderes 
EreignisB zusammen, das wenigstens in die Gestaltung des geselligen 
Lebens in Frankfurt sehr fühlbar eingriff. Im Monat November 1495 
kaufte nämlich ein Mitglied der Gesellschaft auf Löwenstein, Daniel 
Bromm, „Schöffe und Bath der Stadt Frankfurt, das Hus Laderam, 
gelegen uff dem Eck neben dem Bömer gegen dem Hus Limburg 
über, mitsamt dem Husrath, der vor die Gast gehört, die in der 



60 §. 137-142. 



— 69 — 

Mess darin herberigeo; und bezahlte daftar acht und zwanzig^ hundert 
Goldgulden'^ ^^y und zwar von der Wittwe Anna Schule und ihren 
beiden Enkeln^ Peter und Thomas Sossenheimer ^^, die nach Fichard 
schon fiiiher dies ihr Besitzthum dem Bathe zum Kaufe fbr 4000 
Gulden angeboten hatten^ aber abschläglich beschieden worden waren^ 
weil das Haus sicli nur mit 100 Gulden verzinste und somit der 
Kaufpreis zu hoch gestellt war. Unmittelbar nach vollzogenem An- 
kaufe bot Daniel Brorom das Haus Laderam , wie Job ausführlich 
berichtet, der Stnbengesellschaft zu Lowenstein zum Kaufe um die 
gleiche Summe an ; die Gesellschaft ging darauf ein und beschlösse 
dem Daniel Bromm sofort tausend Gulden sAs Angabe abzutragen' 
das übrige aber mit vier Procent bis zur völligen Ablösung zu ver- 
Zinsen^ so dass, so oft sie ihm zweihundert Gulden abzahle^ der jähr* 
liehe Zins sich um acht Gulden verringere. Um diese Summen auf- 
zubringen, zahlte jeder Geselle am Andreastage 1495 zwanzig Gul- 
den und wurde weiter festgesetzt^ dass die gliche Summe inskünftige 
von jedem Sohn eines Gesellen bei seinem Eintritte als Einstand 
entrichtet werden ^ dagegen jeder ^ der durch Beweibung Mitglied 
werdcy dreissig Gulden zahlen soUe. Ebenso wurde mit denen, welche 
auf dem Hause Gülten stehen hatten -^ es standen nämlich darauf 
15 Gulden — der Vertrag geschlossen, dass dieselben im Laufe der 
Zeit mit achtzehn für einen Gulden abgelöst werden sollten ^\ ^ Es 
ergiebt sich ans dieser Erzählung, dass der Kauf des Daniel Bromm 
wohl schwerlich ein blosser Scheinkauf gewesen ist , wie man jüngst 
vermuthet hat^. Auch die weitere Darstellung des Job Bohrbach 
zeigt klar, dass die Gesellschaft den Verkauf des Hauses an sie unter 
den angegebenen Bedingungen als ein grosses Verdienst Daniel 
Bromm's angesehen und ihn als ihren Wohlthäter dankbar verehrt 
habe. Ebenso leuchtet ein, dass die Trinkstube auf Laderam nicht 
eine neue Gesellschaft, sondern die bisherige ^aiif Lowenstein^ in 
sich vereinigt habe, wenn auch die Bedeutung, die sie schon in den 
nächsten Jahren erhielt, wesentlich dazu beitragen mochte, ihr neue 
Mitglieder von andern Stubengesellschafiten zuzuführen. Die Gesell- 
schaft übertrug zwar sofort auf ihr neues Eigenthum den Namen des 



6> Naeh der gewöhnlichen, wie mir scheint, authentischeren Angabe, betrog 
der Kaufpreis nar 2600 Gnlden. 

<> Yergl. meine Bemerkungen su §. 316. 

« §. 179. 

^ Römer -Büchner, Die Entwicklung der Stadtverfassang und die Bflrger- 
vereine der Stadt Frankfurt am Main, Frankf. 1865 S. 224. 



- TO - 

Haases; in welchem sie sieh vor dem Jahre 1486 zu verAammeln 
pflegte^ und nannte es Alt-Limpurg ^^ gleichwohl kommt dieser Name 
bei Job Robrbach noch nicht vor^ dieser nennt nach wie vor Haus 
und Gesellschaft Laderam^ und es scheint somit diese Benennung als 
die herkömmliche noch längere Zeit sich im Munde der Gesellen und 
des Volkes erhalten zu haben. 

Das Zusammentreffen dieses Kaufes mit der Eröffnung des Beichs- 
kammergerichts in hiesiger Stadt war freilich, nur ein zufälliges; aber 
für die Gesellschaft von sehr wichtigen Folgen begleitet. Zählten 
auch ihre Gesellen zu den angesehensten Familien der Stadt, so war 
dies doch; wie die Familienchronik Bernhard Bohrbach's zeigt; nur 
ein Vorzug; den sie mit anderen Trinkstuben teilte ; wie denn der 
Fall nicht selten war, dass man versdiiedenen Stubengesellschaften 
zu gleicher Zeit angehörte ^. Nach Dr. Bömer's Nachweisen scheinen 
mehrere Gesellen der bisherigen Gesellschaft Löwenstein nicht mit 
den Uebrigen nach Laderam übergesiedelt zu sein% dagegen warb 
die Gesellschaft neue Genossen und zwar mit solchem Erfolge; dass 
Fraueustein 1603 nur noch ein und zwanzig Glieder zählte ^^. So 
hob sich die Gesellschaft auf Laderam oder Alt-Limpurg nun mächtig 
über die anderen Vereine empor; die reichsten und angesehensten 
Familien dei Stadt vereinigten sich in ihrem Schoose. Durch das 
Beichskammergericht nahm im Jahre 1495 eine Anzahl hochgestellter 
Fremden ihren Wohnsitz in der Stadt: von den Assessoren bestand 
die eine Hälfte aus Doctoren beider BechtC; die andere aus Dynasten 
und Edeln; der Kammerrichter war ein Beichsfürst; acht Proeura- 
toren dienten als Sachwalter; ausserdem werden Protonotare erwähnt. 
Die Meisten derselben scheinen in der erweiterten Gesellschaft auf 
Laderam einen willkommenen Mittelpunkt geselliger Vereinigung ge- 
sucht und gefunden zu haben. Zwar mussten anfangs die Sitten ''und 
der Bang der Gäste dem Frankftu*ter Bürgerthum als ein fremdes 
Element erscheinen; in dessen Umgebung man sich beengt fühlte: 
„im Jahre 149t) fiel; wie Job erzählt; die Fastnacht auf den 16. Febr.; 
es fand an ihr keine Zusammenberufung der Gesellschaft oder Stube 
statt; es war eine Stille; als wären alle ausgestorben; denn die Hin- 
dernisse waren uns die Assessoren und die übrigen adeligen DoctoreU; 
nebst den Advocaten und Procuratoren ; denn diese waren allzu 



^ Römer- Büchner a. a. 0. 

66 B. Rohrbach'B Familienchronik §. 106—112 

67 Römer - Büchner S. 226. 
^ Römer -Büchner S. 216. 



— 71 - 

saUreich gegenwärtig* ^. Aber schon nach einem Jahre, waren diese 
Schrankmi der Zurückhaltung gefallen^ die getrennten Elemente 
hatten sich verBcbmolzen und die Gesellschaft entfaltete ein reges 
und fröhliches. Leben. AmSl.December 1496 speiste sie zum ersten 
Male auf der grossen Stube des Hauses Laderam : Philipp Kaltofen 
versieht die Stelle des Wirtfaes oder des obsonü magister. Am 1. 
Januar 1497 folgt ein neues Gastmahl^ dem als Wirth Walther Isen> 
berg vorsteht Auch Bernhard und Job Bohrbach nehmen zum ers- 
ten Male Theil und bekunden ihr Gesellenrecht mit den 20 DenareU; 
die sie zu Neujahr dem Stubenknecht Friedrich schenken 'o. Ein 
neues Mahl einigt am Tage der heiligen Dreikönige nicht blos 
die Gesellen 9 sondern auch Andere: Hs^s vom Rhyn^ der ältere 
Büigermeister^ und Ulrich Neuhaus führen als Wirthe den Vorsitz : 
als Gesellen werd^i 38 Glieds der Familien Marpurg zum Para- 
dies; Heymbach^ vomUheine; Scheidt^ Glauburg^ Sassen^ zum Jungen, 
Frosch, Weiss, Stralenberg, Bromm, Mones, Neuhaus, Völker, Reiss, 
Haane^ Soss^iheim, Bohrbach, Holzheim, Uffstein, Heusenstamm, 
Martroff, Stallburg, Blum aufgeführt; zwei Licentiaten^ ein Bosenberg, 
ein Frosch; ein Sossenheimer, ein Dyrmayer und der Bathschreiber 
Melchior sind als Gäste gegenwärtig, die Gesammtzahl beträgt 47 ^^ 
Schon am 12. Januar erfolgt eine neue Zusammenberufung zum 
Abendessen, an dem auch Frauen und Jungfrauen theilnehmen : es 
war^i im Ganzen^ achtzig P^sonen ; Küchenmeister waren Johann 
Frosch und Ulrich Neuhaus; ausser den genannten Familien finden 
wir die Namen Holzhausen, Hynsberg, Humbrach t, Ergersheim^ 
Schwarzenberger, Bückingen, Knoblaueh, Faut^ Alzey; als Gäste 
werden nur der Licentiat Engel von Hotzfeld und der Meister (Ma- 
gister?) Bingen von -Nördlingen aufgeführt t>a sich unter den aus- 
drücklich als Gesellen Aufgeführten Si/b Namen von Mehreren be- 
finden, welche wie Johann von Glauburg, Johann von Bückingen, 
Johann Frosch, Jakob Weiss und Johann Holzheimer nach Faust's 
von Aschaffenbiu'g Angabe''^ anfangs den Ueberzug nach der neuen 
Stube abgelehnt hab^i sollen, so kann dieser ohnehin nur von We- 
nigen versuchte Widerstand nicht von Dauer, gewesen sein. Bei 
dieser Mahlzeit führten Gilbrecht Hölzhausen und Job Bohrbach zu- 
erst einen Beigen mit Lichtern auf und geleiteten darin auf B^ehl 



69 Jobs Chronik §. 180. 

ro §. 181. 

" §. 183. 

'2 Römer- Büchner S. 226. 



— 72 — 

der älteren GeselleD die junge BrauU des Bernhard Weiu zu Daniel 
Bromm, um diesen dadurch zu ehren^ weil er sich gegen die Gesell- 
schaft so freundlich und freigebig benommen und ihr sein Haus zum 
kostenden Preise (ju^to pretio) abgetreten habe. Nach beendigtem 
Mahle erschien auch der Markgraf Jakob von Baden, der als Kam- 
merrichter an die Stelle Ejtel Friedrichs von HobenzoUem getreten 
war, mit mehreren Assessoren, Procuratoren und Adeligen des Kam- 
mergerichts und nahm mit ihnen am Tanze Theil Die Kosten des 
Mahles betrugen fUnf Schillinge, welche Job von seinem Bruder 
Bernhard geschenkt erhielt ^^ 

Mit besonderem Qlanze wurden nun die Fastnachtstage des 
Jahres 149 < auf Laderam begangen. Die jungen Gesellen, denen 
früher gerade in diesen Tagen kein Antheil zustand, wurden schon 
am 22. Januar auf die Stube entboten, und es wurde ihnen hier von 
dem Schultheissen Dr. Ludwig zum Paradies eröffnet: „dass ihnen 
allen und jeglichen erlaubt sei, uff Aer Stuben und in der Gesell- 
schaft zu sein und um ihr Geld zu zehren, doch seien sie gebeten 
und befohlen^ züchtig sich zu halten mit Tanzen und willig mit Essen 
vortragen, auch im Tanz sich nit in die Arm umfahen als sonst, 
sondern anstatt desselben Armfahens den Frauen die Hand geben 
und züchtig neigen.'^ Man sieht , dass der Wahlspruch : „züchtig 
fröhlich mit guten Sitten", wie ihn eine alte hölzerne . Tafel des 
Hauses Frauenstein aus dem fünfzehnten Jahrhundert bewahrt, da- 
mals in den Trinkstuben noch immer als Regel galt. Zu gleicher 
Zeit liess man den Markgrafen Jakob von Baden, alle Beisitzer und 
etliche Advocaten und Procuratoren des Kammergerichts wissen, „wie 
man eine Gesellschaft halten wolle, wollten sie darby sin, so möge 
sie die Gesellschaft fast wohl leiden, dass sie ihr Geld.by der G^ 
Seilschaft verzehren^. Desgleichen liess man auch Etliche wissen, 
„die in der Ganzlei sin zur Zit der Gesellschaft". Die Fastnachts- 
lustbarkeiten wurden mit Nachtimbiss und Tanz am Sonntag Este- 
mihi den 5. Februar eröfihet. Tags aarauf, ^uff den Montag zu 
Unteren (Nachmittags) haben vier Burger ein Gesellenstechen ge> 
habt mit Kronlin, niit Namen Conrad zum Jungen, Heilman.Stralen- 
berg, Conrad Mones und Clas Stalburg'^ Hierauf erscheinen wieder 
zun^Nachtmabl alle die, welche zur Gesellschaft gehörten oder ge-i 
laden waren. Dienstag nach dem gemeinsamen Mittagsmahl fand der 
feierliche Umzug sämmtlicher Gesellen nach dem deutschen Haus, 
St. Johann und St. Antonien statt; da Job ausdrücklich bemerkt. 



'3 §. 185. Zum Folgenden §. 186. 



— 73 — 

dasfi Jakob von Baden und die ÄBsessoren an diesem Umzüge keinen 
Antheil genommen^ sondern erst zum Nachtmahl und Tanz alle wie- 
der gekommen seien^ so dürfen wir wohl annehmen; dass sie ausser- 
dem die s&mmtlichen Fastnachtsergötzungen mit der Gesellschaft ge- 
theilt haben; am Aschermittwoch hielten Männer und Frauen den 
Mittag und Abend auf der Stube; nach dem Mittagsmahle wählten 
die letzteren nach alter Gewohnheit zwei Küchenmeister zu der grünen 
Suppe ^♦j Clas von Rückingen und Hen Stralenberger, beide Wittwer, 
dann zogen sie hinaus in Hen Glauburg's Garten ; dorthin kamen der 
Markgraf und etliche Beisitzer geritten und verbrachten mit ihnen 
den Nachmittag; den Abend aber auf der Stube. Beim Mittagsmable 
der Männer am Dienstage fand die Rechnungsablage statt; die Kosten 
betrugen auf den Bürger drei; des Rathes Amtleute und andere 
Edelleute gaben nur anderthalb; von dem Markgrafen und den übri- 
gen Verwandten des Reichskammergerichts nahm man nur je einen 
Gulden. Ich bezweifle; ob man mit Grund darauf die Regel anwen- 
den konnte : „wer fremden Gästen gegen Geld Zehrung giebt; ist doch 
gewiss Wirth^ ^^ Am Donnerstag zu Nacht assen die Gesellen aber- 
mals mit einander den „Manderkäse" ^^; und also hattC; wie Job naiv 
zufügt; diese Prasserei ein Ende. 

Der einförmige Gang des Alltagslebens wufde auch durch die 
Frocessionen unterbrochen; in welchen man damals das Allerheiligste 



T^ Die grÜDB Suppe wurde von den Frauen anf ihre Kosten gestellt und 
in einem Garten gegessen. Jede Portion wurde nebst einer gesalzenen Bricke 
und einem Häring von einem Paare, wahrscheinlich einem Gesellen und einer 
Frau, vorzehrt. Vergl. Römer -Büchner, Wohlleben der Gesellsch. Limb. S. 5. — 
Hierauf zogen Männer und Frauen in Procession durch die Stadt nach der 
Stube. 

75 Diese Bemerkung ist nämlich d^r einzige Gewinn , den Römer - Büchner 
S. 225 Änm. seiner „Entwicklung der Verfassung*' u. s. w. aus dem von ihm 
eingesehenen Job sehen Mannscripte, das er nach der Glauburgischen Aufschrift: 
„M. S. de stirpe Rorbachiana, Blatt 79** citirt, zu ziehen wusste. Seine tenden- 
ziöse Antipathie gegen die Gesellschaft Limburg, die trübend durch das reiche 
Material seiner verdienstlichen historischen Arbeiten durchzieht, ist übrigens 
leicht erklärlich, weun man die einseitige Bewunderung und Lobpreisung er- 
wägt, in der sich der gelehrte Fichard kaum genug zu thun weiss. 

1^ Der Mandelkäse wurde nach dem erwähnten Buche des Stuttgarter Ver- 
eines Ree. 72 aus gestossenen Mandelkernen bereitet, zu denen man Milch goss 
und Eier sehlug; diesen Teig Hess man erkalten, legte ihn dann auf einen 
Teller und bestreute ihn mit Zucker. Der Mandelkäse wurde durch Frauen 
bereitet, welche jährlich dazu von der Gesellschaft gewählt wurden. Dazu 
gaben die Küchenmeister Fische, die Brodmeister Srod und Backwerk, die 
Lichtmeister Licht Vergl. Römer -Büchner, Wohllebender Gesellschaft Limburg. 



- 74 - 

nicht blos durch die Kirchen; sondern auch durch die Strassen der 
Stadt trug ^^. Der prachtvolle Aufzug, den man mit allem erdenk- 
lichen Glanz ausstattete, die in Sammt und Gold strotzenden Ge- 
wänder der minifitrireaden Geistlichen, der zahlreiche Klerus der 
drei Stifter, die Mönche, Nonuen und geistlichen ßitter in ihren 
malerischen Ordenstrachten, die Glieder des Batbes in ihren Mänteln, 
machten diese kirchlichen Aufzüge zugleich zu einem Volksfeste und 
gewährten ein romantisches Schauspiel, das nicht blos die Andacht 
durch das Mysterium, sondern auch die Sinne durch den Wechsel 
sein^ mannigfachen Gestalten und seiner bunten schillernden Farb^i 
beschäftigte und erregte. Solcher Processionen wurden vornehmlich 
drei im Jahre veranstaltet, nämlich am Sonntag Exaudi (am Kirch- 
weihtage der Barfüsser), bei welcher stets ein Glied von Bernhard 
Ruhrbach's des Alten Stamm mit einem von ihm gewählten Genossen 
den das Sacrament tragenden Priester führte ^^, am Frohnleicbnams- 
feste und am Tage' Maria Magdalena. Job unterlässt nicht, diese 
Processionen in jedem Jahre umständlich zu beschreiben^ besonders 
wenn er dabei persönlich betheiligt war. Die glänzendste ist die 
Frohnleichnamsprocession am 25. Mai 1497 gewesen : Herr Johann 
Greifenstein, Decan zu St. Bartholomäi, trug das Sacrament, ihn 
führten die beiden ältesten Schöffen, HenGlauburg und Jobann vom 
Rheine, vier Bürger, unter ihnen Philipp Ugelnheimer, Geoi^ Bdss 
und Job Rohrbach, trugen den Baldachin, den man in Frankfurt 
den Kasten nannte; vier andere: Heinrich Weiss, Ortgyn zum 
Jungen, Ulricli Neuhaus und Georg Martroff gingen mit brennenden 
Kerzen zur Seite ; dem Baldachin folgte unmittelbar der Kammer- 
richter Markgraf Jakob von Baden mit sechs Beisitzern und mehre- 
ren Procuratoren, an sie schlössen sich der Rath und die Bürger 
an ^*. Auch solche Feste wurden mit Schmausereien beschlossen. Am 
Abende dieses Tages luden Eberhard von Heusenstamm und seine 
Ehefrau Gutgin in ihren Garten vor der Stadt, genannt die Nie- 
denaü, zum Abendesseii Fremde und Einheimische: den Markgrafen 
Jakob von Baden, welcher auch hier seines Ranges nicht vergass 
(denn er brachte j^den Dorlinger* und zwei andere- nobiles mit, dass 
sie ihm bei Tische dienten), zwei Doctoren, Georg von Nideck und 
Johannes Pleniger, so wie Vitus von Walrod, goldenen Ritter (d. h. 



VT Vergl. den Abschnitt OaltuB §. 190 flg. 

78 Vergl. aber die Stiftung dieser Procession B. Rohrbachs Familien- 
chronik §.27 

" Jobs Chronik §. 198, 



- 75 - 

wohl, der die goldnea Sporen beim Bitterschlag empfangen hatte), 
alle drei Beisitzer und Edelleute; zwei Beichaschatzmeister, der eine 
hiesB Goffart von Klehcn, den Comthur des deutschen Herrenordens 
Pankratius von Biieinstein, einen Procurator des Reichskammer- 
gerichts. Unter diesen bewegen sich Glauburger, vom Slieine, 
Knoblauche, Schwarzenberger, Ergersheimer, Holzhauser, Bohrbache, 
Weisse, sämmtlich Gesellen der Stubengesellschaft Laderam oder 
Limburg, und Job rühmt die opulente Bewirthung der Gäste, zu 
deren ehrenvoller Behandlung der Häusherr aufbietet, waa er ver- 
mag ^^. Es war dies das Abschiedsfest für den Markgrafen. Schon 
am 12. Mai hatte er die letzte Audienz gehalten; am 26. Mai, den 
Tag nach Frohnleichnam, reiste er mit den Assessoren nach Worms, 
dem zukünftigen Sitze des Beichskammergerichts ^^ Auch in der 
Ferne gedachte er in wohlwolleijder Erinnerung semes Aufenthaltes 
in unseren Mauern und der frohen Stunden, die er auf Laderam zu- 
gebracht hatte;, noch zwei Jahre später, am 21. Januar 1499, ver* 
speisten Männer und Frauen Abends den Hirsch, den Markgraf Jakob 
von Baden der Stubengesellschaft geschenkt hatte ®^. Diese blühte 
immer sichtlicher auf; während der Frauenstein auf wenige Gesellen 
zusanmiengeschmolzen war, so zählte die Stube auf Laderam die 
meisten. Schöffen und Bathsmannen zu Gliedern ihres Vereines; ihre 
Gesellen führten den Priester bei den Processionen , trugen den 
Kasten, begleiteten Ihn mit Kerzen; an Fastnacht veranstalten sie 
öffentliche Aufzüge, Gartenfahrten und Gesellenstechen; seit dem 
Jahre löOO werden ihre Leichen von dem gesammten Klerus der 
Pfarrkirche zu Grabe geleitet ; ohne Zweifel trug auch der vertraute 
Umgang mit den Verwandten des Beichskammergerichts, mit Beichs- 
fursten und Beichsgrafen, dazu bei, Ihre Ansprüche zu steigern, das 
Verlangen nach Erhöhung Ihres Banges und nach Adelsbriefen zu 
erwecken und ihr Leben mit jenem glänzenden Luxus auszustatten, 
zu dem ihr Beichthum ihnen die Mittel bot, den aber schon in der 
ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts ein Th^il der Bürger- 
schaft mit unverhohlenem Unmuthe betrachtete und bisweilen mit 
beissendem Spotte geisselte. Durch das Aufblühen des römischen 
Bechtsstudiums war der römische Bechtsbegriff des Patriciers in 
Deutschland im fünfzehnten Jalirhundert bekannt geworden und wurde 
auf deutsche städtische Verhältnisse angewandt; in Frankfurt wird 



80 §. 116. 
8» §. 115. 
82 §. 187. 



~ 76 - 

er nicht blos darch einheimische Juristen ^ sondern auch diurch die 
Doctoren des Reichskammergerichts unter den Gesellen von Laderam 
Eingang gefunden haben, und bald erwuchs er zu einer Lieblings- 
idee, deren Verwirklichung mit allem Eifer des Ehrgeizes angestrebt 
wurde. So bildet sich allmählig aus der Stubengesellschaft zu La- 
deram oder Alt-Limpurg ein städtisches Patriciat ; das bürgerliche 
Bewusstsein und Wesen, das sie sich als Gesellschaft auf Löwenstein 
zu bewahren verstanden hatte, wurde ihren Gliedern fremder, und 
der Aufwand, zum Tlieil auch der Uebermuth, des Junkerthums ^^ 
trat an die Stelle der alten soliden Einfachheit. 

Nächst den Processionen boten die Passionsspiele ein zwar sel- 
tenes, aber darum um so fesselnderes und noch* weit volksthümlicheres 
Schauspiel dar, in welchem Scherz und Ernst, kirchlicher Geist und 
der Sinn für weltliche Lustbarkeit, wie in dem Volksleben des Mittel- 
alters überhaupt, sich in wunderbarer Mischung poetisch durchdrangen. 
Wie wir aus den Frankfurter CoUectaneien des Kanonikus undCustos 



^^ Der Name Junkherr kommt bei Job nirgends vor; dagegen nennt sein 
Vater Bernhard in der Familienchronik (§. 70) den jüngeren Bürgermeister 
,,Junkherm-Bürgenneister'\ den filteren „Sehöifen Bürgermeister*'. Dies ent- 
spricht aber nur dem Sprachgtfbrauch , nach welchem die Glieder der zweiten 
Kathsbank Junkherrn, d. h. jüngere Herrn im Gegensätze zu den älteren Raths- 
gliedern , den Schöffen, genannt wurden, und bezeichnet somit einen auf da^ 
Amt, aber keineswegs auf die Geburt und das Geschlecht gegründeten Rang. 
Noch heute nennen die niederen Bediensteten im Römer den jüngeren Bürger- 
meister den ,. jungen Herrn'^ Diesem deutschen Sprachgebrauche entsprechend 
finden wir bei Job Rohrbach die lateinischen Ausdrücke scabinus und domicel- 
luB gebraucht. Da nämlich der ältere Bürgermeister aus der Schöffen-, der 
jüngere Bürgermeister aus der Rathsbank gewählt wurde, sagt er in seinen 
Notizen über die Burgermeisterwahlen stets, jener sei tamquam senior oder 
tamquam scabinus, dieser tamquam junior oder taiAquam domicellus Bür- 
germeister geworden, vergl. §. 120. 121. 123. 124. 125. 128. £benso heisst es 
§. 127 von Jacob Stralenberger, Gilbrecht Holzhausen und Thomas Mass , sie 
seien am 16. Juli 1499 in consilium franckfurdiense et in consulares und zwar 
omnes utdomicelli erwählt worden. Consularis ist also der aligettieine 
Begriff, der sich wieder in scabinus, domicellus und vulgaris specificirt. Dem- 
gemäss berichtet Job §. 104, als er im Namen seiner sämmtlichen Hausgenossen 
die Reichsschatzung am 9. April 1497 entrichtet habe, seien zum Empfange 
derselben vom Rathe verordnet gewesen, sein Vetter Georg Frosch tamquam 
scabiuus, sein Vetter Haman Holzhauson ut domicellus und nicht zugegen sei 
gewesen Johannes Bechten tamquam de vulgaribus. Es ergiebt sich somit aus 
Bernhards und Jobs Chroniken, dass nach Frankfurter Ansdrucksweise domi- 
cellus und Junkherr ein Rathsglied zweiter Bank bezeichnete. In anderer 
Bedeutung wird uns unten das Wort domicellus in einer älteren Robrbachischen 
Urkunde begegnen. 



— 77 - 

FhOipp Schurg am Bartholomäusstifite (flGOl)^ ersehen^ smd solcher 
ächanepiele vier, nämlich in den Jahren 1467, 1468, 1498 und 1506 
hier aufgeführt worden ^. Das im Jahre 1498 gegebene, welches 
unter der Leitung eines Vioars an der Liebfrauenkirche, Jakob Kol- 
messer stattfand, wird von Job BohrbacU nach seinem G^enstande 
und seinem ganzen Verlaufe beschrieben. Es erhellt aus dieser Be- 
schreibung, dass es nicht, wie Fichard annahm^ von den Schülern 
des Bartholomäusstiftes, sondern von einem Vereine von Männern 
gegeben wurde, der sich dazu aus Geistlichen und Laien frei gebil- 
det hatte. Job ers^ldilt: „Im Jahre 1498 am 4. Juni, dem 2. Pfingst- 
tage, wurde hier vor dem Rathhause, dem Römer, auf einer dazu 
eigens aufgebauten Bühne ein Schauspiel veranstaltet, an welchem 
280 Personen, mit Gewändern und Anderem, wie es sich ziemte, 
wohl gekleidet, Theil nahmen. Sie spielten an diesem Tage, zuerst 
die Aufopferung des einzigen Sohnes Abrahams, die Geschichte der 
Susanna, des reichen Mannes und des armen Lazarus und des ver- 
lorenen Sohnes. Als dies vorüber war, bekleidete sich Balthasar, 
der Pfarrer in Ober-Eschersbeim (nach Schurg wohl richtiger: ^Esch- 
bach) mit einem grauen Gewände (denn vorher hatte er den himm- 
lischen Vater gegeben) und eröffnete, mit einem Diadem gekrönt, die 
Person Christi darstellend, die Passion, deren ganzen Verlauf er im 
Spiele durchführte. Er begann mit der Wahl der Apostel. Am f). 
Juni spielte er die Leidensgeschichte bis z\& Gefangennehmung im 
Garten ] als Gefangener wurde er hierauf durch die Strassen unserer 
Stadt geführt. Am 6. Juni, dem Mittwoch und Quatember, wurde 
er abermals lange durch die Stadt gefiihrt, und als sie die Bühne 



^ Ob Philipp Sohnrg wirklich der Verfasser dieses Mannsoriptes sei» soheint 
mir noch einer Untersuohang zu bedürfen. Auf dem Umschlage dessellten 
kündigt er sich nur als Besitzer des Baches an: possidet me Ph. Schurg, eine 
Thatsache, welche wenigstens zur Zeit noch die Yennnthnng begünstigt, dass 
Schurg die Autorschaft erst einem Missverständniss des Verfertigers der Aus- 
zugs in der Üffenbacfaischen Manuscriptensammlung zu danken haheii könne. 
Dieser Auszug scheint übrigens nur eine Compiiation Schurg'scher und König- 
stein'soher Notizen zu sein. 

M M. S. Schurg p. 186 flg. Anno gratiae 1498 fuit ludus passionis Franooforti 
et fuere in illo 265 persönae. Saluator dominus Balthasar, parochus in Esch- 
bach, Reetor D. Joannes Kolmesser. Aniio 1506 iterum fuit Indus passionis 
Francofurti. Salvator Wiihelmus Stein de Cassel, parochus trium 
reg am in Sachsenhansen. Reetor Dominus Joannes Kolmesser et Dominus 
Petrus Seigenstadt, vicarii montis B. Mariae yirginis. Fuerunt persönae in 
Indo 267. Anno 1467 fuit ludus passionis Francofurti. Salvator Ewaldus Totten- 
feld. Reetor Dominus Enolphns. Anno 1468 fnit ludus eztremi indieii et Anti- 
ehristi. Reetor Joannes Vag. 



- 78 - 

betreten hatten^ vor Hanna» etc., dann sohlugen sie ihn an das Kreaz, 
an welchem er beinahe zwei Standen hing. Am 7. Jüni^ dem Don- 
nerstag nach Pfingsten^ trdgen sie sein Kreuz mit denen der Räuber 
vor das Thor von Sachsenhausen. Am 11. Jani luden die Theil- 
nehmer am Spiele den ganzen Bath zum Mittagessen; dieser schenkte 
ihnen zwei Ol im Wein und 20 Goldgnlden; ebenso bewilligte er 
ihnen die Bretter und Balken^ woraus die Btibne erbaut wurde ^ in 
grosser Menge, aber unter der Bedingung, dass sie dieselben zurück- 
gäben, und das, was daran verdorben oder zerschlagen wäre, be- 
zahlten ; auch mehrere andere Bürger und kirchliche Personen lüden 
sie ein, welche sie dafür beschenkten. Ebenso zahlte jedef Theil- 
nehmer am Spiele und jede Person (wohl von den Zuschauern?) der 
Gesellschaft anfangs einen Ort, wovon die Zortistungen zum Spiel 
bestritten wurden" ^. 

Der vorherrschend kirchliche Charakter dieses Spieles zeigte sich 
in einer Nachwirkung desselben : am Magdalenentag, dem 22. JuK 
1498, trug das Sacrament wieder der Dccan Johannes Greifenstein, 
Hea Glauburg und Hans vom Rheine fährten ihn; Georg Neuhans, 
Job Rohrbach, Arnold Reyss, Philipps Ugelnheimer trugen den Kasten^ 
Ludwig Holzhausen, Georg Martroff, Heilmann Stralenberg, Ulrich 
Neuhaus die Kerzen; diejenigen aber, welche die Passion gespielt 
hatten, folgten dem Rathe in der Procession, angekleidet nach dem 
Charakter, den sie dargestellt hatten; den Erlöser stellten diesmal 
fünf dar, der eine als Gefangenen, der andere in weissem Kleide, 
der dritte trug die Säule, der vierte das Kreuz, der fünfte zeigte ihn 
auferstanden, und dieser war es, der während des Spieles selbst alles 
wie Jesus gethan und geduldet hatte ^^. Dafür, dass Job den Kasten 
getragen hatte, gab ihm am 3. Januar 1499 der Bürgermeister Mi- 
chael Schwarzenberger statt der zwei alten Bleygen, die er mit seiner 
Mühewaltung verdient hatte, drei neue. Mit dem neuen Jahre waren 
nämlich die alten mit den zwei „B^^^^^^'^ (zwei Hunden) und den zwei 
Trauben abgeschätzt worden ;. die neuen zeigten auf ihrem Gepräge „eine 
Kanne sonder Litt oder Deckel", aus der zwei Trauben wachsen und 
zu beiden Seiten herabhängen. Das eine gab er seiner Mutter, das 
andere seinem Bruder Bernhard, das dritte dem Kanonikus Herrn 
Eberhard Becker. Als am 18. Juni 1499 Johannes Hess in der 
Pfarre auf der grossen Orgel, obgleich kaum so viel Claven und 



86 «. 214. 
w §. 215. 



- 79 — 

Pfeifen^ dass es geschehen konnte^ gesiimint waren, den Gesang des 
Salve regina begleitete^ schenkte auch ihni Job ein Rathsbleygen ^. 

Bei da* Magdalenenproceosion im Jahre 1497 hatte das Sacra- 
ment Nicolaus Kruder, Bischof von Samland, ein Frankfurter Kind, 
getragen^', was ich gerne hier erwähne, theils um das Andenken 
i emes sonst unbekannten, zu hohen kirchlichen Würden emporge^ 
stiegenen Bürgersohnes jener Zeit ssu erneuern^ theils weil solche 
Notizen zum Theil die Thatsache erklären mögen, dass hiesige 
Kirchen von auswärtigen, fern wohnenden Bischöfen mit Ablasspri- 
vilegien ausgestattet wurden. Auch Frankfurter Laien finden wir in 
dem Dienste auswär;tiger Kirchenfürsten, so war Dr. Georg Hell, ge- 
nannt Pfeffer, Kanzler des Kurfürsten von Mainz; er nahm ein 
trauriges Ende, am 5. August 1498 fiel er im Münzhof dahier in 
eine noch nicht völlig ausgebaute Gloake^ und starb bald, nachdem 
man ihn herausgezogen hatte ^. 

Wie gerne man überhaupt aus kirchfichen Handlungen ein 
Schauspiel machte, beweist das Ge{)ränge, womit am 19. August 1494 
eine Judentaufe in der Bartholomäikirche vollzogen wurde. Eine 
schwäbische Jüdin begehrte freiwillig die Taufe , wie sie behauptete, 
von der Jungfrau Maria selbst dazu veranlasst, eine Motivirung, wie 
sie bekanntlich bis. zu unseren Zeiten in specifisch römischen Kreisen 
wiederkehrt. Um diesem Acte eine grössere Feierliehkeit zu geben, 
hatte man vor dem Uauptaltare eine Bühne aufgeschlagen und auf 
diese das Taufbecken gestellt Die angesehensten Jungfrauen der 
Stadt erboten sich zu Pathinnen und geleiteten die Neopfaytin in 
Procession zur Kirche. Mit ihr bestiegen zwei diers^en, Anna 
Blumin und Christina Froschin, die Bühne. Nach vollzogener Taufe 
stimmte das versammelte Volk den Gesang an<: „Nun bitten wir den 
helgen Geist^^ Hierauf führten die Jungfrauen sie wiederum in 
feierlichem Aufzuge nach dem Hause des P&n*ers ^K, Ein anderes 
kirchliches Schauspiel, das selbst damals den Verständigen zum An- 
stoBs gereichte, bereiteten im Jahre 1496 der Frankfurter Gemeinde 
die Dominikaner. „Am 3« April nämlich, dem Ostersonntag, predig* 
ten, wie Job erzählt, bei den Predigern drei zu gleicher Zeit: der 
Lector auf dem Kirchhofe, der Subprior in der Kirche, ein dritter in 
dem Kreuzgang (in ambitu) und überschrieen einander so, dass aus 



^%. 216. 217. 
89 §. 199. 
90§. 26& 
w §. 203. 



- 80 - 

dieBen Beden dem Volke keine Erbauung (devotio)y sondern nur Ver- 
wirrung (confuflio) erwuchs* ^. 

CharakteriBtiach ist es^ dass Job nirgends der Jagd als Be- 
schäftigung und Belustigung der höheren Stände, wohl aber neben 
dem Reiten, dem Fischfange und dem Stechen mit Krönlein und 
Kolben, namentlich d6r Schi^stibimgen gedenkt Die, welche man 
später Patricier oder. Junker nannte, hatten ihren eigenen Schiessplatz 
auf dem heutigen Holzgraben, den man damals noch den Schiess 
graberi nannte, unmittelbar hinter der Kirche * unserer lieben Frauen 
auf dem Berge. Eine solche Schiessbelustigung Avird uns in sehr an- 
schaulicher Weise geschildert : ,^Anno 1496 am 20. Juli sind uff dem 
Schiessgraben zwischen den Porten by sant Katherinen Kirchen nach 
Mittag zusammenkommen in einer guten ehrlichen Gesellschaft Dr. 
Florentius von Veningeo, Katharina Holzhuserin, Haman, ihr Sohn, 
und Margret, Hamans Husfrau, Gilbrecht, auch ihr Sohn, Eilchin 
Rohrbächerin und ich Job, ihr Sohn, Katherina, Gilbrechts Holzhusen 
seliger Gedächtniss Wittwe, Ludwig, ihr Sohn, Karl Hynsberg und 
Martha, sin Husfrau, min Joben Schwester, Johann Holzheimer, und 
haben des Unterens (Nachmittags) die Gesellen, welche wollten, ge- 
schossen, um ziemliche Kleinodien von Zinnwerk; des ]!|^achts hat je 
ein Husgesäss zwei Maass Wins bracht, und nach dem Nacbtmal 
geschossen, Frauen und Mann, wer da wollte, bis um zehne, also 
dass drei Licht by das Blatt (die Scheibe) gesteckt worden und eins 
vor den Anzeiger, und nach dem Nachtmahl sind dazu kommen Ort 
zum Jungen, der jüngere, und Herr Albrecht Prolin, derHulzhuserin 
zu Goldstein Kaplan. ^^ Ob dieses Schiessen mit Armbrüsten oder mit 
Büchsen stattfand, wird uns nicht berichtet ; doch ist mir das Erstere 
wahrscheinlich ''. Der Büchsen bediente man sich unzweifelhaft bei 
den öffentlichen Schiessen, an welchen Büiger aller Stände und 
namentlich auch der Zünfte Theil nahmen, lieber diese liegen uns 
zwei Berichte Jobs vor. 

„Am 13. Novembris 1496 hat hie ein Schiessen angefangen mit 
der Handbüchse, das hat gewährt drei Tag und sind der Schützen 



M §. 194. 

93 Diese Vermathang^ stützt sich theils auf den Umstand , dass Job Rohr- 
bach unter seinen Anschaffungen uiid Geschenken zwar eine Armbrust, aber 
nie eine Büchse erwähnt, theils auf die freundliche Mittheilung des Herrn Se- 
nators Dr. V. Hey den, der den noch am Anfang dieses Jahrhunderts bestehen- 
den SchiesBplatz auf dem Graben in seiner Jugend selbst gesehen und mir 
ausdrücklich versichert hat, dass derselbe auch damals noch ausschliesslich von 
den Stahlschützen, d. h. den Armbrustschützen, benutzt wurde. 



— Si- 
los gewesen und derKldnod^ darumb man geschoBsen hat^ fünf und 
zwansdg^ mit Namen drei Ochsen^ ein schwarzer Hut mit einer sil- 
bernen Röhre; vier Ellen schwarzen Schamelot und zwanzig zinner- 
ner Kleinod; als Flaschen^ Gläser; FasS; Gelten; Teller; Kannen etc. 
Den besten Ochsen gewann Einer heisst ThomaS; Büchsenmeisters 
Sohu; sitzt bei der Bockenheimer Porten; den andern Ochsen ge- 
wann Conrad NeuhauS; min Vetter; den dritten ein Büchsenmeister 
von Menz ; den Hut mit der silbernen Bohre N. N. Schuhläpper 
(iSchufaflicker) hj Sant JohanU; den Schamelot gewann Dyll; ein 
Lederverkaufer uff dem Ejrautmarkt; die Sau gewann Hans Syd; 
unser Schmied; und haben die Frankfurter Schützen neunzehn Klein- 
heit (Kleinod) unter den fünf und zwanzig und' die Hauptkleinod 
allC; usgenommen den dritten Ochsen. Und haben sie geschossen uff 
dem Fischerfeld in zween Schirm (Scheiben) und die Läng des 
Schusses vom Stand an bis zum Schirm ist 336 Ellen: mit einer 
Schnur ist es also gemessen worden. Item hatte Schnabels Sohn 
eine Pritsch; und welcher Schütze sechs Schüsse nach einander des 
Schirmes fehlte; den schlug man mit der Pritschen oder musst vter 
Denar gebeu; und schössen die Schützen zehn Schuss. Auch sind 
der Kleinod; zum Ritterschuss verordnet; mit Namen zwei Hut' und 
ein Barret und ein silberner Landsknecht mit einer silbernen Helle- 
barten.'' Im Jahre 1500 fand abermals ein Schiessen mit der Hand- 
büchsen auf dem Fischerfelde statt; an welchem siebenzig Männer; 
sieben aus Mainz; drei von Oppenheim; einer von Gelnhausen; drei 
von Oberrad; alle Uebrigen hiesige Bürger; theilnahmen. Der Bath 
hatte dazu den Ochsen und zehn Viertel Wein gegeben. Den Och- 
sen trug damals des Bathes Schmied; das damastene Wams ein Fi- 
scher- davou; den silbernen Becher Bernhard Weiss. Es waren im 
Ganzen dreissig Kleinodien; von denen die von Mainz und die von 
Oppenheim je eins in ihre Herberge brachten. Die Oberräder ge- 
wannen den Hut mit der silbernen Röhre im Ritterschuss. Auf dem 
Schiessplatze waren drei Zelte angeschlagen; zwei für die Schützen; 
das dritte zum SpieL Auch war eine Kegelbahn eingerichtet; auf 
welcher ^ein Schieb^^ mit einem Heller; drei mit einem Weisspfennig 
bezahlt wurden; sänmitli&he Kegelpreise fielen den Frankfortem zu. 
Auch diese Lustbarkeit v^ährte drei Tage^. 

Manche Gebräuche des Volkslebens finden wir in Jobs Auf- 
zeichnungen zu unserem Bedauern mehr flüchtig angedeutet; als aus- 
führlich beschrieben. Der Anfang des Jahres war noch nicht über- 



»» §. 218. 219. 

6 



- 82 - 

einstimmend festgesetzt Tbeilweise datirte man Neujahr von dem 
Christfeste an^ und folglich von dem 2ö. December, theilweise von 
dem Feste der Beschneidung Christi^ also von dem 1. Januar. Eine 
Differenz konnte sich dabei nur für die Tage ergeben^ welche zwischen 
diesen beiden Terminen in der Mitte lagen. Job Bohrbach versäumt 
darum bei den Daten dieses Zeitabschnittes nie anzugeben, wdcher 
Anfang gemeint ist; er sagt: ^im Jahr 1497, das Jahr vom Anfang 
des Januars beginnend ; oder am 30. December 1502, des Jahres An- 
fang von dem Geburtsfeste gerechnet^^; im letztern Falle ist also das 
Jahr 1501 gemeint ^^. Das Verwaltungsjahr lief ursprünglich wie 
noch im sechzehnten Jahrhundert vom 1. Mai bis zum 1. Mai: an 
diesem Tage, wenn er nicht auf einen Sonntag fiel, wurden die 
Bürgermeister gewählt und die Aemter im Begimente neu besetzt^. 
Die RathsprotocoUe, wie die Stadtrechnmigsbücher, fangen von diesem 
Termin an. Es war die Zeit der alten germanischen Maiversamm- 
lungen, sowie der feierlichen Gerichtssitzimgen, die man Maigedinge 
nannte. Auch sonst hatte in dem Xieben der germanischen Stämime 
dw 1. Mai eine grosse Bedeutung Mit ihm b^innt die schöne 
Sommerzeit, die man selbst geradezu Mai nannte, in der nicht nur 
die Natur ziun Leben erwacht und sich in das bunte Festgewand 
der Farben kleidet, sondern auch in den menschlichen Herzen Lust 
und Liebe sich in frischem jungem Triebe regen. In vielen symbo- 
lischen Gebräuchen wurde dies ausgedrückt. In manchen Gegenden 
wurde am Sonntage Lätare in der Mitfasten der winterliche 
Tod ausgetragen, oder auch der Winter verbrannt und der Sommer 
singend begrüsst. Am Anfang des Mai's wurden im heidnischen 
Norden hohe Feste gefeiert: Gottheiten, in denen sich der Sommer 
oder der Frühling personificirte, hielten ihren segnenden Umzug. 
Am 1. Mai wurde noch bis in die neuere Zeit in England, Frank- 
reich, Deutschland imd dem scandinavischen Norden in mancherlei 
Weise der Sommersanfang begangen, „der Sommer empfangen^^ ; der 
Mai wurde festlich eingeholt: dahin gehörte das Maireiteo, die Er- 
nennung der Maigrafen und Aehnliches; Mayen, d. h. entweder Mai- 
bäume, oder Maibüsche, Maizweige und Maisträusse wurden in die 
Gemeinden gebracht. Die Maibäume wurden theils an den Haupt- 
platz des Ortes, vor die Kirche oder das Bathhaus gesetzt, theils 
auch in grösserer Anzahl vor andere Häuser, besonders Solcher, die 
man auszeichnen wollte, gepflanzt; die Maibüsche oder Sträusse hef* 



9» §. 71 und §. 17. 33. 97. 179. 
»6 §. 119 flg. 



^ 83 — 

tete man vor die Thüren der Frauen und Jungfrauen •^. Die letztere 
Sitte bestand in Frankfurt und war besonders unter den Q-esellen 
der Trinkstuben üblich. Diese „steckten Mayen und Briefe den 
Jungfrauen und Frauen^^^ um deren Gunst sie sich bewarben und denen 
sie dadurch ihre Verehrung bezeugen wollten. Die Briefe enthielten ein 
Bild mit einer Devise. Lersner erwähnt einige derselben : am 1. Mai 
1464 steckte Adolf Knoblauch seiner Verehrten einen Mayen mit der 
Devise : „Und ich^ wie kann ich !^^ offenbar, um den unwiderstehlichen 
Zauber ihrer Beize anzudeuten; dieser Gedanke war in dem Bilde 
durch einen Mann versinnliclit^ der mit einem Siebe Wasser aus einem 
Bache zu schöpfen versuchte. Hen Knoblauch fügte zu seinem Mayen 
eine Hand, welche ein Gewicht an. einer Schnur in einen Brunnen 
hinabliess; mit der Umschrift : „Falscher Grund ist mym Herz onkund^^ ^. 
Gegen Ende des Mittelalters fand man diesen poetischen Brauch un- 
vereinbar mit der züchtigen Sitte, durch die man die Fröhlichkeit 
gemässigt wissen wollte; Job Rohrbach erzählt: »Anno. 14d5 prima 
maji nee postea (am I. Mai 1495 und später) hat man keiner Jung- 
franen oder Wittfrauen oder Frauen uff unser Stoben oder derglichen 
May noch Brief gesteckt nach alter Gewohnheit^. Aus seinen Be- 
merkungen zu den Jahren 1496 und 1497 ersehen wir überdies, dass 
man die Mayen nicht nur „vor der Jungfrauen und Frauen Thor", ' 
sondern an die Hausthüren selbst gesteckt hatte, und dass „söliches 
geschehen war von den jungen Gesellen^, also von den Unverheira- 
theten ^. Eines andern Gebrauches gedenkt er zum Jahre 1494. Am 
Tage des Apostel Bartholomäus nämlich legte er den beiden Mägden 
seiner Mutter das Loos, und die Köchin Katharina zog sich den 
Apostel Matthias, die Hausmagd Margaretha den Thomas ^^^. Der 
Zweck dieses Loosziehens war ohne Zweifel die -Wahl eines Schutz* 
häligen. Wie sehr überhaupt selbst gebildete Männer jener Zeit 
zum Superstitiösen neigten, zeigt ein Recept, das Job Kohrbach von 
dnem Bürger zu Speyer, Peter Drach, empfangen, das ihm der Pro- 
tonotar des Kammergerichts, Johannes Storch, aus eigener Erfahruüg 
als probat empfohlen und er in seinen Aufzeichnungen gewissenhaffc 
eingetragen hat. Es lautet! „Wenn man brauchbares Bauholz haben 
und dasselbe vor Schwamm und Fäulniss bewahren will, so darf es • 



97 Reinsberg-Düringsfeld, das festliche Jahr. Mai. 
» Lersner II, I, S04. 
w §. 222—224. 
^w §. 226. 

6» 



- 84 - 

nur bei abnehmendem Monde und von einem solchen geftllt werden, 
der an diesem Tage und der vorhergegangenen Nacht mit keinem 
Weibe, auch nicht dem seinigen, Umgang gepflogen hat Willst du 
Steine zum Bau deines Hauses setzen, die nicht nässen oder aus- 
schwitzen, wie es leicht im Winter und sonst zu geschehen pflegt, so 
betrachte genau den Steinbruch und lasse an der Ostseite desselben 
graben, besonders wenn die Steine in die Wände der Stuben gefügt 
werden sollen. Schlachtest du Schweine, um für das Haus Speck 
und im ganzen Jahre Fleisch zu haben, dann thue es bei abnehmen- 
dem Mond, damit der Speck und das Fett nicht so reichlich aus- 
fliesse, wie es bisweilen zu geschehen pflegt^ ^^. 

Im Allgemeinen herrschte noch Einfeu^hheit der Sitte und ehr- 
bare Zucht Doch fehlte es auch nicht an mancherlei Unfug und 
Muthwillen. Am 12. November 1494 wurden Nachts in der Krämer- 
gasse — so nannte man die Strasse, die von St Bartholomäi nach 
dem Samstagsberg fuhrt, den heutigen Markt — alle Füsse, d. h. 
Hölzer, welche vor den Thüren hingen und mit welchen die Eintre- 
tenden zu klopfen pflegten, damit ihnen aufgethan werde, abgerissen 
und über die Mauern auf den Kirchhof der Dominikaner geworfen. 
Auch wurden einige Fenster der Kirche des Predigerklosters einge- 
worfen. Die Urheber dieses nächtlichen UnAigs wurden nicht er- 
mittelt*®*. Doch fehlte es auch nicht an schwereren Vergehen und 
sie werden mit der ganzen Härte, wie sie der damaligen Rechtspflege 
eignete, geahndet. So wurden am 6. April 1498 drei Räuber ver- 
brannt, die ausser anderen Verbrechen in Dieburg die Monstranzen 
und das Gefass mit den Hostien gestohlen — einer hatte deren sech- 
zehn, der andere weniger verschlungen -^ mehrere Almosenstöcke ge- 
plündert und in Frankfurt bei St Peter einen Mann getödtet, andere 
beraubt hatten. Nach Lersner wurden ihnen Infuln auf das Haupt 
gesetzt, auf welchen ihre Verbrechen abgebildet waren *^. Ein An- 
derer wurde am 1. September 1497 gehenkt, weil er einen Kelch 
geraubt, am 16. September 1496 ein Jude verbrannt, weil er 
eine Münze beschnitten hatte *H Hans Drach wurde wegen Unzucht 
an einer Ehefrau und ihrer Schwiegermutter am 7. Januar 1497 ent> 
hauptet^<^. Doch pflegte man die Hinrichtungen von Adeligen der 



" §. 227. 

02 §. 143. 

OS §. 152. Lersner ü, 1, 688. 

0* §. 161. 148. 

05 §. 150. 



- 86 — 

Oeffentlichkeit zu entziehen. So wurde Einer (Lersner nennt ihn 
Hans Elogel von Babenberg); der wegen Aufruhrs (oder wie Lersner 
angiebt wegen seiner Mithülfe an der Ermordung von Moschel 
Henschin) in der Messe eingezogen worden war^ aus Rücksicht auf 
seine Eltern am 26. September 1496 Nachts beigeschlossenen Thoren 
am Maine enthauptet und auf dem Kirchhof zum heiligen Geist be- 
graben ^^, Bisweilen entzog indessen das Asylrecht der Kirchen den 
Verbrecher dem Arm der strafenden Gerechtigkeit Als Hames Sohn . 
aus Sachsenhausen mit einem Schererknecht mit gewaltsamem Ein- 
bruch in das Haus zum Ellenbogen (A. 67) bei den Predigern bei 
Nacht' gedrungen war und einen daselbst wohnenden Bürger mit 
seiner Geliebten misshandelt hatte^ flüchtete er mit Tagesanbruch zu 
den BarfÜssem^ sein Helfershelfer zu den Antonitem; und so ent- 
kamen sie beide ^^'. 

« 

DasVerhältniss zu den Dienstboten war noch ein patriarchalisches 
und ungleich enger als in unseren Tagen. Sie nahmen an allen 
Freuden und Leiden Theil. Job Rohrbach legt der Köchin und der 
Hausmagd seinef Mutter die Loose. Er ist bemüht ^ in schwierigen 
Fällen und Verlegenheiten ihnen mit Rath und That zu helfen. Ihre 
Treue wurde durch L^ate belohnt. Um so schwerer wurde Untreue 
geahndet Die Köchin Karl Hjnsberg's wurde wegen Diebstahls auf 
den Katharinenthurm gebracht^ und weil sie nicht gestehen wollte^ 
dreimal an einem Tage mit einem Stricke in die Höhe gezogen und 
ihre Glieder auseinander gerenkt Selbst dem harten Sinne der Zeit 
muBBte diese Behandlung anstössig erscheinen. Auf die Fürbitte 
zweier Fürsten und dreier Fürstinnen, welche auf der Reise nach 
Aachen durch Frankfurt kamen, wird sie der Stadt verwiesen ^^^. 

Auch baulicher Veränderungen gedenkt Job in seinen Tage- 
büchern. Im Jahre 1494 wird der Befestignngsthurm bei der Mainzer- 
pforte bis zum Ge&ngnisB abgebrochen, neu aufgebaut und mit weisser 
Farbe angestrichen. Auf Peter und Paul im Jahre 1494 schlug der 
Blitz in den Bockenheimer Thurm, schädigte den Thürmer und 
dessen Frau und verbrannte das Gebäude; erst 1496 wurde er auf 
d^i alten Fundamente neu aufgeführt Im April 1495 wurde der 
Bosszoll auf dem Bossmarkt erbaut ; da Job die Lage des Hauses 
„uff dem Bossmarkt uff dem Hirczgraben" angiebt; so kann es noch 
mchi das spätre sein; welches auf dem Grund des heutigen Zeh- 



^ §. 146. Lersner a. a. 0. 687. 

107 §. 204. 

«« §. 147. vgl. §. 117. 



— 86 — 

mann'fichen HauBes neben St Maternns stand. 1496 errichtete der 
Bath die Meblwage auf der Eschenheimer Gasse nahe bei der Pforte 
und führte einen neuen Brunnen auf jener auf, wie es scheint, den 
ersten in dieser Gegend; er gab dazu nur eine Beisteuer, das übrige 
mussten die Nachbareh zahlen. Die interessanteste Mittheilung, die 
wir in diesem Funkte erhalten, ist offenbar die folgende.: „Anno 
1495 im Monat Junii oder kurz zuvor hat der Bath die Eürämen von 
der Weber* Kaufhaus an bis hervor an das Eck der Barfüsser lassen 
von neuem anfangen uffzuschlagen und dieselbige Gasse weiterge- 
macht und zugegeben, also dass sie von denselbigen Kramen um 
fünf Werkschuhe weiter ist, denn sie vor war und hat man zum 
ersten feil gehabt in denselbigeu' neuen Kramen in der Herbst- 
mess Anno 95^^ Wir ersehen daraus ganz bestimmt, wann und auf 
welchen Anlass der Name dieser Strasse entstanden ist. Da die öst- 
liche Seite derselben mit Häusern verbaut war, so haben wir diese 
offenbar beweglichen Kramen auf der Westseite längs der Kirchhof* 
mauer der Barfüsser zu suchen. Diese muss darum um ein bedeu- 
tendes hinter der Linie der Strasse, welche durch das Kaufhaus der 
Weber und die aa das Braunfels südlich sich anreihenden Häuser 
bezeichnet war, zurückgetreten sein. Die Kramen standen demnach 
an der Stelle der heutigen Börse *o*. 

Nach diesen Mittheilungen über die allgemeineii Lebensverhält- 
nisse der alten Beichsstadt und insbesondere über die Sitten und das 
Treiben der höherea Stände, stellen wir noch in der Kürze zusam- 

• men, was Job Eohrbach über sein eigenes Leben darin in der Hand- 
schrift niedergelegt hat. lieber den Gang seiner Bildui^ erfahren 

. wir leider gar nichts; nur dass er die ersten Elemente derselben in 
der Stiftsschule zu St. Bartholomäi empfangen habe, konnten wir ' 
aus einer kurzen Notiz seines Vaters Bernhard entnehmen. Dass er 
später eine Hochschule besucht habe, wird nicht gesagt \' vermuthen 
aber dürfen wir es aus einer Aufzeichnung, welche berichtet, dass 
sich Elgin Bohrbächerin die Ausbildung ihrer Söhne durch Schulen 
und Beisen nicht geringe Summen kosten liess. ,,Im Jahre 1495, 
sagt er nämlich ^^^y am 12. Tag des Monats August schenkte unsere 
Mutter nach dem Mittagsmahle meinem Bruder Bernhard und mir 
alle Kosten, welche wir in fremden Ländern und im Studiren ange- 
wandt hatten, und ebenso alle Bücher, und zwar mit dem Bedinge, 



109 Vrgl. Bauten und Häuser §. 156. 157. 154. 158. 156. 
"0 §. 22. 



- 87 - 

dass nach ihrem Tode, den Gottes Gnade noch lange fern halten 
möge, diese genannten Ausgaben und Bücher nicht mit in die Thei* 
iimg fallen, sondern vorweg abgezogen, und dann erst das übrige ' 
Vermögen zu gleichen Theilen vertheilt werden solle. Zu grösserer 
Gültigkeit hat sie diese Schenkung mit eigener Hand/ in das Rechen- 
buch unseres Vaters eingeschrieben.^' Diese Vermuthung wird noch 
durch eine andere Notiz bestätigt. £r bemerkt nämlich ^^\ bis zur 
Zeit der männlichen Reife und der Gegenwart ihrer abwesenden 
Söhne habe Elgin Rohrbach bei der von ihrem früh verstorbenen 
Gatten gestifteten Procession der Minoriten am Exandison^tage zwei 
Männer substituirt, welche dea das Sabrament tragenden Priester an 
ihrer Statt filhren sollten : demgemäss sei er zum erstenmale im 
Jahre .1494 in die Ausübung dieses Rechtes eingetreten ^ was uns 
wohl zu dem gesicherten Schlüsse berechtigt^ dass ihn bis 'dahin nicht 
bloss seine Jugend — er stand im Jahre 1494 im 2b. Lebensjahre — 
sondern auch seine Entfernung von der. Vaterstadt daran verhin- 
dert habe. Von jetzt an hat er hier seinen dauernden Aufenthalt 
und schwört am 4. Eebruar 1496 mit Gilbrecht Uolzhausen und Hans 
Frund den Bürger eid ^i^. Der lateinisjchen Sprache war Job voll- 
kommen ftiächtig; aber jenes verderbten Lateins^ wie wir es etwa in 
den epistolis obscurorum virorum nachgeahmt finden; von dem Wieder- 
erwachen der klassischen Studien giebt seine Schreibart kein Zeugniss. 
Er bildet die Casus der Wörter der zweiten Declination öfter nach der 
vierten; er gebraucht den Indicativ, wo der Conjunctiv stehen müsste; 
sein Satzbau entbehrt die gegliederte Periodenbildung, ist überhaupt 
mehr deutsch als römis^ch. Was er eigentlich studirt hat, wird nicht 
angedeutet: aus den Rechtsgeschäften, die er seiner Mutter besorgt, 
sollte man fast schliessen, dass es die Jurisprudenz gewesen wäre. 
In seinen früheren Aufzeichnungen deutet nichts auf die Bestimmung 
zum geistlichen Stande und Berufe: was er uns erzählt, spricht für 
das Gegen theil. Im Jahre. 1494 nach Ostern schenkt ihm Johann 
Kropp im Hause des Johann von Melem, wahrscheinlich bei einem 
fröhlichen Gelage, eine halbe Quart Malvasier mit dem Bedinge, dass 
er, sobald er sich verheirathe, eine ganze Quart dagegen 



1^1 §. 190 and 191. Man beachte die Ansdrficke: „post mortem patris us- 
qae ad tempns pubertatis nostrae et praesen'tiae mater nostra sabstitait 
dnos" etc. und „sed qnia post obitam patres omnes nos aetate ad eam rem 
minores eramus, ao etiam cum aetas nos ablitauit, absentes eramns 
ideoqne mater nostra semper dnos . . . nomine nostro elegit" etc. 

"» §. 12. 



— 88 — 

setze ^13. Am 19. September desselben Jahres erhält er von seiner 
Mutter einen Brusthamisch^ nebst einem Koller; eine Armbrust und 
eine Eisenbrust '^^ nebst einigen Pfeilen und einem Instrument, um 
die Armbrust zu spannen : wie Elgin Bobrbacherin überhaupt ihre 
Gaben stets mit einer gewissen Feierlichkeit vor Zeugen zu über- 
reichen pflegte, so geschah es auch hier in Gegenwart seiner Schwester 
Martha und Gilbert Holzhausen's ^^^. In demselben Jahre kaufte er 
sich einen eisernen Streitkolben, den er „Fusthanmier^ nennt und 
ein langes Messer mit Scheide ^^; 1495 wird er mit einem langen 
Degen beschenkt ^^^; 1496 mit einem zweischneidigen D^en von 
massiger Länge und einem weissen gewundenen Griff, einer Gabe 
des Kanonikus Ludwig Truchsess zu Mainz ^^^. Degen pflegten 
übrigens noch im sechzehnten Jahrhundert die Kleriker zu tragen ^^'. 
Mit besonderer Vorliebe verweilt er bei der Beschreibung von Klä- 
dungsstücken und deren Anschaffiong. Er erzählt uns, dass sein 
Grossvater Heinrich von Engel Fröschen am 14 Mai 1466 eineHom- 
fessel flir 145 Gulden gekauft und flir ihre Reparatur sieben Gulden 
gegeben, und dass dieselbe von seiner Mutter an seine Schwester 
Martha durch Schenkung übergegangen sei ^. Nach Faust von 
Afichaffenburg war dieser Schmuck, der mit einer Air jene Zeit so 
ungeheuren Summe bezahlt wurde, eine Borde von der Breite einer 
Hand, aus Sammt oder Guldenstücken gemacht, die an der einen 
Schulter befestigt, sich über die Brust bis unter den andern Arm 
hinschlang: sie war überdies mit Perlen und blumigen Federn, mit 
Silber und vergoldeten Schellen reichlich besetzt und ihr Schall wurde 
darum weithin vernommen; daher sagte ein noch im sechzehnten 
Jahrhundert gewöhnliches Sprüchwort: „Wo die Herren sein, da 
klingeln die Schellen^^ ^^K Auch Job liebte eine bunte Kleidung. Bald 



"3 §. 24. 

11* „Unter das Wams'S sagt Elüber a. a. 0. II. 105, legte man noch ein 
Bruststttck von Eisenblech, das statt eines Kttrasses diente, der den Körper 
undurchdringlich machte. Doch hält er es selbst für wahrscheinlicher , dass 
man dieses Bruststück zwischen das Wams und den PansKer gelegt habe. 
Wahrscheinlich ist dieses die Eisenbrust Job's gewesen. 

115 §.43. 

11« §. 49. 

1" §. 4. 

118 §. 54. 

119 Steitz: Gnipius Andronicus, Archiv für Frankfurts Geschichte und 
Kunst. Neue Folge, I, 195. 

im' §. 2. 

121 Römer: Wohlleben der Gesellsch. Limburg S. 26. 



— 89 — 

eracheint er in schwarz geerbtem barchenten Wams und rothen 
Hosen y bald in einem nenen leberfarben^i Mantel, mit einem neuen 
Gürtel umgürtet und „einem neuen welsch Säcklin^' behängt Eine 
besondere Mannigfaltigkeit muss er in seiner Kopfbedeckung gesucht 
haben, er erwl^t schwarze, reihe und blutrothe Hüte und Barrette 
in allen möglichen Farben, venetianische und andere. In jeder Messe 
kauft er mehrere beinerne Kämme, einmal werden ihm deren sechs 
zum Geschenk gemacht ^^. In der Fastenmess 1495 schenkt ihm 
seine Base Cliura ein mit Gold und einer goldenen wolkigen Schnur 
gesticktes Brusttuch, seine Base Margaretha ein anderes von gelbem 
Sammt>^^. Während alle diese Anschaffungen einen unverkennbaren 
Zug der Eitelkeit und Prachtliebe verrathen, macht es dagegen einen 
sehr naiven Eindruck, wenn er vom Jahre 1497 berichtet: „am 10. 
April hat mir min liebe Mutter an lassen schneiden zehn 
Ellen schwarz londisch Tuch, mit Namen fünf Ellen zu einem Bock 
und 4Vt Ellen zu einem Mantel und ein halb Elle zu einem Zipfel, uff 
das0, ob Jemands stürbe von unsem Versippten und Verwandten 
(davor Gott woU mit Seligkeit einen jeden lang gefristen), dass ich 
ftkrters nit dorf Kleider, als vor oft geschehen ist, eatlehnen^' ^^. Bis 
zum Jahre 1499 nimmt er an dem Treiben auf der Trinkstube un- 
befangen Antheil, schiesst er auf dem Schiessplatze und lebt, wie ein 
anderer junger Mann seines Standes. Als am 1. August 1496 Pfalz- 
graf Philipp mit sieben Söhnen, einer Tochter und der Tophter des 
Herzogs Georg von Bayern eine Zusammenkunfb im deutschen Herren- 
haus mit seiner Schwiegermutter, dem Herzog Johann von Sachsen, 
dessen Bruder, dem Bischof von Magdeburg, und einigen Fürstinnen 
veranstaltete, wobei mehrere Tage im deutschen Haus und hn Trier- 
schen Hof festlich geschmaust und getanzt wurde, hielt Job Bohr- 
bach mit drei andern Bürgern auf Befehl des Bathes eine Nacht 
und einen Tag auf dem jenseitigen Brückenthurm in Waffen die 
Ehrenwache ^'^ Unter seinen Anschaffungen werden Bücher selten 
erwähnt: im Jahre 1495 ein formulare advocatorum und ein Gebet- 
büchlein im kleinsten Format, zum Ersatz für ein anderes, das der 
Haushund „Fürst^^ zerrissen hatte ^^. Erst von dem Jahre 1497 an 
werden Wörterbücher, Predigten des Bruders Robert Charocholi über 



122 Vergl. Ansohafitingen und Geschenke Job Rohrbach's. §. 41 flg. 

«M §. 49. 

*>♦ §. 58. 

w §. 117. 118. 

"• §. 50. 



- 90 - 

die Sünäen und die Heiligen^ Schriften über die Deeretafien, Gebet- 
bücher und auch ein Mainzer Brevier aufgeführt <^. Von jetzt an 
gehen auch die hellen und bunten Farben seiner Kleidung immer 
mehr in das Dimkle und zuletzt in Schwarz über ^^. In dem lebens- 
frohen Job ist eine unverkennbare Schwenkung nach dem geistlichen 
Stande eingetreten. Diesen Wendepunkt scheint gleichfalls das 
Beichskammergericht in sein Leben gebracht zu haben. Einer der 
Procuratoren desselben^ Dr. Florentiüs von Veningen ; trat in sehr 
nahe Beziehungen zum Bohrbach'schen Hause ^^; an ihn schloss 
sich vorzugsweise Job an ; die religiöse Richtung des Mannes 
sei: eint schon dadurch angedeutet, dass Job auch ihm ein Exemplar 
der Sermonen des Robert Charocholi kauft ^^. Nach der Verl^ung 
des Gerichtshofes nach Worms begleiteten ihn am 30. Mai 1497 
Jakob NeuhauS; Bernhard und Job Rohrbach bis Höchst ^^^; aber 
schon am 19. Juni begiebt sich der letztere zu ihm nacli Worms ^' 
und scheint dort ununterbrochen bis zum 29. März des folgenden 
Jahres geblieben zu sein. Am zweiten Christtag tritt er mit ihm 
eine zwölftägige Reise nach Speier und Landau an, wo ihnen übendl 
von den Spitzen der geistlichen und weltlichenBehörden undAndem 
Gastmähler und Schmausereien veranstaltet wurden. Am Tage Jo- 
hannis des Evangelisten speisen sie mit dem ganzen Klerus der Ka- 
thedrale von Speier ; den ganzen Tag der unschuldigen Kindlein 
verbringen sie schmausend bei dem Bischof an dessen Hofe *^'. 
Wir werden wohl schwerlich irren^ wenn wir annehmen, dass dieser 
dreivierteljährige Aufenthalt in Worms dazu bestimmt war^ ihm die 
specielle Appretur zum geistlichen Stande zu geben. Ln April und 
Juni 1498 finden wir ihn öfter in Mainz, Worms und Köln : vielleicht 
suchte er irgend ein Pfründe*^. 

Bald darauf eröfinete sieb ihm eine solche am Bartholomäusstifte. 
Als am 19. August 1498 der Scholaster und Canonikus Johannes 
Sommer gestorben war, ernannte am folgenden Tage das Oapitel den 
Canonikus Eberhard Becker zum Scholaster und Job Rohrbach ein- 



'" §. 57. 60. 61. 
"8 §. 55 flg. 
«w §. 28. 29. 
»30 §. 57. 
«31 §. 58. 
13« §. 31. 
133 §. 33. 34. 
«♦ §. 85. 37. 



— 91 — 

gtiininig sum Gauozukufl. Nur der Decan Johannes Greifenstein war 
seiner Wahl entg^en. Als sich Job am 30. Augast im Chore im 
snperpellicium , dem weissen bis zu den Ejiieen herabreichenden 
Obergewand mit offenen Aermeln, das alle Kleriker tragen , präsen- 
tirte, und dem Decan seine Residenz insinuirte; damit er den Tag 
anmerke, antwortete dieser: Die Insinuation gelte, soweit sie kann 
(valeat; in quantum valere potest) ! um seinen Vorbehalt in Beziehung 
auf die Rechtsgiltigkeit der Wahl auszudrücken. Als demselben 
während der Vesper Johannes Ugelnheimer im Namen des neuen 
Canonikus 12 Albus für den üblichen Einstandswein (den vinum ad- 
missionis) überreichte, versagte er die Annahme : „gebt sie, wem ihr 
wollt; ich werde diesen nimmer fUr einen Canonikus halten/' Hier- 
auf insinuirte Job seine Residenz dem Scholaster und Cantor, die sie 
zu notiren versprachen. Trotzdem trug er bei der Procession nach 
der Michaelskapelle am 2. September das Bauchfass und hielt bei 
dem Amte die Patene. Am Micbaelstag erschien er in seinem 
eigenen superpellicium ; am 3. October erhielt er die niederen Weihen 
in der Kirche des Predigerordens ^^, Dies hielt ihn indessen nicht 
ab, mit anderen jungen Freunden am 29. October auf die. Hochzeit 
des Dr. Johann von Glauburg den Pfeifer zu bringen und dort zu 
'tanzen ^^. Fichard fand dies so auffallend, dass er in seiner Oe- 
schlechtergeschichte daraus schloss, Job^ könne damals noch nicht 
Canonikus gewesen sein; allein man darf das Leben des Mittelalters 
nicht nach unserem Maassstab beurtheilen. 

DieBesidenz, d. h, die Pflicht der Kleriker, sich an dem Orte ihres 
Amtes persönlich aufzuhalten, erstreckte sich damals meist nur auf die 
ersten sechs Monate ; erst das Concil zu Trient hat die gelockerten Bande 
der Ordnung wieder straffer angezogen ^^'. Sechs Monate nach 
seinem Eintritte am 15. März zeigte daher Job dem Kapitel an, dass 
seine Besidenzpflicht vollständig erfüllt sei und erbat sich nach dem 
Vorgange Andefer Dispensation. Da erhob sich der Decan und er- 
klärte: er wolle bei diesem Acte nicht zugegen sein, nicht aus Un- 
muth gegen den Petenten, der ihm darum nicht zürnen dürfe; er 
möge sein Verlangen von denen sich gewähren lassen, die ihn prä- 



«» §. 62. 

<36 §. 257. Fichard's Bemerkung beweist wiederain, dass er oBsere Hand- 
schrift nicht gekannt hat. 

is* Seas. XXIV de .reform. o. XII: Kein Kleriker, Canoniker oder Priben- 
dar soll Aber drei Monate von seiner Kirche entfomt sein. 



- 92 - 

sentirt hätten; er ftlr seine Person wolle iUr jetzt ihm mcht hinder- 
lich sein. Damit verliess er das Capitel. Die übrigen Capitularen 
und der Stadtpfarrer^ der bekannte Volksredner Dr« Conrad Hensel^ 
erklärten hierauf die Residenzpflicht ihres neuen Gollegen für voll- 
ständig erledigt und gaben ihm Freiheit, zugehen, wohin er wolle ^^. 
Wir ersehen daraus^ dass auch die Canoniker des Bartholomäusstiftes 
nach den Gewohnheiten desselben nur sechs Monate im Jahre verpflichtet 
waren, hier anwesend zu sein ; nach Ablauf dieser Zeit konnten sie 
ihren Aufenthalt wählen, wo sie wollten, und auch auswärts die Ein- 
künfte ihrer Präbende verzehren. Ordentlicher Weise sollten sie 
während dieser Zeit keinen Antheil an den täglichen Distributionen 
der Präsenzen haben Es war daher jedenfalls rechtswidrig, dass 
Cochläus, der nur zwei Jahre Decan am Liebfrauenstifte gewesen 
war, als ihm der Aufenthalt in der Stadt durch seine Angriffe gegen 
Luther verleidet wude, am 12. December 1522 mit Notar und Zeugen 
vor dem Capitel erschien und nicht nur den Fortbezug seines Decanatge- 
haltes und seiner Präbende als Canoniker, sondern auch der täglichen 
Distributionen verlangte, „damit er anderswo sicherer leben möcht^^ 
Das Capitel war vollkommen berechtigt, gegen diese Forderung zupro- 
testiren ^^'. Am 30. März 1499, am Samstag vor Ostern, erhielt Job die 
Subdiakonatsweihe in der Kathedrale zu Mainz und las in Gegenwart des * 
Erzbischofs Berthold die Epistel beim Hochamt ^^. Jetzt erst stimmte 
der Decan Greifenstein seiner Zulassung zum Capitel zu und instal- 
lirte ihn am 5. Mai ^*K Sein bisheriger Widerstand kann sich daher 
nur auf die herkömtnliche Anschauung gestützt haben, dass ein Laie 
nicht Mitglied des Capitels sein dürfe, und dass mindestens der Sub- 
diakonat Bedingung zur rechtsgiltigen Aufnahme in dasselbe sei ^^\ 
Die zwölf Canonikate des Bartholomäusstiftes waren nach den Namen 
der Apostel benannt; Job erhielt, wie er selbst sagt, den Canonikat 
des Johannes (es ist demnach ein Irrthum, wenn ihn Fichard 
Wetteravia 132, als Canonikus des Jakobus Zebedäi aufführt); am 
27. December 1499, dem Tag Johannes des Evangelisten, an welchem 



138 §. 63. 

139 M. S. Königstein aaf dem Stadtarchiv zu dem 12. Dec. 1522. In dem 
Auszüge der üffenbachischen Manuscripte auf der Stadtbibliothek p. 80. 

*♦« §. 64. 

!♦! §.66. 

1^2 Dies wurde auch durch das Tridentinam a. a. 0. best&tigt: Neminem 
etiam deinceps ad dignitatem, canonicatum ant portionem recipiant, nisi qni 
eo ordine saoro . . . sit initiatus, qaem illa dignitas, ant canoni- 
catuB ant portio requirit. 



— 93 — 

er vor dreiflsig Jahren geboren war, trug er zum ersten Male das 
Almosen vom Chore aus und erwies sich an diesem Tage als Cano- 
Ulkus dieses Apostels <^. Freilich verknüpfte sich damit nicht sofort 
der Entschluss, auch von nun an sich einer apostolischen Lebensweise 
zu befleissigen: er lässt sich noch im Jahre 1500 von Frauen Kränze 
aufsetzen, veranstaltet ihnen ein Abendessen und setzt den Kranz 
wieder einer anderen auf. 

So nahte fttr ihn die Zeit der letzten Weihen : am letzten Februar 
1501, am Sonntage Invocavit, sclienkte ihm nach dem Mittagsmahle 
seine Mutter von freien Stücken, ohne Jemands Angehen oder Drin- 
gen, mit berathem Muthe'^ein grosses Messbuch in rothem Leder ge- 
bunden und geschmückt mit Feldern, in welchen die Wappen seiner 
Abnen väterlicher Linie 'sich befanden, de&sgleichen dne Casula d.h. 
ein Messgewand von rothem geblümtem Sammt, eine Alba, Stola, 
Humerale, Manipulus und Cingulum (es sind dies die leinenen Ge- 
wänder, das Schweisstuch und der Gürtel, welche dem Priester unter 
Angabe der symbolischen Bedeutung bei der Weihe gereicht werden, 
und die er in der Messe trägt). Diese Schenkung geschah in Gegen- 
wart der Agnes, der Köchin des Hauses. Unmittelbar darauf filgte 
Elgin ein kleines, älteres Messbuch bei. Nach der Vesper setzte sie 
ihren älteren Sohn Bernhard von der Schenkung in Kenntniss und 
verehrte ihm, um ihn nicht zu verkürzen, zwei wahrscheinlich künst- 
lich gearbeitete Kasten. Am Abend fand ein Familienessen im Hause 
Bernhards statt, bei welchem die Mutter öffentlich ihre Schenkung 
bekräftigte *♦♦. 

Noch besitzt unsere StadtbibUothek das Missale, welches Elgin 
Rohrbach ihrem Sohne Job geschenkt hat. E^s ist schön auf Perga- 
ment geschrieben, hat gemalte Liitialen und 323 Blätter in Folio. 
Es befindet sich noch in der Mitte des hinteren Deckels ein Erzschild 
mit dem Itohrbachischen Wappen in Belief: zwei Hände, welche die 
Glieder einer Kette von beiden Seiten her umfasst halten. Vier 
Erzschilder in den Ecken tragen je zwei in der Diagonale von der 
rechten oberen nach der linken unteren Ecke das Bohrbachische, die 
beiden anderen das Werstadtische Wappen (im mittleren Querbalken 
drei Dreiecke, im oberen Felde zwei aufrecht stehende Linien, jede 
oben nach rechts, unten nach links mit einer kürzeren Linie im 
spitzen Winkel verbunden, dieselbe Figur einmal im unteren Felde). 



^ §. 66. 



- 9» — 

Auf der vorderen Decke sind die kleinen Eckschilder dieselben, da- 
gegen fehlt das grosse Mittelschild, welches wahrscheinlich das Wer- 
stadtische Wappen darstellte. Entweder hatte Heinrich Rohrbach 
der Aeltere, Bernhards Vater, der Gatte Gudegins von Wer- 
stadt, dasselbe abschreiben lassen, oder war es. eine Gabe seines 
kunstliebenden Schwiegervaters Ulrich von Werstadt, der es ftü* das 
junge Ehepaar bestimmt hatte. Am 14. März 1465 schenkte es 
Heinrich Rohrbach seinem damals neunzehn Jahre alten ältesten 
Sohne Bernhard vor zwei Zeugen. Die Schenkungsurkunde ist Blatt 
321 eingetragen und lautet also : 

„Ich Heinrich rorbach der elter, scheffen zu franckfurt, be- 
„kennen mit ^eser myner ejgen hantschri£Fl, daz ich dies 
„myn missale von eygem willen gegeben han mym sone 
,)bemhart rorbach, vnd han zu gezugenys gebetten die ersa- 
^men hern niclas maselhart,. vicarium zu sant bartholomens, 
„vnd petrum storczisen, bacularium, myn scbriber, daz sie 
„hervnder auch in hantschrifl; geschriben han anno domini 
„1465 ady *^ 14 marcij." 

„Et ego nicolaus maselhart de omstat, vicarius ecclesie 
sancti Bartholomei protestor propria manu ex expeticione 
Domicellimei^^, heinrici Rorbachs senioris,scabini francken- 
fordensis, superioribus scriptis sie peractis pro vero interfuisse 
teslimonio . 

„Et ego petrus storczisen superdictus similiter protestor 
manu propria me expeticione domicelli mei henrici Ror* 
bachs senioris et scabini franckfurdensis superioribus scriptis 
sie peractis pro vero interfiiisse testimonio.^ 
Folio 113 b ist das Rohrbachische und Holzhausen'sche Wappen ein- 
gemalt, was erst nach dieser Schenkung, nachdem Bernhard im Sep- 



145 Ady hier n. Bernh. Familienchronik §. 88. 90. 92 ebenso in Bernhards 
it&liänischer Notiz bei Job §« 7. ist aus dem Italiänischen : a' di oder addi = in 
Storno entlehnt und dient zur Bezeichnuag desMonatsdatums: amTagedeBa.8.w. 

1^6 Schwieriger is^ hier der Gebrauch von domicellns za erklären, weil da- 
durch der ältere Heinrich Rohrbach nicht als Rathsglied der 2. Bank bezeichnet 
sein kann, denn er war bereits Schöffe; noch als junger Mann von vornehmer 
Geburt (entsprechend dem dentschen Junker), denn er war bereits 55 Jahre 
alt. Wahrscheinlich bedeutet es hier nur den angesehenen einflossreichenMaDn 
überhaupt und in der Verbindung domioellus mens speciell den Gönner. Auf 
solche Bezeichnungen zumeist hat Fichard seine hochgespannte Anschauung von 
der Abkunft und dem Range der Limburger im Mittelalter basirt, und doch ist 
domioellus ein so weitschichtiges und vieldeutiges Wort, dass es sogar den Be- 
griff eines vornehmeren Dieners ausdrücken kann. Vergl. Du Gange s. v. 



— 95 — 

temW 1466 Beine Ehe mit El^n Holzhausen vollzogen hatte, ge- 
schehen sein kann. 

Wir kehren zu Job zurück und begleiten ihn weiter auf seiner 
priesterlichen Laufbahn. Am 6. März 1601, am Samstag nach Ascher- 
mittwoch, wurde er in. der Carmeliterkirche zu Mainz zum .Dia- 
konus geweiht, las darauf das Evangelium undministrirte dem Weih- 
bischofe beim Hochamte ^^^. Da er am 6. Juni desselben Jahres, am 
Dreifaltigkeitsfeste in der Bartholomäuskirche seine erste Messe 
(Primiz) sang, so muss er vorher auch die Priesterweihe eihpfangen 
haben, deren Ertheilung er nicht angemerkt hat ^^. 

Wir lesen von vielen hiesigen Patriciersöhnen, dass sie Canoni- 
kate, Cantorien, Scholasterien und Decanate ^^' an den hiesigen Stif- 
tern erlangten ; nicht selten beklddeten sie mehrere dieser Aemter 
gleichzeitig an zwei hiesigen Stiften, oder hier und in Mainz« So 
wurde Johann vom Rhein im Jahre 1499 Decan von St. Leonhard 
und hielt am. 13. October seine Primiz an dieser Stiftskirche, zu der 
auch Job eingeladen war '^; da Primiz stets die erste Messe bezeich- 
net, so ersehen wir, dass er die Priesterweihe sich erst nach seiner 
Wahl zum Decan geben Hess, wesshalb auch sein Name in dem 
grossen Verzeichnisse von Ganonikern zu St Leonhaid bei Lersner 
(II, U, 185) vor dem Jahre 1499 nicht vorkommt. Mit seinem De- 
canate verbindet er in den Jahren 1503 bis 1509 ein Canonikat an 
dem Bartholomäusstifte. So lesen wir von Nikiaus Bücker, dass er 
nicht nur im Jahre 1512^ Canonikus am hiesigen Bartholomäusstifte 
geworden, sondern gleichzeitig Decan des Stiftes der heiligen Petrus 
und Alexander zu Aschafienburg gewesen ist, und doch war er nicht 
einmal Priester, denn im Jahre 1514 resignirte er zu Gunsten seines 
Bruders Philipp ]und entsagte noch vor der Priesterweihe dem geist- 
lichen Stande. Umgekehrt ixat Jobann von Rllckingen erst als Witt- 
wer in den geistlichen <Stand und erhielt 1503 den ceremoniellen 



1« §.67. 

1« §. 69. 

1^' Den hiesigen Stiftern stand der Probst za St. Bartholom&i vor, der als 
Archidiaconns des Niedgans, zu welchem Fraskfurt gehörte, seine Residenz zn 
Mains liatte. Unmittelbar warde jedes Stift durch seihen Decan geleitet ; unter 
diesen standen zunächst der Soholaster oder Scholasticus , dem die Pflege 
der kirchlichen Wissenschaft, und der Gantor, dem die des kirchlichen Qe- 
sanges oblag. Diese vier waren die Prälaten des Stiftes , das zwölf Canoniker 
und eine grosse Anzahl von Vicaren hatte. Ueber andere Aemter vergl. man 
Helfenstein, Entwicklung des Schulwesens io Frankfurt. 

iw §.208. 



- 96 - 

Besitz derCantone zu St Bartholomäi ^*^. Diese Züge denten darauf 
hiu; dass die geistlichen Pfründen von hiesigen Patriciem als Sine- 
kuren betrachtet wurden^ in deren Besitze wohl die Meisten^ wie es 
Job Bohrbach that^ das heitere genussreiche Leben ihrer Standesge- 
nossen in allen Züchten fortsetzten ^ die Trinkstuben besuchten und 
mit den Frauen ehrbaren Scherz und Kurzweil trieben. Trotzdem 
war Job gewiss im Sinne seiner Zeit ein guter katholischer Christ; 
führte mit andächtiger Devotion den das Sacrament tragenden Priester 
am Exaudisonntage und besuchte mit seiner Mutter das heilige Kreuz 
vor den Mauern von Mainz^ um ihm seine Verehrung zu erweisen ***. 
Wir wenden uns zu den übrigen Gliedern deö Geschlechtes. 
Noch Mancher derselben ward in den Bath gewählt und hat 
dem Gemeinwesen nach dem Vorbilde der Vorfahren gedient. £s 
war zunächst Karl Hjnsberg vorbehalten ^ den Glanz dieser 
Stellung und ihres Einflusses über die Familie seiner Frau 
zu verbreiten. Schon vor seiaer Verehelichung mit Martha Bohr- 
bach war er 1487 Bathsglied und 1492 Schöffe geworden. 
Am ersten Mai 1498 wurde er als solcher zum älteren ^ Michael 
Schwarzenberger als domicellus zum jüngeren Bürgermeister gewählt. 
Sein Amtsjahr ist durch ein für Frankfurt sehr wichtiges und ein- 
greifendes Ereigniss merkwürdig geworden, ab dessen Urheber die 
öffentliche Meinung ihn damals bezeichnete. Da Job aus nahe lie- 
genden Gründen darüber schweigt, so müssen wir unsere Naclirich- 
ten aus einer anderen Quelle, dem mehrfach erwähnten Scburgischen 
* Manuscrij>te, schöpfen. Die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts ist 
unheilvoll für die Juden in Deutschland gewesen ; nicht bloss der 
Clerus und das Volk, sondern zum Theil auch die Magistrate und die 
Fürsten nahmen wider sie Farthei und vereinigten sich zu ihrer 
Unterdrückung : fanatische Frediger wie der bekannte Minoritenpater 
Johannes von Capistrano gössen das.Oel ihrer wilden Beredsamkeit 
in diese Flammen. In Breslau wurden die Juden 1453 eingekerkert, 
gefoltert, ihrer Güter beraubt und nach blutigen Hinrichtungen Ein- 
zelner in Masse der Stadt verwiesen, weil man sie beschuldigte, ge- 
stohlene Hostien gekauft und an ihnen durch Stiche und Buthen- 
streiche ihren Hass gegen Christum gekühlt zu haben, andere schle- 
sische Städte folgten diesem Vorgange, dem König Ladialaus selbst 



151 Fichard Wetteravia S. Id4. 110. Philipp Hell gen. Pfeffer, der Sohn des 
Mainzer Kanzlers vereinigte in sich die Stellen eines Canonüraszu SlBartholo- 
mfiuB und eines Präbendarins zu Aschaffenborg §. 206 iu 207. 

IM §. 30. 



— 97 — 

i 

seine Billigung schenkte^ 1453 setzte ihnen Bischof Gottfried von 
Wtirzburg Frist^ binnen deren sie sein Stift geräumt haben müssten: 
1484 vertrieb Hans von Glogau die Juden seiner Stadt^ weil er in 
ihnen „einen Schaden des gemeinen Nutz^iB und ein Verderbniss 
armer Leute" erblickte.*'^. Dieses Beispiel ging für Nürnberg nicht 
verloren. Auf Ansuchen des Bathes gebot am 5. Juli 1498 König 
Maximilian I. den dortigen Juden' auf Zeit und Ziel; die ihnen der 
Rath setzen: werdC; mit ihrer fahrenden Habe aus der Stadt zu ziehen; 
dem Schultheise aber befahl er Häuser ^ Synagoge und liegende 
Ghlter der Juden ^ so wie ihren Leichenhof; als königliche Güter in 
seinem Namen einzuziehen. Motivirt wird diese Massregel in einem 
Schreiben an denBath damit; „weil die Judenschaft über die Anzahl; auf 
welche die Stadt gefreit worden sei, sich bedeutend vermehrt, weil die 
Bürger durch deren wucherliche Händel und betrügliche Verschreibun- 
gen in Schulden gerathen seien; und wenn hierin keine Aenderung 
eintrete; noch mehr herabkommen würden; endlich weil mehrere 
Personen in ihrer Bosheit von den Juden bestärkt und dadurch Dieb- 
stahle und andere böse Händel veranlasst worden seien" ^**. Mögen 
auch die Juden allerdings durch ungeheure Wucherzinsen eine Plage 
für den bedrängten Büj;ger geworden sein und augenblickliche Ver- 
legenheiten nur allzuoft zu seinem völligen Ruin benützt haben — 
mit ihrer Austreibung musste sich zugleich ein Quell rascher Hülf- 
leistung verschliesseu; der sonst offen stand. Um dahier dem armen 
Handwerksmann die Möglichkeit zu sichern; gegen billigen Zins auf 
Pfand; Bürgschaft und Versicherung jeder Zeit Darlehen zu erhalten; 
privilegirte Maximilian die Stadt Nürnberg zur Errichtung von 
Wechselbänken ^^^, In demselben Jahre erfolgte die Austreibung aus 
der Reichsstadt Nördlingen. Als Thatsache wird nun berichtet; dass 
die Reicheren dieser aus Nürnberg Vertriebenen sich 1498 nach Frank- 
furt wandten; dass sogar die grosse Synagoge ftlr Deutschland; deren 
Sitz irüher Nürnberg war, hierher verlegt und dass die Zahl der 
Juden in hiesiger Stadt gegen früher ungemein vermehrt wurda Der 
Glerus und die Bürger aber; welche diesen Zuwachs bei der vorhan- 
denen Abneigung nur mit Missgunst wahrnahmen; wollten sogar 



»3 VergL die interessante Schrift: Schlesische Urkanden zur Gesehichte 
der Jaden im Mittelalter von Dr. L. Oelsner. Wien 1864. S.^dö flg. In Be- 
treff Wttrzburgs auch Wiener, Keßesten zur Gresohichte der Jaden in Deatschl. 
während des Mittelalters. 1862* g. 201* 
' IM Wiener a. a. 0. S. 208. 

i's Wiener ebendas. Oelsner S. 9. 

7 



— 98 — 

wiBseii; dasB aDgesehene Senatsglieder nach ihnen Boten gesandt und 
sie förmlich zur Uebersiedlung nach Frankfurt aufgefordert, ja man 
bezichtigte geradezu den jungten Bürgermeister Karl Hynsberg, dass 
er unter Begünstigung und Beistand von Seiten des Hans vom B<heine^ 
eines der ältesten Schöffen, dies heimlich in das Werk gesetzt habe. 
Diese Anklagen des Volksmundes müssen doch mehr als blosses 
Gerücht gewesen sein: wenigstens trat der Stadtpfarrer Dr. Conrad 
Hensel öffentlich gegen die beiden Schöffen auf und strafte sie von 
der Kanzel mit eisier donnernden Philippica; er wurde deshalb von 
ihnen bei dem Kapitel belangt, wahrscheinlich ohne Erfolg ^^. 



<56 M. S. Schurg p. 233 seq.: „Anno 1498 favore et licentia Maximiliani 
regia RomanoruiQ Norimbergenses expulerunt Judaeos, ex his ditiores Jadaei, 
ibidem expulsi, venerant Francofartum et Francofurti facta est depost maior 
Synagoga in tota Alemannia, quae prins fdit Norimbergae. Ck)llegenint sie 
Francofiirtum plures Judaeos, quam pHns habaerant, dicebatur, quod maiores 
ex senatu Francofurtensi miaissent nundios ad Judaeos expulsos veniendi ad se. 
Nota: Consales tum temporis Francofurti fuernnt GaroluB Hinßbergk et Michael 
Schwartzenbcrger. Dicebatur, quod dictus Carolus Hinßbergk hoc eubordi- 
naverit cum favore et adiutorio D. Joannis vom Rhein senioris, Scabini. Nota 
bene: Plebanus dominus doctor Conrad Hensel concionatns fnit publice contra 
praedictos duoe, videlicet Joannem. vom Rhein et Carolnm, qnare oonquereban- 
tur coram Capitulo. Eodem anno ex civitate Nortlingensi expulsi sunt** Es 
ist demnach unrichtig, wenn Kirchner I, 453 meint, neben Karl von Hinsberg 
sei der älteste Schöffe Schwarzenberger Urheber des Planes gewesen. Michael 
Schwarzenberger war damals flberdies nicht Schöffe, sondern domioellns , sonst 
h&tte er nicht jüngerer Btlrgermeister sein k6nnen. üeber Conrad Heasel's 
Tod hat das M. S. Schurg S. 198 die Notiz : „Anno 1505 quarta ante domioicam 
Palmarum vitam cum morte commutavit dominus Conradus Hensel de Cassel in 
Hassia, sacrae Theologiae Doctor et parochus ecclesiae S. Bartfaolomael." 
Lersner sagt von ihm II, A. 205: „Da er verlangte, man sollte ihm alle Glocken 
läuten, giebt er gegen Abend unter dem Läuten seinen Geist auf; er ist ein 
rechter Prophet seines Vaterlandes gewesen und hat viele bevorstehende Ge- 
fahren geweissagt, mit ihm sind alle Ztlnfte zur Leiche gegangen, so sonsten 
niemals geschehen." Se^ dem Anfange des vorigen Jahrhunderts ist Conrad 
Hensel unter die Vorläufer der Reformation gerechnet -worden. Namentlich 
Veiss es der Pfarrer Dieffenbach dahier in seinem „bekehrten Juden*' S. 117. Anm. 
zu rühmen, er habe mit seinen christeifrigen Predigten die Gemüther in Frank- 
furt zur nachmaligen willigen Aufnahme des Evangeliums disponirt und er- 
bietet sich dafür den urkundlichen Beweis beizubringen. Diese Urkunden sind 
ohne Zweifel die Au&eichnungen des Decan zu St. Bartholomaei Job. Latomus, 
welcher selbst von glaubwürdigen Leuten gehört haben will, Conrad Hensel 
habe viel Widriges, was hiesiger Stadt und der Pfaffheit begegnen würde, 
vorausgesagt. In welchem Sinne er dies gethan, ersieht man ans den Aeusse- 
ruogen, die ihm Latomus in den Mund legt : „von dem Stuhle, auf welchem ich 
jetzt stehe, werden Ketzer predigen, hier, hier werden sie stehen in grauen 
Röcken, glaubet ihnen nicht!" (vergl. Ritter ev. Denkmal p. 14). Abge- 



— 99 — 

Nach Ablauf seinee Amtsjahres unternahm Karl Hynsberg in 
städtischen Geschäften am 3. Mai 1499 eine Beise nach der schwä- 
bischen Rdchsstadt Ueberlingen am Bodensee. Mehrere seiner Ver- 
wandten und Freunde^ unter ihnen Job; gaben ihm zu Pferde das 
Geleite bis ssum Hirschsprung. Pie Fri^ueU; nämlich seine Mutter 
und seine Gattin ; Elgin Eohrbach und Michael Schwärzenberger's 
Ehefrau geleiteten ihn im Wagen **^. UebeAaupt bildete der Hirsch- 
sprung/ der im Walde durch zwei Steinsäulen bezeichnet war^ die 
Grenze ; bis zu welcher man die nach Süden Beisenden geleitete: 
hier hatten auch drei Jahre früher Karl Hynsberg^ Gilbrecht. Holz- 
haiiseh und Job von Bernhard Bohrbach . :als dieser seine zweite 
Bomfahrt antrat^ Abschied genommen ^^. 

Im folgenden Jahre wurde Karl Hynsberg durch den am 16. 
December 1500 erfolgten Tod seiner Mutter Guttgin Heringen Erbe 
des Ftirstenecks und wurde nun nach der Sitte der Zeit j^Karl Hyns- 
berg zum Fürsteneck^ genannt. Charakteristisch ist^ dass Job be-. 
merkt; sie habe zwei Söhne Wigand und Karl hinterlassen ^^, während 
er doch selbst ^^ noch einen dritten Sohn Johann aufftOirt^ der nach 
Fichard erst 1504 gestorben ist Der Grand liegt darin^ dass dieser in 
Wahnsinn verfallen war. Job erzählt***: „Im Jahre 1497 am 5. März, 
dem Sonntag Lätare erhielt Johann Hynsberg nach einem Zank und 
Ungebührlichkeiten/ die er im Hause sich erlaubt hatte, zu Hause 
mit vollem Bechte Ohrfeigen, hierauf wurdfe er nach der Vesper auf 
dem Markt vor dem Bömer ergriffen und öffentlich durch die Diener 
des Bathes in dfts G^efängniss zum heiligen Geistfhospitale] gebracht. 
Am sechsten Mai desselben Jahres wurde er aus demGef^gniss be- 
freit und entlassen^ Hierauf wird er im Januar des folgenden Jahres 
wieder im Geflüigniss eingesperrt, worin er noch jetzt sitzt^^ Diese 



sehen davon, dass Jo&.LatomTiB, der von 1661 hier Costos, von 1661-^98 Deohant 
war, doch den Ereignissen zu ferne stand, als dsas er aus mfindlicher Ueber-, 
Ueferang mehr als Sagen beriehten konnte, so beweist auch das, was er mit- 
theilt, mehr gegen, als für den reformatorischen Sinn Conrad Hensel's, und be- 
zengt, dass er die grosse kirchliche Umwälzung des XVI. Jahrhand erts, wenn 
er «ie erlebt hätte, mehr ftlr ein Unheil, als für ein Glflck, gehalten haben 
würde. 

«» §,84. 
IM §. 8. 
«» §. 86. 
IM §.80. 
«i §. 85. 

7* 



— 100 — 

Darstellung macht den Eindruck, als ob der Wahnsinnsanfall am 
5. März 1497 der erste gewesen sei ; es scheint daher auf einem Irr- 
thum zu beruhen, wenn Fichard in der Geschlechtergeschichte *** dieses 
Ereigniss schon in den Anfang der 80er Jahre und die Erledigung 
Johann Hjnsberg's aus dem Kerker in das Jahr 1488 verlegt. Mit 
Jobs Bericht stimmt auch, dass nach Fichard 1498 Guttgin Hynsberg 
ihren geisteskranken Sohn in das Hospital zum heiligen Geist ein- 
kaufte und dass ihm Vormünder gesetzt wurden. Er war nun für 
die Welt und seine xFamilie bereits lebend abgestorben. 

Im Jahre 1501 am 14. Januar Abends nach vier Uhr gab Job 
Bohrbach seinen älteren Bruder Bernhard (dieser war damals vier- 
unddreissig Jahre alt) und Ursula, die Tochter Johannes von Moln- 
heim oder Melem, die nachgelassene Wittwe Walther Sehwarzen- 
berg's, im Hause der Braut, es hiess Eisfeld (Bucbgasse J.204)^ und 
im Kreise der beiderseitigen Verwandten ehelich zusanunen. An 
demselben Tage waren die Urkunden der Ausstattung, die instru- 
menta dotalia, besiegelt worden. Am 6. Februar fand die kirchliche 
Bestätigung der Ehe, am 10. Februar das Beilager, am 11. die Hoch- 
zeit statt. Sein Bruder Conrad weilte noch seit der Bückkehr aus 
Italien in den Niederlanden, in Antwerpen ^**. 

# 

Es war der letzte Freudenschimmer, der um diese Zeit über dem 
Wixhauser Hofe aufging. Am 19. December, am vierten Advents- 
sonntage des Jahres 1500 verschied Elgin Bohrbächerin mit dem 
letzten Glockenschlag der Mitternacht ^^. Job fühlte sich von der 
Krankheit seiner ^einzigen und gütigsten Mutter^^ so tief erschüttert, 
dass er bald darauf einen stechenden Schmerz in der linken Seite 
empfand. Der Sitte der Zeit gemäss suchte er sich durch einen 
Aderlass am Fusse zwischen der grossen und zweiten Zehe zu helfen; 
er nennt es seine erste Blutentziehung; ein Glauburger fügt 1636 
hinzu : „es war auch die letzte, wie ja bei der Aenderung der Natur 
in dem fortgeschrittenen Alter Jeden grosse Gefahren zu. umschweben 
pflegen; dieser Job starb am 15. Mai 1502" ***. Er stand im drei- 
unddreissigsten Jahre und war nur ein Jahr Priester gewesen. 
Lersner bemerkt *** : „1504 (1. 1602) stiftet Job Rohrbach in das St. 
Bartholomäislift einen ganzen Ornat uff den hohen Altar ^ ist ein 



*«» Familie Hynsberg. 

^«3 §. 10. 

!«♦ §. 70. 
'«* §. 71. 
tf« II, 202 flg. 



— toi — 

gülden Stück in grün mit seiner Zugehör und einen Bartholomäum 
mit Ferien künstlich gestickt^ item noch einen ganzen Ornat zu dem 
hohen Altar^ ist auch ein gülden Stück in weiss mit allem Zugehör; 
item ein roth und ein schwarz sammet Messgewand; item ein Mess- 
buch, beschlagen und inwendig figuriret mitKohrbach's Wappen^ item 
einen Kelch^ wieget zwei Mark Silber und 12^/s Loth^ verguldet, item 
zwei silberne Messkannen; wiegen zwei Mark 2V2 Loth^'^ und noqh 
andere Sachen mehr. Nach Fichard vermachte er dem Stifte ausser- 
dem 500; seiner Magd Agnes 100; seinem Knechte Martin 40 Guldeu; 
seinen Brüdern Bernhard und Conrad das HauS; ,,da er; Job; inne 
gesessen; der Wixkauser Hof genannt^^ Seine Schwester Martha be- 
dachte er nach Fichard nur mit einem überguldeten Kopf (Kelch). 
Im Jahr 1504 reyersirte sich das Stift über den Empfang sämmtUcher 
Vermächtnisse. . Conrad; sein jüngster Bruder; scheint schwächlich 
gewesen zu seiu; da er schon im Jahre 1502; in seinem einundzwan- 
zigsten JahrO; seine letztwillige Verfügung traf; er starb 1510 unver- 
heirathet. In seinem Testamente wird die Schwester Afra im Weid«- 
finauenkloster zum letzten Male erwähnt Karl Hynsberg war dreimal 
y^heirathet gewesen; in erster Ehe 1485 mit Elgin Weiss von Lim- 
burg; in zweiter 1490 mit Agnes NeuhanS; in dritter 1495 mit Martha 
Rohrbach ; nur die erste Ehe war kinderlos ; aus der zweiten stammte 
Ulrich; der Stammhalter des Geschlechts und eine Tochter Margaretha. 
Martha Bohrbach starb 1514; von ihren fünf Kindern überlebte sie 
nur Ortwiu; d^ Geistlicher wurde (was ich zur Berichtigung einer 
ungenauen Angabe im Archive unseres Vereins; Neue Folge U. 415 
bemerke). Bernhard folgte seiner Schwester Martha schon im fol- 
genden Jahre am 21. November ; er erreichte unter seinen ftämmt- 
lichen Geschwistern allein das Alter von 48 Jahren. Auch pflanzte 
er allein mit seiner Gattin Ursula Melem das Bohrbach'sche Geschlecht 
fort Er war 1510 in den Bath gekommen und 1511 Schöffe ge- 
worden. Seine Gemahlin überlebte lihn um mehrere Jahre. Beach- 
tenswerth ist ihr am 22. März 1524 errichtetes Testament; weil es 
durch die darin angeordnete Stiftung von Seelenmessen noch den 
gut katholischen Glauben in der ^sten Sturm- und Drangperiode der 
reformatorischen Bewegung verräth. 

So harmlos lebte man noch unter den grossen Erschütterungen 
der Zeit dahin und so fest schien; bei aller TheilnahmO; die man ihnen 
widmete; das Alte begründet; dass man den grossen Umschwung 
nicht ahnetO; den schon die nächsten Jahre in alle bestehenden Ver- 
hältnisse bringen sollten. Und doch haben wir unS; wie schon ange- 
deutet wurde ; mit dieser Darstellung in einem Kreise bewegt; aus 



- 102 — 

welchem die Beformation in Frankfbrt herrorgegangen ist; jene 
heitere; gesellige Katharina Holzhausen zum Spangenberg war es^ 
die am 14. April 1521 den kühnen Mönch auf seiner Reise nach 
Worms mit zrwei Maas Malvasier erquickt und ihm die Hände ge- 
küBst hat; die sich erinnerte, von ihren Eltern vernommen zu haben^ 
es werde Einer erstehen , der den Immunitäten des Papstes wider- 
sprechen werde ; und deren heisser Wunsch es war^ Bruder Martin 
möge der Geweissagte sein ; Haman Holzhausen ist der thätigste Be- 
förderer der Beformation geworden und auch die jüngeren Rohrbache 
wandten sich später dem neuen Glauben zu. Wie HoUea wir es be- 
greifen, dass keine Aeusserung Jobs uns etwas errathen lässt, was 
dieser reformatorischen Stimmung günstig erscheint und für sie 
Zeugniss giebt? Ich glaube, man geht zu weit, wenn man schon damals 
eine bestimmte Form positiver evangelischer Ueberzeugung 
bei diesen Personen und in ihren Kreisen voraussetzt. Alle waren 
gut katholisch gesinnt und überzeugt; aber daraus folgt nicht, dass 
man auch mit den Ansprüchen der Hierarchie und des Clerus sich 
einverstanden fühlte : je mehr man sich in frommer Unbefangenheit 
mit den Lehren und Uebungen der Kirche einig wusste, weil man 
überhaupt über sie nicht grübelte, um so drückender konnte man 
jene Anmassungen empfinden, um so entschiedener ihnen entgegen- 
treten, um so zuversichtlicher auf eine Reformation der Earche an 
Haupt und Gliedern nach dieser Seite hin, der praktischen, hoffen. 
Dass dies die Stimmung jener Ej*ei8e war, ersehen wir schon daraus, 
dass ein Glied desselben, nämlich Gilbrecht Holzhausen zum G^ld- 
stein im Schurgischen Manuscripte den Namen osor Cleri führt Der- 
selbe Name wird früher dem am 22. Mai 1499 verstorbenen Henn 
oder Johann Glauburg beigelegt ^^, Ohne Zweifel werden Karl 
Hynsberg und Johann vom Rheine, die Begünstiger der Juden, die 
von Conrad Hensel als solche öffentlich Bekämpften und seine An- 
kläger vor dem Capitel, nebst manchem Andern ^^ unter dieselbe 



16T s. 199. Anno 1499 die 22 Maji [vergl. Jobs Chronik §. 259] obüt Benno 
de Glauburgk, scabinus Francofordiensis, osor Cleri. 

168 Unter die Feinde des Clerus wird auch Clas RÜckingen, der Vater 
Lisa's Rückingen, der hospita Melanchthon'fi, gehört haben. In der Urkunde 
Nro. 504 des Leonhardsarohiv klagt am Dienstag nach Kiliani (am 10. Juli) 
1509 der Scholaster zu St Leonhard, l^ioolaus Kuhn, „wie das sich begeben 
hatte, das nechten" [gestern] »,zu obents nach dem salve zwischen sieben u. 
achten ich stunde uff dem Meyne by dem erwirdigen herm Friederich zum 
Wedel, euers rata genossen und elter meister", [Friedrich von Altzey, Licentiat, 
1490 Rftthsgeselle u. Schöffe vom 1. Mai 1506 bis 1509 älterer BfirgermeisterJ 



- 108 — 

Kategorie gestellt worden sein. So dtkrfike sich erklären, dasB Katha- 
rina Hokshansen zum Spangenberg die rakünftige Beformation von 
dem kühnen Protest Lnther's gegen die Immunit&ten des 
Papstes erwartet 

Noch einmal wendet sich unsere Darstellung zu dem Bohrbach'- 
sehen Geschlechte. Bernhard hinterliess zwei Söhne. Johann Wolf 
geb. 1506, und Friedrich geb. 1608. Bei dem älteren fällt uns der 
doppelte Vorname auf, das erste Beispiel in der Geschlechtergeschichte 
Frankfurts. Er bewarb sich um Anna Knoblauch und seine Mutter 
Ursula, welche diese Parthie begünstigte, hatte als Brautwerber Phi- 
lipp Fttrstenberg ersehen. Aber es «sollte hier das alte Sprfichwort 
wahr werden : ,,Wer das Glttck hat, fiihrt die Braut heim^^ Johann 
Wolf musste hinter einem begünstigten Nebenbuhler Dr. Johann 
Glauburger zurücktreten, dessen Bewerbung Selbst Philipp Fürsten- 
berg im Stillen wärmer unterstützt zu haben scheint ^^*. Er wusste 
sich für diese Zurückw^sung dadurch zu entschädigen, dass er noch in 
demselben Jahre 1526 seine Hand der Margaretha Beyss reichte. 
Das eheliche QliXck bcdder war von kurzer Dauer. Am 27. JuUfiihr 
der junge Ehemann mit seinem Schwiegervater und Schwager auf dem 
Frühschiff nach Mainz, fiel aus Ungeschick oder, wie Königstein anzu- 
deuten scheint, durch allzartes Sdiicklichkeitsgefiihl bei Kostheim in den 
Main und ertrank ^''^. Sein Bruder Friedrich heirathete 1528 Katharine 
Knoblauch, und nach deren Tod 1543 Stephanie Hyn^berg. & kam 
1535 in den Bath , bekleidete 1539 das jüngere Bürgermeisteramt, 







,,hart nff dem nfer oder staden" [Gestade] „ist b^men hintervertig Clans RQckin. 
gen ratsman, als ob er nicht by sinnen gewest, mich mit sampt herr Friedrichen 
gewaitiglioh in den Main stossen woUen a. anch bynahe geseheben, gliobsam 
wir fibeltheter weren, die das aUo yerschuldet hetten, onaogesehen priester* 
lieber wirde und fryheit, auch stand u. ere des frommen erbaren man's Fried- 
rich's zum Wedel; darnach mit wehrhaftiger band sin degen gefasst, mit viel 
bösen mnotwilligen vorwenden, nntuglichen scheltworten fibergeben [verrSthe- 
risch angegriffen] nnd angefallen.'* Er sagt später auch, Glas habe „geschlagen 
in einer fry Stadt und am Strom des wassers fryheit gebrochen". 

169 Ficbard's Archiv II. 126. Die Angabe Margaretha Horngin's, dass er 
damals ^i^it mehr denn 19 iar alt^^ gewesen sei, beruht demnach auf Unkunde* 
Er stand im 22. Lebensjahre. 

170 Königstein: „Anno 1527 den 27 Jnlij, im frweschiff ist Johan wolf« genant 
Rorbar, im abefaren vfFdas schiff gestigen, sein nottorft zu thnn, vndvß schick- 
lichheit in den Meyn nit weit von Gostem gestörzt vnd also ertrunken , got 
wolle der sei g. vnd barmhertzig sein etc. Sein swiger vnd swager vnder 
ander Erbar iewde sein auch im schiff gewest, aber nlmand hat kunnen 
beHFen. 



— 10* — 

wurde 1542 Schöff und starb am 4. December 1563. Aus seiner 
ersten Ehe (die zweite war kinderlos) überlebten ihn zwei Kinder^ 
Heinrich, geb 153 ., und Ursula. Die letztere, geb. 1584, heirathete 
1550 Jeremias Bromm, Claus' jüngeren Bruder, später 1565 Hans 
Hector von Holzhausen, sie starb 1580. Ihr älterer Bruder Heinrich^ 
der 1557 die jüngere Schwester seiner Stiefiooiutter, Anna Hynsberg, ge. 
ehelicht hatte, kam 1566 in den Rath und mit ihm erlosch am 18. Februar 
1570 der Bohrbach'sche Mannstamm. Denn von seinen drei Kindern 
waren die älteste Katharine (geb. 1561) und der jüngste Johann 
Hector (geb. 1566) vor dem Vater jung gestorben; nur die mittlere 
Tochter Margarethe (geb. 1563)> überlebte den Vater; sie heirathete 
1579 Johann Adolf von Qlauburg, starb aber schon 1597 34 Jshre 
alt, die letzte ihres Geschlechtes, das zwei Jahrhunderte inFrankAirt 
geblüht hatte. 

Mit diesen Bemerkungen, durch welche wir die schlichten Berichte 
des treuherzigen Job ergänzen, scheiden wir — gewiss nicht ohne ein Ge- 
fühl stillen Dankes — von einem Manne, der, einer der wenigen unter 
seinen Zeitgenossen, es der Mühe werth erachtet hat, seine einfachen Er- 
lebnisse in der Vaterstadt aufzuzeichnen und dadurch, ohne es zu wissen 
und zu beabsichtigen, sie nicht blos den künftigen Geschlechtem 
überliefert, sondern ihnen überdies einen Blick in Verhältnisse auf- 
geihan hat, die nur selten von gleichzeitigen Schriftstellern berührt 
werden. 



Noch bin ich den L&em Rechenschaft über die Grundsätze 
schuldig, die mich bei der Bearbeitung des Textes geleitet haben. 
Da die Handschrift; ein Tagebuch ist, so ist in ihr die chronologische 
Reihenfolge der Notizen strenge eingehalten. Die Beibehaltung dieser 
Ordnung wäre für den Herausgeber allerdings sehr bequem gewesen, 
aber gewiss nicht ftir den Leser. Dieser würde so das Zusammen- 
gehörige getrennt, das Fremde verbunden, die Leetüre ermüdend, 
den Gebrauch erschwert gefunden haben. Ich habe mich daher nach 
längerem Bedenken doch dazu entschlossen, die sachliche Anordnung 
der einzelnen Notizen vorzuziehen. So sind vier grössere Theile 
entstanden: der erste enthält die Rohrbach'sche Familienchronik, der 
zweite die städtische Chronik, der dritte die Sittenchronik, der vierte 
die allgemeine Familienchronik ; die drei ersten Theile zerfallen wieder 
in eine Reihe kleinerer Abschnitte, der letzte Theil ist alphabetisch 



— i05 — 

geordnet. Jede einzelne Notiz ist zur Erleichterung der Citation 
paragraphirt und das Blatt der Handschrift angegeben. Ueberall 
sind Remissivnoten beigefügt^ welche auf das Vorkommen desselben 
Namens und derselben Sache in anderen Theilen hinweisen. Beson- 
ders liess es sich der Herausgeber angelegen sein^ den letzten Theil 
mit solchen Remissivnoten reichlich auszustatten. Ueberall ist be- 
merkt, wo in der Chronik der Name eines Qliedes Frankfurter Fa- 
milien vorkommt. In verwickeiteren Fällen sind die Verwandtschafts- 
grade nachgewiesen. Dieser Theil, den ich Geschlechterchronik 
nenfnen möchte, wenn damals dieser Begriff, mit dem sich die politische 
Bevorrechtigung so eng verknüpft, schon so bestimmt nachgewiesen 
werden könnte , wird namentlich zur Vervollständigung und theil- 
weisen Berichtigung von Fichard's Geschlecbtergeschichte viele Bei- 
träge bieten; ich erinnere beispielshalber an Johann Frosch zum 
Burggrafen und Johann Frosch zum Affen fFichard: im Sandhof], 
die Fichard so confundirt hat, dass er die zweite Hausfrau des •letz- 
teren, Rylgin Voelker, und die Kinder dieser Ehe dem ersteren zu-^ 
schreibt. Denn hier muss, wie ich glaube, das Zeugniss des Zeitge- 
nossen Job unbedingt entscheiden, zumal er mit beiden verwandt 
war und alle Nebenumstände dieser Verehelichung und der ihr fol- 
genden Kindtaufen auf das genaueste angiebi Ich habe anfangs 
lange geschwankt, ob ich die ganze Chronik oder nur das Wichtigere 
aus ihr herausgeben sollte ; iaicht blos - der Wunsch einsichtsvoller 
Freunde, sondern auch die eigene TJebefzeugung entschied für das 
letztere. Dem Interesse der Dilettanten könnte eine Auswahl ge- 
nügen: das der exacten Geschichtsforschung forderte unbedingt das 
Ganze. Die Orthographie und selbst die Sprachfehler sind strenge 
beibehalten, nur hier und da ist in Klammern auf das Richtige hin- 
gewiesen. Die Handschrift ist gut, aber mit vielen Abbreviaturen, 
geschrieben. Die Entzifferung der letzteren .hatte oft grosse Schwie- 
rigkeiten und selbst geübte Leser von Handschriften wussten keinen 
Rath: nur fortgesetzte Uebung und Vergleichung konnte allmälig 
die Hindemisse überwinden. In sehr wenigen zweifelhaften 
Fällen musste der Herausgeber sich fUr das Wahrscheinlichere 
entscheiden und hat dies durch ein eingeschaltetes Frage- 
zeichen angedeutet. Mög6 die viele Mühe, die er sich gegeben bat? 
um das Werk durch seine Bearbeitung dem Gebrauche zugänglicher 
zu machen, nicht ohne Frucht für die eingehendere Kenntniss unserer 
reichsstädtischen Vorzeit bleiben! 



Text 

L Familie Bohrbach. 



1. Bernhard und Elgin Kohrbach. 

§. 1. [fol. 10] Anno 1466 vicesima prima ianuarii Bponcialia con- 
traxenmt paAer mens Bernhardus Rorbaph et Ejlchin^. mater 
mea^filia Conrad! hulczhusens et Ann^ sach&en^ deinde decima nona 
septembris benedictionem matrimonii in facie ecclesi^ receperunt; de- 
post vicesima secunda septembris consumarunt matrimonium in nup- 
tiis et thoro. 

Nativitates nostras in quodam alio libro scripsi. 

[cf. B. Rohrbach's Familienchronik §. 103—105]. 
§. 2. [fol. 11] Hoc de manu patris: Emit auub meus den hom- 
fessel, quein mater mea dedit marth^, pro 145 fl. Eum reformare fecit, 
pro quo dedit fl. 7. Emit autem ab Engel froschen jBinno 1466 die 
17 maii. 

[Elgin^s Tod §. 70.] 

2. Bernhard Kohrbach. 

§. 3. [fol. 1] Anno 1493 vicesima sexta marcij abiit bernhar- 
dus frater mens. Eodem anno postea, octava die Apprills^ abiit firater 
mens Conradus et erat prima sua abitio. Rediit bernhardus anno 
1495 die 25 mäij et Indwicns hulczhusen cum eo una rursus. 
Bernhardus sexta maij abiit ad Italiam anao 96. Redüt Bernhardus 
sepüma octobris anno 96. [§. 8.] 

§. 4. [fol. 5] Anno 1494 die 3^ Augusti solui ego iob rorbach 
Conrado biescher^ famulo doctoris iohannis gleub erger S; ex 
parte matris XVII fl. auri, IX alb. in ecclesia S. bartholomei ante 
horologium; quos ipse acceptavit ex parte domini petri quejch^ 
propositi in markstat^ qui quejch mutuauit eosdem fratri bemhardo 
Senis; iuxta condicionem quitanci^; quam dictus Conradus biescher 



« 



— lOT — 

matri ex parte quejch pr^sentauit. Actum die tricessima AugustL 
Si erreSy vide obligationein fratris, quam ipse pro eisdem qneych dedit^ 
quQ plane informabit te. 

§. 5. [fol. 8] Anno 1494 sedecima novembris arripuenmt iter 
versus jtallam Loy i ostenhoff er senior^ filius iohannis ryn, no- 
mine y magister wolfigangus heller [§. 268] etc. ^ cui tradidi 

literas matemas et ipsis colligata erat obligatio Alexandripellen- 
dorffs, quam simul ipsi commisi; vt fratri differret. 

§. 6. [foL 25] Anno 1495 die vicesima maij itter arripuimus vna 
simul versus wormatiam doctor Indiens Scultetüs^ karolus henspei^^ 
aSinis meus^ vdalricus nuhusen etego^ et die 21. maij wormatiam veni- 
mus et ingressu ciuitatis inneni frairem meum Bemhardum et ludwi- 
cum hulczhusen, qui nouiter venerunt italia^ in quadriga^ vulgo quQ 
dicitur RollwagC; volentes ire franckfnrdiam; qui ob complacentiam 
mei de quadriga descendernnt et manserunt mecum wormati^ vsque 
ad 24 diem mensis. Eo enim die prandio peracto ' conduximus quadri- 
gam^ quQ Bollwageü vulgo dicitur^ et in ea sederunt quindecim nostr^ 
ciuitatis franckf. incolQ vel fiKi: doctor adam heymbach^ lohan zum 
jungen^ karolus henspurg^ Bemhardus rorbach^ Job norbach^ Ludwi- 
cus hulczbusen^ Bechtoldus beller junior, vdalricus nuhul), Gerhardus 
zur Kau, • > . • morsfeit, wolf blum et quatuor famuli. Et in qua- 
driga iuimufl usque ad oppenheym de wormatia, 25 die mane 
nauigauimus in naui de oppenheym vsque ad maguntiam et cum 
peruenimus maguntiam, inuenimus nauem forensem, quam ingressi 
franckfurdiam nauigauimus. 

§. 7. [fol. 27. Nota marginalis ßemhar<|i manu exarata] Adi XI 
del'detto mese io betnhardo cascai a Maganza a santo Victore in 
tal modo, che non credette tornare alla pristina sanitä, e fu in casa 
del decano, cive di mißwigo *, di Silberberg. [Juni 1495] 

§. 8. [fol. 55] Anno domini 149d maij sexta die abiit Bemhardus 
germanus mens ad vrbem eratque dies veneris, et eo equum ascen- 
dente, vndecima sonuit hora. Habuit comitem vsque ad homeck do-, 
TniTinm florcntium de veningen, vtriusq. juris doctorem, cum famulo. 
Conduximus cum nos tres vsque ad saltnm cerui, qui düobus erectis 
lapidibus signatus, karolus hynsberg, afiinis noster, Gylbertus hulcz- 
husen, cognatus noster, et ego pariter. Bediit septima octobris anno, 
quo supra. 



1 miswigo, vielleicht Menswick, Im Stift Lfittich im westphSüschen Kreise 
belegen. 



— 108 - 

§. 9. [fol: 117J Vndecima Julij Anno 1498 germanu^ [amB4inde: 
Bernfaardus Eorbach] cepit habitare in solitudine ortoB [1. horti]; ob 
morbuni Gallorum^ quem patiebatnr, vicesima tertia menais eiuBdem 
abrasH crines capitis eadem de causa. Itedijt in domum deinde in 
anno 1499 octaua ianuarij. 



3. Ehe Bernhard Bohrbach's. 

§. 10. [f6l. 163] Anno domini 1501 decima quarta januarij^ et 
erat diesieuis; vespere post quartam horam parum^ ego Job Borbach 
coniunxi matrimonialiter per verba de pr^senti Bemhardum Borbach. 
germanura meum^ natum ex Bemhardo rorbach pi^ memoria et 
Eyll|gyn] hultzhuseryn ^ et vrsulam, relictam quondam ws^theri 
Schwartzenbergers^ natam Vero .ex iohane de molnheym et gretgyn 
dorfelderin pi^ memori^. Acta in domO; Elßfelt nuncupata^ pr^en- 
tibus matre mea^ sororc; ^Michaele Schwartzenbergers et Katherin§ 
illius legittime^ iacobi et georgii neuhul>en^ iohane de molnhejm et 
gretgyn su^ uxoriß, jacobus heller, kryngyn uxor. Hij fuere präsentes 
inytioni matrimonij. Ad c^nam superuenit etMüchior, scriba duitatLs. 
Non affuit karolus affinis, quia lugebat matrem. Conradus frater 
erat antwerpi^. Eodem die dotalia instrumenta inter eos etc. fuere 
sigillata sex sigillis; quorum vnüm meum est. 

Eodem anno sexta februarij et die beat^ dorothe^ virginis, et 
pro illo anno extitit dies sabathi ante dominicam septuagesimam, 
ratihabitio et solemnizatio matrimonij supradicti habita est in fatie 
ecclesi^. Eodem anno, decima vero februarij, primum simul condor- 
mierunt, et erat dies Mercurij post dominicam septuagesim^. Altera, 
quQ dies iouis erat, dies nuptiarum habitus est cum amicis etc. 



4. Job Bohrbach. 

a) LebepsereigDisse im Allgemeinen. 

§. 11. [foL 1] Anno 1494 in die scti bonifacii, quQ est dies quinta 
Junii, primam peregi czecham in stuba mea czu lebenstein et solvi 
VI h. 

§. 12. [tbl. 1] Anno 1494 post pascam donavit mihi Johannes 
Knopp/mediam quartam malmaseti ea condicione, ut cum ducerem 
uxorem legitimam, solverem quartam integram. Actum franckfordi^ 
in domo Johannis de molnheym 



— 109 - 

§. 13. Jfol. 2] Secunda die judH in anno 1494 equitavirnns ad 
bonmess et in Bocietate erant^ videlicet mater mea, sororque et 
Jacobus et Udalricus nuhusen et heynricus de Andernach et egocum 
duobuB BoldatiB, c^nauimus in Castro^ tenebat enim locum officialis 
Johann holczheimer in dicta ciuitate et Castro. Tercia antem die 
junii omnes rediebamus^ supervenerunt antem Gorg reyss et Gorg 
matroff; qui eadem die mane equitamnt UBque ad bonmesa et in re- 
deundo tennerunt societatem nobie. 

§. 14. [fol. 3] Anno 1494 die Junii undecima equitavi cum 
nobiU nicolao de babenhusen ad castrum zum goltsteyn^ nee ego in 
dicto Castro antea fui (tenebat enim löcum ofiicialis in dicto Castro, 
quia pater snus, henn de babenhusen^ longo tempore in eo fuit oiHcialis 
et mortuo patre pr^fatus nicolaus ad tempus vicem ofHcialis funge- 
batur), et ibidem noctem in gaudio peregi. Altera die, quQ- erat dies 

Xn Junii, redii cum pr^fato nicolao et Anna matre sua, et 

pransi sunt cum matre. Prandio peracto in navicula parva omnes 
infra scripti descendimus cum Anna et filio ejus, nicolao de baben- 
husen, ad dictum castrum zum goltsteyn, videlicet Eylchin rorbeclierin 
et ego iob et soror mea martha et mergin uxor junghens, vicini 
nostri, et consumpsimus noctem ibidem in gaudio. Tredecima autem 
die Junii omnes supra nominati redibamus et adduximus luchelin de 
haczsteyn, uxorem heyncz kryegen, et mansimus iü orto [hortoj nocte 
illa et altera die usque post sextam horam post meridiem, quia tunc 
reversi sunt nicolaus cum matre ad castrum zum goltsteyn et nos 
alii ad domum. 

§. 15. [fol. 8] Anno 1494 decima quarta nouembris for ich zu 
nacht myt vlrich nuhussen off syn schieden. 

§. 16. [fol. 9] Anno 1494 decima octaua nouembris in naui des- 
cendimus Gylbertus hulczhusen et ego iob, adduximus nobiscum 
Blasium de hulczhusen ad maguntiam ad domum Georgii helle, 
Sigilliferi episcopi maguntini, vbi gratia studii est Et est primus 
exitus Bui de franckfurdia. 

§. 17. [fol. 20] Anno 1495 siecunda maij Katherina hulczhuserin 
et mater mea iuerunt ad Wisbaden, dehinc 5^ maij Gylbertus et ego 
descendimus maguntiam et conuenerunt prefatQ ad nos in domo d. 
heynrici de sylberberg, vbi omnes hospitati eramus. 6^ maij mater 
intrauit maguntiam et ego vna etc. et emit mihi VI vlnas panni 
leberfarb pro vj fl., 7°^ maij rediuimus on^nes simul. Ex iam dicto 
panno confecta est vestis, qu§ vulgari nostra hasack [cf. §. 191] 



- HO — 

appeUatuF; Bubductä pellicula; yidgo merderkeln ' dlcta^ quam 
Testern indui die natittitatis ChriBti; anno 1495; annum ab initio 
ianuarij inchoando. 

§. 18. [fol. 26] Anno 1495 penultima maij descendi magantiam 
ex parte nostr^ famili^ ad primitias domini alberti brolljn ^; 
inuitauerat enim omnes noB, Bed nee mater; [b. nee] frater^ nee soror 
interesBe poterant^ deBcenditque mecnm Katherina hulczhnaeriny Agnes 
yrgeBchameryn; Gjlbertus hulczhusen^ filius Katherin^^ qui omnes 
aderant primitüsi et cantauit primitias die vltima maij, qn^ tune erat 
dominica «xaudi^ in choro ferreo in ecciesia maiori magunti^ et pro- 
pinaui ipsi duoB fl* ex parte matris, fratris et mei. Debinc secimda 
junij mane Katherina hulczbuserin et Agnes yrgeschamerin mane de 
maguntia iuerunt ad wisbadezi et ego redü franckfurdiam. Bedierunt 
autem domina Katherina ^ r^licta iohannis fauIczhusenB, et Agnes 
yrgeBchamerjn de terpus wissbaden franckfurdiam vltima die Jmiij. 

§• 19. [fol. 27] Anno 1495 tertia Junij solatij causa iuimuB pis- 
catum ad husen, videlicet mater mea, Bernhardus, frater meus^ martba, 
Boror mea^ ^o iob; Katherina hulczhuserin^ relicta Gylberti, ludwi- 
cuB filius eius; hamandus hulzhuseii; margareta uxor sua^ Jacobus 
nuhusen et Magareta^ uxor friderici faut^ et ibi peregimus diem in 
gaudio et nocte rediuimus circa horam sextam, nee febres tercian^ 
arripuerunt me, qui et semper altero die frigora et calores suslinui 
septieS; vsque destruxeruntque ac exhauserunt vires meä« omni- 
modo; tamen de gratia dei dereliquerunt me febres die decima sexta 
Junij; sed rehabui et durarunt itterum vsque .... 

§. 20. [fol. 27] Anno 1495 sexta Junij descenderunt in naui 
mater mea^- frater mens bernharduS; martha sorror mea^ katherina, 
relicta Gilbert! hulczhusens, ludwicus filius suus, Margreta, hamandi 
hulczhusens yxor^ karolus henspurg; sie namque mulieres iuerunt ad 
wisbaden pro solatio katherin^ hulczbuserin; viri vero expectarunt 
muEeres maguntiam. Duodecima die Junij redierunt mater ^ frater, 
soror et karolus henspurg^ eo quod ego infirmabur; et ludwicus hulcz- 
husen venit cum ipsis, sed rursus descendit Ceteri manserunt maguntia 
penes cancellariam. 

[Bernhard fällt in Mainz. §. 7] 

§. 21. [fol. 27] Anno 1495 die tredecima junij sumpsi primam 
clisteriam ex persuasione doctoris iodoci ...... medici et dedit 



2 K31, kgle, Halstheil beim Pelzwerk. 

3 Später Kaplan von Katharina Holzbaosen in ihrem Hanse zum Goldstein 
vergl. §. 217. 



— iU — 



mihi eam iodocus appotecarius. Antea uUam habtii; nee recepi 
temporibxiB vit^ me^. 

§. 22. [fol. 83] Anno 1495 die duodecima mensis Augusti pran* 
dio peracto mater donauit Bernhardo germano meo et mihi omnee 
expensaS; quas conBumpsimus in partibus alienis et Btudijs, item 
et librofl, eaque condidone donanit^ ut pr^dpue h^c habeamus adeo, 
qnod in dinisione bonorum post mortem matris (quam deuB sua gratia 
cum ^alute longa velit perseruare^) expens^ et libri pr^dictinon veniant 
imponenda cum alüs rebus^ sed pr^cipue h^c capere debeamuB^ dehinc 
ad äquales portiones cum aliis admitü. Etut valeatdonatio; »ua manu 
inscripsit in {ibrum reddituum patriB hanc donationem. 

§. 23. [fol. 3ÖJ Anno 1495 quarta septembris hatt Hartmann.... 
der Bcherrer^ Elsen , . . . der kochmejtt zum goltsteyn die Ehe ge- 
lobett vnd YerheysBen vnd den winkaüff gedruncken. Dehinc 
nupti^ habitQ sunt zu lympurg 19octobris; et interfuere genitrixmea; 
soror martha et frater bemhardus et ego^ anno^ quo supra. 

§. 24. [fol. 49] Anno domini bisextili 1496 die quarta februarij 
iurauimus vna simul ciuilitatem; hoc est iuramentum ciuium franck- 
fordensium; Tidelicet Gylbertus hulczhusen^ ego iob rorbach^ hans 
frunt; filius heyncz fruntt. Pr^stitit nobis iuramentum Jacobus geych. 
Actum jm Eomer yn der rechenmejster Stoben. Soluit quilibet 11 ß 
pro intitulatione. Pr^fatus hans fhUkt obijt in anno 1497, die . . . 

§. 25. [foL 54] Anno 1496 die 19 Apprilis incepi bibere Siro- 
pium tempore eo, cum ibam ad lectum dormitom, etocto bibi ordine 
poBt octo'dies et 26 die pr^fati mensis accepi puluereB in vino mane 
hora. quarta, quQ purgarunt ventrem et quatuor sedes operabantur. 

§. 26. [fol. 55] Anno 1496 duodecima maij, eoque die colebatur 
feetum glorios^ ascensionis in c^lum Jesu Christi redemptoris, suscepi 
infantem de fönte baptismatiB, quemsecundum meumnomen nominaui, 
Job videlicet, primumque meum est, retro namque alium de bap- 
tismatis fönte non. eleuaui. Nomen genitoris infantoli .... genitricis 
vero nomen est kryn, soror gissenhens, laboratoris nostri, legitima 
uxor pr^ati genitoris. 

§. 27. [fol. 56] Anno 1496 die 18 maij mater, ego et LudwicuB 
hulczhusen iuiinus ad wisbaden, ^deinde.25 maij de wisbaden iui ego 
ad costem [Kostheim], yolens ibidem ad nauem forensem, sed nequiui 
ob validisBimum ventmn flantem et ea noote quieui magunti^ ibidem* 
que amisi canem nostrum moczschelgyn, sicque 26 redij franckfurdiam. 
Bediit de wisbaden ad franckfurdiam genitrix 28 maij. Bursus die trice- 
flima Gilbertus htdczhusen et ego pariter de franckfurdia iuimua ad wis- 
baden ad matrem suam et rediebamuB nos pariter cum nu^tre yltima maij« 



-• ^ 



- H2 — 

§. 28. [fol. 56] Anno 1496 die 20 junij cum doctore Florentio 
Licentiatus georgius Bchrottljn et ego iuimuB mane in naui mogun- 
tiam et magonti^ cumim conduximus eodem die et vehebainur ad 
wormatiam^ et die 25 junij vehebamur de wormatia ad spiram; ibidem 
mansimuB vsque ad 25 junij; eo enim die de spira vehebamur ad 
maguntiam, 26 junij ascendimus mane in naui franckfiirdiäm. 

[Job Bohrbach hält in SachsenhauBen mehreren anwesenden 
Fürsten 15 Stunden lang Ehrenwache. §. 118.] 

§. 29. [fol. 61] Anno 1496 quarta Augusti dominus doctor Floren- 
tius de veningen et ego vna profecti sumus maguntiam, quinta Augusti 
'de maguntia ad wormatiam^ sexta Augusti ascendimus ad spiram, 
durauimus ibidem vßque ad diem nonam Augusti. £a namque die 
iuimuB ad oppidum Landawe^ quod distal a spira miliaribus quatuor; 
moram ibi egimus vsque ad sedecimam Augusti^ qua nunc reversi 
sumus ad Spiram. lUic mansimus vsque ad vicesimam primam Augusti. 
Eadem die ad wormatiam venimus^ vicesima secunda augusti 
rediebamus maguntiam, ibidem moram egimus vsque ad vicesimam 
quintam Augusti, illa namque die rediuimus fränckfurdiam. 

§. 30. [fol. 88] Anno 1497 die secunda maij iuimus pariter 
genitrix et ego vna cum katherina^ relicta gilberti hulczhusenS; et 
Lüdwicüs hulczhusen, katherin^ iilius ad wisbaden ibique visitauimus 
katherinam, relictam iohannis hulczhusen, quQ infirmäbatur. Duraui- 
inus ibidem vsque ad quintam maij. £a namque die maguntiam veni- 
muB. Sexta maij mater et ego pro deuotione visitauimus sanctam 
crucem extra muros maguntinos. Septima maij et dominica post ascen- 
sionis rediebamus mater et ego franckfurdiam. Alii manserui^t cum 
vxore cancellarij, doctoris peffer. 

§. 31. [fol. 91] Anno 1497 die tricesima maij nobilis vir doctor 
florentius de veningen, luditij camerQ celeberrimus Advocatus, abiit 
deque franckfurdia transtulit se cum libris atque omni suppelectili 
wormatiam. Cum eo descendimus in naui nos. tres, lacobus neuhusen, 
Bemhardus Borbach et ego Job, frater suus, usque ad hoest, de hoest 
pedestres rediimus franckfordiam. Eodem die indui nigram simplicem 
tunicam, cuius mentio habetur fol. 87 [§. 58]. Eodem die prima cerasa 
comedi pro illo anno. 

§. 32. [fol. 93] Anno 1497 decima nona junij exiui franckfurdiam 
et veni eo die wormatiam, ibidem intraui habitationem domini florentij, 
V. I. doctoris ac ex suis progenitoribus nobilis. 

§. 33. [fol. 104] Anno domini 1497 annum ab exordio Januarij 
inchoando, ipsa die Stefiani prothomartiris, qoQ est 26 decembris, 
ascendi cum nobili V. I. doctore, domino florentio de veningen, spiram, 



— H3 — 

die Johank evangelist^ pransiBumuB in c^tu omnium clericorum maioris 
ecclesiQ spirensis; intereratque et dominus epiacopuB ea die; c^nauimuB 
com episcopo in sua curia die inocentum tota; cum Petro drach fdimuB 
29 decembriB nocte inuitati a conBuIibuB Bpirensibus. Tricesima de- 
cembris ascendimus ad landauwe^ 31 eiusdem pransi sumus ibidem 
cum Bcnlteto. . . . Depost Becunda ianuarij apno 1498 a conBulibus 
inuitali comparuimuB et in prandio et in c^na. Tertia januarij rursus 
iuimuB ad Bpiram^ ibidemque mandimus UBque in quintam diem eius- 
dem^ in quo rediuimüB wormatiam. 

§. 34. [fol. 93] Anno 1498 yicesima nona martij exiui wormatiam 
et triccBima eiuBdem^ quQ erat tunc veneris poBt l^tare^ redij franck- 
furdiam. 

$. 35. [fol. 113] Anno 1498 die 19 apprilis et quinta pasc^ des- 
cendi maguntiam^ 20 ascendi wormatiam^ vicesima prima descendi 
a wormatia maguntiam^ 23 descendi in naui de maguntia et 24 eius- 
dem mensis venimus Bemhardus et ego parrter coloniam; ibidem ego 
mansi vsque ad vndecimam maij illius supra dicti anni, illa die lacobuB 
neuhusen et ego ascendimus usque ad wynter, 12 die ad cappel^ 
14 ad bacherach^ 15 versus maguutiam; sedecima maij ego solus 
ascendi wormatiam ; de wormatia descendi 24 maij vna cum domino 
Florentio de veningen maguntiam^ et erat pro tunc dies ascensionis 
domini, 26 maij de maguntia boIub ascendi franckfiirdiam. 

' §. 36. [fol. 116] Anno 1498 die 16 junij iuimuQ genitrix et ego 
et Eatherina, relicta uxor Gilberti hulczhusens in spangenberg, vna 
cum aliis ad hanawe^ vbi in [17] eiusdem mensis dominus Caspar. . . .; 
filius sculteti, ibidem suas primitias seu primum suum diuinum cele- 

brauit^ ad quod vocati eramus. Inuitauit nos dominus ple- 

banus in stejnheim. Ibidem die 18 fere tota fuimus; nisi quod noctu 
regressi fuimus ad hanawe. Decima nona sumus reuersi mensis eius- 
dem. [Dieser Plebanus zu Steinheim ist Niemand anders als der 
bekannte Johannes de Jndagine.] 

§. 37. [fol. 117] Anno 1498 prima julij iui maguntiam, secunda 
ascendi wurmatiam; ibidem duraui vsque ad nonam julij y qua redij 
moguntiam^ decima autem franckfiirdiam. 

§. 38*. [fol. 127] Vicesima nona octobris nupti^ habit^ et consu- 

matQ inter zu nasawe et Katherinam^ filiam Eberharts des 

motters [§. 39], ad quas vocati fuimus mater egoque et comparui- 
mus. Actum die supradicto, anno 1498. [cf. §. 39 }. 

§« 39. [fol. 144] Anno 1499 vicesima octaua augusti et die 
mercurij per ausceptionem infantis, quem secundum nomen meum, 

iob videlicet; vocaui^ compater sum factns Casparis de nasawe et 

8 



- «4 - 

EatherinQ, fili^ Eberhard! des sackdregen, Txoris dicd CasparU, et 
ia m ordine est secundus^ quem suscepi. 

[Job tanzt auf der Hochzeit des Dr. Joh Glauborg als Cano- 
nicus §. 267.] 

[Job's GastmaU 1600 §. 221.] 
§. 40. [foL 166] Job zsLgf mens patrinuB. Aimodomini 1600 die 
21. junij, quQ exstitit dominica infra octauam corporU Christi; de 
fönte baptismatis suscepi infantem^ quem secundum meum nomen^ 
videlicetJob; yocaui; filium Hanß krehers^ eynssporecs, et£l£, vxoris 
SU9; et is per ordinem est tertius, quem suscepimns etc. Mortuus est 
intra dies puerperij infans. 



b) Anschaffangen und GtoscheDke Job Rohrbach^s. 

§. 41« |foL 4] Anno dSi 1490 in die S. Laurencij indui primum 
lambasium pictum^ w'r den thobiu; coloris morgeiiBgrauwe una cum 
caligis eiusdem coloris. 

§. 42. [fol. 6] Anno 1494 quarta septembris indui nigras caligas 
ad antiquum lambasium nigrum. 

§. 43. [fol. 6] Anno 1494 xix septembris donauit mihi mater 
loricam; colerium loric^; balistam vnd eyn yssen brüst, cum aliquibus 
teils et instrumentO; quo balista tenditur, pr^sentibus Gilberte hülcz- 
husen et sorore mea Martha. 

§. 44. [fol. 7] Anno 1494 nona nouembris thett ich eyn schwarcz 
gefjrnest barchen wameß zu mjnen rotten hossen. 

§. 46. [fol. 8] Anno 1494 duodecinui nouembris post meridiem 
in domo zum goltsteyn donauit mihi Gylbertus hulczhusen ymagines 
picta» duas, quarum qu^libet habet fomam vit« et morÜB. Mas 
Caput tenet vitQ et corpus mortuum; e contrario ymago femin^, et sunt 
picta super pannum, pannus autem bituminatus et af&xua est ad 
afferulas. Donum comitiasQ de stolberg. 

§. 46. [fol. 16] Anno 1496 decima nona februarij thet ich eynen 
neuwen leberfarben mantell vmb vnd ^yn neuwen gyrttell vnd eyn 
neuwen welsch secklin hing ich by mich. 

§. 47. [fol. 17] Anno 1496 tertia marcij indui caligaS; wulgo 
roset; una cum lambasio. 

§. 48. [fol. 18] Anno 1494 in nundinis quadragerimaKbus emi 
coltrum longum sandali^ manubro pro i fl. iii alb.; item clauam fer- 
ream, eyn fusthamer pro ad alb.; item duos pileos, nigrum et rubeom; 



— 115 — 

pro qnindecim albis^item dao bjrreia aPbillippo vgdnhejrmer; rubeum 
videlicet et sanguinemn^ emi pro xl ß franckf. 

S. 49. [foL 18] Anno 1495 yn der fasten meß hab ich mir kaufft 
eyn esser vor vüi alb., item hat mjrr myn waß Clar eynbroBtuch 
gestyckt myt golt vnd eyn gülden wolckicht schnor daroff geschenckt^ 
koBt ii gld. minuB i ort. Item myn ws3 Margret geschenckt eyn gel 
samett broBtach. Item Erben tagel hat myr geBchenckt eyn langen 
thegen, item vi beyner kem. 

[GeBchenk von Elgin an Job in Mainz. Mai 1495. §. 17.] 

§. 50. [foL 36] Empta et donata in nundiniB autumnalibuB 
anno 1495. 

Eyn Bchwarczen hutt kauft ich vor vii alb. 

Eyn vocabnlarium Catholicon pro i fl. iiii alb. 

Item formnlare advocatorum et procuratormn et orationale in 

forma minima pro fl Vnum orationale laniendo rupit 

canis noBter fürst 

§. 51. [fol« 53] In nmidinis quadragesimalibus anno 1496 emi 
byretmn nigrum venetianum pro xiiii alb. in vigilia annmitiationis 
beat^ Mari^. 

Die 29 martij emi iij ulnas velon Rosetten färbe, ulnam pro 
ii fl. üi jß, summa 5 fl. 18 ß. De pr^fata summa donauit mihi mater 
üi fl.; indui vii junii anno snpra. 

Item nigrum byretum donauit mihi Katherina hulczhuserin zum 
goltstein secunda apprilis, quQ erat vigilia pascatis. 

Vnum pater noster de corallo; cui sunt viginli corrali numero et 
duo argeiitei et 4eAurati kneyfi*, et est de optimo corallo; donauit mihi 
Margreta cognata zum thorU; [§. 244], die 15 apprilis eo die celebra- 
batur festum Corona et Lances. 

§. 52. [fol. 54] Anno 1496 vicesima sexta apprilis perfectus est 
annulus per Danielem .... aurifabrum, in quo eat lapis impositus, 
cui insculpta sunt arma mea/ suppositb veris coloribus armorum, 
pro quibus conficiendis exsoluit germanus mens Bemhardus rorbach 
rom^ duos ducatos largiter, donoqne dedit mihi; pro factura annuli 
ducatum unum exsoluit et hunc donatdt, item magnam partem auri 
donauit, ex quo auro annulus formatus est. 

* 

§. 58. [foL 61] Anno 1496 secunda augusti donaui domino doc- 

tori Florentio de venningen aleam. paratam cum asseribus. Pro alea 

dedi aurexmoi, pro tabulis sex &, pro ferramento, quibus clauditur et 

aperitur, 5 albos. 

8* 



— 116 — 

§. '54. [fol. 62] In nundiniB autunmalibuB anno 1496 
emit mihi mater pectinem comeum pro xüi den.; 
duos pectines corneos emi pro 26 den.; 
cjphum de ligno firaxino^ wulgariter eschenhulcz^ pro 

6 ß. emi; 
pro tabula lignea, in qua scribitur^ 20 den.; 
pro iii pectinibu8 ligneis ß alb.; 
pro pileo nigro 7 alb.. 
Franciscum petrarcham in omnibus operibuB die 16 septembris 
donauit mihi doctor Florentius de veningen. 

Eyn thegen myt eym wisaien gewunden heflFt ist lang, vnd doch 
nyt zu fyll, kaufft vor 24 alb., vnd schnyt zu bejden sytten, donauit 
illum frater D. Laurentio truchses, canonico maioris ecclesie mogun- 
tinensis, etc. act. 22 martij et mercurij post palmarum anno 1497. 

§. 55. [fol. 68] Anno 1496 vicesima sexta nouembris emit mihi 
genitrix vi vlnas panni eyner tunckelen färb oder rauchfarb, vlnam 
pro 22 jß. Emit ab Hartmudo gryff, curauitque mihi Bubduci nigris 
pellibus induique eam primum quarta decembris^ quQ CBt dies Bacr^ 
Barbara virginis. 

§. 56. [fol. 73] Anno 1497 secunda ianuarij donaui aliam Eathe- 
rin^ hulczhuseryn zum goltsteyn; pro qua solui 6 alb.; asseres, quQ 
in ea sunt, donauit mihi mater. Donaui infiuper vnum paruum col- 
tellum, quorum quatuor habui de colonia, pro quibus solui 22 äJb. 
§. 67. [fol. 84] In nundinis quadragesimalibus anno 1497 

duos pectines emi pro 7 alb., eyn eser* pro 9 alb.; 
sex [vier ?] Elen schwarczen meylendeschen samet kaufilt myn bru- 
der vnd zweyen zu wamessen, die Ell vor ii gidden üii &, facit 
in summa xiii fl. Emptum 20 martij et die lun^ post palma- 
rum: indui diploidem factam ex veloto pr^notato, die 21 maij, 
beatQ dominica trinitatis Anno 1497. 
6 alb. vor zwen steynen krug zu lougen ultima martij. 
2 kleyn bettbüchlin kosten vi alb. yn zu bynden vnd funff alb. 

rohe, unum dedi germano Bernharde. 

Sermones fratris Koberti charocholi, duas partes, de peccatls 

videlicet et de sanctis, ^pro quibus solui 16 ß. Et pro ligatura 

eins üii alb., itterum emi partem de sanctis pro octo I^, quam 

dedi doctori Florentio de veningen. 

§. 58. [foL 87] Anno 1497 die decima apprilis hat mir myn 

liebe mutter an lassen schniden x eilen schwarcz < londesch tuch, mitt 



* £ser=Beatel. 



— iil — 

namen v eilen zu eym rock vnd iiiij elen zu ejm mantell vnd ejn 
halb eil zu eynem zyppffel^ vff das, ob yemants storb von ynseren 
vonripten vnd gewanten^ da vor gott wol mitt selligkeyt eyn jeden 
lang gefiriesten^ das ich fiirters nit dorff kleyder^ als vor oSt gesche- 
hen ist [dorjBT] entlehenen. Soluit pro vlna decem et octo soHdos et . 
qnatuor obulos^ suma autem decem vlnarum septem fl. sedecim ß iiii h. 
Tunicam induj die tricesima maij anno supra. 

§ 59. [fol. 100] Anno 1497 decima octaua septembris misit frater 
wurmatiam mihi scriptorum magnum cum variis capsulum, pro quo 
soluit X alb. Depost 23 misit mihi idem frater opiimum rubeum du- 
plum biretum Scharlach^ item pectinem corneum cum receptaculo suo, 
factum [facto] de corrio. 

§. 60. [fol. 112] Anno 1498 die 5ta apprilis emi speculatorem in 
impressura ipsius Baptist^ de tortis cum additionibus do. Andree^ pro 
ligatura illius dedi ii alb. et pro corpore libri seu libro ipso 4 fl. 
§. 61. [fol. 119] In nundinis autumnalibus anno 1498. 
Emi practicam ferrariensis; Tractatum clausularxmi; Summam 
Gottfredi super tit decretalium pro ii fl.'et in unum volumen 
feci illigari. 
Breviarium maguntinum, impressum venetüs, ligatum pro i fl. 
Vocabularium, vbi theutonicum latino pr^ponitur^ et vocabu- 
larium doctoris Jodoci etc. pro 8 alb. et in unum feci ligari. 
Ejn lideren brun klejn wezschen oder aser pro 8 alb. 
[Elgin Borbach schenkt ihrem Sohn Job das Familienmissale 
und die priesterliche Kleidung. §. 66.] 



c) Job Rohrbach*8 Canonikat and Weihen. 

§. 62.. [fol. 120] Anno 1498 vicesima Augusti dominuä Johannes 
sumer^ canonicus et scolasticus hie in ecclesia sua diui Bartholom^i 
sepultuB esty obiit autem 19 eiusdem; domini autem de capitulo con- 
corditer me ad praebendam elegerunt^ solo domino Johanne gryfien- 
stein obstrepentC; illiusque possessionem mihi traddiderunt vicesima 
augusti iam memorati sub completorio; et erat dies mercurii; sicque 
die mercurii natns; die mercurii praebendam adeptus. Deinde domi- 
nus Eberhardus becker scolastriam obtinuit. Ego primum chorum 
ingressus induto superpelitio die veneris et ultima augusti post nonam 
horam de die insinuavique residentiam decano^ ut diem notaret^ qui 
respondit: valeat, in quantum valere potest. Sub vesperis vero die illa 
obtulit sibi dominus Johannes ugelnheimer xii albos pro vino admis- 



- H8 - 

sionisy quoB sccipere rennit, dicendo: eoB dandoB^ cui veUent^ me pro 
canonico minime reputaret; hac de causa motoB residentiam tone 
inchoatam et Bcolastico et cantori ittidem inflintiavi, at diem et horam 
Qotarent^ qui et polliciti mihi sunt DepoBt dominica et seconda Bep- 
tembriB anno, quo supra, primum ivi in processione ad Baactum 
Michaelem in Mpersione aqu^ benedictij, in vigiHa natiuitatiB Mari« 
et die ipBa portavi thuribnlnm et t'enni patenam Bub officio. Snper- 
pelitium proprium noYum primum indui ipso die ac die Michael 
archangeli supradicto anno. . Die mercurii post Michael et tertia 
octobris suscepi hie (apud fratres pr^dicatores in capella chori ibi- 
dem, qu9 sita est in latere dextro, dum vertes ante altare f&liem) 
ordinem accolitatus. Secunda decembris et prima dominica aduentus 
anno, quo supra, indui primum cappam nigram, qu« more eccleaiamm 
hie Bolet differri tempore aduentus, septnagesim« et quadragesim« etc. 

[Bernhard Bohrbach tanzt auf der Hochzeit Dr. Johanna von 
Glauburg und der Margaretha Homgin am 29. October desselben 
Jahres §. 257.] 

§.'63. [fol. 120] Anno domini 1499 die veneris post dominicam 
l^tare, qu« erat dies xv martü^insinuaui dominis de capitulo capituli 
congregati [fol. 121] residentiam meam completam fore et me porro 
relazari ad ambnlandum etc. more aliorum petii. Cum hoc iam pr^ 
tendebam, decanus cum intellexit, de capitulo surrexit et abiit dicendo 
intra hostium [ostium] capituli ad me, se non velle interesse huic 
actui, non in despectum meum, quare illi succensere non deberem, 
sed debere me petere ab hiis, qui me pr^sentarunt, qu« intenderem; 
non se mihi esse molestum, sed se contentari ait in pr^enti in 
persona mea, nee quitquam [quidquam] contra me volle 
machinari. Quibus dictis ad ceteros dominos capitulares vocatus, ubi 
petii, uti supra dixi, me ab onere residenti« relaxare, ex quo com- 
pleverim more ecclesiae, qui me abire parum iubebant deEberando 
se; habita deliberatione, me revocarunt, et dominus plebanus nomine 
capitularium respondit, completam meam residentiam fore et dominos 
pro sufficiente eam diiudicasse, ideoque se me ab hoc die liberasBe etc. 
Quibus pro hoc egi grates immortales. Fuerunt autem hij, quiapproba- 
runt residentiam meam pro sufficiente,. dominus Bberhardtts becker, 
Bcolasticus, dominus G-eorgius schwarzenberg, cantor, doctor Gonra- 
dus hensell, plebanus, dominus Erhardus dincickhejm^er et dominus 
Johannes ugelnheimer, hij erant capituli congregati et petioni meae 
annuerunt, dominus wilnawe, alias ruwenheimer, non erat, quia tunc 
non exibat domum; dominus Heimanus ytzstein erat magunti^, ybi 
comparuit in causa quadam ut prodnctus testb. 



— 119 — 

§. 64. [fol. 121] Äimo domini 1499 pennltima martii et sabatho 
ante pasc^ ordinatas in metropolitana ecclesia snm in Bubdiaconmn, 
ubi etiam legi snb officio epistolam^ pr^ente in choro domino 
Archiepiscopo maguntino Bertholdo etc.^ ac ministravi eo tone ad 
officium ac corpus domini sumpsi Batisfaciendo pasc^. 

§. 65. [fol. 121] Anno 1499 Ticesima qninta maji; quQ erat 
aabatfamn post pentecosten et dies S. Vrbani^ [fol. 122] receptus sum 
in capitnlimiy consentiente decano^ qui et me installavit. Et illo eodem 
die in vesperis incboavi officium meum imponendo in vesperis etc. 
Et die sequentiy quando celebrabatur festam sanctissim^ trinitatis, in 
mattttinis et secundis vesperis imponendo^ legende lectionem etc., 
et fuit primum meum; in missa yero ministram, legi epistolam et h^c 
prima, quam franckfurdi^ legi. So^cepi etiam illo die primas pr^sen- 
tiaS; Tidelicet noyem h., pro djacono habui d. Hejmanum de jtzsteyn, 
canonicum offitium vero celebrabat decanus Johannes de grjffenstein. 
Anno 99 in die natiyitatis b. Mari^ ministrauit ad offitium mecum d. 
Nicolaus schell; TicariuS; qui legit euangelium; ego vero canonicam 
epistolam; contigit ex eo, quia ego ordinem djaconatus non habui. 
Anno 1500 die 28 [27] decembris et die veneris, calculando annum 
a nativitate christi, ipsa die diui Johannis apostoli et euangelist^ gestiui 
primum publice a choro almusium in honore Jhesu christi ac pr^dicti 
diui Johannis, in cuius die sum natus, qui et mihi sorte apostolus 
obuenit, et quia canonici munus apostolorum repr^sentat, ego me illo 
die ut canonicimi ezhibui [supple: ejus], cuius fruor s^pius intercessione. 

$. 66. [fol. 167] Anno dfii 1501 dominica invocavit et ultima 
februarij, prandio iam acte, Genitrix sua sponte, non rogata, nee vllo 
instante, sed animo deliberato, donauit magnum, missale scriptum et in 
locis conuenientibus notatum, subductum rubeo corrio et decoratum 
monilibus, in quibus arma progenitorum nostrorum ex linea patema 
formata; item casulam rubeam von rottem geblümten Samat cum 
alba, stola, manipulo, humerale, cingulo; hac die et anno, quo supra, 
donauit mihi, ut pr^mittitur. Actum pr^ente Agnete, coqu^ nostr^ 
[coqua nostra]. Eodem die paulo post donauit et Missale aliud anti- 
quum et minoris quantitatis alio; illo die post yesperas retulit Bem- 
hardo fratri donationemi suam mihi, yt pr^mittitor supra, factam a se 
et donauit illi duas dstas illo tunc. Eodem die, quo supra, c^navimus 
mater, ego, Garolus, Martha in domo Bemhardi firatris et Vrsullß et 
iU publice mater omnibus in c^na retulit supradictam donationem a 
se, ut pr^mittitor in me factam etc. 

§. 67. [foL 122] Anno 1501 sezta martij et sabbatho quatuor 
tanporum post cinerum fbi ordinatos in dyaconum magunti^ ad car- 



— <20 — 

melitas; ibi continao legi euangelium et mmistraui ad officium episcopo, 
qui ordinee contulit. 

§. 68. [fol. 122] Anno 1501 die vicefiima maij, qu^ «rat dies 
glorios^ ascensionis Jhesu christi in c^lum^ legi franckfurdi^ euange- 
lium pro primo; Johane gryfifenBtejn celebrante ofifitium et domino 
Nicoiao hugonis legente epistolam. 

§. 69. [foL 122] Anno 1501 sexta junij^ qu^ tunc erat sacra^ 
tissim^ trinitatis; hie in ecclesia diui Bartholom^i apostoli cecini pri- 
mam meam missam de festo pr^dicto et habui pro adstante dominum 
Johanem gryifenstejn; decanum eiusdem ecclesi^, et pro ministrantibuB 
dominum Heymandum ytzsteyn canonicum et dominum Nicolaum schell 
vicarium^ detulique per circuitum ecclesi^ in proceasione caput sancti 
BartholomQi et tenui secuiidaB vesperas eiusdem diei vice decani^ sicque 
compleui opus seu ofßtium sacerdotij; divina annuente gratia, precor 
autem conditorem; vt hoc primum meum offitium vna cum reliquis 
futuris benigne pieque suscipiat, vt mihi omnibusque et yniversiB con- 
ducat in vitam et gaudium eternum. Amen. 

d) Tod der Elgin Rohrbach. 

§. 70. [fol. 171] Anno domini 1501 die decima nona decembria, 
qu^ exstitit eo tunc quarta dominica aduentus^ domina Eylchin^ relicta 
Bernhardi rorbachs, patris mei, primogenita vero ex Conrado hultz- 
huBCn et Ann^ sachssen^ post graues languores domino suo reddidit 
spiritum corde et mente quieta^ mea unica atque amantissima genitrix, 
quam suscipere in sjnxmi suq grätig dignetur omnipotens^ pius et 
propitius deuS; intime oro; obijt autem dicta mea genitrix memorato 
anno et die^ pr^cise post duodecimum iam tactum in nocte. [cf. Bern- 
hards Familienchronik. §. 124.] 

e) Letzte Krankheit Job Rohrbach's. 

§. 71. [fol. 172] Anno domini a natiuitate auspicando 1502 
minui sanguinem in vena ea^ quQ in sinistro pede inter magnam 
pedicam et eam, qu^ illi proximior adh^ret; suscepi enim (ob terro- 
rem infirmitatis matris me^ et mortem) dolorem lateris sinistri vdie- 
mentem, qui per minutionem illam fnitigatus est. Actum anno supra- 
dicto di^ tricesima decembris; et h^c minutio est prima. 

[Alia manus subscripsit: et ultima. 1636. 

Ut Bolent in provectioris aetatis alteratione 

omnem magna oomitari pericula. 
Job hie moritur 1502. 15 Maij.] 



i2i 



5. Anna und Afra Bohrbach. , 

§. 72. [fol. 4] Anno 1494 sexta augusti yelamina sunt imposita 
religioBiB sponsiB xyi, Ann^ et Afir^; sororibuB meis. Actum zu den 
wiflsenfrauwen yn der Kirchen. 

§. 78. [fol. 4] Anno 1494 in vigilia Bartholom^i^ qu^ est 23 dies 
augusti 9 mane circa horam terciam Anna rorbecherin, ^gO; soror 
mea^ obdormiuit in domino franckfurdi^ apud virgines zun wissen 
frauwen, de quarum numero et ipsa erat, cuius anim^ propitiari 
dignetur misericordissimus deus. Exequi^ quoad diem primum cele- 
brat^ sunt die Bartholom^i cum vigiliis^ altera die missa. Actum zun 
wissen frauwen. Dies repetitionis exequiarum cum vigiliis xxviii au- 
gusti et cum missa xxix peractus est in pr^fata ecclesia. 

§. 74. [fol. 9] Anno 1494 vicesima secunda nouembris gab mir 
myn Schwester Afira zun wissen ffrauwen eyn zwyg, gemacht von 
syden, hatt drij wißgefolt ackeleyen, drij eychlin vnd sust zwo roitt- 
gefolt blumen myt fyll anderen kleinen blumchin. 



6. Martha Rohrbach. 

§. 75. [fol. 7] Anno 1494 vndecima octobris Martha rorbecherin, 
soror mea, e sacro fönte baptismatis leuauit infantem Gissenhenn, 
quam nomine suo^ videlicet Martha^ nuncupauit. Mortua est infans. 
Non eo minus verum est; eo quod deletum sit. [Die Notiz istnämlich^ 
wie öfter; im Manuscripte ausgestrichen.] 



7. Karl Hynsberg* 

§. 76. [fol. 3] Anno 1494 duodecima julii natus Vdalricus hens- 
perg ex Karolo hensperg et Agnete neuhuserin. Hanc nativitatem 
retulit mihi Vdalricus neuhuseU; dicti infantis compater. 

§. 77. [fol. 5j Anno 1494 septima septembris obiit Agnes nufauseU; 
uxor Karoli henspergs. 



8. Karl Hynsberg's Ehe mit Martha Eohrbach. 

c 

§. 78. [fol. 21] Anno 1495 die undecima maij yn dem klapper- 
garten KatherinQ, relict^ Johanis hulczhusen; conelusenmt et consen- 



- 122 — 

senmt mater et Elarolus henspnrg, ut videlicet Earolus dnceret in 
nzorem Martham^ sororem meam^ pr^entibuB ibidem Jacobe neu- 
heiuer^ Gilberte hulczhnsen et me. 

§. 79. [fol. 21 J Anno 1495 die 16 maij^ eratqne dies satunii^ synt Tor- 
flieglet worden zwen elichs brieff glichladent, antreffen Karlen hens- 
purg ynd Martha rorbeeherin, myner Schwester^ Tnd von Karies w^en 
hatt verei^lett doctor Ludwig zum paradiß, schulteyß etc myt synea 
ambcz giegell, Ortt zum jungen ynd Conratt nuhuß, von Martha we- 
gen haben yorsiglet Gorg frosch, Haman hulczhusen vnd ich; Job 
rorbach; yr bruder, vnd ist das erstmalig das ich gesiglet hab^ den 
myner Schwester zu lieb ließ ich das siegel graben. 

§.80. [fbl. 21] Anno 1495 die ISmensismaij^ eratque dies lun^, hatt 
man von beyder sytten frund geladen zu foUen bringen vnd zu beschlies- 
sen die ehe zwischen Karlen henspurg vnd Martha rorbecherin mjner 
Schwester, vnd hatt Karlen syn frund durch syn knecht lassen laden 
vnd myn mutter yr frund von Martha wegen lassen laden durch 
meysterNiclassen schorrebrant, den man nent den armbruster — die 
jungfraweu; die nyt zu gehören, die ledt man durch eyn meyt des 
morgents — vnd synt die frund geladen worden von beyden sytten 
des morgencz, also das man die man von beyden sytten hatt gepetten 
zu komen zwischen Xu vnd eyner uwer zu barfussen, die frawen 
vnd jnngfrawen yn das huß myner mutter. Also ist ens auch folien- 
gangen. Vnd so die man von beyden sytten zu barfussen koment, 
schickten sie eyn [fol. 22] knecht zu den frawen yns huß, liessend 
fragen: wer ens den frawen gelegent, woltent sie komen. Entbottent 
ynen die frawen: ens wer en gelten. Da thet Gorg frosch eyn 
abred also luttent yn der meynung : Alß beredt vnd betteydingt wer 
zwischen Karlen henspurg vnd jungfrawe Marthen eyn ehe, mytt 
beyder sytten frund radt, wissen vnd willen die also zu beschlissen, 
pett er sie dar by zu syn. Des sie al guttwillig waren vnd gyngen 
von den barfusser yn myner mutter hu£ zu der brudt vnd den frawen 
vnd jnngfrawen. Da ym huß thett Gorg aber wie for eyn abredt; 
nach der nam her Johann brun jungfraw Marthen vnd Karlen vnd 
gab sie zu samen zu der heyligen ehe vnd war eyn soUich fyrteller 
stund nach eyner uwer nachmyttag. 

Di£ hie nach geschrieben synt die frund, die von Karlen hens- 
purgs vnd Martha rorbecherin wegen gebeden worden zu komen zu 
dem winckauff ader hantschlag, vnd wo eyn solich o bystett, die 
koment nyt Vnd zum ersten von karlens sytten : 
Guttgyn beringen, Karies mutter. 



- «2S - 

KarleD; der brudgamer, \ 
o Wigrmt(noneratmciyitate) | henapurg, gebruder. 
Johan f 

Doctor Ludwig zum paradüß, schultheyB, 

Asyn heryngen^ Byu husfrawe. 

Ort zum juBgen. 

Eryngyn heringeii; gyn huBfrawe, EarleB anfirawe. 

[foL 23] Conratt nuhul) \ 

Margrett; Byn husfrawe, > gebruder. 
Virich nuhuß ] 

Von Martha wegen wurden gebetten : 
Eylchin rorbecherin, Marthas mutter^ 
Martha rorbecherin, 
Job rorbach, 

"R h t / rorbach wurden nyt gebetten, den Bie waren nyt 
p tt i ^^ franckfurt (erat namque Bernhardt in via ez- 

1 eundi italiam, ConraduB vero erat venetÜB). 
Eatherin hulczhuBerin zu goltBteyn. 

Haman 

Margret, Byn husfrawe, 

Gylbrecht 
o Eryngin zu Spangenberg in- ) hulczhuser. 

firma erat, 
o Eylchin, yr tochter, 

Margrett zum thom 



Gorg 

Gorg, Byn Bun, 
o Wicker ward nyt gebetten, denl 
er war nytt yn der Btadt, 
Enchin, 
Magret, 






Byn dochter. 



Wolff 
Enchin, j 

Agnes, ( Byn doch^r 
LyBz, \ 
o Mylchar, syn Bun, ward nyt ge*| 

betten, den er war auch nyt 

hie. 



fröBch. 



blOm. 



— 42* — 

o Hen I 

o Kryngyn, syn huafirawe^ 1 o i, 

T V O ÄCIl B ^ 

^ l hii non veniebant, alles^abant 

o Kr3mffYn / , % .n 

T . ^ l causam luctus, sed causa illa 

o Luwiff, syn sun, war nyt ee-i , 

, ? j X l non excusat plene. 

laden ^ den er war nyt zul ^ 

franckfurt. / 

o [fol. 24] Doctor Johann glauburg non erat in civitate. 
Johann von holtzheymer. 
Katheryu; die alt rorbecherin. [§. 87] 

Die jungffrawen, die nyt zu gehorten vnd doch geladen warent: 

Cristyn froschin zum burgreffen, 

Kryngyn stralnbergeryn, 

Junrarawen \ tt i • 

* Kryngyn dyrmeyenn, 

Kryngyn humbrechtin. 

Die jungen gesellen, die lud Karlen alle, nach, dem der hant- 
schlag geschehen war, welche anders uff der stoben den selbigen tag 
waren, vnd koment zum nachtmall, die hernach geschrieben : 

p f nuhuß, gebruder. 

Georg martroff. 

Johann han. 

Ambrosius glauburg. 

Conrat zum jungen. 

Philipps ogelnheymer. - 

Bemhart wyß. 

philipps von stocken, nobilis, inuitatus per matrem et ille le- 

gittimus est. 
her Johann brun,. inuitatus, quia despondit iste sacerdos. 

§ 81. [fol 28] Bolemnizatio matrimonii Karoli et Martha. 

Anno 1495 prima die julii, qu^ est vigilia visitacionis b. Mari^, 
post horam octavam mane in facie eccledi^ solemnizatum est matri- 
monium Karoli hens'pürgs et Martha, german^ me^. Et cum Karolo 
adecclesiam iuimus fratermeus Bemhardus et ego et non alius, cum 
sorore mater nostra, socrus sua una cum Anna et Agnete, filiabus 
Wolf blümes. Deinde sexta julii eodem anno, quo supra, nupti^ act^ 
sunt, ita videlicet: vocati ad nuptias, ederunt, biberunt ac trepudiarunt 
in curia dfii archipr^sulis treuerensis, vulgo monczhoff dicta. 
sponsa vero sponso est apposita in domo wixhuserhoff publice 
nuncupata, in camera picta, sita super testudinem. Ego autem nuptiis 



- 125 - 

penitaB non interfui^ febribns pr^peditaB^ Bed cum sponsaapponebatur 
sponso, ego occnltatns Bub lectu [fol. 29] extraxi dextram calcenm; 
JacobuB nuhusen me pr^venit extrahendo siniBtrum et ille rectiuB 
me egit^ cum tum dedit Gjlberto hulczhusen. 

§. 82. [fol. 29J Anno 149ö decima nonajulii Martha rorbecherin; 
Boror noBtra; traducta est ad curiam Karoli heuBpurgs, mariti Bui^ der 
f d e n h o f f nuncupata[m]. 



9. Kinder dieser Ehe. 

§. 83. [fol. 69] Anno 1496 in die diu^ Barbar^ Virginia^ quQ est 
quarta dies decembris^ natus estexEarolo henspurg et Martha, sorore 
mea; Ludwicus, primogenitusmaxime Martha, habuit namque Caro- 
lu8 antea duas yxores. Quinta' decembris baptismate renatus est E 
fönte baptismatiB suseepit infantulum Ludwicus de paradiso, iuris 
vtriusque doctor ac miles huius opidique scultetus. Deinde anno 
1497 die 16 octobris peperit Carolum, de quo latius in chartalOl; 
obijt. [fol. 101 : Anno .1497 die sedecima octobris natus est secundo- 
genitus Caroli et Martha sororis infra XII et primam horas de die; 
vocatus patrls sui nomine videlicet Carolus hynsperg. Infantis com- 
pater Dyß hengyn. Arbitror infantem 17 eiusdem baptizatum, me 
tunc wormati^ existente. Mortuus est infans.] Anno 1499 decima 
quinta junij genuit filium^ quem et Earolum nominauit; vide in 141. 
[fol. 141 : Anno 1499 sabatho et decima quinta junij ex Earolo hens- 
perg Martha; soror mea, genuit filium suum Karolum ante horam duo- 
decimam de die y qui baptizatus die dominica sequenti. Compater 
infantis est Michel schwartzenberg, et is in genitura tertius est filius 
Martha in ordine; obiit paulo postj Anno 1500 peperit Ort 13 iunij, 
de quo in charta 154. [fol. 154 : Anno 1500, anno iubileo et bisextili, 
peperit Martha, soror mea, ex Karolo hynsberg quartum filium trede- 
cima iunij, qui baptizatus die sequenti, qu^ erat dominica trinitatis. 
Nomen nati estOrtt; compater estOrtt zum iungen senior et viduus, 
in octobri obiit eodem anno.] 



10. Städtische Dienste Karl Hjnsberg's. 

Wahl zum älteren Bürgermeister §. 124. 

§. 84. [foL 138] Anno 1499 in die innentionis sanct^ crucis et 
tertia maijEarolus bynsperg, affinis meus, ärripuititter ad oberlingen, 
misBUB a consilio, quem plures comitati sunt vBque ad Saltum 



— 126 - 

cerni; inter qaos etiam ^o cum Uli» pariter eqnitaui super equum 
Jacobi neuhusoD, magistri ciuium. Muüeres etiam curru vehebantur, 
videlicet mater Karoli et yxor 9ua, mater mea et vxor Michael 
Bchwartzenbergs. 



11. Wahnsinn von Johann Hynsberg; Karls Bruder. 

§. 85. [fol. 83] Anno 1497 quinta martij et dominica L^tare 
lohann hjnßberg post altercationem et insolentias in domo habi- 
tas alapas in domo iustissime accepit, deinde post vesperas in foro 
ante pr^torium apprehensus, publice per pedeUos magistratuum ductus 
in carcem sancti spiritus, depost decima sezta maij eodem anno de 
carcere laxatns et emissus est. D^ost vero sequenti anno in mense 
Januarij itterum carceri includitur^ in quo nunc residet, actum me 
existente wormatiQ [cf. §. 33. 34.J. 



12* Tod der Guttgyn Hynsberg; Karls Mutter. 

§. 86. [fol. 160] Anno 1500 sedecima decembris obijt honesta 
Guttgyn heryngen^ relicta karoli hyni^bergs. Reliquit filios duos, 
Wigandum videlicet et Carolum sororium nostrum^ et Annam^ yxorem 
quondam domini Johannis reiß^ aduocali huius oppidi. 



13. Conrad Bohrbach. 

§. 87- [Nicht numerirtes Vorblatt] Anno 1493 octava apriU 
abiit primum Conradus, frater meuS; de franckfurdia ad Augustam, 
de Augusta Venetias^ de Venetüs rediit franckfurdiam in anno 1498 
in mense martij. Ibidem duravit usque diem octavam junii anni jam 
dicii. Ea die adduzit cum secum Ludwicus m^urtro£f ad Alemaniam 
Bassam. 

[Conrad weilt zu Antwerpen §. 10.] 



14. Tod der Katharina, Heinrich Bohrbach's Wittwe, 

Jobs Tante. 

§. 88. [fol. 157] Kaiherina Borbechin. Anno 1500 sexta octobris 
ac die martis noctn yndecima hora vel circa eam obijt Katherina, 
relicta Henrici rorbachs, patrui mei^ et septiaia eiusdem menais ae- 



- 127 - 

pnlta est in ecclesia noatra condtatauique funus fbit com Baoerdotibufii 
ac Bcolaribus etc. [cf. Bernhards Familienchronik §. 86 seq.] 



15. Grundbesitz der Familie Bohrbach. 

§. 89. [fol. 5] Anno 1494 zxvüi augusti locauit mater Celaria 
in domo Ernfelf duo illa contigua Wolff brente pro v fl. ad 
annum iüi*^^, incipiet autem annus currer^ ipso die Mihael proximi 
yentiiri, locauit autem eertis condicionibus^ de quibus ipsa nouit 

§. 90. [foL 34] Anno 1495 in mense augusti hat die mutter die 
zwen herd zu ernfelß mji schyffersteTn lassen beseczen vnd gancz 
neuwe machen ^ auch ejn neuwe blanck lassen machen im Esch- 
heimerhoffyff der Ijnckten sytten, alß man zu hoff yn gett; fahet 
daselbst neben dem stall anvndstost an reckklessen scheuwer; auch 
hatt sie die spicher jm hoff lassen bynden^ wo ens noitt ist gewest 
pSodem anno die 16 mensis nouembris hat myn mutter zwen neuwe 
steynstock vor den keller zu Ernfels lassen machen, not. margin.] 

§« 91. [fol. 35] Anno 1495 die 3 septembris ist eyn gancz 
neuwer offe ußgemacht vnd bereydt worden jn der grossen stoben. 

§. 92. [fol. 50] Anno dnj 1496 in die cathedra beati Petri^ erat- 
que tunc dies Iun§ post dominicam inuocauit; feci annectere stubell^ 
me^ seram cum duabus davibus [duabus]; pro hijs solui octo £. 

§. 93. [fol. 59] Anno 1496 hat myn liebe mutter den hoffyn 
der Escheymergassen ynwendig vnd vßwendig vnd desglichen 
die spicher vnd stel, scheuwer vnd yn allen zynJßhuseren d'arby 
lassen bynden^ machen, kleyben, wedderbarten, estricheu; vfige^omen 
das hynderst zynßbuß im gesslyn, das also onreyn ward gehalten 
durch die daryn wonnend, das man dar vmb nyt mocht das selbig 
huß mjt estrich beschlagen; sust syn die andern zwey hußlin myt- 
sampt dem hoff gancz vßbereyt, auch zwen ganzer neuwer offen 
gemacht; eyner yn die stoben des huß, das ym hoff lyt, der ander 
yn das huß zwischeym hoff vnd dem eck ; auch den hoff ynwendig 
vnd vßwendig, vor vnd [suppl. die] zynßhusser, wo sie czur gassen 
zu gan, lassen wissen vnd malen , auch fom an hoff myns vatter 
seligen vnd yr wappen lassen mallen, dar uor gab sie vüi &, vnd ist 
der hoff gancz vßbereyt worden, wie obstet, die vicesima octaua 
julij anno, quo supra. 

§. 94. [foL 64] Anno 1496 prima octobris duplicat^ valuQ circa 
fenestras anterioris partu maioris stub^ erect^ ac perfecta sunt. Eodem 
aano, antea videüeet quam valu^ erigebantor, stuba magna et aula, qu^ 



I 
I 



— 128 - 

pr^cbe ante stubam est, wulgariter der em, dealbat^ et coloribua 
varÜB, Yt vides; colorat^ sunt. 

§. 95. [fol. 85] Anno 1497 in martio et apprili hat myn mutter 
lassen das dach heben ober dem stall jnn vnserem hiü3 vnd etlich 
neuwe balcken vnd suellen darunter lassen ziehen. 



16. Besitz und Vermögensverhältnisse derFamilie Bohr- 
bach im Allgemeinen. 

§. 96. [fol. 3] Anno 1494 die junii xv tradidit mater binas sigil- 
latas litteras Nicoiao armbruster^ unas super iüi morgen et 
X3txvii rudon bratorum [pratorum]; secundas impignoratas pro vi flo- 
renis; videlicet caveant de xii achtel vel malder siliginis; sed sunt 
impignoratae, quousque de litteris aliis caventes [caventibus?] de sex 
florenis mater prouideatur [provideat]. Item habuit et antea diu litteras 
caventes desuper iij flor. 

§. 97. [fol. 8] [Anno 1494 duodecima novembris]. Item hat myn 
mutter Qylbrechte die schnjdbanck geluwten. 

§. 98. [fol. 45] Anno 1495 die tricesima decembris; annum ab 
initio ianuarij inchoando, solui ex parte matris exactionem^ 
quam domini de consulatu imposuerunt eodem anno et solui noveni 
aureos et duodecim solides^ et vi d. pro xviii & census, quem censum 
soluit magister iohannitarum^ et hij restituent eosdem vi d. Hanc 
solutionem feci in stubella vff dem romer sederuntq. ex parte con^ 
sulatuS; qui hanc exactionem a me receperunt^ Cristianus folcker, 
tanqum scabinus^ Johann zum iungen, tanquam domicellus 

et Scheffer hen seniar, vt vnus ex plebeijs^ et tan- 

quam scriptor. Jn alia stubella^ in qua picti sunt principes secundum 

ordinem, sederunt Ortt zum iungen^ tanquam scabinus 

Eisdem^ dempto quod non erat Cristianus folcker eodem in 
loco^ et eandem quantitatem videlicet viiij fl. 17 h. ex parte matris 
solui. Actum anno domini 1496 die decembris vicesima [1. tricesima] . 

§. 99. [fol. 53] Anno 1496 die octaua hab ich possesion ent- 
phangen von wegen mjner mutter von dem schultheyssen vnd schef- 
fen zu kaldebach bj bonmeß vber die x achtel kpmgulte, die mjn 

r 

mutter kaufft hatt vor hundert gülden vmb Cuncz schwalbach iuxta 
litteras, quarum initium 151: Joh. Cuncz von schwalbach vnd ich 
Else etc. et finis litterarum est: Geben nach christi vnsers herren 
geburt dusent vierhundert nunzig vnd sechs iar vff fritag nebst noch 
vnser lieben frawen tag zu latln genant anuntiationis. Aderat ibi 



. — 129 — 

WaltheruB de fischbom, primus officialiB in bonmeß; quem et scul- 
tetus et scabini et venditor rogarunt pro sigillo et venditoris vxor, 
pr^se^te me et Nicoiao schorrebrant; vulgo Niclas armbru- 
Bter genannt; qui ob eormn preces sigillmn 8uum i^pendit 

§. 100. [fol. 63] Anno 1496 5. septembris sigillaui octo quitan- 
tias matri« Piima x fl. sub titulo reemptionis in geyhihusen ; secunda 
xüi fl. continebat ad vitam matris ; tertia xx fl. sub titulo reemptionis 
in ylma; quarta xiii fl. ad vitam matris in norenberg; quinta xüi fl. 
ad Yitam meam, olim etiam ad vitam Ann^ sorororis; in erfurdia; 
sexta xüii fl. sub titulo reemptionis in erfurdia; septima xüi fl. ad 
vitam Bernhardi fratris in erfurdia; octaua x fl. sub titulo reemptionis 
in hochhejm. Fratri meo sigillaui vnam quitantiam super 8 fl. ad 
vitam suam ei; matris in er^rdia. Anno 1498 sigUlaui decem quitan- 
tias matri; fratri duas. 

§. 101. [fol. 66] Anno 1496 hab ich eyn gewalczbrieflT versiegelt 
zu vorzyhen* vff zwen morgen ackers vnd fünf fyrtell mynner 
üü rüden ; gelegen ynn der bockenheymer termyni, die myn mutter 
vor ym iar 1490 verkatdSft hatt Classen mertellern vnd Hen ym 
hoff', der iimflrawen zu wyssen frawen lantsydell, vnd hatt[en] die buwe- 
ren keyn genügen dran^ sie werent dan noch gewonheytyrs gerichtcz 
gewert. Darvmb gaben Bernhart; myn bruder; vnd Martha ; myn 
Schwester; rniyr eyn gewalczbrieff von yrer zweyher wegen zu vorzy- 
hen ; also bracht ich dissen gewalczbriefi* vor das siezen gericht zu 
bockenheym; den liessen sie zu vnd darnach vorzieh ich von wegen 
myns bruders vnd Schwester vnd mynet wegen. Also wurden wir vß 
dem lant von gerichcz wegen druß gesetzt vnd die obgenanten bue- 
ren dryngeseczt vnd den gewalczbriefi* wolt myr das gericht nyt 
Widder geben. Actum anno 1496 die octaua nouembris. Von myns 
bruder Conracz wegen könnt ich nyt vorzyheU; den er was zu 
Venedig. 

§. 102. [fol. 69] Anno 1496 die vicesima decembris solui exac- 
tionem ex parte matris ; videUcet nouem flor. duodecim ß. et vi h.; 
dominis de consulatu traddidique Jobanni zum jungen et iSchef- 
fer benn et aderat scriptor Johannes schneglin. Cristianus fol- 
cker debebat adessC; sed non erat. Actum in prima stubella versus 
gradus vff dem Eomer, vide supra in anno 95. [§. 98.] Die 30 de- 
cembris tandundem [1. tantundem] ex parte matris. 

§. 103. [fol. 84] Anno 1497 decima quarta martij sigQlaui matri 
octo quitantias; primam de x fl. titulo reemptionis in ciuitate geyln- 



» verzichten. 



— <30 — 

husen^ secundam xx fl. sub titulo reemptionis vlm^^ tertiam xiii fl. 
ad vitam matris norrenberg^ , quartam de x iL redimendis in viUa 
hocheym^ quintam xiii fl. ad vitam matris argentin^, sextam xiii fl. 
ad vitam meam et AnnQ sororis^ nunc defunct^^ erfiirdi^^ Beptimam 
de xiii fl. redimendis erfordi^, oetauam xiii fl. ad vitam fratris Bern- 
hardi erfurdi^. Fratri sigillaui vnam de octo fl. ad vitam suam et matris. 

Anno 1498 ipsa die Petri et Pauli sigillaui matri quitantias 8 de 
20 fl. sub titulo reemptionis^ quos praestant vlmenses/debitos auteni 
ipso die natiuitatis Johannis baptist^. 

Dum vero ego wurmati^ fderam, sigillauit frater Bembardns 
qu^dam, qu^ nescio, attamen alias nihil pr^ter quitantias. 

§. 104. [fol. 86] Anno 1497 die nona appril solui ex parte 
matris^ fratris Bernhardi, Boler hens^ AgneS; coqu^ nostr^; et All; 
Cuncz flecken tochter von sprenlingen, in solutionem regii exaetio- 
nis iuxta decretum a tota vniversali congregatione imperij wormati^ 
ordinatum, videlicet in anno 1495^ videlicet quilibet in bonis habens 
quingenta soluat medium aureum renensem^ habens mille soluit aureum^ 
et si vltra mille millia haberet, non tamen prestaret nisi aureum, 
habentes vero minus quingentis vel etiam nihil habentes, vt famuli 
et famul^ aliique, dumniodo ^tatem quindeeim annorum habeant, 
soluit qu^que persona vicesimam quartam partem fl. renensis. 
Sicque ego die pr^fata pro me solui 1 fl., pro reliquis quatuor per- 
sonis iiii ß monet^ franckfurdensis. Hij [?] autem ordinati erant a 
consulatu pro colligenda dicta exactioue Georgius frosch, äff i nis 
meus, tamquam scabinus, Hamandus hulczhusen, cognatus 
mens, vt domicellus, et quum solui ego, eo tunc non erat pr^sens 
Bechten iohannes, tamquam de vulgäribus. Et quidem aderat 
scriptor Johannes schneglin. H^cque prima est solutio, quam nos 
pr^fati soluimus, sie enim soluetur ad quindecennium iuxta ordina- 
tionem supra dictam. [Spätere Notiz:] Sed depost minime practica- 
tum, eo quod pecuni^ h^c non vertebantur in publicum profec- 
tum etc. 



Dienstboten im Rohrbaeh'schen Hause. 

§. 105. [fol. 69J Anno 1496 die decima nona octobris hermanus 
de Liech locauit operas suas matri, die vero 17 decembris abijt de 
voluntate matris. 

[Diebstahl einer Magd des Hjnsbergischen Hauses §. 147.] 
§. 106. [fol. 117] Sedecima julij anno 1498 Hensell juuenis 
noster, fllius Cremer hens, abijt de domo nostra, non petita venia 



- 131 - 

et insalutato hoBpite^ adeO; quo se contalerit^ignoremus; nee quitquam 
abatulit; sed vestibus exignis^ non etiam indutus caligis; sed eamisia, 
toga> pallio et capotro indutus abijt. 

§. 107. [fol. 124] Anno 1498 deeima quarta octobrie ist mir 
stompfflichen anbracht durch Eylchin von sprendelingen, wie sie sich 
fillicht ongeuerlich mit werten vorlauffen mag haben gegen Giessen 
henn [cf. §. 26 u. 75] y die £e berum^ doch glaub ne nit^ das schaden 
bring; oder wie dem allen hab sie ejn ring von im genomen vnd 
besorg sich vß sjner red^ sie hab mer vnd witter geredt, dan sie 
vormejnet Darumb so er sie haben woU; woU sie im gefolgig syn etc. 
Uff das hab ich noch irem bruder vnd ires bruders schwer [swdher] 
geschickt vnd den bruder gegen ir widder vertragen ; der den fast 
onwillig war, das sie von solichem handel im noch vnß keyn wissen 
gethan hat; noch dem giessen hen befoln [foL 125] syn frund mit 
im zu bringen; hat er ako bracht sin vater Cunczen zinghen vnd 

hansen siner Schwester man, myn geuatter. ,Da sie also by 

eud ander qwamen y noch filen furhalten vnd nach Gelegenheit irrer 
beider ist nichts witter beschlossen worden^ dan das eyn kuntschaflft 
abgeredt ist worden noch gewohnheit disser stat zwischen innen^ wo 
sie Kind gepur^ die will auch der gemelt giessen henn^ [suppl. der] zwo 
dochter von der furderigen frawen hett, vnd das, so ens eyn erbar ratt 
hie verwilliget vnd zugeb; sust so ens nit zugelassen durch den ratt 
wurd^ sal ens noch gemeynen rechten vnd gewonheitt gehalten wer- 
den. Noch dieser abredung byn ich vnd zinghen von frunden Eyl- 
chin das also zu erofihen verordenet worden, das ich auch also in 
myner mutter kochen gethan hab in by wesen des icz genanten zing- 
hens vnd der gedachten Eylchins Schwester, vnser meyt Agneßen 
[$. 104], vnd eyner frawen. Als aber solichs gescheen war, begerten 
die frund, das der hantschlag geschee, vnd hatten mich, Jop, das 
ich sie zusamen geb, das ich den also gethan hab vff den obgemel- 
ten tag vmb drij wuer [Uhr] nochmittag. Actum h^c omnia in domo 
nostra, der wizhuser hoff genant, in pr^sentia pr^dictorum, item 
et Jacobi nehusen, viri consularis, et meisterNiclaß armbruster, 
quos specialiter ego hüic caus^, vt Interessent, vocaui; mater etiam 
huic actui pro tunc interfuit. Vnd das die erste .Ehe, die ich gemacht 
vnd zu sam geben hab, got geb, das wolgerat. Amen. 

§. 108. [fol. 126] Barbara, Hanß kneyffen, doliatOris ac incol^ 
opidi huiuB, et Elßen filia, iniroijt domum nostram ad famulandum 
genitrici als eyn vndermeyt, 24 octobris anno 1498. Abijt de post, 
kathedra Petri. anno 99. 

9» 



IL Frankfurter Sachen. 



1. Zeitgeschichtliches. 

§. 109. [fol. 3J Anno 1494 die janij 14 wormatieivies iuramnt 
fidelitatiem serenissimo regi Maximiliano etc. solutique sunt a ditione 
palantini; si est^ vt fertur. 

§. 110. [fol. 78] Anno 1497 prima ianuarij; vt arbitrof; obiit 
generosus comes Johannes de jsenberg^ frater comitis Lndwici de 
ysenberg; dominus in budyngen. 



2. Das Beichskammergericht in Frankfurt 

§. 111. [fol. 38] Anno 1495 in mense septembre consules franck- 
furdenses aulam ad cameram in domo zu brunfek conduzerunt qua> 
tuor annis ea lege^ vt pro quolibet anno 30 fl. exsoluerent pro 
mercede^ et si intra pr^fatos annos renuatiarent conductioni, tunc 
^dificata manebunt dominis domus et censum pro temporis rata soluere 
tenentur. Hac conuentione habita^ mox machina et sedes cum scamnis 
construuntur pro iudice camer^ regalis et assessoribus. Stacio etiam 
propria pro procuratoribus seu oratoribus causarum ordinatur. Et 
fenestris ornatur deinde iudicis tribunal et assessorum et tabeUionum 
scamna pannis decorantur. Novus ascensus ad aulam per gradus 
struitur. H^c aula sie expedita iudici regalis iudicii et suis assessori- 
bus est deputata, in qua audit causas et sententias profert. Anno 
1495 vltima septembris ascendit Serenissimus [fol. 39] Maximillia- 
nus^ romanorum rex; aulam et iuramenta a gener oso domino, do- 
mino Yttell Friderich de zolert comite, tamquam iudice accepit 
et ab onmibus assessoribus aduocatis procuratoribus et tabelüonibus 
sicque pr^fati omnes regi in propria persona assistenti iurarunt et [?] 
verum in hijs^ qui tunc aderant; hij vero; qui neglexerunt vel non 
aderant; depost iudici iuramenta pr^stiterunt. 



— 133 — 

§. 112. Deinde terda die nouembris anno^ quo snprS; genero- 
Bos dominiiB comes de zoler iudex aulam ascendit et iuramenta 
pr^stitit quibusdam asseflsoribus et uni ex tabellionibus; qui antea non 
iuraront; dehinc in snam sedem seditet assessores partim ad dexteram 
locauit; et hi erant doctoreB, partim ad siiuBtram et hij nobOeB erant^ 

non tamen doctoroB^ eratque unuB ex nobilibus comes dictuB 

de EberBteyn. Cumque sedebant^ mandauit iudex procuratoribuB ^ ut 
causaB iuxta normam ipaiB traditam wormati^ agitarent, et Bi in ea 
«nergeret quiB defectUB, emendaretur per eum succeBBU temporis. 

Et primam doctor engelender, fiBcaliB regis; agitabat cauBam 

ex parte regi« maieatatiB tanquam actoriB aduerBum comitem 

demörf. Et in bac prima audientia Bedebat iudex pr^fatuB cum quin- 

que doctoribuB in dextra et comes de ebersteyn cum tribuB 

nobilibus in sinistra iudicis. Item aderant du'o Bcriptores, qui acta, 
quae aguntur in iuditio , Bcribebant , quorum vnus Johanes starck, 
alter Ambrosius dietherich appellatur, et hij duo secretarij dicnntur. 
AliuB etiam erat scriptor, qui instrumenta legebat publice. Erat et quar- 
tuB et iBte specialis erat scriptor iudicis. Item erat et pedellus. Item 
aderant octo procuratores seu oratores causanun. Et h^c fiiit prima 
sessio iudicis seu prima audientia camer^ regalis; licet wormatiQ 
s^pius audientiam dederit, tamen revera non nisi ymago hujus fuit, 
ut Omnibus patet Hoc acto, ex camera, quQ adh^ret aulQ prefatQ, 
stuba formatur, ornatur [fol. 40] fenestris et scanmis etc. et in ea 
causaB et fiententias tractant. 

§. 113. Anno 1495 27 die nouembris pr^stitit comes Yttell 
Friderich, iudex regaUs iuditij camer^, iuramenta Jacobe leyer et 
Cunz schryner tamquam cursoribus, qui iurarunt die, quo sup'ra. 
Anno 149Ö .die secunda nouembris doctor Bernhardus schefferlyn 
pr^stitit iuramentum assessoris, et iurauit quidam nuntius eodem die. 

§. 114. Secunda nouembris Anno 1495 hatt des römischen 
konigs perseuant alle phede brieff von romer abgenomen vß yrsach, 
das vnser her der konig alle phede, die disse statt vff das mall hat, 
hingelacht hatt 

§. 115. [fol. 8&j Anno 1497 duodecima maij marchio lacobus 
. ... de baden, Iudex iuditij camerQ vna cum asBessoribus vltimam 
pr^buerunt audientiam. Ex eo enim die iuditium camer^ translatum 
est a franckfurdia wormatiam. 

§. 116. {fol. 90] Eodem die [sc corporis christi et vicesima 
quinta maij anno 1497] inuitavit Eberhardus de husestheym et 
Guttgjn, uxor sua, ad c^nam ad ortum, quem habet extra muros, 
dictuB nydennawe, yidelicet marchionem lacobum de baden supradic- 



— 13* — 

tarn (qui Becom habuit dta dorlinger et duos aUos nobilee sibi ser- 
nientes ad tabniam); doctorem [fol. 91] de nideck; lohaxmem pleniger^ 
Vitom de walrod^ equitem auratum, onmes bij assessores iudilij 
camer^ nobilesque, ........ scliaczmeyfter imperij^ comendatorem 

domns dominorum theatonicorum, nomine Päncratius de rynBtein; 
GoffSeui; de kleben, auch echaczmejster, Fridmcum von fylsch^ capi* 

taneum franckfnrdengem; doctomm Valentmnm cum Mar- 

greta sua legittima^ iuditij camer^ procoratores^ Henn glaaburg, 
Ciaram tixor[em] suam^ Hans von lyn^ Sjffart knobelach^ C^Iiam^ 
oxorem Buam, Yrsulam^ relicta[m] Walten Bchwarczenberg'S; Agne- 
tem, reUctam Hertuani yrgerBcheym^B, Otiliam^ relictam Amoldi 
glauburgs, Katherinamy relictam Gilberti hnlczfansenB; Ludwicum hnlcz> 
hnBCQ; dictQ katherine filium^ Elchin, relictam Bemhardi rorbachs, 
Bemhardum et Job rorbach, nati dict^ Eylchins, Margretam, uxorem 
Hamandi halcshuBen, Frönicam, legittunam lacobi wiBBcn, Fridericom 
[Geprgium] flach; Annam, uxorem eiuB, officialem zum gohBtejn, Ag- 
netem, virginem et filiam Stefiashans. Hob omnes pr^fatuB £berhar- 
duB laute honorifice admodum cibauit actractauit. Deindedie vicesima 
sexta maij abiit marchio cum aliquibuB aBBCBSoribuB wormatiain. 



3. Fremde Fürsten in Frankfurt^ 

§. 117. ffol. 60] Anno 1496 prima augusti aduenit franckfur- 
diam illustris dominus Philippus palatinus cum filiis Septem et filia 
vna ac cum filio ducis Georgii de Bauaria. Aduenerunt etiam epis- 

copus medburgensis; nomine ac ejus frater Johannes, dux 

de saxonia; cum Ulis aducitur mater vxoris palatini ' pr^fati cum 
duabus alijs principissis. Et l^ti cum triumpho conuiuia celebrabant, 
trepudiando in domo dominorum theutonicorum et in domo domini 
treuerensis episcopi. Tercia augusti abierunt. 

§. 1 18. [fol. 60] Anno 96 prima die augusti Johann kreutter macella- 
rius, vt vnus de consilio, ^o Job rorbach, Jost kronberger, Jobann 
kloppheym, nos quatuor ex mandato dominorum de consilio ob aduen- 
tum principum supra scriptorum armati ascendimus hora secunda 
post meridiem pro custodia seu vigilia noctis et diei facienda turrim 
supra pontem, quQ propinquior est domo dominorum theutonicorum, 
wulgo der neuwe brocken thorn genant. Moram in ea fecimus vsque 
in seoundam augusti, tunc mane hora quinta descendimus. 



— 136 — 



4. Raths* und Bürgermeisterwahlen. 

§. 119* [fol. 1] Anno 1493 secunda maji Uamandus de hultz- 
husen et SiffridnB klobelach assumpti sunt in consilium franck- 
fordi^. 

§. 120. [fol. 20] Anno 1495 prima maij electi sunt de consilio 
firänckf. in magistros ciuium Johann glauburg^ tamquam scabi- 
nus et senior, et Claß roddngen, tanquam junior, et pr^cedenti 
anno fuerunt daniel brom, tamquam scabinus, et Johann zum 
iungen. 

§. 121. [fol. 55] Anno domtni 1496 prima die maij in magistros 
ciuium sunt electi Johannes de ryn, vt senior, et Conradus, 
»chytt 

§. 122. [fol. 87] Anno 1497 in die marci euangeUst^, qu^ est 
25 apprillis assumpti sunt in consulares Wolff blüm senior, affinis 
mens, Johann hann, Claß stalburg. 

§. 123. [fol. 88] Anno domini 1497 prima maij et die lun^, 
rogationis ebdomade, in magistros ciuium sunt electi Fridericus de 
Alczen, licentiatus juris, tamquam scabinus, etHeynri'cus de 
rynn, vt domicellus., 

§. 124. [foL 114] Anno 1498 prima maij in magistros ciuium 
franckfurdi^ electi sunt Karolus hynsperg, vt scabinus, et 
Michael sehwarczenberg, vt domicellus, hij duo anteanunquam 
pr^fuere ofßtio tali. 

§. 125. [foi. 188] Anno* 1499 prima maij electi in magistros 
ciuium Ortt zum jungen scabinus et Jacobus neuhusen, vt 
domicellus. 

§. 126. [foL 141] Anno 1499 nona iulij duo hij, videlicet Con- 
rad Bchytt etHamandus hulczhusen, in scabinos franckfurdenses 
sunt electi. 

§. 127. [fol. 141] Auno 1499 sedecima julij accepti sunt in con- 
silium franckf. et in consulares creati Jacobus stralnberg, nondum 
vxoratus, Gilbertus hulczhusen viduus etThomaß maß vxorem 
habens, omnes vt domicelli. 

§. 128. [fol. 152] Anno domini 1500, qui erat jübil^us et bisex- 
tilis, prima die maij in magistros ciuium sunt electi Cristianus 
folcker, vt scabinus, et Wolff bl um e iunior, tamquam domicellus. 
Nee quisquam iUorum pr§fuit retro illi officio. 



- 136 — 

5. Amtleute. 

§. 129. [fol. 2] Anno 1494 in mense junii vel paulo ante electos 
est Oeorgius flach in officialem zu goltsteyn per dominos de con- 
Bulatu franckfordi^. 

§. 130. [fol. 2] Anno 1494 in mense augusti electuB per dominos 
de consilio franckf. Walterus fisehbom.in officialem zu bonmesa 
ingregflUBque est officium circa festum Michael eodem anno. 

§. 131. [fol. 169] Anno domini löOl vicegima nona apprilia 
Georgius flacb^ nobilis et officialis consulatus hie zum goltsteyn circa 
magannm^ sepultus est hie apud minores et, vt arbitror, die pr^ce- 
denti reddidit domino spiritum. 

§. 132. [fol. 169] Anno 1601 in mense maij electus est a con- 
sulatu Johann hulczheymer, cognatus mens, in officialem zum goltsteyn 
in locum Georgij flach hie suprascriptL 

[Jobann Holzbeimer; früher Amtmann zu Bonames, §. 13. 80. 177. 
183. 185. Nicolaus von Babenhausen, früher Amtmann zuGoldstein, 
§. 14 §. 177. Erban Tagel, officialis in Erlenbach, §.48. 334.] 



6. Städtische Hauptleute. 

§.133. [fol. 155] Anno dominj 1500 die 14 julij aducitur huc 
ad habitandum et ezercendum officium capitanei nobilis Johann mor, 
Capitaneus nouiter assumptus in locunf Friderici de fylsch, qui 
ob infirmitatem cessit, et dictus Johann mor in illius locum assumptus. 

§. 134 [fol. 171] Fridericus de fylsch, olim capitaneus huius 
oppidi, obijt vicesima sezta septembris anno 1501, relicta vxore et 
nullis liberis. [cf. §. 116. Friederich von der Fylsch §. 257. Johann 
Mohr §. 290.] 



7. Richter. 

§. 135. [fol. 54] Anno 1496 vicesima sexta aprilis Gerla,ch 

zur alten wagen ist eyn oberster richter worden. 

§. 136. [fol. 88] Anno 1497 nona maij hat man drihen richtem 
gerufft vor den sitzend Ratt vnd yh die steh oder stecken genoinen 
mitt namen Gypel hennen vnd Schaffmans vlrichen vnd Hartmutten 

Restituti sunt ad officia die vicesima tertia maij annO; quo 

supra. 



— 137 — 

8. ßäuber und Feinde. 

§. 137. [fol. 14] Anno 1495 deeima octaua ianuarii succenderunt 
hostes horreum yn rad sagittando ignea tela. 

§. 138. fol. 18] Anno 1495 deeima die apprilis vnus hie com- 
bustus est^ qui et latrO; de noBtris adverBariis. 

§. 139. [fol. 20] Anno 1495 oetava maij fama de hostibuB seu 
latrunculis; videlicet die hutteschen vnd Jost frundt etc. cum coheren- 
tibuB; orta est; quod adesBcnt et damnum seu pr^dam arripere pr^- 
tenderent ideoque pulsata est campana, qu^ wulgo est gemperlyn 
nuncupata^ ad cuius sonitum omnes ad hostes fugandos et se defen- 
dendoB currunt et eucurrerunt, et tum de gratia dei nihil lucri 
habere latrones poterant, nee a nostris aliquis aduersariorum captus; 
vel visuS; nisi a paucis. Item in anno antea 93 pulsata est pr^fata 
,campana gemperlyn in marcio^ eo quod ribaldi spoliarunt quendam 
pastorem sua grege ouium; licet pastor nee oves^ ut fama fuit, ad 
iurisdictionem franckfurdienaium pertinebat, nihilominus tarnen oues 
retinebant et vendebant. 

§. 140. [fol. 27] Anpo 1495 Beptima junij; erat dielt penthecostes^ 
vndecima hora ante meiidiem pulsabatur campana wulgo Qemperlin 
eo, quod latrones noBtr^ civitatis; videlicet die hutteschen et jost 
frund etc.; centum rapuerunt vaccas; quQ fuerunt rusticorum yn 
nyder rad^sed tarde nimis rescitum est et tarde nimis persecuti sunt 
nostri latrones. 

§. 14fl. [fol. 3:^] Anno H95 die 23 julii latrones JoBt frund vnd 
die hutteschen cum reliquis miseris modis et multiplicibus vulneribus 
necarunt duos piscatores circa rumpenbeym; unum tot vulneribus 
repleuerunt; vt mortuus ad ciuitatem traductus est, alter semianimis 
in nocte spiritum tradidit Dehinc videlicet 25 julii supra dicti rapue- 
runt 19 vaccas; 27 equos et equas vna.cum eorum iumentis czu 
durckelwyll. Item deinde 26 augusti pr^fati latrones vaccas^ porcos 
(equos paucos) et quingentos oues rapuerunt zu durckellwill. Item 
ultima septembris combusserunt tecta octo in bonmeß sagittando tela 
ignea et hij;^ qui sagittas emiserunt; die sequenti per Hteras hostilita- 
tem indixerunt Act. anno 1495. 

§. 141. [toi. 34] Anno 1495 die 17 Augusti latrones Jost frundt 
cum suis combuserunt sepes et hostia vff dem knobellachs hoff, qu^ 
curia est Wolff blumenS; filii quondam Georgii blumens. Actum in 
nocte. 

§. 142. [fol. 37] Anno 1495 die 4 octobris pulsata est campana 
Gemperlyn vulgo dicta, eo quod visus est exercitus, videlicet Tom- 



— 138 — 

hanrud [?], magister 'curiQ archiepisoopi moguntinenflig^ cum militibuB, 
equestribuB; ideoque enht arbitrati homines esse de latronibuB, qui 
pr^dari cupermit, et armati exienint, sed cum sentiebant eoB non 
fuiflsey reuersi sunt in pace. 



9. Nächtlicher Unfug. 

§. 143. ffol. 8J Anno 1494 duodecima nouembris in nocto in 
vicu institorum omnia manubria; pedes vel ligna pendentia ante 
hostiam^ quQ pulsare solent volentes ingredi, abscisa sunt et proiecta 
Bupra cymiterium pr^dicatorum et rupt^ Bunt aliqu^ fenestr^ iaculis 
in ecclesia pr^dicatorum, nee Bcitur; quiB fecerit. 



10 Strafen. 

§. 144. [fol. 4] Anno 1494 die 22 augUBti suBpensus est hie 
vnuB. 

§. 145. [fol. 6J Anno 1494 die 26 septembriB decapitatuB est 
vnuBy ob Bcdicionem factam in nundiniB, noctu portiB clausis circa 
maganiun BepultUBque in ecclesia sancti spiritus ob honorem paren- 
tum Buorum. Erat de babenberg. 

§. 146. [fol. 6] Anno 1494 prima octobris suspensus -est rusticus 
hie de prunheym. 

[OombuBtio aduerBarii §. 138.] ^ 

§. 147. [fol. 57] Anno 1496 die nona julij margreta y 

coqua Earoli henspurgis af&nis et Bororts MarthQ^ traducta est in 
carcerem turris sanctQ katherin^ ob varia et magna furta^ qu^ sub- 
traxit domino et domiuQ suis pr^fatb^ licet addixerit seu promiserit 
fidelem ipsis famulatum etc., uti solent promittere famul^, fuitque 
tribuB vicibuB vna die tracta seu extensa per laqueum. IBmissa autem 
de carcere die 29 julij ea conditionC; ut franckfurdiam nunquam 
reuertatur. Precabantur pro ea principes duO; principissQ tre«^ qui 
casu peregrinando ad aquisgranam per hanc ciuitatem [6x]proficis- 
cebantur. [cf. §. 117.] 

§. 148. [fol. 63] Annö 1496 die 16 septembris crematus est iud^us 
quidam eo^ quod monetam abscindendo falsificauit 

§. 149. [fol. 69] Anno 1496 die sedecima decembris quidam 
mulier per iusticiam virgis c^sa per ciuitatem. 

§. 150. [fol. 78] Anno 1497 vicesima septima ianuarij gladio 
punitusHans dracfa, eo quod stoprum et incestum perpetrauit^ cogno- 



— 139 — 

oit et vxorem et socrum. L. si quis adnlter ad I. jul. de adalt. Et 
cnm eo dnctiiB für, qui Buspensus est patibulo. 

§. 151. [fol. 100] Anno 1497 prima seplembris suspensus est 
quidam, qni furatns calicem in nauique forensi apprehensus [s. est]. 

§• 152. [fol. 112] Anno 1498 sexta aprilis et veneris post judica 
tres insignes latrones combusti hic^ qui licet omnibus sceleribus fhe- 
rint dediti; tarnen pr^cipue in dominico corpore deliquenmt; fiirati 
namque in diepurg monstrantias ac vas ipsum^ in quo contin^bantur 
consecratQ hosti^; vnus ex eis xvi consecratas bostias deuorauit^ alter 
paulo minus. Pr^terea plura gazophilatia spoliarunt et hie ad sanctum 
Petrum homines trucidarunt^ alios spoliarunt. 



11. Bauten und Häuser. 

§. 153. [foL 6] Anno 1494 ruperunt muros turris acialis iuxta 
portam maguntinam usque ad carcerem et de nouo inceperqnt ^di- 
ficare eam incipiendo super caroerem et redegerunt eum in fbrmam, 
in qua nunc est, et perfecta est in mense septembri et dealbata 
depost. 

§. 154, [fol. 19] Anno 1495 in apprili haben die herren vom 
rad das zolhuß vfigeschläg^U; daryn man furters sali den zol von 
pherden nemen ynd vffheben vnd stet das selb büß vff dem Boß- 
marckt vff dem hyrczgraben by hanf Schmyden hiiß. 

§. 155. [fol. 28] Anno 1495 in mense junij vel paulo ante hatt 
der ratt die krem von der wober Ejiuffhucz an byß her fiir an das 
eck der barfusser lassen von neuwen anfahen vff zu schlagen vnd 
die selbige gasse wytter gemacht vnd zu gegeben, also das sie vor 
den selbigen kremen vmb funff werck schuch wytter ist, den sie for 
war, vnd hatt zum ersten feyU gehabt yn den selbigen newen 
kremen yn der herbstmess anno 95. 

§. 156. [fol. 1] Anno 1494 in die Petri et Pauli apostolorum hatt 
der thoner yn bockenheymer thom geschlagen vnd man vnd frawe^ 
die daruff wonten, gelecziget, doch sterben sie nit daruon^ vnd das 
gebewe zur bruchen vnd vorbrent. Diß ist geschehen des morgens 
zur sexten stund. Uff die selbige zitt war Kryngen hulczhuserin vnd 
Gilbrecht yr sun vnd myn mutter Eylchin rorbecher vnd ich Job zu 
Emps ym bad vnd vff- sant Petter vnd Paulus abent war eyn mechtig 
groß ongewitter des obencz vnd fillen J^yssel, die grosten als zillich 
huner Eyer, die kleynen alle als duben eyer. 



— 140 — 

[Wiederholte Erzählung fol. 4: Anno 1494 in die Fein et Pauli 
flpoBtoIorum hat der thonner in bockenheymer thom geacbalagen ynd 
die frauwe heftiglig vorbrent vnd den man auch^ doch syn sie myt 
dem leben dar von komen vnd haitt das gebeuwe^ was von 
holtzwerg gemacht^ alß zurbrochen vnd zurspalten.] 

§. 157. [fol. 72] Anno 1493 super fundamentum^ quod prius erat^ 
est «dificata turris; wulgo der bockenheymer thoru; et in formam 
redacta eam, ut cemis. 

§. 158. [fol. 72] Anno 1496 hatt der Ratt zu franckfurt eyn 
raelwag vff gericht yn der Escheymer gassen nah by der porten. 
Mer hat man auch eyn newen bron da uffgefurt, daran hatt der Ratt 
eyn steheuwer geben^ das vberig haben die nachbar vnd die darumb 
wonnend müssen beczallen, vnd hat myn mutter von yren hoff myt 
sampt den zynshüßlin gelegen yn der obgemelten Eschenheymer gassen 
musen zallen. 

§. 159. [fol. 83] Anno 1497 prima martij cecidit turris vff dem 
klobelachshoff extra portas. Antea structura erat satis fortis^ circum- 
ducta, fossata et aquis^ diruptaque funditus reparari non potest, nisi 
de nouo ^dificetur [cf. §. 141]. 

§. 160. [fol. 149] Anno 1500 tertia februarij ipsaque die beati 
Blasii reparatum seu renouatum est superiori parti su? patibulum hie. 



12. Rathsverordnung we^en der Ratten. 

§. 161. [fol. 135] Anno 1499 undecima apprilis ist hie angefan- 
gen von dens Ratts geheiß> das man eyn yden menschen, der ein 
totte ratzen bringt vff die brücken «wischen eilff vnd zwolffen, der 
selbig hatt eyn k., den im den einer gibt, der darzu verordent ist, 
die Ratzen zu entphangen, vnd nympt die selbigen vnd hewt inen die 
schwentz abe vnd worfll sie als bald inn meyn. 



13. Naturereignisse. 

§. 162. [fol. 4] Anno domini 1494 mesis omniom frugum est 
collecta et in horreum traducta, videlicet siliginis, tritici et auen^ etc. 
ante mensem augusti. 



^ Ein Wort wie manita scheint ausgefalien. 



— 141 — 

§. 163. [foL 4] Anno 1494 in die S. Jacobi habebantur racemi, 
adeo quod vendebantur aliqui. 

§• 164. [fol. 14] Anno 1495 tonitmit die decima et vndecima 
iannarij. 

§. 165. [fol. 37] Anno 1495 ym september vnd jm october 
haben die bangen dorn wiclder geblüwet, also das man fiinden hat 
roitt vnd wiss gefo'lt vnd vngefolt haün rossen; item morgen droppen 
blmnlin, item haben fyll bäum wyder blütt gehabt, item fyU kom 
blumen vnd ander. 

§. 166. [fol. 54] Anno 1496 die octaya apprilis^ qu^ erat sexta 
post diem pasch^, synt ob sechs hundert gutter wolgemester schwyn 
zu franckfurt feyl gewest vnd hat eyn gutt schwyn vor eyn gülden 
kauffk; das man vor drien iaren nyt woU vmb drij gülden hett konden 
kauffeU; vnd menig fart darnach hatt uff die fritag vnd sust schwyn 
feyk gehabt vnd haben fiU lud sie kaufft vnd gestochen; glich als 
man sunst plegt zu winterzitt zu thun. 

§. 167. [fol. 55 ad Calendas maias anni 1496] Illo etiam tem- 
pore moganus et rehnus [adeo] excreuerunt; adeo vt aiebant homines 
se eo tempot*e anni non meminisse äqualem illorum fluminum abun- 
dantiam; manauit moganus durch die farport et per plures alias 
portas. 

§. 168. [fol. 73] Anno 1497 synt vberschwencklich vnd eyn 
grosse menge krawen oder krehen gewest; die da angefangen haben 
ym, iar 1496 vnd ym iar 1497 vergangen, oder ym iar 1497 ist eyn 
mechtige große geschwoorm der kofferyn gewest 

§. 169. [foL 73] Anno 1497 synt fyll huner suchtig an der grossen 
kranckheyt vnd auch fill dar an gestorben; maxime vemali ^stualique 
tempore. 

§. 170. [fol. 75.] Anno 1497 octaua ianuarij alluvio magani ex- 
creuit; ita vt ascendit vltra schansteyn vsque ad domum Ruperti 
mones; adeo quod aliquibus diebus intrauit per omnes portaS; claude- 
banturque portQ omnes pr^ter portam sancti spirituS; quQ nocte vna 
non claudebatur. Et ob eins excrescentiam dimissa sunt diuina in 
ecclesia diui leonhardi vsque in duodecimam ianuarij; nee poterant 
naues a maguntia ascendere per dies aliquott. Duodecima port^ re- 
serabantur. Nee hijs diebus operari poterant moUitores ; celaria 
variä ac plura repleta aquis. Rursusque excreuerunt et moganus et 
Rhenus ac omnia fluuia in hac regione effecta maiora; quam antea, 
adeo vt rethro in sedecim annis non fuere flumina abundantiora. 
xviii ianuarij moganus se extendebat plene vsque ad ecclesi^ introi- 



— 142 - 

tum^ vbi-per gradas ii^edittir. Denno etiam diaina obmiBsa die xy 
ianuarij vsque ad 22 eiusdem mensis. 

§. 171. [foL 171] Anno 1501 in die nicolaj noctu infra nonam 
et decimam horaa flante vento yaUdo tonitrua valida audita Bunt^ 
fulgura visa grandineaque ceddere. De tonitmo vide etiam supra 
fo. 14 [§. 164]. 

14. FranzöBische Krankheit 

§. 172. [fol. 56] Anno 1496 tempore ^Btatis et verne [vemoj ist 
eyn ongehort grußlich vnd erschrockenlich kranckheyt vnder die 
theüschen von den walen komen^ diewalen haben sie krieget von den 
franczosen vnd wyrt diß krankheit genent mall franezoß; vnd 
regirt fast in deutschen landen^ noch fyll mer in italia vnd frantia. 
Die kranckheyt macht den menschen onseglich ongeschaffen ; welcher 
sie hatt; ist vber gancs sin lipp foU schwarcz rotter blätteren ; wert, 
eyn teyllen eyn halb iar, den anderen drij firteill; den anderen eyn 
gancz iar vnd noch dem belibent die flecken an ynen etwen lang. 
Ongestalter ding hatt keyn mensch nie gesehen; von solicher oder 
d^^lichen kranckheytt nie keyn mensch mer gehört^ auch fint keyn 
arczet da von nicht geschrieben^ den als fill, als man nient (?) dar 
widder tracht 

[Bernhard Bohrbach wird 1498 von der Krankheit befallen §. 9]. 

15. Gesellschaft Löwenstein. 

§. 173. [fol. 6] Anno 1494 secunda octobris donauit Ambrosius 
glauburg tres lepores societati stub^ nostr^ et ob hoc facta est 
conuocatio virorum et mulienun^ tenueruntque conuiuium et conc^na- 
nint et coreaa duxerunt Actun hie zu lebensteyn. 

§. 174. [fol. 9] Anno 1494 die 27 decembris donauit AmbrosiuB 
gleuburg duos lepores. societati nostr^ in lebensteyn ideoque 
connocati sunt et viri et mulieres ad c^nam et ego tnnc pro primo 
cQnaoi in dicta societate. 

^ 175. [fol. 15] Anno 1495 decima februarij doctor Ludwicus de 
paradisO; scultetus huius opidi; donauit societati nostr^ zu lebensteyn 
cemum et pr^cipue mulieribus ideoque fiicta conuocatio et virorum 
et mulierum ad c^nam, pro simbolo soluit unus iüi ß. 

§. 176. [fol. 16] Anno 1495 decima nona februarij conuocata 
est societas zu lebensteyn, etiam muUaiim, ad c^nam et soluit unus 
vi alb. et tunc primum trepudium cum t^s etc. 



- U3 - 

%. 177. [fol 16] Anno 1495 die 24 febniarij hatt Johan holcz- 
heymer mjr "vmb die geachelschafft zu lebensteyn gebetteu; das sie 
myr wollten vqrgunden die fasnacht myn phenig myt yn zu yorzeren. 
Also haben sie myrs vorgundet myt solichem vnderscheytt: wol ich 
furtters andere faßnacht gesellsclmüß halten; so 0OI ich gesell werden; 
das erstemal haben sie myr vnd Conratt zum jungen difimall nach« 
gelassen. Vnd darnach üff den 26 tag februarij hatt zum nachtmall 
die geselschafil angefangen. Darnach uff den sontag zu nacht, mon- 
dag zu nacht, das ist der erst vnd der zweyt dag ym mercz ossent 
man vnd frawen vff der stoben vnd darnach vff den iii vnd iiii tag 
des merczes ossent beyd man vnd frawen morgens vnd abentz vff 
der stoben vnd vff den dynstag, uff aller man fasnacht, stechen 
myt kronlyn 6org reyß, Nielaß von babenhusen vnd behylt 
Gorg, vnd vff den eschermyttwocb stechen iiii Beysige myt kolben, 
zwen mit namen Martins vnd Eberharcz von hussesteyn knecht vnd 
zwen vnser soldner myt namen wisbroitt vnd ruttlinger vnd behylten 
die soldner, also das wissbroitt die hussesteyheymer knecht zu dicker- 
mall feit vnd er doch hart blyb 'siezen. Vnd das geschach noch dem 
die frawen widder kamen vß gleuburgs garten. Item do diss^ vffge- 
horten, stechen myt kronlyn Conrat zum jungen vnd Conrat mones. 
Darnach vff den donerstag zu myttag ossent die gesellen alleyn vff 
der stoben vnd rechentten die kochenmeyster Claß von rockyngen 
vnd Vlrich nuhuJß vnd die wynmeyster Johan von holczhejrmer, 
Philipp wiß, vnd beczalt der man iii gid. Vnd vff den donerstag zu 
nacht, das ist der v tag ym mercz^ ossent man vnd [fol. 17] frauwen 
vff der stoben vnd ward das selb obent mall yn die forderigen mal 
gerechnet vnd warent xuii gesellen, so edel vnd andere, die 
beczalten; frawen vnd junfirawen, die galten nichcz, den vff den 
eschermyttwocb zum vnderen galt eyn i alb., vnd vor drij huner 
gabent die wyttfrauwen iiii ß oder mogent huner dar vor geben nach 
yrem willen ; junffrawen gebent gar nichcz, vnd waren frawen vnd 
junfirawen, die geselschafil hylten xxviii. Damach vff inuocauit, das 
ist der eycht tag ym mercz ossent wyr zu nacht vff der stoben, 
gult der man iii ß. 

§. 178. [fol. 38] Anno 1495 die octava octobris Cristianus folcker 
prodonauit duos lepores societati nostr^ ideoque et viri et mulieres 
conuocati sunt ad c^nam et paucQ aderant mulieres, \nrgo vero nuUa. 



— 144 — 



16. Gesellschaft Limburg. 

§. 179. [foL 41] Anno 1495 in mense nouembri hatt Daniel 
broni; Bch'effen vnd ßatt der stadt franckfurtt; kauffl; daa hul> 
laderem genant ^ gelegen vff dem Eck neben dem Eomer geygen 
dem hnßlymburg vber^ da iczunt zur zytt Heyrt wjß yn-wont 

vmb ) hatt yor das hxS laderem mytt sampt dem hu& 

ratt; der vor die gest gehört^ die yn der mel^ dar yn herberigen^ 
bezalt eyeht vnd zwenezig hundert golt gülden. Nach dem selbigen 
kauff hati der obgenant Daniel brom der geselschafft vnser Stoben 
das obgenant huß laderam angemutt zu kauffen vmb das obgemelt 
gelt; als er ens kaufft hatt^ das hatt die geselschafft zu grossen danck 
angenomen vnd habent vorordenet vnd gemacht^ das ieder gesel, der 
vff die selbige zytt gesel sy^ oder die^ die noch nyt gesellen syn^ 
doch von rechtem vnd mytt recht n3rtt mögen der geselschafft vor- 
wißt werden; als die syntt; die von gehurt daraJOT horeu; sollen geben 
zwenezig gülden; des die gesellen alsampt wyllig gewest synt. Vnd 
darnach vff sant Andreas tag nach alter gewonheyt haben die ges- 
seilen; die daczumall gesell gewest synt; vff der stoben gessen vnd 
eyn iglicher beczalt xx glden nach dem. vertrag; dens sie yngangen 
waren vnd darczu i gülden als von wegen des stoben zyns. Also 
hatt die geselschafil von den gesellen; die vff solich zytt hie waren; 
vnd v£ den bocksen der geselschafft dusent gülden dem vorgenanten 
Daniel bromen beczalt; von der vberigen som; sali man ym ierlich zu 
gulde iüi gulden von hundert geben [suppl. fort: bii^ zur] ablosung; 
vnd als ofit die geselschafft ii hundert gulden bringt; will er ym 
viii gulden ablassen lassen; als lang byß die gancz some abgelost 
[fol. 42] wyrdt. Vff den iczgerinten sant Andreas dag synt zu buw- 
meystern des huß laderam gemacht Hans vom ryu; Daniel 
brom> Gorg frosch; vnd zu stoben meystem synt gemacht Jo- 
hann frosch zum affeu; Johann zum jungen vnd Con-. 
ratt schytt Item welcher gesell durch bewybung vf die stoben 
kompt; der vor nyt von gepurt daruff gehört; der selbige sali geben 
drissig gulden. Sust eyner; der von gepurt daruff gehört; gypt nyt 
mer den zwenezig. Auch gypt das obgemelt hul^ ladarum xv glden 
ewiger golt czu zynß; haben vor williget zu ablosung vnd gybt man 
eynem vor eyn gnlden abzulösen xxviii gulden. 

§. 180. [fol. 50] Anno d&j bisextili 1496 erat dies decima sexta 
februarij vltima carnisbreuii et non fuit vlla conuocatio nostr^ socie- 
tatis seu stubQ; veluti omnes mortui fuissemus; sed impedimento nobis 



— 145 — 

faerant assesBores camer^ inditii ceterique doctores nobiles et 
adnocati et proearatoreS; hij namque aderant nimis copiosi. 

§. 181. [fol. 42] Anno 1496 vltima decembris primum societas obBoni- 
tauit in magna stuba domus ladarum. Obsonij ma^ster^ wulgariter 
der wyrt vff der stoben, fuit Fhilippua kaltoffen, nee ego die 
illa inter obsonantes fiii, latuit namque me, quod ea die in ea domo 
obsoninm. fnerat inceptum. Anno 1497 incipiendo annum a pri- 
mordio ianuarij Bernbardus rorbach, germanus mens, 
[suppl. : et egoj primmn inter&imuB obsonio in pr^fata domo, 
(obflonii magist^r erat Walter ysenberg) donauitque ipihi ger- 
manus quinque h. tum, cum Boluebatur pro obsonio; quilibet eliam 
nostrum donauit xx den. Friderico .... nostr^ societatis 
famulo, sie namque moris est, vt quilibet, maxime socii, 
dent famulo societatis die circumcisionis xx den. Et hoc primum ego 
donaueram. Anno 1497 ipsa die epiphani^ conuiuium primum habi- 
tum in nostra stuba, de quo clarius in. anno 1497 (§. 183). 

§. 182. [fol 73] L a d a r u m. Anno 1497 prima ' die ianuarij 
primum frater et ego ivimuB ad ladarum, de quo latius vide 
Bupra in anno 95, ubi de emptione domus ladarum habetur, in fol. 
[41. § 179.] 

§. 183. [fol. 74] Ladarum. Anno 1497 in die ephiphani^ 
primum in noua stuba c^nauimus omnes infrascripti, non more socie- 
tatis, sed conuiuium habuimus, in quod omnes pariter admissi siue 
de corpore societatis fiiue non. Huic c^n^ pr^positi erant Hans votn 
rjn, ciuium magister, etVdalricus neuhusen, quos solemus magistros 
coquiuQ appellare. Erant autem c^nantes doctor Ludwicus de 
paradiso, scultetus; doctor Adam heymbach, aduocatus, 
Hans vom rjn, duimn magister, et Conradus schyt, 
suus sodalis, doctor Johan et Hen glauburg, Hen saß, 
Ortt, Johann, Conr'at et Ortt zum jungen, Georg, 
Johann et Johann frosch, Bernhart, Philipps, 
Heynrichwiß, Jacob, Hejlman stralnberg, Daniel 
brom, Gonrat moneß, Virich neuhuß, Cristian 
folcker, Johan reyß, Johan han, Thomas Bos- 
sen hejmer. Bernhart, Job rorbach, Johan yon 
hulczheymer, Symon yffsteiner. Eberhart von 
husessheym, Geoxg martroff, Ludwig marpurg, 
Claß Btalburg, Wolff etWolff blum. Supra scripti sunt 
de societate vel iuB ipsis competit. Engel von hoczfelt, 
Licentiatus, Georgius artulf, licentiatus 

rosenberg, Hen frosch, den man nennt fros6helgyn, 

10 



— 146 - 

Petter sossenheymer; Hans blnm, Mylchior des 

rattes schriber/ Hans djrmeyer; hijs non competit iuB eocie- 
tatifl. Summa 47. . 

§. 184. ffoL .76] Aimo 1497 octaua iannarij; si. iuste memini, 
admissi sunt in societatem nostr^ stub^Wolff blum iunior et Lud- 
wicus martroff; soluit qnilibet pro iure sodetatb trigifita fl. et 
fl. tres eo, quod vxorati sunt. Heynricus wiß admisauB in societa- 
tem tertia februarij. Eodem die obijt Margreta, relicta Heynrici 
ergeschemmers. 

§. 185. [fol. 76] Ladarum. Anno domini 1497 duodecima 
ianuarij conuocata est societas nostra ad c^nam et viri et mulieres, 
nee admissi alii, quibus non oompetebat ius aliquod in sodetate, 
duobus demptis. Erant autem infra scripti in c^na präsentes nee 
ordine debito subnotantur, scilicet; prout memoria ineiderunt; coll^L 
Et h^c c^na prima erat; in quam conueniebant more societatis vere; 
antea in noua stuba non fuerant mulieres. 

(1) Ludwicus de paradiso^ scultetus^ (2) doctor Johan- 
nes glauburg, (3) Johan glauburg^ (4) Hamandus, 
(5) Margreta, uxor sua^ (6) Gylbertus^ (7) Ludwicus 
hulczhuser^ (8) Eliseus^ (9) Barbara, sua uxor, 
(10) Bernhardus, (11) Anna, sponsa sua, (12) Philippus, 
(13) Eatherina, uxor eins, (14) Jacobus, (15) Fronica, 
uxor sua, omnes wyssen; (16) loban, (17) Cristyn, uxor 
sua, (18) Gorg, (19) Johann, (20) Ljsgyn, sponsa sua, 
omnes frosch, (21) Ortt, (22) Johann, (23) Margret, 
uxor sua, (24) Gonrat, (25) Ortgjn, omnes jungen, 
(26) Karlen henspurg, (27) Michel schwarczenberg, 
(28) Kryngyn, eins uxor, (29) Hans von ryn, senior 
magister ciuium, (30) Kryngyn uxor, (31) Gonrat, 
(32) Margret, uxor sua, (33) Jacob, (34) Ulrich, om* 
nes neuhuser, (35) Johan, (36) Agatha, uxor sua, (37) Claß, 
omnes rockyngen, (38) Syffart klobellach, (39) C^ci- 
cilia, uxor sua, (40) Hen saß, (41) Gristian folcker, 
(42) Johan reyß,. (43) Crystyngyn, sua uxor, (44) Johan 
hulczheymer, (45) Bernhart, (46) Job rorbach, (47)Lud- 
wig martroff, (48) Enchyn uxor, (49) Johann han, (ÖO) 
Katherina, uxor sua, (51) Daniel, (52) Hans brom, (53) 
Qretgyn, uxor sua, (54) Wolff blum, (55) Kryngyn, uxor 
sua, (56)doctor (57) Adamheymbach [56 u. 57 eine Person], (58) 
Anna,uxoreius, (59)Eberhartyonhusescheym, (60)Guttgyn; 
uxor sua, (61) Gonrat schytt, ciniummagister iunior, (fö)Mar- 



/— 147 — 

gret; Qxor sna^ (68) Friderich fant, (64) Margret; uxor 
sua^ (65) Friderich yon alczen^ (66) Conrat mones, (67) 
CUU Btallburg, (68) Gorg martroff. (69) Engel von hocz- 

feit, (70) bingen, meister von norlyngen, hij 

honoris gratia admissi in c^na, nnllnm namque ins socio- 
tatis competit ipsis. Qhq sequuntnr viduQ erant: (71) Agnes 
wisse zu [fol. 77] Lebensteyn , (78) Eylchin rorbechin, mjn 
mntter, (73)Eatherina hulczseryn, relicta Gylperti huczhosens, 
(74)Otylia glauburgerin, (76)Vrsula schwartzenbergeryn, 
(76) Agnes ergeschemerjn. Virgines, qu^ adhuc nulli adh^re- 
bant, diiQ tantum: (77) Kryngyn humbrechtin, (78) Eryngin 
sassen. (79) Thomas sossenheymer, (80) Grettgjni; uxor sua. Huic 
c^n^ pr^fecti sunt, vt coquin^ pr^essent, Johan frosch et Vlricfa 
nuhuß. OylbertUB hulczhusen et ego eramus primi, qui 
cum cereis correas duximus et ex iussu seniorum trade- 
bamus Annam, sponsam Bernhard! wiss, Danieli bromet 
h^c prima correa in ea stuba et h^c correa iusta conside- 
ratione Danieli brom tradita ipsi, [supple: quod] magni- 
ficum et humanum se exhibuit erga societateip, domum 
namque iusto pretio traddidit societati etc., vt supra 
mentio habita. Post c^nam aduenit marcbio lacobus de baden, 
iudex ittditii camerQ regii [regiae?] maiestatis, et cum eo aliqui ex 
assessoribus, procuratoribusvot nobilibus et trepudiabant vna nobiscum. 
Item quinque solides soluit unus pro c^na, hos quinque solides donauit 
mihi germanus Bemhardus ob memoriam, quia prima c^na. 

§. 186. [fol. 79] Ladarum. Anno 1497 hatt man eyn offent- 
lieh geselschaffb gehalten vff der newai stoben vor £Bkßnacht vnd bt 
die erst gesekchafil, die man gehalten hatt vff der neuwen stoben, 
vnd für hin hatt man vorbotten vff die stoben alle junge gesellen, 
die etwan gerechtikeyt yn der geselschaift haben, vnd synt die jungen 
gesellen also erschynen myt namen vff den 22 tag des ianuarij vnd 
hatt da selbst doctor Ludwig vom paradijß, schultheyß, von 
wegen der gesekchafil disse meynung zu den iungen gessellen geredt, 
das den iungen gesellen allen vnd iglichen erlaubt sy vnd laub haben 
sollen vff der stoben vnd in der geselschafft zu syn vnd vmb yr 
geld EU zeren (das sust nyt gewonHch ist, den noch ordenung gunt 
man eym nyt mer dan eyn gesellschafft zu halten, dan er gessel 
wyrt), dar by auch gebetten vnd befollen, züchtig sich zu halten 
myt danczen vnd willig myt essen vortragen, auch ym dancz sich 
nyt yn die arm vmbfiihen als sust, sunder an stat des selben arm- 

fahens den frauwen die heiid geben vnd zuchtig neygen. Diss ist 

10» 



— 1*8 — 

also geschehen. Auch halt die geBelschafi margraffen lacoben^ zu 
den zytten kamer richter^ vnseren genedigen herren, vnd alle bysitzer 
ynd ettlich aduocaten vnd procuratores des kamer gerichtz lassen 
wissen^ wie man ejn geselschafit halten woU, wollent sie dar by syn, 
80 möge sie die geselscÜafil fast woll liden^ das sie jr gelt by der 
geselschafflt vorzeren ; des glichen hat mans anch ettlich lassen wissen, 
die yn der canczelly syn zu der zytt der geselschaffk. Damach yff 
Tnser frauwen tag purifficationis ist loczell faßnacht gewest^ danimb 
hatt die geselschafft nyt yren anhab gehabt als von alter vnser 
frauwen zu eren vnd [hatt] yff den sontag estomihi, quQ est quinta 
februarijy hat sie angefangen ynd yff denselben obent zum ersten des 
nachtz ymbs da gessen ynd [fol. 80] öffentlich hie ynden gedanczt 
Vff den montag darnach zu ynderen haben fier burger eyn gesellen 
stechen gehabt myt kronlyn, myt namen Conrat zum jungen, 
Heimen [Heylman] stralnberg, Conratt mone£ ynd Claß stal- 
berg, noch dem syn widder zum nachtmall erscbynen alle die, die 
zur ge[sel]Bchafil gehören oder geladen waren. Vff den dynstag ist die 
geselschafft zu myttag auch by eyn ander gewest Glich alß sie zu 
mittag gessen hatten, syn sie ymb gangen noch alter gewonheyt zum 
theuschen huß, zu sant lohans ynd zu sant Anthonien ynd ist der 
fürst margraff lacob yon baden kamerrichter nyt mytt gangen, noch 
keyner yon assessoribus oder bysiczeren, darnach zum nacht mall 
syn sie alle zu semen komen ynd zum dancz; desglichen den escher- 
myttwoch zu myttags ynd obents yff den eschermittwoch noch myt- 
tag haben die frauwen noch olter gewonheyt zwen kochen meyster 
gemacht zu der grünen soppen myt namen Claß yon rockyngen 
ynd Hen stralnberger, beyd sampt widwer, darnach synt sie hynuß 
yn Hen gleuburgs garten gangen, da die geschelschaffl; hin yß kam, 
bald darnach kam der fürst myt sampt ettlichen bysiczem zu ynen 
geryten ynd war by ynen, darnach rytten sie widder heym ynd gyng 
die geselschafft auch heym ynd kamen zum nachtmal widder zusa- 
men. Vff donerstag zu mittag ossent die mannen eynig yff der stoben 
ynd beschlossent die rechenschaffl ynd namen yon dem margkgraffen 
nyt mer den i gld. ynd desglichen yon bisiczem ynd allen dennen, 
die dem kamergericht yorwandt waren, gab keyner mer den i gld., 
[fol. 81} schenckt der margkraff der geschelschaffb eyn hirsch ynd 
eyn rehe, des Battes ampüude ynd Ander Edellude gaben eyner ij guld., 
eyn burger iii gld., darnach yff den gBt. domstag zu nacht ossent sie aber 

by eynander den manderkeß ynd yorzert eyner Vnd also hatt 

disse brasseryhe eyn ende. Disser geselschaffi; kochenmeyster sint 
gewest lacob neuhuß, lohann hi^n, wynmeyster ynd broitt- 



— 1*9 — 

■ 

mejBter sjnt gewest lohan frosch^ sponsiis LyßgenB^ vndConrat 
neuhuß. 

By diser geselschafil sjut nyt gewest myn mutter, myn bru- 
der Bernhart vnd ich, noch myn schwager, noch myn Schwe- 
ster; auch Haman hulzhusen vnd Margret, syn frawe, noch 
Oylbrecht, syn bruder, noch Katherina, yr matter, die war auch 
kranck, noch auch Eatherina hulczhuseryn zum spangenberg, 
noch yr sun Ludwig hulczhusen, vßgenomen uff den sontag inuo> 
cauit zu nacht ist Schwager Karlen hynsberg und Martha, myn 
Schwester, byder geselschafft gewest, vnd hatvnsyß der geselschafift 
gehalten Margretten zum thorn dott, die wir als den truerrenten. 

§. 187. [fol. 132] Anno 1499 21 ianuarij hoben man vnd frauwen 
yS der stoben gessen zu nacht, eo quod marchio lacobus de baden, 
iudex Begalis iuditij camerQ, donatiit societati ceruum et soluit ynas 
6 alb. Ego aderam, non mater, neque frater. 



17. GultuB. 

§. 188. [fol. 2J Item secunda junii celebrabatur hie missa in 
Omnibus ecclesiis pro conservatione fructuum et conduitatis et pro 
defensione hostium anno 1494. 

§. 189, [fol. 7 ad iii novembris 1494] Eodem die agebatur in 
ecclesia conmiemoratio animarum fidelium, qu^ commemoratio trans- 
lata est in terciam diem nouembris, eo qüod dominica dies se- 
cunda erat. 

[XTeber die Stifhmg der Bathsmesse §. 260. Fam. Frosch.] 

§. 190 [fol. 12] Anno 1494 [1. 1493] decima nona maii cecide- 
bat dedicatiö ecclesiQ fratrum minorum ' franckfurdi^. Semper enim 
secundum cursum temporis in dominica exaudi, qu^ est sexta post 
pasca, agitur dedicatiö in pr^fata ecclesia. Et tunc ante inchoationem 
summ^ miss^ defertur yenerabile corpus Christi extra ad plateas 
circumeundo monasterium et omnes fratres ferunt reliquias etc. 
Et fimdauit pater iuxta literas h^c clare fantes, et fratribus meis ac 
mihi incumbit ductio sacerdotis deferentis sacrum et ego Job pr^fato 
anno et die, vt hie supra mentio habetur, duxi et Hamandum hulcz- 
husen in sodalem assumpsi. Et post mortem patris ego primus fui, 
qui ex fratribus meis duxerat; tempore enim intermedio, videlicet post 
mortem patris vsque ad tempus pubertatis nostr^ et presenti^ mater 
nostra substituit duos, qui vicem nostram adimplerent Et in anno 
1494 dedicatiö fratrum minorum cecidebat in XYÜi diem maii et duxi 



— 150 — 

ego Bacerdotem et JacoboB nuhuseiiy quem mihi in Botium aBsompsi, 
nee enim tum afiuerunt fratres. 

[Ueber diese Stiftung vergleiche: Familienchronik Bernhard 
Bohrbachs §. 27. Der Sonntag Ezaudi fiel übrigens nicht im Jahre 
1494; sondern 1493 auf den 19. Mai, es ist daher statt. 1494 zu lesen 
1493, wie auch aus der wiederholten Beschreibung der Procession 
von 1493 hervorgeht:] 

§. 191. [p. 25J Anno 1493 decima nona ma;ij et in dedipatione 
templi minorum duxi ego primum sacerdotem deferentem corpus 
Christi in processione, qu^ habetur ante missam summam. Assumpsi 
mihi in sodalem, qui mecum duzit, Hamandum hulczhusen. 
Frocessio [1. processionis], quQ fit in dedicatione eoclesiae fratrum 
minorum, et maxime quod diflertur corpus dominicum, fundator fuit 
pater mens Bernhardus rorbach, ipse namque suis pecuniis im- 
petravit a papa fratribus, vt possent difierre [corpus] domini per 
circuitum, inque memoriam huius pr^servavit sibi, d^un vixit, nobisque 
filiis suis, vt ins ducendi hab'eremus, sed quia post obitum patris 
omnes nos Qtate adeamrem minores eramus, ac etiam cum Qtas nos 
ablitauit(?), absentes eram^s, ideoque mater nostra semper duos, quos 
voluit, nomine nostro elegit, qui offitium in hoc nostrum explevenmt 
Et die et anno pr^fato ego primus inter fratres duxi, eo quod 
Bernhardus existebat in italia eo tuno, Conradus vero frater 
minor annis erat. Competit autem ius ducendi duobus senioribus ex 
nobis iuxta litteras, [fol 26] Änno 1494 decima octaua maij in dedi- 
catione fratrum minorum, ego pariter cum Jacobe neuhusen 
duxi sacerdotem ferentem corpus redemptoris. Anno 1495 dominica 
exaudi, qu^ tunc fuit vltima maij, erat dedicatio ecclesi^ minorum, 
et tunc duxit Bernhardus, frater mens, , (et adiuuantem assumpsit 
Karolum henspurg, affinem nostrum,) sacerdotem, qui fert do- 
mini corpus, et hoc ex more, qui nobis incumbit; et primum fuil^ quod 
frater duxerit, ego tamen antea duxi^ ipso semper absente. Anno 

1496 ego Job vna cum pr^fato Karolo duximus sacerdotem. Anno 

1497 Bernhardus, frater mens, cum Karolo henspurg duxit sacerdotem 
in dedicatione minoruin. [fol. 88: Anno 1497 septima maij in dedica- 
tione minorum duxit Bernhardus rorbach, frater meus, sacerdotem 
deferentem corpus dominicum. Assumpsit Karolum hensburg in 
sociüm, quia ego non aderam.] Anno 1498 maij 27 erat dedicatio 
fratrum minorum et duxerunt frater Bernhardus etKarolus, tunc 
magister ciuium [§. 14^4], sacerdotem iuxta morem. [foL 114: 
Anno domini 1498 vicesima septima maij et dominica exaudi in de- 
dicatione ecclesi^ fratrum minorum franckfurdi^ frater meus Bern- 



— iSi — 

harduB assoinpBit Earolum hjnspergy tunc magistrum ciaiunii 
in sotinm et duxerunt sacerdotem^ qui ibidem in processione detulit 
corpus domini. H^c enim dedidatio no&tra est de iure iuxta litteras.] 
Anno 1499 xii maij et dominica exaudi ego cmn-Jacobo neuhuß; 
magistro eiuium pro tunc [§. 125J; duximus sacerdotem de- 
ferentem eucharistiam. [foL 139 : Anno 1499 duodecima maij et do- 
minica exaudi in solennitate dedicationis ecclesi^ minorum duxi ego 
vna cum Jacobe neuhusen^ tunc magisto eiuium^ eum^ 
qui inde ex institutione genitoris mei detulit in processione corpus 
domini; induique eo die ex panno nigro tunicam simplicem, de illo 
eodem panno induit Jacobus pr^fatus ejn hasack.] Anno 
1500 vltima maij Bemhardus, frater meus, yna cum Geoi^gio neuhusen 
duxerunt sacerdotem, de quo in 152. [fol. 152: Anno 1500 vltima 
maij in dedicatione minorum duxerunt sacerdotem gestantem corpus 
domini frater meus Bernhardus et Georgius neuhusun.] 

§. 192. [fol. 32] Anno 1495 in die beatQ Mari^ Magdalena 
Johannes griffen st eyn, decanus S. Bartholomei, detulit cor- 
pus dominicum, Johann glauburg et Ortt zum iungen 
in locumJohannid von ryn duxerunt decanum, Bernhart wyß, 
Georg neuhuß, Fhilippus ogelnheymer, Jacob wyß 

portarunt den casten. Vdalricus nuhusen, Georg 

matroff; Gylbertus hulcshusen, Heynricus wyß faces 
gestabakit. 

§. 193. [foL 43] Anno 1495 ordinatum est per serenissimum 
Maximillianum Bomanorum regem ac per archiprQsulem magnntinum, 
Bertholdum de henberg etc. et per alios, vt in omnibus cathedrali- 
buS; coUegiatis parochialibusve ecclesüs et monasterijs per totum 
imperium in omnibus diocesibus et locis, qui sub imperio sunt, vt 
ad quadriennium singulis mensibus missa rogationis decantetur 
in initio cuiuslibet mensis pro impetr^nda (a magnipotenti deo) miseri- 
cordia et peccatorum venia pro salute et victoria, vt suo iuamine 
[iuvamine] hostibus fidei et imperij resistere valeamus cristianaque 
religio vt augmentetur imperiumq. simul amplificetur. Et onmibus 
deuote interessentibus xl dies indulgentiarum tribuuntur. [fol. 44] 
H§c inissa rogationis est franchfurdi^ primitus cantata die nona de- 
cen^bris anno 1495 et singulis mensibus continuata usque in annum 
1499; vbi ultima obseruata fuit quarta nouembris. Celebratur autem 
missa hoc ordine. Ante missam flexis genibus cantatur antiphona: 
„CognoscimuS; domine , quod*^ etc. cum versu et coUecta pro pecca- 
tis. Dehinc Septem psalmi p^uitentlales leguntur usque ad litaniam, 
Ixtaniaque inchoatur voce altiori cantabitnrque per circuitum eoclesi^i 



— 152 — 

pr^cedente quodam, qai cnicem defert ante scholareB (ubi sunt) et 
clerum. Hijs finitis in choro cantatur antiphona: ^Alma redemptoriB 
mater'^ etc. cum versu et collecta de beata virgine. Hijs sie actis ad 
missam yenitur^ cuius initium est: „si iniquitates^^ collect^: „Farce 
domine''; „Omnipotens sempiteme deus'S H^c duQ collect^ leguntur 
sub prima conclusione[?]. AUq tres collect^, yidelicet: „quaesumus^ 
omnipotens deus^ ut famulus tuns rex^'^ „deos^ a quo sancta desideria'', 
,,deuB, qui non mortem peccatoris"; leguntur sub secunda conclusione, 
Epistola Hieriem^ prophetQ: „Si iniquitates nostr^ contendant'' Gra- 
duale: „Propitius esto peccatis". AUeluja: „ostende nobis^ domine^. 
Tractus post Ixx [septuagesimam] : ,,Domine; non secundum peccata". 
Ewangelium: „Amen^ amen- dico yobis, quivis dixerit huic monti^. 
Offertorium: „sicut in holocausto''. Post eleuationem flexis genibus 
cftntatur antiphona: j^Media vita in morte''^ versus et collecta pro 
peccatis. Commune: „Amen dico yobis; quidquid orantes''. Finita 
missa proceditur cum processione ad altare beat§ yirginis et cantatur 
flexis genibus antiphona: „Salye regina'^ cum versu et collecta. Tan- 
dem cum ad chorum reuersi sunt, cantatur antiphona: ^O Martine, 
o pie^; versus et collecta vel loco illius antiphona cantantür antiphona 
de patrono ecclesi^ illius. Hqc missa tali> rittu et ordine suprascripto 
primituB franckfordi^ est decantata die nona decembris anno 1495. 
[cf. S. 200.] 

§. 194 [fol. 53] Anno 1496 die S*" apprilis, erat dies sanct« 
paschQ; tres apud fratrespr^dicatores pr^icabant:lector in cymiterio, 
subprior in ecclesia, tercius in ambitu, adeoque se inuicem clamoribus 
[se] impediebant; ut parua ex hijs sermonibus populo generabatur 
deuolio; sed confusio potius. 

§. 195. [foL 54] Anno 1496 in die sancti Marci ewangelistQ 
derus nonibat ad villam rad^ sed mansit in sachssenhussenobpluuiam^ 
qu9 die integra durabat 

§. 196. [fol. 55] Anno 1496 in mense maij erecta primum est 
tabula summi altaris in choro fratrum pr^dicatorum. 

§. 197. [fol. 58] Anno 1496 in die beat^ Mari^ Magdalena de- 
canus Johannes in processione gestabat corpus domini, Johann 
glauburg et Öans vom ryn cum duxerunt; Jacob wiß, Gorg 
neuhuf; Conrad mones, Diether . . . von sassenhusseu por- 
tabant den kästen; Gylbertus hulczhusen; Lud^icus hulcz- 
huseu; Heylman stralnberg; Conrat zum jungen ferebant 
cereas. 

§. 198^ [foi. 90] Anno 1497 ipso die corporis Christi et vicesima 
quinta maij deferebat corpus dBi Johannes grjffensteyn, decanus 



— 153 — 

dini Bartholom^i francofurdienBis. Assistebant decano eum ducendo 
Henn glanburg et lohannes vom ryn^ seniores scabini, 
qaataor autem ferebant struem^ qu^ super sacramentumdefer- 
tur, noBtro ydiomate der käst genant^ videlicet Philippus 

ogelnhejmer^ Gorg reyß, Ditther et ego lob ror- 

bach, et primum est; quod ego geBtabam den kasteii; quatuor alij 
deferebant t^das seu cereas, videlicet Hejnrich wiß, Ortgyn 
zum jungen^ Virich neubusen vnd Gorg martroff. Comita- 
bantur sacramentum a retro Marchio lacobus de baden ^ iuditij 
camer^ iudex^ cum eo sex assesBoreS; item aduocatus iuditij camer^^ 
Doctor Florentius de veniugeii; aliquique procuratores. Post hos ibant 
consules opidi huius, deinde wulgares etc. 

§ 199. [foL 95] Nicolaus kruder episcopus Sambiensis 
et filius franckfurdensis. Anno 1497 die 22 iulij ipsa die diu^ 
Magdalena Nicolaus kruder^ episcopus Sambiensis^ filius oppidi franck- 
furdensis^ detulit Corpus dominicum in processionC; qu^ ea die agitur 
ex voto. Bernhardus^ frater meuS; lorg neuhuß, Conrat monef et 
Dither humeris seu scapulis suis [gestaverunt] den kästen et prima 
est fratris gestio illa pr^fata. ' Eram tunc wormatiQ. 

[Maria-Magdalenen-Frocession 1498, begleitet von den Theilneh- 
mem an dem Passionsspiel §. 215]. 

§. 200. [fol. 137] Bede Meß. Anno 1499 vicesima quarta ap- 
prillis decantata est in onmibus collegiatis ecclesijs et monasterijs 
missa pacis. Et in ecelesia parochiali nostra hoc modo processum est : 
primum cantata antiphona: ^Cognoscimus domine, quod peccauimus^; 
deinde lecti submissa voce vii psalmi litaniaque alta voce per duos 
decantabatur. Cantando eam facta est processio et circuitus per totum 
cimiterium. In ea ibant primum scolares, deinde persona ecclesi^, 
demum tötum consilium fteu omnes consulares viri vna cum capitaneo, 
aduocato medicoque etc., qui omnes durarunt vsque in finem pffitij 
missQ. Antea etiam quam inchoaretur ofiitium summum, cantata an- 
tiphona: „Alma redemptoris^ cum coUecta; introitus : ,,Dapacem'^;habita 
eleuatione, cantata antiphona : „Media vita^ cum coUecta. Finito offitio 
missQ; cantata fuit antiphona: j^Salue regina^ cum coUecta [fol. 138]. 
Steterunt consules in dextro latere chori, ingrediendo chorum scabini 
et pr^tores, in superioribus sedibus seu stallis alij, in inferioribus 
persona vero omnes ecclesi^ honoris gratia cedebant consulibus et in 
latere sinistro manebant. Deinde eodem anno 22 maij ob exhorta- 
tionem domini Bertholdi archiepiscopi ^que et per omnia decantata 
est missa, vt supra , et sequebantur itterum omnes consulares 
[cf. §. 193]. 



— 154 — 

§.201. [fol. 142] Anno 1499 in die din^ Mari^ Magdalena do- 
minus Johannes gryffensteyn detulit corpus Christi. Ducebant 6 um 
Johannes vom ryn et Ort zum jungen. Den kästen deferebant 
Gorg neuhuf, Engil langstorff^ Arnolt reyß, Philipps 
vgislnhejmer. Deferebant die fackeln Sebastianus Schmitt, 
Conrat zum Jungen, 

§. 202. [fol. 156] Bede Mel). Anno dominj 1500 vltima augusti 
decantata est missa pro pactis ad instar eius; quQ supra notatur 
Charta 137 [§. 200]^ nisi quod in ea nunc consules in latere cantons 
steterunt supra in latere decani etc. 

18. Judentaufe. 

§. 203. [foL 5] Anno 1494 decima nona augusti baptizata est 
hie Jud^a ex partibus sueui^^ qu^; vt ait^ ex instinctu Mari^ yirginis 
proprio motu baptizari petiit, et nomen ipsi est impositum Katherina 
et inter plures compatrices duxerunt eam du^ virgines; Annablumyn, 
filia Wolfgangi blums; afiinis mei; et^Cristina froschin, filia Jo- 
hannis frosch, quQ prefat^ virgines steterunt in latere super machinam, 
quando baptizabatur, erat enim machina constructa ante aram parochia^ 
lem et peluis super posita, in qua steterat baptizanda. Cetera autem 
compatrices non ascenderunt machinam, et, ea baptizata, cecinitpopu* 
lus: „Nun bjden wyr den beigen gejst^! Et postea eduxerunt eam 
prefatQ virgines in processione (sicuti et intrauerat ecclesiam) ad 
domum plebani. 

19. Asylrecht der Klöster. 

§. 204. [fol. 89] Anno 1497 decima maij in nocte hatt hameß 
sun .... zu sosenhusen eyn thor geweltiglich vffgetretten an ejnem 
huselin hj dem huß, zum Einbogen genant, hj den predigern vnd 
hatt gewont eyn burger von aschaffenburg, der hie reyff feyll hatt, 
genent vnd hatt der gemelt burger eyn frawe zu aschaffen- 
burg. Aber hameß sun hatt dissen burger gewont vmb des, das er 
by ym lygen fant syn hör . . . des wagners dochter von sassenhusen. 
Darumb dratt er die dor vff vnd hywe den burger vnd schlug die 
bor by eynander ym beth. Vnd hatt hames sun eyn scherrer 
knecht . . . . by ym yn disser thatt Des morgens lieff hames sun 
vff die friheytt yn's barfusser kloster vnd der scherrer knecht zusant 
Anthonij vnd synt beyd daruonkomen. 



155 



20. Cleriker. 

§. 205. * [fol. 55] Anno domini 1496 duodecima maij expirauit 
deuotuB HartmanduB moliatoris^ canonicus sancti Bartholom^i. 
Canonicatum obtinuit.Fhilippus de helle^ alias peffcr dictus. 

§. 206. [fol. 62J Anno 1496 vltima augusti dominus Niclaus 
wißbecker exspirauit^ qni erat scolasticus sancti Bartholom^i. Scolasteriam 
obtinuit Joannes sumer^ canonicus sancti Bartholom^i, quod sibi 
contulit generosus dominus .... de uassawe comes^ pr^positus diui 
Bartholom^i [cf. §. 62.]. 

§. 207. [fol. 99] Anno 1497 Carolus [1. PhiUppus] de helle^ 
filiuB doctoris Georgii^ vulgo peffer cognominatus^ obtinuit pr^bendam 
in aschaffenburg per mortem cuiusdam rejfF, qui obiit vltima augusti. 
H^c scripsit frater, quum wormati^ eram 7. 

§. 208. [fol. 145] Anno 1499 die tredecima octobris Johanes 
vom rjn, filius Johanis vomryn et decanus sancti Leonhardi^ 
snas celebrauit primitias in dicta ecclesia S. Leonhardi^ ad quos ego 
fueram inuitatus. 

§. 209. [fol. 160] Anno domini 1500 tertia decembris obijt do- 
minus Georgius schwartzenberger; cantor et canonicus ecclesi^ sancti, 
Bartholom^i franckfurdi^. cf. §. 63. 327. 

[Johannes Greif enstein^ decanus sancti Bartholomaei; §. 62 seq.; 192. 
197. 201. 215. 

Eberhardus Becker^ scholasticus sancti Bartholomaei^ §. 62. §. 63. 

ConradusHensel; doctor theologiae^ canonicus sancti Barth olomaei 
et plebanus; §. 63. 

Johannes Ugelheimer^ canonicus sancti Bariholomaei, §. 62. 63. 

ErharduB Dincickheymer, canonicus sancti Bartholomaei^ §. 63. 

Johannes WilnaU; canonieus sancti Bartholomaei, §. 03. 

Heimannus Itzstein, canonicus sancti Bartholomaei, §. 63. 65. 69. 

Nicolaus Schell; vicarius sancti Bartholomaei, §. 65. 

NicolauB HugoniS; clericus sancti Bartholomaei; §. 68. 

Heinricus Stößel^ vicarius sancti Bartholomaei; §. 236. 

Nicolaus Kruder, episcopus Sambiensis et filius franckfurdensis;§. 199. 

Johann Brunn, sacerdos §. 80. 

Albertus Brollyn, capellanud Katharinae Holzhausen zum Gold- 
stein, §. 18. 217.] 



' Am Rande hat Job „Karolas" ansgestrichen vnd dafür „Phillipas" ge- 
setzt. Es unterliegt demnach keinem Zweifel, dass der Inhaber Jener Praebende 
und der Canonikus zu St Bartholomaei eine Person und Sohn des Kanzlers 
Georg Helle, gen. Pfeffer, war. 



IIL Sitten. 



1. Das jährliche Hirschesaeii des Batha. 

§. 210. [fol. 31 1 Anno 1495 die tredecima julij domini de con- 
silio comedenint ceruum in domo JohanniBgleuburg iuxta morem 
eorum, vti singulis annis faciunt. 

§. 211. [fol. 57] Anno 1496 die 1 julij domini de consulata 
conuiuium cerui peragebant Et Clara, vxor Johannis de glau- 
burg^ inuitauit plures in domum Ambrosii glauburg (consulares enim 
sunt in domo Johannis glauburgs, cum bachanalia cerui peragunt), 
qui ad triduum ederunt ac biberunt in gaudioque triduum hoc con- 
Bumpsere, iueruntque tercia die ad yillam rad causa Bolatii et quod 
dies diuQ Margret^ agebätür, quQ illic patrona colitur. Inter alias 
aderant mater, Boror, affinis et ego, fraier in italia erat [§. 8] soluit- 
que genitrix pro se et me pro hoc triduo xx &. 

§. 212. [fol. 93] Anno 1497 decima nona junij domini consules 
franckfurdenses bachanalia cerui peragebant 

§. 213. [fol. 117] Anno 1498 ricesima lunij consulares franck- 
furdeuBOB conuiuium cerui iuxta morem agebant. 



2. PasBionsspieL 

i 

§. 214. [fol. 115] Anno 1498, quarta junij et secunda penthe- 
costes, hie ante pr^torium, quod dicitur der romer, supra machinam, 
qu^ ob hoc constructa fuerat, ludus habitus, in quo erant 280 per- 
sona bene omat^ cum vestibus ac similibus, quQ decebant; luserant 
autem eo die primum sacrificium unici filii Abraam, historiam Susann^, 
divitis et pauperiB Lazari, item filii perditioms, quibus actis Balthazar, 
plebanuB in obern Escherschejm, induit se tunica grisea 



— 157 — 

(antea eniin personam patris in dinis reprQsentabat); ao djademitate 
coronatus^ personain Christi simulang pasBionem domini aggrediens, 
quQ causam omnem dedit ludo. Eam incipiebat ab electione aposto- 
lomm. Die quinta junij Inserat passioneni; usque dum captus fuerat 
in ortu [horto]; sub illa captura ducebatur per nostras vicns ciuitatis. 
Sexta junij et mercurij et quatuor temporum ad longum per ciuita- 
tem traducebatur; anteaquam ascerenderent machinam^ cumque 
macbinam asoendissent^ adAnnam eo die etc. ducebatur et cruci ap- 
pendebant eum, in qua pendebat fere ad duas horas. Sexta [lege: 
septima] junij et jouis post pentheoosten exportarunt crucem una 
cum crucibus latronum extra portam saxenhusen. Undecima junij 
hijy qui de ludo erant^ inuitarunt totum consulatum ad prandium^ qui 
donarunt illis duasamas vini et 20 aureos^ item concesserantillis asser es et 
ligna in mftgna copia yalde^^ ex quibus machina construebtftury ea 
tarnen lege^ yt redderent^ etqu^ destruerentur seu c^derentur^ solue- 
rent; pr^terea plures alios eines et ecclesiasticas personas inuitabant^ 
qui et illis; qui de ludo erant^ propinabant. Item omnis; qui de ludo 
erat, et qu^libet persona singulariter dedit primo societati [fol. 116] 
ejn ort, de qua pecunia, quQ ludum concemebant; parabantur. 

§. 215. [fol. 118] In die diuQ Magdalena anno 1498 in processione 
corpus domini detulit lohanes gryffenstein, decanus ecclesi^ 
S. Bartholom^i; Hen glauburg et Hans vom ryn duxerunt 
eundem, Gorgneuhus, lob rorbach, Arnold reysz, 
Philipps vg.elnheimer gestabant den kästen, et antea in festo 
Magdalena non gestaui; Ludwick hulczhusen, Gorg mar- 
troff; Hejlman stralnberg, Virich neuhus portabant cereas; 
faij antem, qui luserant passionem, vt habetur supfa 115 sequebantur 
consulares in processione, induti seu vestiii more eorum, nisi quod 
quinque repr^sentabant salvatorem, vnus captivum, alter in veste 
alba, tertius colunmam ferebat, quartus crucem, quintus resurrectio- 
nem repr^sentans, et is erat, qui, dum ludebatur, omnia Jhesu more 
simiUtudinarie gesserat ac patiebatnr. 



3. Bathsbleygen. 

§. 216. [foL 132] Anno 1499 terda januarij dedit mihi magi- 
ster ciuium Michel schwarczenberg pro duobus Bleygin, die ich 
▼ordjnt hat vff den tag Mari§ Magdalena, do ich den kästen drug^ 
yts. 118 [§«215], vor diezwej gabermirdreuder neuwen bleygin vnd 
waren die ersten, die ich gesehen hab; gap ich der mutter eyns. 



— 158 — 

Bemharten^ mynbruder; das ander, her Eberharten becker das 
dritt zu neuwen iar vnd hat der selbigen [keynes] keyns mer gesehen 
oder gehat A tempore natiuitatis Christi anno illo hie notato defece- 
runt die alten blejgin mit den zwejen brachen vnd mit den zwejen 
drüben vnd die neuwen haben die gestalte das y& ejner kannen 
sunder ejn lytt oder deckel wachsen zwen drubeu; hengend vff bej- 
den sjrtten [cf. Lersner I, 468]. 

$. 217. [fol. 141] Anno 1499 decima octaua junij zum erstmaU 
yff der grossen yrgeln in der phar durch Johannes hessen, des vor- 
sprechen Hans hessen sun, ejn salue gespilt worden vnd gesungen 
ynd waren kum als fill claues vnd pTffen gestjmpt, das eß bescheen 
mocht. Schanckt ich hierumb dem selbigen lohannes eyn rats blyg^ 
die will das [erj zum ersten zum salue gespilt hat etc. 



4. Schiessen. 

§. 217. [fol. 58J Anno 1496 die julij vicesima vff dem schjss 
graben zwyschen den porten bj sant katherinen kjrchen noch myttag 
sjnt zusamen komen jn ejner gutten erlichen geaellschafft doctor 
Florentius von veningen, Katherina hulczhuserin, Hamen, jr sun^ 
vnd Margret, Hamens husfrawe, Gylbrecht, auch yr sun, Ey Ichin 
ror becherin vnd ich lob, yr sun, Katherina, Oylbrechtcz h^lczhusen 
seliger gedechtniss wyttwen, Ludwig, yr sun, Karlen henspurg vnd 
Martha, syn husfirawe, myn loben Schwester, Johan holczhejrmer, 
vnd haben desunderens die gesellen geschossen, welche wollten, vmb 
zymlich kleynet von zinwerg; des nacktes hatt ye eyn huszgeseß 
II maß wyns bracht, vnd nach dem nachtmall geschossen frawen vnd 
man, wer da wolt, byß vmb zehne, also das III liecht by das blatt 
gesteckt worden vnd eyns fam anzeyger, vnd noch dem nacht mall 
synt darczu komen Ort zum iungen, der junger, vnd her Albrecht 
prolin [§. 18], der hulczhuserin zu goltstein kappellan. 

§. 218« [fol. 67] Anno 1496 trededma nouembris hat hie eyn 
schy essen angefangen mytder h€uitbocksen; das hatt gewert diy tag 
vnd synt der schuczen hundert vnd eycht gewesen vnd der kleynet, 
darumb man geschossen hatt, fimff vnd zwenczig, myt namen drij 
ochsen, eyn schwarczer hudt mjrt eyner sylberen roren, iüi eleu 
schwarczen schamelott, vnd zwenczig zinnener kle3met als fleschen, 
gieß, faß, gelten, byren [?], teller, kannen etc. Den besten ochsen 
gewan eyner heyst Thomas, bossenmeysters sun, sycztby der bocken- 
hejrmer porten, den andern ochsen gewan Conrad nnhuß, myn vetter, 



— 159 — 



den drytten eyn bossenmeister von mencz^ den hut mit der silbernen 

roren schuchlepper by sant iobann^ den schamelott zum 

wames gewann dyll .... eyn ledder verkanffer vflF dem krutt marckt^ 
die Buwe [Sau] gewan Hans syd, vnser schmyt, vnd faabent die franck- 
furter scbüczen nünczehen kleynheyt vnder den fiinff vnd zwen- 
czigen vnd die beubt kleynet all; vjßgenomen den drytten ochsen. 
Vnd haben sie geschossen vff dem fyscherfelt yn zwen schyrm vnd 
die leng des schuß vom stand an byß yn schyrm ist 336 ilen, niyt 
eyner scfanor ist ens also gemessen worden. Item hat Schnabels sun 
eyn brieczsch^ vnd welcher schütz sechs schus nach eyn ander des 
schyrms feit, dem schlug man der briczschen; item welcher 
nyt by die schuczen gebort vnd gyng vber das gebleng, dem schlug 
man der briczschen oder must iiii den. geben , vnd schössen die 
schuczen zehen schüß. Auch synt der kleynet zum rytter schuf ver- 
ordenet myt namen zwen hud' vnd eyn byrett vnd eyn silberen 
lanczknecht myt eyner silbernen hellenbarten. 

§. 219. [foL 157] Anno 1500 ist eyn schissen mitt der haut- 
bocksen hie gehalten worden vff dem fiescherfeld zu zweyen scbyr- 
men vnd synt siebentzig schützen gewessen, der synt vii von mentz, 
dry von oppenheym, vier von gelnhusen, dry von rad, die anderen 
synt alle franckfurter gewessen vnd hat man zehen schuf gethon, 
synt vnder den schützen nor zwen, die sex schuß zu meisten gehabt 
haben, mitt namen meister Ludwig, des rats Schmitt, hat den ochsen 

der das best war, behat [behalten ?] vnd fiescher das damasten 

wams, Bemhart weiß eyn silberen becher, vnd sjnt ettwan mit aUen 
kleyneten, so mitt dem ritter schuß vnd sust, dryssig kleynett ge- 
wessen, des hat der ratt hie den ochsen zu vor geben vnd den 
schützen auch x firtell wyns geschenckt,. in die h^berig habent die 
[fol. 158] von oppenheym eyn kleynet gewan, die von mentz eyns 
vnd die su, die von rad eyn hutt mitter eyner silberen rom im 
ritter schuß, die andern kleynet syn alle von franckfurtem gewannen. 
Dar by *ist eyn kegelban gewesen vmb ettlich kleynet, haben die von 
franckfnrt auch gewanen (alweg dry scbyb vmb 1 h. vnd in eym 
weißphening gab man eym dry schyb zu), vnd waren dry zeit 
vff geschlagen vff dem fischerfeit by helligen stock , ir zwey vor die 
schützen, im drytten spilt man vnd hat das schissen dry tag gewert. 



— 160 - 



5. Erstes Gastmahl im eigenen Hausstände. 

§. 220. [fol. 35] 1495 die quarta septembris hatt Harn an hulcz- 
husen myt sampt Margrett^n froschin ®, syner husfrauwen, zum ersten, 
alß eyner der eygen hnß halten wyll, ym monezhoff, den man auch 
den trierssen hoff nennet , gessen vnd darnach vff den funfilen dag 
des Septembers haben sye zum ersten dyn geschlaffen ^ also synt sie 
gancz zu huß geczogen. Item darnach uff den xiii tag des Septem- 
bers habent myn mutter vnd Kryngen hulczhuseryn zu spangenberg 
gekocht vnd die kost yn monczhoff getragen ynd haben den newhen 
huflutten geschenckt das myttag ombß, ynd hatt myn mutter ge- 
schenckt eyn schon koppfferen kessel; da man glesser yn weschet, 
kost 1 fl. iiiiß yel alb., vnd ich eyn schyndell lad, da yn stunden kleyn 
hulczeryn bochßlyn tu, das sie species ' dar yn thun sollen, die yn 
die kochen gehören, Kryngyn zu spangenberg schanckt eyn Schleyer, 
Ludwig hulczhusen, yr sun, schanckt eyn Instrument^ von myssen *^ 
gemacht, damandiephan uffseczet, kost xvalb., Eylchyn, yr dochter, 
eyn groß holczeryn hoff schussel, da man deller vber diesch yn 
worfft, wenn man eyn essen uff will heben. Vnd des myttags was 
myr assent, schanckt myn mutter vnd Kryngyn zu spangenberg, 
vnd assent da myn mutter, myn bruder Bernhart vnd ich, Katheryn 
zu spangenberg, Ludwig yr sun, Eylchin yr tochter, her Johann 
brun ; [fol. 36] des nachtes lud uns alsampt herwidder Häman ufF syn 
kosten. Et solitum est fieri hijs, qui primum proprias incipiunt fa- 
cere in domo expensas, et cum et maritus et uxor ambo, vel alter 
ex eis antea non fuerunt copulati. 

6. Job Eohrbach's Gastmahl mit Speisezettel. 

§. 221. [fol. Iö3] Anno domini 1500 tertia junij habui hospites 
in cQna, vt infra, quod sie contigit Vicesima octaua maij Ambrosius 
dietherich, prothonotarius iuditij camer^, inuitauit ad c^nam in domum 
Jacobi neuhuß certas mulieres cum maritis et alijs quibusdam. Acta 
c^na , jocando mulieres imposuere sertum Vdalrico neuhuß, vt daret 
c^nam die sequenti, quod precibus mulierum ^^ et eo, quod genitrix 



s Helle. Vrgl. Einleitung Anin. 27. Margarethens Mntter war eine geborene 
Frosch. 

9 Species = Gewttrz, Specerei. 

!<' Messe = Bronze. Das Messinge ist erst 1553 durch Erasmus Ebner er- 
funden. 

11 Ein Wort scheint zu fehlen, vielleicht accepit. 



— 161 — 

Uli dommn; coquam; lign» etc. obtulit^ ipse Vdalricus omnes sie inui- 
tavit ad diem seqnentem ; placuit etiam^ y% qu^libet famiUa * domus^ 
siue vnuB vel plured in vna domo forent^ afferrent ii nnaß wyiiß^ aicque 
ad diem seqnentem comienirous eo pacto^ vt supra/ in domum nostram. 
Vdalricus vero sertmn imposuit Yrsul^ schwartzenbergeiyn ^ ipsa 
Vrsula mihi Job sertum dedit sicque inuitaui omnes et ömnem hanc 
societatem ad c^nam ad tertiam diem junij^ qu^ erat dies mercurij 
poBt dominicam exaudi; habui autem in c^na seqifenteB personas: 
Eylchin matrem, Bemhardum fratrem, Georgium neuhul^^ Jacobus 
frater suus inuitatus, sed quod sumpserat medicinam^ noi^ comparuit^' 
Vdalricum neuhuß^ Gilb^rtumhultzhusen, Katherinam; suamlegittimam, 
Katherinam, relictam Gilberti hultzhusens zu spangenberg^ Lndwicum 
filium ipsius; Vrsulam schwartzenbergeryn^ Otiliam zu schwanawe, 
Fridericum faut, Margretam vxorem Buun^ Nicolaum schprrebraat^ 
wulgo armbruster, Hamandus hultzßiujsen cum uxore Magreta vo-. 
catus erat, sed quod infirmus ipse, non comparuit etiam uxor; item 
Karolum hjnspurg affinem cum Martha, uxore sua, sorore nostra, 
sicque considera te mercurij natum, mercurij pr^bendam adeptum, 
mercurij primum hie hospites habuisse meis impensis. Vnd gaben disse 
gericht oder trachten : zum ersten erpffem mit zocker^ darnach in 
iglich schußell iüi jung huner vnd ejn stock heymellfleyschgedempfft 
mit cybeben, resyn.grof vnd klejn, muscaten vnd muscat blumen, 
darnach gesotten schefFen oder schotten, darnach gebröttes je in 
eyn schussel iüi junger huner, eyn hamelsbuck, eyn halb ganl^ vnd 
fjrsseß soliß darbey, daraffter keß vnd kyrsen zur collatz, am obent 
keß, confeckt, rettich vnd zwey malckum, das eyn in der schussehi, 
das ander vß dem haffen zu drincken. Sertum ego imposui E^the- 
riu^ zu spangenberg. 



7. Meyenstecken. 

§. 222. [fol. 20] Anno 1495 prima maij nee postea hat man 
keyner jungfrawen oder wittfraviren oder frawen vffvnser stoben oder 
der glichen mey noch briff gesteckt nach alter gewoAheytt. 

§. 223. [fol. 55] £odem die [anno domini 1496 prima die maij] 
nil per adolescentes affixum foribus est, ut antiquitus moris erat. 

§. 224. [fol. 88] Anno 1497 hat man keyn mey, als vnser altem 

ym gebruch gehabt, vor der jungfrawen vnd frawen thor u£f den 

ersten tag ym mey [suppl. gesteckt]. Solichs ist von den jungen 

gesellen nyt geschehen vff Philippi vnd Jacobi. 

11 



— 162 — 

8. König8wahl*ain Epiphanienabend. 

§. 225. [fol. 47] Anno 1496 öu januarij [per Bortem] zum golt- 
stein in vigilia epiphani^ sum electus per sortem in regeni; me ab- 
»ente. Regis conuiuium obseruatum est tertia februarij. 

V 

9. Superstitionen. 

§. 226. [fol 5] Anno 1494 in die Bartholom^i apostoli Katherina, 
coqua matris^ etMargreta^ alia famula^ sorte elegernnt apostoloS; me 
sortem ponente^ et obtinuit Eatherina Matbiam; aüa Thomam. 

§. 227. [fol. 11 IJ Cum secanda sunt ligna ^dificiis vtilia vtque 
ab corrosione et putrefactione diutius conseruentur; monenda duo sunt, 
primo Tt in decrescentia lun^ secentur, aduertendumque est^ vt a 
nuUo secentur, qui habuerit nocte pr^cedente vel die ea rem cum mu- 
liere^ etiam uxore sua. Pr^terea cum lapides ponere velis in partes 
[parietes?] domus, ne humectentur de se seu sudent, vt frequenter 
lapides hjemis tempore et alio solent^ sie prouidendum; vt consideres 
fodinam lapidicin^ et fodere eures in ea partO; quQ est ad solis ortum^ 
hoQ maxime animadvertendum propter lapides a4 stubas aptandos. 
Cum porcos neeas; vt pro domo lar [lardum?] vel cames porcinas 
per annum habeas^ necandi sunt in lunQ decrescentia ^ eo tunc lar 
[lardum?] vel pinguedo non tam effluet, vti contingere frequenter 
cemimus. 

H^c retulit et pro uero asseruit Petrus drach^ ciuis spirensis, 
contirmauit Jobannes storcb^ prothonotarius iuditii camer^^ qui se 
horum experientiam habuisse et prpbasse affirmat. Actum wormati^ 
die 18 martij et dominica oculi anno 1498. 



IV. Frankfurter Familien. 



Alzey. 

[Friedrich von Aken. §. 128. 185. . 
Friederich^ Dietherich und Agnes von AJzey. §. 301. 
Agnes von Alzen, Peter Baissen und in zweiter Ehe Bortholds 
von Babenliausen Hausfrau. §. 328.] 

Artenberg. 

[Margreta^ filia Heinrici de Artenberg, scriptoris <^uitati8^ marita 
Bemhardi Weiss. §. 327. 330. 
Fichard. schreibt Ortenberg.] 

Babenhausen. 

[Nicias von Babenhausen, siehe Amtleute. 

Berthold von Babenhausen (Babenheim) und Hausfrau Agnes 
von Alzen. §. 328.] 

Blarock. 

§. 228. [fol. 15] Anno 1495 in februario Johannes blarock nup- 
tias celebrauit cum Beatrice de oppenfaejm, soror est ibidem 
hospitis zur kanne et soror uxoris Amoldi schwarzenbergs, cf. 
§.320. 

[Anna, Feter Blarock's Hausfrau, §. 234. Sie war eine gebome 
Ritter.] 

Blum. 

§. . 229. [fol. 11] Anno 1476 die 28 nouembris contraxerunt spon- 
salia Wolff blum et Lysa, filia Conradi hulczhusens ; nuptias habuerunt 
in die ScolasticQ virginis anno 1477. 

§. 230. [foL 31] Anno 1495 prima die julij post meridiem obiit 

Balthazar blum, frater Milchart et Affinis mei Wolf blum, reliquit 

11* 



— 164 - 

vxorem suam Katherinam bodnerjn absque liberis^ sepultus autem 
apud carmelitas. Deinde eodem anno nona nouembris nuptias con- 
Bummauit cum Johanne han [cf. §. 261]. 

§. 231. [fol. 37] Anno 1495 die 21 septembris maneinuentus in 
curia faabitacionis suQ Mylcharblum^ frater Wolfien^ morte subitanea 
mortuuB, cuius anim^ deuB propicietur^ res horribilis humanis! 

§. 232. [fol. 49] Anno 1496 die nona februarij sponsalia con* 
traxerunt Wolff blum iunior, filius Georgii blum pi^ memoria, et 
Katherina virgO; filia Alberti djrmeyers pi^ memoria. Solemnizatum 
dehinc in facie ecclesi^ matrimonium est die tercia iunij^ depost 
sponsa CBt sponso apposita die quinta iunij; sexta iunij 
pompa nuptiarum est secuta. Acta omnia anno^ quo supra. 

[Wolf Blum, Lisa Holzhausen's Ehemann §. .6. 80. 122. 183. 185. 

Seine Kinder : 1) Melchior §. 80. 2) Engin §. 80 (Ludwig , 
Matroffs Ehefrau §. 294. 295.) 3) Agnes §. 80. 4) Lyse (Elisa- 
beth) §. 80. 

Seine Geschwister: 1) Katharina (Bechthold Heller's des Ael- 

teren Hausfrau). 

2) Agnes, Peter Ugelnheimer's Ehefrau §.326. 

3) Georg. 

4) Melchior. 

5) Balthasar, Catharinen Bodnerin (Fichard 
Budtnerin) Ehemann, sie in zweiter Ehe 
an Johann Haane yerheirathet §. 261. 

Georg Blum's Kinder : 

1) WolfBlum iunior (§. 128. 141. 183. 184. 185. 216) 
und Eringen Dyrmejer seine Hausfrau (§.180.232). 

2) Hans Blum. 

Wolf Blum t 1471. 

! 

1) Katharina, 2) Agnes, 3) Georg, 4) Melchior, 5) Balthasar, 6) Wolf, 

verh. an verh. nn v«rh. an T«rh. an 

Bechthold Heller. Feter Ugelnheitner. Katharina Bndtner. Lisa 

Holshauseo. 



Wolf Blum iunior, Hans Blum. 

verh. an Katb. Diermeyer. 



1 I I I 

1) Melchior, 2) Anna, 3) Agnes, 4) Elisabeth.] 



Ludwig 

Martroffs 

Ehefrau. 



— 165 — 

Breidenbach. 
[Friedrich von Breydenbach and seine Hausfrau Margretha §. 256.] 

Bronim. 

§. 233. [fol. 61] Anno 1496 die decima sexta augusti natus est 
Petrus brom ex Hansen bromen et Grettgyn eins legitima. Sic 
mihi retuUt Hans brom. 

§. 234. [fol. 100] Anno 1497 secunda septembris ex Johanne 
brom ac Grettgjn; eins legittim^; nataAnna^ tertia eiusdem bap- 
tizata. Comater Anna^ vxor Fetter blarock's. Hqc ex scriptis 
fratris, cum eo tunc wormati^ -eram. 

§. 235. [Schedula mter fol. 117' et 118] Prima vel secunda julij 
[1498] peperit Gretgyn brumin gemellas, vnam mortuam^ alteram 
vivam^ qu^ baptizata fuerat secunda julij. Comater jd die nesciam. 

§. 236. [fol. 144] Hejnrich brom. Anno 1499 vicesima tertia 
septembris baptizatus est Heynricus, filius Johannis brumen et Mar- 
gret^ [darüber geschrieben: Grettgyn], vxoris eins. Compater est 
dominus Heynricus stol^ell; vicarius ecclesi^ nostr^. 

§. 237. [fol. 167] Anno 1501 seplima martij obijt Daniel 
brom^ scabinus^ vittricus daß Stalberg's et frater Johannis 
bromm« 

[Daniel Bromm §. 120. 179. 183. 185. 302. 
Hans bromm und seine Hausfrau Grettgyn §. 185. 
Hans und Daniel Bromm waren nach Fichard Brüder ; der 
Erstere vermählt mit Margaretha Tegen [Degenerin], der 
Wittwe Jacob Brunn's, siehe §. 239.] 

Brun. 

^ §. 238. [fol. 15] Anno 1495 vicesima quartaianuarijEatherina 
gleuburgerin^ relicta lacobi brun, mater Katherin^; uxorisHenn 
sassen^ [cf. §. 284] obiit; reliquit dictam filiam et nepotem^ Jacobum 
brun^ ex filio suo Jacobo, ante eam olim defuncto; sepulta hie ad 
minores. 

§. 239. [fol. 170] JacobuSy filius quondam Jacob bruns et 
Gretgyn degneryn, cuius maritus secundus nunc est Hans brum, 
contraxit matrimonium cum Eatherina^ virgine et sorore pr^dictQ 
Magdalena [Geuch cf. §. 307]. Actum eodem die [12 augusti] et 
anno [1501], quo supra de Heinrico von ryn agitur [§ 307]. Anno 
^pradicto videlicet 1501 ratificatum in fatie ecdesi^ est matrimonium 



— 166 — 

Bupradictorum videlicet 18 nouembris, nupti^ autem habit^ 22 nouem- 
bris annO; quo supra. 

[Johann Brun; Priester, §. 80. 

Lisgyn Brunnin, Hans Glismund's Hausfrau, §. 260. 

Katbarina Brunn, Henn Sassen Hausfrau, §. 284* 

Johann Brun, der Canonikus, und Lisgin Brun, Ehefrau des 
Jobann Glismund, gehören zwei älteren Linien an» Die jüngere 
Linie gestaltet sich so: 

Jacob Brun (statt dessen hat Fichard Henne Brunn) 
und Katharina von Glauburg. 

I 



I 

Jacob Brun Katharina Brun 

und Margaretha Degenin [Tegen j verheir athet an Henn Sassen . 



, Jacob Brun 
Katharina Geuch.] 

V 

Demer. 

[Anna, filia Henns Demer's, alias dicti Stockem's Henn, et Bar- 
barae Leningen, marita secunda Bemhardi Weiss (Anna Stockheimin): 
§. 331. 332. Fichard hält sie (bei „Bernhard Weiss") ftlr eine Tier- 
meyer, was sicher auf einem Lrthum beruht , zumal er bei „Tier- 
mejer" keine Anna aufführt, die mit Bernhard Weiss vermählt ge> 
wesen wäre.] 

DiermeycF. [Fichard: Tiermeyer.] 

[Kryngin Dyrmeyerin §. 80, Wolf Blum's Ehefrau §. 232. 
Hans Dyrmeyer §. 183. 

•Agnes Dyrmeyerin, Hert Ergersheimer's und in zweiter Ehe 
Jacob Kühorn's Ehefrau, gen. Agnes zum Mohren, §. 292.] 

Diernstein. 

§. 240. [foL 14] Anno 1495 die 18 ianuarij Philippus dyrm- 
stein celebrauit nuptias cum Gretta, filia Gofferen beckers. 

§. 241: [fol. 96] Anno 1497 die decima nona julij Heynricus 
dyrmsteyn contraxit sponsalia cum Margreta, filia Heynrici, 
des kellers von afnheym vel maßheym. Nuptias depost ce- 
lebrauit 19 ianuarij Anno 1498, 



- 167 — 

[Heinrich Diernstein war Philipps Oheim. Als Ehefrau des 
Letzteren giebt Fichard Mai-garetha von Omstadt (Umstadt?) an.] 

Engeländer. 

§. 242. [fol. 92] Anno 1497 duod^cima jnpij nuptias celebrabant 
Jacobus engelender, wulgo dictus guldenleb; viduus, etMargreta, 
filia Eberhardi motters. Ad has nuptias inter ceteros foeramus 
et vocati nos, yidelicet mater, frater et egö. 

[Doctor Engeländer , fiscalis regius beim Reichakammergericht; 
§. 112. Margreta, älteste Tochter Johann Engeländer's, gen« 
Quldenleb; §. 325. §. 38 u. 39 wird Eberhard^ der Motter oder 
der Sack träger, erwähnt; sollte dieser derselbe sein mit Eberhard 
Motter, dem Schwiegervater von Doctor Engeländer?] 

Ergersheim. 

§. 243. [fol. 11.] «Anno 1476 in die Bamab^ apostoli despon- 
satus Henricus ergerschheymer cum Margreta, filia Johannis 
hulczhusen de prima sua uxore, nupti^ exinde secuta in die sancti 
Blasii, anno 1477. 

§. 244. [fol. 78J Anno 1497 die tertia februar\j, eratque dies 
veneris, paululumpost duodecimam horam in meridie exspirauit Mar- 
gretha hulczhuseryn, vulgo dicta zum thom, relicta Heynrici 
yrgescheymers, cognata singularisque benefactrix mea, dum vixit, 
vtque coUocetur intra electorum numerum, sincera mente deum precor. 
Quarta febmarij tradita est sepulturQ. Sepuha est pr^cise ante eam 
chori ianuam, qu^ sita est inter altare sanct^ crucis, quod est plebani, 
et scrinium dominici corporis [cf. §. 184J. 

§. 245. [fol. 11] Anno 1494 vndecima februarii vf allerman fai3- 
nacht obiit Hejrtwinus yrgescheymer, illius progeniei vltimus. 

[Agnes Dirmeyerin, gen. zum Mohren, Hertwin's Wittwe, §. 18. 
116. 186. Jacob Kühom's Ehefrau §. 293. 

Margaretha Ergersheimerip, Heinrichs Wittwe, §. 51. 80. 279. 

Hertweinr uhd Heinrich Ergersheimer gehören verschiedenen 
Linien an. 

Der letztere, der Ehemann Margarethen Holzhauserin zum Thom 
(§. 244), starb 1484. Mit dem ersteren erlosch 1494 das Ge- 
schlecht der Ergersheimer.] 



— i68 — 

Ejsenberg. 

§. 246. [foL lOOJ Anno 1497 decima nona septembnB Elsgyn, 
vxor Walten ysenberg's, peperit gemellos; qui et de post mortui sunt 
infanteB; xne wurmati^ . existente. 

[Walter Eysenberg §. 180.] 

Faut. 

§. 247. [fol. 54] Anno 1496 die septima apprilis peperit Mar- 
greta, uxor Friderici fautt^ filium suum Johanneni; qui statim 
postea^ die videlicet x apprilis^ obijt. Etsi deletum^ attamen verum est. 

[Fridericus Faut und seine Hausfrau Matgaretha §. 19. 185 

und 221.] 

Von der Filsch. 

[Friederich von der Filsch^ siehe ^ Städtische Hauptleute ^ 
§. 133 flg.]. 

Flach. 

[Georg Flach; Amtmann zu Goldstein^ siehe ^Amtleute^^ §. 129. 

§. 116. 290. 304. 331. 
Bei Lersner führt er den Namen Georg Flach von Schwarzenberg. 
Seine Gemahlin Anna Voelkerin, verwittwete Knoblauch (§.291). 

§. 116. 304. 331.] 

Freund. 
[Hans Freund, Heinz Frcund's Sohn, §. 24.] 

Frosch. 

§. 248. [fol. 10] Anno 1474 penultima februarii desponsatus 
Gorg frosch et Anna^ filia Conradi hulczhusens, nuptias dein pere- 
gerunt feria secunda post Sjmonis et Jud^ apostolorum eodem anno. 

§. 249. [fol. 11] Anno 1491 die 27 aprilis obiit Anna^ uxor 
Georgii fr ose h, et soror genitricis me^, begraben bi dem ewigen 
liecht. 

§. 250. [fol. 11] Anno 1493 die prima maij obiit Wickerus 
frosch, frater Georgii et Johannis frosch, fundauit duas missas 
celebrandas die martis et iouis singulis ebdomadis, vt finita sint, ante- 
quam domini de consilio ingrediantur consilium, in ecciesia beatf 
Nicolaij et salve omni nocte decantändum in eadem ecciesia. 



— 169 — 

§. 251. [fol. 11] Anno 1493 decima octaua augnsti obiit Fri- 
dericuB romanus imperator ^' in castro opidi hucz. Sepultas in 
ecciesia beati Stephani vien^. 

§. 252. [fol. 18J Anno 1495 die 5. apprilis, qu9 erat dominica 
iudica^ sepulta est apud carmelitas Eatherina^ uxor Johannia 
FroBch zum a£fen; et habuit ante iam dictum Johannem in nuuritum 
Wilhelmmn, vulgo zum äffen cognominatum. 

§. 253. [fol. 111] Anno 1498 die nona martij Cristina, uxor 
Johannis frosch^ illiuB videlicet^ qui moram agit in habitatione 
ea wulgo zum burgreffen dieta, expirauit. !^rat pro tunc dies veneris 
poBt inuocauit. Actum, cum ego eram wurmati^. 

§. 254. [fol. 140] Anno 1499 vicesima prima maij sponsalia 
sunt contracta inter Johannem froscfa, wulgo dictum Johann 
frosch zum äffen, viduum, et Bylgen virgine-, filia Cristia^i folckers. 
Et erat dies martis post penthecosten anni supra dicti, vbi celebra- 
batur dedicatio ad S. Leonhardi. Nupti^ de poert habit^ sunt 26 augusti 
anno illo, quo supra. Primogenita eorum nata est, vt infra 154. [foL 
154: Anno 1500 sedecima junij nata est ex Johanne frosch, dictus 
zum äffen, et Rjlgjn, secund^ yxoris suq, Elß [Rjlgin], quQ ex iUo 
matrimonio primogenita existit . Baptizata autem decima octaua 
eodem mense et die corporis Cristi. Ck)mater infantis est E1I3, vidua 
zum Eranch et mfantis proauia matema. (Am Rand ist a^ Name 
des Kindes: Rylgyn froschin angegeben.)] Secundogenitus eorum 
natus est infra 169. [fol. 169: Anno domini 1501 prima augusti bap- 
tizatus est filius Johannis frosch et Rjlgyn, cuius nomen est, vt arbi- 
tror, Cristianus. Compater infantis est üristianus folcker, dict§ Ryl- 
gjn pater. Et obijt paulo post] 

Erste Linie. 

[Engel Frosch §. 2. Seine Tochter Elisabeth, Dr. Hell's 
gen. Pfeffer, Ehefrau. §. 265. 

Katharine Fröschin, seine Tochter, Oilbert Holzhausen's 
Ehefrau, Ludwigs und Blasius Mutter, siehe Holzhausen. 



<> Diese fremde Notiz fand darum hier ihre Stelle, weil die abbrevierten Wörter 
rem. iiTr, an sich undeutlich und in einem Worte geschrieben, durch eine 
spätere Hand noch so alterirt wurden, dass sie nur ran ig er gelesen werden 
konnten. Dass die Notiz in einer Reihe von Familiennachrichten der 
Frosch n. Holzhausen steht, begünstigte diese Auffassung. Erst bei der Revi- 
sion des Druckes hat eine nochmalige genaue Untersuchung der Handschrift 
mit dem Yergrösserungsglase die ursprüngliche Schrift wieder glücklich fest- 
gesteUt. 



— i70 — 

Zweite Linie.. 

Henne Frosch, den man pennet Fröachelgin, §. 183. 

Joh. Frosch zum Affen [Fichard: im Sandhof J §. 179. 183. 
185. 186. 

Seine erste Frau Katharioa [Fichard: von Hengsberg], Wittwe 
WilhelmB zum Affen [Fichard: von Caldenburg] $. 253. 

Liflgin Sassen^ seine Braut ^ §. 185. 186. 310. 

Seine zweite Frau Reilgen Völcker und die Kinder dieser Ehe 
Reilgen (irrthümlich Eis), und Christian (Fichard schreibt die Frau 
und Eönder irrthümlich (vgl §. 254) dem Johann Frosch zum 
Burggrafen zu). 

Dritte Linie. 

Wicker Frosch. [Fichard.] 

Seine Eonder: 1) Reilgen^ Wicker Knoblauch's Hausfrau, §.279. 

2) Wicker Frosch §. 250. 

Guttgin Stephan im Saalhof, seine und in zweiter 
Ehe Eberhard's von Heusenstamm Hausfrau : 
§. 272. 

3) Johann Frosch zum Burggrafen §. 183. 185. o04. 
Christina Degenerin [Tegen] seine Hausfrau 

§, 185. 304 
Christina Froschin ihre Tochter §. 203., Johann 
Raissen Hausfrau §. 304. 

4) Georg Frosch §. 79. 80. 101. 179. 183. 185. 

248. 304. 
Anna Holzhauserin, seine Hausfrau, §. 248. 249. 
Ihre Kinder Georg und Wicker, Engin und 

Margret. §. 80. 



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— 172 - 

Gantz. 

[Anna Gantzin, Bechthold Heller'B des Jüngeren Hausfrau. 

§. 267.1 

Gelthufi. 

[Katharina GelthuBerin^ Tochter Heinrich GelthuBcn zu Oppen- 
heim wohnend^ Ehefrau Adolf Knoblauches. §. 291.J 

Geuch. 

§. 255. [fol. 144] Anno 1499 vicesima septima septembris obijt 
Agneß weißyn; vxor lacobi geychen, relicto seu superstite marito 
vna cum filiabus duabus. 

[Jacob Geuch §. 24. Agnes Weissin^ seine Hausfrau §. 307. Mag- 
dalena, Jacob Geuch's und Agnes Weissin Tochter, Heinrichs vom 
Rheine Hausfrau. §. 907.] 

Glauburg. 

[Das dreitägige Gastmahl der Clara Glauburg. §. 211.] 

§. 256. [fol. 103] Anno 1497 die 4^ nouembris contraxit spon- 
salia doctor Johannes glauburg cum Katharina virgine, filia nobili 
Friderici de breydenbach et Magret^. (Habuit autem dictus Johannes 
glauburg olim in vxorem Katherinam, relictam Heynrici wi£). Deinde 
8^ nouembris benedictionem matrimonij in ecclesia susceperunt et 
die illa fuit sponsa sponso apposita, me wormati^ existente, et unica 
modo nocte concubuerunt simuI.'A prima nocte, qua apposita sponsa 
fuit; Qgrotare c^pit sponsa, quQ et obiit mortem in die beat^ Elathe- 
rinQ, quQ est25mensis pr^fati anno, quo supra. Omnia supra scripta 
contigerunt, me wormati^ existente, Pater prefat^ Katherin^ obijt, 
vt audiui, die pr^cedente ante diem iili^ mortis. 

§. 257. [fol. 127] Eodem die et anno [29 octobris 1498] doctor 

Johann glauburg suas consumavit nuptias cum Margreta 

[Eine weit spätere Hand füllte die Lücke aus: „Homgin^] devrbe [soll 
wohl bedeuten : Orb] virgine, quQ tertianunc illius vxor est, etquia noluit 
obseruare conuiuia nuptiarum solito more, Friderich yon der fjlsch, 
Claß von ruckingen, Ludwigk hulczhusen et ego adduximus sine 
suo scitu fistulatorem et trepudiauimus in domo sua. 

§ 258. [fol. 170] Anno domini 1501 secunda. augusti baptizata 
est Kungundis, filia doctoris lohannis glauburgs ex tertia sua 
vxore, de cuius matrimonio contracto cum illa tertia non [? cf. supra] 
constat ex hoc libro. Eam infantulam suscepit de baptismo Engyn, 
virgo et filia quondam Arnoldi schwartzenbergers et Kathe- 
rin^ hodie viuentis. 



173 — 



§. 259. [fol. 139] Anno 1499 vicesima secunda maij et quarta 
feria post penthecosten obijt Henn glauburg. Beliquit vxorem 
nomine Ciaram sine libeim 

[Katharina Glauburgerin, Jacob (Fichard: Henne] Bruns 
Hausfrau. §. 238. 

Henne [oder Johann] Glauburg §.116. 183. 215. 186. 198. 
259. — 120. 185. 192. 197. 198. 210. 211. Clara [Fichard: Kemmerer 
von Fuld] seine Gemahlin. §. 116. 211. 259. - 
Gudula Glauburg^ Ehefrau [Fichard : seit 1464] Arnold Holzhausen's. 

Dr. Johann Glauburg §. 4. 80. 183. 185, oben 256 und 257. 
1. Gemahlin Katharina Weiss §. 256. 

„ Katharina voh Breydenbach §. 256. 
,, Margareta Homgin von Orb §. 257 , in zweiter Ehe 
verheirathet an Wicker Frosch. 

Ottiha [Brunnin], Wittwe Arnold Glauburg's §. 116. 185. 221. 

Ambrosius Glauburg §. 80. 173. 174. 



2. 
3. 



Erste Linie. 



Johann Glauburg 
zu Rüstenberg. 

I 



Sein Bruder 

Arnold Glauburg 

zum rothen Mündlein. 



L 



Arnold Glauburg 
zu Schwanau f 1495. 
O ttilia Brun 
▼onBrunfels. 



Henne Glauburg 

zu Lichtenstein 1461. 
Kunigund Holz- 
hausen. 

Dr. Johann Glauburg 
zu Lichtenstein 1510. 

1) Katharina Weiss zu Limburg. 

2) Katharina von Breydenoach. 

3) Margaretha Horng. 



Henne Glauburg 

zum 

rothen Mündlein 

t 1469. 

I 
Ambrosius Glauburff, 

bertthmter Turnierer. ^ 



Richard Glauburg. 



Katharina Glau- 
burg, heirathet 
Jacob Brun von 
Brunfels. 



Zweite Linie. 

Geschwister: 

Henne Glauburg 
im Nürnberger Hof. 



Gudula Glauburg, 
Hausfrau 

Arnolds von Holz- 
hausen. 



Henne Glauburg im 

Nümbeiger Hof f 1499. 
2. Ehe: Clara Kem- 



merer. 



— 174 — 

■ 

Glismund. 

§. 260. [fol. 95] Anno 1497 julij 12 mane benedictionem matri- 
monij in fatie ecclesiQ susceperunt Hans glismundt et Ly^gyn; vidua 
zu weyßlin, ex stirpe eyn brunin. Tredecima julij festiuitatem nup- 
tiarum consummarunt. Eram ego tune wormatiQ. 

Grünberger. 

[Stephan Grünberger vnd seine Hausfrau Margreta Grusaerin^ 
Thomas Ugelnheimer gelassene Wittwe. §. 296.] 

Haane oder Hayne. 

§. 261. [fol 37] Anno 1495 die 27 septembris faatt Johann han 
vnd Katheryn bodenern, [s. so] ettwan Baltaßar blumen husfrawe 
was [§. 230], zu der heyligen ^e gegriffen vnd die eynander gelobt 
vnd hatt sie Claß von rockingen zu samen geben vnd darnach 
9 nouembris haben sie hochzytt gehabt. 

[Johann Haane §. 80. 122. 183. 185. 186. Katharina, seine Haus- 
frau, §. 185.] ' ^ 

Heimbach. 

§. 262. [fol. 40] Anno Domini 1495 octaua nouembris natus est 
Nicolaus, filius doctoris Adam de heymbach, aduocati franckfurdensis, 
et Anna sigwyn, eins vxore. De fönte säcro leoauit cum Nicolans de 
rockingen, protunc magister ciuium franckf. 

§.263. [fol. 113] Anno 1498 decima quarta apprilis nata Kathe- 
rina, filia doctoris Ad§ de heymbach et Ann^, eins vxoris. 15 eiusdem 
et ipsa die pasc^ baptizata et a Katherina virgine, filla Claß hum- 
brechts, de fönte baptismatis suscepta 

§. 264. [fol. 155] Anno 1500 die mercurij et quinta augusti 
sepulta est apud minores Anna, vxor doctoris Ad^ de heymbach, 
aduocati hie. 

[Dr. Adam von Heymbach §.6. 183. 185. Anna, seine Haus- 
frau 185.] 

Hell, genannt Pfeffer. 

§. 265. [fol. 10] Anno 1474 23 octobris Georgius de hele, alias 
peffer, doctor iuris, sponsalia contraxit cum Elizabeth, filia Engel 
froschen, nuptias habuerunt feria secunda et crastina sancti Britii 
episcopi. Eodem die fuit sponsus Johannes vom ryn. 



— <75 — 

§. 266. [fol. 119J GeorgiuB pfeffer doctor. Anno 1498 quinta 
augUBti cecidit in noua cloaca^ nondum plene extructa^ in curia 
domini treuerensis, wnlgo der äionczhoff genant^ insignis vir Georgius 

de [de Hell. In margine Dr. Georg Pfeffer] vtriusque iuris 

doctor^ reuerendissimi archipr^sulis magunlini cancellariuS; qui mox^ 
cum extrahebatuT; obijt^ cuius anim^ miserere dignetur Jesus^ 
filius dei. 

[Kanzler Hell gen. Pfeffer §. 16. Seine Hausfrau §. 30. 293. 

Margreta^ ihre Tochter^ Haman Holzhausen's Hausfrau^ §. 220. 279. 

Elisabeth; ihre Tochter, Dr. Bernhard Kühom's Hausfrau, §♦ 293* 

Philipp Hell, gen. Pfeffer, Canonicus zu St. Bartholomäus §. 205, 

Präbendarius zu Aschaffenburg §. 207.] 

Heller. 

§. 267. [fol. 3] Anno 1494 tredecima julü obiit Anna Ganczin, 
uxor Bechtholdi hellers iunioris. 

§. 268. [fol. 34] Anno 1495 die 25 augusti exequi§ Wolff hellers 
(filii Bechtoldi hellers ac frater Jacobi, Bechtoldi et Caspari hellers) 
celebratQ sunt in ecclesia sancti Bartholom^i, qui Wolff vna cum 
Ottone cronberger, comite suo, misere necatus est in terra 
Senensium, cum tendebat ire de jtalia ad alemanniam. [cf. §. 5.] 
§. 269. [foL 146] Anno domini 1499 decima nouembris sepultus 

fuerat senior Bechtolt heller, relictis vxore et tribus filiis 

Jacobo, Bechtolto et Caspare. 

[Katharina, Bechthold Heller's des Aelteren Wittwe, §. 294. 
Kinder: Jacob Heller und seine Hausfrau Kringen [v. Melem] 

§. 10. cf. §.296. 
Bechthold Heller junior. (§♦ 6.) 
Ehefrau: Anna Ganz. §. 267. 
Caspar Heller. §. 268- 
Wolf HeUer. (§. 268.) 
Agnes Heller, Heinrichs von Eheine Ehefrau, §. 305.] 

Heringen. 

§. 270. [fol. 102]. Anno 1497 die 28 octobris, ipso die Simonis 
et Jud^ apostolorum, post primam horam de die obijtAnna beringen, 
relicta Wigandi herings, auia materna Caroli hensperg, affinis mei. 
Eram tum wormati^. 

[Katharina Heringen, Orten zum Jungen des Aelteren Haus- 
frau. §. 287.] 



— 176 — 

Hensenstamm. 

$. 271. [fol. 7] Anno 1494 nobilia Martinus de husaegtheym, 
eques auratus^ celebrauit nuptias cum Elsen von brendeln^ £lia Eber- 
hard! de brendel^ tercia die nouembris. 

§. 272. [fol. 14J Anno 1495 Eberhardus de hussesthejm 
nobilista nuptias consummauit cum Guttigin ym salhoff^ filia Ste- 
phens henn, relicta quondam Wickerj froschen^ act^ 20 die ianuarij. 
Et iam dictus Wicker frosch despondit eam in die Johannis euange- 
list^ anno 14G6^ celebrarunt nuptias in die Nicodemidis martyris 
anno 1467. 

[Das Gastmahl Eberhards von Heusenstamm und seiner Ge- 
mahlin Guttgin^ zur Ehre des abgehenden Reichskammerrichters 
Markgrafen Jacob von Baden^ §.116. • ».^'^ 

Brüder: Martin und Eberhard von Heusenstamm §. 177. 
Eberhard von Heusenstamm §. 183. 185. 
Guttgyn Stephan; seine Hausfrau §« 185. 291.] 

Familie Holtzhausen. 

§. 273. [fol. lOJ Anno 1464 die tricesima ianuarii Johann 
hulczhusen secundam duxit uxorem; videlicet Ratherinam^ filiam 
Johan schwarczenbergS; dehinc nupti^ act^ sunt die, quo supra. 

§. 274. [fol. lOJ Anno 1469 dominica ante assumptionem b. 
Mari^ sponsalia contraxerunt Gylbertus hulczhusen et Kathe- 
rina froBchin, nupti^ dehinc celebrat^ sunt die undecima februarij 
anno 1471, proprias deinde inceperunt expensas in domo zum span- 
genberg quarta post Vrbani aimo 1478. 

[cf. Tod der Anna frosch, geb. Holzhauserin. §. 249.] 

§. 275. [foL 11] Anno 1491 vicesima secunda maij, eratqne dies 
penthecostes, obiit Anna, relicta Conradi hulczhusens, auia mea et 
mater genitricis, begraben by dem ewigen licht. 

§. 276. [foL 1] Anno 1473 die 13 junii, qu^ erat tunc temporis 
dominica trinitatis, natus est Ludovicus hulczhusen. 

§. 277. [fol 2] Anno 1494 in die sancti Marci evangelist^, qu^ 
est 25 april obiit cognatus mens Gylbertus hulczhusen. [fol. 52: 
Eodem anno videlicet 1494 die 25 apprilis, qu^ est dies, qua 
agitur festivitas Marci ewangelist^, obiit Gylbertus hulczhusen, 
sepultus in sacello beati Michael in loco suorum progenitorum in 
choro.] 

[Blasius Holzhausen begiebt sich zum Studium nach Mainz 
1494. §, 16.] 



— 177 — 

§. 278. [fol. 4] Äimo 1494 venerunt Sophia et. Barbara de mar- 
purg 22 die augusti et maDserunt penes Katherinam hulczhuseriB 
zum goltstein viii ebdomades unoque die. 

§. 279, [fol. i4j Anno 1495 yicesima secunda ianuarij nata eat 
Katherina secuiidagenita Hamandi hnlczhusen's et Margret^; fili^ 
Oeorgii hell^ alia« pfeffer. cancellarii episcopi maguntmi. E Bacro fönte 
leuauit eam Katherina ^ relicta Gylberti hulczhusens. Nata est autem 
infra decimam et vndecimäm horam diei ea die^ qua suprit, et hora 
yespertma baptizata est eadem die^ qua supra. Et habet sororem^ quQ 
est primagenita pr^dicti Hamandi, nomine Mai^reta, qu^ paulo vitro 
annum Katherinam exsuperat in §tate^ Anno 1496 quarta augusti 
nata est Dorothea, tertiagenita pr^fati Hamandi etc. Mortua est 
Dorothea intra annum. Etsi deletum, tamen verum est. [fol. 61. Anno 
1496 quarta augusti nata est ex Hamando hulczhusen et Margreta, 
sua legittima,. 'Dorothea, quam ex fönte sacro leuauit relicta vidua 
Heynrici yrgeschemer's. Defuncta est. Etsi deletum tamen verum est.J 
Anno 1498 natus Georgius prima augusti, de quo in char. 119. 
[fol. 119. Anno 1498 prima augusti mane quinta - hora natus est 
Georgius^ - filius Hamandi hulczhusen et Magret^ eins vxoris. Is pri- 
mus eorum filius, antea enim filias procrearunt. Baptizatus est' dictus 
Georgius secunda augusti; compater iufantis nobilis Goffert de 
kleben, qui donauit quinque aureos puerper^. Mortiius est infra an- 
num]. [fol. 161] Anno 1500 die martis post remihiscere et vicesima 
quarta martij, hora, vt arbitror, vndedma de die natus est Amandus, 
filius Amandi hulczhüsens et Margret^ vxoris suq* Baptizatus in die 
annuntiationis virginis glorios^. Compater est comendator domus 
theutomoorum hie, cuius nomen est, vt arbitror, Beynhardos de neu- 
husen. Mortuus est sub nutrice in iunio illo anno« [fol. 171] Rylgjn, 
filta Amandi hulczhüsens et Margret^, nata est die Iuuq et sexta 
septembris, baptizata autem die nativitatis beatQ Mari^, coniater Bylgyn, 
vxor Wicken knobellauch's, anno 1501. Mortua est infra puerperium. 

[Haman von Holzhausen wird 2. Mai 1493 Bathsmann §. 119, 
gründet seinen gesonderten Hausstand 4. Sept 1495 §. 220 und wird 
Sdiöffe 9. Juli 1499 §. 126] 

§. 280. [fol. 62] Anno domini 1496 vicesima secunda septembris 

Katherina hulczhuserin zum goltsteyn in stnba sua tradidit ducentos 

aureos mutuo domino Heynrico sylberberg, pr^posito in monasterio mej- 

feit etc., quos ipsemet numerauit, in numerando mater mea traxit. Actum 

vt supra, pr^sentibus ibidem matre mea, Gylberto hulczhusen, filio pr^- 

fiit^ Katherin^ et me Job rorbach. Quos cum accepit pr^dictus Heyn- 

ricusetc. in naui forensi descenditGjlbertus, et ego cum ipso pariter, 

12 



-— 178 — 

traddiditque Gylberto obligatioiiiB litteras, qnibns pro ducenÜB obli- 
gauit 86 et fratrem suuin^ Hans von silberberg, dictQ Katherin^ et 
faeredibuB suis^ quod clarins patet in dicta obligatione sigillata ambo- 
rum sigillis et domini Heynrici et fratris sui Hansen ^ ambo de sjl- 
berberg. Bediebamus Gjlbertus et ego 25 septembris. 

§. 281. [fol. 97] Anno 1497 die tertia angosti Gilbertns hulcz- 
husen (cognatas meus)^ filius Johannis hulczhusen et KatherinQ, eiuB 
uxore; quQ est ejn schwarczenbei^erin ex suis parentibuS; contraxit 
sponsalia in oppenhejm cum Clara stompffin. Depost eodem anno 
vicesima prima nouembris matrimonium quo ad ihomm consnmanit 
franckfurdi^, non vocatis nee sponsionis nee condormitionis cognatia 
etc.; nisi admodumpaucis; qu^de post mortua est in mense maij anno 
1498; yidelicet sexta die iam dicti mensis et anni. 

§. 282. [fol. 108] Anno 1498 die tertia januarij mane circa de- 
cimam horam spiritum domino reddidit Katherina^ relicta Johan- 
nis hulczhusen, cognatamea. Corpus in suorum maiorum loco sepul- 
tum est; videlioet in sacello diui Mihaelis. Delatum auiem corpus 
sepultür^ est 4^ yidelicet ianuarij; cuius anim^ propitiari dignetnr 
omnipotens deus. Actum; mewormatiQ existente.. H^c autem ex scrip- 
tis Jacobi neuhusen babuL Duos reliquit filios vxoratoS; Hamandum 
et Gilbertum. 

§. 283. [fol. 108] Anno 1498 decima iannarlj expirauit Gude^ 
vxor Amoldi hulczhucen. Sic enim ex fratris scriptis habui; me wor- 
mati§ moram agente. [Fichard giebt irrthttmlich aU; sie wäre nach 
1500 erst gestorben.] 

§. 284. [fol. 146] Anno domini 1499 sedecima decembris spon- 
salia contraxerunt Gilbertus hulczhusen viduus et Elatherins 
virgO; filia Henn Sachsen et Katherin^ brun, iUius Henn 
l^ttim^ Coniunxit eos dominus Georgius sohwartzenberger; cantor 
et canonicus ecclesi^ sancti Bartholom^L Juncti autem sunt paolum 
post primam horam de die in domo brunfelf et nupti^ deinde secuta 
sunt decima februarij anno 1500. [foL 149] Anno 1500 decima februarij 
Gilbertus hulczhusen et Katherina Sachsen celebraxunt nuptias. Mane 
cum celebri processione ad ecclesiam [ierunt]; vbi sunt inthro- 
nizati; deinde dies nuptiarüm et coniunctio thori in curia treuerensi 
actQ et habit^ sunt EgoquC; quia vtrique mihi sanguine iuncti; pro- 
pinaui tres fl. Et inter pares ipsi primi erant; quibus in nuptüs 
donaui. 

[Einer der wunderbarsten Missgriffe ist Fichard mit dies^ zwei- 
ten Ehe des Gilbrecht Holzhausen begegnet und beweist schlagend, 
dass er unser Manuscript nicht gekannt hat Er fOhrt nämlich Holz- 



— 179 — 

hausen U* 3 nur zwei Ehen dea Gilbrecht ziun Goldstein mit Clara 
Stumpf von Dettingen 1499 und mit Dorothea Schanz 1512 iuf, und 
bemerkt dazu: „Einige Genealogien geben diesem Gilbrecht die 
Katrine von Sassen; die Andere seinem Oheim Gilbrecht [zu Span- 
genberg} zugeben, zur dritten (.?!) Frau^ w.elches unm^Hch ist, da 
Dorothea ihn überlebte." Noch kühner verfährt seine Kritik in die- 
sem Punkte bei Gilbrecht zu Spangenberg. Er sagt R, 3: „Mehrere 
Stammbäume berichten^ dass^Gilbrecht in zweiter Ehe mit Katharina 
Sassen verheirathet gewesen. Das (xanze ist eine Verwechslung [sic!J 
mit Anna von Sassen , der Frau von Conrad Holzhausen und diese 
angebliche Katrine eiistirte nie." Sie hat dennoch existirt und sich 
auf GastKnähiern und Hochzeiten (§.80, §.221) ihrer Existenz erfreut; 
Job selbst hat sie gesehen . und mit. ihr gespeist bei dem Gastmahl^ 
das er in seinem Hause gab; sie h$t sich auch mit Gilbrecht Holz- 
hausen ^ freilich nicht mit dem^ welcher ^u Spangenberg, sondern 
mit dem, welcher im Goldstein sasa^ nicht in dritter , wohl aber in 
zweiter Ehe vermählt DassFichard uneer.Mai^usi^ript nicht gekannt, 
ersehen wir ferner aU0 seiner Naohricht über den Tod Gilbrechts 
zu Spangenberg. Job giebt zweimal bestimmt, als Todestag den 
25. April 1494 an. Fichard berichtet zunächst^ ein Wappenschild in 
der Michaelskapelle setze denselben in das Jahr 1434. (Wahrschein- 
lich war nur die Zahl 9 undeutlich geworden, so dass sie wie 3 aus- 
sah.) Dann 81^ er: nach einer Familiennotiz falle sein Todestag auf 
den 8. November; zuletzt entscheidet er sich für das Jahr 1496. 

Arnold Holzhausen und seine Ehefrau Gudula Glauburg 

§. 283. 

Conrad Holzhausen und seine Ehefrau Anna Sassen. 

< 

Kinder: Elgin Holzhausen , Ehefrau von Bernhard Borbach 

dem Vater, §.1. 
Anna Holzhausen, Ehefrau von Georg Frosch, 

§. 248. 249. 
Lose Holzhausen, Ehefrau von Wolf Bhmi, §. 229. 

Gilbert Holzhausen zum Sp.angenberg (f 1494 §.276) 
und seine Gemahlin (Wittwe) Katharina (Fröschin) 
zum Spangenberg: §. 19. 20. 30. 36. 116. 185. 186. 
217. 220. 221. 

Kinder: Ludwig Holzhausen: §. 3. 6. 19. 20. 30. 116. 185. 

186. 197. 215. 217. 220. 221. 257. 

Elgm Holzhausen §. 80. 220. 

Blasius Holzhausen §. 16. 

12* 



— .180 — 

Johsan Holzhauseii zum Ooldetein und 

A. Margaretha im Steinhaus. 

Tochter: Margaretha HokhauBen 211m Thoni; Ehe- 
firan Hebrich Ton Ergeraheim^ §. 51. 80. 184. 244 

B. 2^' Ehefrau Johatin's: Eatharine von Schwar- 
. zen'berg zum Goldstein: §. 17. 18. 30. 61. 56. 80. 

217. 279. 28^. 
• Söhne: 1) Haman Holzhansen: §. 19. 79. 80. 104. 119. 185. 

186. 190. 191. 217. 221. 
Ehefrau Margaretha Hell: §. 20. 80. 116. 185. 217. 
221. Kinder siehe oben §. 278. 
• 2) Oilbrecht zum Goldstein: §. 8. 18. 24. 27. 45. 80. 
127. 185. 186. 192. 197. 217. 221. 
.1*^ Ehefrau 1497 Clara Stampf [Fich. von Dettingen] 

§. 28a 1 149a 

2^ Ehefrau 1499 Anna Saasea §284 <£ §. 221. 

(ef. §. 80.) 
3^ Ehefrau 1512 Dorothea Schantz, yergL Steitz, 

Lufher'a und Mehmqhthon's Herbergen 31*.] 



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'■ Die daselbBt ßuf Fiehard gestfltaste Angabe, dass dieses die iweite Ehe 
Q|lbreöht*8 gewesen sei, moss demnach berichtigt werden; es war die dritte. 



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- 182 — 

Holzheimer. 
[Johann Holzheimer; siehe Amtleute, §. 132.J 

Humbrecht. 

• 

§. 285. [fol. 171] Margreta, vxor Claß humbrecht's, obijt viceaima 

quinta septembris; relicto dicto suo marito et filiis etfiliabuB; anno 1501. 

[Kryngin Humbrechtin, Jungfrau, §. 80. 185. 263. Tochter, Clas 

Humbrecht's und Gretgin Foid, dritte Haus&au von Bernhard 

WeiBß, §. 333. 
Margaretha Humbrechtin, Ehefrau Conrad Scheid's, §. 311.] 

Claus Humbrecht. 

Greda, Foid von Monsberg. 



Margaretha Katharina Humbrecht, 

Humbrecht, Eh efrau von Bernhard Weiss. 

Ehefrau Conrad Scheid's. 

Inckus zu Schwanau. 

[Familie starb 1482 aus. Ottilia zu Schwanau §. 221. ist die 
Ehefrau Arnold Glauburger's zu Schwanau, geb. Brun.J 

Jostenhöfer. 

§. 285. [fol. 155] Apno 1500 sex:ta augusti Katherina vgelnher^erin, 

uxor Loj iostenhoffers, sepulta est hie in ecclesia parochiali et 

delatum est funus ad ecclesiam, pr^cedentibus personis ecclesi^ noatr^ 

et Scolaribus et hoc primum in eo inceptum, antea enim inauditum, 

quod clerus nostrQ ecclesiQ pr^cesserit funus laici. 

[Loy Jostenhöfer §. 5.] 

• 

Zum Jungen. 

§. 287. [fol. 142] Anno 1499 vltima julij Katherina beringen, 
vxor Orten zum iimgen senioris, obijt, eo magistro ciuium existente, 
nullos relictos habens. Erat Ortt illo anno magister ciuium senior. 

[Ort zum Jungen §. 79. 80. 83. 98. 125. 183. 185. 201. 

Kryngin Heringen, seine Hausfrau, Guda Hynsbei^'s Schwes- 
ter, §. 80. 

Johann zum Jungen §. 6. 98. 102. 120. 179. 183. 185. 

Conrad zum Jungen §. 80. 177. 183. 185. 186. 197. 201. 

Ortgyn zum Jungen §. 185. 198. 

Gretgin zum Jungen, mater Conradi et Ortgyns zum Jungen, 
§. 328.] 



— <83 - 

Brüder: 
Ort zum Jungen — Heiiirichziun Jungen — Johannzum Jangen 
t 161» (zum Korb) f 1483 
Eaiharinii Heringen Margaretba Beiss. 

seuieHauBfirau Marg. Glauburg. 
t 149». I ' 

Conrad zum Jungen Ort[gm] zum Jungen. 

Ealtofen. 
[Phüipp Kaltofen §. 180.] 

Kelscb. 
§. 288. [fol. 65 .Ajmo dommi prima die maij] Eodem die Jung- 
henn von kelscb ^ yicinus noster^ fatum exsoluity reüquit uxorem 
nomine Morgen et filias, videlicet Mergen, Dorotheam et Katherinam^ 
et filium^ cuius nomen Jodocus. 

Kemmerer von Fulda. 
§. 289. [fol. 10] Anno domini 1464 in die Doroth^ virginis des- 
ponsati Hen kemmerer vnd Eisgin [cf. Bernhards Familien- 
chronik^ §. 61]^ nuptias babuerunt 4 junij zum iungen frosch^ eodem 
anno. 

Knoblauch. 

§. 290. [fol. 3] Anno 1494 prima augusti mane natus est Georg 
clobellacb^ filius Siffiridi clobellach et C^cili^ vxorissuQ; et compater 
dus erat Georgius Flach. [foL 37] Anno 1495 die 24 septembris 

natus estWickerus klobellach; filius Sjffi:idi klobellach et C^cili^ 

Yxoris BUQ. Compater infantis est Wickerus klobellaph, maritus Byle 
froschin. [fol. 83] Anno 1497 secunda martij hora quarta post meri- 
diem natus Sifindus klobellach ex Sifffido klobellach et C^cilia vxore 
eiuS; tertiaautemfebruarij [martii?] baptizatus. Compater infantis domi- 
nus Bemhardus schefi*erlyn; doctor et iuditij camer^ venerabilis assessor. 
[fol. 145] Anno 1499 in principio octobris^ yt arbitror^ natus est 
PancratiuS; filius Sjffiidi knobellauch et C^cili^, eins legittim^. In- 
fantis compater est Pancratius de rynsteju^ comendator domus theu- 
tonicorum hie. [fol. 168] Anno domini 1501 vicesima quinta apprillis 
et dominica misericordia domini baptizatus Johannes, natus ex Siffiido 
knobellauch et C^cili^, eius legittim^. Infantuli compater est Johannes 
mor, huius oppidi capitaneus. 

[Sifried Knoblauch und seme Uaufirau Caecilia §. 116. 185. 

Sifried Knobfaiuch §. 119.] 



•» 



— 18* — 

§. 291. [fol. 57] Anno 1496 die decima septima julij Johannes 
klobellacb^ filius Adolffi klobellach's pi^ memorie et Ann^ folckeriny 
contraxit sponsalia de pr^aenti cum Katherina gelthusenQ, filia 
Hejnrici gelthnß felicis memoria; morantis; dum ybdt, in ojqienhejm 

et Actaym wasserhuß^ zum goltsteTn genant^ extra mBros. 

Deinde decima nouembris spir^ se ipsum sponsQ se apposuit: non 
conuocatis aliis^ nisi qui quottidianj erant in domo Wicken klobellach'B, 
abundantem suam auaritiam notiorem facere Toluit Begula, eorum 
primogenita, nata est 22 augnsti, de quaplenius in 99. Obiit [fol 99: 
Bjlchin klobellachin. Anno 1497 22 augusti; qu^ est vigilia Bartho- 
lom^iy nata est primogenita Johannis klobellach^s et Katherin^ spir^^ 
nomine Begula. Comater infantis est Bjlgin, üxor Wicken klobellach'a. 
Sic esse factum retulit mihi pr^fatus Johannes klobeUach wormati^ 
prima septembris anno supra. Mortua nondum habens akmum Be- 
gula^] Eberhardus de mense octobri natus in 127. [fol. 127: Anno 
1498 de mense octobri natus Eberhardus (et^ vt arbitror, 25 illiua 
mensis baptizatns), filiud Johannis klobellach's et Katherin^, eins uzoris, 
[filiusj ; compater infantis Eberhardus de hussesthem.) [fol. 150] Anno 
1501 decima nona februarij ex Johanne knobellach peperit Eatherina 

filium^ nomine [fol. 170] Anno 1501 infra octauam assump- 

tionis nata est Grettgyn ex Johanne klobellach et KatherinQ, eiua 
vxore. 

[Bylgin Froschin^ Wicker Knoblauch's Hausfrau, §. 279. Siehe 
Frosch. Wicker Ejaoblauch gehörte einer anderen Linie an, ab die 
folgenden : 

Adolf Knoblauch f i486. 
Anna Völckerln, 
heirathet in zweiter Ehe Georg Flach. 

! 

.J. •'• I 

Seifried. Johannes. 

CaeciliaZäch Katherine Qelthaus 

ausEslingen. aus Oppenheinu] 

Kühorn. 

§. 292. [fol. 154] Anno 1500 decima junij et die mercurij post 
penihecosten contraxerunt matrimonium per verba de pr^senti Jaco* 
bus knhorn. viduuB, doctor et cancellaris [cancellarius] principis 
palentini electoris, et Agnes djrmeyern, yidua relicta Hert 
jrgeschemerSy qu^ solita fuit a populo Agnes zum morn nuncupari 
propter dommn, quam inhabitat Deind^ eodem anno quinta augusti, 



— 185 — 



quQ erat di68' mercurij, «olemnizatio matrimonij in fatie 
eeclesii^ et consumatio in thoro secuta est et habita. 

§. 293. [fol. 159] Auno domini 1500 nona nonembris nupti^ 
celebratQ sunt maganti^ inter doctorem Bernhard knhorn, Jacobi 
kuhom de stackgardia filius, et Elisabeth ^ filia quondam doctoris 
Qeorgij hei, alias peffer, cancellarij ärchipr^nlis magnntini, dnm 
vixit, et Elisabeth froschin^ genitricis dict^ sponsQ, qn^ nuno vinit* 
Ad nuptias iUas deseendimos octaua < nonembris ad magnntiam in 
nani consulatns, hie [huc] rediebamos tredecima eiusdem mensis 
annOy quosnpra, etlante, jmo lautissime viximus ac trinmphaninms; 
propinani dncatum, pro quo solni 1 fl. 9 Jß. TaDtondem propinamt et 
frater mens Bemhardus rorbacL Laurentius eonim primogeDitos 
natns est, de quo infra fol. 170. 

[foL 170. Anno 1501 in vigilia vel die lanrentij natns est 
primogenitus maguntiQ doctoris Bernhardi kuhom et Elisabeth 
sne legitim^; nomine Lanrentins; hone snscepit de baptismo ' 
nobilis Laurentius tmchseß, canonicos maioris eoclesi^ magan- 
tmQ etc.] 



Brüder. 



Jacob Walther, gen. Eühom, 
der Aeltere, 
wohnt in Stuttgard. 



Bernhard; 
J. U. D. in Mainz. 
Elisabeth Hell 



Jacob Walther, gen. KtÜiom, 

J. tJ. D. 

Procurator zu Mainz. 

Agnes Diermeyer (Tiermeyer) 

zum Mohren, 
Wittwe von Hert Ergersheimer. 



Langsdorf. 
[Engil Langsdorf §. 20L] 



Marpurg zum Paradies. 

{Ludwig zum Paradies, Dr., goldner Bitter und Schultheiß; §.6. 
79. 80. 83. 175. 18a 185. 186. 294. 334. 

Elsbeth (Asyn) Heringen, seine Hausfrau, §. 80. 294. 

Ludwig Marpurg, §. 183, kann nur Ludwig Martroff von 
Marpurg [§. 294], der Erbe des Hauses zum Paradies gewe- 



— 186 — 



sen s^^ da Ludwig zum Paradies in dem Verzeichniaae 
der Limburger §. 183 an der Spitze genannt ^ Ludwig Mar- 
purg aber unmittelbar nach Georg Martroff aufgeführt 
wird.] 

Martorff. 
§. 29i. [fol. 50] Anno domini bisextili 1486 die dedma quinta 
februarij; qu^ tunc penultima camiBbreuij erat^ Ludwicus mar- 
troff, filiuB Johannis martroff, ex una, ex parte alia Anna virgo, 
Bonior filia Wolff blumens et Lyßgin's hulczhuBerTn, cbntraxerunt 
sponsalia et pr^ter morem nostrum non adductuB ad 
Btubam est sponsus, allegabant rogationes pugnantes 
ad placitum [?]. Solennizatum dehinc est matrimonium in 
facie ecclesi^ nona die junij, quQ pro tunc erat octaua corporis 
Chriflli Nupti^ de post secuta die trededma junij anno, quo supra. 
Tandem procreatus est ex ipsisLudwicuB, primogenitus eorum, 
de quo in folio 93; obiit infans. [fol. 83: Anno 1497 decima septima 
junij ex Ludwico martroff et Ann^ [1. Anna] blumin, eius legittim^ 
[1. le^tima], natuB est Ludwicus, primogenitus eorum, decima octaua 
junij fönte baptismatis renatus. Compater infantis est Ludwicus de 
paradiso, doctor ac eques auratus, franckfurdensium scultetus. Mor- 
tuus est pauco tempore post pr^fatus infans]. Secundagenita, 
Elsbeth nomine, nata est vltima junij in anno 98, clarius infra 117. 
[fol. 117: Anno 1498 vltima junij nata est secundagenita Ludwid 
martroff [am Bande: Elisabeth martroff] et prima julij baptizata. 
Commater infantis est Elßbeth [sonst auch Asyn genannt §.80], uxor 
Ludwici de paradiso, sculleti huius oppidi, quQ vocauit infantem 
nomine suo, qu^ de post obijt, anteaquam habuerit ^tatem 
15 dierum.] Johannes natus est 14 octobris anno 99 et quartus 
[1. tertius] in ordine genitur^, quaere in charta 145. [foL 145: Anno 
14i^9 decima quarta octobris mane quinta hora vel circa natus est 
Johannes ex Ludwico martroff et Ann^ [1. Anna], eius uxore. Sus- 
cepit de baptismate infantem concanonicus Johannes vgelnhejmer. 
Obiit infans.] Katherina nata est anno 1500 decima decembris, de 
qua vide in 160. [fol. 160; Kryngjn martroff« Anno domini die 
decima decembris, decima hora vel quasi post c^na^m, et erat 
diesiouis, genuit Anna, uxor Ludwici Martroff's, filiam suam Eatherinam 
nomine. Comater infantis est Katherina,relicta senioris Bechtoldi heilers]. 
§. 295 [fol. 168] Anno domini 1501 decima die apprilis, qu^ 
erat vigilia pasc^ obijt Anna, vxor Ludwici martroffs et Benior filia 
senioris Wolff blumens. Beliquit maritum suimi filiamque nondum 
annum habentem nomine Katherinam superstites. 



— 187 — 

[Ludwig Hartroff §. 184 und 185. (§. 183 cf. „Marpnrg zum 

ParAdies'^ und unsere Bemerkung daBelbsi) 
Engui; seine Hausfrau^ §. 186. . 
Georg Martroff §. 13. 80. 183. 185. 1^. 198. 215. 
Georg und Ludwig Martroff waren Vettern.] 



Meiern. 

§. 296. [foL 65] Anno domini 1496 die decima septima octobris 
sponsio' matrimonij contracta est inter Johannem de molnhejm 
(habuit autem antea duas vxores) et Maigretam' virginem, filiam 
quondam ThoniQ ogehihejmers etMargret^ grussern, nunc vxor Siephani 
grünbergerS; vittericus pr^fat^ yirg^nis Margret^ sponsQ. Solemnizatum in 
facie ecclesiQ decima septima nouembris. NuptiQ deinde celebrat^ fuere 
dievicesima secunda nouembris; eratquedies martis; non enim poterat 
consumari die lunQ ob festum pr^sentationis virginis ManQ. Ex illis 
natns est Ogir 15 junij anno 1499; vide in charta 140. [fol. 140: 
Anno 1499 decima quinta junij et die Sabbathi genuit Grettgjn, 
Yxor Johannis molnheym, suum primogenitum filium; cuius nomen 
OgjT; baptizatus decima sexta iunij; compater infantis est Jacobus 
heller. Primogenitum dixi quoad Gretgjn; Johann molnheym enim 
ante eam duas vxores habuit.] [fol. 168] Anno domini 1501 die veneris 
post dominicam quasimodogenili natus ex Johanne de molnheym et 
Margreta, yxoresua^ Jacobus estque secundus in ordine genitur^ ex 
illorum pr^fatorum matrimonio. Sequenti die e fönte baptismatb sus- 
cepit infantulum Jacobus neuhusen. 

[Ursula de Melem, uxor Walteri de Schwarzenberg^ §. 317.] 

Johann von Melem (Molnheim). 
Gretgen Dorfelder. 



Johann von Melem. Katharina von Melenu Ursula von Melem. 

Margaretha Jacob Heller. 1) Walter v. Schwar- 

Ugelnheimer. zenberg. 

2) Bernhard Boibach 
der Jüngere. 

Mohr. 

[Johannes Mohr, städtischer Hauptmann^ siehe unter dieser 
Ueberschrift: §. 133.] 



— 188 — 

Monis. 

§. 297. [fol. 96j Anno 1497 die vicesima tertia jnlij Buprecht 
monef vidnus nuptias peregit cum quadam vidua^ si recte memim, 
defulda^ nomine etc. Nuptias deinde celebrauit vicesima nona januarij 
anno 1498. 

§. 298. [fol. 102] Anno 1497 tredecima nouembris Conradus 
mones celebrauit nuptias cum Ejlcbin stomelu; obiit autem dicta 
£ jlcbin die 23 junij anno 1500. 

[Conrad Monis §. 177. 183. 185. 186. 197. 199. 
Ruprecht und Conrad Monis sind Vettern.] 

Neuhausen. 

§. 299» [fol. 10] Anno 1464 Jacobüs nuhusen et Eongnndis, 
filia Walten schwarczenbergs senioris, desponsati sunt in die beati 
Xystiy nuptio secuta in profesto Gralli eodem anno» 

§. 300. [fol. 18] Anno 1495 iii. apprillis reuersi sunt de pere- 
grinatione Jacobus nuhusen^ Johannes molnheym et famulus eorum 
Heynricus de Andernach^ cum antea iter peregrinationis arripuerunt 
in anno 1494 die xxiii junii^ qu^ est Vigilia Johannis baptist^. 

§.301. [fol. 51] Anno 1496 die 5^martij vocauit nos Jacobus 
neuhuser inter cet^ros eins amicos^ videlicet Bemhardum rorbach 
et me Job, fratrem Bemhardi^ yt adessemus, cum sentenlia esset 
ferenda. Comparuimus cum c^teiis suis cognatis et amicis in stuba 
consulatus et audiuimus sententiam^ in qua adiudicabantur Jacobe et 
Georgio neuhuser germanis noningenti quinquaginta floreni, dandos 
[1. dandi] per heredes Katherin^ wissen, nee tantum in pr^dicta 
summa, verum et in expensis sunt condemnati dicti heredes. Hqc sie 
acta esse certo scio et aderat, yt pr^dixi, frater mens et plures alij. 
Heredes veroappellarunt,.hij autem erant heredes vel saltem pr^ten- 
debant se heredes esse: Johannes laneck, tanquam vna stirps, Helesqs 
wiß, tanquam secunda stirps, Fridericus, Diihericus et Agnes germani 
et germauQ de Altzen, tanquam tertia stirps. 

§. 302. [foL 83] Anno 1497 quinta martij nata, vt arbitror, 
baptizata namque est ea die, Margreta neuhuserin, filia Conradi neu- 
heusers et Margret^ vxore [1. uxorisj eins. Commater infantis Margreta 
. . . . Yxor doctoris Valentini dumckheym, iuditij camer^ procurator. 
Mortua est, anteaquam fuit trium mensium. 

[fol. 112] Anno 1498 tertia appriUs nata est Agnes, filia Conradi 
neuhusen et Margret^, suq legittim^ yxoris. 4** eiusdem baptizata et 
de fönte baptismatb suscepta per Agnetem relictam Hans schmidden. 



— 189 — 

[fol. 143:] Anno 1499 die viceBima secnndn augusti baptizatus Oeor- 
giuB neuhuJß^ filins Conrad! neuhuß et Margret^ ^ su^ legittim^. 
Infantia compater est Georgins neuhuß zum fraß. Infans obijt paaco 
tempore post^ supra dictus GeorgiuB. [foL 157]. Anno 1600 tertia 
octobris Daniel, filiua Conradi neuhu^ et Margret^ ehiB legittim^, 
est baptizatus. Compater infantis Daniel bromnou 

[Jacob Neubausen §. 13. 35. 79. 80. 81. 107. 125. 185. 186. 

190. 191. 221. 296. 
Georg Neuhausen/ sein Brnder, §. 80. 191. 192. 197. 199. 301. 

215. 221. [zum Frass] 327. 
Conrad Neuhausen §. 79. 80. 185. 186. Margret seine Haus> 

frau §. 80 und 185. 
Ulrich Neuhausen §. 6, 13. 15. 80- 177. 183. 185. 192. 198. 
215. 221. 

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Conrad zum Neuen Haus 
zum Frass. 

I 

I ^ .1 

Jacob zum Frass f 1493. Ulrich zum Frass. 

Kunigunde Schwarzenberger 

I 



Jacob zum Frass, 
kinderlos. 



Conrad " Ulnch Neuhaus.] 

zum Feuerfunken. 
Margaretha 
Georg Silberbom. 

zum Frass, 
ehelos. 

Baiss. 

§. 303. [foL 36] Anno 1495 die 14 septembris obiit Ortt reyß, 
pater Johannis, Georgij etc. et Margrett^ rejsen et aliorum con- 
fratrun. 

§. 304. [fbl. 51] Anno domini bisextili 1496 die sexta mardj 
.Johannes reyß scabinus (filius quondam pi^ memoria Ort Beysen 
et Kongundis hjUebrant), contraxit sponsalia cum Cristina virgine 
(filia Johannis froschen et Cristin^ degeneryn morantium in domo 
zum burggreffen nuncupata). Eratque dominica occuli in quadrage- 
sima, cum sponsalia contrahebantur ideoque non vocati sunt ad c^nam 
mA prozimi tantum. Depost die vicesima iunij benedictionem matri- 
monij ia ecclesia receperunt mane sub matutinis. Eodem die nuptias 
celebrabant et apposita sponsa sponso est anno, quo supnu 



— 190 — 

Depost in anno 1497 die juuij vndecima nata est Anna eorum pri- 
mogenita^ de qua clariiu in folio 92. [fol. 92: Anno 1497 vndecima 
innij et die dominica nata ex Johanne reyß et Cristina froschin, legit- 
tima sua, primogenita eorum , nomine Anna. Baptizata duodeeima 
iunij. Conunater infantulQ est Enchin, vxor Georgii flach , officialis 
znm goltstejn eis moganum extra muros.] Deinde in anno 1498 natns 
Johannes, qui et mortuus est, vide in charta 129. [fol. 129: Anno 
1498 vicesima secunda nouembris circa mediam vel in media noctis 
natos est ex Johanne rej& et Cristina, eiüs uxere, Johannes, qui 
baptizatus 23 eiusdem et ab Johanne frosch, patre Cristin^, de bap- 
tismo susceptus. Obiit infra mensem.] Genuit Wickerum tertia maij 
anno 1500, de quo vide in charta 152. [fol. 152: Anno 1500 tertia 
maij natus est ex Johanne rejH et Cribtin^ [Cristina], eius legittim^ 
[legitima], Wickerus, qui baptizatus est 4^ eiusdem mensis, et is in 
ordine genitur^ suorum parentum est quartus [tertius]. Ipsius infantis 
compater est Oeorgius frosch senior.] , 

[Johannes Baiss §. 86. 183. 185. Chrjstingin^seine Hausfrau,§. 185. 

Georg Rabs §. 13. 177. 198. 

Arnold Eaiss §. 201. 215. 

Margreta Baiss, Tochter Peters Raiss und Agnes von Alzej, 

Heinrich Weissen Hausfrau, §. 328. 
Anna Hynsberg, relicta Johannis Baiss, aduocati quondam 

huius oppidi, §. 86. 

Heintz Baiß. 

_j 

I I 

ülesechin Baiß. • Orth Baiß. 

I I 



Peter. Johann, Johann. Georg, Arnold-, Margäretha. 
Agnes J. U. D. Christina ledig. ledig. 

vonAlzey. AnnaHyns- Froschin. 

berg. 

Margäretha 

Heinr« Weiss 
V. limpurg. 

Bheine. 

§. 305. [fol. 48] Anno 1496 nona die ianuarij sq^ulta est in 
ecclesia fratrum pr^dicatorum franckfordi^ Agnes (filia Bechtoldi 



— 191 — 

beller's senioris); uxor Heynrici de ryn, reliquit superstites Septem 
liberos. 

§. 306. [foL 156] Anno 1500 in die Laurentij martiris obijt Ka- 
therina; filia Stheffans faen^ uxor autem Johanis von rjn senioris, pro 
tunc Bcabini hie, et comitatum est fdnuB^ vt bic proximum supra 
[§. 286} in {hnere uxoris Loy ioBtenhofifer's est notatam, nisi qaod 
bic pulsabantur campan^^ quod obmigsum fuerat in superiore ftinere. 

§. 307. [fol. 170] HenricuB; filius Johannis von ryns et 
defiinctQ Katherin^ ex familia StefiPens henn; contraxit matriinonmm 
cum Magdalena^ virgine etfilia Jacobi gejchenviventis etAgneß 
wysBen piQ memoria. Actimi die ioius et 12 augUBti anno 1501. 
fiodem anno ratificatum est dictum matrimonium in fatie ecclesi^ 
tredecima nouembris ; nupti^ vero habit^ sunt 15 nouembris anno 
Bupra dicto. 

[Johannes deRheine §. 5. 116. 121. 179. 183. 185. 192. 197. 198. 
201.215.265. 

Krjngin^ seine Hausfrau^ §. 185. 

Johannes vom Kheine^ seinSohn^ DechantzuSt. Leonhard^ §.208. 

Engin^ Johanns vom Bheine^ des Aelteren Tochter^ §. 208. 

Heinrich vom Bheine^ des älteren Johann Bruder^ §. 123. 

Margaretha vom Rheine^ Heinrichs Tochter, Claus StaUburger's 
Hausfrau, §. 322. 

Jobannes vom Bhein, Decan zu St. Leonhard, §. 208. 

Heinrich vom Bheine 

I 



Heinrich vomRheine f 1509 HansvomRheine 

zum Wolkenberg. zum gülden Kopf. 

Agnes Heller. Katharina Stefian. 

I 



I . . I I 

Margaretha. Johann z. Rh. Heinrichz.Rb. Anna. 

Claus Stall- Dechant z. St Leonh. zum Mohren. 

b u r g er. Magdalena Geuch. J 

Rosenacker. 

§. 808. [fol. 48] Anno 1496 decima quarta ianuarij Eberhardus 
rosenacker de werthejm, sindicus dominorum de couBilio franck- 
fordensi, contraxit sponsalia cum Otylia, fili^ [1. filia] quondam 
Caspar behemers et Margret^, matre vivente tunc. Dehinc nupti^ 



— 192 — 

secutQ die vicesima quinta eodem anno et mense. Ego Job ror- 
bach pr^fatam Otjliam sponsam ad eccleBiam duxi^ vna 
cum CasparO; fratre -spons^^ n<octe adueniente sponsam 
sponso apposni. Ante iam dictam sponsam nullam duxi 
ad ecolesiam^ nee ad thorum aliquampraeter illam sponso 
apposui. Propinauit mater aureum^ frater Bernhardas 
anreum et monetam, quQ eyn engelisch dicitur, ego.autem 
tres taxillos/duas acus^ vnam cum filo glauco^ aliam cum 
filo blawe. 

Kückingen. 

[Clas Eükingen §. 120. 133. 177. 185. 186. 257. 261. 262. älterer 

Bruder. 
Johann Bückingen und Agatha, seine Hausfrau, §. 185. jüngerer 

Bruder.] 

Sassen. 

§. 309. [fol. 10] Anno 1471 decima ianuarü contracta sunt 
sponsalia inter Henn sassen et Katherinam, filiam Johann brunnen, 
nuptiQ autem habitQ in craetina sancti.BIasü eodcm anno. 

§. 310. [foL 85] Lysgyn sachsin. Anno 1497 in die sacro 
pasch^/qu^ erat vicesima sexta martij expirauit Lisgyn aachsyn, virgo 
venusta, cognata mea, filia Hen Sachsen et Eiingyns, eins uxore. Et 
retro in anno 1496 conuentio amicabilis facta et concepta de futuro 
matrimonio contrahendo inter ipsam iam dictam virginem et Johannem 
frosch, viduum, wulgo dictum Johan frosch zum Affen, et placuit h^c 
conuentio ipsis videlicet Johanni frosch et Ljsgjn virgini et parenli- 
bus suis, non^lum autem contraxerant nee verbo nee facto, eo quod 
tercio et quarto gradu cognationis cognati erant, quapropter dispen- 
satio papalis requirebatur, cumque iam impetrata erat dispensatio et 
iam aderat, infirmitas virglnis impediebat contrahendum matrimonium. 
Tandem mors virginis omnem conuentionem et contractum interemit 
et in nihilum reduxit Jnhumata in ecdesia minorum in loco soamm 
progenitricum. 

[Hen Sassen §. 80. 183. 185. 284. 309. Katharina, seine Haus- 
frau, §. 80. 284. 309. 

Aelteste Tochter Elisabeth (lisgin) §. 8a 185. 186., Braut Jo- 
hannes Fröschen zum Affen §. 310. 

Zweite Tochter Katharina (Kringen) §. SO. 185., seit 10. Februar 
löOO verheiraihet an Gilbert Holzhausen zum Goldstein; ihre 
Existenz von Fichard mit Unrecht bezweifelt, §.284 u. Anm. 

Sohn Ludwig §. 80.J. 



— 193 — 

Scheid. 

§. 311. [fol. 82] Anno 1497 decima nona februarij baptizata est, 
arbitrorque eam ea etiam die natam, Margreta, filia Conradi schytts^ eo 
tone iuQior existentis ma^ster duium, et Margret^ humbrechten. 

SuBcepit de baptismo infantulam Margreta, relicta et mater 

Conradi et Ort zum iungen. 

[Conrad Scheid §. 121. 126. 179. 183. 186. 

Margreta Humbrecht^ seine Hausfrau^ §. 185. 

Die Pathin war Margaretha Glauburgerin, Wittwe Heinrichs 
zum Jungen; vrgl. zu §. 287.] 

Schmied. 

§. 312. [foL 15] Anno 1495 secunda februarij natus est Bejn- 
hardus schmyd ex Johanne schmydt et Agnete wissen^ eins uxore. 

§. 313. [fol. 52] Anno 1496 die xüi martij obiit Hans schmyt; 
reliquit uxorem Agnetem cum sex liberis^ omnes adliuc in puppillari 
^tate; sepultus in parochiali ecclesia ßancti Bartholom^i^ etfiratersuus 
Sebastianus schmytt obiit in anno 1494 die 19 apprilis. 

§. 314. [fol. 134] Anno 1499 decima quinta februarij et sexta 
post dominicam estomihi obijt Agnes vidua, quondam vxor Johannis 
Bchmjdty 16. mensis iUius inhumata in parochia. 

[Stephan Schmied von Miltenberg hatte zwei Söhne : 

1) Sebastian Schmied f 1494 Dessen Sohn Sebastian 
Schmied wird, §. 201 erwähnt 

2) Hans Schmied f 1496 (§. 313). Seine Gattin Agnes (§.302 
und 314) war eine Weiss von Limburg zum Bebstock 
(§.312). Ihr Sohn war Reinhard Schmied (§. 212)]. 

Schöfferhenn. 

§. 315. [fol.. 1] Prima die junij [1494?] sponsalia contraxerunt 
Scheffer hemi Junior et Anna de hanauwe; relicta Konstens hentzeu; 
qut^ moratur in domo vocata ozu der winreben, sita ex opposito a 
latere domus czu spangenberg iuxta ecclesiam beat^ virginis« 

[Schöfferhenn §. 93. 102« Lersner führt ü, 11, 143 u. 147 im 

Bathsverzeichnisse auf: Johann von Ostheim, gen. Schöfferhenn, 

Wollenweber, erw&hlt 1461, gestorben 1501, und Johann von Ost- 

.heim, erwählt 1494. Wahrschdalich ist der letztere unter dem Nsr 

men Schöfferhenn junior gemeint, während jener, vielleicht der Vaten 

als senior zu denken ist. Nach den Briefen des Cochlaeus nahm der 

jüngere Schöfferhenn sich 1620 dessen freundlich in Frankfurt an.] 

13 



— 19» — 

Schule. 

§. 316. [fol. 144] Anna zum yssenmenger; auia Petri et 

Thom^ Bossenheymer ex linea matema^ obijt vicesima octaua septem- 
bris [1499]. 

[Die erwähnte Anna bt des Peter Schule zu Laderam Hausfrau. 
Die Tochter dieses Paares, Katharina Schule, hatte Peter Sossenheimer 
geheirathet und war die Mutter der Brüder Peter und Thomas Sossen- 
heimer. Im Jahre 1495 verkauften Anna, Peter Schulen seeLWittwe, 
Peter und Thomas Sossenheimer, Margaretha [Weissin von Limburg] 
vxor, dieser Anna Diechtern [Enkel] und Snorche, das Haus Laderam 
um 2600 fl. an Daniel Bromm. So Fichard in der Geschlechterge- 
schichte (Familie Sossenheimer und Schule). Derselbe ftüirt femer 
aus der Originalurkunde an, dass Anna zu Laderam in ihrem am 
Marien-Magdalenentag 1495 errichteten Testamente ihren Diechter 
Peter Sossenheimer zum einzigen Erben eingesetzt habe, weil 
dessen Bruder Thomas ^zu seinen Veränderungen sonst ein merg- 
liches über ihre Kräfte erhoben habe^. Wenn Fichard daraus 
schliesst, dass Anna zum Laderam noch um 1495 gelebt haben mtUse, 
80 ersehen wir aus obiger Notiz', dass sie erst am 28. September 
1499 gestorben ist und nach Verkauf des Hauses Laderam im Hause 
zum Eisenmenger (neue Krame K. 103) gewohnt hat.] 

Schwarzenberg. 

§. 317. [fol. 8] Anno 1494 die 25 julij obiit Waltenia de 
Bwarczenburg hora undecima diei. Beliquit uxorem Vrsulam de 
molnheym cum filia Vrsula nomine [eine spätere Hand schrieb dazu: 
qu^ relicta nupsit Bernharde de rorbach. Cf. §. 10]. 

§. 318. [fol. 9] Anno a natiuitate Christi 1495 in die Johannis 
ewangelist^, vt opinor, nata est Margreta, filia Amoldi schwarczen- 
burg's et KatherinQ .... de oppenhejm. 

§. 319. [fol. 9] Anno 1496 in die Johannis ewangdistQ est bap- 
tizata, et certo scio credoque etiam eo die natam fuisse, Beatrix, 
pr^fatorum etiam filia. [fol. 71: Anno 1496 aimum ab initio ianuarij 
inchoando Beatrix, filia Arnoldi schwaarzenbergs et Katherin^, 
baptizata est in die Johannis euangelist^, eodem die eam fuisse natam 
arbitror. Commater infantis est mater Symonis yfistenners.] 

§. 320. [fol. 158] Anno 1500 vicesima sexta octobriir obijt Ar- 
noldus schwartzenberg mane. Beliquit uxorem Katherinam . ... 
de oppenheym, filias tres, Annam .... Beatricem. Vicesima nona 
mensis illius prima dies exequiarum apnd carmeUtas fuit obseroata. 



- 195 - 

Ad exequiaB et prandium fbenmt omnes canonici et pr^lati ecdeiiQ 
S. Bartholom^i; item omneB viri consOiarij inuitati et complures alij. 
[Walther Schwarzenberg dw Aeltere (Hausfrau Anna HoIe- 
hausen. Fichard). 

Seine Kinder: 1) Walther Schwarzenberg §. 317. Hausfrau Ur- 
sula von Meiern §. 10. 116. 185. 221. 317., in 
zweiter Ehe rermählt mit Bernhard Rohrbach 
dem Jüngeren, %, 10. Tochter erster Ehe Ur- 
sula §. 317. 

2) Georg Schwarzenbei^, Canonicus zu St. Bar- 
thol., §. 209. 327. 

3) Kunigunde Schwarzenberg, Jacob Neuhausen's 
Ehefrau, §. 299. 

4) Anna Schwarzenberg, Henne Wdssen zu Lim- 
burg Ehefrau, §. 828. 

5) Arnold Schwarzenberg, 3teEhe mit Katharina 
Bitter (Eichard) aus Oppenheim. Hinterlassene 
Töchter: Anna (§.258), Elisabeth [nach Fichard, 
Job Rohrbach: Margaretha], Beatrix §. 320. 

6) Ifichael Schwarzenberg $. 10. 83. 124. 185. 216. 
Kringen (Martroff, Fichard), seine Hausfrau, 
§. 10. 185.] 

Sossenheim. 

§. 321. [fol. 123] Anno 1498 obijt Gretgyn, vxor Thom^ sossen- 
heimer's, sororautemHert,Bernhardi et Agnes wisen, die sexta 
septembris^ vt arbitror ; corpus sepultur^ traditum est septima eiusdem 
mensis et hoc.certum. 

[Thomas Sossenheimer §.183. 185. vergl. Schule §. 316. Seine 
Ehefrau gehörte zum Zweig der Weiss von Limpurg zum Rebstock, 
siehe Weiss.] 

Stallburger. 

§. 322. [fol. 143] Anno 1499 die sexta augusti Claß stalberg 

contraxit sponsaUa cum Margreta uirgine , filia Heynrici vom rjn. 

Eodem anno die 21 octobris et vndecim millium virginum habit^ sunt 

nupti^. Solemniter et in apto ordine et decorate processerunt ad 

ecdesiam ibidemque solemnizanmt matrimonium ac benedictionem a 

plebano doetore Coni*ado henseU susceperunt Primogenitus eorum 

Claß nomine natus sedecima martij anno 1501. [fol. 167 : Anno do- 

mini [1501] sededma martij, qu^ erat dies martis post dominicam oculi 

13* 



— 196 — 

natas est Clsßy filios et primogenitas Cl&ß stalbergs et Margret vom 
ryn, quem de fönte baptismatis suscepit Claß vom haffem sartor 
die Bequentiy videlicet decima aeptiiiia marlij.] 
[aas StaUburger §. 122. 183. 185. 186.] 

Stocken. 
[Philipps von stocken, nobiUs, §. 80.] 

Steffan. 

[Henn Steffan (Steffanshenn, Steffashans) §. 116. 

Guttgin, im Saalhof, Stephans Henn Tochter, Wicker Fröschen 
Wittwe, Eberhard's von Heusenstamm Ehefrau, c£ zu §• 254 und 
§. 272. §. 116. 

Katharina, Steffans Henn Tochter, Ehefrau Johanns vom Rheine, 
§. 307. Fichard nennt Henn Steffen : Werner steffanshenn von Bin- 
gen, muss übrigens zugeben, dass der Name Werner ihm nur einmal 
begegnet ist und sich möglicherweise auf eine ganz andere Person 
bezieht. Steffanshenn ist übrigens eine Abkürzung für Henne, 
Steffan's Sohn. Dass solche Abkürzungen bei Leuten bürgerlichen 
Standes damals ganz üblidi waren, wusste Fichard sehr wohl,, aber 
anstatt daraus zu folgern, dass auch diese eingewanderte Familie wohl 
bürgerlicher Herkunft sei, sucht er zu zeigen, dass dieselbe Abkürzung 
auch bei Vornehmen sich ausnahmsweise finde. Wie hätte er auch 
zugeben dürfen, dass die Steffan von Cronstetten ursprünglich Bür- 
gerliche gewesen seien! Der Name von Cronstetten rührt übrigens 
erst aus dem 16. Jahrhundert her.] 

Storck. 

§. 323. [foL 6] Anno 1494 die xxx augusti hora quinta poat 
meridiem Maigereta, uxor Joannis storck, magunti§ geminas peperit 
filias, quarum una Fronica, alia Clara nuncupata; mortui sunt 

Stralenberg. 

§. 324. [foL 143} Anno 1499 die duodecima augusti contraxitHen 

stralnberg viduus sponsalia cum Agnete [Eine spätere Hand 

ftdlt die Lücke aus : StefBn] virgine. Eodem anno quarta nouembris 
solemniter processionaliterque iuerunt ad ecclesiam solemnizando ma- 
trimonium nocteque illa consunutrunt nuptiasue celebrarunt Felicitas 
eorom filia nata est, vt in folio 166. [fol. 166: Anno 1501 vicesima 
ianuarij nata est Felicitas, primogenita Hen stralnbergs et Agnetis.... 
ex illo matrimonio, quia Hen stralnberg primus aliam habuit vxoremj. 



— 197 — 

[Henne Stralenberger §. 186; in zweiter Ehe vermählt mit Agnes 

Steffen, $.324 
Hert Stralenberger f i486, sein Oheim. 
HerfsEjnder: Jacob §. 127 n. 183.; Katharina, Simon üffBteiner's 

Hausfrau, §. 325, und Heilmann §. 183. 186. 197. 215.] 

TageL 

[Erban Tagel, Amtmann zu Erlenbaeh, siehe Amtleute. §. 129 
bis 132.] 

Tegen. 

[Gretgyn Degnerin [Tegen], Jacob Brun's, in zweiter Ehe Hans 

Brommen Hausfrau, §. 239. 
Christina Degenerin, Johann Fröschen zum Burggrafen Hausfrau, 

§. 263, 304.] - 

Tiermeyer, siehe Diermeyer. 

Uffstein. 

$. 326. [fol. 60] Anno 1496 secunda augusti Symon yffstenner 
sponsalia contraxit cum Eatherina de stralnberg virgine, filia Hert 
stralnbergs felipis memoria et Gretgin. Appositi sunt simul in thorum 
tredecima 4ouembris, de^inc decima quarta nouembris secuta nuptiQ 
anno, quo supra. Primogenita eorum nata est quarta nouembris Ma- 
greta nomine anno 1497, de quo in 103. [fol. 103: Anno 1497 die 
4^ noueipbris nata est Margreta, primogenita Simonis yffstenders et 
Margret^ (?), legittim^ su^. Commater infantis est Margreta senior 
filia lohannis engelenders, vulgo dictus guldenleb.] Elfgen, secunda 
eorum filia, nata est in anno 1499 12 junij, vide in charta 140. 
[fol. 140: Anno 1499 in mense iunij et, si iuste memini, 
vi eiusdem mensis genuit Grettgyn(?), vxor Symonis vffiitenner's, 
Elßgin et h^c secundagenita illorum.] Enchin tertia eorum filia nata 
est anno 1501 de mense februarij, de quo infra charta 166. [fol. 166: 
Anno 1501 decima die februarij baptizata est Enchin uffstenuem, 
filia Symonis et Gretgyn (?). Comater infantis est Enchin, virgo 
et filia Johannis vom ryn senioris, et est h^c in ordine genitur^ 
tertia.] 

[Simon Uffsteiner §. 183. Die Mutter Simon Uffsteiner's §.319 hiess 
Guda (unbekannt aus welcher Familie) und sein Vater Jacob (Fi- 
chard) Seine Gemahlin Katharina Stralenberg wird in den obigen 
Geburtsnotizen überall irrthUmlich Gretgen genannt. — Siehe 
Stralenberg.] 



- 198 - 



Ugelnheimer. 

§. 326. [fol. 156] Anno domini 1600 triüesima augusti sepulta 

est Agnneß blumin, relicta vgelnheymen; et per sacerdotes 

et Bcolares ecclesi^ noBtFQ fiinus comitatum, Tt snpra de alijs etc. 
[cf. §. 286. 306.] 

fPhillppuß Ugelnheimer. §. -19. 80. 192. 198. 201. 215. 
Johannes Ugelnheimer^ Canonicus zu St Bartholomaei| §. 62. 

63. 294. 
Katharina Ugelnheimerin, Loy Jostenhöfer'g Ehefrau, §. 286. 

Thomas Ugekiheimer und Margreta Grussern, seine Hausfrau: 
ihre Tochter Margreta Ugehiheimeriu; Johannas von Moln- 
heim Hausfrau, §. 296. 

Peter Ugebiheimer, 
heir. 1439 Agnes Blume (§. 326), 

t 1463. 

I 



I I 

Peter Philipp 

Ugeln- Ugebiheimer. 
hemier. 
Handels- 
mann zu 
Venedig. 



I 
Johannes 

Ugelnheimer, 

CanonicuB 

St BarthoL 



I 
Katharina 

Ugelnheimer, 

heir. 1475 

hoj Josten- 

höfer. 



I 

Thomas 
Ugelnheimer, 

heir. 1474 
Greda Grusser, 
gen. Schöffer. 



Margaretha, 

heir. 1496 

Johann v. Melem.] 



Voelcker. 

[Christian Voelcker §. 98. 178. 183. 185. 254. 

Bylgin, Christian Voelcker's Tochter, Johann Fröschen zum 

Affen Hausfrau, §. 254. 
Anna Voelckerin, heir. Adolf Knoblauch und in zweiter Ehe 

Georg Flach, §. 291 und Georg Flach.] 



Weiss von Limpurg, Bullmännischer Zweig. 

Jacobus Weiss. 

§. 327. [fol 32] Anno 1495 in die beati Jacobi apostoli, qu^ est 

25. dies julij, natus est ex Jacobe wiß etFronica demonchen, 

eins vxore, Georgius wi£, eorum primogenitus, et leuauit de fönte 



— 199 — 

sacro eum Georgius neiihtiß. MortuuB est Etsi deletom^ non tarnen 
eo minus venun. [fol 64] Anno 1496 die sedecima Beptembris natuB 
est Jobann wiß ex Jacobo wyß et Fronica .... de moncheni vxore 
eins. [fol. 109] Anno 1498 vicesima secunda januarij natus est Geor- 
gius^ filiuB Jacobiwiß et Feronic^^ eius legitim^^ 23. eiusdem baptiza- 
tns^ compater Georgius scUwarczenberg, cantor et canonicus colle- 
giatQ ecclesi^ diui Bartbolom^i franckftirdiQ. (fol. 133] Anno 1499 
27. februarij baptizatns Heinricns infans, filius Jacobi weiß et Feronic^ 
eius vxoris. Suscepit infantem de fönte baptismatis Heinricus de ar- 
tenberg; scriba ciuitatis. [fol. 166] Anno domini 1501 in vigilia Ma- 
thi^y qüQ erat dies martis ante dominicam inuocauit et vicesima ter- 
tia februarij; baptizata est Fronica, iilia Jacobi wi&, qu§ precedente 
nocte nata, et FronicQ, eius legittim^. 

Jacob Weiss, §. 186.^ 192. 197. 
Fronica, seine Hausfrau, §. 116. 185. 

[Wer die Fronica .... von München gewesen sei, ist nicht 

mit Bestimmtheit auBzumitteln. Fichard vermuthet: Veronica 

Buchmüller.] 

Heinrich Weiss. 

§. 328. [fol. 70] Anno 1496 decima nopa, yt arbitror, mensis 
decembris Heynricüs wi£ (filius quondam Hans wjssen et Ann« 
schwarczbergeryn) contraxit sponsalia cum Margreta reyssen, 
filia quondam Peter rejssen et Agnetis de alczen, quQ hodie vivit 
habetque secundum maritum nomine Bechtoldus de babenheym 
nobilista. Acta h^c sunt sponsalia in Algessheym. Deinde anno 1497 
sedecima ianuarij et solemnizatio matrimonij in fatie ecclesi^ et nup- 
tiarum pomp^ habit^ sunt. 

[fol. 123] Anno 1498 de mense septembri die natus 

est Fridericus, filius Heinrici weißen et Margret^, vxoris suq« De 
fönte baptismatis suscepit eum Fridericus de altzey, licentiatus. [fol. 
150] Anno 1500 decima quarta februarij genita est Grettgyn, filia 
Heinrici weiß et Margret^, eius legittim^, baptizata die sequenti; 
comater est Grettgyn zum jungen, mater Conradi et Origjn's zum 
jungen [cf. zu §. 287]. 

[Heinrich Weiss, Jacobs Bruder, §. 183. 184« 192. 198.] 

Elisäus Weiss (§. 185), der vorigen Oheim. 

§. 329. [fol. 100]. Anno 1497 die 22. septembris obiit Elisäus 
wiß. BeUquit Barbaram, eius vxorem, ac filios tres, Conradum, 



- 200 — 



Johannem et Elisaeum. Anno 1497 die 28. BeptembriB obiit Gonradns 
wi£; pr^fatormn proxime supra filias. 

[Barbara; des Elisaens' Haosfiraa, §. 186. J 

Bullmännischer Zweig der Weiss von Lmipiirg. 

Henne (§. 328). 
Anna von Scnwarzenberg. 



Sein Bruder Elisaeus. 
Barbara. 

I 



Heinrich 

zur 
Landskron. 
Mar^aretha 
Biess. 



Johannes. Elisäeus. 
(kennt 
Fichard 
nicht). 



Jacob Heinrich Conrad, 

zum 

GishubeL 

Veronika 

[Buchmtiller?J 

von München. 

Eine andere Linie dieses Zweiges bildet: Lotz Weiss zu From- 
melin, vermählt 1437 mit Elsa von Werstadt (Beruh. Familienchronik 
§. 74). Ihre Tochter war Katbarina, in erster Ehe vermählt 1459 
mit Heinrich Weiss zu Wissen, in zweiter Ehe 1481 mit Doctor 
Joh. von Glauburg. Sie stirbt 1491 kinderlos. Ihr erster Mann, Hein- 
rich Weiss zum Wissen, gehörte zum Wernerschen Zweig der Weiss 
von limpurg. Vrgl. §♦ 256. 

Bernhard Weiss. 

Erste, Ehe mit Margaretha von Artenberg. 

§. 330. [fol. 34] Anno 1495 die 18. augusti Bemhardus wiß, 
frater Hert wissen, contraxit sponsalia cum Margreta, filia Hejnerici 

de artenberg, scriptoris ciuitatis et Et per famulum 

inuitarunt hostiatim adolescentes ad c^nam, quod alias 
non est solitum, sed solitum est, cum sponsus accedit 
stubam, hos, quos tunc vidit ibidem, ipse in persona 
inuitat, sie fecit Karolus affinis mens. Et trepudiarunt 
super pr^torium, vulgariter vff dem romer. Die sequenti, videlicet die 
19, sponsus inuitauit iuuenes, qui erant in stuba, ad c^nam et similiter 
virgines itterum ad c^nam vocatQ sunt, et trepudiarunt ac in gaudio 
diem istum peregerunt. Et matrimonium depost die octaua octobris 
in facie ecclesi^ solemnizatnm est et demum nuptiarum solemnitas 
secuta die 12. octobru. ActQ vff dem romer anno supra dicto 1495 
vnd hatt keyn vndern frawen geladen. Heynricus wiß, primogenitcfo 
eorum, natus est 24. julij anno 1496, mortuus est. [cf. fol 58: Anno 
1496 die 24 julij natus est Heynricus wi£, primogenitns Bemfawrdi 
wiß et Margret^ artenberg. Mortuus est, deinde tradidit spiritum ipsa 



— 201 - 

Margreta^ mater iam dieti mfaatisy die 28. angnsti, anno vt siSipra. 
Hoc veriunest^ quanqnam deletom est] [foL 62:] Anno 1496 viceaima 
octana augosti Margreta^ vxor Bemhardi wil$ et filia Heynrici de 
artenberg; scriptoris ciuitatiB; exsoluit debitum natorae. 

Zweite Ehe mit Anna Demer. 

[Fichard giebt irrthümlich Anna Tiermeyer an, yergl. 
Demer.] 

§. 831. [fol. 76] Annp 1497 deeima ianuarij publieata sunt gpon- 
salia Bemhardi wiß vidui et Ann^, virginis et fili^ Henn demers, 
alias dicti Stockems henn, et Barbar^ leningen. Omnia enim acta 
suntyVti solent fieri, cum sponsalia contrahuntur; eo enim die conuo- 
cati cognati simulque c^narunt et trepudiarunt. Sponsio autem matri- 
monij est antea in aduentu celebrata. Eodem anno quinta iunij nup- 
ti^ habitQ sunt; apposita sponsa sponso in thorum. [fol. 92] Anno 
1497 quinta junij nuptias celebrauit Bemhardus wiß et Anna, filia 
Henn demers, alias vulgo dictus Stockemshen, vide supra fol. 75. 
Eodem die nuptias celebrauit fiUus jm ejchner hoff cum qua- 
dam de spira virgine. Anna, primogenita Bemhardi wiß etc., nata est, 
vide in charta 110. [fol. 110: Anno 1498 quarta martij nata Anna, 
primogenita Bemhardi wiß ex matrimonio eo videUcet, quod habet 
cum Anna, filia Henn demers, vulgo Stockems henn, vti clarius patet 
supra Charta 34 75. 92. [§. 330. 331]. Comater infantis Anna, vxor 
Georgii flachen, offitialis zum goltstejn. Actum, me existente wurma- 

ti^.] fol. 135. Anno 1499 in mense martij, die videlicet nata 

est filia Bemhardi weif et Ann^, illius vxoris. 

§. 332. [fol. 141] Anno, quo supra, [1499] die tredecima julij 
sepulta fiiitAnna stockheymmjn, secunda vxor Bemhardi weiß. Beli- 
quit filiam infantulam. 

Dritte Ehe mit Katharina Humbrecht 

§. 333. [fol. 165] Anno domini 1501 Bemhardus weiß tertio 
contraxit matrimonium cum virgine Katherina [in marg. Kryngyn], 
filia Claß humbrechts et Grettgyn foeden, die iouis et 28 ianuarij 
anno, yt supra. De eodem yide supra charta 34 et 75. Condor- 
miuemnt yero deeima octaua febmarij anno, quo supra. 



— 202 — 

Zweig der Weiss yon Limpurg zam Bebstock» 

Reinhard Weiss. Sein Bruder Heinrich zum Kranch . 

I I 



Asnes. Hert. Margaretha. Bernhard. A^nes Elisaoeth. 

Joh.^ Thomas l)Margareta "V^iss. Carl von 

Schmidt Sossen- von Jacob Hynsberg. 

heimer. Artenberg. Geuch. 

2^AnnaDemer. 
3) Katherina 
Humbracht. 

Von diesen werden erwähnt: 

Agnes ^ Job. Schmidten Ehefrau; §. 312. 314 321. 

Hert §. 321. 330. 

Margaretha §. 321. 

Bernhard §. 80. 183. 185. 192. 219. 321. Anna, seine Braut, 

§. 185. Seine drei Ehefrauen §. 330-333. 
Agnes Weissiu; Jacob Geuch's EhefraU; §. 255.] 



Philipp Weiss. 

.§. 334. [fol. 16] Anno 1495 die 26 februarij natus est Conradus 
wiß ex Philippe wi£ et Elgin vxore. Et eum de sacro fönte leuauit 
Conradus wiß, fraterPhilippi. Mortuus est. [fol. 61] Anno 1496 de- 
cima sexta augusti baptizata est Fronica^ filia Philippi wi£ et Fronic^ 
[1. Elgin]; suQ legittimQ. [fol. 100] Anno 1497 vicesima quarta septem- 
bris vxor Philippi wiß peperit filium nomine Erban^ quem de bap- 
tismo suscepit Erban tagell^ officialis in Irrlenbach 25. eiusdem« 
Ludwicus eorum filius natus 4^* uouembris anno 98 in 128 [foL 128: 
Anno 1498 quarta nouembris et dominica die natus ex Philippe weiß 

et eins uxore Ludwicus , quem suscepit de baptismate doctor 

Ludwicus de paradiso, scultetus hie] [fol. 150] Katherina; filia Phi- 
lippi weiß; nata est; vt arbitror; de mense martij; videlicet die 

anno 1500. 

PhiHpp Weiss §. 177. 183. 186. 
Katharina seine Hausfrau §. 185.] 

Philipp Weiss (nach Fichard: mit dem einen Auge) gehört 
einer anderen Linie des Bebstock'schen Zweiges der Weiss von Lim- 
purg an. Er war ein Sohn Conrad's zu Löwenstein und seiner 
Gemahlin Agnes von Hengsberg. (Agnes Websin zu Loewenstein 
Wittwe §. 185.) Der Name seiner Gattin ist nicht zu ermitteln. Job 
nennt sie oben baldElgiu; baldFronica; bald Ejitharina; baldlässter 



— 203 - 

ihren Namen ans. Ihren Zuna^ien kennt er nicht. Fichard will wissen; er 
sei in erster Ehe mit Veronika (unbekannten Geschlechtes), seit 1510 mit 
Elisabeth Schwarzenberger verheirathet gewesen. Doch ist er selbst 
geneigt; eine Verwechslung mit Veronika aus München; der Frau 
Jacob's; anzunehmen; und bemerkt; dass die Genealogien zu Anfang 
des XVI. Jahrhunderts oft verworren und dunkel seien. Am leichte- 
sten konnten Verwirrungen bei einer so vielverzweigten Familie, 
wie den Weiss von Limpurg eintreten. **] 



1* Der Herausgeber bemerkt am Schlüsse, dass der im Manttscripte schwan- 
kende Gebranch der grossen Buchstaben bei Vor- und Gescbiechtsnamen nur 
bis zu §. 30 des Textes beibehalten, von da aber noch während der Revision 
des Druckes nach einer festen auf die Schreibart jener Zeit gegründeten Regel 
geordnet worden ist. 



Berichtigungen. 

S. 61. Z. 13 von oben ist statt 1479 zu lesen 1478. Vergl. §. 274. 

S. 124. Z. 7 von oben: „Kryngin beringen, syn husfrawe, Karies anfrawe.'* 
Die ersten Worte bilden im Mannscripte bis husfrawe eine Zeile; Karies an- 
frawe steht am Schlüsse der folgenden Zeile und ist irrthümlich als Appo- 
sition zu dem Vorigen gezogen worden : Job hat nämlich wie Öfter den Raum 
zur AusOHlong des Namens frei gelassen, der ihm beim Schreiben nicht gegen- 
wärtig war. Karl Hynsperg's Ahnfrau hiess nach §. 270 Anna und war die 
Wittwe Wigand Heringen*s ; sie starb am 28. October 1497 ; ihre Töchter waren 
Gnttgin Heringen, vermählt an Karl Hynsberg den Vater, unseres Karl Hyns- 
berg's Mutter (f 1500, 16. Dec. §. 86), und die oben erwähnte Kringln Heringen, 
vermählt mit Ort zum Jungen, den Aelteren, die mithin Karls Tante war 
(t 31. Juli 1499, §. 287.)- 



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6. 



ohrbach'schen Geschlechtes. 



% ( J.) und Fiduurd. 

28. Sept. 1400. 



28, B. §. 65). 

1, t 12. Febr. 1402 (B. §. 43). 

.ai 1438 (vergl. B. §. 43 n. 66). 



GodegiH, 

runil411<B.§.61). 

i KtmmtTtf voi 
dA, SchWe. 



r; 



6. Bernhard. 

ib. 26. Juni 1412 (B. 
2. Febr. 1416 (B. 



7. Adolf. 

.62). geb. 16. JoU 1413. 

. 62). t nach 7 Wochen (B.§. 63). 



8. Gele. 

fb. 20. Oct 1414. 
unverändert (B. §. 64). 



crina. 

1437. 
65. 

1 von Breydenbach, 
^enneiBter(B.§.79).* 



Wix. 

1469 

.St 

da- 

1498 

>02 



5. Elisabeth oder Ekgia. 

fb. 13. Dcc. 1438 (B. §. 80). 
1. Juli 1463 (B. §. 81). 

a) Heinrich Weiss znm Wedel 
t 23. Dec. 1461 (B. §. 80). 

b) 6. Jan. 1463 Conrad Ganz (B. §.81). 



6. Bernhard» der Alte» can Wlxhiser 

Hof. 

gb. 11. Februar 1446 (B. §. 82). 
ithsmann 23. Jan. 1476 (B. §. 113). 
t 6. Dec. 1482 (B. §. 124). 
19. Sept 1466 Elgin, Conrads von 
Holzhausen Tochter, 
t 19. Dec. 1501 (J. §. 70). 



4. Adolf. 5. Ana I. 

geb. 13 Dec. geb. 1 . Dec. 

1470. 1471. 

t 22. Febr. f 10. Oct. 

1471 1472 

(B. §. 97). (B. §. 98). 



6. Aaaa II. 

geb. 12. Aug 

1474 

(B. §. 99). 



7. Afira. 

geb. 19. Dec. 

1476. 

(B. §. 100). 



Nehmen den Schleier zu den 
Weissenfrauen 6. Aug. 1494 

(J. §. 72). 
t 23. Aug. 1494 (J. 73). 



8. Martha. 

geb. 30. Juli 

1478 (B.§. 101). 

t 1514. 

1. Juli 1495 

Carl Hynsbeiig 

(J. §. 81). 



9. Conrad znia Wix- 
haser Hof. 

geb. 6. April 1481 

(B. §. 102). 
Aufenthalt in Augs- 
burg u. Venedig 1&3 
bis 1498, in Nieder- 
deutschland seit 1498, 
1501 in Antwerpen 
(J. §. 10 u. §. 87). 
1 1510 unverheirathet 



la. 

r 1580. 

iTomm. 

Dr von Hoh- 



fohaia Hector. 

6. t in demaelben 
Jahre. 



A 



Die Strassen der Frankenfnrt. 

Von Dr. Friedrich Soharff. 
(Mit einer Karte.) 



Unter demselben Blan, über dem nämlichen Grün 

Wandeln die nahen und wandeln vereint die fernen Geschlechter. 

Schiller. 

• 

Vor wenigen Jahren noch begann man die Geschichte unseres 
Landes mit den Nachrichten^ welche die Körner über dasselbe uns 
hinterlassen. Was über diese Mittheilungen hinausreichte lag in 
dunkler Nacht. Erst die Neuzeit hat Mittel und Wege aufgesucht 
diese Dunkelheit mehr und mehr aufzuhellen. Die Beschaffenheit 
der Bodenverhältnisse musste ebenso wol dazu dienen^ wie die Er- 
zeugnisse des menschlichcA Fleisses; welche von dem aufmerksamen 
Beobachter an's Tageslicht gezogen wurden. Bis auf den Grund der 
Sümpfe und der Seen erstreckte sich die emsige Forschung^ und so 
ist allmälig dem überraschten Blick eine neue Welt entstanden ^ ein 
Volk; das sein Dasein fristet^ und mit Annehmlichkeiten zu umgeben 
sucht, ohne die Bearbeitung der Metalle zu kennen* Aus der Zu- 
sammenstellung solcher Gegenstände mit den Bodenverhältnissen, 
unter welchen sie begraben waren, hat man die Gewissheit erlangt, 
dass die Anwesenheit der Bömer in Deutschland als eine spätere und 
jüngere Zeit zu betrachten ist, dass vor derselben eine, wenn auch 
bescheidene Cnltur vorhanden gewesen. Von den Bömem mag die- 
selbe verachtet und ausser Berücksichtigung geblieben sein; fUr uns 
aber ist sie von hohem Interesse. 

Wenn wir die Bodenverhältnisse unserer Gegend beachten, so 
kann darüber gar kein Zweifel bleiben, dass der Main in vorgeschicht- 
licher Zeit weit höher geflossen, wie jetzt Wir finden seine Ge- 
schiebe, den schwarzen Eieselschiefer des Fichtelgebirgs, den rothen 
Sandstein von Miltenberg, den Gneis von Aschaffenburg weit oben 
um den Sachsenhäuserberg her, auf dem Kesselbruch bis nach 

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— 206 - 

Isenbui^ hin. Unterhalb des SachgenhäiuserbergB; westlich ^ hatten 
die Gerolle sich hoch aufgelagert^ sie bilden noch jetzt vom Forst- 
hause über die Helle im Schwanheimerwalde bis nach der Schweden- 
schanze hin; und weiter^ einen steilen Wall^ welcher nach dem Main- 
thale abföUt. Von den Quellen und Bächen^ z. B. der Eönigsbach^ ist 
er allmälig ausgespült ^ der Sand hinabgeführt worden.^ Auch auf 
der rechten Mainseite finden wir den unterhalb der Bergerhöhe und 
dem Bornheimer Galgenberge abgelagerten Mainsand über den gan- 
zen Böderberg hin^ zum Theil in tiefen Gruben. Auch hier ist er 
von Quellen und Gewässern an verschiedenen Stellen hinabgetragen 
worden nach der jetzigen Mainebene ^ hauptsächlich dies von den 
Bornheimerquellen ; zwischen dem Buchwald und dem Altenberge 
hinab nach dem Bruch. 

Es mag eine lange ; lange Zeit dahingegangen sein^ bis der Main 
in der Höhe floss^ in welcher jetzt die Seehofquellen liegen. Bei der 
Fassung dieser Quellen fand man .Spuren des thierischen Lebens 
aus jener Zeit In der Schlucht^ welche durch diese Quellen aus- 
geschwemmt worden ; hatten die Gewässer sog. vorweltliche Thiere 
gelandet, im Sande und Schlamm begraben. 

In noch jüngeren Zeiten durchzog der Main, tiefer im Thal, ein 
sumpfreiches Land; sein Lauf war ein wechselnder; ein mannichfach 
verzweigter. Südwärts bog bei Mühlheim ein Arm ab, zog in der 
Richtung der Klingewiese nach der Kuhmähle bei BUrgel, wo er sich 
mit dem Hauptstrom wieder vereinigte. Auf der damaligen Insel 
findet sich noch jetzt der Entensee imd der Altmainw^, welche 
Mainarme andeuten. Hochwasser haben diese Gegend öfter schon 
an die alten Bodenverhältnisse erinnert. Aehnlich so war das Thal 
bei Sachsenhausen beschafi*en; auch hier tritt der Main bei 16 oder 
18 Fuss Höhe in die alten versumpften Mainesarme; dies war zuletzt 
der Fall am 7. Februar 1862. Ein breiter Strom zog von der Ger- 
bermühle , ein anderer zweigte etwas weiter oben von dem Haupt- 
fluBs ab; hie und da mit einander verbunden , flössen sie nahe an 
Oberrad vorüber und vereinigten sich am Fusse des Mühlbergs. Die 
ganze Mainebene vom Mühlberg bis hinüber zum Bornheimer- und 
Böderberg war^ fast ohne Unterbrechung; überfluthet. Das Wasser 
bespülte die Oberräder Chaussee; überzog die Wiesen und Gärten. 
Nur die alte Strasse; welche von Sachsenhausen nach dem Hainer- 



< Vergl. die MittheUang über die Gerolle des untern Mainlaufa im Notiz- 
blatt des Mittelrheinischen Geol. Vereins 1862. Nr 2. 



— 207 - 

weg ftlbrie^ ebenso die neuere erhöhte Ghausee lagen trocken ^ weiter 
nnten, beim Apoihekerhof ^ traf man wieder auf Wasser im alten 
Mainarm. Dieses alte Mainbett führt über die Wiesen beim Biedhof 
nach dem hohen Steg^ und ist wieder bemerkUch vom Sandhof nach 
Niederrad; bis zum Bothenhamm hin. Am untereoiMaine zeigen sich 
noch andere alte^ jetzt versandete Flussarme bei Schwanheim und 
bei Rtisselsheim. Schwerlich war es der ganze Main^ welcher vor 
Zeiten dort sttdlich abbog, es war nur ein Arm. 

Auch auf der rechten Mainseite flössen nicht wenige Mainarme * 
von dem Hauptstrome ab. Von der Braubach her zog ein solcher 
der Bergerhöh entlang bei Bischofsheim und Seckbach vorüber, 
bedeckte die Wiesen zwischen dem Röd^berg und Biederspiss^ und 
verband sich mit dem Hauptstrom über die Hanauerchaussee hin. 
Diese bezeichnet noch jetzt die höchsten Punkte, welche als Inseln 
aus den Hochgewässem heraustreten. Bei dem Brückchen in der 
Nähe des Hanauer Bahnhofs hatte dieser Mainarm bei dem Wasser- 
stand im Februar 1862 noch 60 bis 80 Fuss Breite. Er vereinigte 
sich weiterhin mit dem Hauptstrom, überfluthete so das Fischerfeld, 
zweigte wieder ab nach dem Rechneigraben und war im Innern der 
Stadt in der Richtung des alten Mainarmes, oder der grossen An- 
tauche, bis zum Hirschgraben hin zu verfolgen. Zum letztenmale 
wahrscheinlich hat im Jahre 1784 dieser grosse Mainarm wirklich 
geslaröml Damals brach er durch die Braubach über die Niederung 
herein, kam plötzlich nach Bischofisheim hergeechossen. Auch diese 
Maininsel war nochmals von einem zweiten Mainarm durchzogen, 
welcher oberhalb Fechenheim nach den Riederhöfen floss. Unterhalb 
Friankfurt ist auf der rechten Mainseite noch eine ganze Zahl von 
Flussarmen zu bezeichnen, die über die Wiesen der Kettenhöfe, 
durch das Hellerhöferfeld und Gutleuthöfer Geländ zogen. Sie bildeten 
Sümpfe zwischen dem Maine und der Nidda. Der Wald reichte bis zur 
feuchten Niederung herab; mochten die Gewässer in der wärmeren 
Jahreszeit mehr abgelaufen sein, so boten die Sümpfe und Torf- 
moore weder einen Platz zu Wohnungen, noch festen Grund zu 
Strassen. Es war am ganzen Untermain kaum eine Stelle zu finden, 
wo zu allen Zeiten ein Uebergang über den Main zu bewerkstelligen 
gewesen. Entweder auf dem einen Ufer^ oder auf dem andern, oder 
auf beiden war morastige Niederung. 

Auch der stolze Rhein war damals noch unzugänglich. Wie vie- 
ler Jahrtausende bedurfte es, bis er Sand imd Schlamm genug herab- 



> Der ,,Rieder8pi8s^' ragte als „Spitze" aas den Qewässero. 



— 208 — 

gefährt und sich ein angemessenes Bett geschaffen. Blicken wir hent 
zu Tage von der Höhe bei Altstätten hinab, so seh^i wir die vielen 
Ortschaften des oberen Bheinthals an den Fnss der Berge ange- 
schmiegt, während das weite, grüne, vielfach noch v«-sumpfte Flach- 
land kaum ein Häuschen aufzuweisen hat Das Sheinthal zwischen 
Odenwald und der Haardt ist zwar viel mehr schon angebaut, aber 
auch da bemerken wir in der Ebene zahlreiche Wiesengründe lang- 
gestreckt, in Schlangen Windungen das Bheinthal durchziehen; sie 
verzweigen sich, verschwinden und kehren wieder. Man hatwol die- 
ses tiefer gelegene Land als das ehemalige Bett des Neckars gedeu- 
tet, so wird z.B. eine Gegend bei Crumstadt noch bezeichnet; mög- 
lich aber bleibt es «doch, dass der Rhein selbst hier in vielfacher 
Verzweigung sein Wasser dahingewälzt, dass es langer Zeiten be- 
durfte bis die Bheinarme aus Fluss und Sumpf zu Wiesen, allmälig 
selbst zu Aeckem umgewandelt worden sind ^. Als der 'iÜaunusabhang 
bereits einer gewissen Cultur sich erfreute, herrschte südlich der 
Nidda bis zum Odenwald und der Haardt hinüber noch die Wildniss 
und das Wild. Noch heut zu Tag staut derBbeii^ bei Hochfluthen von 
5 bis 6 Meter den über Trebur und Wallerstädten eingedeichten 
Schwarzbach an, und überschwemmt die breite, zwischen den Deichen 
liegende Niederung von Ginsheim bis Gross-Gerau ♦. 

Es mag nicht ganz unwichtig sein, der alten Gränzen der Drei- 
Eich hier zu gedenken. Diese umfasste das ganze Sumpf land zwischen 
Rhein, Main und Nidda. Der Main zog auf der Strecke von Nidda 
bis zur Braubach bei Hochstadt, inmitten des Wildbanns der Drei- 
Eich. Von Vilbel, auf der Nidda-Brücke, ging die Gränze über die 
Höhe nach der Braubach bei Hochstadt b, dem Maine hinauf bis 
Ostheim , am Odenwalde westwärts über den Otzberg ^, der Modau 



3 Vergl. Eriegk, Beschr. der Umgegend v. Frankf. im Archiv f. Frankf. 
Gesch. n. K. 1 Heft. S. 24. 25. 

* Vergl. R. Ludwig in dem Beiworte zur geologischen Specialkarte des 
Grossh. Hessen, Section Darmstadt 

s Es war dies eine willkührliche Abgränzung, keine natürliche. Der alte 
Weg zieht jetzt nicht mehr darch „Hochholz'^ Getraide bedeckt die ganze 
Breite der Höhe, zum TheU anch, südlich der „hohen Strasse", die Mulde des 
früher tief ausgefahrenen Weges selbst. Weiter östlich zieht eine ,,Landwehr" 
in der Richtung nach Niederdorfeiden und auch ein ^.Eselsweg". Es scheint 
diese Abgränzung älter zu sein, als der auf dem linken Niddaufer liegende 
Theil von Vilbel; sie schneidet diese Ansiedelung mitten durch. 

^ „Mitten über den Thurm za Odisberg" heisst es in einer alten Abschrift 
des Drey-Eicher Weisthnms. (Mglb. A. Nr. 48. V. modo C. C.) 



— 209 - 

herab nach Stockstadt ämBheine, diesem hinab zur Mainesmündung. 
Das Wichtigste und Wesentlichste in äer Drei -Eich war der Wild- 
bann ^ nicht die Bodencultur. So ist es erklärlich ^ dass der grösste 
Theil dieser Strecke in historischen Zeiten dem Könige zugehörte, 
dass Kirchen und Adel darin frtthe die Herrschaft und reichen Be- 
sitz errangen; während in dem Markenland nördlich der Nidda die 
Sitte und das Becht des Urbewohners, der zuerst den Wald umge- 
rodet und das Land urbar gemacht hatte, in weit höherem Ansehen 
blieb; und nur ganz allmälig und langsam durch List und Gewalt 
unterdrückt werden konnte» Um den Taunus hielten die Dorfbewoh- 
ner Flur und Wald als ihr Eigenthum, sie machten dies geltend 
noch in späteren Zeiten. 

Pfahlbauten sind bis jetzt mehr in den Sümpfen und Seen des 
nördlichen und des südlichen Deutschlands gefunden worden ; ich habe 
solche bis jetzt vergeblich in unserer Gegend, bei Bischofsheim , bei 
Seckbach gesucht Es ist wahrscheinlich, dass die grosse Verschie- 
denheit des Wasserstandes in Flüssen sich weniger zu derartigen 
Bauten geeignet hat. 

Man hat an verschiedenen Orten des Mainthals in alten Grab- 
hügeln Menschenknochen gefunden; die Kunstgegenstähde, welche 
ihnen beigegeben waren, beweisen, dass sie aus verschiedenen, meist 
verHältnissmässig späteren Zeiten stammen. Die Hügel am Taunus, 
z. B. bei Stedten, waren wol früher aufgeworfen als die im Frank- 
furter Stadtwalde. Es ist natürlich dass sie nur im Walde sich vor- 
finden, denn einestheils wurde für solche Begräbnissstätten nicht das 
Tiefland, die Wiesen ausgewählt, sondern der hochgelegene trocknere 
Boden des Waldes; andemtheils sind sie zerstört worden, überall 
wo der Pflug hindrang, so an den Heidengräben bei Oberursel, so 
auch bei der Babenhäuserstrasse als vor einigen Jahren der Wald 
daselbst gefallt und nach neueren Principien angelegt wurde. Ln 
Jahre 1836 wurden andere altdeutsche Grabhügel im District Königs- 
haide geöfinet Nach dem darüber aufgenonmienen Protocoll des 
Herrn Dr. Jung^ fand man ein Skelett mit dem Gesicht nach unten 
gekehrt, dabei Holzkohlen und einen kupfernen Bing; drei bis vier 
Schuh tiefer ein zweites Skelett mit dem ersteren kreuzweise liegend, 
aber auf dem Bücken« 

Es ist leider nicht mehr möglich, eine Uebersicht herzustellen 
über die in unserer Geg^id vorgefundenen Grabstätten. Die meisten 



' Frankf. Jahrbücher YII. 18S6. S. 253. 

14 



- 310 - 

Bind geöffiiet worden ohne Plan und Sorgfalt; die Gegenstände 
welche man darin fand^ sind herausgenonun^i und zum grössten 
Theil verschleudert; der Nachweis woher die Beste stammen^ ist 
meist verloren gegangen und nicht mehr zu ersetzen ^. 

Wie das Wasser in den Sümpfen die Ansiedlungen der Men- 
schen verhinderte^ ebenso gesucht war es in seinem lebendigen Lauf . 
Es bot Speise in den Fischen ^ Trank in den klaren Fluthen. Die 
Bäche welche von den Bergen herabeilten ^ zogen durch Wälder, 
welche das Material zu den Wohnungen und zu Wärme gabeu; und 
eine reiche Jagdbeute. An dem Fusse der Berge befeuchtete es die 
Wiesen ; fanden sich gar noch Salzquellen und heilende Thermen in 
der Nähe, wie bei Soden oder Wiesbaden, so war dem Menschen 
das Nöthigste geboten. Nicht die Bergkuppen, sondern die Quellen 
waren frühe benannt, sie luden den vorüberziehenden Wanderer zur 
Bast, sie erquickten täglich den Hirten mit der Heerde. Nach der 
Quelle wurde dann erst der anliegende Berg im Taunus bezeichnet; 
an dem Hasselborn liegt der Hasselberg, mehr nur eine Bei^pseite 
als ein wirklicher Berg; am Sangebom erhebt sich ein Hügel, der 
Sangeberg, und am ELlingenborn, an der Eüingenruh vorüber, zog 
der Weg nach der Höhe des Elingenbergs. Der Name Dalbesbei^ 
kommt in Urkunden nicht vor, es findet sich statt dessen stets die 
Bezeichnung: Masebömerberg, vom Maassbom oder Mäusbom, der 
gegen Norden hervorquillt'. Weiter abwärts, wo die klaren frischen 
Bäche aus dem Gebirge heraustreten, siedelten sich die ältesten Be- 
wohner des Landes an. 



^ Es fehlt uns ein Museum, in welchem die Erinnerungen, welche aas der 
Vorzeit uns erhalten sind, aufbewahrt werden könnten. Sie gehören nicht in 
den RaritStenkasten einer Bibliothek oder in die Gelasse des Römers; siq wer- 
den dort nimmer die nöthige Pflege nnd Bearbeitung finden können. Wer 
unsere Vorzeit studiren will, muss sich nach Mainz oder Wiesbaden wenden. 
Ist Frankfurt zu arm, ein Museum seiner merkwürdigen Vorzeit zu gründen? 
In Köln hat ein patriotischer Bürger durch würdige Horrichtung einer solchen 
Stätte sich selbst ein ^rendes Denkmal gesetzt. Man tröstet damit, dass, wenn 
einmal die eine oder andere öffentliche Anstalt verlegt würde, sich dort wol 
einige Säle ftir den Zweck finden sollten. Indessen sind neuerdings wieder bei 
Aufhebung det Zünfte die interessantesten Gegenstände, weil ein solches Mu- 
seum fehlt, verschleudert worden. (Vergl. Dr. Römer, Beiträge Nr. 40 auf S. 56.) 

9 Leider sind jetzt die schönen Quellen des Taunus zum grossen Theil ver- 
sumpft, wenn sie nicht, wie der Buchborn, der Dreimühlenbom und der Sange- 
born, an einem betretenen Pfade liegen. Es entfernt jetzt Niemand das wuchernde 
Moos und das fallende Laub, Niemand sorgt für diese vergessenen Wohltbater 
der Gegend, ihre Namen verklingen, wie die der alten Wege und Plätze. 



- 21t - 

Die Ortschaften wurden — wie in dem früheren Ao&atz: „Die 
hohe Mark im Taunus^, bereits angedeutet worden — meist nach der 
Bach genannt; wie die Berge nach der Quelle. Gerade solche Namen 
scheinen die ältesten Ortsnamen der ganzen Umgegend zu sein: 
Erlenbach; Eschbach; Schwalbach; Suhsbach; Ealbach oder Ealte- 
bach; Seckbach. Die meisten dieser Ortschaften boten noch vor 
wenigen Jahren das ächte BUd einer Taunusortschaft dar: die Häu- 
ser der Bach entlang mit ihrem GehöftC; von Obstbäumen beschattet; 
zu beiden Seiten der vielfach überbrückten Bach ein Fahrweg; 
an welchem Erlenbäume und Büstem. Häuser; Bach und Bäume 
bildeten zusammen ein Ganzes ; das grüne Laub verband das Ganze 
zu em^n freundlichen Bilde. 

' Ebenso bedeutend; vielfach aber erst später entstanden; scheinen 
andere Ortschaften gewesen zu seiu; welche als Städte bezeichnet 
sind; wie Stedteu; Heckstadt; Ockstadt, Stierstadt; von geringerer 
Bedeutung und späteren Ursprungs aber die Ortschaften; deren 
Namen mit „haqsen^^ oder ^heim^'; oder mit „hor^ zusammengesetzt 
sind. Diese mögen in der Beg^ nach einem Erbauer oder Inwohner 
genannt worden seiu; wie Eschers-heim; Ecken-heuU; Heuchels-heim; 
Qontzen-heim; Willkomms-hausen. Es scheinen diese „städte^^ keines- 
wegs bedeutender gewesen zu seiu; wie die nach den Bächen benannten 
Niederlassungen; sie sind auch in der äusseren Erscheinung nicht 
von diesen im Wesentlichen zu imterscheiden; so z. B. Stierstadt von 
Steinbaclx. Stedten (zu den statten; oder auf den statten) hattC; wie 
andere Niederlassungen; ein Mittel-Stedten und Nieder-Stedten; es 
liegt — wie die anderen Ortschaften des Taunus — der Bach ent- 
lang; unterhalb des höher gestellten Eirchleins. Im Laufe der Zeit 
haben sich die bedeutenderen Ansiedlungen weiter ausgedehnt; es 
wurden die Zweigdörfw mit der Bezeichnung ober-; mittel- und 
nieder- näher bestimmt Die Ansiedlungen zogen vom Fuss der Höhe 
an den .Bächen abwärts ; nach der allmälig entsumpften Ebene. Von 
den drei Ursell — nach der Schellbach benannt — hat Ober-Ürsell 
stets den ersten Bang eingenommen; ebenso ist Ober-Erlenbach älter 
als Nieder-Erlenbach. In ersterem sind die Hofraithen von der Bach 
nach der Anhöhe hinauf dicht zusammengedrängt; die Kirche obeu; 
weithin sichtbar; ist von einem alten Mauerring umgeben; ähnlich 
wie in anderen sehr alten Niederlassungen unserer Gegend; z. B. in 
Hochstadt. Nieder-Erlenbach aber; an breite Strassen gebaut; besteht 
zu grossem Theil aus adlichen oder herrschaftlichen Höfen. Ersteres 
ist auf dem Boden erwachsen; letzteres ist angelegt; es erhielt erst 

14» 



- 212 — 

im Jahre 1376 einen SchultheiBsen und Schöffen ^<^. Bei andern gleich- 
benannten Dörfern mag es schwer sein Vermuthungen über ein 
höheres Alter zu begründen. Es finden sich Bm südlichen Taunus- 
abhang zwei Holzhausen y das eine später auch Burg-Holzhausen 
genannt ^^, das andere Dornholzhausen oder Dorreholzhausen^ 
frühe schon verlassen; ausgegangen. 

Alle Anzeichen sprechen dafllr^ dass im mittleren Deutschland 
der südliche Abfall des Taunus mit am frühesten bewohnt wurde; 
wir finden aber in anderen benachbarten Gegenden die Art und 
Weise der Ansiedlungen dtirchaus übereiiistimmend mit denen des 
Taunus. Auch im Odenwalde sind es -wol die ältesten WohnplätzC; 
welche amFusse des Höhenzuges^ da wo die klaren Bäche aus dem- 
selben hervortreten; sich an diese anschmiegen: Aisbach; Bickenbach, 
Auerbach; Lautenbach; Hemsbach; Sulzbach und weiterhin Bohrbach; 
im Innern des Odenwaldes Erbach; Eisbach; Ellenbach; Erlenbach; 
Crumbach; Brombach; Wallbach; Lützelbach; Assbach; Keinsbach. 
Ebenso liegen an der Haart; auf der linken Seite des Bheins: 
Müsbach; Hambach; Eschbach u. a.; übereinstimmend hiermit mögen 
auch die Verhältnisse des Spessharts bezeichnet werden; auf der 



10 Urkunde auf Pergament mit 2 Siegeln von Wachs, Mglb. E 42. Nr. 2. 
„Wir Karl von Gottes Gnaden Römischer Kaiser zu allen Zyten merer des 
Rychs und Königzu Beheym, bekennen nnd tun kant offenlich mit dieasem brieffe 
allen den die yne sebent oder hören lesen, wenn wir dem Dorffe zu Nydem 
Erlenbach by nnß and des Rycbes stadt zu frankenfart uft dem Meyne ge- 
legen, Do Inne grosser gebrest gewest ist und noch ist, das nicht Scbaltheiasen 
und Scheffen, do bißher gewest sin, Des haben wir mit wole bedachtem mute 
rechter wissen und snnderlichen Gnaden, den Bargermeistern denScheffen und 
Rate der egenanten Stadt zu franckenfart , unser and des Rychs lieben ge- 
trawen, die gnade getan, and tan mit crafft diess briefXs, das sie forter mer 
Schultheissen und Scheffen doselbs za Nydem Erlebaeh setzen sullen und mö- 
gen als dicke des noit ist, uff das Jdermanne geriohts recht do widderfare und 
das die egenanten von Franckenfart In dem vorgenanten Dorffe und gericbte, 
tan and lassen, brechen and hassen mögen und sullen zu allem Jren nutze und 
dinste wer sie daran hindere oder widerspreche Jn Dheinenweiss der ist ver- 
fallen mit funffzig marg lediges goldes. Das halb Jn unß und Des Rychs Gam- 
mer, und das andere teile der egeinanten Stadt zu franckenfart werden und 
gefallen sal (mit Urkunde dlß brleffo versiegelt mit unser Kaiserlichem maiestadt 
Jngesiegele, geben za Franckenfart uff dem Meyne nach Christas gebarte 
Drytzehenhundert Jare darnach in dem sechs und siebentzigsten Jare an sant 
Johannes Dage des H. Teaffers etc. 

^1 Dies Holzhausen, wol jünger als das benachbarte Ober-Erlenbach , ist 
eine der wenigen Ortschaft^, , welche an der uralten Mainzerstrasse nach Butz- 
bach (Weinstrasse) gelegen sind. Diese überschreitet hier die Erlenbach, windet 
sich an dem östlichen Ufer hinan, und zieht bei der Kirche nordwärts. Die 
Wohnstätten sind vielleicht jünger als die Strasse. 



— 213 - 

Höhe die alten Ortschaften (des dunklen Spessharts) nach d^r 
Quelle benannt; wie Bohrbrunn und Rossbrunn; weiter abwärts nach 
der Bach bezeichnet: Frammersbach, Krausenbach^ Bessenbach, 
Gailbach; Morsbach^ Fechenbach und BöUbach. Unterhalb Soden 
liegt auch dort ein Sulzbach; und AschafF erinnert an Walluff 
(Waldau). Die Aschaff (Aschen- oder Eschen-awe) gab wieder ver- 
schiedenen Ansiedlungen einen Nameu; wie Waldaschaff, Mainaschafi 
und - wol viel später — auch Aschafienburg; ebenso findet sich 
auch ein Ober-, Mittel- und Nieder-, wie bei Gersprenz, bei Ostern, 
bei Keinsbacb und bei Einzig ^^. 

Der Verkehr der -Anwohner der Höhen war in jenen alten Zei- 
ten wol kein ganz unbedeutender, wir finden häufig die Ortsnamen 
hier und dort ganz gleichlautend: so ein Heuchelsheimerfeld bei 
Homburg, ein Heuchelheim bei Echzell, ein anderes bei Hadamar, 
noch eins bei Worms und eins bei Giessen, ein Höchelheim bei 
Gross-Linden und bei Nassau; um den Taunus her li^en vier oder 
fUnf Holzhausen, ein Eschbach liegt bei Homburg und bei Nastädten, 
ein Aschbach im Odenwald, ein Kalten -Eschbach bei Usingen, ein 
Schwalbach bei Cronberg, und Langen-Schwalbach auf der Nordseite 
des Taunus; ein Steten bei Ober-Ursel, ein zweites bei Runkel. 
Auch in der Bezeichnung der Bäche selbst fallt diese Wiederholung 
auf, wie der Name Grifkel, mit den Ortschaften Cröftel, Okriftel am 
Maine, und ähnlich Cröftelbach, CraftrSolms an der Solms^ welche 
bei Braunfels vorUberfliesst. Auch fllr den Odenwald liessen solche 
Zusammenstellungen leicht sich auffinden, z. B. in den verschiedenen 
Erlenbach und Laudenbach oder Lauterbach. 

Wenn wir diese Art und Weise der ersten Ansiedlungen berück- 
sichtigen, können wir die ältesten Verkehrsstrassen unserer Gegend 
nicht in der süd-nördlichen Bichtung aufsuchen. Weniger der Main, 
als wol die Sümpfe des Maines unterbrachen diese Richtung; die 
Taunusbewohner verkehrten über die Höhe und entlang derselben 
von einer Ansiedlung zur andern ; sie gelangten so nach Wiesbaden 



i> fiigenthümlich ist die Beneniraiig von Amorbacb, wie die Sage geht 
nach dem Heiligen Amor benannt. Die Kapelle dieses Heiligen liegt aber 
nicht im Hauptthal, sondern in einem kleinen Seiten thälchen, über einer uralten, 
als heilig bezeichneten Quelle. Manches lässt darauf schliessen, dass der Heilige 
selbst nach dem Thal benannt worden, in welchem er vorzugsweise wirkte. 
Wir finden in anderen C^ermanischen Landestheilen mehrfach den Namen Ammer, 
•o im Elsass Ammerschwier und der Ammergau inBaiem, auch ein Wüst- Amor- 
baeh bei ümstadt. Im J. 714 soll die Gapelle von dem h.Pirminiu9 gegründet, 
die Abtei Amorbaoh erst i. J. 784 gebaat worden sein. Vergl. über die Quelle : 
Decker, die Quellen im Odenwald, Arohiv fttr hess. Gesch. VIL S. 186. 



— 21» - 

und Mainz ^ von dort nach der Haart; ostwärts nach dem Spees- 
hart; von diesem nach dem Odenwald. Wahrscheinlich war b^ 
Mainz ^*, wo die Hügel am meisten nach dem Rheine vortraten , die 
älteste Ueberfahrt über diesen Theil des Flusses. Oberhalb und un- 
terhalb wehrten Sümpfe. 

Die Orte welche denUebergang über einen Bach^ einen Sumpf^ 
einen Fluss anzeigen, sind für die vorhistorische Zeit von grosser 
Wichtigkeit. Sie weisen auf die Wege und Verkehrsstrassen hin, 
deren die damals Lebenden sich bedienten. Bei kleineren FlüBsen 
zogen die Wege nach Brücken, bei breiteren nach Furten. Brugg 
im Aargau verdankt seine Entstehung der tiefen und schmalen Rinne, 
welche die Aar daselbst in die Felsen' eingeschnitten ; Baumstämme 
reichten hinüber bis zum andern Ufer. Bei Osnabrück treten die 
Hügel, welche das Thal derHaase begrenzen, enger zusammen; hier 
war es leichter den Sumpf und den Bach zu überbrücken. 

Der Main mit seinen Hochwassern und dem mächtig drängen- 
den Eisgänge duldete keine kunstlos errichtete Holzbrücken, bei ihm 
vorzugsweise finden wir die Furten. Es sind dies breite, ruhige 
Stellen des Flusses, bei welchen man bequem zum Ufer des Flusses 
gelangen, und ruhig und gefahrlos über denselben fahren konnte. 

Es ist von Batton die Vermuthung ausgesprochen worden^ dass 
bei Frankfurt eine seichte Stelle des Maines gewesen, an welcher 
die Heere leichter durch den Fluss geführt werden konnten. Am 
Fahrthore sei eine Furt für Nachen gewesen, ein seichterer Ueber- 
gang aber am Leonhardsthore. Fichard bemerkt dazu^ dass an der 
Furt in Sachsenhausen keine Häuser gestanden^ desshalb Sachsen- 
hausen wol jünger als Frankfurt, nach der Herstellung einer Brücke 
erbaut worden. Auch Kirchner -r Geschichte der Stadt Frankfurt — 
beschreibt eine Furt als eine ,,8eichte Stelle des Flusses^ um ^schaa- 
renweise* überzugehen. Allein bereits Dr. Kriegk — im Archiv N. F. 
I. S. 81 — bezieht die Bezeichnung . ,,Furt^ nicht auf die Seicht- 
heit einer Flussstelle, sondern auf die Gangbarkeit, Durchfahrbarkeit 
derselben, der Uebergang über den Fluss habe daselbst hergesteUt 
werden können. 



13 Auch in diesem Namen finden wir, ähnlich wie in den Ansiedelnngen an 
den Bächen des Taunus, den Flussnamen wieder, vielleicht Hainsiel oder Maines 
Ende. Mainz erhob sich dicht am Ufer des Rheines, die RGmer bauten -^ wol 
erst spater ~ oben suf den H6hen. Ans Mainz oder Moins ist Moguns ge- 
bildet worden, nicht umgekehrt. Zu vergl. Kriegk im Archiv L S. d6. 



- 216 — 

Wir finden am Maine Terschiedene Orte als Furten bezeichnet: 
Frankfurt^ Lengfurt; Ochsenfurt; Schweinfurt^ Hassfurt. Die^e mögen 
zum Theil localen Bedürfimwen ihre Entstehung yerdanken; da die 
Hausthiere in jenen Zeiten^ fast noch mehr wie heut zu Tag auf den 
Alpen ; eine der wichtigsten Bedingungen des menschlichen Lebens 
waren, ist es ganz natürlich , dass eine Beihe von Ortsnamen auf 
dieselben hinweisst, wie Schwanheim (sonst Bchweinheim), Säulberg; 
Oekstadt; Stierstadt Andere der genannten Furten haben aber -dem 
Strassenverkehr gedient, wie Lengfurt und. vielleicht auch Trennfurt. 
Das letztere liegt an einer sanften Abdachung des Odenwaldes, in 
unseren Tagen mehrere Minuten vom Main entfernt; es ist nicht 
einmal mehr eine regelmässige Ueberfahrt daselbst Diese befindet 
sich weiter abwärts, bei Klingenberg. Früher mag es anders gewesen 
sein, denn der reissende Strom bei Klingenberg war gewiss kein Platz 
zu einer alten Furt Als die Stadt sich hob, zog sie die Fürt 
an sich. 

Oede war das Land zwischen dem Bhein und dem Bomheimer 
Berg, wahrscheinlich hat in jenen alten Tagen die spätere Dreieich 
einen Uebergang über den Main nicht geboten. Es fehlten die Ort- 
schaften eben so wol, wie die Verbindtmgswege. Erst musste das 
Niddathal angebaut werden, gleichzeitig vielleicht das Kinzigthal und 
der mittlere Mainlauf, viel später stieg dann der Pflug auch- in das 
untere Mainthal herab ^\ 

Wir besitzen aus jenen Zeiten noch Denkmäler, welche uns 
nicht unwesentlichen Nachweis bieten. Es sind dies die Ringwälle, 
deren bereits in dem firüheren Aufsätze „die hohe Mark im Taunus^' 
gedacht worden ist Der Gestalt und Anlage nach zu urtheileh, so 
sind die Bingwälle des Taunus, insbesondere die des Altkönigs und 
die Altenhöfe wol die ältesten. Offenbar war es die l^atur selbst, 
welche die Anwohner der Höhe auf den Gedanken brachte, in dieser 
Weise sich eine Zufluchtsstätte zu schaffen, bei feindlichen Einfällen 
das Nothwendigste bergen zu können. Li der geraden Richtung vom 
Altkönig nach dem Hirtzberg li^ eine ganze Reihe von Berggipfeln 
auf denen zusammengebrochene Felsmassen den Anblick von Ring- 
wällen darbieten: die weisse Mauer, der Lindenberg, der ßleibes- 
köpf und der Marmorstein. Diese Felstrümmer und Rossein sind zum 
Theil wirklich als Ringwälle bezeichnet und aufgeführt worden ^^, 



1^ Verg^. Kriegk, Frankf. Bflrgerzwlste, 3. 236 ff. 

» So z. B. in der sohönen Arbeit Aber Rln^älle von Dr. Knapp, (Archiv 
f. hess. OescL IL), bei welober nur va bedauern ist, daas der Autor aUznviel 



— 2i6 — 

doch ist nur der Altkönig mit wenigen andern aasgewähh^ ein Bing- 
wall hergestellt und vollendet worden. Bei den ttbrigen fehlt der 
ZuBammenhang des Schutzwalls ebensowol, wie die Beziehung su 
den daran hin^ oder hineinführenden Wegen. 

Grosse Uebereinstimmung mit den Felsmassen des Taunus bieten 
die Porphyrf eisen des Schwarzwaldes bei Baden-Baden. Dieser Punct 
war, wie Wiesbaden und Soden am Taunus , wol lange vor dem 
Eindringen der Körner bekannt und bewohnt Der Berggipfel des 
heutigen Schlossbergs , der Batter, hätte nur geringer Nachhülfe 
bedurft y um zu einem gewaltigen Schutz walle umgewandelt zu wer> 
den. Die wenigen wallähnlichen Spuren über den „Kaaseln^^ des 
nordwestlichen Abhangs , schmal und ohne Zusammenhang, lassen 
aber nicht auf menschliche Thätigkeit schliessen. 

Ganz anders finden wir es im Spesshart, im Odenwald und an 
der Haart, wo das Gestein zwar weniger in Bosseln und in Fels- 
massen zusammenbricht, wo aber, wie im Einzigthal in der Gegend 
von Orb, dann bei Klingenberg, bei Miltenberg am Main und bei 
Dürkheim a. d. Uaart die Ringwälle uns andeuten, welche in alten 
Zeiten die bewohntesten Stellen des Landes, und wo die Verkehrs- 
wege gewesen. Bei allen diesen letzteren Bingwällen, ebenso wie auf 
dem Goldgrubenberg im Taunus, hat weniger die Natur dem Men- 
schen geholfen, mehr die Kunst. Sie scheinen aus den Bömerzeiten 
oder aus den darauf folgenden zu stammen. Der ganze Gipfel eines 
Berges ist umschlossen, ein Baum gross genug, nicht nur die ganze 
Bevölkerung einer oder mehrerer Ortschaften aufzunehmen, sondern 
auch dem Vieh derselben für eine Zeitlang Weide zu bieten Eine 
Quelle habe ich nirgends in solchen Ringwällen gefunden ^^, die 
liegen weiter unten im Walde, der ja mit zur Vertheidigung vw- 
wendet wurde. Den Ringwall selbst, bei einer längeren Belagerung, 
zu vertheidigen, wird bei den meisten unmöglich gewesen sein, da 
der Wall auf dem Schlossberg bei BtLrgstadt z. B. über eine halbe 
Stunde im Umfange hat 



auf fremde Augen sich verlassen. Aach G. Sobadt, Homburg v. d. H. and seine 
Umgebang, 1854, spricbt von der Heidenmaaer auf dem Lindenberge, von dem 
Ringwall auf dem Bleibeskopf. 

16 Eine Vertiefang auf der westlichen Seite der Altenborg bei Cassel an 
der Bieber soll zuweilen Wasser enthalten ; ich habe darin keins vorgefanden. 
Von Hadamar wird berichtet , dass sich in dem Ringwall der Dombarg ein 
Wasser stets mit einer Tiefe von IV2 Foss erhalten solle. Aach vom Altkönig 
hat man Derartiges HUschlich behaupten wollen. Das wäre aber oooh keine 
Quelle. 



— 217 — 






Alle diese Bingw&lle sind bo ziemlich nach demselben Sjstem 
angelegt; sie umfaesen den Gipfel bis zum steileren Abfalle hin; auf 
der Seite; wo der Gipfel eben sich ausdehnt ^ ist das Werk durch 
höheren Wall und durch Graben verstärkt Daselbst ist gewöhnlich 
der Eingang. Auf dem Kreinberg^ oberhalb Miltenbergs ist derselbe 
ziemlich gut erhalten, er führt über grosse Steinplatten, auf welchen 
Wagengeleise tiefe Furchen eingeschnitten haben. Wahrscheinlich 
mit Bäumen wurde er verrammelt; von einem Thore findet sich 
keinerlei Spur. Der innere Wall, wenn ein solcher vorhanden, hat 
gewöhnlich g^r keinen Eingang. Diese Sandsteinwälle scheinen 
nicht mit Holzwerk verbunden gewesen zu sein. Sie sind viel steiler 
als die flach zusammengebrochenen älteren Taunuswerke; zunächst 
des Eingangs auf dem Kreinberg ist der obere Theil des Walles 
kaum zwei Schritte breit Eben so ist es auf der „Schanze^^ bei 
Klmgenbeig, wol einem der jüngsten aber auch der kleinsten Stein- 
walte. Der Weg dahin führt anfangs auf der Nordseite des Berges 
aufwärts, wendet sich um die östliche Seite, zieht an der tiefen 
Schlucht hin, und biegt von Süden her gegen den Steinwall. Hier 
auf der Eingangsseite sind drei Wälle mit Gräben, einer dicht hinter 
dem andern; von dem obersten aus kann man über alle drei hinsehen, 
s. Fig. 1 und 2 



Ott 



|9 CiMMe Steinbflciif en etwa 

4S« Schritte 
vnndfiEScihaiiae 






// 







w«« 



CO 

CS 
0< 



Abhang gegen den Main. 




Klingenberg, Dorcbschnitt der Wälle, westtlich vom Eingang. 



— 218 — 

■ 

Die SteinwIÜle der Heidenmauer bei Dttrkheim gleichen sehr 
denen auf dem Goldgrubenberg des Taunus; sie sind fast durch- 
gängig von grosser Mächtigkeit, besonders auf der flacheren Nord- 
und Nordwestseite, mehr znsammeng^unken als die Wälle von 
Kfingenberg oder von Cassel an der Bieber. Sie fallen noch steil ab 
nach Aussen, yerflachen nach Innen; etwa in der Mitte sind sie ver- 
tieft, als wenn auch hier ein doppelter Steinwall die Zufluchtsstätte 
umgeben hätte, s. Fig. 3. 

Fig.3. 



Durohschnitt des Ringwalls bei Dürkheim. 

Wir sind genöthigt für Zeiträume, die wir noch jetzt die Urzeit 
nennen. Gewicht auf alle diese an und fär sich unbedeutenden That- 
Sachen zu l^en, weil es eben Bsist die einzigen Ueberreste mensch- 
licher Thätigkeit sind, die unmittelbar aus jener entlegenen Zeit zu 
uns reden. Sie verstärken die Wahrscheinlichkeit, dass in jenen 
Zeiten schon eine Stammesverwandtschaft; der Bewohner am Mittel- 
rhein und Main, und eine enge Verbindung bestanden; weiter dass 
gerade die bezeichneten G^enden nicht nur die bevölkertsten ge- 
wesen, sondern auch den feindlichen Heereszügen am meisten aus- 
gesetzt. Von einer Bestimmung zur Gottesverehrung kann — bri 
diesen jüngeren Bingwällen wenigstens — nicht die Bede sein^'; ab- 
gesehen von der Bauweise , so fühlt heut zu* Tag kaum einer der 
Nachkommen je das Bedürfniss auf die Höhe hinaufzusteigen, es sei 
denn, dass das Geschäft oder der Holzbedarf ihn dahin rufe. 

Einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte unseres Landes 
bildet das Eindringen und die Herrschaft der Römer. Das ganze 
Leben des Volkes erhielt dadurch einen weiteren Gesichtskreis und 
eine wesentliche Umgestaltung, wenn auch die Verhältnisse und die 
Bedürfnisse, welche die ersten Ansiedlungen hervorgerufen und be- 
günstigt hatten, grösstentheils bestehen blieben, später wieder in den 
Vordergrund traten. Die Bömer, wie jetzt die Engländer in Indien, 



<' In einem, aus meiner Feder stammenden, ganz oder theUweise in vm- 
sohiedene Zeitschriften übergegangenen Aufsätze : „Uhland auf den Ringwällen 
des AltkOnigs" ist die Ansicht ühland's mitgetheilt: es seien die Steinringe 
uralte ümwallangen eines heiligen Hains, weil in denselben eine Quelle nicht 
vorhanden. Dieser Ansicht vermag man bei genauer Darohforschnng einer 
grösseren Anzahl von Ringwällen kaum noch zuzustimmen. 



- 219 - 

die RuBsen am Gaucaaus^ die Franzosen in Äfrica, suchten ihre 
Herrschaft zu erweitem ^ nicht um äie Völker zu beglücken, sie mit 
den Segnungen der Cultur bekannt zu machen, nicht um Sümpfe 
auszutrocknen; das Land dem Pfluge zu gewinnen, sondern um die 
gewonnenen Länder zu nutzen^®. Sie haben die besten und cultiyir- 
testen Länder am liebsten genommen und am hartnäckigsten verthei- 
tigt; den Pfahlgraben haben sie weithin um die Wetteraü gezogen. 
Es ist daher die Thatsacbe nicht unwichtig, dass die Bömer ihre 
Hauptniederlassung in unserer Gegend unmittelbar auf einer Anhöhe 
an der Nidda gegründet haben. Dies mit Anderem beweist uns, dass 
das Niddathal ' bei dem Eindringen der Bömer bereits angebaut und 
bewohnt gewesen. Die Bömerstrasse von Mainz führte in gerader 
Linie nach Praunheim, durch diesen Ort dann hinauf nach dem 
vicus noTHS. Der Aufenthalt der Bömer in hiesiger Oegend dauerte 
aber durch mehrere Jahrhunderte, und während so l&nger Zeit mag 
Manches eine Umänderung erlitten haben, manche Strecke der 
Cultur gewonnen worden sein. 

Es ist nicht so leicht, die Strassen der Bömer von den Wegen 
der Landesbewohner überall zu scheiden. Die Bömer mögen diese 
Wege wol überall benutzt haben, wo sie für ihre Zwecke genügten. 
Stets hatten sie das eine Ziel — die Festigung ihrer Herrschaft. 
Die Bömerstrassen führen alle nach den Anlagen, welche zur Unter- 
drückung des Landes erbaut waren: die Strassen der Einwohner 
aber führen Ton Dorf zu Dorf, auf das Feld, in den Wald, nach 
ihren Zufluchtsstätten. Die Bömerstrassen gleichen in der Anlage 
unseren Eisenbahnen; nicht für den Augenblick gefunden und nur 
allmälig vervollkommnet, sondern für Jahrhunderte angelegt Mit der 
Herrschaft der Bömer hört auch die Bedeutung der Bömerstrassen 
auf, sie sind vergessen, von Wald überdeckt, vom Pfluge zerrissen, 
der Steinunterlage beraubt, kaum noch vom Vieh betreten. In unserer 
Gegend finden wir ihre Strassen vom Bheine nach dem vicus novus 
führen, der Hauptbefestigung; von da nach denCastellen des Taunus 
— den Zwingburgen — und weiter nach Norden; ostwärts nach 
Bonames und der Wetteraü, nach Bergen und Aschafienburg. 

Die Strassen der Landesbewohner waren nicht nur naturwüchs- 
iger, sondern auch schmäler als die Bömerstrassen; dies besonders 
in den Bergen, weniger vielleicht in sandigem* Flachlände. Die Bö- 
mer — wie auch die Bussen im Gaucasus — hatten besonderes Li- 



IS Anderer ADticfat ist Hofrath Steiner. 



- 220 — 

teresBe, die undurchdringlichen Waldungen, die Zuflucht der Landes- 
bewohner, durch breite Strassen zu öffnen , zugänglich zu machen. 
Wie auf der Nordsoite des Altkönigs ein Römischer „Pflasterweg' 
nach dem Feldbergcastelle zieht, so wurde ein anderer als „Pflaater- 
weg" mir genannt auf dem südlichen Fuss, etwa in der Bichtung vom 
Eichelberg nach dem oberen Ende der Falkensteiner Wiesen, also 
ebenfalls nach dem Feldbergcastell zu. Dieser ist kein ursprünglicher 
Waldweg; sondern schnurgerade angelegt, gleichmässig 12 Schritte 
breit und auf beiden Seiten von einem Mäuerchen eingefasst Der 
Bömerweg weiter unten beim Stationshause von Weisskirchen war 
16 Schuh breit, aufs Begelmässigste und Sorgfidtigste gebaut, mit 
Steinplatten unterlegt, zur Seite mit Pfaden für Fussgänger und 
mit Gräbchen versehen. 

Man hat darauf hingewiesen, dass der Marsch der Bömer vor- 
zugsweise auf den Wasserscheiden, den Höhenrücken stattgefunden, 
zugleich aber mit Grund die Frage aufgeworfen, ob die Biömer diese 
Hochstrassen und Bennwege erst eröffnet haben? *^ Diese Bevor- 
zugung der Höhen war keine Besonderheit der Bömer, sie lag in 
den Verhältnissen, in dem damaligen Zustande des Landes. Es lässt 
sich im Ganzen annehmen, dass die ausgedehnteren Verkehrswege 
verhältnissmässig älter sind, je höher sie auf den Gebirgen hinführen. 
Die Schwierigkeiten, welche dort zu überwinden, waren geringer, 
als diejenigen, welche in jenen alten Zeiten die Ebenen boten. Je 
mehr die Sümpfe schwanden, desto mehr zogen sich die Wege von 
den Bergen herab in's Thal Der Bennpfad auf dem Taunus zieht 
nicht gleichmässig mit dem Pfahlgraben, er war gewiss schon vor- 
handen als die Bömer den letzteren anlegten. Er zieht am südlichen 
Abhänge des Feldberges hin, der Pfahlgraben nördlich. In der Nähe 
des Mückenboms, jenseits der Höhe, zieht eine „hohe Strasse'^ nord- 
wärts, die weder mit dem Pfahlgraben, noch mit einem der daran 
liegenden Gastelle in Verbindung steht. Dies ist sonst bei Bömer- 
strassen im oestlichen Taunus der Fall, entweder ziehen sie nach 
dem Feldbergcastell oder nach der Saalburg. Der Bennpfad auf dem 
Taunus hat nur die für einen einzigen Wagen erforderliche Breite. 
Viel breiter ist die alte Strasse auf dem Hunärück und die auf dem 
Thüringerwalde. Aber die Verbindung zwischen Coblenz und Mainz 
auf der Höhe hat sich« mehr und mehr grossartig gesteigert, während 



19 Vergl. Untersnchang über die Kriegführung der Römer gegen die Deut- 
schen von K. F. in Ztschr. d. V. z. £• d. Rhein. Geschichte, 11. 8 Hft. 1863. 



- 22i - 

die Strasse vom Bheine nach der Wetterau schon zu der Bömer 
Zeiten — ^ wenn nicht schon früher — in die Ebene herabverlegt 
war^ nnd am Fusse der Berge hinzog. 

Vom vicus novus nach dem Maintiiale herüber scheint keine 
directe Römerstrasse angelegt worden zu sein. Es zog vom Nidda- 
Übergang bei Heddemheim der Weg hinauf nach Eschersheim und 
weiter nach Berkersheim; Bergen und Vilbel ^^ nicht aber nach der 
Frankenfurt In dieser letzteren Richtung entstand vom Niddaübergang 
aus ein Fusspfad^ er gehörte zuletzt zu den verbotenen Wegen und 
ist jetzt von der Eisenbahn ganz beseitigt. Es sprechen wol That- 
Sachen daf&r^ dass die Römer die Frankenfurt kannten^ selbst Strassen 
dahin benutzten oder bauten ; aber mehr noch deuten darauf hiu; 
dass diese Furt damals noch keine Wichtigkeit hatte. Bis auf den 
heutigen Tag heisst der kleine Main oberhalb der Sachsenhäuser 
Brücke der „bahles^ oder pales'^. Dies würde nicht schwer auf das 
palus der Römer ^ Sumpf ^ zurückzuführen sein, also auf dasjenige, 
was in damaliger Zeit wirklich sich an der fraglichen Stelle befun- 
den haben mag. Zu beachten bleibt auch, dass man vor einigen 
Jahrzehnten in der Fahrgasse beim Graben eines Canals, etwa 
16 Fuss tief, auf ein altes Pflaster stiess. Leider ist dasselbe nicht 
sorgftltig untersucht worden; Hufeisen fand man dabei, grosse und 
kleine, solche von denen man vermuthet, dass Esel oder Mauldiiere 
sie getragen. „Eselspfade^^ bringt man vielfach in Zusammenstellung 
mit den Römern, so den Eselspfad von Miltenberg nach der Einzig 
über den Spesshart, einen andern von Eschersheim nach Vilbel. 

Weit wichtiger sind die Thatsachen welche daf^ sprechen, 
dass zur Römerzeit die Frankenfurt noch ohne Bedeutung gewesen. 
Sie beziehen sich theils auf die damalige Verkehrsrichtung in dem Main- 
lande, theils auf den gewerblichen Betrieb in den Römemiederlassungen. 

Die wichtigste Strasse welche vor und zu der Römer Zeiten von 
Süden nach Norden zog, führte nicht wie jetzt am Odenwalde hin, 
durch die Rheinebene, sondern auf dem Gebirgsrücken. Die Befest- 
igungen, welche zur Seite der Strasse, von Schlossau nach Obem- 



20 Vergl. u a. deu Aufdatz von Schmidt, Annal. des Nasssner Vereins, 
6 Bd. 1 Hft., über d. Pfsigraben. 

21 Nach genauerer Ennittelang oberhalb der zwei Brückenbogen anf der 
Sacbsenfaänser Seite. Dort badeten bis zu Anfang dieses Jahrhunderts die 
Juden. Bei EisgSngen hört man noeh den Ausruf: ,,Wo88 dar bales woilt*' 
iwUhlt). Ganz ähnlich heisst noch heute ein Weidicht stldlich von Offenbacb : 
im Salig» der Weg dabei: der Saligweg. 



— S22 - 

I 

borg aufgefunden worden sind, zeigen uns welch grosses Gewicht 
die Bömer auf den ungestörten Besitz dieser Strasse legten. Castelle 
reichten sich von Station zu Station die Hand ^, und sie waren, wie 
aus den unternommenen Ausgrabungen, kürzlich noch bei Schlossau, 
zu ersehen ist, nicht viel schwächer als die Saalburg am Pfahlgraben 
des Taunus. Sie waren aber nur zum Schutze der Strasse bestimmt, 
denn die Eeichsgränze, der befestigte Pfahlgraben lief in fast gleicher 
Bichtung mehrere Stunden ' weiter dstKch bei Freudenberg von Sü- 
den über den Spesshart nordwärts. Diese Hauptstrasse stieg bei 
Obemburg von den Bergen nach dem Mainthale herab ; führte weiter 
nach Aschaffenburg, wo sie mit der von Mainz auf dem rechten 
Mainufer ziehenden Strasse zusammentraf. Wol legen die vielen 
Bömischen Gegenstände, welche z. B. in Stockstadt, in Diepurg und 
in Seligenstadt gefunden worden sind, Zeugniss dafür ab, dass auch 
im Mainthal Wohnsitze der Bömer gestanden oder entstanden, aber 
gerade an derFrankenfiirt sind solche Gegenstände nicht, oder doch 
so äusserst spärlich aufgefunden worden, dass auf eifie langjährige 
Benutzung derselben durch die Bömer nicht zu schliessen isl Diese 
Meister der Ejriegskunst würden eine wichtige Furt nicht ohne Be- 
festigung, etwa auf der Höhe der damaligen Maininsel — jetzt auf 
dem Markt — gelassen haben, und solche könnte nicht spurlos ver- 
schwunden sein. 

Wenn wir von dem Maine nach dem Thale der Nidda uns hin- 
über wenden, so sind daselbst zuerst wieder die Uebergangsstellen 
in's Auge zu fassen. An der Nidda gab es drei Stellen, die wol in 
sehr alter Zeit schon als Uebergangspunkte benutzt worden sind: 
Bödelheim,Bonamea und Vilbel^* Die Bömer kannten sie, benutzten 
sie, schwerlich aber sind die Ansiedlungen Bömische. Nur Einwohner 
des X4andes bauten in den Niederungen, der Fluss diente ihnen zum 
Unterhalt des Lebens, die Ueberfahrt bot ihnen Erwerb. Die Bömer 
mieden stets die Tiefe und das Flussthal, wie bei den Strassen, so 
bei der Anlage von Wohnungen. Ihr vicus novus lag hoch, erst das 
neuere Heddemheim ist unten an die Strasse, in die feuchte Niede- 



>> Vergl. Steiner, Gesch. a. Top. des Msingebiets und Spessarts. S. 104. 

^ Auch Nied oder Nidda, am Ansfiuss der Nidda, mag eine sehr alte Nie- 
derlassung der Eingebomen sein, allein ein bedeutender Flussübergang war, 
der Sümpfe des Mainthaies wegen, hier schwerlich. Die Römer mögen das 
hochgelegene Höchst and den Ausgang des Niddatbales bewacht haben, allein 
es führte keine abzweigende Steinstrasse nach Höchst, und es führt noch heut 
zu Tag keine Strasse von Höchst südwärts naoh der Drei-Eich. 



- 223 - 

nmg gestellt. Am wenigsten, oder auch erst am spätesten benutst 
war unter den genannten Furten wol Bödelheim (l^edelheim) ; es 
lag auf dem rechten Niddaufer, die eigenthümliche Bauweise manpher 
alten Häuser auf Erderböhungen lässt vielleicht noch auf die frühere 
sumpfige Beschaffenheit des Bodens' schliessen. Auch das linke Fluss- 
ufer war und ist noch sumpfig ; doch mag die Anlage des Mühlcanals 
und der Brückenbau manches geändert haben. Von der Römischen 
Mainzer -y jetzt Elisabethenstrasse; scheint kein Zweig nach diesem 
Uebergang abgegangen zu sein; aber von Bödelheim zog oberhalb 
der Wiesen hin nach den basaltischen Höhen von Bockenheim dne 
alte Strasse ; sie hält weiterhin ostwärts fast die Wasserscheide ein, 
theilt sich am Heiligenstock nach Vilbel und nach Beiden. Von Bö- 
delheim nach der Frankenfdrt Alhrte und führt bis auf den heutigen 
Tag nur ein Fusspfad. 

Weit mehr als Bödelheim, scheint Bonames von den Bömem 
benutzt worden zu sein; hier ist selbst der Name durchaus verschie- 
den von allen andern Täunusortschaften ; nur etwa Vilbel hat einen 
gleich fremdartigen Anklang. ^ £ine Bömerstrasse führt nördlich von 
Bonames nach der Wetterau; eine zweite führt von Westen herein^ 
oder wenigstens nach der nördlichen Mauer hin. Der Platz einer 
Römischen Befestigung war wol oben auf dem Saalhof, die Burg in 
der sumpfigen Tiefe war nicht Römisch ^. Wie der Name, so sind 
auch die Verhältnisse von Bonames ganz eigenthümliche. Die Gränze 
der Gemarkung von Kalbach zieht dicht an Bonames vorüber und 
reicht bis zur Nidda. Während diese fast überall den Genossen 
der Hohen -Mark eine Gränze war, sie von der Drei -Eich schied, 
liegt der grösste Theil der Bonameser Gemarkung jenseits auf dem 
südlichen Ufer. Dies südliche Ufer wurde aber nicht bewojint, war 
auch nicht Mark-berechtigt, wie ein Streit aus dem sechszehnten 
Jahrhundert über den Eohlenbedarf der Mühle oder des Kupfer- 
schmieds am Mühlgraben es genauer verhandelt So scheint es als 
ob Bonames nicht wie die andern Täunusortschaften aus den Boden- 
verhältnissen erwacluren, sondern dass es gleichsam eingepfropft wor- 
den sei Alles weisst hierbei auf die Römer hin, selbst der Umstand, 
dass die Bonameser Bürger waren, keine Bauern. Auch von Bona- 
mes zog in gerader, directer Linie keine Strasse nach der Franken- 
furt. 

Vilbel scheint, wie Bonames, einen Römischen Namen zu tragen. 
Die jüngste Ansicht der Gelehrten geht zwar dahin, dass Vilbel nicht 



2« Vergl. Dr. KOmer-Baohner in diesem Archiv N. F. IL S. 182. 



— 224 — 

von villa bella den Namen habe^ dam es vielmehr ,,Weid6ndorf^ 
bedeute '^ Ich halte trotzdem am Alten fest Fttr die Germanischen 
Dorfnamen der Umgegend bedarf es keiner gelehrten Deutung^ sie 
sind alle noch jetzt leicht verständlich. Mochten die Lateinischen 
Schreiber den Namen verketzern^ er kam doch wieder in natürlicher 
Gestalt zum Vorschein. Nur Bonames und Vilbel machen, wie be- 
merkt, eine Ausnahme, sie sind fremden Ursprungs, wie aevel (aquae 
bellae) die schönen Quellen am Ufer der Nidda zwischen Praunheim 
und Hausen, bei welchen eine Römische Wasserleitung aufgefunden 
worden ist*^ 

Auch bei Vilbel walten, wie bei Bonames, ganz eigenthümliche 
Verhältnisse. Vor allem ist hier die ganz unverhältnissmässige Längen- 
ausdehnung in's Auge zu fassen. Sie kann gar keinen Zweifel 
darüber lassen, dass hier vereTchiedene Interessen zusammengewirkt, 
wie dies auch stets bei andern, ähnlich in die Länge gezogenen 
Städten, wie Miltenberg, Heidelberg, Bornheim oder Bockenheim 
der Fall gewesen. Auch Heidelberg zieht sich von der alten Neckar- 
furt bis über die Burg hinaus, so Vilbel von der Niddafurt bis zur 
Römischen Villa, die in der Nähe des jetzigen Bahnhofs lag. Die 
ersten Wohnungen lagen wol oben auf dem rechten Flussufer, bei 
der Brücke. Nach dieser oder nach der Furt {(ihren die Strassen: 
nördlich die von Friedberg, südlich die von Bergen und von der 
hohen Strasse. Bei der Brücke traten die trocknen Ufer am nächsten 
zusammen, die Strasse^ wandte sich auf dem nördEchen Ufer sogleich 
der Anhöhe zu. In der Nähe der Brücke liegen die bedeutenden 
Steinbrüche; sie scheinen Veranlassung zu einer Vergrösserung 
Vilbels gewesen zu sein, und zwar ostwärts bis zur Kirche. Diese Theile 
dehnten sich später weiter aus nach der Römischen ViUa hin. 
Der fremdartige, vielleicht, wie das Pompejanum bei Aschaffenburg, 
drollig klingende Name der Römischen Anlage mag allmälig dem 
Gesanmitorte geblieben sein. 

Die Steinbrüche von Vilbel weisen uns auf einige gewerbliche 
Verhältnisse, welche durch die Römer in hiesiger Gegend begründet 
wurden, oder in Aufschwung kamen. Dass dieser Aufschvnmg über- 
haupt ein bedeutender gewesen, geht schon aus den vielen Strassen- 
anlagen hervor, welche von dem vicus novus nach allen Richtungen 



2» Arohiv f. Hess. Gesch. X. 1. 

>< Kaum giebt es einen andern Ortsnamen, der so verschieden geschrieben 
vorkommt, wie Vilbel, Villbyl, Vilvil, Velvil. Viel mehr hat Bonames, Bone- 
mesa den Namen gleich behalten. 



— 225 — 

zogen. Neuerdings ist bei Weiskirchen das Profil der Strasse ofien 
gelegt worden^ welche von dieser Römischen Niederlasstmg nach dem 
Feldbergcästell geftlhrt wurde ^ so dass kein Zweifel mehr über die 
Bedeutung dieser Hohle sein kann. Sie wird jetzt ausgefüllt, die 
Aecker werden geebnet; die Steinunterlage ist zum grossen Theile 
herausgebrochen, einzelne Steine zeigen noch, dass die Bömer den 
alten Steinbruch von Mamolsheim dazu benutzt hatten. Bei Nieder- 
XTrsel wendet sich diese Strasse etwas ostwärts nach diesem Dorfe 
hin, welches dazumal wol schon vorhanden war; sie schwenkt 
wieder südlich ab, theilt sich in zwei Arme, deren einer nach dem 
vicus novus zog, der andere nach dem Niddaübergang bei Heddern- 
heim. An dieser Stelle hat sich eine Ortschaft; zur Seite der Strasse 
angebaut; Heddemheim ist in die Erbschaft der Bömer eingetreten. 
Bei Nied^-Ürsel zogen mehrere der alten Strassen vorüber: die 
Hessenstrasse, vom vicus novus nach dem Norden, filhrte östlich 
vorbei nach der Höhe, die sie bei der Saalburg überschritt (sie 
ist in den letzten Jahren fast ganz ausgebrochen und geebnet wor- 
den, nur wenige Beste sind noch übrig); eine Mainzerstrasse durch 
Eschborn^ nach Butzbach überschritt eine Viertelstunde oberlialb 
Nieder-Ursel die Bach. Sie ist jetzt ebenfalls unterbrochen und durch- 
pflügt; endlich ist noch der Crutzenstrasse zu gedenken, jetzt Ereu- 
zerstrasse. An dieser Strasse soll eine Quelle hervorgesprudelt sein, 
als des Bonifacius Leiche daselbst geruht; mit anderen Worten: das 
Trauergeleite ruhte an einer Quelle. Eine solche findet sich etwa 
auf der Hälfte des Weges, wo die Qemarkpngen von Kalbach und 
Nieder-Ursel zusammenstossen. Angeblich hat man dort Mauersteine 
auf£:efunden, allein aus dem Gedächtniss der Landbewohner ist jede 
Eri»««.g '» »,. KWe g^chw^d». Nioh. ,«. d.v.. ««d ein 
Hochgericht Andere Strassen bei Bonames sind schon erwähnt worden. 
Wenn wir im Winter über die kahlen Felder hingehen, da wo 
sonst die Strassen des Bömerortes sich ausdehnten, finden wir aussei 



" In der Heimgereite von Esohborn soll — nach Vogel — die älteste 
Kirche der Umgegend gestanden haben« Schwerlich w^r dies Tidenheim eine 
von Eschborn getrennte Ortschaft, oder Eschborn war doch älter als diese 
Kirche. Der Name Tidenheim ist jetzt auch in den Flurbüchern nicht mehr zu 
finden. Nach der Angabe von BfirgeVmeister Knntz sollen anter dem Districte 
Feldweingärten, auf den Haneokem (Hainäckem) Basalt- und Ziegelsteine im 
Boden gefunden werden. Dort habe möglicherweise eine kleine Kirche oder 
Kapelle gestanden. Ueber dieser Stelle ist der Streitplatz, wo angeblich im 
Jahr» ld89 die von Cronberg heimkehrenden Frankfurter ereilt und geschlagen 
wurden. 

15 



— 226 — 

den zahllosen Ziegelbrocken und den BollBtückchen der TaunoBab- 
hänge zwei Steinarten besonders, welche zum Bau der Bömermauem 
verwendet worden sind: einmal den Basalt von Eschersheim, dann 
aber auch das Todtliegende von Vilbel, selbst Stücke versteinerten 
Holzes aus demselben. Man kann aus den zijm Theil stark verwitter- 
ten Steinen nachweisen, dass zu jener Zeit schon in Vilbel die gros- 
sen Steinbrüche in Betrieb standen, welche heute noch benutzt wer- 
den oder noch erkennbar sind. Es beweist dies, dass zu jener Zeit 
ein anderer Transport und Verkehr auf der Nidda gewesen sein 
muss, als in unseren Tagen. Statt der ]\l4ihlen, die jetzt durch Wehre 
das seichtere Wasser aufstauen, sah man zahlreiche Schiffe und Aus- 
ladeplätze. Neben den Basaltstücken von Eschersheim und dem Todt- 
liegenden von Vilbel finden sich auf dem Heidenfelde bei Heddernheim 
auch Kalksteine, wi^hrscheinlich vom Bomheimerberge; daneben 
grössere und kleinere Bruchstücke von Handmühlen, welche aus 
dem Rheinischen Basalte von Nieder-Mendig stammen; durch die Ein- 
schlüsse (HauTn) sind sie von den Eschersheimem wol zu unter- 
scheiden. Auch Schiefersteine finden sich ziemlich zahlreich, zum 
Theil haben sie noch IVa Schuh im Gevierte; dem Anscheine nach 
stammen sie nicht aus dem benachbarten, schieferreichen Taunus, 
sondern aus Tagesbauten von Caub, sie sind nicht so tein, wie die 
Schiefer, welche wir jetzt aus den tiefen Gruben von dort erhalten. 
Die Anwesenheit aller dieser Steine zeigt uns, wie Handel und Verkehr 
in jenen Zeiten sich schon lebhaft entwickelt hatten. 

Von der ganzen grossartigen Anlage, welche die Bömer in ihrem 
vicus novus geschaffen, ist jetzt keine Mauer mehr sichtbar, die 
Strassen sind verschwunden, bis auf den einen Weg, welcher die 
Um&Bsungsmauer umzog. Der Qrimm der Germanen hat nur Trüm- 
merhaufen an der Stelle der Eriegerwohnungen übrig gelassen. 
Während langer Jahrhunderte wurde von hier das Material zu den 
ärmlichen Hütten der benachbarten Ortschaften entnommen. So erst 
konnte das gereinigte Feld wieder dem Saatkorn geöffiiet werden. 
Der Wind brausst frei über die Aecker, die jetzt der Pflug durch- 
furchet. Zwischen den letzten ungezählten Bröckchen und Splittern 
einer untergegangenen Zwangsherrschaft sprosst die grüne Saat freudig 
empor ! Kein Bericht der Bömer meldet, wie die , Vertreibung ge- 
schehen, auch die Namen Derer, welche damals geblutet, sind nicht 
verzeichnet; aber auf die gebrochenen Mauern der Zwingburg sollten 
unsere Lehrer die Jugend hinfllhren,jährlich, wenn der Winter entweicht ! 



— 227 — 

Eb folgt nach den Bömern eine lange Zeit^ aus welcher uns kaum 
Thatsachen aufbewahrt sind. Die gewaltigen Heereszüge, welche wir 
unter dem Namen der Völkerwanderung begreifen, können dem Mainthal 
und den Taunusbewohnem nicht fremd geblieben sein. Wir wissen 
aber nicht, ob sie die vorhandene, unter der Bömerherrschaft nach 
dem eignen Berichte ihrer Schriftsteller verdorbene Bevölkerung ver- 
pflanzt und ausgerottet, oder ob diese neu gekräftigt worden. Nach 
manchen Anzeigen war wol das letztere der Fall. Viele der alten 
Weisthümer, so der hohen Mark, der Bibrauer Mark und anderer, 
heben hervor, dass Wald, Wasser, Weide den Märkern ^zu recht- 
lichem eigen' sei, dass die lIßLrker sie von Niemanden zu Lehen er- 
halten. . In der Bibrauer Mark wird geweiset, dass der Herr von 
Falkenstein nur ein gewählter, kein gebomer Vogt sei. Das spricht 
fOr Ureinwohner, die selbst den Wald gerodet, nicht für Eroberer. 

Vielleicht stammen, wie bereits bemerkt, aus diesen Zeiten die 
späteren Ring wälle, auf dem Goldgrubenberge, von Dürkheim, von 
Elingenberg und aus der Gegend von Orb. Doch haben wir nicht 
überall in einer kunstfertigeren Ausführung ein entscheidendes Merk- 
mal darüber. Auf dem höchsten Gipfel des Erainberges oberhalb 
Miltenberg liegen, von zwei Germanischen Bingwällen umschlossen, 
Spuren welche den Aufenthalt der Bömer an dieser Stelle nach- 
wdsen, Steininschriften, Mauern, Bildwerke und Anderes ^. 

Wahrscheinlich ist es, dass während der Zeit der Bömerherrschaft 
man anfing, die Drei^Eich mehr zu bebauen. Auch hier, wie am Tau- 
nusabhang, finden sich einige Ortschaften, welche gleichen Namen 
haben wie die Bach, welcher sie angebaut sind. Bieber, (Ober-) Boda, 
Sembdt, Egels^bach, Kelsterbach, Ofenbach (noch 1493 Ouenbach 
geschrieben). Andere, besonders am Abhang des Odenwaldes, tra- 
gen die Bezeichnung einer Stadt: Stockstadt, Langstadt, Eleestadt, 
Umstadt, Bamstadt, Eberstadt, Pfungstadt, Crumstadt Sie zeichnen 
fast die Grenze der Drei-Eich vor; von Stockstadt am Main bis zu 
Stockstadt am Bhein reichen sie sich die Hand. Eine jüngere Zeit 
ist in den Ortschaften angedeutet, welche von Behausungen der ersten 



28 Steiner, Maingeb. u. Spess. S. 254. hält diese Germanische Wehr für 
älter als die Römische Befestigung. Aach hier sprechen wir, im Interesse der 
Eigenthümer ebensoweit wie im Interesse der Erforschung unserer ältesten Ge- 
schichte die Bitte aus, alle solche Ringwälle, namentlich aber die ältesten, wie 
den auf dem Altkönig, vorerst nicht zu verändern, nicht zu durchbrechen, keine 
Wirthshäuser darin oder daraus zu erbauen. Zu solchen finden sich stets in 
der Nachbarschaft geeignete Plätze genug ! 

16* 



- 228 - 

Ansiedler den Namen anch später beibehalten haben. Ln Innern der 
Drei-Eich ist dieses Vorkommen das zahlreichste: Obertsfaansen; 
Froschhausen; Hainhausen^ Zellhausen/ Messenhansen; Eppertshausen^ 
Güntershausen; Hergertshausen ^ Harpertshausen^ Buben- (Baben)- 
hausen, Harreshausen, und mehr westlich: WixhauseU; Erzhausen, 
Schneppenhausen, Qräfenhausen, weit seltener sind die Bezeich- 
nungen nach dem Hof wie Dilshofen und Sickenhofen. Das 
Weisthum der Drei-Eich von d. J. 1338 zeigt uns dass damals, und 
wol auch schon viel früher die Drei-Eich in Marken al^etheilt war. 
Wahrscheinlich älter als diese mit „Haus^ und ^Hof zusammenge- 
setzten Ortsnamen sind andere mit der angehängten Endigung „heim'', 
fast alle unmittelbar auf dem Main- und Rheinufer angelegt: Ostheim, 
Welzheim, Auheim, Steinheim, Dietesheim, Mühlheim, Griesheim, 
Schwein- (Schwan)heim, Büsselsheim, Baunheim, Bischofsheim, 
Ginnsheim, Bauschheim, Altheim, Geinsheim, und das jetzt verschwun- 
dene Pfopfenheim. Fast gleichzeitig mit „heim" sicheinen Dorfschaf- 
ten mit der Endigung „ingen" entstanden zu sein. Solche finden sich 
aber weit seltener und scheinen ebenso wie die wenigen als ,, Weiler" 
bezeichneten Ortschaften des Taunus, Petterweil, Dortel- (Torkel- oder 
auch Di\rkel-)weil und Hinterweil, einem Volksstamm zuzuschreiben 
sein, der nur vorübergehend sich in dieser Gegend aufgehalten hat 
Einmal nur ist ein solcher Name auf der Nordseite des Taunus auf- 
zufinden, Usingen, welches an der Usa liegt, nicht aber mehr nach 
dieser als Usa oder Usbach bezeichnet ist. Am südlichen Abhang 
des Taunus li6gt oder lag Dillingen, weiterhin an der Einzig Bückin- 
gen, in der Drei-Eich am Fusse des Odenwaldes Spr^idelingen, am 
Maine Sindlingen und weiter östlich Mainfellingen und Dettingen ". 
Ganz spät noch entstehen Ortschaften, die deutlich von einer 
mehr fortgeschrittenen Cultur uns Zeugniss geben, oder welche auf 
die Fränkische Zeit hinweisen wie Eönigsstedten zur Seite des fremd- 
artig klingenden Trebur. Urprach ^ erhob sich mitten in den Wäl- 
dern, ebenso Ober- und Nieder-Bode am versumpften' Mainesarm 
bei der Frankenfiirt; weiter Erfelden, Worfeiden und Meerfelden. 



39 Förstemann, deutsche Ortsnamen, 186S, findet die Namen auf „Weiler"' 
ald Repräsentanten des Deutschen Südwestens, mehr gewaltsam als organisch 
fortgeschrittene Namenbildung. Die Endigang auf ,,ingen*' und „nngen* bezeichnet 
er als ThÜringenschen Gebrauch. 

30 Iq dem Gült- u. Rentengefäll Yerzeichniss der Drey-Eioh aus dem Jahre 
1589 ist Urprach aufgeführt, weil es „Dorffgelt** zu zahlen habe. 



— 229 — 

Durch diese letzteren der Feldciiltar geweihten Ortochaften zog die 
. Geleitsstrassa 

Zum Schlüsse ist hier noch der Bomheimerberg zu betrachten^ der 
grossentheils noch zur Drei-Eich gehörte. In der Gegend von Aschaf- 
fenburg scheint die rechte Mainseite vor der linken bewohnt worden 
SU sein. Gross- Welzheim, Gross-Erotzenburg, Gross-Auheim liegen 
auf der rechten Mainseite, Klein Welzheim ^ Klein Krotzenbürg und 
Klein- Auheim sind sp&ter gegenüber auf der linken Mainseite als Zweig- 
dörfer entstanden. Beim Bomheimerberg finden sich nur wenige 
Spuren, welche andeuten, dass einzelne Plätze in Yerhältnissmäsig alte 
Zeiten hinaufreichen. Bomheim selbst ist, wie Eschborn, nach der 
Quelle benannt ; aber letzteres wird, wie die alten Taunusortschaften, 
ebenso wie die Quelle oder die Bach selbst bezeichnet; Bomheim 
leitet seine Bezeichnung nur von der Quelle her. Bei einem 
Vergleich mit den altern Taunusortschaflien kann kein Zweifel darüber 
sein^ dass Bomheim viel jünger ist als diese, z. B. als Obererlenbach 
oder Oberursel, oder Steinbach. Von dem ganzen Gericht des Bom- 
heimerbergs sind nur Offenbach, Nidda und Seckbach ^^ ebenso wie 
die Bach genannt, Bergen nach seiner Lagie, oder auch nach der Rö- 
mischen Befestigung. Fast alle andern Ortschaften sind als Heimath 
einer bestimmten Person, meist wol des ersten Ansiedlers, bezeichnet: 
Eschersheim, Berkersheim, Bischpfsheim, Bockenheim, Bräungesheim, 
Enkheim, Fechenheim, Ginheim, Griessheim, Massenheim. 

In Bomheim sind drei Theile wol zu unterscheiden. Einmal der 
obere Theil um die Kirche gelegen, welcher wol als der älteste zu 
betrachten ist. Weiter als zweiter Theil das Bömerfeld, westlich von der 
Güntersburg, etwa 10 Minuten von der Bomheimerkirche. Näher 
bei dieser , auf dem Rabenwingert ^^, hat man bei dem Legen der 
Wasserleitung eine Römische Begräbnissstätte gefunden. Dieser Rö- 
mische Theil ist vertügt und von der Erde verschwunden; Dr. Romer 
hat in seinen Beiträgen zur Geschichte der Stadt Frankfurt (1853) 



31 Der älteste Theil von Seckbach ist wol der nordöstliche an der Seck- 
bach (Sackbach ?) ; abwärts, nach dem Bruche hin, stand ein Eichwald. Durch 
Wald und Sumpf war d^r Ort vortrefflich geschützt; Quellen waren imUeber- 
flnas vorhanden. Die Gemarkung von Seckbach ist wol abgerundet, sie reicht 
weit gegen Bergen und Vilbel hin, und über dem Bruch lag wieder ein Wald. 
Westlich am Bomheimerberg zieht vom Sulzenschlag ein Wiesenthälchen nach 
dem Bruch herab, die Weide darauf steht gemtdnschaftHch Seckbach und Bom- 
heim zu, aber der Grund und Boden gehört ersterem. 

32 Noch jetzt darf in diesen, l&ngst ausgerodeten Wingert nicht gefahren 
werden. 



— 230 — 

auf Seite 79 ff werthyolle Mittheilungen darüber gemacht Er hält 
dafür, dass das Monumentum Trajani an dieser Stelle gestanden. ^. 
Uns kann diese Untersuchung hier nicht weiter beschäftigen ; die Trüm- 
mer, welche wir von der Bömerherrschaft noch vorfinden, sollen nur 
dazu beitragen, Nachweis über den Zustand der Eingebomen uns zu 
geben. — Noöh ist ein dritter Theil von Bomheim zu betrachten; es 
ist dies der untere , an der Strasse nach Bergen , lang hinge- 
streckt, und wol erst entstanden als der Verkehr zwischen der Fran- 
kenfurt und Bergen und weiter ostwärts bedeutender wurde. 

Wenn wir die beiden ersten, die ältesten Theile von Bomheim 
zusammenstellen, so finden wir dass die Strassen, so weit sie jetzt 
noch vorhanden oder offen gelegt sind, ftir ein höheres Alter der 
Deutschen Niederlassung zu sprechen scheinen. Der alte Pfad welcher 
von Frankfurt unter der Güntersburg vorüberführt, zieht nach dem 
ältesten Theile von Bomheim, der Vogelgesanggasse und der Kirche. 
Auch die Strasse nach Seckbach und nach Bergen ist keine Bömische, 
so wenig wie die noch jetzt in nördlicher Richtung ziehenden Wege. 
Von dem Germanischen Bomheim führt nordwestlich der Weg nach 
der Friedbergerwarte und nach Bonames, nördlich der Weg nach 
Vilbel. Dieser letztere Weg heisst der Preungesheimerweg, zieht mehr 
auf der Höhe hin und ist wol der ältere. Er führt etwa 5 Minuten 
östlich der Friedbergerwarte vorüber und wurde noch in sehr später 
Zeit auch von Frankfurt aus benutzt. Es bog von dieser Warte her, 
der Landwehr entlang, die Frankfurterstrasse nach diesem altem Wege 
herüber. Jetzt ist diese Frankfurter Strasse etwas anders gelegt, 
allein sie fällt noch immer unter einem stumpfen Winkel in die Born- 
heim-Vilbeler Richtung. Auch dieser alte Weg von Bomheim nach 
Vilbel gehört jetzt zu den verbotenen: er soll ^eigentliche nicht 
begangen werden, aber es ist die Gewann eine Grenze. Nicht nur 
das Verbot, auch die Poesie, die über solchen verbotenen Wegen 
schwebt, giebt ihnen einen eigenthümlichen Reiz. Bei dem Heiligen- 
stock lenkte die hohe Strasse zwischen Rödelheim und Vilbel ab nach 
Bergen. Dieser Ort scheint für die Römer wichtiger gewesen zu sein 
als Bornheim. Seine Lage stimmt mit der des vicus novus in vielem 
überein. Die Berger Strasse nach Vilbel führt auf der Höhe und 
scheint Römischen Ursprungs zu sein, nach Osten führt ebenfalls 
eine j^hohe Stra^se^; an den Fuss des Berges, beim Uebergang 
über den Sumpf, schmiegt sich das Deutche Eukheim, wie an der 



33 Vergl. noch Fraiikf. Jahrb. 1836. VUI. S. 251. Historisch antiquarisches 
von Dr. Römer. 



— 231 ^ 

■ 

Nidda dasjüngereHeddemheim; endlich ist Bergen der Hauptort des 
Bornheimerbei^es geworden, während dies ursprünglich doch gewiss 
Bomheim warH Auch mit Bonames bieten die Verhältnisse von 
Bergen manche Vergleichungspunkte. 

Noch ist des W^es zu gedenken , welcher von Bomheim süd- 
westlich nach der Frankenfurt zieht; dabei sind aber die Bodenver- 
hältnisse zu berücksichtigen. Die vielen Quellen de^ Bornheimerberges 
haben ihren Abfluss zum Theil nach Osten, nach dem Köderberg 
hin, sie schwemmten dort allmälig den Sand herab nach dem Metzger- 
bruch, und rissen selbst zwischen dem Scheidswald und dem Buch- 
Wisld durch das Kalkgestein eine Schlucht. Von der Wasserscheide 
des Berges, auf welcher das Römische Lager gestanden, rie- 
selten andere Quellen nach Südwesten gegen die Frankenfurt hin. 
Ihnen verdanken die ersten Ansiedler die schönen Wiesen und Wei- 
den, welche bis zum Jahre 1864 noch als Bornheimerhaide beatanden. 
Sie waren wol neben den Quellen eine hauptsächliche Veranlassung 
zur Ausiedlung auf dem Bomheimer Berge. Die Bomheimer haben 
sie auch beharrlich sich erhalten, als später sie dem aufblühenden 
Frankfurt fast bis an das Thor reichten. Sie sind den Frankfurtern stets 
sehr unbequem gewesen; die Landwehr bog sich um diese Wiesen 
her. Weiter abwärts, beim Hermes oder Hermannsbrunnen bildeten 
die Gewässer einen Sumpf, dessen alter Abfluss nach dem Maine 
jetzt kaum < noch zu ermitteln sein möchte. (Battonn H. S. 178 weist 
auf den Elkenbach hin, der über's £lapperfeld nach der Prediger- 
gasse geflossen.) Die Landwehr durchschnitt auf der südwestlichen 
Gränze der Bornheimerhaide zwei Wege; der nördlichere kommt 
von dem ältesten Theil Bomheims herab, er zog in gerader Linie 
an der Stelle vorüber, wo General von Auerswald ermordet worden 
ist An dieser Stelle aber hat ihn die Landwehr seitwärts gedrängt, 
und mühsam, ungeschickt, im Zickzack sucht er jetzt die alte Rich- 
tung nach dem Friedbergerthore und der Vilbelerstrasse einzuhalten. 
Der südlichere Weg ist die alte Bergerstrasse, an welcher der jüngste 
Theil von Bomheim sich angebaut. Er zog in gerader Linie durch 
die Landwehr, über dem Hermessumpfe her, ebenfalls nach der Vil- 
belergasse. Bei dem Gasthause zum Pfau vereinigten sich beide 
W^e, zogen so nach der alten Eckenheimerstrasse, und bogen auf 
dieser — jetzt bei der Peterskirche — südwärts nach der Franken- 



^ lieber die weiteren VerbSItniflse von Bergen vergl. Usener, Ritterburgen 
8. 3 ff. Auch Steiner, Maingebiet, S. 151. 



- 233 - 

fürt; oder vielleicht auch tlber die Schaf ergasae und Gelnhäasei^asBe 
nach dem ältesten Theile der Stadt 

Wir können nicht umhin dem Bömerlager bei Bomheim noch 
unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Wir suchen es auf; indem wir 
den Weg von Bomheim oberhalb der Gilntersburg nach Westen 
betreten; am Ende der Mauer theilt sich dieser Weg; der nördliche 
Zweig steigt etwas nordwestlich; und hält dann die frühere Richtung 
wieder eiu; der südliche läuft als wenig betretener Pfad südwestlich 
über die Aecker; dann nimmt auch dieser wieder die frühere Bich-. 
tung auf. Die Wege laufen so parallel; sie zeigen die einstige nörd- 
liche und südliche Begränzung des römischen Lag^-s. Im vorigen 
Jahrhundert waren die Gräben noch sichtbar; jetzt sind sie ausge- 
glichen; aber ein kleiner Abhang ist geblieben. Von dem südlichen 
wie von dem nördlichen Thore des Lagers liefen; wie es den An- 
' schein hat; Strassen aus; die eine nordwärts g^en die Höhe der 
Friedberger W^rtO; in welcher Gegend sie auf die Strasse nach 
Bonames und nach Vilbel traf; südwärts aber eine zweite gegen die 
Frankenfiirt. Dieser Weg; ebenso wie der nördliche; dient jetzt nur 
noch der Feldcultur; er zieht in gerader Richtung auf der Wasser- 
scheide durch den „Eichwald^^; biegt aber weiterhin jetzt ostwärts 
nach Bornheim ab. Anscheinend zog dieser Weg nach dem südlichen 
Theil der Bomheimerhaide; vielleicht auf die Bergerstrasse; Anlage 
wie Schicksal sprechen dafür; dass Bömer diesen W^ hergestellt. 
Mit dem Abzug der Bömer verkümmerte er; aber die älteren 
Strassen der Einwohner blieben benutzt 

Den Trümmern und der Begrenzung nach zu urtheilen hat hier 
nur ein sehr untergeordnetes befestigtes Lager; und dies nur verhält- 
nissmässig kurz und in später Zeit bestanden. Während bei dem 
vicus novus der ganze Boden mit Besten gleichsam erfüllt ist; müssen 
sie hier aufgesucht werden. 

Es scheint dass der Hermessumpf eine ganz gerade Bichtung 
des Weges von der Frankenfurt nach Bornheim verhinderta Wir 
können eine spätere Verbindung über die Allerheiligengasse und 
Breitengasse ; also des Ost-Endes von Frankfurt; mit dem jüngeren 
Bomheim verfolgen; sie führt über den ^Sandweg^'; meidet ebenso 
den Hermessumpf; wie die Sümpfe des Fischerfelds. Dieser Weg 
scheint die alte Bergerstrasse beeinträchtigt und theilweise entbehr- 
lich gemacht zu haben ; die letztere wurde nach dem Band der Bom- 
heimerhaide bin gedrängt; zog dann über den Sandweg; und wurde 
weiterhin ganz zur Landwehr verwendet Sie reicht jetzt nicht mehr 
bis zum BrückcheU; auf welchem sich die Strassen wieder vereinig- 



— 233 - 

ten. Die nördlichere dieser Strafen ist die Gelnhäusentrasse; es ist 
die FahrstraBse oder GHiterBtrasse nach dem nördlichen und mittleren 
Theil Ton Frankfurt^ andererseitB nach Bergen und Gelnhausen. Bei 
der Nachtweide durchzog sie den eiflemen Schlag und die Landwehr^ 
hinter Seckbach ftihrte sie durch die Wingerte nach Bergen hinauf. 

Es ist schwierig aufzusuchen, zu welcher Zeit wol eine Strasse 
nach Hanau in der Ebene gefllhrt worden sei. Wie in der Fahrgasse 
bei der Mehlwaage etwa 16 Fuss tief ein alter Steinweg zu Tage 
gekommen ]Bt,> so fanden sich bei Canalisirung des Metzgerbruches 
dicht bei dem BriickQhen der Hanauerchausseo; tief unter dem Moor- 
grund grössere und kleinere alte Hufeisen und Pferdeknochen. Es 
war dies die Stelle , wo der alte nördlidbe Mainesarm am schmälsten 
war; und den leichtesten Uebergang darbot Die Strasse welche von 
de^ Frankenfart auf den Bomheimerberg zog, zweigte am Fusse 
desselben östlich nach Hanau oder nach Kesselstadt ab. Sie über- 
brückte hier wol den Metzgerbrach und zog auf der höchsten Erhe- 
bung des Flachlandes dahin. Noch jetzt bezeichnet die Chaussee die 
Bichtung dieses Weges. Einzelne Pferde mögen von der mangel- 
haften Holzbrücke gestürzt; oder durch das Eis gebrochen sein; ihre 
Eisen; ihre Knochen fanden sich mehr als 10 Fuss tief unter der 
jetzigen Oberfläche des Bodens ; von Torf überdeckt. Nach den Aus- 
sagen sachverständiger Männer sind diese Hufeisen von sehr guter 
Arbeit; von schön geschwungener Form, vordere wie hintere Eisen. 
Einige sind mit Stellen; eine Falz ist bemerklich und Nagelköpfe; 
ein grösseres Ebeu; wie sie jetzt bei kranken oder zu schonenden 
Pferdehufen angewendet werden. So finden wir in diesen Besten; welche 
wol aus den ältesten Zeiten der Frankenfurt stanmieu; die Gewerbe 
bereits auf einer gewissen Höhe. 

In dem Vorstehejjiden ist mehrfach des störenden Einflusses ge- 
dacht worden; welchen äussere Verhältnisse im Laufe der Zeiten auf 
die Bichtung der Strassen ausgeübt haben. Es giebt kaum etwas 
zäheres ; unverwüstlicheres als die Bichtung einer Strassa Ein Bei- 
spiel liegt uns in der alten Eckenheimerstrasse vor; welche von der 
Höhe herabsteigend imterhalb des Friedhofs nach zwei Bichtungen 
sich abzweigte; nach dem ösüichen Theile von Frankfurt und nach 
dem nördlichen. Durch die Ackerbesitzer ist der letztere Weg mehr 
und mehr bedrängt worden; allein die Wanderer hielten stets an der 
geraden Bichtung fest Auf dem Plane welchen Thomas im Jahre 
1790 verfertigt hat; ist diese Bichtung noch angedeutet. Neuerdings 
brachten es die Grundbesitzer dahiu; ein Verbot des alten Weges zu 
erwirken. An einem Sonntag Morgen war ein Stock aufgerichtet mit 



— 234 — 

der Warnung; zwei Feldschützen standen Ktir Bekräftigung daneben, 
wiesen die Leute rechts ab; nach der Chaussee. Diese machten laut 
ihrem Unmuthe Luft, beriefen sich auf das Becht des Publikums, 
aber keinw hatte Lust, zur Wahrung desselben die Gerichte anzuge- 
hen. Ganz im Stillen jedoch bildete sich in kurzer Zeit ein neuer 
Weg neben dem aken verbotenen, und wird nun gerade so begangen, 
wie sonst der alte. — 

Zweierlei Dinge haben weit störender auf die Bichtung der 
Strassen der FrankenAirt eigenwirkt, als ein blosses Verbot. Einmal 
die Umschliessung der Stadt selbst mit Mauern und Gräben, dann die 
Herstellung der Landwehr in weiterer Entfernung von der Stadt. 
Die Sicherheit verlangte eine Beschränkung der Anzahl der Pforten 
und Thore; so war im Innern der Stadt eine Hemmung oder Er- 
schwerung des Verkehrs herbeigeführt worden bei der Bornheimer- 
pforte für den Ausgang gegen Osten, bei der Hasengasse und bei 
dem Liebfrauenberge für den Ausgang nach Norden. Mit der soge- 
nannten zweiten Stadterweiterung wurde der Verkehr mit Bornheim 
ebenso in der Bichtung der Breitengasse und dem Sandweg durch- 
schnitten, wie auf der Bergerstrasse; weiter die Eckenheimerstrasse 
bei der Altgasse, und der Weg von der Brücke nach Eschersheim 
bei der Schlimmäuer. Sachsenhausen wurde geschlossen bei der Op- 
penheimerpforte und am Thiergarten. Die Landwehr hat den öst- 
lich, nach Seckbach über den. Berg Aihrenden W^ bei dem 
Scheidswald abgeschnitten ^; sie zog auf der Gränze der Feldmark 
nach der Bergerstrasse, welche sie, wie angeführt, theilweise zerstörte, 
lief um den untern Theil der Bprnheimerhaide und durchschnitt da- 
selbst zwei Bomheimer Wege. An dem östlichen Zugange Bomheim's 
war ein Fallthor angebracht; die Landwehr begann wieder am nord- 
östlichen Ausgang beim Adlersweg, zog nach dem Seckbacher- oder 
Sulzen-Schlag, von wo sie jetzt noch in der nordwestlichen Bichtung 
verfolgt werden kann; sie durchschnitt hier den Weg von Bomheim 
nach Vilbel und nach Eckenheim. Weiterhin zwang sie die W^e 
nach Praunheim und nach Ginnheim über den Ginnheimer Steg, und 
durchschnitt den Wellerpfad nach Preungesheim. 

Wie die Verkehrsverhältnisse auf dem rechten Ufer des Maines 
andeuten, dass die Frankenfurt den Bömem ohne besondere Bedeu- 
tung gewesen, so auch die Strassen auf der linken Seite des Flusses. 



3' An dem Abhang des Berges daselbst ist auf alten Plänen auch ein 
Jadenkirchbof verzeichnet. 



— 235 — 

Auch hier ftübren die Kltesten Strassen hoch über der smnpfreichen 
Ebene. Ein solcher Weg ist der Bischofsweg, der vielleicht oder 
wahrscheinlich bereits zu der Römer Zeit von Mainz nach Aschaffen- 
burg fUhtte. Er zieht hoch oben an der Frankenfurt vorüber. Von 
dem Königslacher Bronnen im Wäldchen beim Forsthause lenkt er 
nach Südosten, überschreitet die Königsbach bei der schwarzen 
Steinkaute auf den zwei Brückchen, führt dann dem Lärchesberg ^ 
hinauf, südlich der Warte vorüber. Diesen Weg ritten später die 
Mainzer Bischöfe, wenn sie Aschaffenburg besuchten'^. 

Eine spätere Zeit ist angedeutet in dem Wege, welcher von 
der Königsbach, oberhalb dem Ried oder Sumpf in dem der Riedhof 
liegt, am Fusse des Sachsenhäuser Berges ostwärts zum Hainerweg 
führt. Zu dieser Zeit war die Frankenfurt benutzt, die W^e ziehen 
jetzt nach ihr hin, selbst die „alte Strasse', welche südlich bei Ober- 
rad vorüber, von Offenbach nach dem Seehof imd weiter über den 
Mühlberg fUhrt. Mit diesen beiden Strassen leiten alle von Süden 
kommenden Wege nach einem Puncto, an welchem der Uebergang 
über den Sachsenhäuser Mainesarm bewerkstelligt wurde. Die Rich- 
tung dieser Strassen bezeichnet für das untere Mainland eine neue 
Zeit und eine neue Cultur, und der Name der Furt daselbst zeigt 
uns an, wem diese Zeit gehörte! 

Die Richtung aller nach der Frankenfurt ziehenden Strassen 
lässt keinen Zweifel dagegen aufkonimen, dass auf der rechten 
Seite des Maines der Landungsplatz der Furt an der Stelle gewesen, 
wo jetzt in Frankfurt die Fischergasse und die Fahrgasse nach dem 
Maine führen. Mag die Stelle jetzt durchaus umgewandelt sein, er- 
höht, überbaut — dorthin führten in den ältesten Zeiten schon die 
Strassen. Oestlich dieser Stelle, auf dem Fischerfeld, zog Niederung 
und Sumpf weit in'a Land hinein, nordwestlich, auf der alten Main- 
insel, siedelte sich der älteste Stadttheil an; von der Furt durch die 
Fischergasse aufwärts nach dem Dome und weiterhin auf dem Markt 
war die eigentliche Niederlassung „bei der Frankenfiirt" '®. 

Es scheint dass eigentlich nicht die Fahrgasse, sondern die 
Fischergasse die älteste Strassenrichtung bei der Frankenfurt be- 



^< Der Name ist sehr yersohieden in den Urkunden und auf den alten 
Karten geschrieben, z. B. Lechlingsberg. Es stand Nadelholz darauf. 

s' Yergl. den älteren Aufsatz: Die Wege des Frankfurter Waldes, abge- 
druckt im Frankf. Conv.-Blatt. 1861. Nr. 115 ff. 

^ Noch 1465 heisst es in einem kaiserlichen Schreiben : Unser und des 
Reichs statt zu Frankfurt auf dem Mayne. Yergl. oben S. 212 Note. 



- 236 - 

seiclmet. Der Weg von der Fiscfaerpforte nach der Höhe der Mün- 
Insel, dem Markte, führte wol anf der Wasaerecheide hin, ist aber 
allmälig durch spätere Bauten, z. B. beim Fergamenterplätzchen fast 
unkenntlich geworden. Auf der Höhe selbst hat der Bau des Doms 
und der. Friedhof jede sichere Spur der Strassen Terwischt; bei dieser 
. höchsten Stelle schied der W^, welcher darch die Bomgaase nord- 
wärto über den Mainesann führte, von der Strasse, welche die Rich- 
tung der ältesten Niederlassung oder Ansiedelung bezeichnet, von dem 
Markte, dem höchsten Bücken der Mam-Insel. Wahrscheinlich war 
gerade in der BomgaBse der versumpfte Mainarm am leichtesten zu 
Überschreiten, oder es veranlasste der Born, dass hier der Weg sich 
Inldete. Dieser Born lag jenseits des Grabens, am Fusse der An- 
höhe, welche nach dem Bornheimerberg hinaufzog, wahrscheinlich 
haben hier bei dieser Quelle die Strassen nach Norden sich getheUt, 
es liegt aber üÜt diese Vermuthung jetzt nur die entferntere lUchtung 
der Strassen noch vor, in nächster Nähe hat der Hof der Johannita: 
die nordöstlich ziehenden Strassen verwischt, s, fig. 



Der obere Theil der Fahrgaaae ist nach dieser Quelle gerichtet; 
ebenso die Ijndheimei^asse und die GelDhäuseigasse, deren weiterer 
Verlauf in der Schäfergasse und in Boruheim sich vorfindet Der 
kürzeste Weg nach Eschersheim zog durch den Trier'scben liof; 
als zeitweise die königliche Hilnze diesen Platz eingenommen, 
mag die Steingasse als HauptstrasHC gedient haben. Sehr zu be- 
achten bleibt hier die Mittheilung Battonn's, dass die Schnnrgasse 
eine grössere Breite gehab^ und dass, wie vor anderen Thoren der 



- 237 — 

Stadt, WD Pfbhl auch bei der 0«lnhtlQBei^a8B6 gelegen, b, Heft IH. 
S. 3. 4. 24. 

Da in den letzten Tagen dies dritte Heft von Battonn's örtltclier 
Beschreibung der Stadt Frwikfiirt, mit den v. Fichard'echen Ziu&tzen 
veröffentlicht worden ist, so konnten diese trefflichen Mittheilnngen 
bei dieser vorliegenden Arbüt noch benutzt werdmi^ Es gehen diese 
ausgezeichneten Forscher davon ans, dasB Frankfurt seine Entstehung 
den Königen verdanke, dass der Kömerberg mit der Sala der Platz 
gewesen, um welchen her die übrigen Theile der 8tadt sich angelegt 
Zu gleichem Resultate ist die vorli^ende Arbrät nicht gelangt; die 
Aufschltlsse, welche die Strassen der Stadt uns geben, scheinen viel' 
mehr alle dahin zu deuten, daea Frankfort in soner oberen Altstadt 
schon vor den Königen bestanden, dass erst der untere Theit der 
Altstadt, d.h. die um den Saalhof und die Leonhardskircfae gelegenen 
Strassen, eine Schöpfung der königlichen Nähe gewesen. Die zwischen 
dem Markte und dem Saalhof hinziehenden Qfisschen geben ein 
deutliches BUd dieser verschiedenen Entstehung, s. fig. 



kwwt^iyerf 



b) DrKlir 

dl icildDa llsigüiii 
h) Ti«u Ocrdonoi- 

t) SOukifHClMa 



Die GBsschen der östlichen Altstadt ziehen nach dem Markt, 
insbesondere nach dem Höhnermarkt, der westliche Theil aber ist 
nach dem Saalhof oder nach einem Eingange desselben, da wo jetzt 
die Bendergasse ist, gerichtet. 

Demnach wäre nicht der Römerberg derHauptplatz der tütesten 
Niederiaseung gewesen, sondern der Huhnermarkt oder Friedhof.' 
Sehr mit Grund wol bat Battonn gerade au dieser Stelle die älteste 
Kirche Frankfurts gesucht, (s. 8. Hft 136) und Fichard. in d. Wet- 
teravia S. 12. diese Vermuthung unterstützt Für ihre Anrieht spricht 
noch der Grund, dass in alten Zeiten die Kirchen an den Haupt- 
Btraaeen erbaut wurdra, der JJirm des Verkehrs brachte noch keine 



— 238 — 

Störung. An der bezeichneten Stelle zog nicht nur die HanptstrasBe 
▼orüber; sondern es mündeten auch zwei SeitenstrasseU; die Lange- 
schim und der Tuchgaden. Diese sind nicht auf den Platz selbst 
gerichtet, sondern auf das Eckhaus Lii. L. Nr. 144, zum Schlegel 
Auf dieser Stelle hat vielleicht die Kirche oder Kapelle in den ältes- 
ten Zeiten gestanden, der steigende Verkehr bat sie verscheucht. 
Fichard macht (Battonn, 3. S. 193) aufinerksam, wie blühend hier der 
Handel, wie gross das Gedränge an dieser Stelle gewesen sein müsse. 
Das sprechendste Zeugniss darüber giebt uns noch heute das g^en- 
überliegende Haus Lit M. Nr. 190, zum neuen rothenHaus, das auf 
Säulen ruht. Es schwebt über der Strasse, hat von dieser keinen 
Eingang, aus dem Nachbarhause Nr. 191 führt der Zugang hinein. 
Welch ein Gewühl mag hier gewesen sein, welch ein Gedränge in den 
engen Strassen. Der Markt — sonst die Kramgasse, unter denEjremen — 
bezeichnet, wie bereits bemerkt, die Wasserscheide der Frankfurter 
Maininsel ; auf dieser Hauptstrasse standen die wichtigsten Gebäude der 
Stadt, östlich die Hauptkirche (St. Salvator) auf dem Kreuzungspunkte 
mit der Eschersheimer Strassenrichtung ; das Bathhaus daneben ; weiter- 
hin beim Freihofe und den Tuchgaden das Kaufhaus. Der Brunnen wel- 
cher auf der höchsten Stelle des Hühnermarktes steht, der Friedhofbom, 
ist ein vielleicht erst in verhältnissmässig späten Zeiten gegrabener; 
eine Quelle ist er nicht, wie ohne Zweifel der alte Born in der Bom- 
gasse es war. Gegen Norden Wlt die frühere Maininsel hier ziem- 
lich steil ab, so dass die alte Marienkapelle wol nicht auf der Nord- 
seite des Friedho& gelegen war. Auf dem Abhang nach dem Main- 
arm lagen grössere Gehöfte oder Gärten, sie sind heut zu Tage 
noch in dem Haynerhofe, dem Keppelerhöfchen, dem Bebstock, dem 
Lämmchen, dem Nümbergerhofe aufzufinden. Nur eine Strasse bil- 
dete sich noch auf diesem nördlichen Abhang: hinter dem Lämmchen. 
Jetzt reicht diese Strasse bis zum Hühnermarkt, es ist nicht unwahr- 
scheinlich dass sie früher weiter g^en Osten gereicht (Vergl. 
3attonn, 3. Hft. 142. sub kl. Sehgeneck.) 

So ist die Altstadt in der Richtung und dem Verlaufe des Mark- 
tes angedeutet Auffallend vereng^ sich dieser an seinem Ende beim 
steinernen Hause, wo mehrere Strassen sich vereinigen. Wie an ver- 
schiedenen andern Stellen eine solche Verengung ein ehemaliges 
Thor ai]^deutet, so wol auch hier. Auf dem Samstagtfberg fiel die 
Maininsel ab nach einer Mulde, deren westliche Seite jetzt der Bö- 
merberg bildet. Ueber diese Mulde hin zog der W^ von dem Markte 
westwärts nach der Wedelgasse, er hielt sich auf der Höhe (hinter 
dem Bömer) längs des Mainarmes. Zur Zeit Karls des Grossen mag 



— 239 — 

■ 

diteer Stadttheil noch nicht bebaut gewesen sein ; er ist wdt geräum- 
iger angelegt als die eigentliche Altstadt oder Oberstadt Die Kö- 
nigspaläste waren Wasserburgen^ sie lagen hinter Wassergräben in 
der sumpfigen Niederung des Flusses; der Saalhof am unteren Ende 
4er angedeuteten Mulde ^ gerade in dem Wasserablauf; der andere 
Palast etwas weiter mainabwärts. Wol nicht der besseren Bundsicht 
w^en traten sie vor die Uferlinie heraus^ sondern weil sie im 
Wasser lagen ^'. Vom Markte aus zog sich ein sehr bemerkenswer- 
ther Strassenfächer nach der Sala herab; von beiden Königspalästen 
aber zogen breite Strassen über den Mainarm hinüber und nach dem 
nördlich ziehenden Eschersheimer Wege, von dem Saalhof die neue 
EjämC; von der Leonhardskirche die Buchgasse mit dem Kommarkt. 
Der erster e Palast ^ der Saalhof; scheint der bedeutendere gewesen 
zu sein; nach ihm sieht eine grossere Zahl von Strassen; selbst das 
linke Mainufer beachtet nur diesen Palast^. 

Viel schwieriger als auf dem rechten Mainufer bleibt der Ab- 
fahrts- oder Landeplatz auf der linken Mainseite^ in Sachsenhausen; 
zu bestimmen. Die Sichtung der Strasse welche; von Süden kom- 
mend; den Sachsenhäuser Bruch überschreitet; bleibt weiterhin die- 
selbe auf dem^Steinweg"; sie führt nach dem Affenthor; durch die 
Paradiesgasse nach dem Mainufer, In unseren Tagen finden wir da- 
selbst keinen Ausgang nach dem Flusse ; allein der spätere Bau der 
Brücke hat manche Bedürfioiss^ umgestaltet Wir müssen uns vor- 
erst noch. Brücke imd Stadtmauer; Mühlwehre ; in's Flussbett vor- 
gerückte Steinschanzeu und das dahinter angeschwemmte Land mit 
den heutigen Bleichen wegdenken; wir werden dann mit ziemlicher 
Sicherheit die Paradiesgasse und den Stadttheil; welcher östlich der- 
selben von der kleinen und der grossen Bittergasse umschlossen ist; 
als den ältesten Theil Sachsenhausens bezeichnen können. Die abge- 
rundete Form desselben finden wir in dem Kern mehrerer alten 
Ortschaften des Taunus ähnlich vor. Hier mochte; wie drüben an 
der FischergassC; der Fluss die Wohnungen fast erreichen. Zur Seite 
des Gässchens bei des Francken Hof zeigt ebx Strich in der Mauer 
die Wasserhöhe von 1184 etwa 4 Schub über dem Strassenpflaster. 
Eine solche Wasserhöhe muss also schon zur Zeit der ersten Ansied- 
lungen in Sacbsenhausen eine nicht gewöhnliche gewesen sein. 



39 Yergl Krieg von Hochfelden, die ältesten Bauwerke im Saalhof. Archiv 
f. Frankf. Gesoh. u. Kunst. III. Heft. S. 1. 

«0 Yergl Battonn, Beschr. d« St. Frankf. I. S. 25. 



— 240 — 

Wir können noch jetzt leicht beobachten wie bei steigendem 
Hochwasser zuerst der unterhalb der Brücke gelegene l^eil von 
Sachsenbausen überschwemmt wird , dann tritt das Gewässer bei dem 
Deutschen Hause in den oberen Theil, weiter durch die Antauche in 
die Bittergasse; langsam nur steigt es in der Paradiesgasse , die 
nicht unbedeutenden Fall hat. Hier scheint der alte Landungsplatz 
der Furt gesucht werden zu müssen , da wo jetzt die Stadtmauer 
mit dem einen Hirtenthurm, oder wo der Frankensteiner Hof steht 
Auf dem Plan von 1552 ist daselbst eine Pforte. 

Fichard *^ hält die Brückenstrasse für den ältesten Theil Ton 
Sachsenhausen. Allein diese Strasse hat nicht das Kennzeichen der 
alten Strassen , welche immer in geradester Bichtung auf ihr Ziel 
geben. Sie hält die südliche Bichtung nur kurz ein, stösst sehr bald 
auf die Dreikönigstrasse und deren Verlängerung , die Elisabethen- 
gasse; in diese letztere bi^ man ein, fast unter einem rechten 
Winkel, gelangt so nach der Paradiesgasse; auf dieser erst geht es 
wieder südwärts dem Steinwege zu. 

Viel älter als die BrückenslarasBe scheint der Weg zu sein, in 
welchen sie einmündet, die Dreikönigstrasse, weiterhin Elisabethen- 
gasse genannt. Dieser 'Weg trifft etwa in der G^end des Ulrichstei- 
nes auf den Main, an welcher Stelle noch auf dem Plane von 1552 
eine Ueberfahrt angegeben ist. Sie ging nach der Fahrpforte oder 
dem Saalhof, und war bedingt durch das Vorhandensein des Königs- 
palastes; sie ist jünger als dieser. Die Strasse zieht auf dem linken 
Maiuufer von der Ueberfahrt ostwärts nach der Paradiesgasse und 
demUebergang des Sachsenhäuser Bruches; es bot sich kein näherer 
Weg dar um nach dem Süden zu gelangen. Sie mag in ihrem unte- 
ren Theile lange unbebaut geblieben sdn,*denn noch jetzt wird dieser 
untere Theil als Dreikönig „strasse^^ bezeichnet, der obere als „Eli- 
sabethen ^gasse^^ Diese Namen selbst sind wol aus verhältnissmässig 
später Zeit; die Elisabethencapelle wurde von den Deutschen Herren 
auf der Südseite dieses Weges, am Ende der Brückenstrasse «rich- 
tet. Der Platz wo sie stand, ist erst im Anfange dieses Jahrhunderts 
zur Verlängerung der Brückenstrasse verwendet worden. 

Man weiss- nicht genau, zu welcher Zeit die Brücke nach Sach- 
senhansen gebaut worden ist; es bestand damals gewiss schon der 
obere, dicht gedrängte Theil von Sachsenhausen, ebenso die Drei- 
königstrasse, oder vielmehr der W^ von der Königsfurt nach dem 
Steinweg über den Saohsenhäuser Bruch. Der Ort mag damals noch 



«< Vergl. Battonn, örtl. Beschr. d. Stadt Frkf. I. S. 996. 



— 241 — 

sehr klein gewesen sein^ er hatte wol keine Kirche. Als die Brücke; 
vielleicht um das Jahr tausend , hergestellt wurde ^ war Platz genug 
Torhanden^ es bildete sich eine sehr breite Strasse ^ auf welcher die 
Brückenarbeiter y Zimmerleute und Schmiede behaglich arbeiten 
konnten. Es ist die breiteste Strasse der Altstadt; obgleich sie bei 
dem Bau des Deutschen Hauses von ihrer Breite verloren haben mag. 

Auffallend ist es dass gerade in dem mittleren Theile von Sach- 
senhausen , zunächst der Brücke ^ grosse Besitzungen sich erhalten 
haben. Es lagen daselbst die Wohnungen der Ministerialen , während 
die kleinen Ansiedlungen der Gewerbtreibenden; östlich bei der Para- 
diesgasse ^ und westlich dem Maine entlang bis zur unteren Ueber- 
£ahrt bei dem Königspalaste sich erhoben hatten. Auch hier scheinen 
zwei verschiedene Veranlassungen der langen Streckung des 
ursprünglichen Dorfes Sachsenhausen zu Grunde gelegen zu haben^ 
einmal die Frankenfnrty dann die Nähe der Königsburg und die 
Ueberfahrt daselbst 

Von der Brücke mainabwärts bi& zur alten Ueberfahrt bei dem 
Königspalaste bildete sich allmälig eine Gasse, jetzt die Löhergasse. 
Sie stammt wol aus dem Zeitraum zwischen dem Bau des Königs- 
palastes und dem Brückenbau , und war gewiss immer vorzugsweise 
von Gewerbsleuten bewohnt, welche an oder auf dem Flusse ihre 
Nahrung fanden. Als im Jahre 1338 — 40 in Sachsenhausen eine 
Kirche gestiftet wurde, fand sie ihren Platz auf der Südseite dieser 
Strasse. Die Bewohner von Sachsenhausen wanderten am Buhetage 
nicht hinauf; zur höchsten Stelle der.G^end : — wie man sonst wol 
in älteren Ortschaften des Mainthaies die Kirche zu stellen pflegte — 
sie gingen hinab, oder sie fuhren in Kähnen zur Kirche, wenn 
Ueberschwemmungen eingetreten waren. Die Kirche, der Geistliche 
und der Schullehrer ist dem Unterquartier immer geblieben, das 
Oberquartier aber hatte die zwei weltlichen Hirten. 

Es drängt sich hier die Erinnerung an eine Sage auf, nach 
welcher Sachsenhausen von Sachsen erbaut worden sein soll. Dass 
dies unter Carl dem Grossen geschehen sei, ist mehrfach und von 
ausgezeichneten Forschem bezweifelt worden ^^. Es mag erlaubt 
sein, auch diese Frage hier zu berühren. 

Bekannt ist die grosse Verschiedenheit der Bewohner Sachsen- 
hausens von den Frankfurtern. Sie zeigt sich in Sprache, in Sitten 
und Gewohnheiten, und selbst in der Bechtsanschauung ^. Allein 



«2 So z. B. von Fiohard, in Battonn L S. 227. 
«3 Yergl. Kirchner I. S. 20. 

16 



— 242 — 

eine solche Ver&diiedenheit ist keineswegs gerade in einem Stammes- 
unterschied zu suchen, sie entwickelt sich ebensowol aus verschie- 
dener Gewerbstbätigkeit. Während der Handel den Frankfurter 
unablässig yeranlasste, mit den verschiedensten Menschen in Be- 
rührung zu treten, lebte der feldbautreibende Sachsenhäuser abge- 
schlossen und einförmig fiir sich hinH 

Weit wesentlicher scheint die Verschiedenheit des oberen und 
des unteren Quartieres in Sachsenhausen zu sein. Jetzt wird der 
Theil oberhalb der Brücke vorzugsweise vpn Qärtnem bewohnt, 
unterhalb wohnen mehr Fischer und Gerber, doch haben auch diese 
zum Theil schöne Güter, Baum wachs und Weinwachs. Früher mag 
dies anders gewesen sein; als die Garolinger längst dahin gegangen, 
war noch die Umgegend von Sachsenhansen Wald und Sumpf, der 
Wald deckte noch den Sachsenhäuser Berg, er reichte bis zum 
Main. Die Sachsenhäuser hatten ihre Nahrung auf dem Maine; 
Ober-Eeusen hiessen die Bewohner des oberen Theils, Unter-Beusen 
die andern« Beide waren also Fischer. Sie hatten als solche keinen 
besondem Zunftverband, sie bildeten eine gemeinschafUiche Zunft 
mit den Frankfurter Fischern, hatten aber eine besondere Zunft- 
stube. 

Anders ist es mit den Gärtnern, 'die sich wol aUmälig ihr Feld 
urbar machten, und den Feldbau zu ihrer Nahrung betrieben; sie 
waren nie zünftig und auch nicht rathsflähig; sie blieben Weingärt- 
ner bis sie spät, erst im Jahre 1843, nach langem Processiren und 
Bitten, zu einer besonderen Genossenschaft zusammentreten durften. 
Als 20 Jahre später alle Zunftochranken fielen, zählten sie über 
200 Meister, die Frankfurter Gärtnerzunft kaum deren 50. 

Die Ober-Beosen und die Unter-Beusen ohne gwade in Fdnd- 
schaft zu leben, haben sich doch steto gemieden, sie kamen nicht leicht 
zum Wein zusammen; alte Familien, wie die Bumbler, die Frej- 
eisen, die Schenk sind immer in ihrem Quartier verblieben; ein sel- 
tener Fall ist es, wenn dnzelne Familienglieder wegziehen. 

Sollte diese Abneigung auf Stammesverschiedenheit und auf 
sehr alte Zeiten zurückzuführen sein? Auch dies möchte stark zu 
bezweifeln sein. Wenn Carl der Grosse Sachs^a nach dem Franken- 



^ Neuere Reisebesohrefbiingen lieben das fBrohterliohe Flachen uad Sohwöroo 
der Sachsenh&user kls eine besondere Eigenthamüchkeit heryor. Dies waf nicht 
immer so. Als im Jahr 1532 ein Diener des Amtmanns im Hain vor dem 
Schlag bei der Molen (Quirinspforte) Bauern, weil sie nnberechtigt H0I2 nach 
Frankfurt führten, anhielt, entsetzten sieh die Zeugen ans Sachsenhaosen über 
sein ISsterliches Flnchen. Acta Mglb. A. 46. Tom. IX. S. 44 sqq. 



— m — 

lande irerpfiaiiKt hat; so miu»te er ihnen auch Ländereien geben, 
aof denen sie leben konnten. Solehe waren aber in Sachsenhausen 
damals nicht yorhanden, selbst der Fischfang war nicht mehr frei. 
Einzelne Familien nfögen sich im unteren Theile von Sachsenhansen 
angebaut haben , sie mögen selbst allm&lig dem Dorfe den Namen 
gegeben haben, aber dass eine Sfiohsische Colonie Sachsenhausen ge- 
gründet habe, dafür liegt gar keine Wahrscheinlichkeit vor. — Es 
scheint dass die Bezeichnung ^hausen" eine kleine Ansiedlung an- 
deute; solche Ortschafken sind yieUach wieder ausgegangen, so Wil- 
kommshausen, Hausen bei Oberursel, Veltmershausen am Feidberg. 
Andere derartige Ortschaften sind aber gediehen, wie Gdlenhausen, 
Baben- (Buben-) hausen, Holzhausen. Alle Ortsnamen unserer Gegend 
beziehen sich entweder auf ihre Lage, wie Hochstadt, Ostheim, oder 
auf Gegenstände der Landwirthschaft und der Waldcultur, wie Stier- 
stadt, Seulberg, Lindheim, Heckstadt, Eschenhahn, Kodheim, Meer- 
felden, oder aber, wie wol am meisten, auf die Person, den Bewoh- 
ner, wie Sossenhdm, Eckenheim, Buppertshain und die meisten mit 
,,hausen^ zusammengesetzte Namen. So mag es ach auch mit Sach- 
senhausen verhalten, dem entweder ein oder mehrere des Namens 
oder — was wol dasselbe ist ^ des Stammes der Sachsen ihren 
Namen g^eben haben ^. 

An den Brückenbau knüpft sich wol die Entstehung der Fahr- 
gasse; sie Ifluft weit tiefer ab der Markt, am östiichen Saume der 
Maininsel, über dem Fischerfelde hin. In unseren Tagen macht sich 
das Bedürfnies nvehrerer Brücken gehend, zugl^ch aber die Schwie- 
ri^eit die pass^ide Stelle zu finden,, welche nicht allzuviele Literes- 
sen verletzt, möglichst viele berücksichtigt So hat man wol auch 
zu der GaroKnger Zeit die Brücke nahe an die Furt gelegt, zugleich 
aber eine neue Strasse ges(ihaffen, welche nicht gehindert von den 
bestehenden kleinen VerhSttnissen ^ breiter dahinzog und erst beim 
Johanniterhof in die alte nach Norden fährende Strasse mündet. 
Das in der Tiefe der FiJirgasse aufgefundene Pflaster dürfte dann 
kaum Römischen Ursprungs gewesen sein. 

Weit melyr bebaut als der nördliche Abhang war die Maininsel 
auf dem Abfedl geg^s Süden, wo die Bend^rgasse in gleicher Rich- 
tung mit der Hauptstrasse zog, nach Erbauung der Königspaläste 



*' Gewiss UQrichtig aber ist es, wenn der l^ame SachseBhausen auf ,,an- 
sSssig'' bezogen wird, wie im „Elsass'^ denn so würde das Wort „hausen" nur 
eine llHederhotang von „sassen" sein. 

16» 



— 2U — 

I 

auch die Saalgasse ^ welche von diesen nach der Furt; oder auch 
nach der Fahrgasse führte. Bei dem Eingang in den Saalhof verengte 
sich die Saalgasse; sie erhielt in westlicher Bichtong eine Verlänge- 
rung nach dem andern Königspalast^ in der* Mainzergasse. Die 
Bendergasse aber blieb auf die obere Altstadt beschränkt, es war 
keine Veranlassung für eine Ausdehnung nach der unteren Altstadt 
vorhanden. 

Als eine nördliche Stadterweiterung — gewöhnlich als ^erste^' 
bezeichnet — über den Mainarm erfolgte, hatte sich wol schon jen- 
seits eine Strassenanlage vorbereitet, die Schnurgasse, in dem Namen 
ebenso wie in der Veranlassung ganz übereinstimmend mit der Zeil, 
welche die zweite oder eigentlich die dritte Stadterweiterung andeu- 
tet Battonn giebt sich grosse Mühe im dritten Hefte nachzuwdsen, 
wie eigentlich Schnurrgasse müsse gesprochen und geschrieben wer- 
den, allein er selbst macht zugleich darauf aufinerksam, dass diese 
Gasse vor . Zeiten so breit als die Zeil gewesen, dass also das 
Schnurren der Bäder drinnen in den Häusern nicht so störend ge- 
wesen sein möge. Das Volk fragt nicht die Gelehrten, wie es schrei- 
ben und sprechen solle, es spricht so wie die Väter gesprochen. 

Nur drei Gassen führten aus der Altstadt hinüber, nach der 
damaligen Neustadt, die Fahrgasse westlich, die Bomgasse mehr in 
-der Mitte, die neue Krame westlich. Dies mochte dem Bedürfniss 
nicht genügen, so dass die Neugasse noch geschaffen wurde. Viel- 
leicht wurde zu diesem Zwecke der Friedhof auf dein Markte dem 
Verkehr geopfert Wie wichtig die Neugasse gewesen, das zeigen 
die vielen Sackgässchen, welche in sie münden. Die Höfe auf dem 
nördlichen Abhang der Maininsel hinderten die Verbindung; in eig- 
nem Interesse öffneten sich dem Durchgang der Bebstock und der 
Nümbergerhof, aber nur bei Tage. Jetzt wurde auch die Vertiefung 
des alten Mainarmes bebaut, besonders von Gewerben welche Wasser 
brauchten, wie Färbereien und Badstuben. Nur ein gröaserer Hof 
bildete sich zwischen dem Mainann und der Schnurgasse, der Hof 
des Johanniterordens. Er hat wol, wie bemerkt, die verschiedenen 
abzweigenden Strassen, vom Born nordwärts, beschränkt; es blieb nur 
die Borngasse, bis zu welcher der Hof hin reichte. 

Für den Höhenrücken des neuumsehlossenen Stadttheils ist die 
Döngesgasse zu halten, mit dem liebfrauenberg. Auch sie hatte an 
diesem Kreuzungspunkte eine Kirche. In ähnlicher Weise wie die 
Döngesgasse zur Schnurgasse sich verhält, scheint auch die Vilbeler- 
gasse bei der Peterskirche vorüber nach dem Eschenheimerthore eine 
Verlängerung gehabt zu haben, anders liesse sich das plötzliche 



— 2*5 — 

Umbiegen der Schäfergasse (der Fortsetzung der GelnhftasergaBse) 
beim alten Kirchhof kaum erklären. 

Es mag hier des Unterschiedes in der Bezeichnung von Gassen 
und von Strassen gedacht werden^ welchen Herr Dr. Finger richtig 
gedeutet hat. Ersteve bezeichnen die auf beiden Seiten dicht ange- 
bauten; mit Häuser besetzten Wege der Altstadt^ Strassen finden 
sich nur in der Neustadt; sie sind unvollständig bebaut gewesen. Aber 
auch hier werden die alten Wege^ die Allerheiligengasse und Brei- 
tengasBC; die Vilbelergasse und HammelsgassC; die Altgasse und 
Schäfergasse ; die Eschenheimergasse; in der Bezeichnung selbst als 
wol bebaut geschildert. 

Wenn schon bei der ersten nördlichen Stadterweiterung es sich 
ze%te; wie schwer geeignete Verbindungsmittel geschaffen wurden^ 
so dies noch weit mehr bei der zweiten nach dem Jahre 1333. Auch 
diesmal waren es nur die zwei alten Wege^ welche zu Strassenver- 
bindungen der Altstadt und der Neustadt verwendet wurden; die 
Fahrgasse nach der Friedbergergasse und die Borngasse mit der 
Hasengasse nach der Schiimmenmauer; jetzt Stiftsstrasse. Ausser 
diesen hatte, bis vor wenigen Jahren, die Zeil keine Verbindung mit 
der Döngesgasse. 

. Nicht nur fllr die Frankenfurt; auch für das ganze Land zwi- 
schen Bheiu; Main und Odenwald ist die Zeit der Franken von der 
höchsten Bedeutung geworden. Zur Bömerzeit befand sich die Haupt- 
Btrasse welche vom mittleren Bheine nach Osten zog; auf der rech- 
ten Mainseite« Zur Zeit der Fränkischen Könige wurde das linke 
Mainufer das betretnere. Die Fahr über den Rhein bei Weissenau 
nächst Mainz wurde ein BeichsleheU; die Befestigung bei Büssels- 
heim und bei Kelsterbach wurden strategisch wichtige Puncto. Glän- 
zende Beichsversammlungen werden jetzt auf dem linken Mainufer; 
zwischen Bhein und M^n gehalten, zahlreiche Güterwagen ziehen 
zwischen den. aufblühenden Reichsstädten dahin. 

Die Garolinger hatten auf der Mainspitze einen Königssitz zu 
Trebur oder Treber **. Es war die Nähe von Worms, Oppenheim 
und Mainz, der vortreffliche Boden, die reichen Wiesen und der 
nahe Forst, welche für die Anlage dieser, an der kleinen Schwarz- 
bach gelegenen Villa entschieden. Ringsum eine freundliche Aussicht, 



^* Aach dieser Name klingt fremdartig, man hat ihn mit Trier in Verbin- 
dang gebracht, an eine Pflanzstätte der Trevirer gedacht. Vergl. Dilthey, 
Yölkerstämme am Mittelrhein, Hess. Archiv Y. 8. Hft. 



— 246 — 

begrenzt durch die Hügel jenBeits des BbebiSy durch den Taunus, 
den Odenwald. Unter den Fränkischen Kaisern wurden häufig die 
Grossen des Beichs nach Trebur berufen. Von den drei Kirchen, 
die sich daselbst erhoben, ist jetzt nur noch eine einzige übrig, auf 
den Grundmauern der St Laurenzienkirche erbaut. Alle übrige 
Herrlichkeit, Kirchen und Palast sind fast spurlos verschwunden. Man 
kennt nicht mehr die Stelle, wo der E^aiserpalast gestanden ^'. Tre- 
bur und Königstedten sind reiche Bauemdörfer geworden, aber die 
alten Strassen haben sich erhalten. Südöstlich über Geinshmm geht 
der Weg nach der Bheinfurt bei Oppenheim, die alte, hochgelegene 
„Hosterstrasse" fihdet sich da noch; nordöstlich zieht, über König- 
stedten, der Weg nach der Frankenfurt. Dieser Weg ist noch auf 
alten Karten als Königstedt^ Strasse bezeichnet. Er führt von die- 
sem Orte nach den Göndt- oder Gundhöfen, von da unweit dem 
Vier-Herrentische oder dem Vier-HerrensteiQ vorüber nach dem 
Königslacher Bronn beim Frankfurter Fonithaus. Mir ist in unsem 
Tagen noch von Hasslocher Waldarbeitern diese Strasse als ,yA£chaf- 
fenburgerstrasse^' bezeichnet worden, auch in der Hessischen Gene- 
ralstabskarte ist sie so au%ef)lhrt; wahracheinlich ist sie älter als 
Frankfurt 

Für diese Strasse nach Südwesten entstand, in verhältnissmässig 
wol späteren Zeiten, ein Uebergang über den ehemaligen Sachsen- 
häuser Mainesarm, die Oppenheimerstrasse; sie ftLhrte zum Oppen- 
heimerthore, durch ein schmales Gässchen in Sachsenhausen nach 
der Dreikönigstrasse und der Brücke : es ist kein alter , mit der 
Frankenfurt aufgewachsener Weg; der Festungsgraben schnitt später 
die Strasse entzwei*®, das Landpfortchen am- XJlriclisteine wurde 
erweitert, dass die Wagen durch das Schaumainthor gelangen konn- 
ten, aber der grosse Verkehr ging doch durch das AflTenthor. 

Von dem Schaumainthore aus führte durch Buschwerk und Wie- 
sen nur ein Fusspfad nach dem Sandhof und nach Niederrad. Er 
überschritt die Königsbach, hier auch Biedbach genannt, unweit des 
Sandhofs auf dem hohen Steg, an der Stelle, wo der alte Mainesarm 
durch herabgeführten Sand hoch überdeckt ist Bis zum heutigen 
Tag muss dieser Pfad und dieser Steg dem an manchen Tagen so 
unendlich gesteigerten Verkehr genügen. Aber dafilr sehen wir auch 
an jedem schönen Abend, unbelästigt von dem Staub der Carossen, 



*'' Vergl. Benkard, die Reiohspaiästo za Tribar etc. 

^t* Erst im Jahre 1864 ist die Verbiadung wiederfaergestelU worden. 



— 2*7 — 

so viele Schaaren glücklicher Men sehen auf diesem Pfade durch das 
wogende Korn nach dem Walde ziehen. 

Oberrad ^^ mag äher a^n als Niederrad, das mehr noch in der 
feuchten Niederung lag; beide aber sind, wie wol nicht zu be> 
zweifeln sdn mag, weit jünger als Frankfurt. Es waren 
gewiss ärmliche Bodeplätze, sie hatten fast keine Ländereien. £s 
mögen nur wenige Wohnungen gewesen sein, die unterhalb der alten 
Strasse nach Offenbach bei dea Quellen in der Nähe der ELirche 
aufgebaut wurden. Die Bewohner trieben ihr Vieh in den Frank- 
furter Wald, der Viehweg bildete das Ende des Dorfes. Im vier- 
zehnten Jahrhundert theilte sich Oberrad mit Sachsenhausen in den 
Waldboden, der bis zur Landwehr hin urbar gemacht wurde. Wol 
der Streitigkeit wegen über den Wiltbann begünstigte der Frank- 
furter Bath dieses Boden. Der neue Berg ist bis auf unsere Zeit 
grosspntheils mit Beben bepflanzt; diese Cultur hat die Eigenthüm- 
lichkeit, dass sie, wie in Sicilien, gegen Norden gelagert ist Die 
Sachsenhäuser theilten mit den Oberrädem den Waldboden durch 
eine fast ganz gerade Linie, welche die Gränze der Oberräder Ter- 
miney bildet^. 

Es führte nach Oberrad, als es am Bergesabhange sich erhob, 
ein Fahrweg von der Qnirinspforte ostwärts am Fusse des 
neuen Berges hin. Der alte Weg auf der Höhe wurde nach und 
nach verlassen. Aber die neue Strasse reichte nur bis Oberrad, dort 
bogen die Güterwagen nach dem Viehweg ab, und gelangten mit 
Vorspann mtthsam auf die alte Strasse, welche sie weiter ostwärts 
verfolgten. Dies ging so bis in das neunzehnte Jahrhundert hinein. 
Auf der Höhe ist jetzt diese Strasse von den anliegenden Grundbe- 
sitzerii eingeschränkt, sie ragt auf und zeigt dass sie die höchsten 
Stellen auf dem Berge benutzt. Weiterhin, da wo sie von dem Kä^ 
borg oder Kessberg nach Offenbach durch eine Hohle herabfUhrt, 
gibt sie uns noch getreu das Bild einer alten Strasse. 



*9 Oberrad hiess sonst Ober Rode , von roden , ebenso Nieder Rode. Die 
Wortbildung ist hier verschieden von Ober Roden an der Rodau oder am Ro- 
denbach; dies wurde Ober Roda geschrieben. 

M Noch sweimal hat Oberrad Stfkk^ des Frankfurter Waldes f&r den Feld- 
bau eingeräumt erhalten, den Kessberg und den Teller. Später haben die 
Frankfurter ihren grOssten Schata, den Frankfurter Waldr gegen alla Anforde- 
rungen beharrlieh gewahrt. Erst unseren Tagen blieb das früher Ündenltbare 
vorbehalten^ dass Abgeordneten der Frankfurter Ortschaften es gestattet wurde, 
mitzustimmen über die Verwendung des Frankfurter Waldes. 



— 248 — 

Wie nach Niederrad, so Allirte auch nach Oberrad ein Fuas- 
pfad vom Thiergarten in Sachsenhaosen durch die Wiesen^ über die 
versumpften Mainesarme. Die Wiesen und Felder waren zeitweise 
nicht gangbar; als die Umgegend von Sachsenhaosen bereits ange 
baut war, störte noch der alte Mainesarm die Cultur; an ihm wen- 
dete der Pflug, wie noch heut zu Tag die Furchen. Die vereinzelte 
Baumgruppe steht auf der alten Insel zwischen den Mainesarmen ^*. 

Wir wenden uns zu der südlichen Strasse welche nach dem 
Hain führte, heute noch der Haynerweg. In der kürzesten Bichtung 
führte sie von der AfPenpforte über den Sachsenhäuser Mainesarm, 
überschritt ihn auf schmalem Damme, der leicht durch einen Schlag 
gesperrt werden konnte ^', und zog gerade aus den Berg hinauf. Bei 
dieser Stelle zweigten die jüngeren Strassen ab, rechts zuerst für 
den Güterverkehr eine bequemere Fahrstrasse, an welcher die Warte 
erbaut wurde; ^ann nach Westen die nach Mainz und nach Oppen- 
heim unten am Fusse des Sacbsenhäuserberges hinführende Statsse; 
nach Südosten die Strasse nach Ditzenbach und naöh Heusenstamm ; 
ostwärts die alte Strasse nach Offenbach, endlich am Fusse des 
Mühlberges die jüngere Strasse nach Oberrtfd. 

Der alte Hajnerpfad war vorzugsweise wol von Fussgängem 
und von Heitern benutzt, für Wagen war er zu steil. Diese zogen 
gemächlicher der Anhöhe hinauf auf der Strasse, die weiterhin als 
der „breite Sandweg^' bezeichnet wurde, sie überschritt südlich der 
Sausteige die Eönigsbach auf dem Sandbrückchen (jetzt beim Men- 
delsohnsplatze) ; den Kesselbruch umgehend, gelangte man in die 
alte Weilen-Buh ^, nach SprendUngen und nach Langen. Es 
liegt noch ein grosses Dunkel über der Gheschichte der Drei-Eich; 
nicht einmal über den Ursprung des Namens besteht eine Nachricht 
oder eine Sage. Dicht vor dem Thore von Dreieichenhain, wo die 



*i Auf einer solchen früheren Insel ist auch Bischofsheim bei Bergen ange- 
baut. Dass die Ansiedelung nicht auf der rechten Seite des Mainarmes, am 
gesüuderen Bergesabhang geschehen, dafür läset sich kaum ein anderer Grund 
angeben, als dass dies bessere Land schon seinen Eigenthümer hatte. Um das 
Ende des vorigen Jahrhunderts erst betrieb es der tüchtige Amtmann Usener 
in Bergen, dass auch der Sumpf getheilt und zu Wiesen umgeschafren wurde. 

" Vergl. Kriegk, Bttrgerzwiste S. 260 und Anm. 141. — Der Name Quirins- 
pforte wurde wol von einem der Pförtner entlehnt, es findet sich auch die 
Bezeichnung „Molen Porte" von der hohen Badmtthle. cf. Acte Mglb. A. 46 
modo CG. Tom. IX. 

33 Auch der Weilen Rüg. Weil hiess die jetzt fast vertrocknete Bach bei 
Ysenburg. Ruh, auch in der hohen Hark öfter statt Rüg, Rüge, Gericht. 



— 249 — 

Wege nach Langen und nach Sprendlingen sich scheiden^ sollen sie 
gestanden haben. In dem dicken runden Thurm der Burg hat man 
hoch oben einen Römischen Qrabstein eingemauert gefunden. Jetzt 
steht er unten, an die Kirche angelehnt. Schwerlich hatten die 
Römer in diesem Sumpfe sich angebaut Nach einer Mittheilung 
von Pfarrer Nebel ^ stiess man kürzlich beim Graben eines Brun- 
nens in der Haupstrasse des Ortes auf ein zweites Pflaster, weiter 
abwärts auf ein drittes, und etwa acht Fuss tief auf einen Rost von 
Eichenstämmen. Das passte vortrefflich zu einer Burg des Mittel- 
alters, aber für einen Römischen Feldberrn hätte doch eine solche 
Station fem von der Strasse, in abgelegener Wildniss und im Sumpfe 
keine Bedeutung gehabt. 

Die deutschen Burgen haben im Ganzen wenig verändernd 
auf den Strassenverkehr eingewiriLt. Es waren entweder hochge- 
legene Felsen dafür ausersehen, wie Cronberg, Nüringen, Homburg 
(Ho^nberg oder Hohenburg), oder aber sumpfige Stellen, bei welchen 
die Sicherheit hinter Wassergräben gesucht wurde, dies bei den vielen 
Burgen in der Niederung des Mainthaies, dann bei der Güntersburg, 
der Schnepfenburg u. a. m. Diese letzteren waren von geringerer 
Bedeutung, sie sind meist zu Höfen herabgesunken, oder ganz ver- 
schwunden, wie die Burg der von Buchen oder von Praunbeim. An 
die erstere aber knüpften sich vielÜBU^h jüngere Ansiedelungen, 
welchen nicht Ackerbau, sondern allein die Burg Veranlassung war; 
sie schmiegen sich an diese an. Homburg scheint ursprüngUch gar 
keine Gemarkung gehabt zu haben, erst in neu€Nster Zeit soll die 
Kirdorfer Gemarkungsgränze aus der Stadt hinaus verlegt worden 
sein. Benachbarte Dörfer und Höfe, wie Heucheisheim, Dorn- 
holzhausen, Niederstedten, schlössen sich dem begünstigteren Orte 
an ; indem sie verödeten, wuchs dieser. Aber bis auf die heutige 
Stunde führt von der Frankenfurt oder von Bonames kein directer 
Fahrweg nach Hombui^. Die lange Meile hat nie ordentlich Platz 
greifen können. 

Es hat jede Zeit ein Denkmal auf oder in den Strassen unserer 
G^end hinterlassen. Als die Waldenser ihres Glaubens wegen ver- 
folgt, aus ihren Thälem geflohen, wurde ihnen gestattet, in Walddorf 
und in Neu-Ysenburg sich anzusiedeln. Die Ysenburger fanden später 
Beschäftigung in Niederrad, sie zogen täglich durch den Wald da- 
hin, den Weg, der noch heute der Wälschen Weg heisst; früher war 



^ Arohiv f. he8s. Geschichte 9. Bd. 8. Hft. 



— a&o — 

er als ,,Wäl8chdorfferWeg" bezeichnet. Ergeht nicht gerade aus nach 
Sprendlingen^ sondern nach dem erst spät gegründeten Neu-Ysenbnrg. 

An dem Niederräder Fusspfad^ auf der Anschwetttmung welche 
die Königsbach über den Bruch oder das Bied herabgeführt; hatte 
der Deutsche Orden den Sandhof erbaut Ihm war vom Kaiser die 
sumpfige Niederung westlich von Sadisenhausen geschenkt worden. 
Die Holzhecke daneben wurde der Stadt überlassen. Streitig- 
keiten über den Schaftrieb währten lange Zeit^ andere knüpften sich 
daran. Der Bau einer Festung sdi g^gen die Privilegien der Stadt, 
um den Graben sei keine Mauer zu gestatten, nur ein schlechter 
Rohrgraben sei aufzuwerfen. Auf dem Sandhof, nordwärts, hatte 
der Orden einen grossen Schafstall erbaut, von da zogen töglich die 
Schafe in den Wald. Durch einen Vertrag wurde ihr Weg be- 
stimmt. Zwei Reihen von Marksteinen, auf der einen Seite mit F, 
auf der andern mit dem Kreuze bezeichnet, erinnern noch heute an 
die Grenze der Holzhecke und der deutschherrlichen Berechtigung. 
Bei dem Försteracker steht der Schäferstein No. 1, bei der 
Mainzerstrasse No. 4; im Walde ist noch, ein Graben zu erkennen, 
welcher die Richtung nach dem Königslacher Bronn einhält. Er 
zeigt uns die grosse Breite der damaligen Strasse. Beim Nieder* 
räder Bruch, am Gartenzaun des Forsthauses, steht No. 11» Von da 
wandte sich der Zug südlich, nach dem Hohlweg und dem Ysen- 
bui^er Loog, wo der Stein No. 37, westlich der Main-Neckarbahn, 
etwa eine Ruthe ' nördlich vom Grenzgraben, den Schluss bildet 
Weiter östlich ziehen sie zurück nach der Königswiese. 

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde für den Wald 
eine bessere Bewirthschaftung eingeführt. Die vielen Wege welche 
ohne Ordnung durch den Wald liefen, wurden beschränkt, gerade 
Strassen gebaut. Am 28. Mai 1729 war unfern der Königslache der 
Grundstein zu einem Oberforthause gelegt worden; dort wurde die 
Mainzerstrasse vorübergeführt, nachdem sie sonst bis zu den Schäfer- 
steinen „wüstes Land aus puren Strassen bestehend'^ gewesen. Ihre 
Breite wurde auf 80 Schuh ermässigt. Im Jahre 1728 war bereits 
die „neue Darmstädterstrasse'^ über Ysenburg abgesteckt, ebenso die 
neue Mehrfelder Strasse, ^so Ihre Durchlaucht der Herr Landgraff 
von Darmstadt mit eigner hoher Hand abgesteckt und durcfakaueu 
lassen'^ Die ,,neue Schnaidt^ vom Sandhof nach dem Oberforsthause 
wurde im Jahre 1754 gehauen; um dieselbe Zeit auch eine Schnaidt 
vom Oberforsthause nach dem Weyler-Ruhe Forsthaus bei Neu- 
Ysenburg. Auch der Riedhöfer Weg nach Niederrad wurde in eine 
gerade Linie gemacht. 



— 26i — 

Mit den Deutschen Kaisern sanken auch die Sch&pftingen ihrer 
Zeit, die Beichsstädte verloren ihre Bedeutung, mit ilinen verstummte 
das geräuschvolle Leben auf den Strassen die dahin ftlhrten. Worms 
und Oppenheim sind den Frankfurtern jetzt fast unbekannte Städte, 
und auch die Treburer sind fremd geworden in der verwandten 
Stadt Die reichen Bauern von Hassloch, Trebur und Königstedten 
fahren einmal des Jahres, im Herbste, nach Frankfurt, um ihr Kraut 
auf den Markt zu bringen; sie gelten dort fbr Gerauer Bauern. 
Aber die alten Wege haben sieb doch erhalten* Als man sich bemühte 
im Anfang des vorigen Jahrhunders die vielen Wege, welche den 
Wald durchzogen, zu beseitigen, andere einzuschränken, so nament^ 
lieh die Mainzerstrasse ,,auf der Königshaide wüstes Land aus puren 
Strassen bestehend^^, glaubte man dies durch einen blossen Erlass 
bewerkstelligen zu können. Aus einem Plan, den teutschfaerrischen 
Schaftrieb betreffend, ergiebt es sich wie weit man dies beabsich- 
tigte. Es ist darauf noch verzeichnet: der alte Welschdorffer Weg 
von Niederrad nach Ysenburg „so dermalen abgeschafft^; die alte, 
breite ^nnn abgeschaffte Sandstrasse", ,,der Tränkweg ist abgeschafft", 
„die Zwergstrasse ist abgeschafft"^ die Kreuz- oder Königstedter- 
strasse ^t abgeschafft'^, der Diebsweg am Lieferstein vorüber, wo 
die Gefangenen sonsten abgeliefert worden^, j^ist nun abgeschafft", 
die Gundthofferstrasse ^ist abgeschafft" — und alle diese alten 
Strassen besteben noch bis auf den heutigen Tag, und gerade diese 
alten, gewundenen Waldwege, wie der Wälschenweg, diese Pfade 
voll wunderbarer Romantik, geben unserm Walde den grössten Beiz. 
Wie gerne entbehrten wir daneben die drohenden neumodischen 
Parkanlagen. 

Auch auf der Oppenheimerstrasse, der Geleitstrasse über Mehr- 
felden, nahm der Verkehr ab, es blieb aber das Geleit mit allem 
Unwesen. Bei der Königsbach, am Schlag, wurde es überliefert mit 
den lüderlichen Dirnen, die zur Messe ssogen; nach ihnen wurde die 
Königsbach selbst, voiq Austritt aus dem Walde an, die Jungfem- 
oder Frauenbach genannt, zuletzt erhielt sich der Name: Luderbach. 
Im Jahre 1788 wurde wegen Begulirung und Chaussirung dieser 
Strasse zwischen den betheiligten Begierungen eine Vereinbarung 
getroffen; ne sollte vom Apothekerhofe am Biedhof und Forsthaus 
vorüber in gerader Linie nach der Gehspitz ^® geführt werden; die 



» Vergl. Grimm, Rechts-Alterth. S. 874. 

K Gehspitz ^ auch Göhspits — wol von jäb, weil daselbst der Wald and 
die Gränze sich ansspitzte. So lag auch eine Schenke an der westlichen Seite 
von Eschborn auf der Gehspitz, dicht an der alten Königsleiaer Strasse. 



— 252 — 

alte GeleitstrasBe^ an der ZiegelhtLtte vorüber ^ sollte eingehen ^ das 
Ueberlieferungsmal versetzt^ auch die unter einem Zelte bei dem 
Schlag am Schaf hof^^ von Seiten der Reichsstadt Frankfurt gege- 
bene Collation fürter auf dem Biedhof gegeben werden. Die neue 
Strasse wurde bis auf die Gränze beendigt und befahren, das Geleit 
aber noch lange auf der, bald ungangbaren, alten Strasse aufge- 
führt, weil die Form des Kecesses fürstlich Ysenburgischer Seits 
beanstandet worden war. 

Mit dem Deutschen Reiche brachen diese Formen ohne Leben 
zusammen. Die Sonderstellung der Territorialherren trat jetzt noch 
entschiedener hervor; die Strassen wurden möglichst nach den Resi- 
denzen geleitet; die Chaussee nach Oppenheim ist unvollendet ge- 
blieben. 

Wie in der Fabigasse schon längst die Spuren der Strasse zur 
Frankenfurt überdedit sind, so werden nun bald- auch auf der Sach- 
senhäuserseite die Neubauten vor dem Affenthor die letzten Reste 
dieser Strasse verschvnnden machen. Tief unter der nsaen Mühl- 
bruchstrabse sind sie jetzt noch auf einer kleinen Strecke zu erkennen, 
einige Schuh erhaben über dem sumpfigen Grunde, von Mäuerchen 
gestützt oder getragen. Im Jahre 1807 waren Verhandlungen über 
Erweiterungen dieses Weges und über Reparatur. Die Mauer am 
Frankenstein'schen Grundstücke hin war schadhaft, von „Staatspoli- 
zei wegen'^ wurde Wiederherstellung angeordnet^. Zufolge des Be- 
richtes von Stadtbaumeister Hess lag der Steinweg um Vieles höher 
als die beiderseits daran stossenden Gärten. In diese herab führten 
von dem Pflaster Abzugsdohlen für das Regenwasser. Die Mauer, 
so hiess es, gehöre dem Eigenthümer, dieser habe aber servitns 
oneris ferendi, müsse wegen Verstärkung der Mauern Land von 
seinem Grundstücke hergeben. Herr von Frankenstein wollte wol 
Land zur Erweiterung hergeben, aber die Kosten der Mauer, welche 
auf fl. 295 angeschlagen waren, wollte er der Stadt überlassen. Es 
wurde damals von Breiterlegung und Anlage einer Chaussee statt 
des schmalen Stein wegs, der Kosten w^en, abstrahirt. Im Jahre 
1810 kam die Erweiterung der Landstrasse wieder in Anregung. 
Diese sei bei dem Jassov'schen Garten so eng, dass nicht zwei Wagen 
sich ausweichen könnten. Der Directorialrath Guiolette erstattete 
desshalb Bericht. Die ganze Gegend gewinne jetzt bei Abtragung 



5T Die wenigen alten Manerreste ohnfern der Ziegelhfltte stammen wol von 
diesem Schafhofe. 

&8 Vergl. Acta Uglb. A. 21. Nr. 8. 



— 253 — 

der Festungswerke eine andere Gestalt; es möchten die Kosten ans 
der Demolitionscaflse genommen werden. Wenn mit d^i Besitzern 
eine Verständigung nicht zu Stande käme^ so würden dieselben 
schiddig sein ^der Strenge nach'^ die „yerkäufliche Abtretung selbst 
um den Taxationspreis^' sich gefallen zu lassen. 

Es wurde in dem genannten Jahre die neue Chaussee westlich 
von der alten Strasse au^eschüttet, und so über den früheren Sach- 
senhäuser Mainesarm gefuhrt Der alte Steinweg wurde entbehrlich. 
Die Pyramide an der Quirinspforte verschwände^. 

Es hat jetzt wieder eine neue Zeit begonnen. Im Anfang dieses 
Jahrhunderts ist die Strasse nach dem Rheine wieder auf die rechte 
Mainseite verlegt worden. Aber die alten Steinstrassen genügen nicht 
mehr; Eisenstrassen verbreiten ihr Netz mit wunderbarer Schnellig- 
keit Als zuerst es galt Frankfurt mit dem Rheine auf diese Weise 
ki Verbindung zu setzen , wirkte die Stadt selbst dahin ^ dass die 
neue Eisenstrasse auf die rechte Mainseite gelegt werde. Andere 
Interessen haben auch für das linke Mainesufer eine zweite Eisen- 
strasse entstehen lassen; so sehen wir jetzt beide Ufer zugleich dem 
Bedürfhisse unserer Zeit dienstbar. Und wie ein Ufer nicht mehr 
genügte^ so hat auch die alte Furt nicht mehr den neueren Forde- 
rungen entsprochen; eine zweite Brücke musste erbaut werden. Sie 
war noch nicht vollendet; als am 18. September 1848 das erste Deut- 
sche Parlament in der Paulskirche sich bedroht sah. Hessische Ar- 
tillerie; welche die alte Brücke gesperrt fand; rückte auf demEisen- 
babndamm nach der neuen ; wo man beschäftigt war Bohlen auf die 
Eisenschienen zu legen ; denUebergang zu erleichtem. Als dies dem 
Zwecke nicht entsprach; commandirte Hauptmann Becker ein Marsch! 
und die Kanonen rasselten hinüber. So wurde die neue Verbindungs- 
strasse eingeweiht 

Wir leben jetzt in einer grossen Zeit Allerwärts regt sich das 
Streben das zu vollenden; was frühere Jahrhunderte Schönes und 
Gutes begonnen. Der Wust wird entfernt; den eine traurige Ver- 
gangenheit angesammelt. Es bew^ sich wieder der Krahneu; der 
so lange auf den Thürmen ein unverstandenes Mahnzeichen war; 
Baumaterialien hebt er hinauf das Herrlichste zur Vollendung zu 



^9 Im Jahre 1764 wollte der chnrmainzische Beamte von Steinheim, der die 
längst abgerissene Quirinspforte nicht fand, das Geleit bis an das Sachsen- 
häuserthor fahren. Es entstand darüber eine grosse Aufregung. Vor der 
Wahl Leopolds wurde darauf, im Jahre 1790, eine etwa 8 Fnss hohe steinerne 
Pyramide mit Inschrift: „Quirinspforte*' errichtet. 



— 25» - 

bringen^. Die Frankenfurt die in kriegerischen Zeiten dem Krieger 
diente , sie belebte sich später im friedlichen Verkehr der 
Stammesgenossen; sie bildete das Band, das den Norden mit dem 
Süden verknüpfte. Den Anwohnern war Tonnigsweise die schöne 
Aufgabe geworden dies Band fester zu schlingen, den Gedanken 
des grossen Kaisers zu höherer Vollendung zu bringen. Mit der Er- 
füllung dieser Aufgabe wuchs ihre Bedeutung und ihr Glück. Von 
dem Rheine wurde die Wahl und die Ej*önung des Beichsoberhaupts 
nach der Frankenfurt verlegt, und noch jetzt hat das GoUegium, 
welches bestimmt ist die Theüe des deutschen Reichs zusammenzu- 
halten, hier seinen Sitz. Eis mag darum nicht impassend sein in 
nnsem Tagen an die Bedeutung dw Frankenfurt und an die Auf- 
gabe der Anwohner zu erinnern. 

Im December 1864. 



^ In Frankfurt zwar ist man vielfsch der Ansicht, unvollendet sei der 
Pfarrthurm schöner! 



x^ 



Das Recht in der hohen Mark, 

lit besonderer BerleksichtlgoDf der tigrenzendeB Sealberg- Erienbteher ete.H«rL 

Von Br. IPriedricli 



Einen Wald doch kenn* ich droben 
BaaBchend mit den grünen Kronen, 
Stämme brüderlich verwoben, 
Wo das alte Recht mag wohnen. 
Manche auf sein Rauschen merken 
und ein neu Croschlecht wird st&rken 
Dieser Wald an deotsohen Werken. 

Eichendorff. 

In einem früheren Aufsätze^ ist versucht worden eine üebersicht 
zu geben; welcher Art die Verhältnisse der hohen Mark im Taunus 
gewesen^ wie sie sich entwickelt, wie sie nach eingerissenen Miss- 
bräuchen zur Th eilung hingeführt. Die Thatsachen, zum grösseren 
Theile einzelnen Akten des Homburger Archivs entnommen^ waren 
nur fragmentarisch zusammengestellt. Seitdem sind die Akten des 
Frankfurter Archivs mit dankenswerther Freundlichkeit mir eben- 
falls zur Einsicht gestattet worden'; ich fand mich dadurch veran- 
lasst noch eine besondere Aufmerksamkeit den rechtlichen Verhält- 
nissen dieser Mark zu schenken und sie, soviel als möglich, zusammen- 
zustellen mit den Einrichtungen der Seulberg- Erlenbacher etc. Mark. 
Die Begriffe von dem Recht der Märker, der Befugniss des Wald- 



« Archiv für Frankf. Gesch. n. E. IL S. 818. 

2 Eine Bemerkung von Jacob Qrimm in der Vorrede zum 4. Bande der 
Weisthümer, eine weitere auf S. 326 des trefflichen Werks über die Gau- und 
Markverfassung in Deutschland, von Thudichum, zeigen uns, wie sparsam noch 
dem Gelehrten die Brosamen zugemessen sind, aus denen er die Wissenschaft 
fortzubilden hat, und wie sehr die Bereitwilligkeit anzuerkennen ist, mit welcher 
derzeit das Frankfurter historische Arohiv auch einem grösseren Kreise zu- 
gänglich gemacht wird. 




— 256 — 

potteDy von der Stellung der Regierungen den Märkem sowohl gegen- 
über wie dem Waldpotten^ hier in dem Herzen Deutschlands zur 
freiesten Darlegung gekommen, werden auch weiterhin mit Interesse 
verfolgt werden. Sie werden nur in geschichtlicher Entwickelung 
vorzuAihren sein, da das Recht in den verschiedenen Zeiten ein sehr 
verschiedenes gewesen, man auch hier verstanden Unrecht zu Recht 

w 

zu machen. Die staatlichen Verhältnisse unseres Vaterlandes, welche 
gertide jetzt wieder zu ordnen und festzustellen sind, weisen uns be- 
sonders auf die Zeiten zurück, in welchen die Gemeinde- und Marken- 
Verhältnisse sich gestaltet, auf die Menschen und Gewalten welche 
dabei mitgewirkt, auf die Sitten und Gewohnheiten welche treue 
Liebe und ängstliche Fürsorge ausgebildet, auf die Umwandlung 
welche Trägheit und Mangel an Selbstvertrauen und an einträchtiger 
Opferberaitwilligkeit gebracht. Wir wollen beginnen mit dem Zu- 
stande, wie nach Ausweis der ältesten Urkunden die Rechtsverhält- 
nisse der hohen Mark beschaffen gewesen, dann übergehen zu dem 
Kampfe welchen sie mit List und Gewalt zu bestehen hatten, endlich 
den Zustand vor Augen legen, in welchen die Märker nach ihrem 
Unterliegen gerathen waren. Es soll überall der Wortlaut des 
Frankfurter Archivs, wo es zweckmässig scheint auch die Schreib- 
weise, möglichst beibehalten werden. 

Nirgends findet sich die geringste Andeutung, dass das Land 
am Fusse der Höhe je den Ansiedlem oder den Ortschaften ge- 
schenkt oder überwiesen worden ; alles deutet vielmehr darauf hin, 
dass das Recht derselben auf das erste Ausroden, auf die erste Be- 
sitzergreifung zurückzuführen sei. Und wie das Fruchtland, so er- 
warben die ersten Ansiedler den Wald, sie benutzten ihn als All- 
meinde \ Da er gross genug war, wurde auch den später hinzu- 
kommenden Ortschaften der Mitgenuss leicht gewährt. Es ist glaub- 
lich dass die sämmtlichen Waldungen des Taunus oder der Höhe 
zu der Römer Zeiten allen umliegenden Ortschaften als Gemeingut 
gehörten ^. Die Abtheilung in kleinere Markgenossenschaften fand 
wol erst später durch die Merovinger oder durch Karl den Grossen 
statt; die Hohemark ist nur der Rest, wol auch war sie der Kern 
der früheren Höhemark. Ihre Gränzen fallen westlich; wenigstens 



3 Yergl. Carti) Beleuchtung der Ansprache des Klosters Pf ävers auf sämmt- 
liche Wälder und Allmeinden der Gemeinde Vättis. St. Gallen 1831. 

^ J. Grimm hat in den Recbts-Alterthflmem S. 495 in der Note die Ansicht 
ausgesprochen, dass schon zu des Tacitos Zeiten unter den Deutschen festes 
und geregeltes Grundeigenthom gegolten. 



— 25,7 — 

theilweise^ mit dem Bömerwege vom yicus noyus nach d6m Feld- 
bergscastell zusammen, ÖBtlich aber mit dem weit älteren Wege 
Yom TanniiBübergang bei der Saalburg nach Seulberg oder Esch- 
bach. Auf dieser Seite scheint der Bömerweg vom vicus novus nach 
der Saalburg wenig benutzt und neben den älteren; natorwüchdigen 
Wegen einerseits nach Seulberg und Obereschbach; andererseits nach 
Stedten eehr bald in Vergessenheit gekommen zu sein. Er bewal- 
dete sich allmählig. Auch gegen Norden bildete der Ffalgraben 
auf kleineren Strecken eine Gränze. Die Schwierigkeiten welche 
einer zweiten Theilung im Anfange dieses Jahrhunderts nach dem 
Verfall der Markeinrichtungen sich noch entgegenstellten; sprechen 
dafür; dass die erste Theilung eine erzwungene gewesen; durch Ge- 
walt herbeigeführt; nicht durch freie Bestimmung. Es war mit dem 
Schwert durchgehauen worden; nicht war eine durch irgend ein Be- 
dürfniss als wünsch enswerth erkannte Scheidung erfolgt. Steinbach 
blieb markberechtigt ebenso in der Cronberger Mark; wie in der 
Hohen Mark; Niedererlenbach in der Hohen Mark zugleich in der 
Erlenbacher Mark; Köppem in dieser letztgenannten und in der 
Itodheimer Mark. Mancher Streit ist daraus erwachsen. 

Einen Nachweis über das hohe Alter der Hohen Mark liefert 
die Bestimmung welche den Hegwald „auff der Strassen^' betrifft. 
Im Weisthum von 1401 heisst es darüber : ^Hauwet aber eyn Wal- 
pode in der gebückten Hegemarg; so sol der lantman nit busseU; ob 
er darafiler auch darjnne heuwet' Bestinmiter bezeichnet das In- 
strument von 1484 diese Hege. „Item hauwet jemandt und thut 
Schaden in der gebickten Hege auff der Strassen; und wird gerüget; 
der ist dem Waltbotten mit zeben Gulden zu Peen verfallen; und soll 
ein Waltbott auch selber kein Schaden darinn thun. Wo er aber 
das thät; soll er dem Landtmann büssen.^ Wo waren diese Strassen? 
Es geben darüber spätere Verhandlungen Auskunft ^ es waren dies 
die alten Strassen von Stedten nach dem Weil- und üsathale und 
von Eschbach nach WehrheinL Wie alle alten Strassen des Taunus/ 
welche einen wichtigen Zugang oder Uebergang bildeten; zur Ver- 
theidigung mit einem Gebück auf beiden Seiten versehen waren ; so 
auch diese. War die Strasse durch einen Verhau geschlossen; oder 
wie wir jetzt sagen verbarricadirt; so wehrte das Gebück dem wei- 
tei'en Vordringen der Feinde zur Seite der Strasse. Dies war dess- 
halb unter einen besondern Schutz gestellt und ebensowol den Wald- 
pott wie die Märker bei Beschädigung mit einer Strafe bedroht^. 

& Die gleiche Strafe von zehn Golden finden wir imRiieingau wieder, auch 

dort war das Gehen oder Kriechen durch dajs Gebttok, ja das blosse Abschnei- 

17 



— 258 - 

Indem aber die Bedeutung des Gkbücks sich verlor ^ schwand auch 
das Verständniss des betreffenden Gesetzes; Der Waldpott nahm die 
Hege an den Strassen als sein Eigen in Anspruch ^ die Märker glaub- 
ten ihm nur gewisse Bechte daran zugestehen zu müssen ; Streitig- 
keiten entstanden über die Gränzen des Bezirks ; wie der Gerecht- 
same. Anstatt die ganze, zwecklos gewordene Verfügung aufzuheben; 
berief man sich immer noch auf das Herkommen dessen Absicht man 
schon um das Jahr 1400 nicht mehr verstand. 

Oberursel. Es scheint Oberursel in früheren Zeiten der wich- 
tigste Punct an der .Höhe gewesen zu sein. Vielleicht war es seine 
Lage, welche dasselbe zum Vereinigungsort der Markgenossen ge- 
macht. Dies Vorrecht ihm zu entreissen ist dem später aufstrebenden 
Homburg bis in die letzten Zeiten der Genossenschaft nicht gelungen. 
Wäre die Einsetzung des Waldpotten ein Werk der Märker gewe- 
sen , so würde der Sitz des Schirmherm bald der natürliche Ort der 
Zusammenkunft der Beschirmten geworden sein. Aber »o hwge^. so 
weit die Geschichte der Mark verfolgt werden kann, zeigt sie uns 
einen Kampf des Schirmherm und der Beschirmten , ein starres 
Festhalten der Märker an ihrem alten Herkommen , ein stets sich 
gleich bleibendes Misstrauen derselben gegen den Obristen Märker 
und Waldpotten. 

Ein Vorzugsrecht oder eine besondere Pflicht, vielleicht aus der- 
selben Veranlassung, könnte f)ir Oberursel aufgefilhrt werden, die 
Pflicht den Wald zu löschen, wenn er zu brennen anging. Daa war 
im Art. 12 des Instruments von 1484 vorgesehen und ak die Urseller 
in dem Streite über die Wiesen an der Hünenburg zu Ausmärkem 
erklärt werden sollten, protestirten sie im Jahre 1592 gegen die Aus- 
schliessung,, und die Märker stimmten ihnen bei: es seien „in der 
Marckordnung etliche Articul so die Urseller insonderheit berühren, 
also dass sie die Marck leschen uff den Fall darin entstandener 
Feuersbrunst''; dies hätte bei der Ausschliessung geändert werden 
müssen. (Mglb. E. 29. I.) 

Die Hohe Mark ist wol auch „Urseller Mar<^^ oder ^omburger 
Marck'' genannt worden. Die letztere Bezeichnung liebte der Wald- 
pott und seine Beamten, die Märker aber widerstrebten« Auf dem 
Märkerding vom 22 Mai 1Ö83 legte Jost Vestenberger, der Keller 
von H(^mburg, eine neue Ordnung „der Homburger Marck" vor, ob 



den einer Spiesagerte verpönt. Vergl. Bodmann, Rheinganer Alterthümer 
U. S. 319. 



— 3S9 — 

die Märker dieselbe annehmen wollten. Diese wiesen sie von der' 
Hand, weil sie ein gut alt Instrument hätten. Als drei Jahre später 
die gleiche Anforderung wieder gestellt Worden , bemerkten sie ^die- 
weil ein zeitlich hero der Oberste Waltpott ein Herr der Mark; 
und die Höhe Marck die Homburger Marck benannt wöll werden; 
wofern dann das dem Eygenthumb und der Märcker Recht unab- 
brüchlich verstanden würde , weren sie damit zufrieden. Im Fall aber 
künftiglich etwas anders daraus erzwungen werden solt, piotestirten 
sie gegen solche Namen und wüssten die nit anzunehmen oder zu 
approbiren^^ Dagegen behaupteten die hessischen Gesandten „es were 
die Marck vor Alters die Homberger Marck genennet worden ; bei 
dem Namen solle es auch hinforter billig verpleiben'^. Der Märker 
Ausschuss aber erwiderte mit anderm darauf „so viel die neue Be- 
nennung berühre, were der Ausschuss zufrieden das die Mark die 
Höhe Mark (wie vor Alters) und niöht die Homberger oder Urseller 
Mark mit neuem Namen genannt würde.^ 

Umfang der Hohen Mark. Gewiss umfasste ursprünglich 
die Höhe Mark das ganze Gebiet von der Nidda bis auf die Höhie| 
hin, zur Weil und vielleicht zur Usa^ Wenn allmähg auch das Frucht- 
feld mehr und mehr getheilt und abgegränzt wurde, so blieb doch 
der alte Begriff der Gesammt-Mark bestehen ^ Märker war der Be- 
wohner dieser Mark, er hatte das Becht an der gemeinsamen Be- 
nutzung des ungetrennt gebliebenen Markwalds Theil zu nehmen. . 
Dieser Wald wurde dann vorzüglich verstanden unter der Hohen 
Mark, er war durch einen Graben, die Landwehr, abgeschnitten von 
dem Felde, zugängUdi nur auf Strassen, welche durch einen „Schlagt 
gesperrt werden konnten. Ein solcher Schlag wird namentlich aufge- 
führt im Häuserfeld bei Oberursel und bei Oberstedten. Durch Ein* 
rodimg wurde im Verlauf der Jahre noch manche Strecke Waldes 
auch jenseits der Landwehr der Gemeinheit entzogen. 

Die Bezeichnung selbst ^die Höhe Marck^ weist darauf hin, 
dass, wie bereits bemerkt, diese Mark vor Zeiten die ganze Höhe, 
oder den Taunus, umfasst habe, dass erst im Laufe der Zeiten ein- 
zelne Bezirke davon, westlich und östlich, sind abgeschnitten wor- 
den. Die Hohe Mark blieb immer noch die bedeutendste, sie behielt 
auch den fdten Sammelplatz der Märker, die Aue vor Oberursel, 
und in ihr ist der alte Geist wol am längsten lebendig geblieben. 



< lieber die Herleitong des Wortes „Mark" s. Grimm, Recbtsalterthümer 
S. 494 fr. 

17» 



— 360 — 

Dies zeigt sich schon wenn wir sie mit der Seulberger^^ Erlenbacher- 
etc. Mark * zusammenstellen. Schon der Name legt uns hier bei der 
letzteren ; ebenso wie der Versammlungsort; vor AugeU; dass diese 
Genossenschaft willkürlich gebildet worden ist; wo nicht gewaltsam. 
Sie hatte keinen natürlichen Mittelpunct; die dazu berechtigten Ort- 
schaften waren alle von ziemlich gleicher Geltung; Seulberg; Ober- 
und Nieder -Erlenbach; Petterweil; Holtzhausen und Köppem. Nur 
letzteres; welches jenseits der; die Grenze der Mark bildenden Eöp- 
p^nerbach gelegen ist; auch bei der Bodheimer Mark betheiligt 
war; trat einigermassen zurück. Das meiste Gewicht scheint in alte* 
ren Zeiten in Ober -Erlenbach gelegen zu haben. Als Ort für das 
Märkergeding war ein Platz auf freiem FeldO; auf derMainzerstrassC; 
bestimmt; so ziemlich in der Mitte zwischen den Ortschaften; allen 
gleich günstig; oder gleich ungünstig gelegen Kein Baum; keinerlei 
Vorrichtung schützte hier den Märker bei Wind und Wetter. Als im 
Jahre 1539 Diether Gewend; der Keller zu Homburg; die Seulberger 
zu sich auf einen besonderen Ort nahm, haben die andern Märker 
„nit nachfolgen wollen ; und sich alsobald ein Irrthumb des Platzes 
uff welchem man Merckergeding zu halten pflegt erhoben^. Es behaup- 
teten die andern Ortschaften „uff dem Platz und breiten W^e dar- 
auf sie stunden; welches der Menzer Wege genannt; were das Mer- 
ckergeding gehalten worden von Alters her". Man verglich sich 
dass die ehesten Mercker sollten auf den Platz treten; wo das Mer- 
ckergeding von Alters her gehalten were worden. Dies geschah: 
es war ein Graben vor kurzem dahin gemacht worden. — (Mglb. E. 
30. n b. 173.) — Nach dem offen Instrument von 1486 ist die Ver- 
sammlung gewest „uff eym flecken zusehen, Sulburg; Hultzhusen 
und Obern Erlebach da man das Merckerding über die Irlenbacher 
Margk gewonlichen pfleget zu halten". In dem Abscheit von 1488 
heisst es: „uff der weyde bij Obern Erlebach*. Dann wieder im 
Jahre 1498 ist „man abermak uff dem flecken ober Obem-Erlebach 
am Merckergeding gewest". (Mglb. E. 30. No. 2.) — 

Auch die Wiesen waren allmälig der hohen Mark entfremdet 
worden; wenn auch einige, so namentlich die SchrderwiesC; bis zur 
Theilung dabei verblieben. Allein eigenthündicher Weise blieben die 
auf den Wiesen stehenden Waldbäume Eigenthum der Märker. Es 
fand hierüber am 26. Juni 1595 eine Verhandlung zu Homburg statt; 
es wurde vorgelegt; dass Kilian Kühu; ein Bürger von Oberursell 
einen Eichenstamm in seiner Wiesen an der Hünerborgk; in der 
Höhe Mark gelegen; abgehauen und heimgeführt; ist von Phil. Wolffs; 
Märkermeister umgefragt worden; ob nicht solcher Stamm den sämmt- 



— 261 — 

liehen Märkem zustehe. Die ürBeller behaupteten soldie Stamm ge- 
hörten denjenigen ^ dessen die Wiesen eigenthümlich wären; diesel- 
bigen köimten selbiger Stfimme ihres gefallens sich gebrauchen. Da 
aber aus dem Steinbuch und aus der Markordnung zu ersehen ^ dass 
alle Stämme ; so in Wiesen innerhalb der Mark gefunden werden 
den sämmtlichen Märkem eijgenthümlich zustehen^ als haben sämmt- 
liehe Märker (exceptis UrsuUanis) gedachten Eilian Kühn wegen 
freyels zur Buhe (Rüge) und straff verwiesen. Man nahm keinen 
Anstand so in eigner Sache zu entscheiden. 

Wie bei der Hohen Mark Homburg den Namen der Homburger 
Marck gerne eingeführt hätte , so liebten es die Homburger Beamten 
die benachbarte Mark nach Seulberg; welches zur Homburger Herr- 
schaft gehörte; zu benennen. Die Beamten von Frankfurt zogen 
ihrerseits die Bezeichnung „Erlenbacher Marck^' vor^; die Märker 
selbst aber; da sie alle Ortschaften nicht wol nennen konnten; sagten 
stets: Die Seulberger-; Erlenbacher- etc. Marck. . Dies etc. fehlt 
in den älteren Documenten fast nie. Die Ortschaften hielten darauf 
dass die Gleichberechtigung gewahrt bliebet Die Unzweckmässig- 
keit des Platzes auf dem das Märkerding gehalten wurde ; trug wol 
dazu bei; dass in dieser Mark frühe schon Vorsammlungen dar 
Ort^orständC; der Markhäupter; zugelassen wurden; bei welchen die 
Markordnung beratheu; diese dem Märkerding später nur zur Be- 
stätigung vorgelegt wurde. Diese Vorversammlungen der Markbäup- 
ter fanden abwechselnd bei einem der Wirthe statt; doch wol am 
meisten in Ober -Erlenbach. So finden wir sie im Jahr 1590 auf 
Donnerstag nach Oculi zu Ober-Erlenbach in Job. Beckers Wirths- 
behausung. Die Schultheissen und Märckermeister erschienen dort 
und habeur sich mit dem Homburger Anwalt allda „bequemlicher 
Gelegenheit halben; (weil sonsten dem Instrument oder Weissthumb 
nach die Marck .... auf der Auwe in der Lohe zwischen Seulberg 
und Erlenbach; genant Maintzer Bisthumb bestellet und versehen 
werden sollte) einer gewissen Weise und Ordnung erregter Margk 
zum besten untereinander vereiniget; verglichen^ .... Im darauf 
folgenden Jahr 1591 war die Vorversammlung wieder zu Ober- 



' In den Protocollen oder Berichten ist dies indess ebeDSOwol auf Ober- 
Erlenbacb, wie auf Nieder-Erlenbach bezogen. Im Jahre 1539 heisst es : Beriebt 
ttber die Sewelberger und obem Irlebecher Gemark; im Jahr 1541 aber „Mark- 
geding der Sewlnbnrger odder Nidderlrlenbecher gemarok*'. 

8 Bei Gelegenheit der Beschwerden gegen den Waldpotten wird im Jahre 
1606 auch die Bezeichnung: Nidder-Erlenbach und Holtzhauser Mark gebrauoht 



— 262 — 

Erlenbach; im Frotocoll findet sich die Entschuldigung, dass nach 
dem Instrument zwar die Zusammenkunft in der Lohe zwischen 
Seulberg und Erlenbach auf der Awe genannt Maintzer Biedthumb 
statt haben soUe^ ^aber von wegen der Ungelegenheit des Orts ^ auch 
des unbeständigen rauwen zeittig furgefallnen ungewitterf alterß 
her woll angeordnet worden, daß man den Donnerstag zuvor in der 
Marckflecken einem zusamenkommen und sich einer gewissen Ord- 
mmg (welche nachmals auf dem Merckergeding an gewöhnlicher 
Mahlstatt publiciret worden) verglichen hat*'. Im Jahre 1592 kommen 
die Markhäupter in Fetterweil auf dem Bathhause zusammen, 1593 
und 1595 erscheint der Ausschuss wieder zu Ober-Erlenpach in Joh. 
Beckers Wtirts Behausung auf der ober hinder stuben gegen der 
bacbe; 1596 zu Petterweill in der gemeinen Herberg, 1599 wieder 
zu Ober-Erlenbach in der Herberg zum weissen Ross in der oberen 
Stube; 1602 zu Köpffern in Jost Schweitzers Gasthalters Behausung; 
1608 zu Köpffern in Conrad Lorey Schultheissen, Behausung. — 
(Mglb. E. 30. in.) 9 ^ 

Urkundliche Quellen. — Die Akten welche uns über die 
Hohe- und über die Seulberg -Erlenbacher- etc. Mark aufbewahrt 
sind, gewähren uns vielleicht einen tieferen Blick in die vorgeschicht- 
lichen Zeiten derselben, als die wenigen, zum Theil räthselbaffcen 
Aeusserungen , welche Römische Schriftsteller uns darüber hinter- 
lassen. Wir finden, ai)ge8ehen von der Römischen Herrschaft in die- 
sem Lande, nicht eine einzige Andeutung, dass die Verhältnisse da- 
selbst je eine durchgreifende Aenderung erlitten , weder einen 
herrschenden Stamm noch einen besiegten, keine Sage von einer 
allgemeinen Aus- oder Einwanderung. Das Volk ist aus dem Boden 
in allen seinen Verhältnissen erwachsen und mit ihm verwachsen. 

Es scheint dass eine, von allen zur Hohen Mark Betheiligten 
als maassgebend anerkannte ProtocoUftthrung, eine urkundliche Fest- 
stellung der Verhandlungen und Beschlüsse, in den älteren Zeiten 
wenigstens, nicht angeordnet war. Die ältesten vorhandenen Auf- 
zeichnungen über die Märkerdinge, aus dem Anfange des 15. Jahr- 
hunderts, wenn sie im Wesentlichen auch dasselbe berichten, sind in 



9 Es mag nicht überflüssig sein hier auf andere, ähnliehe Verhältnisse hin- 
zudeuten. Als nach den kirchlichen Spaltungen Appenzell Inner roden von 
Ausserroden sich trennte, behielt ersteres den alten Landsgemeindeplatz im 
Dorfe selbst bei , das letztere wechselte aber nun ab mit einer Ländsgemeinde 
in Huntwyl und in Trogen. 



— 263 — 

der Fassimg oft ganz yerschieden. Die Abgeschickten der Herrschaf- 
ten haben wol jedesmal; oder doch gewöhnlich; einen solchen Bericht 
eingereicht; nicht immer war er unterzeichnet ^^. Der gemein Märker; 
der lantmau; liebte nicht die schriftliche Feststellung der Verhält- 
nisse, iiir ihn zeichnete Niemand ein Protocoll auf. Bei vielen G-e- 
legenheiten tritt sein Widerwille vor dem sich fest binden in ge- 
schriebenem Wort deutlich zu TagC; er verlangt dass man aus 
j^leb^üdigeu; unpartheiischen Zeugen^ das Becht darthue. Nur in 
seltenen Fällen; so z. B. bei Gelegenheit der Weisung von 1484; 
haben die Märker selbst „eine Verzettelung^ überreichen lassen. 
In späteren Zeiten hatten freilich auch die gem. Märker ein beson- 
deres Archiv in Oberursel; und im Jahre 1782 wurde sogar beantragt; 
dass jedesmal den Markschultheisaen der Hauptortschaften die Ab- 
schriften der abgehaltenen ProtocoUe ausgefertigt würden ^^. (Mglb. 
K 31. n. 169.) 

Der Waldpott seinerseits hatte nicht nur ein Archiv; sondern 
wusste es auch sehr gut zu verwenden; doch sind regelmässige Pro- 
tocoUe wol erst nach Einführung des Markschreibers üblich gewor- 
den. Ein Buch in Quart mit dem Titel „Hocher Marck Protocoll; ahnge- 
fange Anno 166(y' geht bis zum Jahre 1700. Wahrscheinlich sind 
deren noch mehre in dem Homburger Archiv. Gar nicht selten berief 
sich der Waldpott aiif frühere Beschlüsse; deren sich der gemein 
Märker nicht mehr erinnert; oder deren Existenz er geradezu be- 
streitet. Besonders gilt dies von dem unheilvollen Beschluss des 
Jahres 1547. In solchen Fällen wandte sich der MSrker wol an 
seine Herrschaft:; die dann „Zettel und Instrumente^ vorbrachte. 

Bei Gelegenheit der Aufstellung von Beschwerden und Gegen- 
beschwerden i. J. 1702 — 1703 bemerkte man Homburgischerseits : 
es s^i auf deni Märkergedingsabschied de anno 1547 dem Herrn 
Obrist Waldbotten erlaubt worden „auf der Strasse" zu hauen. Die 
Märker entgegneten: es sei ihnen unbekannt; dass in anno 1547 



' 10 In Mglb. E. 29. III. S. 150 findet sich der Bericht des Schultheissen B. 
Hildebrandt zn Bonames aus dem Jahre 1595 zugleich mit der Instruction des 
Raths. Mitglieder des Raths selbst erhielten zn wichtigeren Verhandlungen 
wol eine Vollmacht mit, nie aber eine schriftliche Instruction. 

11 Dies war bei der Senlb. Erlenbacher etc. Mark schon l&ogst geschehen. 
In der Markordnung von 1588 Art. 22 wurde festgesetzt, es solle jedem Mark- 
flecken, damit der Ordnung naohgelebet werde, „uff begehr zur Noth Gopey 
daraus mitgetheilet werden*'. Johannes Zang^, zu der Zeit Markschreiber, be- 
sorgte diese Abschriften mit Eifer, sie wurden besonders bezahlt Auf der 
Abschrift von 1602 ist der Lohn bemerkt : Taxa 7 Patzen von 4 Bogen. 



— 264 — 

I 

wegen der Strasse etwas yergUchen sein solle/ so dem alten Mark 
Instramente entgegen war, vielmehr sei damals der Strasse mit 
keinem einigen Wort gedacht worden; es liege dem Obiiaten Herrn 
Waldbotten ob ^darch Producirung gedachten Abschieds in forma 
authentica^ sein Vorgeben darzuthun« 

Bei besonders wichtigen Grelegenheiten wurde ein kaiserlicher 
Notar, ein Offenschreiber, requirirt und ein Instrument über den Vor- 
gang aufgenommen. Es war dies der Fall bei dem Märkergeding 
von 1484, auf Mittwochen nach St. Margareth^i gehalten. Dies In- 
strument genoss zu allen späteren Zeiten das höchste Ansehen, ja 
Verehrung; es wurde zu verschiedenen Zeiten wieder abgedruckt, 
um die späteren Nachkommen mit seinen Satzungen bekannter zu 
machen ^*, Zusätze wurden für erlaubt gehalten, allein Abänderungen 
nur wenige und mit Widerstreben vorgenommen, selbst Bestimmun- 
gen die längst aus der Uebung gekommen, wurden nicht aufgehoben. 
Das Märkerding von 1484 auf Mittwochen nach St Margareiha ge- 
balten, war ein ungewöhnlich feierliches, der Walpott sdbst war er- 
schienen mit seinen Schultheissen und Bäthen, auch der dreien Herr- 
schaften, der Stadt Frankfurt und der Ritterschaft von Reiffenberg 
Amtleut, Bäthen, Bathsmann und Sendbotten, und eine grosse Menge 
Schultheissen, Märker, Hübner und Landleute. Als das Märkerding 
geheget, hiess der Waldpott die Schultheissen sie sollten die ungehor- 
samen Märker, die ausgeblieben, rügen. Dann wurde auf Begehren 
des Waldpotten während einer Zeitdauer von etwa acht Stunden des 
Waltpotten Herrlichkeit und der Marck Bechte geweiset, und zwar 
mit Zugrundelegung einer ^Verzettelung^' in welcher die Puncto, 
über welche zu weisen, verzeichnet standen. Die Verhandlungen 
wurden durch zwei Offenschreiber niedergeschrieben, und diese beide 
namens der drei Herrschaften, der Stadt FrankAirt und der 
Bitterschaft von Beiffenberg, auch von etlichen Schultheissen 
als von der Märker wegen ersucht ihnen zu ewiger Gedächt- 
niss darüber zu machen eius oder mehr offen Teutsch Instru- 
mente. Auch der zugezogenen Instrumentszeugen waren un- 



i> Abtruck deßJenigen Instruments Welches über die Hohe Marck umbden 
Feldtberg hero im Jahr Christi 1484 den 14 Jnlij auff der Aawe vor Obern 
Yrsel durch darinn vermeldte offene Keys. Notarlos vffgerichtet etc. Von 
Nevem getrnckt im Jahr MDCXXXII. s. Mglb. £. 29. — 

Instrument das ist Geschichtbach und schrifftliche Versicherung welcher- 
gestalt die Mafck in der Höhe, umb den Feldbergk hero, . . . uffgericht ist 
worden. Abermals gedruckt zu Giessen bei J. D. Hampeln MDGLIII. 
s. Ebendas. — 



— 265 — 

gewöhnKch viele Tom'Adel^ ans den Gewerken und GeiBtIiche Ton 
St. Bartholomeus und su Unser lieben Frauen-Berg zu Frankfurt^ 
die Pfarrherm zu Pfraumheim und zu Obern Eschbach, endlich nodi 
^ander viel meHr Umbst&nder^ die alle zu glaublichen Zeugen hier- 
über geheischen und gebeten" worden. 

Im Jahre 1662 wandten sich die Mainzer Dörfer klagend an ihre 
Obrigkeit : der Waldpott habe durch Bergknappen hin und wieder 
graben lassen „welches anfänglich nicht sonderlich attendiret, hoffend 
es würde sich dies von selbst legen^; jetzt aber viel Gehölz veröset, 
viel Eisenstein herausgegraben; und verlautet dass eine Schmelz an* 
geleget werden solle. Dies sei den Rechten der Märker zuwider 
Sie baten churfürstl. Gnaden möge sich ihrer annehmeui ihnen sagen 
wie sie sich zu verhalten; damit sie bei dem Instrument das „zwischen 
dem obersten Waltbott und Märckem heilsamlich uffgericbt worden, 
und uf welchem der ganzen hohen Marck Grundfeste gleichsam be- 
ruhet« ruhig verbleiben möchten ^. (Mglb. E. 29. V. S. 34.) 

Bei Gelegenheit der Ueberreichung von Beschwerden im Jahre 
17Q2/3 heisst es in der Beantwortung der G^enerklärung: das 
Mark-Instrument so . . . anno 1484 aufgerichtet; auch hernachmals 
durch öffentlichen Truck a"" 1586 publiciret^ a° 1653 zuGiessen nach- 
getruekt worden und auf pergament geschrieben im Originali annoch 
vorhanden sei; müsste die basis sein womach man sich bei Streitig- 
keiten zu richten habe ; nach diesem müsse ein jus venandi privativum 
bestritten werden ; wider das Markinstrument könne keine Observanz 
angeführt werden, auch ein Vergleich sei nicht gültig ^eswäre danU; 
dasB solcher mit Gonsens aller derjenigen gemacht worden wäre, in 
deren Beisein das instrument aufgerichtet worden und welche dabei 
gar merklich interessirt sind.« 

Das Instrument von 1484 wurdC; durch Vertrag festgestellt; für 
alle Zeiten gültig angesehen ; oder wenigstens solange' bis ein ein- 
müthiger Beschhiss; vertragsmässig wieder Abänderungen treffen 
würde. Ein solcher fand im. Jahre 1547 statt. Zehn Jahre früher 
wurde über die vom. Ausschuss aufgestellten neuen Artikel abge- 
stimmt; es hiess bei einigen : und ^also ejn Jar langkh zu halten 
plieben^. Im Jahr 1547 wurden auf einem besonders berufenen 



13 Die wenigen Notizen welche Kirchner auf S. 476. 477. in der Geschichte 
der Stadt Frankfurt a. M. Über die Hohe und die Seulb. Erlenbacher etc. Mark 
giebt, scheinen weniger auf Quelhenstudium als aaf Mittheilnngen anderer 
Schriftsteller zu beruhen. 



- 266 — 

Märkerding die vom AugBchnsB vorgeBchlagene Abttnderang, betreffend 
die Verbrechen des Waldpotten; ang^iommen» Es hiess im Instru- 
ment : |)So der Waldpott yerbricht sölt der Märker oder lanlman ob 
der darnach auch verbreche nit büssen^^ Mancher Unordnung die 
daraus entstanden^ vorzubeugen wurde „eyntrechtig beschloBsen^^; daas 
der ^gemeyn mercker und lantman sich verbrechung des Waltpottens 
nichts zu behelffen oder zu weigern haben^ sollen. Am Schlüsse 
heisst es dann^ dass diese Bestellung bis zu dem nächsten Mercker- 
geding zu halten^ doch mit diesem Geding und ftkrworten dass das In- 
strument . . . soll in aUen andern Artikeln und Functen seines 
Inhalts bei seinen Kräften und Würden bleiben und denselbigen 
hiermit nichts benoinmen oder abgezogen sein^ in kein Wege^ sonder 
Gefärde. Im Jahre 1550 heisst es dann weiter^ es solle die Ordnung 
im Jar 1547 durch die gesandten des obersten Waltpoten und die 
gemeynen Merker ufFgericht ^aüch fürter gehalten und dero gelebt 
werden/' Auch im folgenden Jahre 1561 wurde beschlossen: diese 
hernachbemelte Artikel dero etliche hiiebevor im 47. 49. und 50 Jaren 
ufgericht in diesem läufenden Jar auch zu halten^ bis auf ein andern 
künftigen Merckergedingtag. 

Wenn es sehr wol erklärlich ist warum der Hohe-Märker so fest 
an seinem Instrument hing/ so ist dies weniger begreiflich in der 
Seulb. Erlenbachef etc. Mark; in welcher das Instrument ^ - errichtet 
Anno 1493; ein fast ebenso grosses Ansehen genoss. Es wurde da- 
selbst ein feierliches Märkergeding abgehalten^ weil zuvor bei dem 
Streit über Wahl und Bestätigung der Märkermeister die Rechte des 
Waldpotten ganz in Frage gestellt; und die Mark gemeinsam von 
den Herrschaften und dem gemeinen Märker bestellt worden war. 
Darum war es zwar natürlich dass gerade die Rechte des Waldpotten 
besonders in's Auge gefasst und zuerst geweiset worden smd, aber 
weniger ist es zu begreifen dass die Märker sich dabei beruhigten; 
iJs ihre Rechte kaum nur angedeutet worden waren. Die drei 
ersten Artikel hatten sich mit der Person des Waldpotten und seiner 
Befugniss den Wiltpan zuzuthun und zu jagen befasst; im vierten 
handelt es sich um die Ausmärker; welche, in der Mark betreten; 
dem oberen Waltpoten gen Homburg der Strafe wegen geliefert 
werden sollen; endlich heisst es noch; so der Wiltpan zugethanwird; 
wer dann durch sein eigen Gewalt in der Mark jagt; den mögt der 
Oberwaltpot nach seinem Gefallen strafen. Darnach war der Wild- 
bann zugethan worden; und es heisst: j^und wiewol andre stück 
halben not war weither zu sagen und zu weissen; so wolt doch der 
Anwalt meines gn. Hr. von Hanau daselbe umb kürz willen diPmale 



— 26T — 

ruhen lassen^ doch ohngchedlich und tmvorgreiflich hemachmals deren 
seines Herrn und Oberwaltpotten Rechte. Der Anwald fordert dann 
den Notar auf über das was er gehört Instrument zu machen. 

Es war hiermit allerdings der Streit beendigt, aber nur zum 
■Vortheil des Waldbotten war dies urkundlich festgestellt worden, 
und selbst aus dem Nachsatz hat nur dieser Yortheil. gezogeh ; der 
Anwald legte es später so aus , als ob seinem Herrn noch weitere 
Rechte zu weisen gewesen, dies der Kürze wegen nicht ge- 
schehen sei. 

Auffallend ist es, dass über die Errichtung dieses Instruments 
in den Frankfurter Akten nichts zu finden ist Nachdem über das 
Märkergeding anno 1492 berichtet, dass nämlich Ervin Dügel, Amt- 
mann zu Nieder-Erlenbach zu einem Märkermeister wieder uffge- 
nommen und Widder durch bede Pärthieen wie obgemelt' beeidiget 
worden, heisst es weiter: „Nota. In anno XCiii und XOiiii ist Gise 
der bereiter allein uff bestallung der marg gewest und ob die Zyt 
von Instrumenten oder etwas Näwerung gehandelt sy, ist kein rela^ 
tion gescheen.^ 

Im Jahre 1507 begehret auf dem Märkerding der Kellner „die 
Herrlichkeit seines gn. Herrn zu weisen^^, dies ist aber nicht ge- 
schehen, ^dieweil das Instrument damals nit bei der Hand und der 
gemein Merckerman die Herrlichkeit zu wysen unbedacht gewest ist, 
ist solches gütlich uffgeschlagen worden bis uff ein andern ti^^^ 

Später auf dem Märkerding 1526 bitten die Märker das Instru« 
ment verlesen zu lasen, was das auswyse dem wollen sie gern 
nachkommen. „Der Schnltheiss von Homberg geantwortet: der Kel- 
ler sei ein neue zukommend Man, des Instruments halben nit wissend 
gehabt, es li^ aber in seines gn. Herrn Oanzley und sei des gemein 
Merkerman des Falls unvoi^fSich. Sollichs hatt sich der gemein 
Man settigen lassen.^^ 

Als im Jahre 1552 für die Seulberg- Erlenbadier Mark eine 
neae Ordnung auf ein Jahr aufgerichtet ¥mrde, ist am Schlüsse 
bemerkt word^i, dass diese Artikel der Mark zu gutem gehört, ge- 
stellt, angenommen und bewilligt worden, doch dem Instrument in 
alle Wege unschädlich. Im Jahre 1588 wurde sogar beschlossen, 
dass die Markermeister jährlich auf d^n Markgeding das Instrument 
lesen lassen , damit gemeiner Mercker dessen Inhalt desto besser 
fassen könne. Als einige Jahre später, es war im Jahre 1595, die 
Märker bedachten, wie im Instrument gesagt sei, der Waldpott solle 
auf Sonntag Mitfasten, Lätare genant , auf die Aue kommen und 
daselbst mit Bath der Märker ' die Mark bestellen, dass aber die 



— 268 — 

Markordnimg stets vorher schon durch die Häupter berathen und 
vereinbart würde, hoben sie hervor, dass es mit fürgehender Pro- 
testation geschehe, dieweil solche von Alters mit gutem vorbedach- 
ten Willen introducirte Zusammenkunft ^dem hcTtereu' Buchstaben 
in dem Instrument etwas zuwider^^, es solle dies aber Sr. f« Gn. an 
ihrer Gerechtigkeit ohnabbrttchlich sein. Mglb. E. 80. IV. [11]. 

In späteren Zeiten wurden auch bei Umgängen der Mark ge- 
wöhnlich Notare zugezogen, manchmal mehrere. Zu dem Umgang 
von 1710 bemerkt der Notar dass er requirirt worden sei seines 
gnädigen Herrn „gerechtsame in Acht zu nehmen, auf dass seinem 
gn. Herrn nichts präjudicirliches bei diesem Umgang vorgenonunen 
werden möge". Auch die Märker haben es zu der Zeit öfter fibr 
nützlich gehalten einen Notar zuzuziehen damit derselbe feierlichst 
gegen Neuerungen protestire und ihnen eine beglaubigte Urkunde 
einhändigen möchte. Zu dem Märkerding von 1660, Mittwoch nach 
dem alten Pfingstfest wurde von dem Schuldieissen der 5 Haupt- 
flecken ein Notar requirirt. Er erschien zuvor in der Behausung des 
Stadtschreibers zu Oberursell; dort erklärten Märkermeister und 
Schultheissen es haben P^ fbrstl. Gn. als obrister Waldbott sich zeits 
etlichen Jahren anmasslich unterstanden den Märkem die beschwer- 
liche Servitut aufzubürden, dass sie ihren Hunden, wenn sie die- 
selben mit sich in die Mark nehmen wollten Knütteln anhenken 
sollten. Wiewol sie nun oftmals hiergegen bei Märkerdingen prote- 
stirt, sei bei Schliessung der Märkerdinge stets wieder erwähnt und 
Ahndung gedrohet worden. Wollten dagegen förmlichst protestirt 
haben. Als nun auch bei diesem Märkerding wieder der Anwalt ver- 
boten Htmde ohne Prügel in die Mark gehen zu lassen, mit Bedro- 
hung dass widrigenfalls dieselben todt geschossen würden, sind die 
Schultheissen der Hauptmarkflecken abgetreten und haben sich ent- 
schlossen der Protestation den Fortgang zu lassen ; worauf der No- 
tar mit den Zeugen alsbald in den Elreis getreten und g^en diese 
Zumuthung im Namen sämmtlicher Märker aufs beste protestirt und 
alle rechdicbe Mittel reservirt. Der Anwalt liess diese Protestation 
in ihrem Werth oder Unwerth beruhen. — (Mglb. E. 29. V. S. 26.) 

Die Märker. Wenn von der Hohen Mark berichtet wird, 
ist vor Allem der Märker selbst zu gedenken. Die Hohe Mark war 
den Märkem rechtlich eigen Es musste derjenige welcher die Mark- 
wälde benutzen wollte in der Mark angesessen und begütert sein. 
Auf dem Märkerding von 1438 trat Emerich von Beiffenberg auf, 
erzählt wie dass der Müller zu Eschersheim die Mühle verkauft und 



- 269 - 

Ter&nssert habe^ sich gleichwol der Mark gebrauche, hätte auch 
Eicheln darin gelesen, das doch nicht sein BoUe. Darauf erzälte 
Henne zu Eschersheim und bekannte das» er die Mühle verkauft 
und sich der geäussert habe, er hätte aber noch nicht Währschaft 
gethan, und vor dem Märkerding uffgegeben, wie gewohnlich sei, 
hoffbe darum dass er daran nit tLbel sondern recht gethan, und 
wolle sich auch der Mark gebrauchen, so lange er die Mühle noch 
nit uffg^eben habe. — (Mglb. E. 29. 2.) — 

In der Markordnung vom 22. Mai 1594 heisst es unter 44: die 
Markmeister sollen die Förster überwachen, und die Ausmärker, 
auch welche nicht eigen Rauch in der Mark halten von der Mark 
abhalten. — (Mglb. E. 29. V.) — 

Ebenso bestimmt die Seulberger, Erlenbacher etc. Markordnung 
▼on 1588, es solle kein Märker, so in der Mark nicht eigen Rauch 
halte, einiger Gerechtigkeit sich darin unterfahen tmd zu gebrauchen 
zugelassen werden. Es bestimmt dies die Markordnung von 1583 
sub 12. genauer: es solle derjenige, so eine Behaussung und Hofe- 
reith in der Markflecken ^nem oder mehr hat (ungeachtet er die- 
selbige nicht selber bewohnen thete) dem Ausmärker nit allerdings 
gleich geachtet, sondern ihm und seinem Mundbauer zu Erhaltung 
der Bauten nach Gelegenheit und Notturfl; Holz gegeben werden. 
Auch in dieser Mark heisst es, dass Rittern, Edelleuten imd Pastoren 
^in der Mark gesessen, die darin eigen Rauch halten^', erlaubt sein 
solle zu jagen, wenn der Waltbott vorher gejagt 

Bereits auf dem Märkerding 1649 war vor Ursel beschlossen 
worden, dass dem Cronbui^erhof zu Obern Hexstat, dieweil der ver- 
fallen und abgängen sei, soll kein brauch oder beholzung in der 
Ifark gestattet sondern die Hofleute, so das Geländ bestanden, für 
Ausmärker gepfend werden, bis der Hof wieder erbaut und bewohnet 
wird, alsdan soll demselbigen Hofman zugelassen sein, mit eim halben 
Wagen in Wald zu fahren gleich einem andern Märker, laut des 
Instruments. — (Mglb. E. 29. H«» S. 136.) — Im Jahre 1777 und in 
den letzten Zeiten der hohen Mark werden stets 3 Oberhöchstetter 
Märker genannt ^^welche das volle Nachbarrecht in der hohen Mark 
gemessen^, Kopp, Eberhard und Hfldmann. 

Von Praunheim wird später, im Jahre 1777 gesagt: es sei da- 
selbt ein Freihof, die sogen. Augustusburg dermalen nur von zwei 
Gartenkneeht bewohnt; darauf aber wegen der verfallenen Burg 
Selbsten die dritte Feuerstätte hafte. Es folgen in der Aufstellung 
noch mehrere Höfe und Mühlen mit dem Zusätze: weilen solche in 
hiesigen territory liegen so haben die Bewohner dieser Höfe das 



— 270 — 

Recht sich in der hohen Mark bu behohsen, wie die Unterthaneii 
teithero gehabt. (Mglb. E. 31. I. 360 ff.) 

Dass in dem Streit des Frankfurter Baths mit den Märkem wegen 
der Mühle zu Bonames die letzteren unter anderm auch ^itgegenhiel- 
ten: der Keseeler zu Bonemesa wäre ein knecht und kein Mtirker, 
wird besser an anderer Stelle zu berühren sein; die Irrungen über 
die Berechtigung des Burgsitzes zu Niedem- Erlenbach sind aber 
hier schon zu erwähnen. In dem ProtocoU des Maricausschusses d. 
d. Seulberg 27. M^rtii 1606 heisst es: Im Namen des obersten 
Herrn und Waldpotten hiesse Sr. fliratl. Gn. Kellner zu Homburg, 
Eckhardt EUnberger, die Märkermeister und diejenig zu der Mark 
gehörig; sitzen; dabei Johann Adolff Keller w^en eines Erb. Baths 
zu Frankfurt und dessen Burgsesses zu Nieder-Erlenbach sich auch 
des Beisitzes anmassen wollen ^ es hat aber der Marker solliches nicht 
zugelassen ; sondern für eine Neuerung angezogen. Der Geschickte 
des Batbs bezog sich auf das Instrument, darinnen klärlich zu be- 
finden ^ dass E. E. Haths zu Frankfurt Amtman zu Nieder-Erlenbach 
nit allein Märkermeister gewesen, sondern auch jederzeit denBeisitz 
gehabt. Darauf erwiderten die Märker, dass das Mark-Instrument 
ihnen genüge, man möge es ablesen, der Oberst Wi^ldbott wolle sie 
darin schützen, zumal da die Burg Nieder-Erlenbach «eit 50 und 
mehr Jahren kein exercitium gehabt, und nichts hergebracht, dess^ 
wegen man auch deroselben keiner Gerechtigkeit als einem gemei- 
nen Märker in der Mark geständig, vielweniger einem £. £ath der 
Stadt Frankfurt Der Abgesandte des Baths protestirte. Der Märker 
liess es darbei, der gewesene Amtmann und Märckermeister sei nur 
als Zeuge beim Instrument genannt, er wolle dem „so ejgen Bauch 
in der Burg Nieder-Erlenbach halte^^ nochmals für einen Märker und 
weiter nicht erkennen. — (Mglb. E. 30. 4.) 

In noch spätere Zeit fällt das Memorial des Schöffen Hieronymus 
von Glauburg, welcher am 12. Januar 1781 um ein VorschreibeD 
an den Landgrafen von Hessen-Homburg als Obersten Waldbotten 
ersuchte; er habe das zu Nieder-Erlenbach gelegene v. Hundheimi- 
sche Freigut käuflich an sich gebracht; bei dem Märker Convent sei 
einer aufgetreten, habe angegeben, dass der gewesene von Hund- 
heimische Hof nicht mehr stände, ihm kein Markrecht mehr zukäme, 
und demgemäfls sei ein Beschluss gefasst, Holzzettel ihm vom Mark- 
m^ter verweigert worden. Er bemerkte dazu, er habe das uralte 
Haus, Scheuer und Stallung abgerissen und in dem ihm gehörigen, 
vordersten Burghof gesonderte Scheuer und Stallungen erbaut. Es 
könne dem Mark-Convent nichts darw liegen ob diese Wirtbschafts- 



- 2T1 - 

gebäude an einem Ende des Orts oder an dem andern liegen. Nie- 
derstedten^ Hattstein^ Hinterweil und der Mtinchhof bei Niederursel 
hätten auch ihre Markgerechtsame behalten. Auf die Eingabe wurde 
im Senat beschlossen: dass> man in optima forma hierunter willfahren 
solle. Auf die Mittheilung des „Mit Bathsfreunds und älteren Schöffen^ 
wurde dann dem fiirstl. Anwalte aufgegeben^ bei dem Mark-Convent 
dahin zu sehen/ dass die Beschwerde untersucht und nichts wider- 
rechtlich zu des Herrn Schöffen Bekränkung verfiiget werde. Es 
mag schwierig gewesen sein zu der Zeit noch zu bestimmen; was 
rechtlich; was widerrechtlich bei solcher Frage sei, nachdem der 
Waldpott selbst eingewanderte Fremdlinge in Domholzhaüsen und 
Friedrichsdorf auf Markboden angesiedelt; und dem Widerspruche 
der Märker mit Erfolg entgegengetreten war! 

Eigenthümlich war das Verhältniss von Vilbel. Ursprünglich 
gehörte wol nur der älteste; nördliche Theil zur Hohen Mark. Diese 
Scheidung verwischte sich aber aJhnälig. Auf dem Märkertag von 
1401 wird desshalb angefragt ob Vilbel gapz zur Hohen Mark gehöre? 
Es wurde darauf beschlossen : Der landmann wille sich beraden obe 
die von Vilwil tjnn teyls oder zu male mercker sin suUen oder nit; 
doch so sin sie bisher verbodet worden **. 

Es giebt nur Märker und Ausmärker; die ersteren sind die 
Eigenthümer des Bodens ; der Mark imd ihrer Nutzungen; schädi* 
gen sie die Markwäldc; so schädigen sie ebensowohl die Genossen; 
wie auch sich selbst Nicht von dem Waldpott werden sie gerichtet; 
sie werden nur gerüget; und von den Genossen bestraft. Anders 
verhält es sich bei den AusmärkerU; zum Theil in der Mark sess- 
hafte Ge werbtreibende ; Köhler und Eulner oder Häfher; welche 
kein Eigenthums- oder sonstiges Becht zu beanspruchen haben ; wenn 
diese in der Mark freveln; so werden sie nach Homburg ^getrieb^Q. 

Eine Andeutung über Hörigkeit oder über Vollbürger findet sich 
in den Akten der Hohen Mark nicht; der Leibeignen wird nur in 
den letzten Zeiten vor der Theilung gedacht Nur die Märker wer- 
den erwähnt und Ausmärker. 

Unter den Märkern ist wieder zu scheiden; der gemein Märker 
oder lantmAU; dann die Edelleute und Priester; endlich der Obriste 
Märker und Waldbott. In den ersten' lag wol ursprünglich das 
meiste Gewicht und die entscheidende Gewalt; der Waldbott erhielt 
von ihnen seine Bechte und seine Herrlichkeit geweiset. Zuweilen 



i^ Mglb. £. 29. nb S. 4 



— 272 — 

werden die Eigenthümer einer ganzen Hube^ die Hubner ^ noch 
besonders betont ^ es heisst dann lantman und Hübner. Der Klein- 
bauern^ der Einspeniger^ der Eynläuftigen wird nur in den Mark- 
ordnungen gedacht bei Gelegenheit der Holznutzungen, oder bei G-e- 
legenbeit des Streits mit den Ackerleuten wegen des ^Furdripp" 
(Vortriebs) auf der Weide und in den Stuppeln. — (Mglb. E. 29. 
IP» 25. — 

Das Weisen der Rechte des Waltbotten war nicht eine 
leere Form; wir finden noch im 15. Jahrhundert überraschende Auf: 
Schlüsse in dieser Beziehung. Auf Mittwoch nach St Margaretha 
anno 1445 war der Edle Jungher Gotfrid von Eppenstein bei Ursel 
auf der Auwe, liess ihm da — also auf einem gebotenen Märker- 
ding — weisen seine Bechte und Herrlichkeit über die Mark. Er liess 
Artikel fragen die gemeinen Märker, und diese begehren dass der 
Jungher ihnen diese Fragen und Artikel wolle geben, sich uff solche 
Weisunge zu bedenken und zu besprechen, bis auf ein anderes volle 
Merkerding, darzu sie sein Gnaden bescheiden würde. Bei diesen 
Fragen stand oben an: 1) Wie fem und wie weit des Waltpoten 
Wiltpan ginge. Es folgte dann 2) die Frage: Wenn sein Gn. den 
Wiltpan verbode, und wer das brechete was der darum verloren 
hätte? Es wird weiter unten dieser Weisungen noch besonders 
Erwähnung geschehen. 

lieber die Namen oder Familien der Taunusbewohner bieten 
für die späteren Zeiten die Theilungsacten reichen Stoff, ftlr frühere 
Jahrhunderte finden sich besonders die Unterschriften von Schult- 
heissen und Gerichtsschöffen auf den Markordnungen, dann die 
Namen der Zeugen bei Feststellung rechtlicher Verhältnisse, sowie 
der Märker, welche bei den Umgängen der Mark sich betheiligten. 
Auf den Märkerdingen tritt nur selten der Einzelne redend oder 
handelnd auf, mehr die Ortschaft oder der gesammte Umstand. Die 
Namen der Märker sind entweder von den Gewerben oder dem Amt 
hergenommen, mit welchen der zu Benennende sich wahrscheinlich 
befasste, so in Stierstadt: Müller, Aumüller, Schmidt, Messerschmidt, 
Schreiber, Schneider, Köhler, Zentgraf; inBommersheim: Koch, Eul- 
ler, Bender; in Ealbach undHarheim Fischer, Keller, Krämer, Schär 
fer, Spentler, Dreher; in Steinbach: Hirth; in Beiffenberg: Wald- 
schmitt, Wagner, Meier; in Heddemheim: Ziegler, Kessler, Koehler, 
Hammerschmid; oder es sind die Bezeichnungen von Eigenschaften 
oder Eigenthümlichkeiten entnonmien, die meisten einsylbig und vor- 
zugsweise nur in einer Ortschaft eingebürgert; odbr es weisen auch 
die Namen auf einen früher^i Wohnort hin, so in ]B[albach: Diehl, 



— 273 - 

Enhii; Kopf; EUp, Stöhr, Stamm; injEIarfaeim: Bockenhdmer^ Bren* 
burger; in Eirdorf: OdenwäUer, Währheim, Ostumer^ Bircketifeld; 
Wisskirch; in Oberheckatadt: Kopp, Beul; Schaub; Haub; Kamels- 
berger; in Bonames: Flamm, Bipps, BeuBs, Bnrck, Momberger, Neu- 
hof; in Nieder-Erlenbach: Bien, Boch, Heil, Fritz, Hom, Kahn, 
Jann, Helm, E^Iob, Fix, Lanz, Heim, Pfeil, Beitz, Both; in Dortel- 
^eil: Bach, Sehuch, Mutz, Kitz, Mohr, Einott, Scharch, Becht, Gelf; 
In Niederursel: Greiff, Schmarr, Dietz, Kraft, Gröls, Stark; in Ober- 
Eschbach: MausB, Best, Kling, Gull, Genth, Manns, Knorr, Porth; 
in Nieder-Eschbach : Jost, Loos, Lotz, Wahl, Schwenk, Winkler, 
Durnauer. In Massenheim : Hess, Clees, Ghrimm, Pietz, Maul; in 
Beiffenberg: Brück, Sturm; Usinger. 

Ziemlich verschiedene Namen sind in Vilbel, das an der grossen 
Heerstraase gelegen weniger Abgeschiedenheit und Eigenthümlich- 
keit bdialten: Fauerbach, Marburger, Wenderoth, Schickendanz, 
Vömel, Uphoff, Seybold, 

Die mancherlei Lateinischen oder fremdartigen Namen stammen 
wol JTast ohne Ausnahme tou Pfarrern oder Schullehrern : Galenza in 
Bommersheim, Comelj in Kalbach, Battonn und Quirin in Harheim, 
Hieronjmi in Stierstadt, Molitor in Kirdorf, Gaffka und Schul- 
mdbter Alberti inAmoldshain, Henrid und Sutor in Ober-Eschbach, 
Laupus und Debus in Nieder-Eschbach. Am meisten Bömische Na- 
men finden sich in Heddemheim, so Filius, Fabritius, Justus, Majus, 
Jacobi, KmsiuB, Pauli; doch spid dies schwerlich Nachklänge aus 
dem benachbarten vicus npvus. 

Der Name Brendel, welcher einem adlichen Gesühlechte von 
Seulberg und Homburg angehörte, findet sich später und bis auf den 
heutigen Tag in Beiffenberg, Schmitten und Arnoldsharn; auch in 
Köppem soll er noch vorkommen. 

Ganz verschieden sind natürlich die Namen in Domholzhausen 
nnd Friedrichsdorf: Gallet, Cherigaut, Arnoud, Bouch^s, Pastre les 
heritiers, Berthalot, Garnier, Valien, Bousseau, Micol, Balli, Bezar, 
Lagneau, darunter nur wenige Deutsche. Am mannigfaltigsten aber 
sind die Namen in Homburg, wo Begierung und Hof viele fremde 
Familien herbeigezogen, später dann auch die Französische Ein- 
wanderung einen neuen Stadttheil erbaut hat. 

Wenn auch der gemeine Märkermann „fbr sich selbst^' auf den 
M&rkertagen erschien — Mglb. E. 29. IP S. 173 — so handelte und 
stimmte er doch stets nur als Einwohner einer der zur Mark berech- 
tigten Ortschaften; der gemein lantman trat in Haufen zusammen, 

18 



— 27» — 

und in dieser Weise wfoigte durch einen der Aeltesten oder dnrch 
den SchnltheiBsen der Ausspruch oder die Abstimmung der Ortschaft. 
Nach der ältesten vorhandenen Urkunde der hohen Mark vom 
13. April 1401 rief bei dem gebotenen Märkerding der Schreier „die 
DorlBTe'' auf. Es waren ,,die Ortschaften hergeboden^'. (Mglb. £. 29. 
n^ 8.8.) Es wurde einmüthiglich geweiset: dass die Mark der xxviü 
Dorffer „mind oder meh^^ den Märkem rechtlich eigen sei. Es wur- 
den damak nur aufgerufen: &anbach, Homsjshem (wahrscheinlich 
Amsheim) Wilen^ Obersteden ^ Domholczhusen; Eardidprff^ Obern 
Espach; Nidem Espach^ Nydem Erlebaoh^ Massenhejrm^ Vilwil^ Hor- 
heim^ Bonemese, Hedemheim^Caldebach^NjdemUrsel^Bomerszheim, 
Njdem StedeU; Mitteln Steden^ Nydem Bombenzheym; Mitteln Ursel, 
Husenn. Einige 2. B. Stierstadt fehlen, vielleicht weil der Schultheiss 
in seiner Eigenschaft als Märkermeister eugegen war. — 
Auf dem Märkertag, St Katharinen 1401 werden aufgerufen: 
Obern-Steden, Nydem-Steden, Dorreholczhusen, Kirchdorff, Oontsen- 
heym, Obern Espach, Nydem Espach, Massenheim, Vilwil, Horeheim, 
Bonemese, Caldebach, Escherheym, Hedemheim, Prumheym, Nydem 
Ursel, Wiesenkirchen, Stierstat, Branbach, des jungen Francken hoff 
zu Heckstat, Obemursel, Gattenhofen, Biffemberg, Haizstein, Am- 
steyn (Amshain), Forderwilen, Hinderwilen, Mitteln Ursel, Nidem 
Bomersheim. Ueber das gebotne Märkerding auf St Catharina 1488 
finden sich in dem Frankfurter Archiv zwei Urkunden (Mglb. E. 29. 
n. S. 93 und n^) von denen die letztere, wahrscheinlich eine spä- 
tere Abschrift, einige Dörfer weggelassen. Die erstere ruft deren 31 
auf: Obern Steden, Nydem Steden, Domholczhusen , Eirchdorff, 
Ountzenheim, Obem-Eschbach, Nydem-Eschbach, Nydem Erlebach, 
Massenheim, Vilwil, Harheym, Bonemese, Caldebach, Escherheim^^ 



IS Eschersheim selbst gehörte nioht zur hohen Mark, jss liegt sfldHoh der 
Nidda, das Ausmfen kann sich nur auf die Mtthl^ und des Abts Hof beziehen. 
Von der Mflhle wird ans dem Jahre 1667 angegeben, dass dieHananischen ge- 
beten nmb 25 stamm Holz a^ Erhaltung der Mftlien« Darauf heisst es: Dieweü 
im Instrument stehet da;» die Müll mit eym halben Waj;en ^Jm die Mark ge- 
hörig sei", sind ihnen uff diesmal 10 stemm erlaubt, die mögen sie mit eim 
ganzen Wagen heim führen, aber snst zum Bronnholz sich „der Mark gebraa- 
chen mit eym halben Wagen'^ (Mglb. E. 29. UI. S. 40.) — Von dem Abtshofe 
wird im Jahre 1603 bemerkt, der Märker habe den Bescheid gogebMi dass der 
Herr Graf zu Hanau für sich kein M&rker, dem Hofe zu Eschersheim aber sei 
man seiner Gerechtigkeit gest&ndig, und zufrieden dass „der Inhaber und Be- 
sitzer solches Hofes, dem Instrument gemäß, sein Brennholz durch seine eigne 
Fuhr ausführe", wo aber der Hofe kein eigen Fuhr hette, alsdann durch einen 



— 275 — 

die mole zu Esch^heim; des Apts hoff za Eschersheim; Hedemheim; 
Pramheim^ Nydem Ursel, Wissenkirchen, Stirstat, Branbach, des 
jimgen Francken hoff zu Hexstat, Obemnrsel, Gatt^ihofen, Biffem- 
berg, Hatzstein, Amstein, Forderwilen, Hlnderwilen, Mitteln Ursel, 
Nydem Bomersheim. Anch hierunter fehlen noch Homburg, Dürckel- 
weil, Steinbach, der Mönchhof bei Nieder-Ursel und die Waldschmidt, 
jetzt Schmitten bei Amoldshain, welche alle im Jahre 1484 aufge- 
rufen werden. Offenbar geschah das Aufrufen nicht nach einem ge- 
schriebenen Verzeichniss, sondern aus dem Gedächtniss des Schreiers 
indem er sich im Kreise umsah. Der Schultheiss von Homburg be> 
fand sich wol gewöhnlich im Gefolge des Waldpotten oder des Au- 
walds, andere Schultheisse mochten zwei oder mehr, besonders aus- 
gegangene Ortschaften vertreten. Es gibt hierüber das hohe Mark- 
Protocoll von 1660 — 1700, welches im Homburger Archive sich be- 
findet, manche beehrende Auskunft. Bei der Märkermeister Wahl im 
Jahre 1660 wurden au%erufen und stimmten: Homberg, Obersteden, 
Niedersteden ^^, GK>ntzenheim, Ober Esbach, Kirdorff, Nieder Esbach, 
Nieder Erlenbach , Dorckelweil , Vielbel , Harheim , . Bonames, 
Calbach, Mühl und Abtshoff zu Eschersheim, Hetternheim, Ffraum- 
heim, Niederurdell , Steinbach, Weiskirch, Oberhexstatt 3 Haus, 
Stierstatt und Bomerscheim, Oberursell, Eeiffenberg, Hattstein und 
Amoldsheim, Waldschmitt, Forderweil. Hinderweil und Brombach 
stimmen nicht. Es waren 30 Dörfer und Höfe, welche als stinunbe- 
rochtigt aufgeftihrt werden. Aus dem Protocoll von 1661 geht hervor 
dass Mtihl und Abtshoff zu Eschersheim mit 2 Stimmen zählen; zu- 
sammen sind es in diesem Jahr wieder 30 Stimmen, bei Hinderweil 
und Brombach steht eine 0. Im Jahre 1662 sind 29 Stimmen zuge- 
gen, Brombach abfuit, Hatzstein desgl. Im Jahre 1665 sind es 31 



j^ndem Märkor*' daiwelbige uff diä Wittage auszuführen Macht haben soll; doch 
ohn Uebermaaß und dass das Holz auf dem Hofe selbst verbraucht werde. 
(Mglb. E. 29. IV. S. 84.) Bei den Yorbereitnngen zar Theilnng der hohen Mark 
stellt Amtmann Üsener zu Bergen Bescheinigung aus, dass in dem zum hochf. 
Hess. Haaanischen Amt Bomheimerberg gehörige Ort Eschersheim die daselbstige 
Mfihl und der sogen. Abt- modo v. WetzePsche Hof mit drei Wohnungen znr 
hohen Mark berechtigt sei. 

IS Es ist die Angabe dass Niedersteden im dOjfthrigcn Kriege Terwfistet 
worden, (s. den Aufsatz: die hohe Mark S. MO) zu berichtigen; es soll später 
durch Feuer zerstört worden sein. Koch jetzt führt ein besonderer Weg nach 
dem Kirchhof von Niederstedten bei Homburg, es liegt derselbe etwas erhaben 
Aber der Wiese, eine alte Linde überschattet den Platz. „Leute die es nicht 
Yerstehen, meinen es sei hier wüste; aber im Sommer, wenn die Sonne brennt, 
kommt der Hirt mit den Schafen gezogen, da pflegen sie der Ruhe'S 

18* 



— 276 — 

« ■ 

welche stinunea; 1674 wieder nur 29^ Schmitten , Beiffenberg und 
Arnoldshain fehlen ^ weil sie der Kohlen w^en Satisfaction thun 
sollen, dagegen ist die Weihl, Brombach, Hattstein und „die Sorg'^ 
anwesend^'. Hattstein erschien also damals nnter den gemeinen 
Märkem, während Arnoldshain fehlt. Aber bereits auf dem Märker- 
ding von 1563 fragen die 2 Stämme von Bjrffenbergk und Hattsteyn 
an, warum die Märker ihre Unterthanen „die Bjffenbergischen und 
Amfhainer^' aus der Mark geschlossen; sodann bittet im Jahre 1676 
der „Hattsteinisch Schultheiss zu Arnoldshain^^ dieses — Arnoldshain — 
als ohnvertheilte Hattstein'sche und Beiffenbergische Unterthanen bei 
ihrem Markrecht 2su lassen ^^ Demnach scheint es dass das Dorf 
Hattstein damals schon nicht mehr bestanden, bereits ein verrotteter 
Burgfiecken war; oder dass ein solches Dorf überhaupt nie bestan- 
den habe; es bt desshalb schwer zu erklären, wie bei den Bora- 
thungen im Jahre 1773, ob die hohe Mark nach Köpfen oder nach 
Ortschaften zu theilen sei, eine Uebersicht vorgelegt werden konnte, 
in welcher unter den Bassenheim'schen Ortschaften Beiffenberg mit 
80 Köpfen oder Märkern, Hattstein mit 60, Arnoldshain mit 80 an- 
gegeben steht. — Bei den Conferenzen im Jahre 1777 wurde bemerkt, 
dass Niedersteden durch einen Homburger Batbsherrn vertreten sei, 
in ähnlicher Weise der Mönchhof und Hinterweil, auch der Schult- 
heiss von Hattstein werde noch aufgerufen. Mglb. E. 31. I. S. 165. 
Weiterhin folgen genauere Verhältnisse aus jedem einzelnen Orte. 
Es findet sich darin verzeichnet bei Beiffenberg: daa Schloss Hatt- 
stein, sammt dem daselbst liegenden herrschaftlichen Ghite; die herr- 
schaftliche Mühl bei Hattstein, mit dem dabei liegenden Gut; der 
Zainhammer mit dem daran liegenden herrschaftlichen Gut Bewoh- 
ner eines Dorfs Hattstein werden aber nicht aufgeftLhrt. Andere 
markberechtigte Ortschaften und Höfe haben sich wahrscheinlich 
an benachbarte Dörfer angeschlossen, so Wilkommshausen , Dom- 
holzhausen, Gtkttenhof en , Dillingen u. a. m« Den Namen Gatten- 
hofen oder Gottenhofen trägt noch jetzt eine Mühle zwischen Stier- 
stadt und Oberursel; wahrscheinlich ist es von Gozzo oder GU>tfnt 
herzuleiten; es soll sich mit Oberursel vereinigt haben. Nördlich von 
diesem, am Fusse des Goldgrubenbergs lag auch die Ortschaft 



IV Auf dem Märkerding von 1568 legen „die Waldschmid von der Sorg und 
Hundtstair^ eine Schrift vor, nnd in der Waldordnnng von 1594 heisit es: 
70) endlich ist denen uf der Sorge lanth des^alten Vertrags kein Reiser oder 
Holz kolen zn brennen gestatt worden. 

18 Yergl. dieses Archiv n. S. 342. 



— 277 — 

« • 

Hansen^ weldie im Jahre 1401 ak betheiligt zur Mark noch ani- 
gemfen worden ist. Auf dem Märkerding von 1438 wird noch Nid- 
dernsteden aufgeführt^ Gottenhofen^ Mittel Ursel ^ Niddem Bommers- 
hejm^ aber nicht mehr Hausen. Bei Gelegenheit des Streites über 
die Hnnerbnrgkswiese bei dem Endenpfuell; übergeben die Urseller 
eine Beschwerdeschrifk in welcher sie unter anderm auch anführen; 
dass die Hessischen Beamten zu Homberg in Beziehung der H5h- 
mariL den ganzen Häuser Grund anno 1586 abgegangen ^ auch von 
den Merckern Erklärung abnöthigen woUen, dass solcher ganze Wie- 
sengrund und stattlich Forellenbach auch zu der Mark und nit 
Urseller Gerichtsbarkeit gehörig weren. Dagegen betten etlich alter 
Merker Einwendung gemacht Ueber dies abgegangen Epsteinisch 
oder Königsteinisch DorfiF Hausen befinde sich in dem alten Ursel- 
ler Gerichtsbuch verzeichnet; das bemelte Häusser Gericht sei in 
anno 1455 durch die gnedige Jungherm ^en Ursell transferirt wor- 
den. Es werde noch ein alter Gültbrief aufbewahret; welcher vor 
Schultheiss und Schöffen des Gerichts zu Haussen in anno 1400 über 
Häusser Gerichtsgüter gemacht. Desshalb würden noch die Nsr 
men des Häiu»er Hains und Landwehren gebraucht; des Häus- 
ser Feldes ; der oberen und unteren Häusserwiesengründe ; des 
HäusserwegeS; -Steges ; des WilthauseS; Newenhauses; der Ep- 
iStdner Wiesen; die noch ein Waltschreier in seinem Gebrauche 
habe. Ihre Vorfahren hätten noch den Ort der Heuserpfan- 
neu; Schmitten und gefelle uff solche schmidt und mühlen voige- 
zeigt; wie das auch noch zu sehen; und begriffen des Häusser- 
bezirks Güter über 400 Morgen Acker; Wiesen; gestreuch; Wüstung; 
Geholtz und auch die obberürte schöne Forellenbach welche alle- 
sampt dem Dorff Hausen königsteinscher Obrigkeit allein zustendig 
gewesen. Bei den Umgängen der Höhmark wird stets dieses Dorf 
angeführt; es heisst z. B. im Umgang von 1586: an derselbigen 
Wiesen hinauf bis an den Heuser fort (pfort; pfad?) den Heuserfdrt 
hinaus under der Schreyerwiesen hiu; und fortan zwischen dem 
Heuserhayn und dem Veit den Weg an der Landtwehr hinaus; 
fortan an die Strassen da vor Zeyten ein schlag gestanden; der 
Heuserschlag genannt. 

Mittelursel schloss sich an Weisskirchen und an Niederursel an, 
das Gericht wurde durch Schultheissen und Schöffen dieser beiden 
Ortschaften abwechselnd versehen. 

In der Nähe des jetzigen Dorfes Friedrichsdorf; südlich von 
demselben; lag DiUingen; der Name kommt noch vor im Umgang 
der Seulberger Mark von 1539 zu welcher Zeit der Ort selbst bereits 



— tT8 — 

untergegangen ist x Es beisst daselbst: ^sie ^gen die Landgewer^ 
die von DoUingen uff das Sewelbergfeld geht^. Dicht dabei lag die 
Brendelsburg; welche dem^ beiSewelberg ansässigen^ meist in Hom- 
burg wohnhaften adeligen Geschlechte der Brendel zugehörte; viel- 
leicht gehörte diesem Geschlechte auch die weiter nordwärts damals 
im Wald gelegene Schneppenburg. Höchst wahrscheinlich hat sich 
Dillingen mitSewelberg yerbunden^ welches vordem ein Schaf- oder 
Schweinhof gewesen. 

Bei Gelegenheit der Streitigkeiten zwischen den Märkem und 
dem Waldpoten wegen des neuen Dorfes oberhalb Seulberg^ wurde 
auch des untergegangnen Dillingen gedacht. Der Waldpot brachte 
vor: an selbigem Ort sei ein adeliger Hof und dabei das Dorf Dil- 
lingen gelegen gewesen , welches vor diesem den von Brenddl zu- 
gehöret; von welchen es auf die vonHarffen gekommen; von diesen 
habe es der landgraf gekauft; so habe er diesen Ort nebet dem 
Dannen-Wald „woselbst in vorigen Zeiten das Dorf Willkomms- 
hauseu; von welchem auch noch ein Haus abgebrochen ^ und nach 
Seulbei^; da es noch stehet; transportirt worden, b^eben^^ Die neuen 
Ansiedler hätten die Wüsteneien wieder zu fruchtbaren Aeckem ge- 
macht , und sich darauf der Markgerechtigkeit „gleich ihren Vor- 
fahren und vorigen Besitzern der Dörffer Dillingen und Willkomm»* 
hausen y auch des adlichen Hofs der von Harffen mit Fug und Recht 
bedient^^ Es haben ihnen aber „diese uralte Gerechtigkeit^' einige 
Märker disputiren wollen, ebenso wie in der hohen Mark wegen 
Domholzhausen die Märker anfangs sich opponiren wollen. 

Hierüber wird weiter unten noch einiges nachzutragen sein. Das 
jetzige Dillingen ist erst nach Theilung der Mark auf früherem Wald- 
boden nördlich von Friedrichsdorf erbaut worden. 

Noch -findet sich eine ausgegangene Ortschaft auf dem nördlichen 
Abhang des grossen Feldbergs, vielleicht ein Gehöfte, Velperhausen 
oder Vellmerhausen. Jetzt ist sie spurlos verschwunden. In dem 
ProtocoU über den Umgang vom Jahre 1539 wird angeführt, dass 
die Märker gegangen „bis an den Feldberg gegen Beiffenberg und 
den .Pfingstbrunnen bei Velperhausen; daselbst hat sich zwischen 
den Geordneten der Gemeinde von Eeiffenberg an einem, und den 
übrigen Märkern am andern Theil ein Zwiespalt des GimgB zuge- 
tragen^^ Letztere wollten nach dem grossen und kleinen Bettstein 
gehen. Aus andern Umzugsprotocollen ist zu ersehen, dass die Ghrenze 
der Mark vom Pfingstbrunnen östlich von Oberreiffenberg auf einen 
Stein lief bei Veltmerhausen; in denselben heisst es weiter: „noch 
ein Stein bei Veltmerhausen, item noch ein Stein uff Veltmerhausen 



— 279 — 

obendig dem W^ naher Hatzstein ; noch ein Stein uff Veltmerhau- 
sen vor dem Wald, fortan noch ein Stein zwischen der Mark und 
Veltmerhansen, stehet in einer Ecken; noch ein Stein uff Veltmer- 
hausen am Dieleberg, liegt Umb'S Im Protocoll de^ Umgangs von 
1609 heisst es: an Vettmarshausen so zur Mark gehörig. Der S^ Stein 
stehet auf der Haide vor Vohnarshausen; der 11*® Stein in einer 
Eck allda VeldmarJßhausen wendet Es waren um diesen Bezirk 
von Yeltnuirshausen eine ganze Beihe von Grenz -Steinen am nörd- 
lichen Abhang des grossen Feldberges hin. In spätem Umgängen 
wird dieser Ort YoUmarszhausen geschrieben. Es ist glaublich dash 
auch diesci wahrscheinlich verkümmerte Ansiedelung naoh.dein ersten 
Besitzer genannt worden. ^ 

Die Frauen. Es ist sehr zu bedauern, wenn es auch sehr 
natürlich ist, dass die Akten der hohen Marck der Frauen und ihrer 
Wirksamkeit zu gedenken, keine oder fast keilie Gelegenheit haben. 
In den gesammten Schriften welche die Hohe- und die Seulberger etc. 
Marck betreffen, werden uns ntu* zwei Frauen genannt und über ihr 
Wirken uns Mittheilung gemacht. Einmal ist dies Margaretha Elisa- 
betha, Landgräfin und Waldbottin, welche am Ende des 30jährigen 
Krieges als Vormünderin die Erlasse unterzeichnet, dann aber noch 
die wackere Schultheissin von Stierstadt welche im Jahr 1765 bei Ab- 
wesenheit ihres Mannes einer wüthenden Botte allein sich entgegen- 
stellt, gefährdeten Förstern Schutz in ihrer Wohnung gewährt und 
muthig die Verfolger bedroht 

Der Adel und die Schlössen. Neben den j^Dorffen^ wurde 
in den älteren Zeiten immer oder oft auch der „Schlössen'^ gedacht. 
Im Jahre 1536 werden aiis den 4 Schlössen als Homberg, Obemursell, 
Beiffenberg und Bonemesa aus jedem ein Mann genommen, den Holz- 
bedarf zu untersuchen. Auf dem Märkerding im darauf folgenden 
Jahre ist ^nach altem Gebrauch durch den Schreyer den Schlössen, 
.Flecken, Dorffen und Orten in die Margk gehörig^, gerufenworden; 
ebenso in die Egidii anno 1538 «allen Schlössen, Flecken und Dorffen^. 

Auf dem Märkerding von 1517 erhob sich Streit darüber ob der 
Bath von Frankfurt das Becht habe Pfäl zu hauen, das Schloss, die 
Brück, das Wehr zu Bonamesa zu versehen. Die Frankfurter Ge- 
schickten erklärten es wären zwarPfal aus der Mark nach Bonamesa 
geftLrt, daselbst ^im. slol^ iind sunst, doch nit über der brück^ benutsst 
worden; auch der gnädige Herr von Eönigstein hab' in der Mark 
merklichen Schaden gehauen, hab' Ffalwerk zu Befestigung des 
Fleckens Oberursel verbauet Es seien allein 4 Flecken nemlich 



— 280 — 

Byffemberg; Hoemberg vor der Hoe^ Obenirsel nnd BonameBe in 
die Mark gehörig^ darzu gemeine Märker in Yehden nnd andern 
nöthen vor andern Flecken Znflucbt haben^ danun anch billig sollich 
Flecken vor andern zn befestigen. Die 3u& »A desshalb auch dem 
gnädigen Herrn von Königstein erlassen worden ^ das Gleiche ver- 
hoffen desshalb die Geschickten des Eaths für Bonamese. Die Mfir- 
ker stellen ihrerseits nur in Abrede dass das ans der Mark genom- 
mene Holz zum Brdckenban verwendet werde; sie beschweren sich 
dass sie grössere Zollerleichterong anf der Brücken von Bonamese nnd 
fiausen gehabt^ der Zoll sei erhöht worden. Schliesslich aber wird 
dem Schnltheissen von Bonames doch gestattet etwa gehauene PfU 
in der Mai'k zu holen^ bis zum nächsten Märkerding aber nicht weiter 
zu hauen. — Mglb. E. 29. 11^ S. 103. 

Diese ^Schlössen und Flecken* haben bereits im 16. Jahrhundert 
einen Vorrang vor den übrigen Ortschaften eingenommen, besonders 
wol desshalb weil in ihnen die verschiedenen Begierungen der zur 
Mark gehörigen Ortschaften eine Vertretung fanden. Sie bildeten 
den Ausschuss der in mancherlei Weise eine Thätigkeit entwickelte^ 
namentlich im Bechtsprechen und in der Verwaltung der Mark. In 
älteren Zeiten gehörten dazu Homburg, Oberursell, Bonamesa, Keif* 
fenberg, Hatstein und Pfraumheim; aber bereits im Jahre 1594 sollen 
die Märkermeister vor dem Waldbotten und den fünf Hauptflecken 
Bechnung thun. Hatstein wird von da an nicht mehr unter den be- 
vorzugten Ortschaften genannt. Noch im Jahre 1545 als die Märker 
Eingriffe des Waldbotten in ihre Gerechtsame befürchteten, hatten 
sich die Solmsischen, Hanauischen, Frankftirtischen, dann Juncker 
Friedrich von Beiffenberg und der von Hatstein mit einander ver- 
glichen, und einen Tag zu Frankftirt im Predigerkloster angesetzt, 
daselbst zu bandeln wie sie das Instrument wollen helfen handt haben. 
„Und aeind die nachfolgend Dorffer und Flecken zum Ausschuss ghen 
Homburg verordnet: Homburg, Obemursell, Bonamesa, Beiffenberg, 
Hatstein und Ffraumheim^ ^^ 

Es kann hier nicht daran gedacht werden Verzeichnisse und 
genealogische Aufzeichnungen des Adek in der hohen Mark zu 
geben, das würde dieser Arbeit sehr ferne liegen; es soll nur das 
Verhältniss des Adels zum gemeinen Märker berührt werden. 

Einen bestimmt ausgesprochenen Vorzug in der Nutzung der 
Mark vor dem gemeinen Märker hatten die Edelleute in älteren 2jd- 



<9 Vergl. über den Untergang der Barg Hatstein : üsener, Ritterburgen 
S« 180, IL ff. 



— 281 



\ 



ten nicbt Es wnrde aber doch eine gewisse Bücksicht auf sie g^ 
nommen, um so natllriicher als gerade der Adel die Vork&npfer 
Keferte^ wenn es galt den Anmassnngen des Walpotten entgegenasu- 
treten. Ans den Edelen wurden anch meist die Schulibeissen be- 
stell^ entweder ans dem Adel der Mark selbst, od«: der Umgegend. 
Analissige; in 'der Mark gegndete Edelleute sollten vor andern zn 
M&rkermeister gew&blt werden. So finden wir im Jahre 1401 Henne 
Olemm von Hoenberg und Heinrich von Beldersheim; 1545 Georg 
von Bellerßiejm Amtmann jsu Nidem Jrl^ach; 1578 Philips Wolff 
von Pfrannheim Amptmann au Eönigstein, derselbe im Jahr 1595 
als Mftrkenneister. Ausser diesen kommen noch vor: 1401 einSifiidt 
von Stierstadt, Fritaohen Olenmi und Damen von Pmmheim, die 
Franken von Hexstat, Henne von Delckelnheim, Wilh. von Bomm^r»- 
heim, Jacob von Cronberg, Balthasar von Eschbaeh, Job. von Bus* 
seck, n. a. m. 

Besonders sind es, neben den Brendel von Hombni^, die Jmiker 
von Beifienberg and von Hatstein welche in Stämmen auftreten^ 
ähnlich wie der gemein Märker in Ortschaften. So heisst es dass 
1545 angegen gewesen von wegen des Stamms Brendel, Johann 
Brendel der ältere von Homberg d. h. Beichs Burggraf snFridb«^, 
Job. Brendel der jtingere von Homberg, von wegen der Stämme 
Byffenberg nnd Hattstejn erscheinen aber Pfarrer und Schnltheiss. 
Ebenso anch 1541 waren erschienen anstatt des obersten Walpoden 
der ehrenvest Ohristoff von Hatstein, Amtman m Königstein, dann 
Oonrat von Hatstein, Bitter, Vitzthnmb zn Mainz von wegen des 
Haqs Hatstein, nnd Johan von Beiffenbergk von wegen des Haus. 
Noch im Jahr 1607 erschien ein Daniel Brendel und Job. Eittel 
Brendel von Homburg, der Schnltheiss zu Erlebach und der Bitt- 
meister von Homburg Brendel werden au Märkermeistem erwählt 
Im Jahre 1578 heisst es, nachdem die Geschickten der Herrschaften 
aufgezählt worden, letzlich waren erschienen ^beneben den gemeinen 
Märkern Johann Brendel von Homburg und Burckhardt Engelbrecht 
von Hattstein als Mitmerker'. 

Wir finden diese beiden Beiffenberg und Hatstein bald unter 
denen vom Adel aufgeführt, bald unter den Herrschaften. Als der 
Keller von Homburg 1541 einen Ausschuss bestellen wollte ^sindihm 
die gemelt^i Herrschaften Sohns, Eisenburgk, Frankfurt, Hatzstein 
und die Unterthanen in die Bed gefallen^. 

Die Hatsteiner und die Beiffenberger abgeschieden von der übri- 
gen Welt haben sich auch nicht viel um deren Anforderungen be- 
kümmert Im 15. und 16. Jahrhundert fehlte es nicht an Beschwer- 



- ^M2 - 

den der Märker gegen dieaelben ; bo auf Mitwoch oäcbst nach dem 
b. PfingBtti^p^ 1484 eine Beschwerde gegen die yon Biffemberg die 
eüieh in der Marg gefangen und g^ftndet haben. Im Jahre lildl 
abennalB ein Mftrkerding gehalten wegen der Irrung mit den von 
Biffemberg „den abgezogen Walt" betreffend« Zugegen waren die 
Abgeordneten von wegen Hanau, SohnSi Königslein, Frankfurt, dann 
J. von Cronberg wegen Nidem Heckatat (?), Marqwart von Hatstdn 
Yon wegen des Schloss Hatitein, Gilbrecht Yon wegen des Sdiloss 
Biffenbei^. Sie beschliessen einen Umgang wieder su halten, und 
yfiy jede herschafi ufs getrost sie künnen kommen und erschinen^', 
auch die Jungen allenthalben mitnemeU; darmit der Umbgang m 
Gedechtnits bliebe. Im Jahr 1600 baten die Beiffenberger um Hegung 
des SchartterwaMto, die Mirkermttster erwiderten : die Beiffenberger 
theten den mehrsten schaden, und sonderlich die uff Beiffenberg g«>- 
legenen Soldaten. 

Die Brendel, welche beaonders bei Senlburg begütert gewesen, 
sollen auletat im untern Sdiloss bu Homburg gewohnt haben, 1630 
oder 1636 ausgestorben sein. Die Wolff Ton Pfraumheim ^ erscheinein 
noch um das Jahr 1600 auf den Märkerdingen, so 1600 Philips Wolff 
von Pfraumheim. Er schdnt aber keine vorragende. Stdlung dabei 
mehr eingenommen zu haben. Als man ihn nicht sum Ansschuss 
berief sagte er, dass er mit darunter g<^öre „wolle sich untermen^^ 
gen, wie maußdreck undem Pfeffer^^ Er beschwert sich dass num 
die Adelspersonen nicht aum gemeinen Zechen siehe. Gheorg Bren- 
dell von Hoenbui^k affirmirt, dass solches also herkommen und billig 
geschehe. Im Jahre zuvor aber heisst es von Phil. Wolff von Pranm« 
heim es sei uff sein Ansuchen an sein gesetzten büßen der 8 fl. 
zwei fl. nachgelsssen. 

Der Walpode hatte sich nur von dem Landman oder dem ge* 
mein Märker seine Bechte und Herrlichkeiten weisen zu lassen; 
Strafen mochten ^ der walpode und der lantman'^ mildigen, aber bei 
der Wahl der Märkermeister waren die Edelleute in mancher Be- 
ziehung bevorrechtet: j^Wen die Edelluto und der lantman uff St 
Eathrinentag zu Markerm^tem kiesen, den hat der Walpode zu 
besteifigen^. So geschah es im Jahre 1401. Auf demjtfärkergeding 
von 1438 gingen die Edelleute beiseite und auch der lantman, und 
besprachen sich und wählten die Märkermeister. Der lantman ge- 
dachte auf Anstiften des Kellners von Homburg dreie zu wählen da- 



^ Vergl. Aber dieses Geschlecht, Dr. Ealer* im Fftr. Archiv fttr Gesch. 6 
Hfl. S. 110. 



- 28* - 



mit die Mark besser bestellt würde, die Edeln aber wühlten zwei 
„Heimen von Delckenheym hie £ese syt de hoe und Cunen von 
Biffenberg hinsit der hoe", und meinten dass man es bei den ssweien 
liess bleiben, wie es von altem Herkommen wlbre, und hi^ssen die 
Landleute hinter sich treten und darauf besprechen. Als ne sich be* 
sproehen hattm ^ensählte der Schuhheiss zu (fehlt der Name des Orts) 
von der Landleute wegen wie sie meinten dass dieEddn es. als gerne 
gut sähen als sie, und wollten es auch bei den zweien lassen bleiben, 
wie die Edeln gekoren betten." -- Mglb. E. II. & 93. 

Nach dem Weisthum von 1484 soll man kiesen zu Märkermeis- 
tern aus den Edeln die in der Mark gesessen und gegut seien. Mag 
man d^ nicht haben, so soll man kiesen aus denPriestem, ma^ man 
auch der nicht han soll man kiesen aus denlantmannendiefUmemst^L 
und niltzigsten. 

Noch im Jahre 1541 traten die Edeln ,^o von Jre Person sdbsl 
wegen, vom Adel zugegen" zugleich mit den Herrschaften g€^en die 
Gesandten des Waldpotten auf, begehrten zu wissen ob dieser der 
Cremark merklichen Sehaden, gethan mit Abhauen von Eichenbäumen 
aus welchen viel taus^id Zaunsteoken gemacht die I^^ Gnaden apisser 
der Mark verbraucht; solche Büge hätten sie in den Bflgezetteln 
nicht Vliesen hör^i, ob solches mit Wissen des gemein Märkers 
oder der Märkermeister bescheen, ob sein Gnaden auch solchen 
Schaden verbüsset? Wenige Jahre nachher aber stimmen auch die 
Brendel, die Herren von Bommersheim, von Pniumlieym, wie die von 
Beiffenberg und von Hatstein den unheilvollen Beschlüssen bei^ welche 
das alte Becht der Mark vernichten halfen. 

Damals schwand das Ansehen der Edelleute. Auf Mitwoch nach 
Pfingsten 1668 begehren die zween Stämme von Beiffenbergk und 
Hattsteyn Anzmg, warum die Märker ihre ünterthanen die Beiffen- 
bergbchen und Amßhainer aus d^ Mark geschlossen; zum andern 
warum nicht die Märkermeister aus dem Adel gewehlet würden; zum 
Dritten aus was Ursachen ihnen gewehret wdll werden Säuheoken 
im Wald zu machen? Der Amtmann von Epstejn erbietet sich zum 
Versuch die Irrungen in Güte beizulegen, dagegen die ssween stamm 
„dieweil die andern gahnErben nit vorhanden^^ wollen sich in keine 
gütliche Verhandlung einlassen. Die Märker ihrerseits heben hervor 
wie die Bei£fenberger die Ausschliessung verdient; sie bemerken 
dann : es sei im Instrument geordnet dass Merkermdster vom Adel, 
in der Mark gesessen, sollen gewählet werden, j^Inen eey aber auch 
ufgelegb sie sollen zytlich in den Walt ryten und zusehen , dass die 
Förster Jres dienstes flüssig und treulUi warten; Dwjl aber solchea 



— 284 — 

Ton etlicheii unterlassen und auch im Instrament versehen, wo man 
solche Personen vom Adel nit haben möge, soll man Yon Priestern 
oder von andern redlichen Märkem nehmen, so hab man etliche Jar 
her redliche Personen aus den Merkem gewehlet die der Mark zum 
treulichsten sollen ftirstehen. Es heisst weiterhin zur dritten Be- 
schwerde: ^soviel die sewhecken belangt, hab der öberst Waltpot die 
Vorjagt in der Höhmark, laut des Instruments, demnach mögen die 
Merker auch jagen; zu solcher jaget mög der Waltpott Hecken lassen 
machen, sust wissen die Mercker nit dass Jemant andres hecken hab 
zumachen. Wan ejn jeder merker sjntsgefallenswöll hecken machen, 
so betten sie des Walts nit genug^S Mglb. £. 29. III. — Nicht lange 
nachher, im Jahre 1578 bringen die Beamten des Waltboten vor, 
dass etliche Märker, sonderlich aber die vom Adel sich des Wild- 
schiessens gebrauchen, dazu eigne Schlitzen halten sollen, welches 
dem Instrument zuwider sei, sie hätten sich des Schiessens in der 
Mark gänzlich zu enthalten. 

Im Anfange des 17. Jahrhunderts (1602) übergaben die wenigen 
noch vorhandenen adelichen Mitmärker den beiden Märkermeistem 
und den gemeinen Märkem Beschwemngspuncte. (Mglb. E. 29. IV. 
S. 26.) Das Instrument bestinmie, dass aus den adelichen Mitmerkem 
oder geistlich, da man derselben haben könne, Märkermeister zu er- 
wählen seien, dass sie auch zu den Berathschlagungen gemeiner Mark 
gezogen werden soUen; etliche Jahre hero seien aber dem zuwider 
nicht allein gemeine Personen zu Märkermeistem erwählet, sondern 
auch der adliche Märker von gemeiner Berathschlagung gänzlich 
ausgeschlossen worden. Sie begehrten dass jederzeit aus den adlichen 
Märkern einer zum Meister erwählet werde ; dass auch die jährlichen 
Rechnungen zur Prüfung den adlichen und andern Mitmärkem vor- 
gelegt werden. Sie machen Vorschlag wie Ersparnisse durchgeführt 
werden könnten, die Aufsicht im Walde geschärft Darauf beschliesst 
aber der Märker: die vom Adel würden sich dem Instrument gemäss 
zu verhalten wissen, sie seien mit dem Ausschusse zu Rath gegangen, 
ausser den Versammlungen hätten nur die Hauptflecken zu deliberiren. 
Die Bechnung abzuhören stehe allein bei dem obersten Waldpotten 
und den Hauptflecken. Burghard Engelbert von Hatstein habe wol 
etwas in Vorrath gebracht, andere vom Adel aber hätten den Vor- 
rath nit gebäufet sondern durchbringen lassen. Den Becess betreffend 
hätte der Märker lieber nichts wünschen mögen, als dass Philips 
Wolff von Praunheim, der Caspar Jeckel succedirt, dero Zeit ein 
schärferes Aufsehen gehabt, die Bechnung so liederlich nicht appro- 
birt oder unterschrieben, sondern die Becessschulden ausgetrieben 



— 285 — 

hfttte. Endlich sei in dem Instnunent nichtB ra finden, dMs die vom 
Adel mit der Beholzigang nnd Eintreibnng ihrer Sohweine cur 
Mastong vor andern Mftrkem berechtiget, sie lassen'a bei solchem 
Herkommen billich verbleiben da die vom Adel in Markbeschwerung 
mehr nit dann andere gemeine Märker contribuiren» 

Als auf dem Theidigungstage am 28. Juni 1608 der Kellner zu 
Vilbel sein Begehren wiederholt, dass von der Schwein rügen abge- 
standen werde, erkennt der Märker „den Besitzer des Hauses Vilbell 
fbr einen M&rker, und Niemandts weitter^ und weisst ihren Besitzer 
auf ^das Instrument und die Markordnung ^zuversichtlich , er sich 
daran begniige und keine Neuerung veranlassen, auch der verwirk- 
ten Bußen halben sich mit ihm aller gebttr abfinden werde, damit 
nicht Noth sei andere zulässige Mittel gegen ihn an die Hand zu 
nehmen.* 

Von weit geringerer Bedeutung als in der hohen Mark war der 
Adel in der Seulbmrger, Erlenbacher etc. Mark; doch auch hier 
hatte er gewisse durch sein Auftreten und Benehmen bedingte Ehren- 
vorrechte. Bei den Strei%keiten über die M&rk^rmeister Wahl 
erklärten die gemein Märker im Jahre 1482 sei auch ein alt Herkom- 
men, wann ein M&rkermeister sein Amt aufgestabet habe, were der 
ein Edelman in der Mark der darum b&te, den sollen die Märker 
darzu uffnemen, were aber kein Edehnan der darum bitten wollte, 
were dann ein Pastor in der Mark der darum bftte, solle ihm gelas- 
sen werden. Die Fassung ist hier eiue andere wie in der hohen Mark: 
einem Edelmann der um das abgegebene Amt wieder bittet, dem 
soll die Bitte nicht abgeschlagen w^den'^. 

In der Markordnung von 1Ö88 ist bestimmt dass Sontags nur 
grün Holz, Freitags nur dürr Holz gehauen werden solle, jedoch den 
Burgsessen und Herrenhäusern hiermit nichts gewisses vorgeschrie- 
ben werde ydann dieselbe uff gewieße tag nit gebandt sein soUen^^ 
Im Jahre 1501 ist dann beigefügt, dass jeder nur einmal des Tages 
fahren dürfe, wer ausserhalb der Wittage „under dem schein der Bürge 
Holz bei sich in seinen Hoff führe^' solle gestraft werden. Schon im 
Jahre 1599 findet sich aber : soviel die Burgsesse anlangen thut ist 



>i Qew5hnlich sind es nur die unteren Beamten welche um ihr Amt bitten, 
die Förster, der Schreier, wie hent su Tage noch in der Sohweis der Weibel 
und der Landschreiber. Die obersten Xarkbeamten werden, in den spfiteren 
Zeiten wenigstens, ohne dass sie desshüb bitten, gew&hlet. So noch jetzt auch 
in der Schweiz die Lsndsmmftnner welche von andern in Vorschlag gebracht 
werden. 



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besehioBsen daM der Ober Herr Waldpott nf gewiste Tage nicht ge- 
baadet, noch ihme Maaß und Ziel färgeschrieben sein solle; aber die 
Petterweiler Burg soll ihr Holz „wie vor Alters oof die vier fron- 
fasten lassen atisfkihren , und weiter bu thun nicht macht haben^ bey 
der straffe in gemeinden Verbrechern geordnet; so oft einer darüber 
mißhandlen und bedretten wirdt*. 1601 wird festgesetzt: „Waß dan 
die Nieder-Erlenbacher etc. bürge so anjetzo durch des Pfarher do- 
selbsten besessen wird, und wdchem man auf eine sonderliche Gerech- 
tigkeit von deswegen im Walde zuzueignen sich ahnmaßlich unter- 
stehen wUl, anlangend deroselbigen und ihrem Besitzer gestehet man 
weiter nicht als sonsten einem gemeinen landman und Mftrker, und 
«oll keinem mehr als ^mal uf obangeregte Wittage zu fahren erlau- 
bet sehL'' M^b. E. 30. UX 

Als sich die Betroffenen beschwert, bemerkt die Waldordnung 
des Jahres 1602 : „ob nuhn weil der Gtrnß zu Sollmß uf seines ver- 
storbenen Eelners zu Petterweiil anregen, wie auch die Statt Franck- 
furth gegen diese Verordnung des Burgholzes protestiren und ein 
vermaint Hehrpringen anziehen liefen, mit Begehren sie darbei unge- 
bant pleiben zu lassen. Dieweil aber der Wald in kurzen Jahren 
sehr abgenommen, und war deswegen ,dem Märker soviel als etwa 
bishero beachehen nit mehr verstattet sondern abgebrochen worden, 
und dann die beide angeregte Burgsesse vermöge des Instruments 
mehre Gerechtigkeit als ein ander Märcker nit hergebracht ; zu dem 
auch 4ie Nieder Erlebächer barg bei Menschen gedenken in 50 und 
mehr Jahren kein exercitium gehabt, noch sich dessen mit fugen und 
gutem gewiesen rühmen kann, so ist ihnen ihr begehren rund abge» 
schlagen, auch die vermeinte protestationes auf ihrem unwertb und 
es bey dieser Ordnung gelassen werdenn/^ Ein ganzer Band (Mglb. 
E. 42. No. 33.) umfasst allein den Streit über diese behauptete Ge- 
rechtigkeit aus den Jahren 1601 — 1605, Dr. Schacher stellt den Satz 
auf, die Beholzungsgereohtigkeit sei durdi non usum nicht erloschen, 
es handle sich nicht um servitus in re aliena, sondern um jus 
in re propria, das oondominium in der Mark. Nach der Ordnung 
von 1598 sei die Burg an gewisse Tage nicht gebunden, das könnten 
die Märker nicht willkührlich abändern. Weitere Verhandlun- 
gen wegen der Burgsitze und der ungebanten Behokignngsge- 
rechtigkeit folgen im Jahre 1607 auf dem Bathhause zu Seulberg. 
Der Bath hatte dazu Johann Adolph Keller, Schöffen und des 
Baths, sowie den Sjndicus D. Casp. Schacher gesandt; die Mär- 
kermeister und der Ansscbuas der. sämmtlichen Dorfsohaften Seul- 
berger Mark hatten einen Beistand in der Person des D. Andres 



— 887 — 

^n ^nm Fiidbei^ sngesogen. Nachdem die Bolms'Kdieii ihre 
Gewalt überreicht^ zeigen Bie «&, dasB ihr gn. Herr beim Beiohibef- 
rath rechtlichen Process ausgebracht^ wollten dieselben Proteatirt haben, 
daaa durch diese gütlidie Handlung der Klage nicht al^eiagt aei. 
Dieee wird articulirt verlesen: 1) von des Dorfs Peterweil Gelegen- 
heit, 2) dass dasaelb Ysenburg und Sohns mit aller Gerechtigkeit 
ogenihümlich zustendig sei. 3) Von Gelegenheit der Senlberg und Erle« 
bacher Mark. 4) Dass Sohns darin die Beholngangsgerechtigkeit und 
6) selbige flir sich, seine Keller und das Bnrghans herbracht habe; 
6) und selbiges ohn dnige Verbannimg. 7) hettens Merker nie gefoob- 
ten, 8) hette ihtien anch keine Contradiction gebliret, 9) seien zwar 
etwa Waldordnungen gemacht worden, 10) dabei der gemein Märker 
gebaut; 11) ausgenommen die Burgsitz, 12) conseq. seien dieselben 
in ihrem Besitze des Unbans gelassen worden, 18) doch haben sie 
sich gegen Umstand und Keller zu tnrbiren, 14) dieselbe PfSsrde 
imd Wägen abgepfandt, 15) einen Bnrgmeister von Pettarweil ge> 
fangen, 16) den PetterweUer ihre Schwein ausgetrieben, 17) es hette 
sich ab^ Solms nit wollen teglifaiiren oder verdrängen lassen sondern 
meinen Besitz contmmrt, 18) Mercker wollten aber noch nit abstehen, 
bitte deshalb dasselbe im Besitz zu schtttzea. Die Märker uamen 
nach Verlesung der Sehrift ihren Abtritt und bedachten. Sie erwie- 
dem dass firüher ein jeder Märker nach Bdieben beholziget^ später 
sei wegen Holzmangel Wittage gesezet wollen. ^Sollte Sohns gegen 
solche Ordnung gehandelt haben, so sei es dann geschehen und dar* 
gegen auch gepfendt worden." Auolf die andern Artikel werden in 
Abrede gestellt oder gedeutet. Die Frankfurter Abgeordneten, wel- 
chen auch das Becht in dem Ausschuss zu sitzen bestritten worden ^, 
hatten sich entfernt. Sie erfuhren nachher durch den Schultlieiss zu 
Nieder-Erlenbach , dass die Märker sogleich nach der Frankfurter 
Geordneten Abscheidt ein ander Sprach angefangen , der Burgk Pe- 
terweil und sonst keinem Burgsitz eine ungebante Gwechtigkeit 
einlräumen wollten, doch so dass die Herrschaft solches nit als eine 
ewige Gerechtigkeit habe, sondern dass solches nur aus gutem Wil- 
len geschehe, und die von Solms an die jährlichen Waldordnungen 
gebunden sein sollten. Er, der Schultheiss habe ex paile Senatus 
widersprochen, es gäbe dies nur Veranlassung zu ewigem Geztok. 
Mglb. E. 30. 4. 



» Auf dem Aosschnsstage am 25. Mai 1604 zu Senlberg hatte der gem. 
Mftrker begehrt, der Abgesandte des Raths möge anders nicht, detln als 
„beistand des dorflb Nid. Brienbaoh** der Session beiwohnen. 



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Ln Jabre 16SM veiAiAiifte der Frankfmier Bath die Nieder-Etlen- 
bacher Burg mit dem dazu gebörenden Gellinde an den Herrn von 
GUubnrg; (Mglb. E. 48. No. 1 und 6.) Der ScbnliheiBs Job. Tob. 
Lampert bescheinigt am 16. Sept 1789, dass die Gemeinde Nieder- 
Erlenbach nicht nur seit dem Jahre 1769, m welchem Jahr er das 
SchnltheisBen-Amt angetreten, sondern bereits viele Torherige Jahre, 
denen hochadlichen Besitzern der Burg aus der hohen Mark jährlich 
sechs Wagen Hoks, jeden Wagen mit 4 Stück Vieh bespannt, zur 
Frohnde in die Bm^ gefahren habe. In dem genannten Jahre 1789 
aber trieb der Waldschraer Hasch auf Befehl des Märkermeisters 
zu Ober-Ursel zwei Pferde des Herrn Oberamtmann ▼. Glauburg 
zur Strafe ein, und es wurden dieselben nicht eher losgegeben bis 
Strafe und Unkosten mit fl. 20. 41 kr. entricktet waren. Der Eigen- 
thümer wandte sich an den Bath, ihn in der verkauften Gerechtsame 
zu schützen. Der Mürkermeister Siebold von Obemrsel verthetdigte 
seine Handlungsweise, die Gerechtsame sei nicht erwiesen, das pos- 
sessorium nicht bescheinigt, selbst die ,,Darmstfidtbchen Prinzen- 
höffe zu Nieder-Eschbach^ verlangten kein weiteres Becht ab jeder 
andere Märker verlangen könne.. Die {brsüich Hessische Begierung 
zu Homburg, an welche man sich nun wandte, versprach, dass das 
Anliegen des Burgbesitzers bei dem nftchsten Markkonvent in Ueber- 
legung genonunen werden solle ; verwiess aber zugleich auf Märker- 
gedings-ProtocoUe von 1517, 1601, 1602 und 1608, nach welchen denen 
vom Adel wegen ihrer Güter kein Vorrecht in der Mark einger&umt 
werden soUe. Da Herr Obenufttmann v. Glauburg auf dem Märker- 
ding 1791 sich nicht meldete, blieb die Sache liegen. 

Die Geistlichen. — Auffallend ist der geringe Einfluss wel- 
chen die Geistlichkeit in den Angelegenheiten der hohen Mark gehabt, 
und wie überhaupt jedes äussere Zeichen einer Gottesverehrung dieser 
fremd geblieben ist. Kein Kreuz ist darin errichtet^, und auch die 
Benennung einer Gegend am Lindenberg : ,,an der Magd-Kreuz^^, soll 
an ein Verbrechen erinnern. Nur eine einzige Stelle in der Hohen 
Mark ist als eine heilige bezeichnet. In den Markumgfingen, z. B. 
von 1586, gelangen die Märker hinter dem grossen Feldberg bei dem 
kleinen Bettstein an das Feldchen „heiligen Wald" genannt „Ein 
Stein so noch gesetzt werden soll, oben am Eck hejligen Walt 
genant, ist der 5«, der 6. Stein zwischen dem AmßhaTner Walt 



» Dss rothe Kreuz liegt nieht in der hohen Mark. 



— 389 — 

und d«m kleinen Bettetem.^ Der 8» Stern weiter binanier swiBchsn 
dem kleiiien Bettotein und dem heilig Wald. y^Fortun Ton dem J^imn, 
oboadig dem hebmg Senfifen, binsnff am heiligen Walt ^^ imd Faulr 
berg ein Stein/^ 

Wol scheint es, daes der Abtahof bq EBchersheim; jtoseitB der 
Nidda gelegen , einer besonderen Begünstigung gewürdiget worden^ 
diese ist aber. andern geisdichen Anstalten^ z. B. dem Kloster Thron, 
jenseits der Höh, nicht geworden. Auf dem Märkerding von 1549 
wnrde beschlossen : weilen die Tom Thron mit ihrem Vieh in die 
Mark treiben, auch Wellen daselbst machen^ ist den Förstern befohlen 
sie zu pfilnden : ^^wöUen dann die Thröner nnsem Förstern die andert- 
halben Gulden Oelts so sie Inen bis daher jerlich zu geb^i pflegten 
fürthers mit geben, so mögen sie es unterlassen, dan die Merker wol- 
len nitlyden da0 der Förster halben den Aufimerkem ejniebe gerech- 
tigkeit in der Mark gestatei werd.'^ Mglb. £. 29. üb S. 135. 
Wmter wird bemerkt im Jabre 1667, die Jungfern zum Thron hat* 
ten gebeten ,,Inen zu grannen daß tie mögen mit Irem Yiek wen- 
den, und weilen machen in der Höhmark an etlichen Orten so den 
Merken entlegion syen. Solchs Inen abgeechlagen, wie hiebevor im 
Jar 1549 aueh geschehen^. 

Priester werden in den Verhandlungen der Hohen wie der Seul- 
bnrger, Erlenbacher etc. . Mark fiiet nur genannt als Zeugen. So 
namenäioh bei dem feierlichen Märkerding bei Oberursel im Jahre 
1484 Nur die Hatsteiner und Beiffenberger senden, weil sie sonst 
keine geeignete Beamte hatten, ihre Capeliane auf die Märkerdinge. 
So wird 1586 eu dem Aussohuss nach Homburg geschikt * Georg 
Betseler Oapelan zu Beiffenberg, 1545 zu dem Ausschusstag Herr 
Jorg.«..P£arrher wm BTSSenberg und Hans . . . . Soholthes daseibat. 

Neben den Edelleuten eraUten auch die Fastoren vorzugsweise 
berüeksiofatigt werden bei der Wahl der Märkermeister: ^were aber 
kein Bdehnan der darum beden 'wollte, were dann ein Pastor in 
der Mark der darum bete, sol im gelassen werden.'^ Nur ein ein- 
fligesmal aber findet sieh ein Pastor bei der MSrkermeisterwaU berück- 
sichtiget Im Jahre 1485 während der Streitigkeiten des Waldpoten 
bei diesen Wahlen in der Seulbiurger, E^lenbadier etc. Mark haben 
die Yon Petterw^e, Nydem Irlebach und Ober Irlebach gehöre» 
den Paalor ütt Obena Irlebaßh, die vy)n Qulczhusen, Eoppem und Sul-« 



^ In der Seal)). Erlenb. Mark wird in ähnlicher Weise beim Umgang 1593 
ein »»heiliger Acker'' bärllhrt, bei demselben stehet der SS. Hänfen ; unten am 
heiligen Aeker naok der RegeUbaoh zv, der 9L Haiii^ Mglb. B. dO. IV. -^ 

' 19 



- 290 — 

borg aber Erwin Dogel« Ak aber die von Pelterwyle gehlM haa 
daß Erwin Dogel von den Eppenstrinem gekom were, lo stundea 
sie von dem Pastor und koren auch Erwin Dogel, damit er die Mehr« 
heit gewann. Mglb. E. IT» S. 152. 

Im Jahre 1583 1^ der Kriler von Hombuiff den Entwurf zn 
einer neuen Ordnung Yor; in demselben heisst es sum zwöUSken, die 
Erwehlung und Eiesung des Merkermeister anlangend: man solle 
wehlen, so maus kann, aus den Edeln die in der Mark gesessen, oder 
lantman die Vornehmsten und nutaestea. Der Fastoren wird nicht 
mehr gedacht 

Auch die Bevorzt^fung der Pastoren in Betreff der Jagd war 
wol nur noch ein AnUang aus einer vergangenen, roheren Zeit Schon 
im 15. Jahrhundert findet sich keine Spur der Benutzung vor. 

Wie der Bereich der ^emaligen Höhmark staatlich zertfaeilt und 
in Stückchen zerrissen ist, so auch in Folge dessen der kirchliche 
Znsammenhang. Nach der Beformittioa wurde in dem einen Dorf 
die hiliierisdie Predigt eingeführt, in einem andern daneben wurde 
▼on Churmainz die Messe wieder hergesteQt, in ein^i dritten stritten 
Lutheraner und Beformirte um die Kirche. Dies z. B. in Ober-Escli^ 
bach, wo die Kirche den letztern zugesprochen wurdi», weil der Lan- 
desherr dem Olaubeti der Beformirten zagethan war. Die Lutheraner 
bauten sich eine neue. In Oberursel wurde im Jahr 1604 die luäie* 
rische Kirche abgeschafil, Pfitrrer und Sohuldiener verwiesen. Die 
Menschen wurden nicht dirum gefragt was sie glaubten, es 
wurde ihnen vorgeschrieben was sie glauben sollten. In den Dör£mi 
und auf dem Felde erhoben sich Denkmale welche den daseibat 
herrschenden Glauben vor Augen stellten, selbst dicht am Walde 
wurden solche errichtet ; aber drinnen in den grünen Hallen, wo die 
gefiederten Sänger das Loblied ihres Gt>ttes fk>öhlich erschallen lassen, 
da verstummte das Kirchengeeänk, da herrschte gleiche Berechtigung, 
da verdttogte keiner der Landesherren den Glauben des Ander»» 
denkenden. 

Es findet sich noch ein Tbeil der Hohen Mark an der jdteii 
Strasse nach Webrheim, unterhalb der Sasiburg, mit der Bezeich- 
nung „der EinsiedeP. Dies hat aber wol , obgleich es von den Be- 
wohnern der Umgegend so gedeutet wird, mit einem Einsiedler, der 
zu ein^m ernsten, beschaulidben Leben sich in- den Wald zurtlckg^ 
zogen haben solle, nichts zu thun. Einsiedel oder Einläufiger war 
ein Mann der kein Feld bebaute. 

Der Juden wird in der Hohen Mark nur ein einzigesmal gedacht 
in einem Schreiben ab «n jüdischer Verbrecher gestfaft werden sollte. 



— J91 — 

Auf den Hirkerdiiigeii; bei den Umgangen; bei Strei%keiteii wird 
ibrer nie erwfthnt Als es snr Theilnng der Mark kam, haben die 
Obrigkriten einen gewissen Bmchiheil per Kopf auch der Jaden 
wegen beansprucht nnd ausgewirkt Der Hakdel wies sie nicht in 
den Wald; auf die Höh; sondern naek der Stadt. Nur wenn' sie 
gestorben waren wurden sie kinau^eiaragen auf die stÜleU; einsam^i 
Bnhepiätse in oder an dem Walde. Der Begr&bnissplatE oberhalb 
Seulberg; am Dachacker^ disnte fbr die ganze Umgegend besonders 
Ar Homburg; Holzhausen bat einen besonderen Fiats bei der ver- 
fUlenen Burg; Falkenstein und Cronberg hoch oben im Walde, Hed«- 
denÜHun am Harktplaits der Terschwundenen Bömerstadt 

Der Waldbott — Von der höchsten Bedeutung und schon 
im Namen als oberste Person in der Mark bezeichnet; war der 
Oberste . Herr und Waldbott oder Waltpode. Ob dieses Wort von 
Wald oder aber Ton Qewalt herzuleiten; ist wol nicht zu ermitteln, 
die wechselnde Sohreibwebe gibt uns in dieser Beziehung keinen 
Aidialt; es wnrd z. B. im Jahte 1401 ebensowol Waltpott wie Wal- 
pode und Waldbot geschrieben. Bei den Streitigkeiten um das Jahr 
1700 berühren die M&rker in einer Gegenbeantwortung auch diesen 
Nainen. Der Besitzer des Hauses fiomberg heisse nicht nur oberster 
Herr; eohdern er werde genannt ein oberster Herr *und Walpott. 
Beide Beaeiehnungen seien nicht zu tramen, sondern ein und das- 
selbe. Waldbott sei forestarius; saltuarius. Ein solcher sei schon 
aano 621 von Dagobert; dem Kdnig der FraiAen bestellt worden 
die Meereskttste gegen die Konnannen zu schütaen, wie solches in 
den Oem|U3hem des Bassenkeinnsohen Hauses vetustis et fugientibus 
Kiteris aa%0zeichnet stehe; gegen die B&uber in den Wmdem seien 
sie gesandt gewesen; so sei ein oberster Herr und Waldbott nichts 
andmrs als ein oberster Mürker, dem das Directorium mid die Ob- 
sieht auf die Mark und deren Ordnung aufgetragrai wordcQ; ein 
Schutz^ und Schirmherr welchen die Mäjrcker au dem Ende erwfthlet 
haben, damit er sie ge^en alle Gewalt schütze. Damit habe er^ so 
heisst es in der Beantwortung weüer; noch keine Jurisdiction erhal- 
ten. Nach dem laetrument bitten die Marker dem obenteü Wald- 
botten seine Herrliehkett in der Mark zu weisen, er besitBe nieht 
mehr BechtC; als ihm von den Märkem eingeräumt worden; diese 
hätten das rechtliche Eigenthum, er selbst könne die Mark nur 
mit Bath der Märker besteilen; haue er in der gebückten Hege 
auf der Strassen, so äoUe er dem landmanne büßen; die erwählten 

Märkermetster könne er nicht zurückweisen, nach dem Instrum^it 

19* 



— 29» — 

habe er sie zu beetfiligen; der Eid defBelben sei aU^ Mf die Ifark 
gerichtet; das Märkergeding werde geheget im Namen dee oberstea 
Waldbotten und der gemeinen Märker. 

Hiergegen lässt sich aber gar Vieles anführen« Schwerlieb hahes 
die Märker selbst den Waldpotten gewählt^ ihm Sehnte nnd Sehirm 
der Mark gegen Bänber übertragen. Auch nicht eine^nr findet sich, 
dass er die Obei^walt im Kriege, oder zur Veräieidigung gehabt. 
Als er die Märker zn den Wolfsjagd^i bestellte, fand er den he^ 
tigsten Widerspruch. Die Mark nmfasste zwar früher au<^ die Doif- 
scbaften selbst, der oberste Herr und WaUbott war aber nur ftr 
den Wald selbst eingesetzt Dafilr sprechen die AusdHioke' „obemter 
Märker' und auch „Oberwaldpott^^ (Seulb. Erl. etc. Wästhum von 
1493. Mglb. 30. No. 4) 

Als bei den Streitigkeiten über die Wahl und Einsetzung der 
Märkermeister längere Zeit die Mark unbestellt geblieben, waren es 
die Herrschaften die das Märkerding zu hegen untemamen. In Be- 
treff der Ausmärker hatte der Waldbott unbestritten die Bestrafong 
der Waldfrevel und den Eintrieb der Frevler, auch bei diesen heisst 
es aber, dass der Waldbod mit ihnen leben mag wie er wolle „ane 
den dot und lemede^. 

Es ist alle Wahrscheinlichkeit dafür dass die Einsetzung des 
Waldboten ein' Werk der Fränkischen Könige ist In dem Auftatoe 
über die Hohe Mark, im ersten Bande dieses Archivs, ist wied^diolt 
auf den innigen Zusammenhang derselben mit dem Deutscheil Reiche 
selbst hingewiesen. Nicht Wunsch und Bedürfiiiss der Mäcker führte 
die Einsetzung herbei, sondern das Streben des Königs jeine Gewalt 
zu festigen. Alles was das Eigenihum der Märker an der Marl( be- 
traf, die Verwaltung, die Nutzung, selbst die Aufticbt Uii^b dem 
Märkerding vorbehalten ; der Waldbott aber hatte das Mätkergediag 
zu hegen, in dringenden Fällen ein solches zu berufen, er hatte 
die obersten Beamten der Mark zu bestätigen, sie nöthigen£alls bei 
der Ausübung des Amtes zu schützen und zu sebirmen; sie aber 
mussten ihm der Mark wegen geloben ^^ EndBeh stand ihm der 
Wildbann und das Strafredit über Ausmärker zu. Weiter ange- 
sprochene Amtsredite waren nicht unbeatritttti, namentlich dies nicht 
die Ausdehnung des Biehteramtes und der Blutbann. Ueber die sur 



» So auf dem Märkergediag der hohen ICark im Jahr 1488 : globete Cane 
von Riffenberg Jörgen Brendeln . . an des obersten Walpoden Stadt Jn sin 
hant, der marg getruwelich für zu sin, und sie zu schozen und zu schirmen als 
ferre jme orafft nnd maoht getragen mag. Mglb. 29. 11. 



— 298 — 

h^hen Mark gel^ötenden Gemeinden hatten die betreffenden Herr- 
»ohifcften da« Gmcht über Hals und über Haupt ^^. Da die Markwal- 
dung aber gemeinsameB Gut war, konnte fUr sich allein keine der- 
selben da6 Gericht darin in Anspruch nehmen. 

Im Jahre 1600 schreibt der Märkermeister Niclas Bnpell an den 
MKrkermeister Hildeblraiid ^ Sohultheissen ^ Bonames, theilt ihm 
mit wie der Landgraf Torhabe die Personen; so die Juden in der 
Ifork bei dem Fahrbom umgebracht ^ richten und wie man sage 
deni^nen vierteln und auf 4 Straßen henken zu lassen. Er befürch- 
tet, dassderWaldbott aus solchem eine Gerechtigkeit schöpfen wolle. 
Allein es wurden keine Schritte dagegen gethan. Heftiger war die 
Unaufriedenheit weil der oberste Herr und Waldbott die in der 
Hohen Mark erschlagenen Körper, es mochte yorsätzlich von Men- 
schen oder ohngeftbr von Bäumen geschehen sein, in oder ausser 
der Mark b^raben lassen wollte. „Es sei bekannt,'^ so führen die 
Märoker beschwerend an, „dass in anno 1660 eines Urseler Wagners 
verUichener Körper aus der Mark, worinnen er von einem Baum 
ersehlagen worden, von denen Houmburgern, bevor man's zu Ursell 
gewahr worden, nach Steden getragen, und dass auf Anflehen der 
betrübten Wittib (die Urseller) umb dessen Wiederabfolgung ange- 
sucht, auch einen Bevers deßwegen von sich gegeben haben. Dies 
sei ohne Priyudiz der Mark geschehen, und auf dem nächsten Mär- 
kergeding dag^en protestirt worden«^ Auch diese Beschwerde war 
vielleicht mehr gegen die harte und willktthrliohe Ausdehnung des 
Blutbaames, als gegen die Bichtergewalt des Waldpoten selbst ge^ 
richtet. Bei Streitigkeiten unter den Märkern, so z B. bei den Strei- 
tigkeltsii dei Frankfurter Baths mit dem lantman, wegen Kohlen- 
Kefennig an dea Kessler von Bonames, ist die Bichtergewalt des 
Waldbotten von dem Frankfurter Bath angerufen worden. Auch aus 
den gemeinen Märkem haben dies welche gethan, so Bernhard Ebel 
roa Nieder-Erlenbach, welcher zu einer Busse verurtheilt, im Jahre 
1699 an den Waldbotten appellirte, diesem seine positiones und pro* 
batoirial Artieul ousandta Damals wurde vom Senat nach eingehol- 
tem Berichte decretirt: „dem Seh ultheiBsen zu Nieder-Erlenbach zu 
bevdhen mit der anbevolhenen Pfändung gegen den Bernhard Ebel 
bb auf weiteren Bescheid einzuhalten^. 

Bei dem, Ende des 16^^ Jahrhunderts statthabenden Streit wegen 
Einsetzung der Märkermeister in der Seulberger, Erlenbacher etc. 



» Qrisim, Wdsthftner UL 8. 496 ff. 



— 29» — 

Marky erboten sich die Regienmgen zn rechtlichem Auftrag. Ans 
dem Jahre 1490 findet sich dass der P&lzgraf einen gütlichen Tag 
gen Germersheim ernannt^ die Irrungen ziimohen dem Herrn von 
Hanau und „den andern Härkem^ hinzulegen. Es sind „Isenberg^ 
Sohns y Eönigstein und der Eath alhie utf freitag Sant EKsabeihen 
tag ersdiienen und allda ejnhellig dieser norteln eins wordod den 
tag abzuschlagen'^ Im Antwortschreiben an den Pfalzgräfen wurde 
hervorgehoben dass die herschaften nit Fug haben dem ang^etztdn 
Tag ohne den gemeynen lantman und merker zu besuchen; würde 
ein gütliche Tag ,in den augenschein' angesetzt, werde sich der 
Handel am besten beilegen* 

Des Pfalzgrafen Antwort war, er habe zu gelegner Zeit einen 
Tag ia den Augenschein ernennen wollen, sei auf Anregung des 
Herrn von Hanau davon abgestanden, er anderwerbe ejn tag der 
mark halben uff Domstag nach conceptionis Mariae allhie by: eju 
komen und sich über einen Noteli einhellig vertragen, doch solcheoi 
notell nit geen zu lassen, sondern ein Merckergeding zu halten • . 
dann „mit Verwillignng des lantmans^' sein Gnad die verfsst noteU 
zu schicken. 

Hierauf antworteten wieder die Begierungen: Sie hätten eit 4en 
Märkem vorgelegt, kein ander Antwort .erhalten, . dann ^wie sie 
haben ein gewonlichen platz auch irer bestelnuss lang, alt geübt 
herkomen, des mayn sie sich zu halten und gefuge Ine Iren nach« 
komen deßhalb kein Irrgang zu machen, es sei auch in Irem Ver- 
mögen nit aus Iren kosten der Mark halber solicher ferren tagreise 
zu erlegen^. 

So wurde im Jahre 1491 auf der Auen vor Ober-Etlebach ein 
Märkergeding gehalten, bemerkt, dass die M&rker das Begehren des 
Hwm Pfabsgraf en , welcher auf Ansuchen des Herrn Philipp Grafen 
zu Hanau gütliche Tage der Irrthnm halber nach Germersheim an- 
gesetzt, zum zweiten male abgeschlagen „sunder in Augenschein au 
komen begert haben". Darauf haben sie, aufgefordert der Mark 
Rechte zu weisen ausgesprochen: „die marg sei der herren ejgen- 
thum und der mercker erbe^« ^ Mgb. E. 30. H. — 

Auffallend ist das Vorgeben des Waldbotten, die Hohe Mark 
sei ein PflLlzisches Lehen. Als dies im Jahre 1487 ausgesprochen 
worden, sagten die Märker: die Mark sei ihr Eigen. „derJjantman 
hat sich daß nit hoch anfechten lassen". 

Wiederum wurde die Behauptung, dass die Mark Pfalzisches 
Lehen sei, im Jahre 1586 vorgebracht. Als bei grosser Erbitterung 
die Hessischen Gesandten auf der Aue vor Ursdl Drohungen fallen 



— 395 — 

l it a ae ny da fügten sie bei: Bmtemal Ihr fiirstl. Qn. die Höhe Mark 
▼on d^ cbiirftüfBtL Pfalz zu Lehen trüge , (wie er Hans Herman 
Mönch daa bei seiner adliehen Ehre könne affermiren/ und deshalb 
habenden Färstlichen Memorial Zettel deme von Hattatein und 
Herrn Ghrittoffen zum Jungen yorgezeigt) auch die Leih neulich 
•mpfuig^ und angenommen worden/ würd ihr gn« ibrBtu.Herr selbst 
uff Mittel und Weg bedacht sein, wie denjenigen so sich unbefugt 
darin dringen wölteu; fUglich begegnet werden BoUt, Darauf bemerkte 
der AuBschuss: es komme ihnen befremdlich vor^ dass die Höhe 
Mark itzt allererst ein churfttratl. Pfalzgrayisch lehen angegeben 
werde, das Listrument weisse aus, daß Grund und Boden und die 
Mark selbs derMwker rechtlich eygen were; wollten solche Anzeig 
auf ihrem Werth und Unwerth beruhen lassen« Die Hessischen Ge- 
sandten erwiederten: dieMftrker möchten iht Verwundern einstellen, 
denn dass sie sich uff ein alt Instrument ziehen theten, das were 
bei lebzeiten eines alten Herrn von Eppsteiu; der sich des Lehens 
nit erinnert, uffgericht worden, und hätten diejenig, so gedachtem 
Herrn von Eppstein und auch den Merkern ihr recht und gerechtig- 
keit damals vermeintlich aufgewiesen, kein juramentum leisten wol- 
len, auch ihren Weyßthumb ajdhaftig nicht betheuem können, dass 
ako dein Eigenthumsherrn der churfbrstfichen Pfalz an der Mark 
derzeit nichts begeben worden. Der Ausschuss wiederholte das frUhei: 
gesagte: „die gemeinen Merker wtUHen sich aus dem Instrumente so 
schlecht nicht treiben zu laasen^^ 

In spftteren Zeiten ist der landgraf von Hessen nie mehr auf 
diese Behauptung zurttd^koiumen, namentlich hat er hm. der Thei* 
lung der Mark die Entschädigung nur ftlr sich allein beansprucht. 

In andern Fällen, in der Feldmark, war es gewöhnlich dass bei 
gemeinschaftlicher Terminei auch der Blutbann gemeinschaftlich aus- 
geübt würde. Es scheint dies wenigsteuB aus einer Verhandlung her- 
vorzugehen welche im Jahre 1579 auf dem Mönchshof bei Nieder- 
Ursel zwiseben Königstein'schen Abgeschickten (als Besitzer von 
Weisskirchen) einerseits, und Solmsischen und Frankfurldschen (als 
Besitzer von Niederursel) andererseits gepflogen wurde. Es geschah 
dies des Krebsers halben, welchen die Niederurseier Unterthanen in 
des ausgegangnen Orts, Mittelursel, Terminei krebsend ergriffen und 
gefänglich nach Frankfurt geführt Die Eönigsteinschen hatten fo]r 
gends fürgeben, das« ihrem gn. Herrn die hohe Obrigkeit des Ortfl 
allein gebühre, hatten verlangt den Krebser wiederum an das Ort^ 
da er g^piffen, zu stellen. Bei dem Güteversuch auf dem Mönchhof 



— 296 — 

behauptete Eönlgistem in der ,)Mitteluneler oder Mittelgeriohtstanm- 
ney^ die hohe Obrigkeit und den Blutibaan^ audi das Geleit zu 
haben ^ das, Gericht werde in Eönigsteing; als obersten Blutrioh- 
ters Namen^ geheget^ die andern Obrigkeiten (für NiedemrBel) hätten 
nur mittel- und niedere Obrigkeit in dem ausgegangen^i Ort. Solma 
und Frankfurt aber geben vor dass die Mittelurseler Termini 
KönigBtein einerseits; Sohns und Frankfurt andererseits, in gemein 
eigentlitimlich zustände, mit allem Gericht und Gerechtigkeiten, sie 
seien sämmtlich Stände des Reichs, hätten die hohe Obrigkeit zu 
exerciren; das Gericht des Ortes werde mit Solms'schen, Frankfur- 
tischen und mit Königsteinschen Schultheiß und Schöffen abwech- 
selnd geheget, es werde das Gericht ein durchgehend Gericht ge- 
nannt. Die Weisskircher hätten eine Person mehr, denn sie, in das 
Gericht zu setzen gehabt, (einen Schultheissen und 3 Soheffen, sie 
nur einen Schultheissen und 2 Scheffen), vielleicht so der Abstim- 
mung Wegen; dadurch seien die Niederurseier überwältiget, das Ge- 
richt zweimal von Weisskirchen gehegt worden. Das Geleit werde 
nicht zugegeben, dagegen protestirt. Man solle das Gkriohtsbuch, so 
in Weisskirchen verwahrt werde, ediren, darin nrlisse im Eingang 
sich finden von was wegen das Gericht zu hegen, wem es zuständig 
sei. Wer es zu besetzen habe. DerErebser sei übrigens nichts anders 
wegen beschuldigt, habe sein ersten Versuch gethan, kein leibsstraf 
verdient, es sei nur eine sohlechte Missethat die mit Geld oder dem 
Thurm zu verbüssen. Er wäre nun bald ein ganz vierte Jahr in 
schwerer Gef&ngniss gelegen und „also seines Erebsens ziemlich ge- 
strafft worden^', wären bedacht ihn ledig zu geben, solches avisuren 
sie „damit Königstein, als Mitherm nichts praejudieirt werde'S Es 
ist aber zu einem Verständniss nicht gekommen. — (Mglb. E. 44. 
No. 18.) 

D^ Waldpott hatte auch die Mark zu bestellen, dies aber nur 
„mit Bath der Märker'S Für die Hohe Mark sprechen dies die 
Märker im Weisthum von 1484 aus. Dieser Beirath der Märker war 
wol mehr als ein blosses Abgeben einer Meinung, denn wie die 
Mark dann bestellt wurde, also soll es dasselbe Jahr von einem 
Waldbotten auch gehalten w^den; verbreche es aber «in Waldbott, 
so soll der Märker oder landtmann, ob der darnach auch verbreche, 
nicht büssen. In gleicher Weise war im Instrument der Seulburger 
Mark vom Jahre 1493 ausgesprochen, wie der Walpott die Mark 
bestelle „mit Bath der Märker^ also soll es das Jahr aus gehalten 
werden. 



- Wf - 

Wie ab«r eine sölohe Vetdinbanüi^ zu Wc^e gekommen, das 
wird gewiss fUr yer0cluedene Z^ten Yenohieden zu beantworten sdn« 
Die v(Hrhandenen Urkunden berichten in beiden Marken tlber Strei* 
tigkeit welche der Wahlen wegen sieh erhoben. Ab bei dem Mftr* 
kerding der Sewlnburger oder Nidder Irlenbacher Qemark im Jahfe 
1541 die Märker auf einem Haufen beisammen gewest, hat Diethor 
Gewand, der achlaoe Anwalt des WaHpoden^ angezeigt, die . Märker 
hätten auf letztem Mä^kergeding Johaim Fleckenburg, Amtmann, 
zum Mäf kermeister vorgeschlagen ; da der oberste Walpott nicht zu- 
gegen gewesen,, habe er, der Anwalt, ohn Vorwissen desselben den 
Gewählten nicht bestätigai können, jetzt sei der oberste Walpotte 
zugegen, begehre einen Märkermeister mit dem landmen zu erwäh- 
len. Der gemein Märker liess das Instrument yerlesen. Der Anwalt 
hob hervor darin sei bestimmt, daes die Mark im Beisein eines 
obenttti Waldpoteai ^mitBath der gemein Märker'^ bestellt sollt wer- 
den. Sein Htm: sei erb9t% die Mark helfen «u bestellen und zu thun 
was ihm gebühre. Die Märker aber traten wieder zusammen, bespra< 
oben sich und liessen. durch ihren Bedner , Johann Sj^hwilb, Burger 
zu Frankfurt, fbrtragen, dass aie jetzt wieder Johann Fleokenburg 
gekoren, mit bitt dass der oberste Waldpot denselben, wie. von 
Alters herkommen bestätigen und in gewdhalichen Eid aufnehmen 
wolle. 

Die Geschichte dieser Marken zeigt uns auf jedem Blatt, dass 
der Streit welcher jetzt in den Deuts<^en Ständekammern über die 
Berechtigung der Volksvertretung gekämpft wird, keineswegs. inEng-« 
laod seinen Ausgangspunct hat, dass er vielmehr ein ächtde^tsdier 
ist und dauern wird so lange das Deutsche Leben noch pulsirt'^ Es 
ist nicht eine einseitige Macht und Gewalt welche dem geäammten 
Staatsleben als Fundament dient, so dass nur in ihr einige, dem 
Untergebenen eingeräumte Bechte gleichsam wurzeln , son4em es ist 
eine weehselseitige Beschränkung der Bechte, deren Ausdehnung 
und Begrenzung wesentlich von der Klugheit UAd Beharrlichheit der 
Kämpfenden, aber auch von den Zeitverhältnissen abhängt Der 
Güteversueh, das Vertragen und Austragen werden immer wieder 
vorgeschlagen, zur Hand genommen und versucht. Als im 
Jahr 1488 der Auwald des Waldpotten das Märkerding auf dem 
Flecken, wie von Alter herkommen war, nicht halten woi- 



>T De minoribus rebos prindpes coDSultant; de maioribns omnes : ita tarnen, 
ttt ea quoqae, qnomm penes plebem arbitrfam est, apudprlndpespertractentar. 
Tadt Germ. XI. 



— 398 - 

len^ sondern wegen der streitigen Märkermeisterwahl ohn lAen ab- 
flchejt mit den Ton Seulberg abgescbieden, haben sich die Sendbo- 
ten der Herrschaften darauf bedacht, und dem lantmui auf ihrer 
Seiten gesagt: sie sollten die Mark gebrauchen wie Ton Alüer; dann 
aber! es sollten die Sendboten den Herrschaften vorbringen und sie 
im GedächtnisB zu dem n&chsten M&rkerding halten, ^tr^flich und 
80 dapp^Kch bu schicken, deß da stadlicfa guilidiiß oder rechtlichiß 
ußdragi0 sich eu yerdragen^^ 

Nichts bereditigt aber au der Aniaame dass es den Mlbrkem der 
Hohen- und der SeulbergeT) Brlenbacber etc. Mark zugestanden 
von der Gewalt des Waltboten sich loszusagen, wenn et d^o getrof- 
fenen Anordnungen sich nicht geftlgt Die Schirmherrschaft des 
Waltpoten an und ftir sich war ebenso festgestellt, wie das landes- 
herrliche Verhftltniss. Als der Waldpot, um seine Ansprüche bei 
der Wahl der Märkermeister durchzusetzen die Hegung des Mir- 
kergedings unterliess und die Mark nicht bestellte, wurde diesem 
Noilistande durch Vermittelung der Eegierungen abgeholfen, aber 
darnach eichen wir die Gewalt des Waldpoten ungeschmälert wieder 
vortreten. In den ftltesten Urkujiden schon, in den Weissthümem 
der Hohen Mark von 14D1 eteht voran dass die Mark der Dörffer 
rechtlich eigen sei. Umnittdbar darnach heisst es aber: „und dar- 
über eyn oberster Herr und Walpode sei ejn Herr von Eppenstein, 
oder wer Hoenberg von sinetwegen in habe/' Dann folgen die 
Pflichten des Waldpoten, die Mark alljfthrlioh zu bestellen, und seine 
Gebote über den Wald selbst auch zu halten. Thut er das nicht, 
so kann er desshalb nicht bestraft werden ; aber wenn er das Gebot 
bricht, so ist auch der Merker nicht mehr gebunden. Hauet er oißt 
die seinen in der Hegemark, so soll der lantman nit büssen, ob er 
darnach auch darinne hauet; wie er den Wiltpan besteilet, also soll 
er ihn auch halten, verbrechet aber er das, so mögen es die Merker 
auch verbrechen. Nur in dem einen Fall soll auch der Waldbott 
straffidlig sein, wenn er in der gebickten Hegemari^ auf der Strassen, 
also in dem zur Landesvertbeidigung gehegten Walde, hauet. „So 
er aber das thät, soll er dmn landtmann büssen.' Es ist nicht ge- 
sagt ob der Busssatz der gleiche sein soll wie wenn ein Märker das 
verbrochen, auch ist kein Beispiel aufzufinden, dass je eine Strafe 
desshalb gegen den Wäldboten verhängt worden, aber in den ge- 
druckten Ausgaben des Instruments von 1484 ist auf dem Rande ein 
„Nota bene" beigefügt. 

In der Hohen Mark ist das Amt eines Waltpotten an den Be- 
sitz von Homburg geknüpft Auch in der Seulberger, ErlenlMkoher eta 



— ÄW — 

IIsiAl war dos Amt an Hofabnrg geknttpft «ad swar afi den reeht* 
liehen Beiits dawdben; es ist dies durch das Härkecgeding v<m 
1491 ansgesproehen ini den Worteat ^das ein igficher d«r hoembevg 
mit got und mit eren inhab^ das derselb ein oberster Waltpode jder 
marg sj." Im merkergeding roh 1488 weisen und erkennen die 
Märker Hörm Philips Grafen nnd Qerm xu Hansa itst; und naoh 
ihme den, der Hombnrg mit Iren (Ehren) nnd rechte inn hat Air ein 
obersten Heitn und Walpoden der Mark. ^ Mglb. SO. No. 4 [2]. 

Als im Anfange dieses Jahrhnnderts über den Besitss von Hoin- 
bnrg willktÜn-Uch dnrch den Kaiser von Frankreich yerfligt wiurd^ 
hatten die Mä^^r nichts mehr sn wosen ond nichts mehr zu er* 
kennen 1 — 

Auf dem Märkergeding ven 1401 feria quarta infra octavas 
pasche als der Schreier den Dorfen gesufrn hatte, spradi Scbudereyn 
der Schultheiss au Ho€nberg (Hombui^) va Henne Clennnen und 
Sieliold Heylbeeher dem Sdiubheiseen flu Harhefm, daas sie austreten 
dnd den hmtmann an sich nehmen, sie sollten weisen dieweU Henne 
Brendel Hoenberg von der herschafft von Falkenstein ^^in pfandeß- 
wjse inhette, ob sie dann denselben Hennen Brendeln irkenteniejneii 
obersten Walpoden.^ Darauf haben die Mftrker einmfithiglieh ge- 
weiset, dasii über die Mark ein oberster Walpode sei ein Herr vicai 
Eppenstein oder wer hoenberg von sinen wegen, inhabe, nnd wan 
iss dann ejxx berre von Eppenstcdn wjder gelose (auslöse) oder I»^ 
gew]fnne so sj er iss aber ids TOr^. M^« £ 29. H^ & 3 o. H 
8.83- — 

Noch fixk VerbKltniss ist hier an berühren, der Fall nemlkh 
wenn swei Personen Anspruch maehten an das Amt eines Wald* 
betten. Es geschah dies im Jahre- 1456. Auf Samstag nach fiL 
Eaäurineutag begehrte Hans Walbom, gen. Hans, Tonwegen seinem 
gn. H. von Kataenelnbogen der auf die Zeit einen Theil an der 
Stadt Homburg inne hatte, nnd von wegen Jnnghem Gotfrit H. au 
Eppenstein der^ das Schloss Homburg gann und einen Thett aa der 
Stadt auf die Zeit inne hatte, zu weisen des Walpoden Herrtichkeit 
und der Mark Hecht. Da bat Simon darauf, es wiure Nodi dass sich 
der lantmann bespräche, und als dies gesdiehen, enEählte er von 
des kntmanns n^agen, dieser hätte geweiset^ es sei von altem Her« 
kommen dass em oberster Walpode sei ein Herr von Eppenstein oder 
wer Homburg von seinet wegen inne habe, das lasse man auch noch 

A, aber da nun zwei Walpoden auftreten, so habe der lantmann 
an red^n« Es sei allw«gen Herkonmien dass man einen' Wal« 
poden gehabt habe^ imd "wenn an Zehen awei Herrn von ^BppaHBteän 



— «0 — 

in nngetheiUem Gkit gemessen^ so wäre der Eltesto fttr einen Wal- 
poden geweiset worden und nit der jüngste. lEir verlangte dam sie 
sich einigten and welchen sie gäbeo; der solle dem lantman ein 
Walpode sein ! Da redete Hans Walbom^ ging auf die Weisnnge 
und Zettel und meinte demnach sollten sie beide^ . derweil sie Hom* 
bürg inne hätten Walpode sein. Simon aber erwiderte : „er hette 
geweyset also jne der lantman geheissen hette, er lasse zedel sedel 
sin.^ Es ist danach in demselben Jahr noch, Donnoirtag nach Ki- 
lias; ein gemein Märkergeding gewest^ dahine dann der Edel und 
Wolgebome Jnngher Godefrit Herre au Eppenstein geboten ••. und 
▼erlai^te 8e. Edelkeit ihre Herrlichkeit und Gerechtigkeit zu 
weisen. — 

Später findmi wir zwei Waldpotte ebenso in der Seulb. Erlen- 
bacher etc. wie in der Hohen Mark. Das im Jahre 1569 in der 
enteren abgehaltene Märkerding „hat der Ehrenhaft und Wolacht- 
bare Hans Sehaffnitt; gen. Koch^ Amptmann zu Eppstein anstatt 
und Ton weg^.«. G. Wilhelm Ludwig Phttipsoi und Georg Land* 
gfaven zu Hessen geheget Ebenso fährt an das jiVerzeichniss des- 
jenigen was auf dem Mäikeigeding vor ObernUrsel tfi 1578 Yexh 
handelt worden,*^ dass der CSanzler Nordeck erschienen sei im Namen 
der durekl. hochgeb. Ftirsten und Herrn Wilhelmen und Herrn Phi-^ 
Kpseuy Gebrüdern^ Landtgraffen in Hessen^ Graren in Gatzeneln- 
bogen etc. Er ereält dass^ na^dem hiebevor das Markgeding im 
Namen aller Gebrüder der Landtgraffen zu Hessen gehägt wor- 
den^ neulicher Zeit aber Ihre f. gn. sich verglichen, dass hinfiJLro das 
Hana Uombuig und dessen Zngehörungen Landgraffen, Wilhelmen 
und Landgraffen Philipeen allein zuständig sein solle.^ Zuletzt 
wird. der neae Waldschreier fürgestellty und ^^im Namen beder ob» 
gedachten Fürsten zu Hessen durch den Herrn üantzter in GelQbdt, 
Eidt nnd Pflicht nfigenommen'^ 

Ebenso wird es auch bei VerpÜLndung spätw nicht mehr so 
genau genommen : Schon im Jahre 1545 wird bei Gelegenheit des 
Ausschasstags bemerkt „uff des durchl. hochgeb. Fürsten des Heim 
H. Phjlipsen Landgr. zu Hessen, Grafen zu Katzenehibogen, etc. 
assgangen befelch, dast der Wohlgeb. H. Herr Ludwig Graf zu 
ätolbeig Königstein, Wernigerode und Rechfurt, Herr zu Eppsteb, 
Müntzenberg und Breuberg mit gem. Märkem ein Ordnung in dem 
Wald, die Hohemark genant fttmemen und uffrichten sollen, . . . 
sind etüohe Märker zum Ausschuss erfordert, die hab^i . . . bedacht 
und abgeredt „doch uff mit Bewilligung hochbedachts Fürsten unsere 
gn. Herrn u. woh^emelts Grafen m Kdnigstein, auch unsere gn. 



- 80< — 

Herrn^. Am SehhisAe heiest es, dasB zugegen gewesen Im iS»u» 
Ordmuig von wegen onsers gn» H. Ftkittten n. H, cu Heaseii als Erb- 
wütpotteB) Diether Gewend . . . u. v. wegen Königftteyns ^ak Pfand- 
Wartens« Philips RTffenBtejn etc. — Im Jahr 1563 wird daa 
Ifibrkeigeding gehißt „von w^en des Fürsten yon HiBssen, als 
rechten JBrbherm and öbenten Waltpotens, auch von wegen dM 
gestrengen Fridrichs von Bjffenberg als Pfandthem und und^rwait- 
potens des Ampts HombergL^^ 

Die steigende Macht des Waldbotten wurzelte ebensowohl in der 
klugen, nicht gerade immer rechtlichen, Benutaong d^Ehrenrischte, 
wie der eig^atlichen Vorreehte oder Amtsreohte. Zu den etstoreii 
gehörte die Jagd, die Beheizung und der EiBtrieb der Schweine in 
die Ejckenu 

Auf dem Hftrkeigeding Mittwoch nach 8i Margaretiia aano 1445 
war der edle Jungher Gotfrid von Eppenstein bei Ursel auf der 
Aue, liess ihm da weisen seine Bechte und HerrUehkeit ttber dae 
Mark, und den Märkom Artikel zur Beantwortni^ vorlegen. Der 
erste Artikel lautete : ,,wie ferm und wie weit sein, Wiltpant ginge^. 
Die Beaatw<Mrtang zeigt uns wie damals noch der Begrtf im den 
Mirkera lebte, dass Wald und Flnr zusammen die Hadk bildete« Sie 
bedachten ab«^ der Waldpott möchte das ihm eii^erttomte Beoht 
missbrauchen, auch die Fischerei in derNidde beanspruchen^ so ant- 
wortsten sie ausweichend : Sein Wä^an gehe nit weiter dann er 
sein Hecken anbinde in der Mark, (als der Wald gehe) jjagete er 
aber hirze oder bynde uß den Hecken und folgete yn nach^ gonden 
(gönnten) ihm das die merker, doch wttssten sie nit abeü^ recht were". 

S^dkw^lich war der Wildbann v<mi den Mftrkem Mlbst dem WaU^ 
bottan eingeriumt worden; sie haben sich ihr altes Beeht des Jagesw 
wehl vorbehalten. So heisst es noch im Weisthum von 1401 auf OL 
Eatbarinen für & Hohe Mark: „Wan auch ayn Walpode den WiU* 
pann off dut und darjnne jaget, so ist dem lantsiaxi solidiee auch 
erlenbet^. Ebenso heisst es imWeisthum von 1401 feria quarta infrü 
octavas pasche: „so mag auch eyn walpode uff denselben tag d«a 
wütpan bestellen, und wie er iß bestellet also ssl er In aueh halden, 
verbrechet aber er das, so mögen iß die meroker auch verbrechen^. 
EM; im Weisthnm von 1484 heisst es dann: Ein Waldbott mag ji&r^ 
lieh uff S. Eathaiinentag so man die marg bestellet den wiUibeiuil 
zu thnn, alsdann aoll er' das Jar zu bleiben; ob aber ein Waldbott 
darüber darinn jagte, so soll es daroa<^ über drei Tagen den Mer- 
kern und lantman auch erlaubt sein zu jagen. 

Offenbar hat der Mttrii^er mehr auf das Becht selbst ab auf die 



- $oa - 

Awülmiig derJagd gehalten. Die letztere Tertnig iich nicht inst dem fori- 
ge0chrittenen Aekerbau, und mit den Arbeiten welche dieser in 
Anspruch nahm. Anf Sonntag Lfttare anno 1491 sprachen die Ittrk^er 
▼OB SeiAerg; Erlenhadi etc. ans: „Item das derselbe (ein oberster 
waltpode) jagen müge dry ti^e in der marg Yor allen merckem biS 
mitten in die Nidde nnd biß an den pfal, nnd daniach mHgen die 
mereker auch jagen'. ^ Mglb. E. SO. No. II. — Schon zwei Jahre 
später heisst es dann in dem auf Sonntag Litare 20 Mitfastm errick- 
teten Instnnnente: den i^lildpan mag her Philips Graf eu Habau als 
der oberhw und waldpot oder sone geschickten^ eins Jeden jars so 
maa die mark bestellet znthun, also dass in der mutk dasselbe 
Jahr au0 Nieman darhs jagen oder wildwerk trcnben soll Woh aber 
der waltpot oder die Seinen das ufilhun und darin jagen . . . • das 
mag er thun; und so er darinn gejaget, so ist e& drey tag darnach 
ritterU; edelleuten und ps^m in der mark gesehen , die darin eygtn 
rauch halten, und nicht erh, auch erlaubt sbu jagen, die mögen auch 
danm an des wdtpöten heeken anbinden und jagen. Und wan« solliehs 
also 6 Wochen und 8 tagen gewert, so mag der waltpot dartaach all- 
wegcR, wann er will, den wiltpann wider eutbun nach seinem ge- 
fallen; alsdtann soll der wieder eupleiben . , als lang bi6 der waltpot 
wider von neuem drei tage wie vorerst gejagt hat. Sie weisen auch 
dass der waltpot einem wildpreth in der g^end nachfolgen möge bis 
mitten in die Nidde auf dieser Seiten, und jenseit der holte deme 
dermaten nachfolgen 'biß in' den pfalgraben on Jntrag und verluDde* 
rung menigfiehs. ~. Mglb.^ B. 80; No: 4. [2]. 

Wahrscheinlich gab man hie): nach, in der Meimmg dass durch, 
die lEidtii das Becht schon gewahrt sei. Aber schon im Jahre 1588 
sdieinen die Edeln und Pastoren in der Seulburger, EMenbacher etc. 
Mark durchaus bedeutungslos gewesen tu sein; es findet sich fortan 
in den Markordmmgen die unv^st&ndliche Vorschrift c Art. 19. Wann 
der Waldbotte 8 Tage in der mark gejagt, sofl es auch Bitteniy 
Eddleuten, Pastoren die in der Mark sesshaftig und eigen Rauch 
darinnen halten, auch 6 Wochen und drei Tage, und länger nicht, 
erlaubt sein; und soU vermöge Instruments den Merkem (als denen 
ohne das darinnen n jagen verpotteh sein soll tmd pleiben) biß so 
lang der Waldtpott wiederum jagen wird, frei off^ stdien und also 
fortahn. — Mglb. E. 80. HI. 

Aehnlieh wie mk dem Jagdreoht TerMelt es sich mit dem Becht 
der Behokung*^ und des fiintriebs der Schwdne in die Eckern. 



^ Iti der Beulberg, Brlenbaeher ete. Markordaoay war bereits 1599 festge- 



\ 



— «08 — 

AnlluigB hemüg iidh die BarooIitigQilg des WalfcpottAii «of dm Be« 
darf der Heii0haltiing>. Ak die Holftverwllstiup^ in derJtfMk zanahm^ 
wurde den MSrk«cn . der Gebmmh dee HokeB befldirftnkt^ gerade zn 
der Zeit aJber begann der WaWx>tt das Hek der Mark* Air sieh in 
industriellen UnterneknrangM amaabeaten. Anf dem stiiniuschen 
Märkwding weldlea l£7ft TOr Ursel gehakto würde Uagten «rter 
and^ttm dieMKi^er, deif WaJdpott habe jsioht alkin in dem gehegtem 
Walde^ send^om aueh an dien straften^ da auch der Obrist Waldiiott 
sn hauen nit recht habe, gdianen und da&w^en' kein Straf geben wolksi. 
Noch mehr, er hab' etliehe Wagen xnU Hobi, in* der Mark gehauen, 
gen Frankfiurt führ^i lassen, welches dem Instnunent zuwider, und 
er ymrbQßen $olt Das Sbuen an verbolaen Orten, stellt der Keller in 
Alorede, dass aber Breonbolii aus der Mark in die Me0 gen. Frank-« 
fürt in die landgreflich Herbevg geftM worden, dae Teüttutwerten die 
HessisdKm Q-esandten; da Ihiie gn. F. u. B. Mjtmerker und.obvi&ter 
Merker weren, ttnd da aie ]n Hombui^ Hof hielten, och ganz und 
g«r aus der Mark beholzen zfedcbton, sei es mit zu vei^enken, dass 
Ihr £1 gn. diener etwan wenig Brennholz zur Meß notturffli zuge- 
sehiqkt irerde. 

Wie die Beholzung antiuags gewil» nur zu den fihrenseohteu 
des Waldpotten gehi^rte^ desren Ausübung und Ausdehnung, dem An<> 
stand iu»d ZAxtgeßÜd überlassen blieb, so auch die Befugnisa Schweine 
in die Eckern zu treiben. Es zeigt uns wie sehr, einfach die früheren 
Zeiten, gewesen, dass Hher diesen <}6gensiiand weitlftuftige Stnsitig- 
keiten entztanden aiad. Pie Märker behaupteten : dem Waltpatten 
stAnde nsor zu die Schweine seiner Haus* oder Hofhaltung emzutreit 
beii; dieser aber beanspreiohte nioht nur ein unbegrenztes Beeht, 
sondern nahm, nach der Anklage . der MSrker, Aueh fremde Schweine 
unter die landgrafischen au£ In der Seulburger ^, £rlenbacher Mark 
war der 8^^ ttber die Berechtigung Sebiiieine eimoiti^eiben noch 
yiel lebhafter. Es findet sich darüber in den Akten *- Mglk E. 80. 
No. 4. [6} — ein. auaflUirUches Verh$r. Dasselbe iat Überschrieben; 
,)bela¥|gend künde sage über die Seulburger und. Erlenhiudiep Mark 
eto. Ton den Eltestoim solcher Mark den 9» Oet. mup .1569 i^bgehöH 
wie Jnnlaulfau Deii Sohweintrieb in die Eckern so dis FftrsAen von 
Hezsen als abrieten Waldpotten praet^idirt Ihnen aber nit gestanden 



setzt wordeo „dass der Ober herr Waldtpott auf gewisse Ta^ nicht .gebindet, 
noeh ihm Maaß und Ziel fUrgeschrieben sein solt^. 

'* Seulburg, Sewelberg hat wol toh diesen Tbtere den Kamen, wahrscfaein- 
Heb errichteten daselbst, nnmittelbar am Walde, die Erlenbacber ihre Steigen. 



N 



— 804 — 

wovd«!, betreffend^. ; fis war anf dem Ifiirkergediiig 1669'TorgtBkouiiiieBy 
dasB dier Ämtmami zu Eppeteih auf Befehl sr. gn. F. a. H etüoh sehwein 
iB bemehe Miurk g^ethan^ hierauf die Märker abgetreten und einmüthig- 
lieh eBteohlöAsen: dieweil etlioh Mitmftrker nicht gegenwärtig, wolle 
den Mäfkem lo zugegen nit gepllren Antwort au geben , also den 
Amfiman freuniBioh und nacbparlieh gebeten ^esmal stille zu stehen, 
kei^e Neuerung inne au bringen, es wollen die Mftrker in 10 Tagen 
Antwort geben. Es wurden darauf die 6 Ortschaften; die Schulthe»- 
sen und Ehesten, auf den 9. Ootbb. erfordert. Jeder Schultheiss hat 
seme Untertbanen bei ihren Ajdespflidit^ft befragt, darauf ein jeder 
seine Wissenschaft erklärt wie nachfolgt Beuelburgk : Simon Schef- 
fer : ihm gedenke Wol 70 Jahre, er habe aber bei sdbes Tags nie 
erfahren noch gehört, dass die durchlauchtig hochgepome Fürsten md 
Herrn yod Hessen .... Sehwein in die Mark ingeäian oder inzn- 
schlagen begehrt. I^is gleiche sagen andere, so Henne Eerber von 
Petterweill, dem 70 Jahre und mehr gedenkt, der sich noch erinnert 
ydaß solcher Ort Homburg noch Hanauisch gewesen^. Ebeniso Caspar 
Schmidt imd Caspar Moller von Ober-'tlrlenpaeh , der weder selbst 
„noch Yon seinen Vor Eltern gehört, daß Schweine des Fürsten in 
die Mark eingetrieben worden, er habe 4 oder 6 Ihrer Fürsd. Qn. 
Kellner und diener zu Homber|f gekannt. Ebenso ahe Männer aus 
Nieder-Erlenfbach , Köppern und Holtzhausen, von letzterem Clees 
Moller, der vor 50 Jahren ,,in diese Mark gewandert^. 

Da der Waldpott auf die Klagen der Märker keine Bücksicht 
nahm, wiederholen sich die Beschwerden in den fblgenden Jahren. 
Im Jahre 1690, als observiret worden dass etsliche „fremde Schwein, 
dem durchlauchtigsten hochgepomen Fürsten und Herrn, Herrn 
Georg etc. Landgraven zu Hessen etc. anständig^ in die Seulburger, 
Brlenbacher etc. Mark, wider alt herkommen waidgangs zur mastung 
getrieben, hat der Märkermeister dieses sämmtlichen Märkem kund 
thun lassen, und seint die Häupter am 23. Sept. au Ober Erlenbach 
zusammen kommen, haben mit einhelligem Rath ein Schreiben an 
den Auwald Kellner zu Hoemberg v. d. H« Georg Vestenberger 
abgehen lassen ^daß er an statt hochgedachten Fttrsten solche Neue- 
rung abschaffe, deswegen eine schriftliche Antwort gäbe". Der liess 
mündlich antworten, dass solche schwein in beiden Marken ihre 
Mastung und Wayde haben sollten; wolle sich versehen die Märker 
wollen solches gut sein lassen. Diese wandten sich zur Abhülfe an 
ihre Obrigkeiten. Sie waren klug geworden durch das ITnhen welches 
den Hoh^ Märkem wider^H^bren wAr. 



- 305 — 

Diegen war im Jahre 1569 Ton den Bürgern zn Bonamese an- 
gezeigt worden^ wie der Amtman zu Eppstein ungefähr 60 Schwein 
in Walt getrieben habe^ obgleich von den Märkem beschlossen wor- 
den , und der Amtman in den Beschluss gewilligt, es sollt Niemand 
seine Schwein in den Walt trmben vor St. Michelstag. Die Märker- 
meister Hessen sich bedünken der Amtman habe wider das Instru- 
ment gehandelt; haben auf den 28. Sept. die Märker zusammenbe- 
rufen ^ und diese beschlossen einmüthigUch; dieweil der Amtman nit 
vorhanden sondern vorritten war: es sollt aus jedem Flecken einer 
alsbald in den Wald gehen und die Schwein aus dem Walt gen 
Homberg treiben, und sobald der Amtman wieder heimkäme weiten 
sie ihn ansprechen ^ dass er die Märker bei ihren Kochten schützen 
woUt Als etliche Märker so darzü verordnet waren „solchem nacb 
gesetzt und die seh wein in Homberg getrieben; haben die Homberger 
die Pforten zugethau; und dieselbigen Merker in Haft behalten'. 

Dies geschah trotzdem dass im Instrument von 1484 Art. 8 vor- 
gesehen war: wenn in der Mark Waiden Eckern , dasselbe zu be- 
sehen dann ein Tag anzuberaumen sei; daselbst man zu Bath werde 
wieviel ein Waltbott; die Märkermeister und ein jeglicher Märker 
• oder Landmann; Schweine in das Eckern treiben; und wie man es 
^ damit halten solle ; dem Armen als dem Reichen. 

Unbedingtes Strafrecht hatte der Waldpott unbestritten nur in 
Betreff des Ausmärkers. Wenn ein solcher in der Mark gefrevelt; so 
solle man ihn mit dem Leib und mit seiner Haab gen Homburg einem 
Waldbotten überantworten; zu strafen nach des Waldbotten willen 
und gefallen; ihn doch nicht tödten oder lähmen. 

Als aber der Keller zu Homberg im Jahre 1521 E. Erb. Raths 
Zugehörige zu Nidem Erlebach wider alt Herkommen gestraft; wurde 
solches dem gemein Lantman in clagweif fürgebracht. Als sich dann 
begeben dass der Keller ihnen das Holz genommen und von einem 
Wagen dazu einen halben Gulden zur Straf abgedrungen hätt ^wel- 
ches Widder alt herkommen und langwierigen gebrauch; auch nie 
meh beschehen gehört werO; sonderlich diwil die Straff dem lant- 
man; und dem Keller nit; zustünde^^; also hat der lantman gepilligt 
und erkannt: wo auf nechstgehaltnem merckergeding anno 1520 
durch den gemain landtman nit eingewilligt worden; dass der Keller 
zu Hoemburg bis auf dies jetzig Merckergeding strafen mögC; so 
habe der Keller solche strafe unbillig und wider alt Herkommen 
genommen und solle die wider herausgeben und den Gestraften be- 
handeu; und die von Nidem Erlenbach die Straf wie von alter Her- 
kommen vertudingen. 

20 



- 306 - 

Nur in dem einen Fall 80 jemand in der gebickten Hege auf 
der Strassen Schaden tbut^ und.gtBrUgt wird, heisst es: ^der ist eim 
Waldbotten mit zehn Gulden zu Poen verfallen^ ; aber gerade für 
diesen Fall ist dann sogleich Torgeseben dass ein Waldbott auch 
- selber kein Schaden darin thun soll, wo er. aber das thät soll er „dem 
landtfiian büssen^. . 

Dem Waldpotten lag es ob, das Märkergeding zu hegen und die 
Mark mit Kath der Märker zu bestellen , aber soweit unsere Urkun- 
den hinaufreichen, hat er dies nur sehr selten ^ nur bei besonders 
wichtiger Veranlassung in eigner Person gethan,. gewöhnlich sandte 
er dazu einen oder mehrere Beamte. In dem Bericht über das Mär- 
kergeding. von 1433 erzählt Herr Madern ^ Kellner zu Honxburg: 
i^lieben. Freunde, inyn Jungher von Eppensteyn .derder Marg ejn 
oberster Walpode ist, hait sin Frund^ hergeschickt* dar an zu sin, 
das man die. marg bestelle, nuwe marckni^eister kiese .und du. (thue) 
und halde als dann uff.Sant Katharinentag jarlich gewohnlichen und 
alsi> herkomen ist'^ Bei dem feierlichen Märkergeding im Jahre 
14^, als der Waldpote in efigner Person mit seinen Bäthen ersi^hie- 
ixen war, um sich seine Herrlichkeit und der MarkBecht weisen zu 
lassen, wurde ausgesprochen, dass. ein Waldbotj; selbst erscheinen 
soUte, oder durch seine ^mächtige" Sendbott^chaft ^oder Amtleut. 
Auf dem Märkergeding im Jahre 1621 wurde das Instrument ver- 
lesen, darauf dem Schultheisf^en von Homburg (der anstatt des Kellers 
von Homburg erschienen) ^tge^'et: in dem .Instrument habe der 
lantmann befunden, dass er, der Schvitheisa, mit. einem ^völkonunli- 
chen Gewalt^ erscheiaen soll, das sei .aber nii bescbehen, dann er 
hab kein völligen Gewalt laut des Instruments. ^ 

In der Begel erschien der Keller vonHiomburg äk Stellvertreter 
des Waldpotten, zuwdlen aber, besonders wenn der Keller seine 
Handlungsweise, zu verth^digen oder in Abrede zu stellen für gut 
fand, wurde audi ein anderer geschickt, derCapäler, oder der Schul- 
theiss von Homburg. Besonders bei rechtswidrigen Handlungen oder 
bei Neuerungen war es sehr bequem, dieselben von dem Keller zu 
Homburg vornehmen zu lassen, der dann in andern Fällen wieder 
mit der Macht und der Ahndung des Waldpotten drohte, sich mit 
derselben schützte. Der Keller zu Homburg trat als Anwalt des 
Waldpotten auf, und wurde als solcher bezeichnet Mit Ausnahme 
des Landgrafen Friedrich (mit dem silbernen Beine) hat kein Wald- 
pott in der Geschichte der Hohen Mark eine besondere Bedeutung 
erlangt, die Anwälte waren es, welche für die. Waldpotten und in 
deren Interesse aufs thätigste und erfolgreichste arbeiteten. Vorzüglich 



— 30T — 

siiid hier Diether Gewand oder Gewend^ G^org Vegtenberger und 
aoB den letzten Zeiten etwa, noch Gebräder Neuhof zu nennen. Sie 
haben kein Mittel gescheut^ um die Macht ihres Herrn zu heben. 
Die AnwiÜte haben zu allen Zeiten vor Allem gesucht Unfriede unter 
den Märkern selbst zu stiften^ die Märkermeister herabzuziehen oder 
zu verdächtigen^ und die Gesetze und Ordnung der Mark zu um- 
gehen ^ durch Nichtachtung derselben das Ansehen des Waldpotten 
über das Gesetz zu stellen. Zahlreiche Belege werden im folgenden 
die Wahrheit dieser Beschuldigung erhärten. Sie haben sich 
auch nicht gescheuet selbst das Amt eines Märkermeisters oder eines 

. Waldschreiers auf sich, zu bringen^ um in dieser Stellung leichter ihr 
Ziel zu erreichen. So kam es dass allmählig ein ungemessenes Miss- 
traoen gegen diese Beamten bei den Märkern sich fest einwurzelte^ 
es genügte dass irgend ein Vorschlag von dem Anwalt aus^g^ die 
Märker wiesen ihn ab^ wenn er auch einiges Wahre und Sichtige 
enthielt. Das Misstrauen der Bauern^ noch in unsem Tagen ^ es ist 
kein unbegründetes; das Becht musste oft verletzt werden^ bis es 
soweit gekommen ist; aber das Andenken daran hat sich auch tief 
eingeprägt. 

Im Jahre 1583 übergab Jost Vestenberger^ der Keller , den 
Märkern den Entwurf einer neuen Ordnung der Mark : der Waldpote 
be&ftde diu» die Märkermeister bisher ihren Eiden und Pflichten 
nicht nachgekommen; die Königstoiner begünstigt^ sie nicht gestraft 
wie die andern^ will dass man umwechsle bei der Wahl der Märker- 
meister. Man solle vorsehen dass diese ihre Pflicht besser thun; 
statt der alten Strafen für anstecken und schädigen der Mark; bean- 
tragt er unbestimmte Strafen ^näch Erkenntmss des Waltpottens und 
gemeiner Märker^. Der Märkersohluss war aber : ,,uff des Kellers 
voi^elegte neu Ordnimg geben die Märker diesen Bericht: dass sie 
ein gut alt Instrument babeu; bei demselbigeu; uud dero von Altera 
wohlgeordneten Ordnungen woUten sie^ die Märker , pleibeu; diesel- 
bigen behalten^ und begehren dass sie der Waltpott dabei schützen 

. und schirmen wolle^ und dieweil Neuerungen anzunemen geferlich, 
wollen sie des Kellers Bedenken diesmals nit annemen'^ 

Zuweilen haben die Märker versucht sich selbst darüber zu täu- 
schen; -es dai^estellt; als ob der Beamte gegen die Absicht seines 
Herrn. von dem Herkommen abwiche oder sie verletze; sie haben 
damit niemals etwas erreicht; weder in der Hohen Mark; noch in der 
Seulberger; Erlenbacher etc. Mark. Bei der Sti'eitigkeit der letzteren 
wegen der landgräfiichen Schweine; im Jahre 1590; schrieben die 

Märker an den Waldpotten ; sich beschwerend über Georg Vesten- 

20* 



— 308 — 

berger^ den Anwalt^ dem sie die Schuld beimeBsen^ da sie nit dafbr 
halten wollen^ dass er solches auf Befehl gethan „sondern vielleicht 
aus seinem selbsten beginnen". Sie bitten der Waldpott wolle sie 
bei ihrem alten Herkommen ^ Bräuchen und Gerechtigkeit bleiben 
lassen. Darauf wurden sie nach Homburg beschiedeu; daselbst er- 
klärt ihnen Hans Herman von Busseck gen. Mönche^ J. fstl. Gn. 
Oberamtmau; sein gn. Herr wolle keine Neuerung einfuhren, er wolle 
es bei dem lassen, wie es von seinem H. Vater und Bruder gehalten 
worden; bei welchen dann, wie aus dem Saalbuch erscheinen sollte, 
auch mit andern Documenten zu beweisen, solche Mastungsgerechtig- 
keit jederzeit exercirt worden Er mahne sie von ferneren Weit- 
läuftigkeiten ab „wofern sie bei deme, so bisher ihnen vielleicht aus 
Gnaden widerfahren . . gelassen wollen werden ; dan der Vogell ihnen 
zu gros und viell zu schwehr". Die Märker wandten sich damals um 
Beihülfe an ihre Obrigkeiten, welche an den Waldpotten auch ihrer- 
seits ein Schreiben abgehen Hessen, „er könne nicht glauben", schrieb 
dann der Erzbischof von Mainz an den Landgrafen, ^dass S. Durch- 
laucht die Turbation ernstlich beabsichtige". Aber dieser antwortete 
den Herrschaften: er habe nur das gesucht was „von unsem Vor- 
fahren gottseligen uff uns transmittirt worden", schickt Abschrift eines 
Berichts des Kellers von Homburg, daraus zu ersehen dass er das 
Einschlagen nicht angefangen, sondern dass es „von den geliebten 
Vorfahren schon geübt worden", wolle sich desshalb zu ihnen freund- 
lichst versehen „Sie werden obgedachte Jro Angehörige JresUnfuges 
erinnern und von solchen unnötbigen Klagen abzustehen ermahnen". 
Der angeführte Bericht von Georg Vestenberger liegt bei, die Rich- 
tigkeit des Märker'schen Vorgebens ist darin bestritten , es wird Be- 
zug genompien auf ein ProtocoU und Markbuch d. 1547 , daraus sei 
zu ersehen, dass vor 30 Jahren iBeintz Mörlenhauser, auch ein Be- 
amter zu Homburg, anstatt seines Herrn und Waldpottens zweimal 
3,nit ohne Bevelh^ Schweine eingeschlagen gehabt Noch andere 
Beispiele lägen vor. Darauf erfolgte ein Verhör der ältesten unter 
den Märkern. In Frankfurt fand es am 23. April 1591 auf der Bau- 
stuben statt. Es erschien damals zuerst Hans Gh*aff von Nieder- 
Erlenbach, 80 Jahr alt, weiss nichts von Hans Mörlenhäusser Zutreiben ; 
ebensowenig von dem Intreiben unter Landgrafen Philips. Die Mär- 
ker hätten dem Landgrafen nie einen Intrieb zugestanden, ^daß aber 
anitzo etwas Neues gesucht werde, sei der Beamten Schuld, welche 
die Obrigkeiten also zusammenhetzten^. Peter Jögkel von Nieder- 
Erlenbach, ungefähr 70 Jahr alt, sagt aus: ein Beamter von Hom- 
borg habe allewege nit mehr Schwein eintreiben lassen, als er Air 



— 309 — 

sich in der Küchen gebraucht Er hätte von keinem landgrevisch 
Viehe^ an^rhalb diß Jar gehört^ und were alle die Ur&ach Niemands 
anders dann Vestenbergers, welch anitzo Neuerung suchen^ und sich 
mit Gewalt zu ihnen nöthigen thete.^ Ounz Mang; 70 Jahr alt, giebt 
an, man gestünde dem Beamten ron Homberg soviel Schwein er in 
die Küche brauche^ einzuschlagen, weiters keine Gerechtigkeit. Der 
Amtman Epstein habe Schweine eingetrieben , seien aber herausge- 
trieben worden. Es sei aber niemand anders dann er^ Vestenberger^ 
an diesem Zwiespalt schuldig.^ — Mglb. E.30. Nr. 4. [9] bis [19]. 

Däss die landgräflichen Beamten manichfach in Versuchung 
kamen ihre Stellung und den Schutz den dieselbe ihnen gewährte zu 
missbrauch'en war natürlich. Die Seulb. Erlenbaoher etc. Akten tbei- 
len mit, wie bei Feststellung der Mark Ordnung für 1592, zu der Be- 
Stimmung dass den Ausmärkem die Mark zugeschlossen sein solle, 
die Bemerkung gemacht worden : daß jüngster Zeit ein landtgrftvischer 
Unterthan von Gutftzenheim einen Karn voll Holz in der Mark ge- 
macht, dessen Thuns halber von den Förstern zu reden gesetzet, 
erkläret, daß er geheißen worden allda dem Schultheißen zu Hom- 
berg, Wilhelmen Buchen, einen Karn voll Burgholz abzuholen. „Ob 
nun wol die Merker nicht glauben können, daß sollich färnehmen 
aus bevellich oder mit Vorwissen dessen Schultheißenn (denn er als ein 
Ausmärker.zweifielsfrej selbst sich besser wird zu bescheiden wissen) 
geschehen sei, Sonder sie darfUr halten wollen, der bauer damit den 
Förster betrttglichen werde abgewiesen haben, und darumben die 
straffe gegen den Schultheissen dießmalß in allem guten desto eher 
schwienden lassen) jedoch so protestiren sie zum wenigster dagegen 
hiemit öffentlich, und behalten es ihnen bevor, daß es ihnen ohne 
NachtheU sein solle.'' Mglb. E. 30. UL 1592. [9]. 

Die Obrigkeiten. — Während die Wälder der Hohen Mark 
gemeinsames Gut der Genossen blieben, wurde das getheilte Feldeigen- 
thum der Mark verschiedenen Landesherm untergeben. Es ist wol 
kaum eine zweite Stelle Deutchlands welche so zerstückt und zerris- 
sen ist, wie gerade die alte Höhen-Mark, oder der Abhang zwischen 
Taunus \md Nidda. Selbst der Platz auf dem das Märkerding ge- 
halten wurde, war einem der Landesherm zugefallen. Es geschah 
desshalb im Jahre 1578 eine Anfrage von Seiten Homburgs welches 
die Aue vor Oberursel gerne zur Hohen Mark gezogen hätte. Der 
Anwalt gab. vor: an dem Ort des Märkerdings hätten fürstlich hes- 
sische Beamten stein setzen lassen, welches ein Anzeig sei, dass diese 
Ort „wo nit gar, doch etlicher maßen zu der Mark gehörig^' sein 



— 310 — 

mttssten. Die Märker erwiderten: der Plate sei ihres Wissens ferner 
nicht darin gehörige dann dass das Märkerding darauf gehalten. 
Einige Jahre später brachte Philipp Wolff^ der Märkermeister, vor, 
dass der Förster von Obemhexstadt; Möbs^ dem Welschen Bierbrauer 
von Pfiraumheim als einem Ausmärker aufm Fuss nachgefolget bis 
uff die Urseller Anw da selbst in Gegenwärtigkeit Johann Ackers^ 
ihme dem Bierbrauer, die Pfändung angelegt. Solches^ dass die Pfän- 
dung auf der Anw geschehen , haben die Urseller nicht gut sein las- 
sen; denn die Anw sei kein Markgut, sondern ihres gn. Churfursten 
und Herrn eigenthümlich Grund und Boden. • Darauf der Oberamt- 
man zu Königstein Befehl gegeben den Förster in Haft zu bringen; 
dieser würde flüchtig und vermied seine häusliche Wohnung. Mgib. 
E. 2Ö. m. 152.— 

So bestand zu jener Zeit ein. schroffer .Unterschied zwischen 
Mark und Flur; unter Mark wurde, nur noch der Markwald verstan- 
den. Wenn auch bei der Weisung im Jahr 1401 feria quarta infra 
octaväs pa6che es von dem Frevler heisst: „komet er aus dem Walde 
so ist er niemand nichtis schuldig^/ so mag auch hier die Eitersucht 
der Märker auf ihre Selbständigkeit im WaldC; Veranlassung zu einer 
solchen Aussage gewesen sein. Streng durchzuführen war sie nicht, 
denn derjenige welcher Kohlen oder Holz aus der Mark, d. h. über 
die alte Markgränze fuhr, wurde bestraft 

Thudichum bemerkt in „Gau- und Markverfassung in Deutsch- 
land'^, S. 135 ff., die Grafengewalt in der Hohen Mark, im Jahre 

■ 

1271 Grafschaft Ursel genant, habe als Zubehör des Schlosses König- 
stein den Herrn von Falkenstein zugestanden. Dieses sowie weitere 
Untersuchungen über die Zeit wann, und die Art und Weise wie die 
einzelnen Ortschaften des Taunus allmählig diesem oder jenem Ter- 
ritorialherrn unterworfen worden sind, oder gar zweien zugleich, 
genauer zu begründen, dazu bieten die Akten der Hohen Mark 
keinen Stoff. Nicht selten ist das Gebot des Landesherm in entschie- 
denen Widerspruch getreten mit den Pflichten, welche der Märker 
der Mark gegenüber hatte. In solchen Fällen gereichte es der Mark 
zum Heil dass das Interesse der übrigen Herrschaften dem gesonder- 
ten Einzelwillen widerstrebte. Ebenso hat gewiss der Umstand nicht 
wenig zur Aufrechthaltung der Markverhältnisse beigetragen, dass 
/ier Gewalt des Waldbotten das Interesse der Territorialregierungen 
entgegengestanden. Es war in den Mark-Angelegenheiten derWald- 
bott den Märkem drohender und gefährlicher als die Obrigkeiten 
Sein Streben war auf die unbeschränkte Herrschaft im Walde ge» 
richtet. Die Märker suchten dem «itgegen eine Stütze bei denObrig- 



- 311 -- 

kmten welche nicht weniger eifersIK^btig aUe Schritte des Waldbot- 
ten verfolgten. Aber der Schatz den sie gewährten reichte eben meist 
nur so weit auch das eigne Interesse ging; wo ihr eignes Ansehen 
nicht bedroht war^ ist die Hülfe die sie bringen hie ausreichend; 
der Eifer erkaltet^ ehe das Ziel erreicht tst. Wol nur im 15. Jahr- 
hundert und zuletzt wieder hei der Theilung der Hohen Mark blieb 
dieser Eifer beharriich auf das gleiche Ziel gerichtet, und gelangte 
zu einem segensreichen Resultate. 

Es ist nicht ohne Interesse zu verfolgen wie in dem Rechtsver- 
hältniss der Marken das Lehenswesen Platz gegriffen. Die Weisung 
welche im Jahre 1491 auf der Au vor «Ober-Erlenbach gegeben 
wurde: die Mark sei ,,der herren Eigenthum und der Märker Erbe'^ 
ist wol auf diese Apschauung zu beziehen. Die Hohe Mark jedoch 
war der Märker „rechtlich eigen". Andeutungen von Lebensverhält- 
nissen kommen nur wenige in den Akten vor. Als 1484 Symon von 
Ursel gebeten wurde die Weisungen dem Walpoden auszusprechen^ 
entschuldigt er sich er sei des Herrn von Epstein Lehensman und 
Angehöriger ^mit Eyden und globden* verwant*, dass ihm solches 
nit wol fhglich zu thun wäre; wo aber sein Herr von Epstein ihm 
das zu thun gestatte ^ wolle er gern dem lantman zu G-ute thun, 
was an ihm wäre. Es ist wahrscheinlich dass hier der Weigerung ein 
wirkliches Lehensverhältniss zu Grunde lag; die Lrfinstreu des Va- 
sallen begreift unter sich auch die Verbindlichkeit den Lehnsherrn 
in seinen Rechten nicht zu beeinträchtigen^ ja selbst demselben eine 
besondere Achtung zu erweisen, ihm „treu und hold" zu sein. Dör 
Vasall durfte y wenigstens in einer Griminalsache nicht gegen den 
Lehnsherrn Zeugniss ablegen. Es fragt sich ob in andern Berichten 
und Mittheilungen der Ausdruck „Lehnsherr^ auch aufzufassen sei in 
der Bedeutung von Herrschaft, Obrigkeit^. Wann ein voll Märker- 
ding zu verkünden war hatte der landsiedel zu erscheinen „mit seinem 
Lebenherm". In dem Weisthimi der Hohen Mark vom St. Catharinen- 
tag 1401 geschieht der Aufruf mit den Worten : ^N. bistu hüte hie als man 



30 In dem vortrefflichen Bericht, welchen die Archivare Dr. F. Max: Stark 
and J. G. Chr. Thomas in Auftragr des Senats 4m 28. Dec. 1BC9 und "16. April 
1810 über die Verhfiltnisse der Hohen Mark vorlegen, berühren sie auch die 
Frage: ob unter den Lehenherrn die Obrigkeiten zu. verstehen .seien. Si^ bejahen 
dieselbe. „Vermöge der Gerichtsbarkeit übe.r die Markbetheiligten Ortschaften 
hätten die Herrschaften die Gemeinden auf den Märkergedingen und in Mark- 
strdtigkeiten vertreten und die Jurlsdictionem forestalem über den Markwald 
mit ausgeübt, seien auch auf den Märkergedingen mit dem lantman erschienen." 



— 312 — 

dir geboten hat mit deinem lehenherren". Ebenso heismi es iq cler 
Urkunde über das Märkerding des Jahres 1401 feria quarta infra 
octaväs pasche^ dass der Schreier gerufen: „N. bistu hude hie als 
man dir hergeboden hait mit dem lehenherren". Dabei findet sich 
auf einem Zettel welchen Henne Yon Beldersheim , der Burggraf zu 
BonemesO; geschrieben, als ihm der Auftrag geworden von der Bur- 
ger wegen gen Ursel zum Märkergeding sich zu verfügen: „Item 
wan ein schreyer verkündet eyn vol ijfierckerdmg so sal eyn laut- 
sidel mit seine lehenherren da sin, und weren daß' die dan ußblieben 
so verlorn sieVIIIß ein iglicher der da ußbliebe. — Mglb. £.29. U^ 
S. 3« — In dem Weisthum von 1438 werden nur die ,)ZU der Marg 
gehörende dorffer^ aufgerufen; es ist aber nicht gesagt ob es ein 
gebotnes Märkergeding war. Auf dem Märkeigeding St. Veitsti^ 
1484 wurde den Märkem, welche damals nicht vorbereitet gewesen 
der Mark Becht zu weisen , ein anderer Tag anberaumt. Auf diesem 
sollten dann die ungehorsamen Märker und Landtmann, die aufge- 
blieben ^ g^i^t werden. Die Gesandten der Obrigkeiten waren mit 
erschienen ; sie wurden aber nicht, oder nicht mehr au%erufen. Bei 
andern Märkergedingen z. B. 1458, 1479 ist nicht erwähnt ob ein 
Aufruf erfolgt sei. Bei dem Streit wegen der Mühle zu Bonames 
bittet im Jahr 1525 der Schultheiss von Oberursel um ein gemein 
Märkerding, dass alle diejenigen „als nemlich die Lehenherm und 
Junkern so Markrecht hatten^ dahin kommen „möchten, damit Inen 
und der Mark nichts entgegen würde^^ Auf dem Märkerding in 
die Bartholomei 1543 wird bemerkt dass unter den „Edeln 
und Merkern, Lehenherm und LandtsjdeP^ der weniger TheU er- 
schienen. — 

Gerade dieser Gegensatz von Lehenherm und Landsiedel macht 
es aber sehr zweifelhaft ob hier ein wirklicher Lehensnezus, oder 
ob ein obrigkeitliches Verhältniss in Frage steht In der Ge- 
richts- und Land-Ordnung der Herrschaft Solms, vom Jahre 1571, 
wird im 2^^ Theil, 5. Tit. von Verleihung und Beständniss liegender 
GKiter gehandelt. Bei der Erbleihe heisst es darauf im 6. Titel § 6, 
es sei der Lehenherr („denn also pflegt man den Verleiher und Ei- 
genthumsherm abusive, in dieser Landart auch zu nennen ^^) inder- 
gleichen Fällen, da das Lehen oder die Erbleihe verrückt wird, 
nicht schuldig dem Beständer Erstattung der Besserung zu thun. 
Ebenso heisst es im 7. Titel, die Land-Siedel-Leihe sei nicht erblich, 
sondern möge „der Lehenherr^^ dieselbe aufkUnden. Es wird dabei 
ausführlich gehandelt: „den Lehenherrn belangend^. Es solle „der 



— 313 — 



Lehenherr^^ ein^i Leihebrief fertigen ^ die Geb&udo in, gutem Stand 
überliefern^ die Leihe nicht steigern u. d. m. 

Demnach scheint eS; dass auch bei den Märkerdingen diejenigen 
Gutsherrn, welche Land in Erbbeatand oder einem Landftiedel 
übergeben hatten ; gerufen wurden , und verpflichtet waren bei Yollen 
Märkerdingen zu erscheinen; Die Stadt Frankfurt hatte in.Bonames 
Güter erworben 9 besaas Markreoht, hatte die Mühle z. B. in Pacht^ 
den Dinghof in Erbbestand gegeben , so war sie als j^Lehensherr^ 
gerufen. 

Ln Jahre 1545 soll Bonames gestraft werden , weil es ,,seine 
Lehensherm" nicht mit auf die Aue gebracht Da yerwendete sich 
der Bath bei Gottfried von Eppstein und hebt hervor dass Frankfurt 
fbr seine Dörfer vermöge der Freiheiten nicht verbunden wäre zu 
erscheinen. (Mglb. E. 29. II. p. 92. — ) Auch im Jahre 1458 noch 
beehrt Hans Walborn, von wegen der Walpoden, zu büßen ^die 
lehenherrn^' die nit da weren. Da erzählte Gerlach vonLondorff: der 
Bath hätte den in der Mark angesessenen befohlen und geboten zu 
Hause am bleiben^ es were der Bath mit schweren Fehden beladen; 
es seien etliche Bürger von Frankfurt an einem offnen Gericht zu 
Seckbach böslich abgefangen worden ohne Fehde und indem sie deß 
unbesorgt waren, darum der Bath besorge daß die Seinen wenn sie 
zu einem offen wissentlichen Dinge und offnen Felde kämen, Schaden 
nehmen möchten; auch sei der Bath vom Bömischen Kaiser und 
Könige bei schwerer Peen gefreyet daß seine Bürger solche offen 
Gerichte und Dinge zu suchen nit schuld sein sollen. Darauf redete 
Hans Walbom: solich Geschichte und was dem Bathe zu Ungnade 
geschehen, were ihm nit lieb, und ließ er das dabei. 

In dem Bande: Mglb. E. 29. II findet sieb zu dem Märkerge- 
ding des Jahres 1445 eine Note in Betreff der Lehensherm; es heisst 
daaelbet S. 19: Nota omb den artikel als sie wollen so ejn folle 
merckerding sy, das eyn iglicher mit sine lehenherm da syn suUe 
by YIII ß zu bussen. Nota der artikel ist von alter nit gehalten^ 
obe man es wole wyse, und wer auch nit zutunde (zu thun) dan es 
vast sorglich wer. 

Hierbei ist zu bemerken, dass es mit der Vollmacht, fbr einen 
andern zu erscheinen und zu handeln, nicht sehr streng genom- 
men wurde, es genügte meist die Versicherung dass Jemand „eines 
andern mächtig'^ wäre; zuweilen erbot sich der Bevollmächtigte smn 
Vorgeben eidlich zu erhärten; so z. B. auf dem feierlichen Märkw- 
ding St Margaretha 1484. 



— 31* — 

Wenn aber die Pflicht der Herrschaften, auf den Markerdingen 
zu erscheinen y in Frage gestdlt werden kann^ so war doch ihre 
Berechtigung daeu unzweifelhaft. Der gemein Mi&rker bedurfte in 
wichtigen Angelegenhieiten einer Leitung; fiand er sie nicht in den 
eignen Reihen 'oder im Adel ^ so ordnete er sich bereitwillig den 
Begierungen in Markangelegehbeiten nnter. Aus beiden Marken k5n* 
nen zahlreiche Thatsachen angeführt werden ^ welche darl^en wie 
die Obrigkeiten n^cht nur mit den Märkern auf den M&rkerdingen 
erscheinen; sondern auch für sie das Wort ergriffen, im Ipteresse 
ihrer Angehörigen handelten ^ ja diese aufforderten sich zu entfernen^ 
die Versammlung zu verlassen. 

Wir wenden uns zuerst zur Sei^lburger, Erlenbaher etc. Mark; 
wo wir bei dem Streit über die Märkermeisterwahl im Jahre 1482 
finden; dass Ysenberg; Sohns und Frankfurter Amptleute und Freunde 
von Peterweii und Njdem Irlenbach wegen erklärt: sie gewillxgen in 
kein Neuerung; haben dess auch keine befohlen; und wollen an ihre 
Herrschaften bringen ; wie da geredt und gehandelt sei; ,^hant sich 
dayon gewandt und sind hinweg gerjtteu; und haben ihren Männern 
gefragt auch abzuscheiden^. 

Im Jahre 1486 auf • Sontag mitfasten; als man singet in der 
heiligen Kirchen Letare, sind dann erschien^i „die nachgenanten 
Partbeyen^ der Keiner zu Homburg; Herr Dietrich MeyenkranZ; 
Priester; und Henritze Sulberg; Schultheiss zu Hoembui^; die vor- 
zeiten auch Keiner zu Hoemburg gewesen; von wegen des wolgep. 
Hern Godfritz Hern zu Eppenstein und zu Mintzenberg „an eyme^ 
und Philips von Buchis; amptman zu Petterwil; von wegen des 
wolgep. Hern Ludwigs von Isemberg; Her Philips von BickeU; Bit- 
ter Conrat Schenck von Sweynßberg gem. AmptmaU; und Job. von 
HornauO; Amptmän zu Petterwil; von wegen .... PhiUpsen Gra- 
ven zu Solms . . /sodann . . Erwin Topl von Carbeti; Amptmann 
zu Niddern Erlebach und Ludwig Waldeck des Bats schriber zu 
Frankfurt von wegen des ersameu; wisen tmd fiiraicbtigen Bürger- 
meister und Bat zu Frankfurt „am andern Tiele^^; auch waren da 
versamlet die Merker aus den 6 Dornen. Hier werden also die Herr- 
schaflien geradezu als Parthei dem Waldpotten auf dem Märkerding 
gegenüber gestellt Philipp von Buchis und Joh. von Homan sind zu 
dem Kellner geritten, gefraget ob er bereit sei anzufangen. Der bat 
noch auf ihren Amtman zu warten; da dieser aber nicht erschien; 
hat Heinritze von Sulberg von der Herrschaft Eppenstein wegen zu 
reden anfangen lassen; uff stund ist von wegen der obged. Hern 
Ludwig von Isemberg . . . Solms . . . und des Erb. Bats zu Frank- 



-^ 315 -. 

furt „als Von w^en Ai&c Jipen von Petierwile und Kiddem Irlebacli^ 
geredt dass sie keinen für einen Märkeraieister halten wollen er sei 
dann dqrch gemeine M&rker erwählt und sragelassen: wie* von alter 
Herkomen sei. Sie fragen den Eppensteinschen ob er die Wahl 
wie von Aker Herkomen stt flirnehmen wolle ,. darauf der Sd^ult- 
heiss zu Ho^mberg . geantwortet: neyn, gesaget sie wolhen handeln 
wie sie im vergangnen Jahr gethan. hfttten. Als aiich. der vermeint 
Mfirkermeister der Mark halben reden wollen , da haben Gonr^t 
Schenck von Sweynßberg und Ludwig Sehreiber Ime gesagt zu 
schweigen^ sie haben weiter zu reden. Und hat der itsgenant Ludwig 
weiter geredt und begehrt an alle Uinbstendar zuzuhören: dieweil 
von Eppensteinschen verneint worden zu handeln wie. von Alters 
Herkommen, so seien sie ),von Uirer Herrsdiaft und dw Ihren wegen 
obgenant^^ auch nit g^neint einige Ntaerung zu gewilligen, würden 
den, der nit nach altem Herkommen gew&hlt, auch nit. filr einen 
Merkermeister halten; sie erbieten sich zti rephtlichem Austrag, 
ersuchen* den offen Notar ei^ offen Lifstrument zu machen, sind da- 
rauf abgeritten, und haben die von Petterweil und. -N. Erlenbach 
auch ^hey^en abgeen^. Zwei Jahre später, 1488, finden wir dass der 
Homburger Amtmann das Märkerding nicht halten wollen, sondern 
on allen abscheyt mit den von Seulberg abgeschieden« Da haben 
sich di« Sendbotten von Isenlberg, Soinut, Einigstem und ^Frankfort 
bedacht, und dem l^ntmaii uff ihrer Seiten gesagt ob die „Widderr 
parthie^^ einen Märkermdster gekoren hätten, selten sie für kein Mär^ 
kermeister halten, sie sollten „die marck ge^nu^en wie von Alterf^, 
und ob Jemand Beschwemiss der Marck halber habe, solt derselbe 
„an sein Herrschaft langen lassen, solt syn Herrsehaft mit Flys vor 
Jen arbeiten. Ine by altem herkommito zu hanthaben'. 

Dass dies zu jener Zeit kein leeres Yer^reche^' gew^en, das 
zeigen die Verhandlungen als im folgenden Jahre, 1489, das Märker» 
geding der Seulberger, Erlenbacher etc« Mark durch den Walpoden 
bis auf Dienstag nach Quasimodogeniti erstrecket worden. Es wurde 
durch Herrn Ludwig von Isenberg ein Tag emant gen Petterweil, 
daselbst ein Abscheyt beschehen wie folgt: Nach alter Q«wohnlieit 
und Herkommen pflege man „Märkergericht" zu halten auf Mitfasten 
m der Erlebacher Margk. Das habe der Graf zu Hanau etzlioh Jahr 
lang verhindert, allein nach seinem Gefallen zu erstrecken sich unter- 
standen, ... es haben die Sendboten gerathsohlagt und eynmündig 
beschlossen,, wenn der Graf von Hanau einen andern Tag fümehinen 
werde, so sollen die Herren mit den Ihren in mitteler Zeit bestellen 
und verfügen, dass sie den Tag mit nichts besuchen und sich doch 



— 316 — 

der Mark wie von Alter Herkommen iBt yerbmcheiiy und sich fortan 
Eum Märkergericht das im znkfinftig sein wird zu mitfasten verfügen. 
Jegliche Herrschaft solle daselbst ^erscheinen oder dahin schicken, 
helfen zum bebten bestellen, tan und ratschlagen^^ 

Sontag Laetare 1490 ist das Erlebacher Merkerding gehalten 
worden durch denvesten PhUipsenvon Buches, Diethervon Lutem 
von wegen Hern Ludwigs von Isenburgk, Heinrieh bereiter zu 
Königstein von wegen derselben Herrschaft, Heinrich Keller zu As- 
senheym von wegen Graf Philipsen von Sohns , und Jacob von 
Cronberg, Erwin Dogd, Amtmennere, und Melchior Swartzenberg, 
Rathschreiber , von wegen deis Baths zu Frankfurt Inn Beiwesen 
des gem. Lantmans, wiewol das Merkei^eding zu halten durch den 
Herrn von Hanau verbotten war, wart durch Jacob von Cronberg 
geredt „alle die in die Marg gehören selten uff den Hauffen treten^ 
da waren etliche von Sulberg zugegen die hinweg gingen und nit 
unter die Märker gehen wollten. Bedt derselbe Jacob zu dea Mer- 
kern, sie sollten sagen, wie es mit. der Marg gehalten worden 
sei, ob man den Märkermeister kiesen möge, so etliche in die Marg 
gehörig nit uf den Tag erscheinen. Begehrten die Männer sich zu 
bedenken, nahmen j^von jeglichem Dorf drei der edelsten^^ und ant^ 
werteten gemeynlichen durch Conradt von Petterweil: Es sei von 
alter Herkommen, dass man uff den Tag einen gemeinen Märker- 
meister uff dem flecken kiese, und so etli^h nit allda wären gewest, 
hätten sie nit desto minder gekoren, und die so nit erschienen 
„mit Bat der Herschaften^' gebttsst Wurden „die Mendw" wdter 
gefragt, es wären etlich von denen von Sulburg gebüsst, die noch 
im Gefängniss wären, und doch kein Märkermeister gesetzet durch 
die gem. Merker von ddr Mark wegen, wie es gehalten werden soU 
mit den büßen ^^ Antworten die Männer gemeinlich: sie kunten oder 
wolten nit weiter antworten, sie hätten dann einen Märkermeister 
gekoren; so der gekoren, wollten sie „mit Bath desselben'^ antwor- 
ten. Also haben die Geschickten sich bedacht und ihnen vergönt 
einen Märkermeister zu kiesen« Antworten die Männer gemeinlich: 
sie hätten sich bedacht und gekoren, und sei ihr alt Gewohnheit, 
welcher gekoren werde, er sei Edel, Priester oder sonst ein gemein 
Mann in der Mark seßhaftig, der muss es annemen^^, und wo ihnen 



^1 Seulberg war homburgisch; die von Sealberg hatten, vielleicht in Auf- 
trag ihrer LandeBherrschaft, Petterweiler Märker gefänglich eingezogeo, ohne 
Auftrag eines Märkermeisters. 

32 In Appenzell muss noch heut zu Tag der gewählte Landamman die 
Wahl annehmen, er ginge denn ausser Landes. 



- 317 — 

I 

dasBelb zugesagt werde woHten sie den Mttrkermeister nennen. Hilt 
man den Männern fbr: wolten sie einen erwählen der in der m«*g 
begut nnd behobt wäre^ das müssten sie lassen geschehen^ aber wo 
sie dnenAmtman wolten ^ der möcht über Nacht Urlaub nemen oder 
gegeben w^den; so wäre die Marg aber unbesteh^ solten sie selber 
Zusehen. Antworten die Männer: Sie haben vor Alter einen seßhaftigen 
gekoren nnd hit angesehen ob einer begut oder behubt sei; wo man 
ihnen dasselbige noch gestatten wolle ^ wolten sie den erwählten 
nennen. Das wurd' ihnen nachgelassen. Also erwählten sie Erwin 
Dogeln, Amtman zu Erlebach. Sagt derselbe: wo ihn die Herren und 
Jungkern der Geschickten nit bei der Marg beschirmen weiten, 
wäre ihm das Ampt an sich zu nemen nit gelegen. Also haben sie 
ihm einhellig zugesagt; von der Herrschaften wegen ihn dabei zu 
hanthaben. Darnach wurde gefragt wer den Märkermebter ejdigen 
solle; ward geantwort: sie (die Märker) haben to/ Zeiten ein Ampt- 
man zu Erlebach gehabt der Märkermeister gewest was, der- 
selb Ton dem gekoren Märkermebter globe genommen. Also erwdtt 
der gem. lantman Philipsen von Buches ; der nam gelob von Erwin 
Dögeln uff den Ejdt den er seinen Herrn gethan hatte dbr Mark 
das best und nutz zu schicken; und wurden alsbald zween Märker« 
knecht erwelt, die auch, gelobten und sworen Erwin Dögeln in Ge^ 
genwärtigkeit des lantmans; und alsbald wurden die geschickten 
Eyns und befolen den Markknechten die«iron Sulberg, die die Solms- 
ischen gefangen gehabt hatten, zu verpieten auf dinstag nechst, dar- 
nach zu yerhören aus was Ursachen die Solmßen gefangen seien, 
und solle von jeglichem Dorf gein Ober Erlebach zween komen mit 
sampt dem Märkermeister, die Sache zu verhören, und was alsdan 
zu antwort werde, jegliche ihr Hern und Junghem wissen zu 
lassen. 

Es ist dieses Auftreten der Herrschafben aus dem Grunde so 
ausführlich mitgetheilt worden, weil es das einzige Beispiel ist, dass 
dieselben ganz in die Bechte und Pflichten des Waldbotten eingetre- 
ten sind. Sie haben nicht nur das Märkerding gegen Befehl des 
Waldbotten hegen lassen, die Mark bestellt, einen Märkermeister 
wählen lassen und Markkn^chte, sondern sie haben auch dem Mär- 
kermeister versprochen ihn bei der Mark zu beschirmen. Es liegt in 
dieser Handlungsweise die Anerkenntniss dass der Waldbott nur im 
Interesse der Mark seine Vorrechte besitze, und dass wo er diesem 
Interesse entgegen handele, die Mark nicht bestelle, dies auf andere 
Weise geschehen müsse. 



— 318 - 

Hier, wie in der Hohen Mark; haben die Begiemiigen später 
nicht mehr den Mutb; oder nicht mehr die Kraft gebäht in gleicher 
Weifl»e das Becht des oberst^i Märkers dem Interesse der Mark 
selbst unterzuordnen. Auch in Yorliegendem Fall aber haben sie 
nur das Nothwendigste gethan, sie haben. nur einen Märkermeister 
erwählen lassen. Bei dem nun folgenden Qliteversuch hat man sich 
bedacht und dahin geeinigt, dass H^r Friedrich von Dorfeiden von 
w^en des obersten. Walteten und Cunrad Schenck von wegen 'der 
alldem Herrn den Märkermeister beeidigen solle ^ bis die Herrn zu- 
sammen kommen und sich des vereinigen. Auf das Sehreiben des 
Pfalzgrafen ; die Herrschaften möchten. sich auf dem gUtUchen Tag 
zu Germersheim einfinden; antworteten sie : dass sie nit Fug haben 
den angesetzten Tag ohne den ge'meüien lantman und Merker zu be- 
suchen. — Mglb. E. 30. IL 

Wenn die Obrigkeiten das Interesse der Mark und der lUlrk er be- 
achten wollten, so mussten sie auch die Gewohnheiten derselben 
berücksichtigen und an denselben festhalten. Anno 1484 auf Sonntag 
Letare zu halbfasten sind von Peterwyl auf das Irlenbach Merker- 
ding gemacht seibist: Johann von Glaubürg^ Sohöff, Wicka* Frosch 
der jüngO; Ratsfreund; und Ludwig Waldeck; Schreiber; und als die 
hinausgeritten und bei Irlenbach in das Feld komen sin um die 
10 Uhr; haben sie nach Erwin Dogel; AmptmaU; und den Märkem 
in Nieder Irlenbach geschickt Ist Erwin dazu konmien und hat 
gesagt; indem als er zu Irlenbach herausgeritten; sei einknecht ihm 
begegnet mit dem bemerken dass das Märkerding mondig (Mont^) sei, 
dann sein H^r von Eppeostein das widerbotten lassen habe. Die 
Geschickten haben sieh darauf mit den Solmsischen und Tsenburgi- 
sehen beredt und sind mit d^oi Märkern von Peterwyle und Nydem 
Irlebach auf die „Walstatt des Merkerdings bj Sulburg gerjden"; 
und sind bis nach Mittag ungefähr um ein Uhr dablieben, und als 
Niemand aus den andern Dorfen komen ist; han die Amtleute die 
von Petterweil und Nydern Irlebach wider zu Hause gehen lassen, 
und sind auch abgeritten. — Mglb. lü. 30. U^ S. 151. 

In dem Berichte über die „Sewelberger und obem Irlebacher 
Gemark^; 1539 heisst es dass die Herrschaften ;^von w<gen^ ihrer 
Märker erscheinen. Uff Montag nach Penihecojst, morgens 7 Uhr 
erschienen auf dem Platz da man merkerding ■ pfleget zu halten, von 
wegen des Fürsten Philips Landgraven zu Hessen, als obeMenWalt- 
poten, Helwig von Laurpach und Diether Gewende, Keller zuHom^ 
burg,^ „von wegen der Herrschaft Königsteyn Gemerker* Ohridtopfl 
von Hatzetein, Amptman zu Königstein, ^von wegen der Herrschaft' 



— 319 - 

' I 

Sulmbs Gemerker'^ Hartman von Troso, Amtman, „von wegea.der Herr- 
schaft Eyssenbürgk Gemerker" Engelbert^ lialber Amtmann^ „von wegen 
der Stadt Frankfurt Gemerker'^ Juätinian von Ht)lsEhausen> und dann 
„der geinein Merkennan der Sewelberg und Ober Irlenbach gemsurc^c 
für sich selbst". ^ . . 

Wenn die Herrschaften einestheils fär die Ihrigen ein Schutz 
waren, so «nchten sie andemtheils in denselben auch eine Stfitse für 
das ei^e Ansehen zu gewinnen. Vorzüglich gilt dies von jdem Wald- 
poten selbst; soweit er auch Landesherr war^ in der Seulbei^ Er- 
lenbacher Mark also flir Coppem und Seulberg, in der Hohen Mark 
für Homburg; Gontzenheim und Steden. Die Stimme von Nieder 
Steden wurde noch festgehalten;. Scbultheiss und Gericht ernannt, 
als dies Dorf schon längst verschwunden war. Neue Ortschaften auf 
hombürger Gebiet, Domhol^hausen und Friedrichsdorf; würden be- 
günstigt weil sie grösseren Einfloss verschafften. Im Jahre 15S9 
brachte der Keller zu Homburg, Diether.Gewend, schriftlichen ^Be- 
fehl des obersten Waldpott die Mark ^uff heute dato" zu umgehen. 
Die Märker weigerten sich ,,es sei kein Mangel an der Gemark ver- 
merkt". Der Keller drohte mit Ausschluss von d^ Mark; Hess auf 
;swei Seiten treten zur Abstimmung. Es trat zu ihm Niemand denn 
die ij^eihen Tpn Homburg und Seuljberg; der Mehrertheil blieb 
stehen« ^ " 

. Zwei Jahre, darauf als der Walpöt mit Märkermeister kiesen 
wollte; hat der Amtman zu Königstein. die Dörffer getrennt und „die 
von SiBulnburg und Kuppern beredt bei dem Instrument zu bleiben; 
die Gemerker Seulburg. und Kpppern sind abgefallen,^ bei der Ab- 
stimmung, traten sie auf die andere Seite. . 

.. AUniälig erhielt das Erseheinen der herrschaftlichen Geschick- 
ten eine andere Bedeutung. Darüber giebt ein Bißricht von Job. 
Ludwig von Glauburg über das Seulberger Erlenbacher Märkerge- 
ding des Jahres .1588 Andeutung. Es sei erstach nach -altem Ge- 
brauch das Instrument; so anno 1493 ufigericht, hernacber etliche 
neue A^culy ungefehrlich uf die 22, letzlich ^u<^ die Bugen yer-. 
lesen.worden. Darauf .die vorigen Märkermeister wieder zu Märker- 
m^ter erbeten und verordnet worden ^und ist durchaus nichts neues 
oder E. Erb. Bath nachtheiliges des Ends furgangen oder verhan- 
delt worden"., Beim Abschied hätten die lilärkermeister und. der Kell- 
ner w^en des Schreibens E. Erb. Baths, dass man die Nieder-Er- 
lenbacber aus der Mark zu bringen gedächte, sich entschuldigt; sie 
seien dies fUr ihre Person nie bedacht gewesen, sondern hätten iie 
jede ^it fUr ihre Mitmärker gebalten, sollten auch wie andere ge- 



- 320 — 

halten werden; wollten gebeten haben E. Erb. Bath wolle jShrlichs 
auf den Sontag Lätare eine BathsperBon auf das ICärkergeding ver- 
ordnen „welche gleich wie Sy der Mark zum Besten beiwohnen thete"; 
wie dann von E. Erb. Baths wegen H. Dan. Ton Hinsperg vor 
Jahren etlicher Irrung halben auch draussen gewesen. Joh. Ludw. 
von Glauburg bedankt sich der freundlichen Antwort wegen „mit 
' pit solche Ir Entschuldigung schrifftlich an E. Erb. Bath zu gelangen^^ 
Mglb. E. 80. IV. [6] 

Als die Märker bei dem Streit über die landgrevisch schwein 
einsahen, dass ihre eignen Bemühungen vergeblich seien, haben sie 
sich verglichen, dass die Schultheisse solche neugesuchte Gerecht- 
sattle des obersten Waldpotten ihrer Obrigkeit anpringen soUten, 
deren Bath, wie es auf's beste anzugreifen, zu vernehmen. Es wand- 
ten sich darauf in einem Schreiben d. d. 1. Oct 1590 Märkermeister • 
und Häupter der Seulberg Erlenbacher Mark an die Herrschaften: 
von ihnen selbst könne es nicht wol in's Werk gerichtet werden, 
j^Ir dag^en als hochgelahrte, verständige in denen und andern der- 
gleichen Sachen täglich e^ercirt und geübet, die gepüer zu pon- 
deriren werdet wissen, damit dan nicht zuviell oder zu wenig von 
uns ftirgenommen, so wollen wir euch und E. Hochachtpare Weis- 
hey ten ganz freund und dienstlich gepetten haben sich als Mitm&rker 
von wegen des Fleckens Nidern Erlenbach dahin und soviel zu 
bemühen und durch deren Advocaten fürhabende SuppUcation con- 
cipiren und stellen zu lassen; und sind wir es hingegen freundlichen 
lu bedienen. Euch und Ew. Hochachtparen Weisheyten sonsten 
angenehmen Willen zu erweisen erpöttig und befliessen, Euch, Ewer 
Hochachtp. Weish. und uns alle hiermit dem lieben G-ot empfhelend*. 
Mglb. E. 30. IV. [8] — Sie sollten erst später lernen, dass es besser 
ist der eignen Kraft und Ausdauer zu vertrauen, als der Opferbereit- 
willigkeit anderer. Auch die andern Dörfer hatten sich an den Erz- 
bischof von Mainz und die übrigen Herrschaften gewendet, sie bitten : 
dieselben wollen geruhen gnedigst, gnedig und gUnstig „uns deren 
armen Leute^^ zu schützen und darg^en bei unser ruhigen woUher- 
geprachten possession vel quasi handt zu haben. Der Bath liess die 
Sache untersuchen, Zeugen vernehmen. Am 20. Oct 1597 berichtet 
Conrad Wachteler, Märkermeister, dass der Landgraf Ludwig der 
Jüngere 130 Schwein in die Mark einschlagen lassen; begehret eines 
Erb. Baths Gutbedünken was fiirzunehmen. Die Antwort lautete am 
4. Nov. dahin: er habe anno 1591 Zeugen vernehmen lassen; ob 
solches von den andern Herrschaften gleichmässig beschehen, davon 
habe er nichts vernommen; es möge wol sein „daß solche Sachen 



— 321 — , 

also ersitzen blieben^^ Sollten aber die andern Herrscbaften einhellig 
Bich an den Landgraven wenden wollen ^ würde es dem Rath nit 
missfallen. — Mglb. E. 30. IV. [20/21.] — Weiter wnrde im Jahr 
1604 die Hülfe de^ Baths angerufen; der Oberherr und Waldpott 
habe diesmal 100 Schwein in die Mast einschlagen und ein besonder 
steig auf Irem Grund und Boden ufrichten lassen. Es wurde auf den 
BeschlusB d. 1597 verwiesen^ dasjenige so damals begert; sei noch 
nit effectuirt worden, sondern vermuthlich bishero ersitzen blieben; 
darumb man den Bereiter an den Märkermeister wiederumb abge- 
fertigt. Der berichtet dass die Abhörung noch nit stattgefunden. In- 
zwischen fanden die Hefrschaften es sei nöthig einen Tag zur Zu* 
sammenkunft zu bestimmen: „weil solches samptlichen interessiren- 
den Herrschaften" zu nicht wenigem praejudiz gereichen thut. Auf 
einem Tag zu Petterweil werden die Torhandenen Zeugenaussagen 
verlesen; neue Zeugen yerhört imd beschlossen ein weiteres Schrei- 
ben an Homburg abgehen zu lassen. 

In späteren Jahren genügte es dem Rath den Landbereiter all- 
jährlich auf das Märkergeding, Sontag Lätare, zu schicken. Johannes 
Zeundel berichtet im Jahr 1644: „hat es auf bevehl Ihr E. E. Veste 
besucht; zu vernehmen ob etwas deme Flecken Niter Erlenbach an 
Ihrer Gerechtigkeit vorgenommen; oter Ihme Flecken sonsten durch 
Ihre f. Gn. Herrn Landgrafif diner oter Dero selbigen Märkermeister'^ 
Es sei aber nichts vorgenommen; als der gemeinen „Euhen und 
Busen" wie auch „der verfallne Bauw und ßösse dachung" (veröste) 
und „waß B.ugbar- daßselbige gestrafft worden^. „Dasselbige auch Ir 
lusterment ist vorgelesen worden von dem Waldschrayer wie von 
Alters herkommen ist." 

So berichtete der Abgeschickte der Stadt Frankfurt. Mit einem 
solchen mag der Kellner zu Homburg leicht fertig geworden sein* 
Derselbe berichtete am 2. Juni desselben Jahres über das Märker- 
ding der Hohen Mark: er sei auf das gebande Mark Gericht zu 
Oberurschel geschickt worden „zu vernehmen ob etwan meiner 
groBsgünst Ihrer Dorffschaften in einem oder dem andern an irer 
Gerechtigkeit witer Billigkeit etwaß vorgangen wöre", weiss diesmal 
nichts zu berichten; als „daß Niter Urschel und Dirkelweil wegen 
der Wolfsjagd nicht zu Humburg erschinen sind; gestrafil werden 
sollen; nach gehaltnem Markgeding über 14 Thag zu Humburg zu 
dem Busatz sollen beiten Flecken Erscheinen und IreBuse thaidigeu; 
dieweil alle andern Flecken erschienen; sie gemelte Flecken allein 
nicht", (bei der Wolfsjagd nämlich). — Mglb. K 29. IV. S. HO. 

21 



— 322 - 

Wie in der Seulberger, Brlenbacher etc. Mu*k, so st^ea auch 
in der Hohen Mark nicht wenige Thatsachen klar, dass in früheren 
Zeiten das Auftreten d6r Obrigkeiten in Markangelegenheiten keines- 
wegs bloss eine Förmlichkeit oder eine Ehrenauszeichnnng gewesen. 
Eiii sehr undeutlich geschriebener Bericht über das Märkerding von 
1479 theilt mit^ dass die lUthsfreunde begehrt die von Dorckelwdl 
wieder zu ihrem Markrechte kommen zu lassen, und dass diese sich 
erboten „umb den bruch des faltdors halb'' zu taidingen. Darauf die 
anwesenden M&rker beiseit getreten und gemeint die von Dorckel- 
weil nit wider zuzulassen , der Rath wolle denn dem lantman den 
„slag zu Husen offen daß man dadurch Far^i und denselben- Weg 
gebruchen mochten zu zyden so die Wasser gross weren'S DesBaths 
Freunde gaben darauf zu verstehen dass der Bafch den Weg zu Hau- 
sen gekauft habe und war kein gemein W^. Hausen (an der Nidda) 
stand mit der Hohen Mark in gar keiner Verbindung, die MäriLcr 
gedachten also durch die Beeinträchtigung der Dorckelweiler den 
Bath zu nöthigen anderwärts ihnen, den Märkem, Vortheile einzu- 
räumen. Das Recht oder die Pflicht der Obrigkeit war aber mehr 
die Ihrigen in dem Rechte zu schützen und zu vertheidigen, als pri- 
vatrechtlichen Vortheil aus dem Verhältniss zu ziehen ^. 

Bei dem Märkerding Montag nach Erhardi 1522 hat der Keller 
angezeigt: wer den Wald schädige soll gepfändt werden, es sollten 
auch itzo die Ffandzettel verlesen werden. Darauf Viel aus dem 
lantman nein gesagt, man sollt die Pfandzettel jetzo nit verlesen; 
dafür were der unberufen Märkertag bestimmt. Aber der Schultheiss 
von Ober-Ursel hat etliche vom lantman, so ihm zugehörig, zu ihm 
auf ein Ort genommen und mit den geredt, bis sie in die Pfändung 
und Verlesung der Zettel bewilligt. Darauf die Zettel gleich ver- 



33 j)ie Vollmacht welche im Jahre 1489 der Bath seinem Abgesandten mit- 
gab, lautete: Wir der Rate zu Franckenfort Erkennen uns uffentlich mit die- 
sem briefe das wir gantze maefat und vollen gewalt gegeben han diesem gein- 
wurtigen Eysen von Miltenbergk nnaerm beryder, und thun das lane craffte 
diß brieffs, uns, unser burger, das unser, die unsem und die uns zu verant- 
wurten steen an dem Marckerdinge zu Ursel das uff Mittwoche nach dem hei~ 
ligen Pfingstag nehst komende werden sal, zu verantwürten , zu verteidingen, 
zu vergeen und zu versteen zu glieber wyse und Inne aller der maeße und zu 
allem rechten, wir selbst thun und laißen sollten und mochten, obe wir dabei 
geinwurtig werenn, Des zu Orkunde han wir der egenantien unser Stede Jnge* 
sigel an diesen brieff thun drucken. Datum etc. 

Weiter unten ist auszufahren wie die Stadt Frankfurt zugleich in der Eigen- 
schaft eines Hitmärkers, wegen Besitzujigen in Bonames, aufzutreten hatte. 



— 323 — • 

lesen worden nnd gesagt: wer itzo woU taidingen soll des macht 
haben oder zum nächsten Märkergeding, Die Abgeordneten des Baths 
beschweren sich „daß die Ihren nit so yiel Holz geholet als die an- 
dem, man möge den Wald noch nit znschliessen". Darauf der lantman 
zusammengeruckt, sich besprochen und die b^ehr abgeschlagen, 
gesagt die mennig sei schon gemacht, (es sei abgestimmt). 

Es gab sich dabei von selbst dass die Herrschaften öfter auch 
vermittelnd auftraten, Frieden und Einigkeit herzustellen suchten. 
Im Jahre 1521 als Streit sich erhoben über die Wahl und Entlas- 
sung der Forstknecht, begehrte der Schultheiss von Homburg dass 
Verordnete aus jedem Flecken nach Homburg kommen zu verhan- 
deln „denn er were nit allhie uff dem merckerding umb Zankes wil- 
len^^ Darauf sind die Beamten von Königstein und Beddelnheim 
zusammengeruckt „und sich der Sachen damit der landtman gefriddet 
und zu Stillem gesetzt werden mocht, vielfeJtiglich besprochen und 
den Schultlieis gebeten dem kntman zu wülfam und andere forst- 
knecht erweblen; da er dies abgeschlagen hat man sich weiter 
berathen zu erhaltung friddens, und herfunden daß nicht besseres 
were denn daß man am lantman anr^ die alten forstknecht auf 
dismal onbeurlaubt zu lassen; solchs auch also beschehn^S 

Ebenso findet sich aber auch dass die Herrschaften mahnend 
und abrathend auftraten, wenn sie es heilsam für die Untergebenen 
hielten* Auf dem Märkerding 1524 wurde vorgelegt dass man aus 
dem lantman solt Merkermeister machen, nemlich zween zu Hom- 
burg und zween zu Oberursel. Darauf aller Oberkeit Gesandten sich 
besprochen, darin nit willigen können and einhellig beschlossen, „daß 
jeder Gesandter seiner Herrschaft untertbaa zu ihm berueff und 
dahin wysse, von solchem Beschluss abzusteen. Damach ist mit dem 
Unterthan In geheym abgesonderter Weise gehandelt, bei dem 
Folg erlangt Sollichs haben alle Gesandten dem Keller von Hoem- 
burgftirgehalten, der glycherWjse by seines gn. Herrn zugehörigen 
verfügt hatt, sich hören ließ^^ Also ist ein Bing gemacht worden, 
dem lantman gesagt, nachdem sie. von ihrer Meinung abgestanden, 
wolle sich gebttren dass sie Mftrkermmter kiesen, was darauf 
geschehen. . 

Auf Dienstag Sant Lucastag 1524 hat der Amtman zu Eppstein 
Namens des Waldbotten den Gesandten der Herrschaften der Irrung 
der kupferschmitten zu Bonamesa halben Anzeige gemacht, mit 
beehren ihm zu entdecken, ob sie mit einem ehrbaren Bath „güt- 
lich verhöre^^ annehmen, oder aber rechtlich für sein gn. Herrn, den 

Landgraven, fürkommen und erlyden wollten. Es haben die ein 

21» 



• — 324 — 

Bedacht genommen und Bolchs dem lantman angezeigt, der es 
ein gut Zeit nit thun wollen; als sie aber „die liberredt die Güte zu 
verfolgen'; haben sie solchs durch Philipps Byffenstain von wegen 
der Märker öffentlich zugesagt 

In späteren Jahren wurden die Unterthanen mehr und mehr 
abhängig von den Obrigkeiten. Es tritt dies schon in der Mitte des 
sechszehnten Jahrhunderts bei der Irrung über den Dielnberg und 
Bettstein grell hervor. Bei dem Umzug von 1Ö61; als die Märker 
über die Höhe kamen, wichen „die Jhenseit der Höhe' von den 
gemeinen Märkem und gingen nicht allein den grossen Bettstein, 
sondern auch den Dielnbergk und den Jungen Bettsteyn" von der 
Höhemark hinweg. Ebenso, als die Märker 1561 noch in dem 
Scharterwald waren, da gingen ^die von Rjffenbergk und Amßhain 
eyn sonder weg, gingen also auch eyn teyl des Scharterwalds und 
die obgemelten Velde samt dem grossen Bettstein von der Mark". 
Gefragt warum sie nit bei den gemein Märkem blieben? gaben sie 
diese Antwort: sie müssten gehen wohin die Junkern sie hiessen 
gehen, dieweil Irrung um den Bettstein were. Im Jahr 1562 wurde 
aberm^Js Umgang gehalten um den Dielnberg und kleinen Bettstein 
zu lochen. Da haben die jenseit der Höhe sich wieder abgesondert, 
etliche Tage darnach die Loch an dem jungen Bettstein ausgehauen, 
den grossen Bettstein der Mark abgelochte „Und ist gar kein 
Zweifel wenn die überhöhisohen die Wahrheit sagen dürften, on 
scheu für Iren Junckern würden sie bekennen sie hetten's ebenso* 
wol gehört von ihren Eltern daß der Bettstein in die Höhmark ge- 
hörig sei^^ Hiemach wurde beschlossen es sollten die Nachbar eines 
jeden Fleckens in die Mark gehörig solche obgemelte Irrung „ihren 
Oberkeiten anzeigen und umb Bath bitten^. Desshalb, so heisst es, 
yist die bitt E. E. f. W. so der Sachen besser wissen nachzudenken 
dann wir arme unverständige, wollten uns in dieser Sachen rathen 
und helffen, dass die angezeigte Irrung endlich mög gerichtet wer- 
den". Mglb, E. 29. III. S. 14. 

Weiterhin folgt (S 38. cit.) eine „Forma der merkere bedenkens, 
doch uff Verbesserung Irer Obrigkeyten, ob also an den Fürsten in 
H^sen zu schryben sei". Als die Märker die Homburger Schwein 
ausgetrieben, und dafür in Haft gehalten worden, setzen sie auf den 
7. Oct. eine Zusammenkunft; was hierein zu thun, bitten der Bath 
wolle verstendige Leut dazu verordnen damit sie arme Märker bei 



^ Abgelocht, die Wahrzeichen ans den Orenzbinmen ausgehanen. 



— 325 — 



ihrem anererbten Gute mögen erhalten werden* Und auch 1570 
setzen sie einen Tag an wegen der Neuerungen in der Mark und 
Insetzung von Zollatöcken; sie kamen überein ; es möchten auch die 
ö Herrschaften je eine Person abordnen nach Marpurg zu dem laut- 
graven, die Mengel und Gebrechen vorzutragen. Im Fall aber die 
Zollstöck nit abgeschafi% würden ist der gemein Merker Bitt^ die 
Obrigkeit möge guten Eath geben ,,ob man nit die Zollstöck ab- 
hauen, und alsbald an kajs. Eammergericht umb mandatum de non 
offendendo anzusuchen befugt sei^'? 

Es ist offenbar dass mit dem Aussterben des niedern Adels die 
Mark er ihre Stütze verloren, sich nunmehr an die Obrigkeiten zu 
wenden gezwungen sahen. In dem Markwalde wurden sie mehr und 
mehr von dem Waldbotten geschädigt und ausser demselben wurden 
sie abhängiger von dem Willen ihrer Obrigkeiten. Im Jahre 1684 
thmlt Burckhart Engelbrecht von Hattstein demBath mit: dass der 
Beschwerden gegen den Landgraven wegen die Märker zusammen- 
zukommen sich entschlossen, mit der Bitt dass er die Seinen hei 
Zeiten „zu dieser Zusammenkunft verordnen" wolle; der Bath ant- 
wortet: „wollen unsers theils disfalls nichts an uns mangeln lassen^. 
In einer Supplication bitten dann die Märker ihre Landesherrn, sie 
wollten sich „unser armen Merker und Unterthanen gnädigst ahnneh- 
men". Diese wandten sich darauf an den Waldpotten die Beschwer- 
den abzuschaffen. Der gravamina sind es 19 dem obersten Wald- 
botten von den „vom Adel, Burger und Landtman gemeine Märker 
erwehnter Marck" überschickt. Unter denselben finden wir aufgeführt, 
dass den „Unterthanen des Amts Homburg, welche Mitmärker sein, 
uferlegt worden eine Anzahl Gebundt Eichen Pfal in der Mark zu 
reißen, machen und ihm überliefern"; dass die Märker welche „we- 
gen Pfahlmachen ingerugt worden, Ihre Bueße bis noch nicht ver- 
theitiget und dazu nicht angehalten worden" endlich dass die Inge- 
sessnen im Ampt Homburg „ihr gepuer Unkostens, nemlich ein Jeder 
4 Pfen., zu Anbringung aller Beschwerungs Puncten nit contribui- 
ren wollen, weil solches durch ihre Obrigkeit verbotten worden^. — 
Mglb. E. 29. m. S. 82 ff. 

Wir werden hier auf eine wichtige Befugniss oder Verpflichtung 
der Begierung hingewiesen, nämlich die Bussen einzutreiben; daran 
knüpft sich dann weiter die Stellung ihrer Beamten zur Mark oder 
in der Markverfassung. 

In der Seulberger, Erlenbacher Markordnung von 1552 heisst es 
in Art. 12 : Wer die. Bujße nit entrichtet, soll durch seine Obrigkeit 
gepfendt werden, wo Armuth halben nicht zu pfenden ist, so soll er 



— 326 — 

vor ein Jeden Gulden acht Tag „im Beczenlooh oder NarrenhusB 
durch seine Obrigkeit uff beger deß Merkermeisterß gestrafft wer- 
den''. Aehnlich heisst es im Jahr 1588 Art. 11: ,, Welcher M&rker 
geruegen und seine bueßen uf angesetzte Thedigstag nicht «-legt, 
der soll durch seine Obrigkeit für voll dafür gepfendet, oder nacber 
Hombergk eingeführt werden, und im FaUe einer Armuth nicht zu 
pfenden . . . für jeden fl. acht. Tage lang mit dem Thurm durch 
seiner Obrigkeit gestraffet werden. Doch dem obersten Waldpotten 
an seiner habenden Gerechtigkeit damit nichts benommen'^ 

Auch in der Hohen Mark ist in diesem Sinne geweiset worden, 
so namentlich auf dem wichtigen Märkerding von 1484 welchem 
Abgeschickte der Obrigkeiten zahlreich beiwohnten. Da heisst es in 
Art. 17 : wer nicht theidigt, den mag der Waldbott und der Mär- 
kermeister, jeglicher nach seiner gebühr, vor ihre verfallene Büß 
pfänden; weigert sich dann einer der Pfände, so sollen der Herren 
knecht im flecken, da der gerügt frevler wohnhaflag ist, forderlich 
Pfand geben, bei Verlust desselben fleckens Markrechts. Ebenso ist 
1647 beschlossen worden, jede Obrigkeit ihrer Flecken und Dörfer 
solle bei den buosfelligen mit Ernst verfügen, dass die Buossen 
bezahlt werden oder pfand gegeben werde. Sollte dies in einem 
Monat nicht geschehen „soll die gemeyne ihres Markrechts entsetzt 
sein, bis die büße eingetrieben werde". Es war damit eine Strafe 
für die Saumseligkeit der Gemeinde, nicht gerade ' eine Haftbarkeit 
der Gemeinde fUr die Buße des Märkers , ausgesprochen ^. Mglb. 

E. 29. n^ 

Dass die Obrigkeit der Aufforderung zur Strafe und Execution 
sich willig unterzog ist in der BrCichtssache des Bernhardt Ebel zu 



9' Dies noch in einem andern Falle. Als nämlich die Gemeinde Heddern- 
heim den 20jährigen Rügenrückstand aller Verwarnung ohnerachtet nicht ab- 
geführet, wurde auf dem Märkerding 1773 dem Waldschreier und den Förstern 
aufgegeben sämmtliches Geschirr und Schiebkarren welche von Heddernheim 
in die Mark kommen würden, sofort nach Homburg einzutreiben, inmassen die 
Mark sich länger nicht herumführen lasse ,,sondern einen vor den andern von 
den Heddernheimern angreifen wird*'. Mglb. £. 31. I. S. 26. Wahrscheinlich 
ist es dabei geblieben, denn zu jener Zeit war an ein energisches Handeln nicht 
mehr zu denken. Es lassen sich andere Beispiele anführen, ans denen 
ersichtlich ist dass eine Gresammtbaft als Regel nicht bestand. In den Jahren 
1478, 1479 sollten die Nieder-Erlenbacher der Mark Verstössen werden. Als man 
die Mark auf St. Katharinentag bestellte hatten sie Holz aus der Mark ver- 
kauft. Die Nieder-Erlenbacher aber behaupten dass wenn einer oder zween in 
der Mark verbreche „darum nft eine ganze Gmeine aus der Mark verstoßen 
werden könne''. Mglb. E. 29. IIb S. 20* 



— 327 — 

Nieder-Erlenbach deutlich zu ersehen. Das Bathsprotocoll vom 29. Juni 

1598 theilt mit: Als die zu den Ortschafben verordneten Herren 
anbracht, ob wol dem Müller zu Nieder-Erlenbach desswegen etliche 
mal 10 fl. zur straf abgefordert worden , dieweil erv über Verpott 
etliche Stemme in der Seulburger Mark abgehauen, welcher aber der 
Thaten nit allein nit gestendig sein, sondern auch über des Märker- 
meisters yielfUtig anhalten die straf nit erlegen wollen: . . . soll man 
zur Erlegung der strafe noch 8 Tage peremtorie ansetzen. Erfolgt 
hierauf ein Schreiben der Märkermeister Joh. Bender zu Seulberg 
und Conrad Wächteier zu Ober-Erlenbach d. d. 11. Aug. 1598, 
Bernhard der Müller zu N. Erlenbach als ihm Markbuße abgefordert 
worden, habe mit schnöden Worten b^egnet, und in Gegenwart 
des Schultheissen sie bezüchtiget, dass sie ihn nit redlich, sondern 
wie diebe und schehnen gerüget und gebttsset hätten. Solche 
Schmach hätten sie sich zu Gemüth geführet, und nit gemeinet die- 
selbig auf sich ersitzen zu lassen. Sie klagen, nachdem sie sich hie- 
bevor an den Schultheissen gewannt, und ersuchen dienstlich, E. 
Erb. Bath wolle in günstiger Erwägung des Handels Beschaffenheit, 
ihn zur Abzahlung seiner zweijährigen Bußen samt dene darauf ge- 
wendeten Unkosten, dan auch zum gepürlicben Abtrag und Wider- 
ruffe von Oberkeit wegen günstig ermahnen und anweißenn. — Am 
22. Aug. wurde dann beschlossen: als Bernhardt Ebel zu Nieder- 
Erlenbach sich beklagt, daß ihm von den Märkermeistem widder die 
gebühr ein büß abgefordert werde, soll man, weil er dem d. 29. Juni 
jüngst gemachten Bathsdecret nit parirt^ ine gefenglich einziehen. 
Am 24 Aug.: Als der alter Herr Burgermeister anbracht es habe 
der Pfarrer zu Nieder Erlenbach filr seines Sohns Bernhardts, wel- 
cher Ungehorsams wegen zur Haft kommen^ Erledigung angehalten, 
wurde beschlossen: soll man Ine lenger liegen lassen. Auf weiteres 
Anhalten des Pfarrers wurde am 29. Aug. decr.: soll man Ine der 
Haft «erledigen mit dem Bevelch, sich hei den Märkermeistem klag- 
los zu machen, bei Bedrohung des Wiedereinziehens. Es findet sich 
weiter ein Schreiben der Märkermeister, welche sich am 7. Januar 

1599 beschweren, dass der Schuliheiss den mehr angedeuteten Be- 
seheid nach seinem Verstände auslege, mit der Anzeige, dass er wol 
befehl empfangen zur Bezahlung beholffen zu sein, es erstrecke sich 
aber der Bescheid nicht auf die Pfandreichung. Sie bitten dass mehr 
Schärfe gebraucht, Ebel sie w^enderUnkosten zufrieden stellen möchte. 
Demgemäss war am 16. Januar der Bescheid ergangen, dass der Schul- 
theisB dem Beklagten imverzüglicheBezalimg der geklagten Waldtbußen 
uferlegen und in Entstehung denselbigen alsobald pfänden lassen soUt 



— 328 — 

Allein bereits am 18. Januar überreichte* Ebel eine weitere 
Schrift: die Geldatraf sei ihm aus blosser Missgunst ^ abgefordert 
worden, er sei desshalb genöthigt gewesen seine Unschuld dem 
durchlaucht. hochgeb. Fürsten und Herrn G. Ludwigen d. J. Landgr. 
zu Homburg etc. „seinem gn. Fürsten und Herrn und der Mark obersten 
Waldbotten* per Supplicationem zu erkennen zu geben; der ihn 
gehört und Joh. Vestenbergern den Kellner von Homburg mit Er- 
gründung der Wahrheit beauftragt Diesem liabe er seine positiones 
und probatorial articul zugesandt; er habe gehofft dass bis zu Er- 
öffnung derselben seine Widersacher sich gedulden , sie hätten aber 
auf Pfändung angetragen mit Verschweigung dieser Umstände; 
bittet : der Bath möge diese Sach' an den Kellner von Homburg 
weisen. Es war dieser Schrift ein Verzeichniss beigelegt der Eicben- 
stemm, welche die andern Märker gehauen und doch die Nieder- 
Erlenbacher zuerst strafen wollen: die von Holzhausen zum Schwein- 
stall und den Hörten 60 Stamm, die von Petterweil 120, die von Seulberg 
123; die vonOber-Erlenpach ÖO. Der Senat beschloss am 18. Januar nach 
eingeholtem Bericht: Es sei den Märkermeistem Copei zuzuschicken; 
dem Schultheissen zu Nieder-Erlenbach aber zu befehlen, mit der 
anbefohlenen Pfändung gegen den Beruh. Ebeln bis auf weiteren 
Bescheid einzuhalten. 

Der Erlass welchen der Waldpott dem Kellner von Homburg 
schon unter dem 1. November 1598 in dieser Sache hatte zukommen 
lassen, zeigt wie klug derselbe jede Gelegenheit zu benutzen ver- 
stand seinen EinflusS; sein richterliches Ansehen fester zu begründen. 
Es heisst in demselben unter anderm: Ob nun wol in diesem und 
dergleichen Fällen die Appellationes vor uns als den obristen Waldt- 
potten gehörig sein, dahero wir auch des klägers bei uns beschehenes 
suchen flir sich wol bestehen lassen könnten; . . . jedoch dieweil die 
Sachen noch zur Zeit allein ufi* dem Beweißtumb beruhen und wir 



3^ Diese Miss^anst ist häufig gegen die Frankfurter Ortschaften besonders . 
gegen Nieder-Erlenbaoh, welohes in beiden Marken berechtigt war, bemerklich. 
Da Nieder-Erlenbach weit vom Walde entlegnen, war viel und leicht Gelegen- 
heit gegeben dies Dorf zu benachtheiligen. Als im Jahre 1523 die Märker ver- 
hiodern dass dem Eupferschmid zuBonames Kohlen zugeführt würden, bringen 
sie zugleich beschwerend vor, dass sie sonst auf der Brück zu Bonames 3 H. 
gegeben, jetzt 3. Ebenso sei der Zoll in Hausen gesteigert worden; dazu be- 
schweren sie sich dass sie an der Stadt Pforten zu Frankfurt „sich loosen oder 
das Ir verzollen'' müssten. Der Keller bemerkt das Kohlenverbot sei geschehen 
vielleicht aus sonderer Ungunst, die zu Ein. Erb. Rath getragen wurd .und 
noch unverdienet were**. Mglb. E. 29. IP>. S. 66, 73. 



— 329 — 

* 

dafftr gehalten, derselbig wol vor dem gemeinen Märker beschehen; 
und demnach von demselben nach Befindung der Partheien ein endt- 
licher bescheidt gegeben werden könnte, — so haben wir uns auch 
derselben biß noch nicht annehmen mögen, — bevelhen denmach dir 
(dem Kellner) in Grnaden, daß du sie beiderseits, so wol den Kläger 
Bemdt Ebeln als auch die Märkermeister und Markschreiber vor dich 
erforderst und Inen unsemtwegen anzeigest, . . . wir wolten sie ihren 
beweißtumb zu ftlhren an den gemeinen Märker gewiesen haben* 
Würde nun der beschuldigte beweisen können, daß er das übrig Holz 
. . . anderswo zu wegen gebracht, gereicht es ihm zum besten; wo 
nicht, würd er sich der ihm gesetzten Straf schwerlich entschlagen 
können. Doch stehet jedem alsdann die Appellation ... in allewege 
noch frei und bevor. 

r 

Am 5. Februar 1599 fragen die Märkermeister nochmals wegen 
der Execution an, Ebell habe sich so wol Geld als auch Pfand zu 
geben geweigert, der Schultheiß den empfangenen Befehl nit exequiren 
wollen, fUrgegeben, dass er Niemand der sich Pfand zu reichen wd- 
gere, dieselbig ohne fernere Specialbefehl abdringen dürfe, — sie bitten 
entweder wirkliche Hülfe zu befehlen oder sie in Schriften günstig 
zu yerständigen ; sie erbieten sich gleichmässig zu Gegendiensten : 
„Gott hiemitt in Eill befohlen, und geben Ob. Erlenbach 6. Febr.^ etc. 
Job. Ludwig von Glauburg und Joh. Ufstainer theilen darauf 
denselben am 8. Febr. mit, wie der Bath nach vorgelegtem schrift- 
lichen Befehl des Herrn Waldpotten anderer Meinung worden, dafür- 
gehalten es sei so lange zuzusehen bis dem ufferl^ten Befehl ein 
Genüge gethan. — Mglb. E. 30. IV. — 

Auch in andern Eechtssachen wurden die Obrigkeiten gelegent- 
lich um Hülfe wegen Executionen angegangen, besonders in solchen 
wo den Markbeamten keine Möglichkeit gegeben war auf andere 
Weise sich an Person oder Sachen zu erholen. Es schreiben am 
22. Febr. 1630 der Keller und die Märkermeister an den Bath : Ein 
Bürger der Stadt Frankfurt, Hans Scherer, auf der Allerheilgeugasse 
wohnend, habe vor etlichen Jahren dem Fürsten Landgrafen Friedrich 
seine zu Hombergk vor der Höhe gehabte Mühle verkauft, einen 
Nebenbau davon abgebrochen und wider die uralte Markordnung 
ausserhalb der Mark veräussert, und nach Frankfurt verwendet ^. 
„Deßhalb er auf dem Märkergedingtag gerüget, und nach Hombergk 



3T Die Markordnung verbot »Holz, Kohlen oder andres ans der Mark in 
ander Pflege oder Gebiet" zu führen. 



— 330 — 

über 14 Tagen hemacher die bul^ eu thejdingen geheißen^ auch ihm 
50 f. geseteet worden.^ Man habe der ZuTersicht gelebt daas er die 
Gelder erlegen werde, nach lang gehabter Geduld und unterschied- 
lich gütlichem MiJinen wolle man „den Markproceß widder ihn ge- 
brauchen^'y notificire dies demBath, bitte aber zuvor: derBath wolle 
hilfreiche Band leisten ; den mehrerwähnten Scherer anhalten, dass 
er „Zeyger dieses, unserm zehrungswürtt, Wilhelm Heyers TonHom- 
bergk, welchem diese Gelder anstatt Zahlung von uns bereits ange- 
wiesen, ermelte öO f. abbezahlen müsse". Ein Besolutum steht nicht 
dabei, auch ist nicht angegeben ob die Anweisung sonst honorirt 
worden. 

Die Schultheissen. — Bei diesem innigen Verhältniss der 
Obrigkeiten zu der Mark waren es besonders die Schultheissen, welche 
als Beamte der Herrschaften, zugleich als Vorsteher der Dorfschaften 
von grossem Einflüsse waren. Die Schultheissen erhielten von den 
Begierungen Instructionen, wie sie sich in den Markangelegenheiten 
zu verhalten h&tten. Es findet sich eine solche ftir den Schultheissen 
Barthel Hildebrandt zu Bonemess aus dem Jahre 1595 in dem fasc. 
Mglb. E. 29. in. S. 150 aufbewahrt: derselbe solle sich in d^r Frage 
wegen der . streitigen Wiesen von den mehreren nicht absondern, 
jedoch mit dem Protest : dass er an dem Process bei dem Beichs* 
kammerg^richt nichts zu thun haben wolle. Er solle über den Ver- 
lauf in Schriften der Gebühr zu referiren wissen. — Andererseits 
gelangten an sie die Bestellzettel aus der Homburger Canzlei; sie 
wurden angewiesen zu erscheinen zum Märkergeding „mit den Mit- 
nachbam und Märkem". Der Schultbeiss war der eigentliche Ver- 
treter des Dorfs und der Dorfangehörigen; erst in ganz später Zeit, 
als die Verhältnisse schon ganz verrückt waren, liess er sich mit dem 
leeren und unrichtigen Ehrennamen eines ^Markschultheissen' be- 
zeichnen. Früher wurden sie nur nach ihrem Dorfe benannt Als 
Vertreter seines Dorfes gab der Schultbeiss die Stimme ab Namens 
desselben, so besonders bei den Wahlen; war er einzuladen bei den 
Markumgftngen ; sass er im Gericht und in den Markversammlungen 
von denen weiter unten noch die Bede 49ein wird. Die 5 Ortschaften 
welche als Hauptorte genannt werden, stellen in ihren Schultheissen 
eine Abordnung und Vertretung der Herrschaften dar. Durch die 
Schultheissen wandte sich das beschwerte oder das klagende Dorf 
an seine Begierung,- und diese beachtete gewiss die Klage mehr oder 
weniger, je nachdem der Schultbeiss durch seine Persönlichkeit sie 
unterstützte. Johannes Bilger, Schultbeiss zu I)ürckelweil, bat 1617 



— 331 — 

um Intercesfidoii, weil der .Keller zu Homburg einen Dtlrckelweiler 
habe eintreiben und bekflmmem lassen. Nach altem Herkommen 
habe Dürckelweill den Gontzenbeimem eine Zinne oder S(^lagthor 
zu machen^ dazu sie Bauholz gehauen, das aber von den Gontzen* 
heimem vor dem Verbrauch sonst verwendet worden. Die Sache 
sei so liegen geblieben und 4 fl. Buss erkannt aber nicht erlegt wor- 
den. Der Keller habe die Gontzenheimer als Homburger Unter- 
thanen geschont. Daraufhin verlangt am 21. Oct. der Bath dass der 
Keller den DUrckelweiler der Verstrickung entlasse und die Gemeinde 
mit Unkosten verschone. Mglb. £• 29. IV. S. 79. — 

Die Bürgermeister. — Neben den Schultheissen waren noch 
in jedem Dorf 3 Schöffen oder Bürgermeister, welche den Schul- 
theissen in seinem Amte zu unterstützen hatten, besonders auch das 
Bechnungswesen führten. Sie werden noch um das Jahr 1600 als Ge- 
richtsschepf, ja auch als Markschepff bezeichnet Sie nehmen an den 
Markumgfingen Theil und an den engeren Versanmilungen. Die 
Vergütung fiir Zeitversäumniss wurde (in den ^äteren Zeiten) fUr 
den Bürgermeister halb so hoch berechnet wie für den Schultheissen; 
diesem wieder war gestattet 4 Schwein in die Eckern zu treiben, 
wenn der' gemein lantman ein Schwein eintrieb. In früheren Jahren 
genügte eine geringere Auszeichnung^ für die. Hohe Mark wurde im 
Jahr 1599 bestimmt dass jedem M&rker 3 schwein anzutreiben, er- 
laubt sein sollo; dem Schultheissen vier« 

Wir lernen, den amtlichen Kreis dieser Vorsteher am besten aus 
den Markordnungen der Seulb.; Erlenbacher et& Mark kennen^ wenig- 
stens was die polizeiliche Stellung betriffi;. ^Schultheißen und Bur- 
germeistere sollen ungebüer anbringen so oft sie etwas rugbahr 
sehen^^, sie sollen „ebensowohl als die Förster zu rügen schuldig sein^^ 
Dieweil „in dem Tituli vom Holzausgeben mehrentheils auf d^ 
Schultheißen und Burgermeistere Erkenntnisse gegangen und ihren 
versiegelten Bescheinigungen fümamblich Glaub gegeben wird . . • 
sollen sie die Märkermeister damit nicht bedriegen^. Es sollen 
Märkermeister und Schultheissen „in den Markflecken umbhergehen 
und zusehen^ daß die Baue in redlichem Wesen und guter Besserung 
erhalten und nicht zu scheydem gehen^S ,Zu einem nßwen Wohn- 
hause ^ wenn die Schultheißen und Markschepffen eines jeden Qr^s 
die lange, Weitte eta ermessen, . . sollen sie alsdann die Märker- 
meister darvon berichten, die dann femer uff ihren der Schulthdßen 
und Markscheffen zugeschickten Schein (welcher unter des Schultheißen 
Sigell verscbloB^n sein, und alle umbstendliche Gel^enheiten . , • • 



— 332 — 

Inhalten soU)^' das nöthige Holz erlauben. Jeder welcher Holz be- 
nöthigt^ auoh erlanget hat „wie er nicht Macht hat ohne der ForBterer 
bey Wesen einen eintzigen stamm zu hawen^ soll also auch dahin yer- 
bunden sein^ dasselbige Holz; sobald er£ zu seiner Gewahrsam be- 
kommen und ehe es von der Fuhr abgeladen wird durch seinen 
Schultheißen und Bürgermeisterei die es ihm zuvor erkannt, besiech- 
tigen zu lassen^. Auch der Förster Wahlen wegen ist beschlossen 
worden „daß die Markschultheißen beneben den Markschepffen auf dem 
Märkergedinge das beste darzu rathen sollen^. Endlich sollen Wald- 
bussen „Montags nach Quasimodogeniti gesetzet; durch jeden Mark- 
schultheißen von seinen Amtsbefohlenen Unterthanen beipracht und 
den Märkermeistem eingeliefert werden'^ Mglb. E. 90. HI. Diese 
Beispiele der polizeilichen Amtspflichten der Schultheissen und Bür- 
germeister in Betreff der Mark mögen hier gentigen. 

Es lag in der Gerechtigkeit der jeweiligen Obrigkeit Schultheiaa 
und Schöffen des Orts zu ernennen imd auch abzusetzen. Als im 
Jahre 1435 Harheim und Caldebach um fl. 3000 der Stadt Frankfurt 
verkauft; resp, versetzt worden, mit Zubehör und Leuten, übte der 
Bath dies Becht aus. Indess scheint es dass der Wunsch und der 
Vorschlag der Ortschaften gehört wurde) es heisst im Jahr 1488: 
dieweil der „alte Schöff^^ zu Harheim altershalber unvermüglich ist, 
ihme des Scheffenstuhls erlassen und andern an seine Stelle setzen 
und kiesen; sollen die von Harheim bis Donnerstag über 8 Tagen 
etliche Männer zum Scheffenstuhl tauglich verzeichnet beschrieben 
geben. Die Scheffen von Harheim sollen es halten wie von Alters 
gehalten worden ist; an Gericht zu sitzen und Sachen zu verhören. 
Im Jahre 1512 wurden die Dörfer wieder von Königstein gelöst 
Es sind Johann Frosch; Schöff; und Weicker Frosch; Bürgerm^ter, 
zu Harheim und Caldebach gewesen und haben die Männer ihre Eide 
ledig und los gemacht und die fUrter ihrem gn. Herrn zugestellt 
Vergl. Lersner, Chronik, IL S. 663 ff. 

Ueber die Absetzung des Schultheissen findet sich in den Seul- 
berger; Erlenbacher Mark- Akten (Mglb. E. 42. Nr. 32) ein interessan- 
tes Beispiel Am 8. Dec. 1601 überreichte der Pfarrer zu Nieder- 
Erlenbach die Anzeige dass er kein Holz aus der Mark ausserhalb 
der gewöhnlichen Tag bekommen köimO; er bewohne die Burg zu 
Nieder Erlenbach; ^e habe doch Gerechtigkeit in die Mark zu fahren 
Auf dem Ausschusstag habe des Baths Schultheiss und der eltiste 
Gerichtsschöffe dabei gesessen und E. Erb. Baths Gerechtigkeit fast 
Übergeben; wie sich denn der Keller zu Homburg dessen, etwas 
lachenden MundeS; gegen den Pfarrer vernehmen lassen. Wurde hei Bath 



— 333 — 

beBchloBsen: Soll man den Schultheissen und eltiBtenGerichtgscfaeffen 
▼on Nidder Erlenbach beschicken; der uflagen halben zur red stellen. 
Leidheck der Bereiter bestätigt des Pfarrers Aussage, derSchultheiss 
aber und Peter Krauss, der älteste Gerichtsschöff; stellen es in Ab- 
rede „ward aber etwas erschrocken in seinen Reden". Der älteste 
Schöff stiess die Worte heraus: ein alter Mann habe zu ihm gesagt, 
sollten nit darin willigen sonsten müssten sie etwan daraus dem 
Pfarrherrn Holz zur Frohn führen. Der Bereiter giebt noch an, 
dass er protestirt, der Keller aber mit lachendem Mund gesagt habe: 
Was es viel Protestirens bedürfe, sintemal £. Erb. Baths Bauern 
sich Selbsten dieser Gerechtigkeit begeben. Darauf wurde am 15. Dec. 
beschlossen: soll man beede Ihrer Aempter entsetzen und einem 
Jeden f. 50. zur straff abnehmen, welche straf zu bessemng des 
Pflasters zu Nidem Erlebach angewendet werden soll. Die Verur- 
theilten, Arnold Scheffer der Schultheiss, und Peter Erauss der Sohöff 
bringen nun Zeugniss Ton den übrigen Schultheiss und Gerichten 
bei dass sie das Behauptete nicht gesagt, bitten sie in ihren Aemtem 
zu belassen. Den Märkem überhaupt sei der Gebrauch der Mark 
beschränkt worden, somit auch der Burg. Es wurde darauf be- 
schlossen : Soll man sie zur Zeit noch bei ihren Aemtem verbleiben 
lassen, bessere Erkundigungen einnehmen. 

Die Märkermeister. — Weit wesentlicher als die Beihülfe 
der Obrigkeiten war die Stütze welche die Märker in ihren eigenen 
Beamten, besonders den Märkermeistem hatten. Wie die Schult- 
heissen das Dorf vertraten, so die Märkermeister die Mark. Sie 
stellen die eigentliche, wahrscheinlich uralte Obrigkat der Märker 
dar. Ihr Kampf mit den eigennützigen Bestrebungen des Waldbotten 
ist ein sehr beachtenswerther; erst als dieser die Wahl derselben 
ganz in seine Hand bekam, dies besonders in der Seulburger, Erlen- 
bacher etc. Mark, war die S^lbstbeslammung der Mark rettungslos 
verloren. Wir finden bei dieser selbstgewählten Obrigkeit den Dua- 
lismus; die Märker scheuten sich die geringe Gewalt, welche sie ihr 
eingeräumt, in eine Hand zu legen, auch wechselten sie ab mit den 
Ortschaften aus welchen die Märkermeister genommen wurden; doch 
behielten zuletzt ^ie mächtigsten oder einflussreichsten Orte eine 
Bevorzugung, so Obemrsel und Bonames. Der Versuch fUr die Ort- 
schaften jenseit der Höhe im Jahre 1438 einen dritten Märkermeister 
zu bestellen, wurde von den Märkem selbst wieder zurückgenommen. 

Die ältesten Aktenstücke welche wir aus der Hohen und aus 
der Seulberger, Erlenbacher etc. Mark besitzen, befassen sich be- 



— 33* — 

reits mit dein Streit über die Wahl and die BefugniBse der M&rker- 
meister. AoffiJlender Weise befindet sich dabei in der letzteren 
Mark eine symbolisohe Uebuug fesigehalten welche sich in der Hohen 
Mark nicht mehr vorfindet Es ist dies das ,,Gid staben^ welches 
als die Ursache des Streites über die Wahl der Märkermeister im 
Jahr 1482 angegeben wird. Jährlich^ so heisst es in einem Bericht 
Ludwig des BathschreiberS; wann man ein Märkergeding hat gehal- 
ten^ so hat ein Märkermeister sein Stab vor sich in die Erde ge- 
steckt^ und hat die Mercker um das Merckermeister Ampt gebeten, 
und wenn ihm dies wieder zugesagt worden, „so ging derselbig 
Merckermeister widder zu seinem stieibe den er vor sich inne die Erd 
gestossen hat und globet demselben stabe von der Mark wegen^^^. 
So sagen die von Fetter weil, von Obern- und Nidden Erlebach, sei 
es von altem Herkommen auf sie kommen. Darüber war aber Irrung 
entstanden, in Folge deren die Wahl eines Märkermeisters unter- 
blieben war. Denn Se. Gnaden der Jungher von Eppenstein als 
oberster Waldbott behauptete dass ein Merkermeister der Mark zu 
geloben nit schuldig sein solle, sondern dass ein solcher, so der zu- 
gelassen werde, ihm gelobe; das wäre billig und ein alt Herkommen, 
und werde auch in der Urseller Mark, welche zum nächsten dabei 
sei, also gehalten. Er begehrt an die Amptleute und die Märker 
solches gütlich zu besehen, dass man Märkergeding halten und die 
Mark bestellen möge. Er sei nit der Meinung den Märkem an ihren 
Bechten und Herkommen Abbruch zu thun, sondern die Mark mit 
Bath derselben zu bestellen. Als nun die Märker sich besprechen 
wollen, hat ein Eppensteinisch Schultheiss öffentlich gerufen, was 
Eppensteiner sei, soll uff ein besonder Ort gehen. Darauf die von 
Petterweil und Niedem Erlenbach „bei eyn gangen^' und meinten 
Ober Erlenbach sollte auch bei sie gangen sein, nadidem sie bis an 
die Zeit einer Meinung mit ihne gewest weren. Als die aber besun- 
der „by eyn gangen' und Bintze der Schultheiss, der bis uff das 
vergangen Jahr seiine.äO Jahr und länger Märkermeister gewest war, 
bei ihne stunde, hat der Eppensteinisch Amtman weiter geredt: be- 
gehrt zu gewilligen dass der Märkermeister s^em gn. Junghem 
globde, und obe das Bintze thue, wolle er ihn zu einem Märker- 
meister ufiiehmen, wolle er es aber nit, so wolle er ein andern 
nehmen. Nach einigem Bedenken haben die von Isenberg, Solms 
und Frankfurt „von ihren Herschaften und Dorff w^en^^ wider 



3B Der Stab als äjrmbol des Besitzens and des AuTgebens der Gewalt , s. 
Grimm, Bechtsalterthümer S. 187. 



— 335 - 

reden laasen: das sei nit Ton Altera Herkommen , Bintze der. da zu- 
gegen; sei bei 30 Jahre Märkermeister gewesen ^ und habe solches 
Amtes halben keinem Herrn y<m Eppenstein nie gelobet; als er su 
erste Märkermeister geworden sei; habe es die Q-estalt gehabt; dass 
die Märker ein merklich Gespanne mit Sr. Fiirstl. Durchl. gehabt 
haben: ^da war einAdelman M&rkermeister; genant Pawl vonlrlen- 
bach; der war alt und unyermüglich worden; hatte darum wegen 
der Gezenke die Mürker gebeten einen andern Märkermeister zu 
machen; da hatte derselbe Pauli von der Märker wegen von Bintze 
gelobdet über das Märkermeister Ampt genommen. Es sei auch ein 
alt Herkommen dass auf d^ Aue ein jeglicher Märkermeister auf 
d^n Märkerding pfl^e du stapp fUr sich in den Wasen zu stecken 
und damit zu sagen: Ich stedie die Mark dahin ; und sag da^ Mär- 
kmneister Amt damit uff. Und so er dann wieder darum bäte, so 
antworten die Märker dass er widd^ an den stab griff; und das 
Amt des künftigen Jahres widder an sich nehm bd der globden so 
er vor gethui habe. Also sd es auch bei Bintzen nit anders gehal- 
ten worden und sd kdner in der Mark dem gedenke dass es je 
anders gehalten worden sd. Das hat der Eppensteinisch Amtman 
auch abgeschlagen und zu Bintzen gesagt ob er das Märkermeister 
Amt annehme und Ime seinem gn« Junghwm darüber gdoben thuC; 
woU er ihn darzu bestettigen. Daruff Bintze geantwort und gesagt 
hat: wo das der Märker Wille sei wolle er es thun. Da haben die 
Eppensteinschen .... gesagt ja * Isenberg; Solms und Frwkfurt 
AmÜude und Freunde haben in kein Neuerung gewilligt; sind hin- 
w^ geritten; haben ihren Männern gesagt auch abzuschddeü. Also 
hatBintzC; derAmtmau; gdobt^^ »Wie aber; ist uns nit wissend^ fügt 
der Frankfurter. Berichterstatter beL . . 

Im Jahre 1483 auf Walpurgistag wurde ein Märkerding gehal- 
ten ,,brantshalb damit die Mark beschädiget worden war". Die yon 
Petterweil und Nyddem Irlebach entgegnen dem Märkermeister 
BintzC; der sie büßen wollte, de halten ihn vor kdnen Märkermei- 
ster; er sd nit erwählt als von altem Herkonuneo seL 

Zwei Jahre darauf war Bintze der Märkermeister mit Tode ab» 
gangen. Erwin Tegel oder Dögel wurde an seiner statt gewählt 
Dieser hat gebeten ihm das zu blassen; auf bitten gesagt: wo er 
zugdassen werde; wolle > er Inen aUen zu willen reden. Da saget 
Walther von wegen seinem Herrn yon Eppenstein: ^sei nit der 
Meinung einen Stab stecken zu lassen^. Da hat Erwin . sich des 
Märkermeister Ampts entschlagen. Hat Walther die Märker geheissen 
einen andern zu kiesen ; der ime anstatt seines Herrn globde .thu; 



— 336 — 

haben Isenbergk und Sohns von Petterweil wegen gesagt : sie haben 
gekoren, da lassen sie es bei, und seien nit schuldig einen andern 
zu kiesen, gepüre auch nit Ime die globde zu thun, und sind damit 
das an die Herrschaft zu bringen, abgeschieden. Sie wollten in kein 
andern gebilligen. 

Darauf blieb die Mark unbestellt, wie bereits mitgetheilt wor- 
den, bis im Jahre 1490 durch die Abgeschickten der Obrigkeiten 
das Märkerding auf Sonntag Lätare abgehalten, Erwin Dogel, Amt- 
man zu Erlebach, wieder zum Märkermeister erwählt und von Phi- 
lips von Buches in Pflicht genommen wurde. Im folgenden Jahre, 
als der gütliche Tag zu Qermersheim abgeschlagen worden, erschie- 
den auf dem Märkerding, Sontag Lätare : Herr Fried, von Dorfeld^i 
und Georg Meyer, Schreiber, von wegen des wolgebornen Jung- 
hern Philippen Grafen zu Sölms; Philips von Buches und Diether 
von Lutern von wegen des wolgep. G. Ludwigen von benberg, 
Grafen zu Büdingen; Balthasar von Eschpach von wegen der Herr^ 
Schaft von Königstein ; und Wjker Knobelach sammt Melchior Swar- 
tzenberger, Radsschreiber, von wegen des Rats zu Frankfurt; und 
redt Georg Schreiber, wie sich die Merk er allwege uff den Augen- 
schein erboten haben, also sei sein gn. Herr ein zukommender Herr 
der Mark und „wyß nit wyters, wann sin gnad underricht werde". 
Desshalb sei Herr Friedrich und er also abgefertiget, die Männer 
sollen wben wie von alter, doch jeglicher Parthei irs rechten unbe- 
nommen. Die Märker haben darauf aus jeglichem Dorf vier erweh- 
let, die sollen sich besprechen und den Herren „mit Willen des land- 
mans Ire Gerechtigkeit wisen^^ und nachdem sie bedacht waren 
haben sie also gewiesen : Zuerst dass der Homberg inhab ein oberste 
Waltpode der Mark sei ; darauf über dessen Befugniss zu jagen in 
der Mark; sodann dass der Waltpode das Recht habe frevelnde Aus- 
marker gefänglich zu halten imd gnädiglich zu schätzen. Es folgt 
darauf viertens dass die mark der Herren Eigenthum sei und der 
Märker Erbe. Dann heisst es: die Männer sagten dass sie sich irthen 
wer den Märkermebter eidigen soll, sie haben alwege gehört dass 
sie den Märkem geschworen haben, aber es sei keiner zugegen, 
dem gedenk, dass je ein Märkermeister geschworen hab, sondern 
alweg bei den Eiden die er vorgethan hat, bleiben lassen. Wohl hab 
Bintz dem von Epstein vor Jaren gelübde gethan, sei aber wider 
Willen der Märker bescheen, sie hab^ auch uff der Zeit gesagt : 
„Bjntz sj durch den Karren gefallen'^ Darauf haben sich die Ge- 
schickten bedacht und vereinigt • den Märkermeister gemeinsam zu 
beeidigen bis zu einem schliecrslichen Vergleich. Der lantman wählte 



— 337 — 

Erwin Dogebi ^ einem MSrkermeiiter, der also von beiden Par- 
thien geeidigt worden ist „bei den eyden die er vorniak den herren 
und dem Bat dwü er ir iglichem inn sanderheit gedworen were das 
best zuthnn befolen, das er also gelopt hat^. Mglb. E. 29. U^ S. 144 ff. 
~ E. 30. No. 2. 

Es zeigt mis anch dies Beispiel wie wenig die Ghrundgesetze 
der Marken festgestellt waren, wie vieles von den Männern abhing, 
welche einerseits den Lantman leiteten, andererseit9 dem Waldpotten 
als Säthe dienten. Erwin Tögel war vielleicht der tüchtigste "M&rker- 
meister unserer Marken, nie mehr späterhin hat der Lantman in den 
Verhandlungen eine so würdige und so gewichtige Stellung einge- 
nommen wie unter- seinem Meisterthum. Nicht lange nachher ist es 
den gewandten und schlauen Beamten des Waldpotten, Diether 
Oewend und Georg Vestenberger, gelungen dem letzteren eine bevor- 
zugte und überwiegende Stellung zu verschaffen; so wurde dann das 
Becht mehr imd mehr in diesem Sinne gedeutet und abgeändert. 

Es ist «ehr merkwürdig dass noch ini 15. Jahrhundert über die 
Frage wer die Märkermeister zu verpflichten hätte Streit in der Seul- 
berg-Erlenbacher Mark entstdien konnte. In der Hohen Mark war, wie 
es scheint ganz richtig, die Wahl dem Lantman zugewiesen, die Be- 
stätigung aber dem Waldpotten, dem Sendboten des Königs« Unter- 
blieb die Bestätigung in einer Weise dass das Wohlergehen der 
Mark dadurch litt, in solchem Falle griffen dann die Begierungen 
^. Die Akten führen kein Beispiel auf dass die Märker beschwörend 
sieb an den König und Kaiser selbst gewendet. EJagen bei dem 
Beichskammei^ericht kommen vor, auch Entscheidungen, aber nicht 
immer waren diese durchzuführen« 

Die äheste Urkunde der Hohen Mark, der Berieht über das 
Märkerding änno 1401 feria quarta infra octavas pasche (13. April), 
gedenkt der Märkenneisterwahl. Diese sollte . auf St. Katharinentag 
geschehen, war aber^ wie es scheint^ im Jahr 1400. unterblieben. Es 
wurde bemerkt ,^aß noth sei daß man zwene Merckermeister setze 
imd die Mai^ bestelle als man auf St. Kathrinentag thun sollte, und 
meinte da Schudereyn, der Schultheiß zu Hoenberg, daß der Wal- 
pode die erste Köre haben solte; darzu geantwortet ward: der Wal- 
pode hätte kein Köre, dann wen die Edelleute und der lantman 
erkoren, den hätte der Walpode zu bestedigen'^ Damit war die 
Fn^e entschieden, es traten die EdeUeute bei Seite und auch der 
lantman, und koren zu Merckermeistem Fritzechen Clemmai und Da- 
men von Frunheym ^zwischen hie und St. Kadiarinenti^ als 

man dann gewöhnlich neue Merckermeister setzen soU^. Das wollte 

38 



— 338 — 

flieh das FritBeohea nit onterzicheD; da erbat man Henneü Glannnieii 
den Bmder; dass er sich des an seiner statt unterzöge^ und also 
gelobten Henne und DameC; voigenante^ dem Walpoden in sem 
Hand der Marg getreulich vor zu sein und zu versdien und zu schirm 
meu; und gleich damit umzugehen dem Armen als demBeiohen, und 
das um keinerlei sache nit zu laßen ^ ak fem als ihn der Walpode 
auch nach seinem Vermögen darzu getreulich behelfim wollte^. 

Auf dem M&rkerding St. Katharinentag desselben Jahres 1401 
wurde dann geweiset: „wen die Edelleute und der lantman zu Mer- 
kermeistem kiesen ^ den hat der Walpode zu bestedigen und ihn 
darüber lassen geloben und schwören: der Marg getreulich fitr zu 
sein, sie zu versehen; au schüren und zu schirmt); und gleich da^ 
mit umzugehen dem Armen als dem Beichen, und das um keinerlei 
Willen zu lassen , als fem ihne kraft und Miaeht getragen mag und 
als ferre als ihne der Walpode auch nach seinem Vermögen dazu be- 
hülflich sei; das er auch also thun solle ungefährliches Es wurden 
dann zu Märkermeistem gekoren, ein Jahr zu seia, als der Marg 
recht ist: Henne Clemm von Hoemberg imd Honrich Ton Belders- 
heim „und dieselben Merckermeister haben heute zu Tag^ Conzchen 
Brendel von Hoemberg, als an eines Walpoden stat, gdobet der 
Marg recht zu thun^. 

Auf dem feierlichen Märkerding 1484 wurde auch wegen der 
Märkermeisterwahl geweiset: ^Und wer also auf den Tag zum Mfir- 
kermeister gekoren wird, den hat der Waidbott zu bestettigen; und 
soll er sie darüber lassen geloben und schweren der Mark getreuKdi 
für zu sein, die zu versehen, zu schauwon und sn schirmen; und 
gleich damit umbzugehn den Armen als dem Beichen, und das umb 
keiner Sachen willen zu lassen, als fem ihm Erafll und Macht tregt, 
ohn alles gefehrdte^. 

Bei Gelegenheit der Besprechung des Waldpottki vkd seiner 
Befugniss ist b^eits des Streites gedacht welcher im Jahre 1541 auf 
dem Seulberg'Erlenbaoher Märkerding über die Wahl des Märker- 
meist^rs sich erhobt Der oberste Waldpott berief sicli darauf daas 
die Mark mit Bath dw gem. Märker solle beatollt werden. Dietiier 
Gewend, der schlaue Bathgeber, verfocht dieses Beoht seines Herrn, 
des Grafen Ludwig zu Königstein, als dieser Zeit obersten Wald* 
potten. Zug^en waren auf dem feierlichen Märkergeding neben dem 
obersten Waldpotten in Person, Graf Philips Herr zu Sulmbs, Graf 
Anthoni von Eysenburgk, Herr Ulrich von Hinzspurck und Justi* 
nian von Hohdmsen für den Bath und die Stadt Frankfurt, endHoh 
die Ingehörende Markermaa, Dorff und Flecken Sewelnburgk, O^* 



— M9 - 

pem^ Petteorweyl, HolzhtiBen, Ober Irlenbach und Nidder Irleiibach. 
Den AiiiprOchen des obeftten Waldpotten entgegen liewen die Mär- 
ker dnrck ihren Bedner Tortragen das» seit 20, 30; 40 Jahren, auch 
seit Menschengedenken nicht vorgekommen dass ein oberster Wald- 
pott ein Merkermeister hätt mit helfen kiesen, sondern der gemein 
Merker habe den Merkermeister gekoren, dem obersten Waldpotten 
die Wahl angeeeigt und gebeten den gewählten zu bestätigen und 
ia Eid zu nehmen. Ebenso hat der Graf Philips, Herr zu Sulmbs, 
im eigner Person Graf Ludwigen fleissig erinnert, dass dergleichen 
Wahl nie vorgenommen wäre worden, weder zu Zeiten der Hanaui» 
sehen Herrn, als der Zeit einigen Herrn dieser Gemark, noch vol- 
gends.bei dem landgraven zu Hessen, noch volgends bei andern 
Herrn und wieder bei dem lantgrav^n zu Hessen der Wslil halben 
ein Intrag geschehen. Graf Ludwig aber hat den Buchstaben des 
Jnstniments (von 1493) fuigezogen ^daß ein oberster Waldpott die 
Mark mit Bath der gemein Märker bestellen soll, dies bringe mit 
sich da&^r als ein oberafter Waldpott mit zu kiesen habe^. Es wurde 
gegen diesen Grund angegeben: der Gebrauch solcher Wahl sei älter 
als das Instrument, welchias erst 48 Jahr alt sei. Graf Ludwig erwi- 
derte: dieweil es zeuge solle es billig in seinem, Buchstab gehalten 
werden. Er sei ein oberster Waldpotte und dieser Zeit der Gemark 
Pfandherr, müsse das Instrument in seinem Buchstaben handhaben. 
Da hat der Amtmann zu Königstein die Dörffer getrennt und die 
von Seulbeig und Koppem beredt, bei dem Instrument zu bleiben. 
Darauf ist Graf Ludwig «u ihne« g^tten, gesagt, är lass ihnen den 
^mtman Fleckenbnrg zu, wo sie mit ihm zufrieden wären, wollten 
sich mit einsinder einigen. Das mag auf den Lantman Eindruck ge- 
macht habWf er hat sich „solchen Vorschlag gefallen lassen, one 
Erwogen ja gesagt^. Graf Philips von Sulmbs, sammt Grafen An- 
tpni nnd d&ß Abgeschickten von Frankfurt „so diese listige Wahl 
vermerkt^ haben nochmals gebeten den gemein Merker allein kiesen 
zu lassen, diesen auf den Yortheil der Wahl erinnert, welchen sie, 
ala die unverständigen, nicht gemerkt noch verstanden hätten. Der 
Waldpott mahnte man .möge es jetzt bei. geschehener Wahl bis zu 
künftigem Merkergeding bleiben lassen. Ysenburg und Sulmbs da- 
gegen warnten: einmal nachgelassen, wäre immer nachgelassen, hülfe 
keine Prötestation, der gemein Merker wolle bei altem Herkommen 
bleiben. Allein dieG«merker Se^lburg und Koppem sind abgefallen, 
sonderlich die jüngsten unter ihnen schrieen: j^sie wollten bei dem 
Instrument bleiben^* Bei der Abstimmung traten sie auf die andere 
Seite; sie waren die Minderheit Die andern begehrten, dass Graf 

22* 



— 340 — 

Ludwig bei dem Mennig (Mehrheit) der Wahl bleiben soll. Dess sidt 
der geweigert: ^es wolle ihm als einem Paniherm nh gebUren dee 
landgraven Angehörige aus ihren OerQchtigkeiten zu bringen^ BokheB 
wÜBste er gegen den landgraven nit zu verantworten; er wolle .es an 
den landgraven gelangen lassen^. 

Dass die Mark nicht gar unbestellt bliebe haben Soims, Ys^ii- 
burg und Frankfurt darauf sieh mit dem Waldpotten verglichen, 
dass die Forstknecht so von gemein Mfirker zu Mitfa^ten gewählt 
worden bis zu nächster Bestellung bestätigt sein üoUen. Nach dem 
Mittagsmahl in Ober-Erlenbach haben dann die ^edaditen Herrschaf- 
ten för gut befunden keinen weiteren Tag mehr zu Terlangen, .son- 
dern ihre Unterthanen bei ihren Oerechti^mten bleiben zu lassen, 
oder das Recht auch am kaiserlichen Kammergeriofat desshalh ge- 
wärtig zu sein. Es fand in demselben Jahre 1541 noch eis zweites 
Märkerding statt ^vermög der Tagsatzong jüngst in Frankfturt be- 
scheen'; der Waldpott weigerte sich Johann Fleckenberg, den Amt- 
man zu Peterweil als Märkermeister zu bestätigen. Die andern Herr- 
schaften wandten ein, dass der Buchstabe des Instruments nit ax- 
presse mitbring däss ein Walpott mitzuwählen habe, dagegen von 
altem Herkommen sei, dass die Märker den Märkermeiater unter sich 
wählen auf Bestätigung des Walpoten. Dieser aber schlug es ab, 
Seulberg und Koppem hätten das Herkommen nit zugestanden, er 
wolle solches an Hessen gelangen lassen. Erst fünf Jahre . später, 
1546, erschien Diether Gewend auf begehren des Ausschusses der 
gemein Märker bei ihnen zu Ober Erlenbach, beredt sich mit ihnen 
einer Ordnung und hat sich verglichen. Des Merkermeisters halben 
ist bewilligt ein Jahr lang. Johann Fleck enptthell (Fleckenberg) mit 
Eidespflichten anzunehmen und zu bestätigen durch Verordnete d^ 
Waldpotten. 

Vielleicht waren es die obschwebenden Verhandluügen in der 
Hohen Mark, Welche Diether Gewend bewogen flir's erste in der 
Seülb. Erlenbacher Mark .sich' nachgiebig finden ~ zu lassen. In 
späteren Jahren wurde die Wahl der Märkermeister in den Torbera- 
thenden Ausschussversammlungen vereinbart. Ini Jahre 1588 httsst 
es: Markmeister anlangend ist gemeiner Ausschuss bedacht schierst 
künftigen Sonntag.Lätare auf dem Mark^eding auf's neue einmüthig- 
Kch zu bitten den Edlen und Vesten Friedrichen Von Döebschütz 
uf schadenwalt, Ysenburgischen Amptman zu Petterweil, und den 
Ehrenhaften Wolffhard Falkenstein, königsteinschen Schultheiss zu 
Obern Erlenbäch ihr Amt noch ein Jahr lang zu tragen, . . . j^darin 
obersten Walipötten Anwaldt bewilliget und mit denen bißanhero 



341 



und auch nooh ganzwol zufrieden geweBen". Ebezifio wird bemerkt 
im Jahre 1S90 dass der GemeindeaoaBchufis sich bedacht am künftigen 
Mitfasten Sonntage gen. Laetare auf dem Markgedinge und gewöhn- 
licher Wahlstadt einmühetlich zvl . bitten die Edlen . . F. von Döb- 
schütz und Bud. Armbrostern das Markermeister Amt noch ein Jahr 
anzunehmea, . ^in welchen Vorschlag Obersten Herrn Waldtpottens 

^ Anwalde bewilliget und mit. denen beiden Personen ganz wol zufrie- 
den und content ist^;. dännheisst es gleich weiter: .,,8ind hieruff er«' 
petten qnd für dem Umbstande zue Mergkermeistern confirmirt und 
bestäitiget worden^. In ähnlicher Weise sind im darauf folgenden 
Jahre 1591 Anthoxi Zubrot ^ Sollxos Laupachischer Kellner zu Fetter- 
weil und Thepbald Schefer zu Nieder Erlenbach einmüthigliph 
erwählet, der Vorschlag vom Anwalde bewilliget worden, und 1593 
war der Ausschuss bedacht mit Zuthun der sämmtlichen Märker 
aurs freuüds und dienstlichst zu bitten die Ehrenhafte und vornehme 
Wolffüardt Falckenstein und Simon Praun, beide Schultheissen zu 

. Ober Erlenpach und Seuiberg, welches bewilliget worden. 

In den Berichten der Hohen Mark ist nicht immer der Bestäti- 
gung gedacht; zuweilen ist nur die Wahl angeführt; so im Jahre 1521 
als Eberhardt Schenk der Amtman von Bonamesa von E. Erb. Baths 
wegen, dann CcHirad Weiss und Job. Mfkrsteller „sammt ethchea 
Knechten^ auf dem Märkergeding erschienen. Eberhardt Schenk 
sammt dem Berater za Königstein, beide Märkermeister haben be- 
gehrt ^sich und ihre jedem insonder des Märkermeister Amtes ssa 
Erlassen" und. an ihr stell andere zu erwählen* Darauf ist der gemein 
Märker oder Jlantman durch kurtaen Bedacht dem Amptmaa und 
Bereiter in Antwort begegnet; „sie bitten sie dafür und haben sie 
auch wider herwählet; das dann die zween widerumb angenommen'^ 
Aber auch hier kommen in späteren Jahren Beispiele vor, dass trotz 
der Vorschrift des Instruments, der Waldpott oder sein Beamter die 
Bestätigung verweigerte. Es fend dies bereits im Jahre 1595 statt. 
Dr. Strupig, des Waldpotten Gesandter zeigt aui der Au in Homburg 
an, dasa auf jüngstem Markerdixig Philips Wolff von Praunheim und 
Wendell Hoff von Ursell seien eiostinomig zu Märkermeistern erwählt 
worden. Ersteren wolle er hiermit einsetzen und bestetigen^ ^denn es 
Ihr f. Gn. fast wohl gefallen, dass er, der Junker, durch gemeinen 
Bath der Märker were zum Märkermeister erwählet, worden. Was 
aber Wendell Hoff betreffe, nehme es Ihre £ Gn.- Wunder wie sie 
diesen einhellig erwehlet, da er doch nicht der sämmtlichen Märker, 
sondern seinen und seiner Mitbürger Vortheil suchte'^; desswegen 
BoUe er diesmal nicht bestätigt werden, Bondem seines Dienstes hier- 



- S42 — 



mit beurlaubt Beiii; bis auf künftigen Bartholomei, da ei dann den 
Märkern frei gestellt sein solle, ihn beizubehalten oder einen andern 
zu wählen. Herr Philips Wolff thäte sich darauf ganz freundlich be- 
danken; dass man ihn dessfäUs würdig imd gut genugsam geachtet, 
wandte seines Leibes Schwachheit vor. Darauf ging der Dr. Strupig 
nicht ein, „er habe Befehl den Jungkem von Pfraunheim zum Mär- 
kermeister zu bestätigen'^ Wendell Hoff tfaet sich gleichfalls ganz 
freundlich bedanken, bemerkte er wolle gar nicht der Bechtfertigung 
halber für partheiisch gehalten sein, er habe es allwege mit sämmt- 
lichen Märkem gehalten, und wolle es flirters so halten. Sie möch- 
ten sehen ob sie ihre einhelKge Wahl wollten lassen untergehen und 
zu nichte werden ^ es gäbe dies ein sonderliches praejudicium, als ob 
man die Märkermeister fürschneiden wollte. — Mglb. E. 29. IH. 
S. 152. ff. 

Wie der Bürgermeister in der Burg und in den Städten, so der 
Märkermeister in der Mark. Er vertrat, soweit und wann es nöthig 
war; die Gksammtheit der Märker, er überwachte die Mark und 
ihre Beamten. Als auf dem Märkerding von 1541 Diether Oewend 
sich auf die neue Ordnung des Jahres 1537 berief, nach welcher 
Ordnung BrCchenmeister zu wählen seien, welche Macht hätten zu 
erlauben und zu verbieten, gestanden die Edellente keine neue Ord- 
nung ZU; dieselbe sei nit weiter denn desselben Jahres zu halten ver- 
standen worden. ,,Wir wissen im Instrument kein BechemneiBter 
vermelt; sondern Merkermeister die über die Mark bevelh hätten^. 
Mglb. E. 29. IP S. 112. Die Märkermeister hatten Markknecht und 
Förster mit der lantleute Bath zu kiesen ^; zu eidigen und der Mark 
geloben zu lassen; sie konnten pfiinden; sie hatten die Bussgelder 
einzunehmen; sie hatten das Holz anzuweisen. Wo es n5thtg war 
hatten sie ihre Verrichtung gemeinsam mit dem Schultheissen zu 
vollführen, Armenzettel sollen von dem Schultbeiss den Märker- 
meistern übergeben werden; es sollen Märkermeister und Schultheissen 
zusammen in den Markflecken umgehen ; zu sehen ; damit die ge- 
machte Bau in Vesten und Besserung gehalten werden; Bauholz zu 
alten Bauen soll nach unvermeidlicher Nothdurft von Schultheissen 
und Bürgermeistern bescheinigt; von den Märkermeistem aber er- 
laubt werdet! ; erstere werden verwarnet mit ihren Siegelungen nicht 
zu betrügen; letztere aber angewiesen ein fleissiges Insehen auf der 
Schultheissen imd Bürgermeister Erkanntnüsse zu haben ^damit sie 
von denen nicht fallirt werden^. 



» So 1438 vergl. Mglb. E. II. S. 93^ 



— 3M — 

Naek der Setilbei^*Erleiibacher MArkordnung von 1688 hattoa 
die Märkermeister nur fl. 3 jährlioh Belohnung^ aber sie sollten den 
halben Theil der Bussen^ haben. In der Hohen Mark waren die 
Bussen zum Theil ganz den Märkermeistem zugewiesen^ zum Theil 
aber auch den Förstern oder dem Waldpotten. Als im Jahre 1458 
die Lehenshfirm wegen des Ausbleibens geblisst werden sollten^ be- 
merkte Bechtold von Eschpach : die Bussen hörten dem Märkermeister 
zu^ und war von alt^n Herkommen dass davon Niemand frei wäre, 
so hätte die Bussen auch Niemand zu erlassen. Im Jahr 1499 als 
Erwin Dogel den Märkern das Märkermeisteramt aufgesagt, erinnert 
er an etliche Kappun und Streng so dem Märkermeister in seinem 
Amt gefallcin: und es haben die Märker den Schützen befohlen die 
Bussen in 14 Tagen auszurichten, sonst zu pfänden. 

Die Märkermeister standen wie die andern Märker unter dem 
Gesetz, sie waren über die Ausübung ihrer Befugnisse, besonders 
über die eingenommenen Bussen Bechenschaft vor dem Ausschuss 
abzulegen verpflichtet. Zur Zeit der Neuerungen im Jahre 1645 
wurde ausdrücklich erinnert und festgehalten, so ein Märkermeister 
▼erbreche, dam er gleich einem andern Märker taidingen und büssen 
solle, und das Theil so er an gemeinen Buessen habe, damit audi 
verwirkt, darzu er seines Amts entsetzt sein, tmd kein Lantman sich 
des Märkermeisters Verbrechen behelfen solle. Frtiiier schon, im 
Jahre 1492, fand eine Verhandlung desshalb statt, (s. Mglb. E. 29. 
IV* S. 36^) Als die Märkermeister ihre Zettel von den Bügen vor- 
liisen, also hat Gutheim in seinem Zettel mit sammt andern gerüget 
Jorgeil Brendel den Märkermeister. Hat J. Brendel sich verantwort 
es möge sein Eoieoht Holz im Walde geholet haben, vermeine das 
billig gethan als ein Märkermeister, wo er das vcrbUssen solle möge 
man ihm i^ihgeii von wem er Orlaup heischen solle, denn er könnte 
es nit anders verstehen, denn dass die Büge geschee aus Feintschaft; 
es hab der knecht andere, die er billiger rügen solle, nit gerüget^ 
sondern von ejm theil geschenk genommen und in's Holz fahren 
lassen. Darnach aufgefordert Märkermeister zu kiesen hat der Lanth 
man gesaget, es befremde sie dass man dem knecht als einem ge- 
schworüen knecht nicht glauben gab, und gedenke die Mark nit zu 
bestellen, es sei denn dass der Märkermeister büAS, oder sie wollten 
auch nit büssen nach lüde des Instruments: so der Oberst Waldpott 
oder die seinen in der Mark verbrechen, sei ihnen die Mark auch 
aufgethan. Haben sich die Geschickten bedacht, und von keinem nit 
erfahren mögen dass ein Märkermeister je gerüget- sei worden; es 
beklagt sich der Iiantman dass die Märkermeister die Bussen nit von 



— 34» — 

den Q-ewaltigen sondern allräi von dai Armen nehmen. Am Ende 
heisst es; man wolle Jörgen Brendeln itzund die Büge nachlassen 
,,doch so ferro er sich freimtlich g^en die^ so verbrochen haben hal- 
ten wolle". 

Märkerding. — Es. bleibt nun noch übrig einiges über die 
Versammlungen der Märker zu sagen; und über die Art und Webe 
wie sie das Recht in der Mark übten und wieset. 

In der Hohen Mark fanden die regelmässig wiederkehrenden 
Versammlungen der Märker; in welchen die Mark zu bestellen, Mär- 
kermeister zu wählen waren am St Eatharinentag (25. Nov.) statte 
auf der Aue unter den Linden südlich vor Oberursel. Es enchien 
auf solchen Tagen derLantman und Märker zwar „für sich^ aber er 
stimmte nur nach Dorfschaften. Die Mehrheit der Stimmen gab den 
Ausschlag; sowohl innerhalb der Gemeinde; als unter den Dor&chaften. 
Welcher Märker bei dem gewöhnlichen Märkerding ausgeblieben der 
hatte mehr nicht; als seine Küre verloren ; dies galt ebenso von diran 
Einzelnen; wie von der Ortschaft Im Jahre 1484 wurde der feste; 
unberufene Mark ertag des häufigen Frostes wegen vom St Katharinen* 
tag auf den Mitwoch nach Pfingsten verlegt. 

Die Bezeichnung für diese Versammlung war : Merkerding oder 
Märkerding; später Märkergeding oder selbst Märkergedingtag; einige 
mal findet sich auch : Märkergericht Mglb. E. 30. II. 1489. 

Sie begannen in der Begel des MorgenS; so z.B. im Jahre 1484 
waren die Märker auf 9 ühr berufen; als in späteren Jahren der 
Besuch lässiger war; wurde die Mittagsstunde festgestellt; bis zu 
welcher die Eröffnung des Tages statthab^i sollte ^. 

Es traten die Märker zu einem Kreis zusammen; ^zu einem 
Bink'; in welchem die Abgeschickten des Waldpotten und der 
Obrigkeiten; sowie die Märkermeister und Schultheissen sich befanden. 
So forderte der Waldpott oder sein Bevollmächtigter den Schreier 
auf „die Flecken so Merkerrecht haben zu berufen". Damach wurde 
das Märkerding geheget ^^. Dies war durchaus nothwendig; und 



^ So ituch wurde in der Seulb. Erlenbacher etc. Mark i. J. 1592 sab 38 
besehloBsen, dass fürterhin allen Mitfasten Sontage deme Instroment nach an ge* 
wohnlicher Wahlstat das Märkergeding um^den Schlag 12 Uhren gehalten wer- 
den solle , zn welcher Stand ein jeder Märker bei der strafe erscheinen und 
dasselbige Märkergeding zieren helfen solle. 

^1 Es findet sich dies am besten beschrieben in dem Weistham' Aber das 
Sealb. Erlenbacher etc. Märkerding von 1498, als gegenwärtig zu Pferd Uelt 



— 8»« — 

aeheint Eur BechtBgtÜt^tit .der BeteUttMe. erfordfeHcki gewesen zu 
acin. Auf de^i stünniscben Tag von 1586 begann das Mtrkerding 
mit BoBohwerden der Märker, eB folgten aufregende. und beleidigende 
Verhandlungen. Ganz zuletzt e»i h^et der Keller zu Homburg 
das Merekergeding und sind dann die BugeU' verlesen und Mirker- 
meieter gewählt worden. (Mglb. E. 29. III. S. . 125.) Auf daoti faier« 
liehen Märkerdin^ Mitwoch naoh St Margaretfaa 1484^ ak die M&rker 
Yereammlet und verhaufil gewesen^ liess seine Qn. der oberste Wald« 
pötl ^an seiner Gnaden statt und von seiner Gn. wegen das Miopker- 
ding hegen^'^ und als das gehegt war jeglichem Flecken tviexL 

£s weiset dies hin auf die Bestimmung des Hkrkerffings^ neben 
dar eigentlichen Bestellung der Mark auch Gericht, zu halten; oder 
besser allgemein gesprochen^ Becht zu Weisen. Ob neue Mitglieder 
der Mark an selehen Tagen aufgenommen oder dem Märkerding 
Yorgestellet worden, darüber findet sich in den Akten nirgends etwas ; 
es genügte wol die Aafoabme in die Gemeinde. Dass «vor dem 
Märkerding Wfthrschaft gethaa wurde ^ das wird ans dem Jahre 
1438 von dem Müller zu Eschersheim erwähnt; dieser hatte aber 
keine Gemeinde i^in die Mark gehörig^^ 

Der Waldpott hatte dae Becht auch ausser der Zeit ein beson- 
deres Märkerding zu berufen; dazu mussten bei Strafe alle Märker 
erscheinen ^mit ihren lehensherm^. Solche Märke^dinge waren dess- 
halb die besuchteren^ sie heiasen gewöhnlich ^ein yoll Märkerding". 
Sie waren meist nur bestimmt unerledigte Streitigkeiten zu ordnen^ 
oder auch Bechtsfragen festzustellen oder zu weisen. Dem gebotnen 
Märkerding war die eigentliche Bestellung der Mark vorbehalten. So 
wurde im Jahr 1401 feria quarta infra octavas pasche dem Amtman 
von Homburg; ak er verlangte dass gewiesen werde: ^was rechts 
eyn oberster walpode da hette*^, geantwortet: ein Walpode habe auf 
St. Kathrinentag die Marg zu bestellen; weiterhin heisst es noph: So 
mag auch ein Walpode auf denselben tag den wiltpan bestellen, und 
wie er es bestellet also soll er Ihn auch halten. 



der Erstm Georg Mai«r . . . Anwslt mit vielen südern Herrn , Edlen und Un- 
edlen, Dienern und Verwandten und sonderlioh des gemeinen lantmms, h^ 
Erwin Dogel, der HärkermelBter auf G^iß und Befehl das Märkergedlag, er 
sagt und rafet flberlaut mit diesen oder dergleichen Worten: Von wegen meines 
gn. Herrn v. Hansa als Oberherrs und Waldpottes der gemelten Mark , der 
Homburg mit Ehren and Recht inne bat, and des gemein Mftrkers, mit aller 
Gewohnheit hege ieh dies Mftrkergeding und Reoht, verbiet damit ale Unreeht, 
Wort and Werk; Fraget ob er reeht geheget, antworten die Mereker: Ja. 



— 8*6 — 

Eb finden sieh in den ftlteren Zeiten dwdian& keineVondbriften 
wie der M&rker zu ersdieinen habe. Waffen mit sieh zq fttliren v«r 
dem Market nicht untersagt ^^ auoh ersohien er zuweilen cm Pferde. 
Von detti Märkenüng 1504 Dienstag Bt Lucas wird bemterkt : „Auf 
soKtb rucket e^n Mendtin (Mttnnlain) v^on Obern Uraell auf ejnei» 
P£Brd herfUr^ und. sagt er were bescheididn zu-redden^. Bei diesem 
Härkerding hielt anich der Sthultbeiss Ton Bonemesa nahe dabei am 
Pferd. Auf dem Mfirkerding Mitwoch naqh Pfingsten 1533 gab der 
Lantmuh Antwort durch Henne Urbem^ Schultheissen su Obemursell, 
der bei£hro£haiifi voti Homburg in einer gelben Kappen auf dnem P£Br4 
gehaheu. (Mglh« £. 29. IP S. 7ä 8a) Auch di€ Abgescfaicktea des 
BAths.m Frankfurt ersohcinen gewöhnlich zuPfa*d; ja sogar „samrat 
etibshen Knechten'. (Mglb. E. 2d. IP B. 61.) Auf dem Härkerding 
Sametag nach Bt. Katharinentag 1468 meint Simon tob Bensheimy 
Schultheiss au Obemrsel; wer nit in der Mark gesessen oder darin 
gegttdet wäre- der solle abtiieten; solches ward widerredt ,^dann alle- 
w^e gewdnlick mür gewest^ daß man kaeclite nachgefUhrt bette*, 
dabei daa anch blieb ^. 

Das Märkerdmg wie wir es noch im 15. Jahrhundert finden, 
weist uns zurück auf die alten Zeiten, da die Flur von dem Wald 
noch nicht getrennt war, da den versammelten Markgenossen die 
Sonvörfinität zustand in der Nutzug ihres gemeinschaftlichen Ver- 
mägenl^, ded Waldes und der Weide, ebenso wie in Politik und Ge- 
setzgebung. Mit Becht wird geltend gemacht, dass im ganzen 



* ■ — — 



*9 Aaf «ton Härkerding des JabrB 1464 greift der gewAUte 
Jacob Wyderrette ^^n seine Armbruste*' während er seinem Gegner Friedrich 
Clemroe beleidigende Worte zuruft. (Mglb. £. 29. I^. S. 13 ff.) 

^3 Auf der Landsgemeinde von Appenzell Inner-Rhoden, welche unter den 
Schweizerischen vielleicht am meisten die alte Porm und den Geist erhalten, 
wird das Ausschliessen der Nicbtberechtigtea nieht streng durehgefUhrt, 
so lange sie nicht etwa stören. Es ist der Tag ein Festtag für das ganze Volk. 
Jeder Volljährige erscheint dabei im besten Kleide, er trägt seine Wehr bei sich, 
einen kurzen Säbel in lederner Scheide, der in derRegel mit dem Regenschirm 
zttssminengebanden ist. Es ist dsr Stolz des freien Masnes dass er mit seiner 
Wehr auftreten darf; dies selbst auf den Landsgemeinden yon Appeazell der 
äusseren Rhodeai Die Wehr ist ein Zeichen der Ehrenhaftigkeit. Ehrlose er- 
sehiSiaen wehrlos. Wähtend der Dauer der Laadsgemeinde stehen die An« 
wesenden baarhaupt. Frauen und Mädchen, ebenfalls festliek gesehmflckt, 
at4ben iimbsr, keineswegs ängstlich gesehiedien von den Mäonera. — In Betreff 
der alten iGebräuehe die sich in Appeasell erhalten, s. aneh Osenbritggcm, 
culturbistorisobe Büder au» der Sohweiz. h^ß* 1868. 



— 34.» — 

Oebiete des deotBcbeti Becbts wü^jetsstwol nur sccb in den Oebbg»- 
geg^nden der Schweiz die alte grotwe Majtkgenoflsenscbaft inlebendiger 
Wirksamkeit finden ^. Bb in das fbnfeehnte Jahrhundert hatte sich 
die Hebe Mark ihre alten Befugnisse gewahrt^ nicht nur. in Betraff 
der Nutzung und Verwahnng des Waldes ; sondern anok in Betreff 
alles ' desjenigen, was damit in Bertthrung oder Zusammenhang stand^ 
so namentlich in Betreff der Jagd auf dem gesammten alten Mark*- 
boden. Die Weisungen der Mttxker geben uns dariiber sicheren 
Aufsehlttssl ' . 



Die Weisungen. -^ Das Weista des Racbts konnte eastweder 
einen bestonniteD, vorliegenden Falf betreffen, so das AburthcUen 
über Frevler, oder es wurden — und dies wird gewähniieh unt^ 
der Bezeichnung verstanden -^ im al^meinen das Becbt gewisser 
Personen an 4er Mark und in Beziehung auf die -Mark ausgesprodien 
und im Einzelnen feelgesteUt DasBi^straiHi der Fre^kv soUte jedes^ 
mal auf dem geboten M&rkerding gesoheben, auf Torgttngige Anklage. 
Dielte wurde entweder vom Märkermeister ünddenF^tem erhoben> 
oder auch von irgend eisAm Märker^ Als im Jahre 1507 das Mftr- 
kerdii^ bei Ober^Erlenbaeh griieiget worden, wurde den Knechten 
der Mark befohlen ^zu rügen das sie des Jahrs inne den Waiden 
gesehen und gebort haben, ein Leuitot vor ein Leumnt, und ein 
Warhdt fUr ein Warheit^^ Also sind etUche gerttgei w<^rden nach 
Inhalt eines Zettels „das dem Markermaster ttberUebert wäret, sie 
darnach haben isu straffen und zu büßen*^. 

Auf dem Märkerding der Hohen Mark, 1531, hat der M&rker* 
meister . drei zettel darin der rugbaren PeraonMb Namen angezeigt 
waren, verlesen lassen. Darauf haben die NiedemEiienbadber, näm» 
lieh Volczen Henne Wendel sanunt andern die durch den KeUcü' 
von Homburg wider alt Herkommen gestraft worden, dem gemein 
lantman solichs klagweis i^ürgebraoht: er habe das Holz genommen^ 
md von einem Wageii einen halben/ Guldeti daau> welshes wider 
alt Herkommen auch nie noch beacheben gehört wers, dieweil die 
Straf dem lantman und nit dem Keller zustttnde; mit der Bitt ^er 
Erbor lantman soUt solliche Straf onbilUg beschehen, nnd dass Inen 
ir abgmommen gelt durch den Keller obgen» billig wiedergegeben 
werden sollt, erachten und erkennen'^; also nach Bedde und Wider- 



** Friedr. Wyss, die Schweizerischen Landsgemeinden, in Zeitschr. für 
SchweizetischeB Recht I. 1. S. 66. zu vergl. J. J. Blumer, StaSts* u. R.-€^di. 
der Bobw. Demoor. IL Bd; oap. IIL 8. 188. S48. 



— 3« — 

redd« hat der lantman gebilfigt tmd erkannt: Wo anf nächst gehalt* 
nem Märkerding amio etc. 20 dnreh den gem. Lantmfloi mt gewilligt 
sei; das« der KeUer :tu Hombiirg bis anf dies itzig Mirkerding stra- 
fieo möge; so faab der Keller solche Straf onbüHg und widder alt 
Herkommen genommen/ und solle die wider heransgeben und den 
Gestraften bdianden^ und die von Kid^m Erlebach die 8traf wie 
von Alter hertcommen vertaicUngen. * 

Auf Mitwoch nach 8 Kön^tag, 8. Jan. 1538^ zeigt der XeUer 
auf der Au vor Ursel an, wie die Forstmeister noth bedünke, di^weil 
der Wald merklich beschädigt werde ; dass man ein Poen darauf 
setze; welcher im Wald zwischen dem nädisten Märkergeding Holz 
hiebe; dass ein Jeder ans der Mark so einen solchen betrete; Macht 
habC; dem ein Pferd auszuspannen oder das Gesohier zu nehmen; 
und tmi ein Gulden zu pfänden. Der Pfänder sollt schuldig «dn auf 
dem gemein Märkergedingtag bei seinen Eyden anzusi^en nnd zu 
rttgen; und dase man in aHen Dorfen mit einer läutenden Glocken 
den gem. Mttrfcem Terkünden soll den Wald bei Poen nit zu beschä- 
digen; dazu aus jedem Dorf 2 Personen gen Homburg zu sehiokmi; 
Bolfiche Ding zu beschliessen Der lantman. war damals der Meinung 
dass es gut sei den Wald zu schützen; aber mit dem Tag so in Hom- 
burg sein sollt; wäre ihr bedünken es wäre besser dass der gemein 
lantman dabei wäre. Desshalb ist ein ander Märkerdix^ angesetzt 
worden. Mglb. E. 29. 11*». S. 60 flF. ^ 

Eb ist merkwürcKg wie sehr das weisen Aac Bechte selbst im 
15. Jahrhundert noch üblich und ndthig war. • Dass gerade der Wal* 
pott sich damals noch seine Hechte und Herrlichkeiten wrisen liess; 
zeigt wie wenig fest und klar begrenzt diese Bechte waren ; dann 
aber aueh welches Gewicht damals noch in dem Brauch und in dem 
Auespruch des gemein Märkers lag. Die älteste Urkunde welche in 
den Akten über die Hohe Mark sich vorfindet; der Bericht über das 
Märkerding von 1401 feria quarta infira octavas pasche beginnt da^ 
mit di^s der Pfand «Inhab^ von Homburg bei dem Märkermeister 
anfragt; ob der Märker ihu; Hennen Brendeln ittr einen obersten 
Waldboten erkenne; wie das auch vorher zu zweien malen vor ihm 
geweiset wäre. Der Gefragte antwortete: Weisete ihm der lantman 
ichtea (etwas) so wollt er gerne es sagen ; weiseten sie ihm aber 
nidyts so sage er ihm auch nichts. Es erfolgt darnach die einmüthige 
Weisung der Märker. Weiter fragte der Stellvertreter des Waldpot- 
ten, es wären Ausmärker betreten worden und hätten verbrochen; 
sie seien „den Förstern entwältiget^ worden von den von Oberursel; 
dahin sie kamen ; was des Walpoden Becfats darmn sei? AuBweieh^id 



war die Antwort: Sie haben rot imW^tpodea sein ceobt geweisel^ 
habe ihn jemand daran gebindctrt, das möge er fordern. 

Im Jahre 1445 anf Mitwoch nach St' Marfj^ethen war der 
Edle Jnngberr Qotfiid van Eppenetein bei .ürsei anf der Ane^ liem 
ihm da weisen sein !Eleoht und Herrliohkeit über die Mark^ und die 
gemein M&ker eine Hähe von Artikeln firageni Efi liegt den Akten 
--* Mglb. E.29.^^ 8.9.10. — ein solcher „Zeddel'' bei, das Papier 
gebrochen ; anf der einen Seite die Frage, die andere leer fiir die 
Antwort. Diese findet sich' aber erst spttter S. 18. 17. auf andern, 
iUmücheo Zetteln. Die. ersten Artikel betreffen den Wiltpant: „Wie 
ferro und- wie weit sein Wil^ant ginge^? Die Antwort lautet wie 
bereits angeAkhrt: „Sein Wiltpant gehe nit weiter, dann er sein 
Heoken anbinde, in der Mark. J^ete et aber fiirae odär hTnde nß 
den.Heeken und fislgele yn naoh, gondien ihm das. die nwirker, doch 
wttssteii sie nit ob isir reoht were^^ Dann wird gefragt: „wenn s. 
Gnaden den Wil^patit Tsrbode, und wer das bräehe, was der dämm 
verloren hfttte^. Hi^r ist beigemerkt ^uff den Artikel ist nichts ge- 
sagt^. Der 3^ Artikel fragt: ,,Wenn die gesnbweren knecht oder 
sonst Merkw, Ausmerker die geechädiget, einfbhffen wollen, und 
sprächen ingeseesen Merker um Htdfe an, wenn die Merker das nit 
thftten, was .sie verbroehen. hfttten^. Die Antwort laiptet: „Der^olk 
der Mark verscholden sein, oder sollte dem Herr» d^i Min antwoiv 
ten, die Pferde dem lantnnn, die Wagen, und sieler dem* Foniter^. 
Im 4. Artikel ist weiter gefraget: ^Wenn die gesohwometi knechte 
einen rilgen, und der das leugnen wollte^ welcher Parthei man dann 
glauben soUte^^? Danrauf ist gesagt: sind es geeehw^me knechte, so 
soUte man ihnen, glauben, es wire denn dass die Widderpavtbei bes-> 
sere kondsdiaft hi(tte. Der Art. 5 fragt: ^Wenn ein Merkermeister 
vff St Cathar. tf^ gekoren wtürde, und kein MerkermeistBr sein 
wollte, wie dann der Waltpott die Mark bestellen solte?^ Bi&niu 
beist ea: ^^Uff diesen Artikel ist nichts gesagt^. Weiterhin ist gefragt: 
wie ferre man uAnerkem nach feigen solle, die die Maork hinweg^ 
ftdiren? Auch „uff den Artikel ist nit gewiset, da etliche sagen bii 
an dmi Byne, aber das is nit bestandlich; die andern sageii bis mit» 
ten in die Njde^ und dies bedünket sie die meiste Menge^. 

Es scheint dass der Waldpott mit diesen, Weisungen sieh nicht 
zufrieden' gegeb^, denn schon auf dem Milrkerding 1468 fiiklen wir 
dieselben Frag^ zum Theil wieder gestellt. Als gefinget war, M 
wyßen wie weit die Mark gehe, drauf besorgete der Lantman 
dass die Meinung wiU'e ,,80 man wyse^: bis mittw in die Ni4|d^ ^ 
wollte der Walpöde sich der fischen auch unt^rzidien, und darmit die 



— SM — 

Dorff» dM Tonioheldcii^ ; vmtie geantwortet: „daS dem InainMui if^al 
Indenk sei daß die Frage audi mehr gesoheen dei, aber sie haben 
das nie gehört wjsen und danunb ao sei der lantman das nit be- 
dacht; und wolle daa hkid ifame behalten uf dae nit solch wysungen 
mit einem genommen nnd dem andern g^geben^ und einem gegeben 
nnd dem andern -genommen werde, . . « sondern so der laatman zu- 
aammtn komme mi aant Katharinenioge so sei 6r dann etwas daranf 
bedacht^. 

Als nnter deü Märkem Zwiespalt Ober die Wahl der Mttrker- 
meister sich erhoben, soUte im Jahre 1464 auf Donnerstag nach 
Kilian hierüber geweiset werden« Es hatte daUn der Edel und wol- 
gebom Jnngher Q-odefrit Herr zu Eppstein seinen Seh» mit den 
trefSiehen Bäthen gesandt. Als denDorffen und Hoffen, als gewöhn^ 
Heb war, gerufen, forderte derobgenante Juncker Gtotfirit durch die 
Seinen an die Edeln und andern die in der Mark geg^det, bei dn- 
anderzu gehen, sich zu bespreehen, und seiner Edelkeit nnd andern 
„deren sich der gdbfUrt Ire HerHchbcit Oereohtigkeit zu wis^^ Es 
schickten sich des Badis Freunde bd den jungen Herrn von Eppen- 
stein und erzählten, nachdem sein Edelkeit Vater alle M&rker hätte 
zu ihm yerboten, henie herzukommen und seine khenheirn mitzu- 
bringen, also hätte der Bath die Ihren, der eine gvte Menge sei, 
die da Märker seien, daheim heissen bleibet, nachdem aie mit 
Sehäden belad^i waren, und anderer Soi^liehkeit halber. Darzu sein 
Edelkeit det antw<»rten: sein Vater hittte sich bishero günstlich und 
freundlick gegen den Sath und denen Ihren erzeigt, das wnlten sie 
ihm auch thun. Darauf besprachen sich des Boths Freunde not des 
Baths aiimie, Leute voai Bonamese, Erlebach, Hareheym und Calde- 
baoh ^ und Bossen sie ein Schreiben h(^en, wie vordem gewest wäre. 
Da hatten sie alle ein gut gefallen darin, und sagten es wäre auch 
also geweiset und Herkommen. Walther von ByflNiberg kam mit 
andern Edeln hiedernt und hynatt der Hoe,. erzählte sie hätten sich 
mit den Ihren besprochen und wäre ihre Meinung dass man <fie 
Weisung geachehen lasse, da« dan des Baths Freunde Mei^uuig auch 
war. Also begaben sich die Solmsen, £e Biffenbergischen und des 
Baths Freimde mit allen diesen zu Philips yon Hatzstein und Be<^' 
told von Eapaeh und anderen der Königsteinschen, fragten die was 
ihre Meinung wäre, sagten dabei sie liessen die Weisung zugehen. 
Darzu die Kömgsteinschen antworteten: sie liessen es auch gescheh^i. 



** Ueber den Wlederkanf der Vörfeir Harheim and Caldebaeh durch Eppen- 
stein s. Mglb. K 93. Kr. 5. 



— 861 — 

Ako redete Wal&er Tcm Biffenberg sie b&ttcti «nieii Zettel im vor- 
mals ftvf ekiem g»ni. Märkexding geweuet wäre^ des^Saä». zu Frank* 
liirt Freunde hätten auch dies schreiben ^ desg^eiofaen hätten üt 
gebilligt dass man der «eines liesg verleBesi ehngevetfliek. ■ Also wmrd 
der Zettel des Ton BjffeiDbei^ gelesen, der ,^8ich dee Sats schreiben 
haste glidiete^^ Darauf die EänJgBtän>seh«n sich beeproeb^a ^ • ant- 
worteten ^ sie erkennten dase man bisher also gereist hätte , f^HS^^; 
man hätte bisher andi geweist das nit in dem Z^ettef stände ^ oder 
möchte billig darinnen stehen, und sie hätten ttberhört • Man hätte 
allerwege auf Bt. Catharinentag Märkermeister gekoren , und weiche 
„von der meinste Mimg der Dorffere und Hoffe gekmren weren wor«- 
den' dabei wäre es blieben und hätte allewege ^die meinete iMJenige 
Fuigang gelutbt'^ ; welche Dörfer und Höfe auf die Zeit nit dabei 
gewesen ; das hätte auf die Zclit nit mehr denn» seine köre tnrlora». 
Dänsu die von Bolmssen, die von Bjffeaberg und die Frankfart^aehieB 
aiitworteten, sie Uessen das geschehen. £* verAkgten sieh darauf die 
Mäifker aUe su dem jungen Herrn voa Sppensteiny und trog Walther 
von fiyffiBnbeh:^ vor, dieMärker häitten sich besprochen, es sei ihnen 
ein Zettel gelesen worden, wie die Märker vonmab geweiset, sie 
auch ilooh wieseten, bäte 8e. Gnaden Aea. eu hören. Nachdem der 
Zettel gelesen bemerkte der junge Herr von Eppensteitt: es wären 
auf St. Catharinentag etliche 2u Märkermoeter gekoren , die hätten 
noch nit Gehorsam gethan als sich gebOrt^ beehrt »n wissen, was 
die desshalben bnssfällig wären. Darauf mancherlei Weobs«lrede|^ die 
Märker bringen vor daae mehr Märkermeister gekoren worden, da 
dann doch nit mehr denn xwei sein sollen. Es erhob «doh Streit über den 
gewählten Friedrich Clemme und Jadob Wydnrrette. Brsterer sagt: 
Jacob war nit geboren und gut genug darzu dass «r MärkeimeiBter 
smn soUe. Darauf Jacob Wjderrette: Er wäre besser und Arominsv 
denn Clemme, was er noch verschrieben und versiegelt hätte, das 
hätte er frommelioh gehalten ; Clemme hätte -das mt gethan. Da redete 
der Sehultheiss von Frasikfiart (der von BoiHanMs?) es deoehte ihn 
„zu tunde sein', dass man die Märkermeister von beiden Seiten ab^B- 
stelle und koye itaud zween Märkermeister. DitfELÖnigateiB'soliea und 
die von Ursel antworteten: die sie gewählt^ hätten die meisten stim- 
men gehabt, dächten sie nit abezustellen umb nachfolgende Menge 
(Stimmenmehrheit) willen. Da wurde von den Eppenstein'schen den 
Märkem vorgehalten, es wäre nur um V« Jahr noch bis zu Bt. Kar 
tharinentag, sollten die Sachen ruhen lassen. Das wurd also aufgC: 
nommen, und schied jederman von dannen. — (Mglb. E. 29, II \ 
S. 13 ff.) 



- 352 — 



Wieder ^ar auf St. Vitetag 1484 dn gemeiii Ifilrkerding auf 
die Aue vor Obertirsel berofeii; und begehrte Herr Gottfirit von 
Eppentteiii; der penönlick mit seunen Bätiien ercbienen war^ za 
weisen des Walpoden Henrliefakeit und der Mark recht Er lieaa 
einen Zettel verlesen in welchem das m weisende recht pnnctsweise 
verzeichnet stand ^ ^i^gte ob der Lantman daranf weisen wolle? Es 
wurde nach einem Bedenken geantwortet: Es wSren also Verzeich- 
nungen und Zettel da die der Lantman gehört hätte , darauf wollten 
sie weisen. DerWalpode aber .begehrt^ dase der Lantman auf die ver- 
lesene Verzeichnung sich hören lasse. Es wurde durch Arnoldt von 
Holzhausen ^ Sr.- Gnaden geantwortet: der Lantman sei noch willig 
aus den alten Verzeichnissen oder dass man ihm der Pnncten einen 
nach dem andern anzeige, mündlioh zu weisen; worauf Sr. Gnaden 
akh mit den B&then besprochen und begehrt dass sie nach laute 
seines verlesenen Zettels weisen sollten , oder aber dass sie bei den 
Eiden versichern sollten y diesmal nidit darauf bedacht zu sein. Die 
Märker- vwlangen durch Arnold von Holzhausen der Zettel Abschrift 
und der Ding ein uffsug, sie hinter sich an seine Herrschaft zu 
bringen, denn der gemein Lantman woU auf den Eid behalten, er sei 
diesmal auf die verlesen Zettel zu weisen unbedacht Demnach wurde 
von Sr. Gnaden an anderer TsLg, Mitweoh nach 8t Margareihen 
auf die Au zu Ursell, des Morgens um 9 Ühr, angesetzt 

Mitwoch nach Peter und Paul fitind eine Besprechung der Herr- 
schaften und anderer in der Mark gegudeter Männer, zwei oder 
drei der ältesten aus jedem Dorfe, statt, zu Ursell auf dem Rathhaus. 
Zwei alte Weisunge aus anno 34 und 88 wurden durch die Reiffen- 
beripschen und ein Zettel durdi die Eönigstein'schen vorgelegt, und 
des gemein lantmanns Meinung gefragt Diese haben gesagt dass sie 
nadfib laut der verlesen zwei Zettel weisen wollten, sich darauf un* 
terredt wer £e Weisung Sr. Gnaden thun und aussprechen solhe ^^ 
Symon von Ursel wurde dazu erbeten, und erklärte sich nach einigem 
Bedenken bereit, dem Lantman zu Gute zu thun was an ihm wäre. 

(Mgib. £. 29. n^ aao.) 

Es liegt diesem Berichte ein Zettel bei, mit der Aufschrift: das 
sind die Puncto der Weisung bIb die Eönigstein'achen verzeichnet 
hatten: 



^6 Also durch eioen JibgeBehiektea das Frankfurter Ratfas. 

^7 Bei wichtigen WeiflUDgen bAben die Märker immer am Zulassung eines 
Redners gebeten ; ein ruhiger, verständiger, wo möglich auch angesehener Mann 
wvrde dazu bewogen. Vielleicht unrichtig iilt daraus der Schtuss gezogen 
worden, dass dem gem. Manne der Muth zu reden damals schon gefehlt 



— 36$ — . 

Ttem astim ersten: Wer die Mark zu besteUen habe? 

„ wer die Mürkermeister beetedigen und eidigen soll? 

„ mit dem Ußrufen yon dem Schreier, was einer yerloren 
hfttt (der nieht erschienen wäre) und wie man den bttßen ? 

„ wer den Wiltpan zu bestellen habe? 
* 9 von Bugen als knecht (Förster) pl^en zu mgen. 

„ obe ein nßmarker schaden thede. 

9 obe ein Inmärker schaden tedel 

„ Hulz nnd kolen u^ der Mark zu fliren und wan man den 
begriff etc. 

„ ob ein fol merkerding bescheident wird, waß die nßbliben, 
verloren. 

„ ob ein Inmerker nfi^ der Strassen Hnlz hiebe (hiebe) etc. 

9 ob eckem im Walde worden. 

„ obe Vilwil zu der Marg höre , und wie eß darzu komen sj. 

,9 wie ferre die Mark gehe. 

„ ob man nit alle Zerung zn Hoemburg tun soll, so es ein 
Hauptslof in der Mark sy. 
Es folgte nun das merkwürdige, feierliche Märkerding auf Mit- 
wochen nächst nach St Margarethen, 14. Juli 1484, auf welchem 
der Edel Herr Gottfried, Herr zu Eppstein mit sämmtlichen Amt- 
leuten und Bäthen erschien, dem Junker Philips von Redeinheim, 
Budolfi^ und Bernhardt Brendel Ton Homberg, Gilbrecht und Hein- 
rich Bittesei, endlich Walther Isenberg seiner Gnaden Schreiber, an 
einem Theil; andererseits aber der Herrschaften Sohns, Hanau und 
Eönigstein auch der Stadt Frankfurt und der BitterschafI; von Bdf- 
fenberg Amtleute, Bäthe und Sendbotten; für Sohns Philips von 
Bicken, Bitter Erafit von Deckenbach und Jeckel, Bereiter zu Be- 
delnheim; für Hanau Heintz Metzler, Keller; für die Herrschaft zu 
Eönigstem, Heinrich von Eppenstein, Keller zu Butzbach, Dietrich 
Geyseler, und Heinrich, Bereiter zu Königstein; für Frankfurt Jun- 
ker Jacob von Cronberg, Amtman zu Bonemese, Junker Erwin 
Dögel , Amtman zu Erkbaoh und Junker Walther Schwartzenburger, 
Bathsman; fbr Beiffenberg die Junker Philips und Marsilius, der 
Jung, von Beiffenberg. Endlich erschienen auf der Au die Märker- 
meister, mit ihnen ein gross versammelte Menge Schultheissen, Hüb- 
ner und Landtman, welche Sr. Gnaden als einem Waldbotten, sein 
Herrlichkeit und der Ifeirk ihre Beeht und Buge zu weisen vertagt, 
verbotten und also versammlet und verhauffi waren ^. Die Ifiirker 



4« Vergl. Lersner's Chronik L S. 466. 

23 



- 354 - 

• 

erboten aioh die verlangte WeisuDg zu tbun, doch nicht auf ihre 
Eide, da ihnen solch Eide zu thun gefährlich wäre, üe in vielen 
Jahren eines Waldbotten HerrUchkeit, der Mark Becht und Buge 
nicht geweist^ und der Alten die das mebr gesehen und gehört hät- 
ten, gar wenig mehr im Leben seien. Es ward ihnen darauf ein Eid 
gestabt des Inhalts, dass die Weisung die sie thun wollten, sie von 
den Alten nicht anders gehört hätten, und ihnen anders nicht wis- 
sentlich wäre. Sie liessen durch Heinrich von Eppeastein eine Ver- 
zettelung behändigen, erboten sich durch Simon Bensheim, wohnhaft 
zu Ursel, von ihrer allerwegen mündlich auf die einzelnen Puncte 
der Verzettelung zu weisen. Diese Weisung spricht aus : wem die Mark 
rechtlich eigen und wer darüber ein oberster Herr und Waldpott sei; 

wie die Mark zu bestellen, und die Markordnung einzu- 
halten sei; 

wie insbesondere es mit demWiltbann zu halten, mit dem Heg- 
wald auf den Strassen und mit der neuen Hege; 

wie das Verhältniss zu der Ausmark und den Ausmärkem sei; 

wie der Eintrieb in die Eckern zu geschehen habe; 

wie Frevel zu bestrafen seien; 

wie Märkerdinge zu halten, Märkermeister und Förster zu er- 
wählen und zu verpflichten; endlich wie Gericht zu halten und zur 
Noth gepfendet werden solle. 

Hiemach liess der Waldpott den Märkem sagen, dass auch 
Noth wäre zu weisen, wo die Mark aus- und anginge; das und an- 
deres wolle sein Qnad, nachdem es jetzt spät geworden auf diesmal 
beruhen lassen bis auf einen andern Märkerdingtag. 

Diese Weisung galt von nun an in der Hohen Mark als geschriebenes 
Becht Die Märker hielten fest daran, sie wollten k^en Buchstaben 
daran ändern lassen. Der Walpott liess ihnen die Buchstaben und 
das Papier, wandte und drehte aber dem Inhalt und Geist bis sie 
nur noch ein Hohn waren auf die ursprüngliche Verfassung. Beriefen 
sich die Märker auf ein Herkommen, so erwiderte er dass davon in 
dem Instrument nichts stehe. Die Verhältnisse, auf welchen das In- 
strument beruhte, änderten sich alle mit der Zeit, so wurde die 
Grundlage des geschriebenen Bechtes ebenso wie dies selbst mehr 
und mehr eine hohle Form. Wol wurden noch neue Verordnungen 
gemacht, aber diese betrafen, soweit sie nicht bestimmt waren die 
Macht des Waldpotten zu kräftigen, nur Nebensachen, Holztage, Be- 
strafung oder Bedrohung der Frevler, u. d. m. 

Aus diesem Weisen ersehen wir wie darin eine leboidige Quelle 
des Bechts telegen, wie die Markgenossen dabei beständig nicht nur 



— ä5S — 

Auf die Brinnenrng sondern auch anf ihr Bechtsbewnsstsein zurück- 
zogen ^ wie in den ttlteren Zeiten überhaupt Herkommen undGksete 
mehr noch ssusammenfielen ^^ Erst in den späteren Jahrhunderten 
erhielt das geschriebene vor dem im blossen Bewusstsein des Volkes 
ruhenden Bechte ein entschiedenes Uebergewicht einger&umt 

Gränzbestimmung. — Wie es den versammelten Märkern 
zustand das Becht, selbst die Herrlichkeit des obersten Waldpotten 
zu weisen, ebenso hatten sie auch zu bestimmen wie weit die Mark 
gehe und wer dazu gehöre. Wegen der Gränzen hatten sie sieh 
theils mit den benachbarten Marken zu verständigen^ theils mit den 
Inhabern der getheilten Feldmark^ mit den Ortschaften der Mark 
selbst Dies geschah auf Umgängen der Mark welche bei der klein- 
eren Seulb. Erlenbacher Mark oft unmittelbar von den Märker- 
dingen aus unternommen wurden. Auf den Märkerdingen ward auch 
über die Berechtigung zur Mark, über den Ausschluss von derselben 
und über das Verhältniss zu der Ausmark erkannt und geweiset. 
Aus dem Jahre 1484 ist angefbhrt dass unter den Puncten auf dem 
Zettel der Königsteinischen auch die Frage sich befunden: ob Vilwil 
zu der Marg höre, und wie es dazu kommen sei? Diese Frage war 
eine wol begründete, da die Nidda Grenze der Hohen Mark war, 
Vilbel aber auf beiden Seiten des Flusses liegt 

Auf dem Seulb. Erlenbacher Märkerding von 1539 brachte der 
Keller Diether Gewend einen handschriftlichen Befehl des obersten 
Waldpotten „uff heut dato die Mark zu umgehen^. Die Märker gaben 
Diethem die Antwort: nachdem sie kein Mangel an der Gemark 
vermerkt wäre es unnöthig dieselbe zu umgehen. Der Keller drohte 
mit Ausschluss von der Mark und liess auf zwei Seiten treten zur 
Abstimmung ; es traten aber zu ihm nur die Seinen von Homburg und 



^» Dr. Kriegk, Frankfurter Bfirgertwiste, S. 31 berichtet, wie die Zünfte 
verlangt, der Rath solle sie ,,bei den Gewohnheiten, welche sie von Alters her 
hätten, handhaben^'; der Rath habe dies Begehren mit Recht znrttckgewiesen, 
,,wüil in einer königlichen Stadt ohne des Königs Zastimmnng blosse Gewohn- 
heitsrechte nicht in förmliche Gesetze ^.umgewandelt*' werden konnten. Das 
Herkommen hatte Geltung in einem bestimmten Bereiche, sollte eine Erweite- 
rnng stattfinden in der Ausdehnung seiner Wirksamkeit, sollte es bindend wer- 
den für andere Mitbürger, oder für die Obrigkeit, so mnssten diese oder der 
KOnig Eustimmen. Auf S. SSß. 884 ete. ist dies sehr schön dargelogt in dem 
Herkommen der Zünfte, welches in eine Gerechtsame oder Machtvollkommen- 
heit eingriff, die der Rath für sich in Anspmob nahm. 

23» 



— 856 — 

Seulberg; der mehrer theil blieb steheB. Hierüber unwillig haben 
die Hombarger Gesandten ihren Abschied genommen; die andern 
Gesandten aber bewogen nmi die Mlbrker die Marg zu umgehen^ 
allein es solle kein neu Instrument aufgerichtet werden. So hat man 
sich verglichen 9 und es sind aus jedem der 6 Ortschaften von den 
ältesten und von den jungen Männern etliche dazu gewählt worden. 
Diese Personen verlangte Diether Gewend in einen besonderen Eid 
aufzunehmen 9 mit Begehr an die Gesandten sie ihrer Eide und 
Pflichten ; mit* denen nie ihren Oberen zugethan, ledig zu zählen. 
Dies wurde von den Gesandten abgeschlagen, aber bewilligt dass die 
Märker bei den Eiden und Pflichten mit denen sie ihren Herrn und 
Oberen verpflichtet seien, ihm Diether, anstatt und von wegen des 
obersten Waldpotten ^mit handtgeb'end treu verpflicht sein sollen 
Bolliche Gemark zum treulichsten, niemand in lieb oder zu leyde, 
zu umbgdin^. Dess sind die Beamten des Walpott^ zufrieden ge- 
wesen. Der gemein Märker hat sich nach Hause begebeii, die Ge- 
wählten aber mit den Bean^ten haben angefangen* die Mark zu um- 
gehen. Sie gingen damals von Seulberg aus zur linken Hand am 
Wald hin, oben am hinter Damm an der Landgewer hin die von 
Dollingen ^ auf das Seulberger Feld gdiet, gegen die Erebshaide 
zu, an den Wiesen hinauf; nach der deutsch Herrn von Frankfurt 
Wald und der Hohen Mark Gränze; dieser, entlang die alte Hohl 
hinauf, auf das Botlaub und zum*Fahrbom, den Throner Weg hin- 
auf über den Einsydel bis an den Pfalgraben ; diesem hinab bis an 
die Throner Mühl und die Bach. Dieselbig bäch „gipt und nimpt 
zwischen den zweien Waiden Seulbergs Lrlenbach unid .Bhod<emer 
Gemark" ^K Die Männer zogen die Bach hinab bis a.uf die Eöppemer 
Wiesen, dann vor dem Walde* hinab bis zur Hunerrap ^^, und auf 
den spis, der ist den von Holzhausen. Vom Spies ging es nach der 
Begelsbach und wieder zurück auf den hinter Damm. 



^ Das alte Dillingen lag südlich des Waldes dessen Plata jetzt von Friediichs- 
dorf eingenommen wird, zwischen den 'Rohrwiesen nnd der Hflnbnrg. 

Bi Als der Umgang zur Rhodemer Qemark kam, machten die Hanauer Ge- 
sandten geltend, wie ihre Unterthanen in der Rhodemer Mark gleiche Gerecht 
tigkeit ,,in der bach*' haben (sn fischen); dies haben ,die Gesandten des Wald- 
I)otten^ nicht zagegeben , die andern Gesandten aber haben Jedem sein Theil 
vorbehalten^ den Streit so verglichen. 

52 Jetzt Hahnruppen, von Hain, auch bei Gh>nzenheim ist ein Hahnberg. 
In der Ordnung von 1588 heisst es Art. 10. «Die Pflege der Hain Rappen sollen 
. . auch dieses Jar . . . verpotten sein daimnen sa haawen." —^ 



— 857 — ^ 

Das Verzeichnifls des Umgangs hatten die Märker angegeben, 
Meister Johann Schwaben, der Notar sollte ein Instrument. darüber 
aufrichten. Als d^ gesammte Ausschuss mit den Gesandten Abends 
7 Uhr- nach Ober-^Erlenbacfa gekommen, liess Diethor Gewend über 
dem Abend Iipbis allerlejWort vemehmen, daraus zu ersehen war, 
dass sich der oberst Waldpott zuviel Gerechtigkeit der Mark unter- 
ziehen wolle. Des Dienstag zu Morgen haben si^, des obersten Wald- 
potten Gesandte nochmals mit Ernst um Aufrichtung des Instruments 
des Umgangs angehalten, viel Gegen- und Widerreden wurden ge- 
dian. Um Mittag vei^lich man sich: wie die Gesandten gestern in 
den Umgang s<> nit von nöthen gewesen gewilligt, mit dem Geding 
dass sie des Umgangs halben ein neu Instrument aufzurichten ohn 
Vorwissen der Oberen nit zugegeben; sie yersprachen dartLber zu 
schr^beu; Freitag nach Medardns fand eine Zusammenkunft im 
Oarmefiterkloster zu Frankfurt statt, es wurde wiederholt: das alte' 
Instrument wäre genügend gewesen, Irrungen seien nicht vorhanden, 
kein sonder Spim, sein F. Gn. wolle es bei d«n alten Instnuiiente 
bewenden lassen, damit nicht Mißhelligkeit aus beiden Instrumenten 
erwachse. (Mglb. £. 29. II ^ S. 174 ff.) Es findet sich noch in dem 
Fascikel l%lb. 30. No. 4 [3] ein Schraben d. d. Petterweil, Freitag 
nach Medardi 15S9 unter dein aufgedrückten Pittschaft von Engel- 
brecht Halbers, Schulthdssen zu Petterweil und Justinians ven 
Holzhausen, Schöffen zu Fnmkfurt: auf das begehren über den 
Umgang der Mark ein neu Instrument zu erriditen gaben die Ge- 
sandten und der Ausschuss zu erkennen, dass sie den Umgang zu 
thun filr unnöthig angesehen, dass ihre gn. Heren und Oberen nit 
erachten dass das begehrt neu Instmm^dt aufzurichten von Nöthen 
sein sollt, wollen also gebeten haben dass es s. f. Gn. also bei dem 
alten Instrument gnediglich bleiben wollt lassen; sie bemerken dass 
wo Irrungen fOrfielen, der gemein Märker zu jeder Zeit zusammen 
kommen, davon reden, fiimehmen und handeln möge, wasdieNoth- 
dnrft erfordere. 

Auch bei den Umgängen erschienen die verschiedenen Bethei- 
ligten zu Wahrung der eignen oder gemeinsamen Interessen, und 
nur dann wurde das Becht als festgestellt angesehen, wenn die ver- 
schiedenen Betheiligten sich über die Gränze geeinigt, wenn sie dem- 
nach gemeinsam den Weg gemacht hatten. Bei dem Umgang der 
Seulb. Erlenbacher etc. Mark am 28. April 1593 wdchen der schreib- 
seelige Johann Zangus, notarius publicus und bestellter Markschrei- 
ber protocollirte, erschien Georg Vestenberger der Kellner zu Hom- 
burg V« d; H. „einestheils^^ sodann die auch ehmhaffte, ersame und 



— 358 — 

r 

vornehme Märkermeiater und Markhänpter „fmdemtheils^ auf „vorge- 
hende Vergleichung und gepfl<^ene tractation^ auf der Haiden gen 
Eirchdorff; allda solche ihre Mark mit deren zu Eirchdorff und 
Seulberg Termineyen ihre Angrenzung hatt^ und haben von Alters 
her wohlangeordnetem Brauche nach dieselbige ihre Marke von allen 
aufstOBsenden Marken^ Waiden, Sträuchen und Termineyen, im Beisdn 
aller derer Besitzer , Inhaber und Einwohner . . bei Eidspflichten 
abgangen und gewisse scheide oder Mahl mit Rainen, Steinen, baum- 
lochen und andern mehr kennezeichen . . gemacht, auch die alten 
„uffworffD und mahlzeychen^ wiederum von neuem renoviren lassen. 
Auf der Gränze zwischen Seulberg, Eirchdorf und der Hohen Mark 
befand sich ein alter Eichenbaum, der jederzeit für das Schiedsmi^l 
der dreien Grftnzen gehalten; er war durch die von Eircbdorf abge- 
hauen und ein wenig ihres Gebietes hinunter zu einem Damm und 
AnfentluLlt des zeitweise den Weg hinunter fallenden gewässers ge- 
braucht worden. Die Märker haben desshalb der anwesenden gemeinen 
Nachbarschaft in Eirchdorf von wegen ihres unnachbarlichen Wesens 
den Eühe- und Viehtrieb, so ihnen seither gegdnnet und zugdoaaen 
worden, ganz und gar abgekündigt und zugethan. Eeuig erboten 
sich die Eirchdorfer ^^zu guter Nachbarschaft'^ und wurde das Ver- 
bot gemindert, dass sie in Schriften bei dem Märkerding wieder um 
den Viehtrieb ansuchen sollten, derselbe könnte ihnen nochmals wie* 
der vergönnet werden. Darauf hat man den erst^i Schiedhaufen „an 
die Mahlstatt des abgehauenen und entnommenen alten ejchen baums 
aufgeworfen^, und den Umgang ostwärts angetreten. An der Bren- 
del von Homburg Walde haben die Seulberger ,,Markgut zu ihrer 
Terminey und für ihren Eigenthumb abgaagen^', die Märker aber, 
da sie Mastungsgerechtigkeit darin besessen, die Mark ausser dem 
Gehölz an der Haiden endigen wollen. Der Eellner von Hombui^g 
ergriff Parthei ftir die Seulberger als homburgische Unterthan^ 
„weißt in Schriften nach daß in einem früheren Abgange solche et- 
liche Ruthen breit Walds für der Seulberger Eigenthum angezogen 
worden, sie also nichts neues sondern allein dasjenige, was ihre 
lieben Voreltern seeligen etwa in Prauch und Esse gehapt^, suchen.' 
Er ermahnt die Märker bei ihrem Gewissen, und die zu Holzhausen 
und Ober-Erlenbach haben ihm beifallen wollen, doch hat man es 
bei den alten Lochbäumen verbleiben lassen. Weiter zogen die Mär- 
ker nach dem hinteren Damm der Hohle hinauf, vom heiligen Acker 
nach der Regelsbach wo der 37^ Haufen an der Wiesen stand, 
dann von der Dillinger Haiden die lange Wiesen hinunter bis auf 
die köppemer Strasse , auf der liandgewehr herum bis an den Holz- 



- 369 - 

haasar Spieas y £e Haihnruppe hemm bis auf die HolshäUBer Bach^ 
folgende ist die Bach die scheide bis hinauf an Bernhard Möllers 
Wiesen, stehet in der Ecken am köpffemer Oebiete bei einem gros- 
sen gelochten Banm der 66^ Haufen; von dannen hinauf sramWalde, 
baß am köpffemer Felde hinauf und den Wiesen, von dannen hinauf 
„bis an die Wald möllen soll die bacb scheiden*, die Mühle stehet 
in der Mark, gleicbergestalt bis hinauf an die Thröner Mühle ist die 
Bach die Scheide zwischen dieser und der Bodheimer auch köpffener 
Gemarken; weiter hinauf scheidet der „Pollgraben'^ diese Mark von 
dem Thrönerwalde , allda gegen der Hohe Mark den Fahrbronnen- 
Weg hinunter bis wieder an den ersten Haufen , wurde der Weg 
fftr den unstreitigen schiede gehalten. Zugegen waren bei diesem 
Umgang ausser dem Keller, Schultheiss und Stadtschreiber von 
Homburg, Simon Braun, Schultheiss zu Seulberg Märkermeister, 
Wolfhardt Falkenstein, Schultheiss zu Ober-Erlenbach und Märker- 
meister, der Kellner und der Schultheiss von Petterweil, JoL Beck 
Schultheiss zu Holzhausen, Ghunrad Lohre, Schultheiss zuKöpffem, 
anstatt des Schultheissen zu Nieder-Erlenbach meister Johann der 
Schmied daselbsten, samt den Burgormeistem und etlichen Eltisten 
der G^chte auch anderer gemeinen jungen Personen, je 10 Per- 
sonen ohne die Schultheissen von jedem Flecken, auch die beiden 
Förster. (Mglb. E. SO. 4. Jahr 1593.) 

Ebenso wie in der Seulberger Erlenbacher finden wir auch in 
der Hohen Mark dass bei den Umgfti^n die gesammte M&rker- 
schaft vertreten sein musste, ähnlich wie auf den Märkerdingen selbst 
Auf dem MSirkerding, Sonntag Claudi 1539 als der Keller gesehen 
dass der ganz Märker nit erschienen „hat er gezomt^', aber ab er 
daAlr gebeten worden, hat er's bleiben lassen, gab an der Walpott 
wolle dass die Mark umgangen werde Darzu wurden aus Oberursel 
20 Mann, ebensoviel aus Homburg, aus Bonemesa 12 oder 14, sonst 
aus einem Dorf 7, aus anem Weiler 4 Jungk und alt und eynander^ 
genommen. Es versammelten sich die Qeschickten aus jeden Flecken, 
Dörflern und Höfen der Gemeinden und „derjenigen welchen der 
Eigenthumb gemelter Mark zustehet^^ oben am Vilwiller Holtzgin 
und dem Spitzenstein; sie sind gegangen bis an den Feldberg g^en 
Beiffenberg und den Pfingstbronnen „bei Velperhausen^', daselbst hat 
sich zwischen den geordneten der Gemeinen des Haus Beiffenbei^ 
und Inwohner daselbst ^an einem^' und den übrigen Märkem „am 
andern Theil'^ ein Zwiespalt desGhmges zugetragen; letztere wollten 
nach dem kleinen und grossen Bettstein gehen. Sie haben aber ein- 
trechtiglich Antwurt geben: es sei Niemand unter ihnen der auf sei- 



- 3C0 - 

nen Eid sagen könne dasB er das atreüig Ort je hab umgangen, aber 
doch auf Hörensagen und wie sie von ihren Eltern yerstanden für* 
schreiten und gehen wollen. Die Beiffenberger protestirten coram 
notario dass sie in ihrer beseß und beweisen wolten. Das Weiter- 
gehen unterblieb damals. (Mglb. K 11^. S. 171.) 

Auf dem st&rmisohen M&rkerding des Jahres 1586 verlangten 
die Käthe des Walpotten dass der Umsmg der Mark auf der gemei- 
nen Märker Kosten geschehe. Dies stand durchaus der Grundansicht 
entgegen y dass ein jeder Theil sein eignes Interesse dabei su ver- 
treten habe. Der Ausschuss der Märker bemerkt dessbalb ganz rich- 
tig , zu dem vorhabenden Umgang der Mark wolle jeder Flecken 
einen Jungen und alten Mann auf seine Kosten zuordnen, nach vori- 
gem Gebrauch; die beiden Märkermeister aber, der Keller %u Hom- 
burg, der Schreier zu Stedten und die 4 Markförster oder knecht 
sollten ziemliche Zehrung aus der Mark haben. Nachdem der Aus- 
schuss noch aller Anwesenden Gutdünken explorirt, hat er durch 
Wendel Ilmstedten weiter noch antworten lassen: Zu beziehung 
der Mark wären hiebevor aus jedem Flecken 2 Personen zugeschickt 
worden, die seien von jedem Flecken insonderhat verköstigt worden; 
nach Vollendung des Umzugs . hätten die Märkermeister allen „Ar- 
beitsleuten^, wann ein Vorrath an Bussen vorhanden gewesen, eine 
Verehrung zum Trunk aus dem gemeinen Seckel gegeben, es solle 
nachmals auch so gehalten werden. Die hessiscken Gesandten aber 
beharrten darai)f dass der Umzug auf gemeiner Märker kosten solle 
vorgehen, dann wollten sie die Bl^the sich dazu gebrauchen lassen 
^nicht allein gegen den anstößenden und angrenzenden Nachbauren^ 
sondern auch g^en dem Inmärker so der Mark zu sohadiBn gevai- 
det^; sonsten aber deswegen nicht ein Esel, katz oder ein ander 
gering Thier satteln lassen. Die Märker wollen nun ,^restheik dem 
Umgang der Mark auf folgenden Tag voi^hen lassen, da die aa- 
stossenden Naiohbauren hierzu alle oitirt seien. Aber die hessischen 
Gesandten gestunden den Märkem den Umzug ,,vor sich^' nit zu. 
Der Märkermeister Hattstein suchte zu vermitteln: dieweil fbr diesmal 
Vorrath in der Markkasse sei, solle ausnahmsweise der Umzug da- 
raus bestritten werden. Dieses hat aber von gemeinem Märker nicht 
eingewilligt wollen werden, sondern sind stracks auf ihrer erst ge^ 
thanen Eröffnung beharrt Der Umzng wurde vorerst eingestellet und 
abgekündigt. Er fand erst im September statt Eine sorgfältige Be- 
schreibung desselben ist uns in dem Fase. Mglb. E. 29. IH S. 128 



~ 36t — 

auB dem Jahre 1566 ^/r. Sept. aufbewahrt Alle Stein und die 
Yornehmste Lochbaum sind daselbst beschrieben ^^ 



*3 Der Umgang begann von dem ersten Stein bei den Loßheeken, Stein- 
b&cher Termine! inwendig dem SölmischenWald, zog Über den Königstein'scben 
Pfad der Cronebnrger Mark hinanf nach der Förster Knh Rage (Ruhe), ob^r 
der fester Wiesea nach der Weydeastmt nnd den Httnemborg Wiesen. Von 
der HQpfteben Wiesen bis auf das Httnerbritcb vurden 80 Locbb&mne gezählt. 
Von da der Hohl hinauf die beide Marken (die Hohe und die Cronberger) 
scheidet, nach den Haderheckes bis „nff das alt künn'* *), den holen Weg hin- 
anf an den Masebörnerbergs bis an die Schief ersteinkanten, hinter dem lützel 
Vehberg hinaus, hinter dem grossen Yeltberg hinab nseh dem Sohärterwald, 
welcher in die Mark gehöret, und fiber den Polgral>en. Von dort ging der 
Zng auf der Heiden hinaus über die Strassen so von Reiffenberg auf Homburg 
gehet nach dem Börnchen, der Pfingstbrünnen genannt; weiter nach den 
Sieinen von Yeltmerbansen „obendig dem Weg nacher Hattstein", vom Diele- 
berg obendig den AnüShayaer Wiesen asd derKredenbaoh, nach den Seoffen« dner 
Wiesen Gort VQn Hattsteia saatepdigi und aus der Mark gexodt worden; weiter 
nach einem Stein neben der Kredenbach an der Schiefersteinkanten „unter einem 
Holzapfelbaum, so ein Lochbaum ist." Es folgen die Loehbäome am grossen 
Bettstein „der Loohbaum an dem Weg der ans der Kuetrenken gehet, ist ab- 
gehsfoen, den Forster zu fragen, wer es gethan-^ Wdter an der Kremmelges- 
wiesen stehet ein Buclienloohbaum „daran Hornberger und Urseler Wapen*'; 
dann folgen die Steine am „heyligen Waldt^S ein Stein bei dem brunn obendig 
dem heimig Seufifen nach dem Weissen Berg zu, welcher auch in die Mark ge- 
höret; zwischen dem Wald und Feld hinauf am Faulberg*, den Weissenberg 
hinauf, „auif ein Holzapfelbanm welcher gelocht ist^S zwischen den Anßb&cher 
Hecken «ad den Weinpfölen aber, die Alt-Ridie hinflber, bei der Klingenruhe 
nnd dem Klingenborn,^ dem Ansbächer Gebiok und dem Polg^aben hin, bis auf 
die Seulberger Mark nnd den Fahrborn. In dem Graben herunter darinnen 
^tzliche Stein bis ufT die Kirdorffer Heidt, ufT den Lochbaum daselbst an der 
Ecken des Walds; die Landtwehr herunter dnrch die WeingSrteu bis auf das 
KirtorfElar H^lein Lasarins genannt, es folgen 3 Steine in der Landwelir, dana 
an der Landwehr hinaus stehen 6 Steine „bis uff die Strassen", weiter ein Stein 
an den Wiesen in der Landwehr, und gehet die Landwehr zwischen dem Hom- 
burger Feld und dem Reyßberg auf Steden zu. Es ging der Zug yoi' dem 
Brendelsbuseh hfer, den Thröner Pfad herum, obendig dem HeuchelheimerFeid 
hiU) über die Wiesen» d^ Graben hinaus nach dem alten Hof da der Steder 
Dreieckbrunnen steht. Fortan „gehet die landtwehr durch das Steder Veit bis 
an die Walt-Eck", weiter ein Stein auf dem Weg so von Steden auf Ursel 
geht ; ein Stein an der Ecken zwischen der Wiesen Ochsenstein gen. und der 
Weidt; dann folgen die, Steine in der Lußhecken; den Hftuserfort hinaus unter 
der Schreierwiesen hin und fortan zwischen dem Hänserhain und dem Wald 
den Weg an der Landwehr hinaus, bis an die Strassen „da vor zeiten ein schlag 
gestanden, der Heuserschlag genant'^; Furters an das Eck „zu Endt der 
Landwehr da vor Zeiten ein Muhl gestanden , der . Lußmuhlen genant^' ; den 



*) Es ist hier der Abbug des Altkonigs in yerstehen, niebt der Qipfel ; die OrKnse sog auf 
dm PSaalerwegi 



— 368 — 

Nach dem NotariatsprotocoU über den ün^^ang ^/n Aug. 1609 
ist dieser Umgang ebenso eingeleitet worden wie ein Märkerding. 
Es hat zwischen 7 und 8 Uhr bei Ursel auf der Au, da man pfl^t 
das Märkerding zu halten , der hessische Batii J. Ph. Eüieinschmidt 
den Tag zu dem Märkerding anfönglich eröffnet und angezeigt: es 
seien Neuerungen und Eingriffe geschehen, die Eirdorfer Ausmärker 
gemacht ; es hätte sein gu. Herr diesen Tag ausschreiben lassen, 
wollten auch hierauf die Homburger Mark umgehen, und in Steinen 
und Hainen umziehen lassen ; er wollt hiermit den Tag auf seines 
gn. Herrn Befehl eröffnet haben. Darauf haben die Mainzischen 
Abgesandten protestirt, der Eirdorfer Ausschliessung wftre nit mit 
Billigung sämmüicher Märker geschehen, sie widersprechen auch 
der Bezeichnung „Homburger Mark'. Dagegen bemerkte der Keller: 
man sei desshalb nit hie, dass man viel disputiren wolle, ob es 
Homburger oder Hohe Mark genant würde; man habe hier nit mit 
den partibus und dem toto zu tihun, sondern die Eirdorffer wären 
per majora vota ordentlich ausgeschlossen. Die Mainzischen und 
Eönigsteinschen zogen , darauf ab und hinweg, den Unter- 
thanen war geboten worden sich des Umzugs zu enthalten. 
Der Umzug wurde begonnen ohne die Mainzischen und die 
Reiffenbergischen welche mit abgezogen waren. Ist man von der 
Aue hinweg den Cronbeiger Weg hinab auf die Loshecken zuge- 
zogen zu dem ersten Stein auf dem Triesch. Als daselbst etliche 
Cronbergische Beamte und Unterthanen sieh gefunden, hat man 
abermals durch den Waldschreier auf Seiten der hohen Märker 
Umfrag halten, und die Schultheissen ru£^ lassen; es sind mehren^ 
theils alle andern Schultheissen, die Mainaisefaein, Hedemheim und 
Beiffenburgischen allein ausgenommen erschienen und da gewesen. 
Es wurde nachgefragt wer diesen Umgang mehr mitgemacht, viele 
waren im Jahr 1586 mitgezogen, nur einer vor 90 Jahren, andere 
vor 5 Jahren. 

Es werden dann die Gronberger aufgezählt welche zu den 
Hohen Märker sliessen, aus Nerings, aus Obemhexstatt etc. Eine 



Berg hinauf bis an den Zwergweg auf der Sandkauten ; hinüber an die Eck 
am Forst, über den Urseler Knetrieb, nach einem Siein zwischen dem üden- 
born und dem Hanpfad, nach dem Königsteiner Pfad und der Atzelhell „gehet 
furters die grenz immer an den Wingarten hinab", ein Stein am Johannsberg, 
ein grosser Stein an dem Beckerpfad, weiter von dannen ein Stein in der 
Wiesen die Reßbach genant, iteqi ein Stein unten an der (^eyerswiesen , der 
letzte Stein am Raddervelt obendig der Cronburgerstraßen „zeigt auf 'den 
ersten Stein uff der Loßheckeu m im Anfaogk beschrieben". 



— 963 - 

Ermahnung wurde an alle gerichtet fK> mitgingen „ako die Mark 
^u umbziehen; wie es von Alters herkommen; und es ein Jeder vor 
dem Bichterstnhl Gottes verantworten könne^^ So sogen sie von 
dannen am Solmsischen Wald hinauf , nach der Forsterwiesen^ an 
der „Hünerburgk^* hin, die Hohle hinauf bis an die Haderhecken, 
so zu der Cronburger Mark gehörig, als den hohlen Weg hinauf 
^neben dem Altkin hin'^ nach dem Mosebomer Berg, die Strasse 
hinaus „nacher kühl hermansbrunnen^ . . bis an den lützeUeldberg, 
dann den Scharterwald, so in die Hohe Mark gehörig , hinab nach 
dem Pfingstbrunnen. Beim 22^®*^ Stein welcher vom Dielenbei^ zur 
linken Hand hinüber nach dem grossen Bettstein zeiget, haben die ' 
Hattsteinische und Beiffenbergische diener mit eüichen ihrer Herrn 
und Junkherm Unterthanen und Bauern, rechter Hand hinauf ziehen 
wollen, und trotz des Widerspruchs der Märker vollführet DiesUmmt- 
lichen Märker sind aber hinabwärts auf die linke Hand stracks über 
ein Bächlein dem grossen Bettstein zugezogen; von einem abgebrann- 
ten stumpf, so ein gelochter Apfelbäum gewesen, den Sehieferberg 
hinauf, nach Grimmelgens wiese, wo sie an einem Lochbaum der 
Homburger und Urseller Wappen gehauen fanden. Da es spät geworden 
sind sie von hier „nach Schmitten in's Nachtlager gereist^. Dienstag 
den 22. August ist man mit hellen Haufen in früher Tagezeit wieder 
angessogen; die ReifFenberger hatten über Nacht die zwei Wappen 
aus dem Buchbaum ausgehauen. Dagegen protestirten die homburger 
Bäthe, solches gereiche den sämmtUchen gemeinen Mäxkem zum* 
merklichen Schaden, ihrem gn. Herrn aber, als obersten Waldbotten 
zu sonderbarem Despect Es haben die Beiffenberger ihr Unwesen 
behaupten wollen, besagter Lochbaum stehe auf ihrer Herrn und 
Junkherrn Orund und Boden; dies wurde von den Märkem wider- 
sprochen. Trotzdem hat weiterhin Carl Ffitzner von Dresden, als 
Beiffenburgischer Keller den Bauern, «o er bei sich gehabt, befoh- 
len, dass sie einen zweiten Lochbaum umhauen sollten ^auch darüber 
Herrn Gebott angelegt". Als die Unterthanen Hand und Axt geho- 
ben den Lochbaum zu fällen ,haben des Ober Waldbott Befelhaber 
und Bäthe den Beiffenbergischen und Hattsteinischen solchen Frevel 
underw^en zu lassen gebotten", aber es haben derselbig ein oder 
etliche, ein Weg als den andern ungestüm in den Baum zu hauen 
fortgefahren; dessbalb Carl Ffitzner sammt zweien Bauern ^welche 
in öffentlicher, frischer That in umbhawen betretten, zur Hafft ge- 
nommen und auf gethane Handtastung mit nacher Homburg gefäng- 
lichen geführet worden'^ Nach solchem als sich die übrigen Beiffen- 
burgischen und Hatsteinische abermals abgesondert und zum Theil 



— 364 — 

ausgerissen und die Flucht genommen ^ ist man weiter gezogoi nach 
dem heiligen Feld^ um deü kleinen Bettstein ui^l den weißen Bei]g, 
von dem Wejhengrund. nach den Weinpftlen, der Klingenruhe und 
dem j^Pfulgraben^ aiif eineA „Faulbieren oder Stinkbaum Lochbaom^. 
Bißi dem Thröner schlag begann die Seulburg Erlenbacher Mark^ 
und am Fahrbom wurden wieder sämmtliche Märker vermahnet und 
erinnert ^^ weilen man mm bald an den Ort kommen ^ welchen die 
Kirdorfier -strittig mächten , daß sie so gehen wollten, wie von Alters 
herkommen, auch sie am jüngsten Tag bei ihrer Seelen Seligkeit 
verantworten konnten^. Alda als man ein wenig gerastet, hat Paul 
Anthonius, der eine Märkermeisteri um Urlaub und Erlassuhg des 
Märkermeister Amtes gebeten, ^weilen ihm solchem vorzusein bei Ihr 
churfttrsti. 6n. sehr schwer und bedenklich fiele, wegen bewußter 
entstandener Uneinigkeit'^ Dies wurde ihm aber nit erlassen, weil 
es die gebührende Zeit nit were. Er würd' wissen, was er geschwo^ 
ren. Darauf ist man fortangezogen \,den hohlen Weg oder alte Straß, 
neben dem Orth Waldts, die Strsße genandt, hinunter'' bis an das 
Kirdorffcr Feld, wo die Kirdorfier neulich Zeit einen Graben auf- 
geworfen, aber die Märker vor diesem wieder geschldfl hatten. Die 
Märker haben einhellig bejaht, dass die eine Seit der Scheid am 
Weg der Mark zugehörig, und sind also am zweiten und am dritten 
Graben hinübeigezogen. So ist man auf die Kirdorffer Heid glom- 
men, wo ein alter Stumpf eines lochbaumes unter .der Erden sich 
noch gezeiget und merken lassen. Ist ein „Gemerk mit einer Bhur- 
hawen gemacht worden, ein Markstein daselbst zu setzen". Aus Kir-* 
dorf war Niemand erschienen, so „ist man die Landg^ewehr den 
Graben hinunter nach dem kleinen Eichwäldchen, welches die Mar- 
kier Lazarius, die alten Markbücher aber Sylvam Lotharii nennen, 
gezogen^. Daselbst hat Job. Philipps Kleinschmid, im Namen Ihr. 
Fürstl. Gn. als obersten Waldbottens,, und der sämmtlichen Märkem'* 
protestirt, dass dieses Wälddien von den Eirdorffem aus der Mark 
gezogen werden wollte. So ging es wdter die'Landgewehr hinaus, an 
Stedten vorüber nach dem Häuserfeld, über das Triesch nach der 
Sandkauten. Da haben die landgräffischen angezeigt, dass anno 1599 
zwischen Mainz und Hessen des Orts halber am Häusei^rund ein 
Vertrag geschlossen worden, sie wollten diesen repetiren; dann zog 
man nach Ursel zur Mahlzeit. Nach dieser wurde der Umzug weiter 
westlich verfolgt nach der 'Atzelhohl, dem Johannisberg und der 
Kesbach, auf die Steinbacher Weid, hinab bis an's Eck, welches der 
Steinbacher Schultheiss widersprochen, Hans Durkopf aber und 
Thinius vom Hain- vermelteten: sie wären vor 23 Jahren auch so 



— $65 — 

weit hinabgegangen wie jetzo nnd h&tie Jemand waa darwider ge- 
redt So wurde von den M&rkem dahin geschlosBen, dass es hei den 
zweien letaten Umgängen verbleiben solle; man a<^ auf den Stein 
in der Losahecken eu/ woselbet die Märker nochmals feierlich ange- 
redet und dann abgedankt worden sind 

Bereits bei früherer Gelegenheit ist auf die Landwehr im Taunus 
aufinerksam gemacht worden ^^ sie habe wahrscheinlich zum Schutze 
des Feldes gedient. Wichtiger war vielleicht noch dass sie die ge- 
theilie Feldmark abzüg^nzen bestimmt war von der uugetheilten 
Waldmark. Im Jahre 1700 beschweren sich die Mftrker dass den 
Waidensem ein Platz in der Hohen Hark eingeräumt worden, sie 
bemerken, dass die Landwehr am Baissberg ^so jederzeit beide Ge- 
markungen Homburg und Hohe Mark von einander separirt und als 
Gränzstein abgeschieden, trotz Protestation eingeräumt und den 
Feldern : eben und gleich gemacht, die. Markgrän^en perturbiret^^ 
Schon in älteren Zeiten als da« Boden mehr oder weniger gestattet 
war, mag das Fruchtfeld über diese Märkgränzen hinüber ausgedehnt 
worden sein. In spätren Zeiten ist es auf frevelhafte Weise noch 
in grösserem Massstabe geschehen» Scho^ im Jahre 1710 zeigte sich 
das bei dem Gronberger Umgang mit den Hohen Märkem. Das 
Yerzeichniss der Tholnehmer an demselben ist. ein sehr reichhaltiges^. 
Es gingen damals mit, zu Fuss und zu Pferd, von Cronberg; der 
Amtmann, EeUer, Ober^Bchultheiss, S^dtschreiber, Stadtwachtmeister, 
3 Gerichtsmännür und ein Mann des Badui, Bürgermeister, 3 Bürger, 
Stadtdiener, Amtsbott, 2 Förster, 1 Jäger und 8 junge Leute; von 
Eschborn derSchultheiss,*einQ-erichtsman, 1 Lanünan und 2 Knaben; 
von Niederheckstadt der Schultheiss und 2 Gerichtsmänner, ebenso 
war betheiligt Schwalbach , Oberheokstadt, Schönberg; Mammelshain 
mit dem Schultheissen, 3 Gerichtsmännem Und einem Gemeindsmann; 
Steinbach war in seinen Vertretern zurückgewiesen worden, weil sie 
den Umgang um den strittigen Ort nicht mit vornehmen wollten; 
von Bödelhdm waren erschienen 3 Mann, von Falkenstein (Nerings) 
der Schultheiss und drei Mann* Dazu kamen noch die Hohen Märker; 
das Ganze ein grosser Zug zu Pferd und zu Fiiss, Montag den 
19. Mai war der Notar welcher berichtet, zwischen 7 und 8 Uhr nach 
der Haide an der Loosheck geritten, wo der Anwalt der Hohen 
Mark, die Schultheissen,- der Waldschreier init vielen Förstern zu 
Pferd, sodann eine grosse 22ahi der Märker sich befsnd. Die Stein- 



M^ Die Hohe Mark, im Arohiv für Ffts. Qeseb. a. K. IL S. 827. 



- 366 — 

bttcher Untertiumen faieken sich parat, sie gehörten an beiden Mar- 
ken, waren mit den Cronbergem in Streit wegen eingerodetem 
Felde. Die Hohen Märker blieben vorerst an dem St«n in der Los- 
hecken an dem Stierstttdter Feld; die Cronberger gingen zwischen 
den Feldern bis auf den Etthtrieb, forderten die Stembacher auf 
,^nGang mit ihnen znrttckznthnn^, mit dem Znaatz: ^faÜB sie Stein-* 
bäoher, ab Mitmärker, diesen ssar Mark gdiörigen Diatrict nicht mit 
begehen würden, man von seiten der Cronberger Mitmärker sie zur 
weiteren Fortbegehimg der Mark nicht admjttiren würde^^ Die Stein- 
bächer weigerten sich den Gang mitzuthnn ,,8ie seien auch bereits 
in Abzug begriffen^^, so wurde der Gang vom Viehtrieb zur Lob- 
hecke ohne sie zurQckgenommen; dann die Hohen Märker zu wei- 
terem, nunmehr gemeinschaftlichen Begängnisse eingeladen« Auch 
jettst wieder gab es Streit Der Anwalt mit den Hohen Märkem 
wollte auf einen unten an der Haide vormals gestandenen Stein und 
Baum zu, verwies auf eine zu sehende Kaute imd auf ein Stein- 
buch. Der Oronbergische Amtmann aber wandte ein, das Steinbucfa 
»ei privata scriptura, sei nicht von den angrenzenden Steinsetzern 
mit aufgerichtet worden. Er bestritt den Gang, wie die Hohen 
Märker ihn vornehmen wolltet, mdnte aber man solle sich wegen 
dieser wenigen Morgen nicht aufhalten, werde der Beweis, dass sie 
in die Hohe Mark gehörten, erbracht, wollten sie sich nicht weigern. 
Dies wurde von dem Notar der Hohmärker notirt, und der von den 
Cronbergem ^equirirte Notar wurde gleichfalls ermahnt die Repro- 
testation und das Erbieten dem Instrumente einzuverleiben. Der 
Umgang wurde auf das Solms'scbe zu fortgesetzt Dort baten die 
Oberheckstätter ^daß dieses Begängnis an ihrer Feldterminey nicht 
präjudicirlich sein möge^^ Es vrurde erwidert: diese Erinnerung sei 
unnöthig, es sei brauen vorigen, uralten Umgängen kdne Erinner- 
ung geschehen. Weiterhin wurde bemerkt dass die Steinbächer sich 
wieder beigeschlichen und den Umgang mitmachten; man hielt an, 
wies sie nochmals ab, und liess 10 Märker bei vi^ Steinbächer zu- 
rück, welche sidi nicht abweisen lassen wollten, bis diese entweder 
von selbst abgehen oder der Umgang geschehen sein würde. ^Ob 
nun wol der ein und andere Steinbächer sich sehr grob in Worten 
verliefe, thete man ihnen gleichwol andersten nichts als gemeldtes 
Verwehren^. Inzwischen bewegte sich der Zug weiter über den Kö- 
nigsteinerweg, über den alten Graben, durch die Hopfenrebwiese, 
den alten Weg und die Hohl hinauf nach der Haderheck, wo „der 
anno 1699 in Disput gezogene Ort, an welchem die Cronberger und 
die Hohe märker von einander gangen sein^S Der Anwalt verlas 



— IC7 - 

WOB altMi üiiig«ig«pr»toeollen die betreffintde St^e, emiclite die 
Gronberger sie möchten, wenn sie auch emen Umgang de anno 1&86 
hätten „von an&ng an was drauß lesen, ssn sehen ob die Protocoll 
einander glichen'^. Da nun die eisten 2 pagina einander von Wort 
SU Wort gleichlautend waren, insistirte er, Herr Keller, man möchte 
sich doch gefallen lassen den passnm dieses in dispnt gesogenen Orts 
an lesen. Ea faad.sich das» der Hombntf^er Anwalt „entweder obn- 
gel&hr oder mit Fleiss oniges übersdien oder ausgelassen, was et 
gana beschämt gestehen musste", (nämHch: die Haderheck „so zur 
Cronberger Mark gehörig"). Der Hombnrger Anwalt und die Mfirker- 
meister suchten nun vergeblich nadiStdnen,wussten sich mit nichts 
,ials mit etweloher Schamhafti^eit^^ au entschuldigen, und erboten 
sich den streitigen Distrikt, etwa 10 Morgen lichtes Gesträuch, zu 
theQen; auf welches die Qnmbei^er nicht eingingen. Sie richteten 
ihren Gang gerade die Hohl hinauf nach der Beschreibung der 
Hohen Märker eignen Umgangs. Diese ab^ gingen doch den Weg 
linker Hand, trafen erst zu End der Haderheck wieder auf die Cron- 
berger. Von dort aus ging ^er Umzug gemeinschaftlich weiter, die 
, Lochbäume wurden frisch gelocht, die alten Zeichen gefrischt. Diese 
Zeichen scheinen manichfaltig gewesen zu sein ; ausser den Wappen 
finden sich bei diesem weiteren Umgange der Cronberger ein Baum 
mit einem klemen lateinischen c, sodann mitten dnen Holzhieb, oben 
diesem ein Zeich^ii '^; es entstand hier Zweifel ob dies ein 
Locbbamn sei Wie das Becht der Mark bereits in Ver- 
gessenheit kam, 90 auch die alten Zeichen. Weiterhin fand mau 
einen Baum, in welchen ein. Zapfen eingeschlagen war „vermuth- 
lieh von einem Hirten seinen Brodsack oder Ranzen daran zu 
hängen^^ Der alte Schultheiss von „Nörings oder Falckenstern' Joh. 
Ad. Pfaff, hat aber bei seinem Gewissen behauptet, dass anno 1668 
dahin gangen und „der lochbaum^ denen Königsteinern gezeigt 
worden sei. Allein die Cronenberger halten ihr Becht g^en die König- 
steiner aufrecht; sie führen den Vergleich von 1552 an. 

Unter den Lochbäumen hatten verschiedene eine besondere Be- 
nennung, beim gedachten Cronberger Umgang finden sich erwähnt: 
der Cronenbaum, die Schuhsohl, dann die verfallne Krämerbuch bei 
dem Königsteiner ZoUstock. (s. Gefach E* 29 die betreffenden 
Umgänge.) 

Indem wir die Bedeutung des Märjcerdings verfolg^ten, sind wir 
bei Gelegenheit der Umgänge in spätere Jahrhunderte geführt wor- 
den; wir kehren zu den älteren Zeiten zurück, weiter nachzusehen 
wie auf den Märkertagen das Verkältniss zu den Ausmärkern fest- 



— 3«« — 

gestelh und über die Berechtigimg aar Mark erkaniit wurde. Auf 
dem Märkerding, Dienstag St. Bartholomeiuitag 1568, haben die 
Waldachmid von der Sorg und Hnn^tstaU^ wie ihnen auferlegt war, 
eine Abschrift ihres Instruments gebracht^ unter zweien Siegehi der 
Befehlshaber zu Alten Wylnau; darin ist die Marka^prftnznng gegen 
die Anspacher Mark verzeichnet. Sie beginnt mit den Worten : n^^>^ 
von Langen Anspach weisen'^ ; es wird dann die Gr&nze; von Philq» 
MüUn hinter dem Throne anfallend besdbrieben: den Pfalgraben 
aussen, hinder dem grauen Forste ftlrtan den Pfalgraben aussen bis 
an den Byffenberger Buchwalt ... in die Wynpfull;*.. in die kleyn 
Weilnauer Bach, ufF den Zitterling^.. bis uS den pastrot^ do stdit 
eyn nickel etc.». Nach Verlesung dieser Inttruments-Abschrift ist 
ihnen gesagt ^ die Märker seien mit solcher Be Weisung zufrieden^ 
wollen hinüber kommen mit ihnen abstoinen. (Mglb. E. 29, lEL) 

Die Cronberger mussten alle Jahr auf dem Mttrkerding wegen 
der Tränkung ihres Viehs (wahrschmnlich aus dem Dreibom) an- 
suchen ; gleichergestalt haben „die Höriger under Falckenstein sess- 
hafdg^ der Trenk wegen „bei dem Märker" ansucheii müssen. (Mglb. 
E. 29; V. s. Ordn. vom 21 Mai 1604) Der Jungfern vom Thron 
wegen wurde auf dem Märkerding 1649 ausgesprochen : die Mftrker 
wollten nit leiden dass dieselben mit ihrem Vieh in di6 Mark tlrei- 
boD; dass den Ausmärkern einige Gerechtigkeit in der Mark ge- 
stattet werde. 

Bei dem Märkerding der Seulbetg Erlenbacher etc. Mark auf 
Sontag Lätare 1498 hat man fUrgeben wie dass* zwei Bürger von 
Friedberg haben Wellen in der Mark geholet uAd seien darin er- 
wischt worden zu Köppern^ auch haben die von Radeheim einen 
Placken in der Mark abgehauen über das man sich des rechtlichen 
auf Sr. Gn. den Herrn von Hanau erboten^ auch Erwin Dogel^ Mär- 
kermeister solches H. y. Hanau gesagt] ihm aber sei nit erwünscht 
Antwort entstanden; darum^ so erklärt der Märkermeister^ wo man 
nit darzu thun wolle^ lass er auch gescheeU; gedenk der hinAlro nit 
mehr Märkermeister zu sein. XJnd also sind die von Friedberg er- 
schienen, haben gesagt, ein Mann von Eöppem, so zugegen, hab 
iünen die Wellen verkauft und gesagt, die Wellen gehören ihm zu. 
Aber der Märker hat sich daran nit gekehrt, sie seien betreten wor- 
den und sollen sehen wem sie abkaufen, sie gedächten der ihren, 
der das gethan hätt, auch ungestraft nit zu lassen^, hab derselb 



» Weil er Holz aas der Mark verkauft. 



— 369 - 

mibilli'oh yerkaufl^ möchten sie sich an demselben auch erholen; 
darom wollten sie sich in Qnad geben ond taidingen, i¥^ll man ihnen 
diesmal Onad beweisen. Also haben sie sich ^in die taiding geben^. 
Der ander Gebrechen halben der von Badeheim solle der Märker- 
meister an den gn. H. y. Hanau bringen, die Mark zu verhören und 
die M&rker die Herrlichkeit weisen zu lassen. Das sei in lange Zeit 
mt geschehen bei einem vollen Märkerding, dazu verboten damit es 
im Qedächtniss halte. Alsdann solle ein einhellig Instrument ge- 
macht werden zu ewigem Oedächtniss ^. 

Im Jahre 1595 wurde von dem Märkermeister und 13 Ge- 
schwomen der gem. Bodheymer und Köpfiener Marcke klagweise an- 
gebracht, wie dass etliche Märker zu Köpffem nun eine. ziemliche 
Zeit sich des Nachts mit Brennholz zur Ausfuhr auf Ober-WöUstadt 
und Friedbei^ versehe und wenn sie dann von den ihrigen ange- 
schrieen und zur Bede gesetzt worden, alsdann fUrwenden, dass sie 
solch Holz in Seulberger und Erlenbacher etc. Marke gehauen, also 
solcher gestalt ihren Betrug und Diebstahl bemänteln und sich von 
der Strafe erledigen* Damit nun gleichwol IrinfQro das Uebel an's 
licht gestellt und gestraft werde, so hat man sich mit ihnen ver- 
einiget, wenn femer ein Märker er sei gleich von Köpffem oder 
Holzhausen mit Holz zur Ausfuhr von ihnen in ihrer Mark ereilet 
oder betreten werde, welcher ftbrgebe dass er das Holz in Seulberger 
oder Erlenbacher etc. Marke gehauen, dass sie solchen durch ihre 
Förster den unsrigen Mäikermeistem nahmhaftig machen sollen, mit 
dem .Gegenanerbieten dass es andererseits gleichei^estalt gehalten 
werden solle. 

Die Nidda war die alte Gränze der Gesammtmark, die nord- 
wärts wohnenden waren darin betheiligt, dazu berechtigt Es war 
aber diese Abgränzung nicht streng durchgeführt worden ; der Abts- 
hof und die Mühle bei Eschersheim hatten Begünstigung erfahren, 
und auch wegen VHbel, das auf beiden Seiten der Nied gelegen, 
will sich der lantman auf dem Märkerding von 1401 beraihen. Weit 
wichtiger als diese Frage ist ftir das Becht der Hohen Mark der 
Streit welcher über die Berechtigung der Mühle zu Bonames im An- 
fange des 16. Jahrhunderts geflihrt wurde. 



^ AuffallenderweiBe ist auch hier des Instruments und MSrkerdings von 
1493 nicht gedacht. 

24 



- 870 — 

Der Kessler zu Bonames. — Wie die Beifftnberger und 
Hatsteiner auf den Märkertagen als Edelleute erschienen und «ugleich 
als Herrschaften; so war es ähnlich bei der Stadt Frankfurt. Auch 
diese hatte einestheils die Herrschaft über verschiedene Ortschaften 
welche zur Hohen und zur Seulbui^ri Erlenbacher etc. Marie ge- 
hörten; dann aber war sie auch markberechtigt ihrer Besitzui^en in 
Bonames und in Nieder-Erlenbach wegen; für diese trat rie auf den 
Märkerdingen zugleich als Märker auf Sie wurde ebenso wenig wie 
die Edelleute namentlich aufgerufen; stimmte mit diesen. So heisst 
es bei dem Märkerding auf Eatharinentag 1401 „Henne Clemme von 
Hoenberg und Hejnrich von Beldersheym sin hude zu tage von den 
Edelluten; den burgermeistem von Frankfurt und von dem lantman 
zu merkermeister gekoren*. 

Der Rath lässt als Markberechtigter Pfähl hauen; er wird aber 
auch gerügt als Märker. Es berichtet der Oeschickte des Baths nach 
dem Märkerding von 1518: sind die Bugezettel verlesen und meine 
Herrn von Frankftirt darin auch rugbar angezogen worden der Mei- 
nung; dasB sie 8 Wagen mit Holz in der alten Hege und zween 
Wagen in der neuen Hege gehauen haben. Mglb. E. 29. IP», 98. — 
Es folgt darauf die Bechtfertigung des BathS; dass er die Ffthl fbr 
das SchlosS; die Brück und das Wehr zu Bonamesa habe hauen 
lassen'^'. 

Wenige Jahre nachher; 1531; entstand eine andere Irrung zwi- 
schen dem Bath und den Märkem über das Zcrftthren von Kohlen 
aus der Hohen Mark an den Kessler oder Kupferschmid in Bonames. 
Es iSnden sich in den betreffenden Verhandlungen manche Aufschlüsse 
über den Umfang der Hohen Mark; über die Machtstellung der 
Märkergedinge und über das richterliche Amt des Waldpotten in 
Streitigkeiten unter den Märkern selbst. Es ist aber bei allem steta 
im Auge zu behalten^ dass diese Verhandlungen in die Zeit einer 
gewaltigen Aufreg^g fallen; es ist die heftige und ungebundene 
SprachweisC; welche der Märker sich hier erlaubt; kaum zu irgend 
einer andern Zeit wieder zu finden; es sei denn in den traurigen 
Zeiten da: Auflösimg der Mark'^^ 



&^ Auch in Vilbel hatte der Bath dieBrfloke za anterhaiten and verlangte 
das Holz dazu aus der Hohen Mark. 1524 beschwert er sich dass die Marker- 
meister keine Pfähle zn Besserung dieser Brflcke verabfolgen lassen; diese 
entschuldigen sich und der Amtman von Königstein schreibt, er werde ihn 
weiters unbelästigt lassen. — Mglb. E. 29. II. 70. 

58 Die weitläuftigen Aktenstücke hierüber s. Mglb. E. 29. 11^* S. 60 ff. E. 
29. IL S. 56 ff. 



— 371 — 

Nachdem anf dem M&rkergedi&g 1621 den 22, Tag des Monats 
Maj die M&rker die Wahl d^r Förster flir sich beansprucht, folgte 
die Beschwerde des Raths dass dem Kessler zu Bonamesa „als Mit- 
merkern'^ kohlen zu kaufen und zuführen zu lassen onbillig verbotten 
worden. Der Keller zu Hoemberg sei solchs Verpott nit gestendis 
gewest: er h&tte solehes Grebot nit angelegt. Darauf erwiderte einer 
Ton Homburg; genannt Groshans: sdches werd sich wol herfinden, 
wann man gen Hombergk auf den Tag bis nächst Mitwoch kotnmen 
werde, solle alsdann desshalb auch gehandelt werden. Groshans und 
einer genant Stynuß hab sich dabei öffentlich hören lassen : die Mühl 
liege über der Nidda, So kaufe der Kessler kohlen und führe die 
gen Frankenfurt; aber denen ist man solchs nit geständig gewest. 
Auf dem Tag zu Homburg erschienen die Frankfurter Beamten, der 
Sehultheiss «su Bonamesa und Johann Marsteller, Bathschreiber, mit 
samt dem Bereiti». Weil aber der gemein lantman damals ausge- 
blieben, sind die genanten alsbald nach dem Essen aufs Rathhaus 
gegangen, sich gesezt und nach Gewohnheit handeln wollen. Es 
wnrde aber bemerkt dieweil sie nit bei einander, könnte man mit 
Antwort nit begegnen; £. E. Bath möge die Mengel auf einem 
Märkerding anreg^i. Auf dem nächsten Märkerding, am 8. Jan. 152^ 
wurde aber nur von Beschädigung des Waldes gehandelt. Ej*st sftü 
13. wurde dem Bath enigegengehalten : der Kessler zu Bonemesa 
were ein knecht und kein Märker, item so läge die Mule in der 
Nidda; in dem Instrument finde sich diese Mule nicht verzeichnet, 
also solle man solche Neuerung nit geschehen lassen. Zugleich er- 
griffen die Märker diese Gelegenheit sich über den Brückenzins zu 
Bonemesa und Hausen zu beschweren. Der Bath beantragte die 
Mule in Augenschein zu nehmen. Auf einem weiteren Märkergeding 
Mitwoch nach Apollonia, 11. Febr. 1523, wurde ein Gebot des Wal- 
potten, Landgrafen Philips zu Hessen mitgetheilt, nach welchem dem 
Kupferschmitt zu Bonemesa kohlen für Geld zuzuführen erlaubt sein 
solle; der Keller zu Homburg that dem gemäss das der kohlen halb 
▼on den Märkem erlassne Verbot namens seines Herrn auf. Dagegen 
ist der lantmann alsbald fast unwillig worden, und gesagt ^sie woll- 
ten darin nit willigen, die Mark sei ihre; man könne das Ihre also 
nit hinweggehen.'^ Die Märker haben Bedacht genommen und dem 
Keller mitäieilen lassen ,)der Lanlanann hätt sich dess, wie beschehen, 
zu dem Wal^potten nit versehen, sie wären ohnwissend von £. Erb. 
Bathe der 8tadt Frankenfort beklagt, sie begehrten die Klagsohrift 
um daranf zu antworten, sie könnten dem Bescheid nit geleben, nnd 

wollten auch itzo verboten haben, dass Niemand dem Kessler sollt 

24« 



- 372 — 

kohlen zufilhren^ welcher das aber darüber thit, den wollten sie 
rügen. Dess mehr, so wäre das Verpott hiebevor durch den Keller 
und lantman sammtlich angelegt; und würd' itzo ohn den hmtman 
uffgebeu; das konnten sie nit gedulden/^ Darauf der Keller sagt: 
,er wäre gehört, dabei wollt' er'a bleiben lassen, könnt' seines Herrn 
Bescheid nit ändem^^ Doch stellte er die Schrift des Baths den ge- 
mein Märkem za, forderte sie auf zu antworten, sein gnäd. Herr 
würde ihnen nit unrecht thun. £r wollt' allen denen die dem Kessler 
Kohlen zuführten für allen Schaden sprechen, wollt' leiden dass man 
sie rüget, aber das pfenden nit, das habe allein sein gn. Herr zu 
thun, und sie nit. Er gestund ihnen auch keines gebots oder Ver- 
bots in der Mark, auch das habe nur sein gn.Herr zu thun. Sa blieb 
es diesmals dabei. 

Auf dem weiteren gebotenen Mfirkergeding auf Petri und Pauli 
1523 erschien Assmus Widdersheim Keller zu Homburg, dann Har 
mann von Holzhausen, Conrad Weiss und Johann Marsteller Rath- 
Schreiber namens des Baths, weiter verschiedne Abgeordnete der 
Herrschaften und des lantmans eine gute Meng. Der Keller zeigt 
an dass die Irrungen der Kohlen halber zwischen dnem Erb. Bath 
d^r Stadt Frankfurt eines, und dem lantman anderntheils sich er- 
bf^lten, desshalb sein gn. Herr von Erb. Bath durch eine Supplioa- 
tion angegangen, darin „etliche recht gebott^^ voi^eschlagen worden, 
desshalb er damals alle angelegte gebott und verbott abgethan und 
widerrufen. Dieweil etliche Märker wären, die seines gn. Herrn ge- 
bott verbieten thäten, und was sein gn. Helr als oberster Waldpott 
aufgethan, sie dies gemeinlich zugethan, das gleiche seinem Herrn 
zu nicht geringem ohnleidlichen Abbruch. Darum hätte er von sei- 
nem gn. Herrn den Befehl vom lantman einen Abtrag (Widerruf) 
zu fordern, den begehre er jetzo von ihnen. Wollten sie ihn nicht 
bewilligen so hab' er einen andern Befehl ihnen ftürzuhalten, der 
ihnen wenig gefallen würde. Darauf hat der lantman einen Bedacht 
genommen und durch Hans Urber, den Schnltheissen zu Oberursel, 
reden und fttrtragen lassen : Das Verbot der Kohlen sei mit Willen 
des Kellers von Homburg geschehen, so aber der Bath von Frankfurt 
dem landgrafen geklagt, und sie, die Märker, noch nit gehöret wor- 
den, wäre von Nöthen dass man auch sie Hess zur Verantwortung 
kommen. Sie wollten auch eine Schrift an Se. Gnaden machen las- 
sen und darin alle ihre Mängel und Gebrechen anzeigen. Es wäre 
bekannt, dass die Schmitt zu Bonames nit über 10 odw 11 Jahren 
gestanden, darum gestünde man ihr kein Markrecht. Darauf be- 
merkte der Keller: Er wäre gehört^ er ^ wäre nit zugegen mit ihnen 



— 373 - 

zu „taglajBBen'' sein gn. Herr werde wol Leut haben, die geschickter 
wären denn er; verlangt nochmals, wie vorbegehrt, den Abtrag. Der 
Lantman aber erwiderte, sie wollten kein gebot haben, und ,^hatt 
ein unfreundlich Gemurmell gehabt, also dass der Keller sich ent- 
setzt und eyn andern Weg fürgenomen^' sich bedacht und gesagt^ 
er dürfte dem lantman rathen, dass sie ihr Gebot liessen absein, und 
seines gn. Herrn Gebot liessen fürgehen, bislang die Sach geordnet 
oder die Mule besichtigt würde, damit Niemand unrecht geschehe. 
Aber der Lantman sich nit bewegen lassen, sondern beharrte auf 
dem Fllmehmen, wie er die Verantwortung und Bericht in Schriften 
wollte verfassen lassen ''. Also nach vielen Reden und Widerreden 
sagte der Keller: er gebiete allen Kölern und Märkem dass sie der 
Kupferschmid Kolen sollten zufliren bislang die Sach geordnet werde. 
£r wollt auch einem Jeden vor allen Schaden versprechen. Darwider 
soll auch Niemand reden. Da waren etliche Märker die das wider- 
sprachen, und sagten sie wollten das widersprechen. .Also sagt der 
Keller zuletzt: er wollt die Sach diesmals bei seinem Verbot und 
Gebot bewenden lassen, sein gn. Herr würd' sich gegen Inen wol 
zu halten wissen; nahm Herrn Haman und Conrad Weissen zur Seite, 
sagte ihnen: dass er seines gn. Herrn Gebot nit angelegt wäre 
dies die Ursach, dann er besorgt wo er das geihan, es wären dem 
Lantman Pferd, Kühe imd anderes genomen worden ; dadurch andere 
von der Ritterschaft als Grafen Herren und Edelleut zur Sach und 
ohn Willen kommen wären, dass dann vielleicht mehr zu ohnnutz 
dann zu gutem komen möcht. Darnmb hätt'' er das unterlassen. 
Darauf Eberhart Schenck zum Keller gesagt : Ein Edl. Rath sei nit 
gemeint Unwillen zwischen dem lantman aufzurichten, sagt also dem 
Keller Dank. Dieser verspricht er wollt selber in die Höhe reiten, 
und allen Kölern von wegen seinem gn. Herrn gebieten derKupfer- 
schmitten Kolen zuzuführen. Dabei blieb es. Doch hatten etliche 
vom lantman gesagt, so dass es der Marsteller, und auch des Amt- 
maus Kjiecht, der schmit zuBonemesa gehört: sie wollten dieKoeler 
alle erschlagen wenn sie Kolen nach Bonemesa ft)hreten. 

Am Tage Margarethae Virginia in anno 1523 ülierreichten die Mär- 
ker eine Schrift an Herrn Phillipsen, Landgrafen zu Hessen, den Walt- 
potten. Sie sagen darin : Es hab ein Erb. Rath zu Frankfurt in den 
letzten 11 Jahren jenseit der Nidd und dem Flecken Bonemesa ausserhalb 



S9 Weiterhin wehrte er sich wieder gegen das „in die Feder*' reden. 



— 374 — 

des Bezirks darin das Markrecht herbracht sei^ ein kupferschmitten 
gebaut und ein Zeitlang ihre kolen zum theil aus der Mark doch ohn 
der Märker gemein Erlaubniss oder wissen^ um ihr Geld bestellt und 
sich des stillschweigend also zu brauchen unterstanden^ bislang solches 
an sie^ die Märker^ auf gemeinem Märkertag gelangt sei. Die Mär- 
ker hätten sich unterredt dieweil solch Schmitten jenseit der Nidde 
gelegen und zufbren der kolen ein Neuerung were^ darauf nach ge- 
meiner Mark Herkommen entschlossen^ man sollt es von Sr. F. Gn. 
als obersten Waltpotten wegen yerbieten. Welchea s. F. Gn. Keller 
zu Homburg „wie sich auf beschluss des Merckers gebUrt, auch ge- 
than". Dabei sei es ein Zeitlang also blieben^ dasswiewol derBath 
zu Frankfurt zu mehrmalen darwider habe klagen lassen, die Märker 
doch und Sr. F. Gn. Keller mit ihnen auf gemeltem beschluss des 
Verpots bestanden. Die von Frankfurt hätten dann die sach zu ihrem 
glimpff aufgenitizet, imd Sr. F. Gn. derhalben bevelh geben, die be- 
rührten Verbot abzuschaffen und es bei dem alten Herkommen bleiben 
zu lassen. Dieses letztere, dass es bei dem alten Herkommen bldben 
solle, haben sie gerne, gehört, und die Sach auf ihrem ersten Beschluss 
bestehen lassen, ihres Vermuthens nit unbillig, nicht als ob sie den 
befehl freventlich übergangen sollten han. Das Verbot sei ihren 
Bechten und dem Instrument zuwider welches besage: was der ge- 
meyn Mercker eyntrechtiglich besdiloss soll der oberst Waltpott 
hanthaben. Die von Frankfurt möchten noch mehr Schmitten 
bauen, und würd die Lenge der Mark nit genügend sein, ihnen zu 
ihrem Wesen kolen zuzulassen. Am Spessart und andern grossen 
Wäldern gebe es am Holz allenthalben ab, desgleichen in der Hohen 
Mark gestatte die Notturft kein Neuerung. Sie verlangen von ihrem 
gn. Herrn und Waltpott dass er sie schirme. 

Es ist in dieser Schrift zu beachten, wie die Märker den feinen 
Unterschied des Bömischen Bechts zwischen Besitz und Herkommen, 
wol mit einem gewissen Hohn, übersehen und glauben machen wollen, 
der Bath habe nur auf Letzteres sich berufen. Ebenso ist es be- 
merkenswerth wie der Waldpott seinerseits im Folgenden die Stellung 
eines Bömischen Prätor einzunehmen sucht und seinem Amtmanne 
Aufträge gab, ähnlich wie derBömische judex sie erhielt. Der Land- 
graf theilte die Antwort der Märker dem Bath in einem Schreiben 
d. d. Sontag nach Jacobi ap. 1523 mit, es heisst darin: Unsem 
günstigen Gruss zuvor. Wir haben den gem. Märkem befolen die 
kupferschmitt in ihrem brauch zu lassen, wie das von Alter Her- 
kommen wäre; nachdem aber sie weiter darüber gehandelt, einen 
Abtrag von ihnen gefordert, darauf sie uns Antwort gegeben wie 



— 375 — 

hierin eu vemehinen« Wenn also die sach wliire wie die Merker an- 
zeigen, wiewol wir auch zu willfahren geneigt wären, müssen wir es 
dabei lassen; wo es ein ander Gestalt hat, möcht ihr uns Bericht 
darauf geben, seint wir geneigt „soviel uns mit Icht fiigen will' der 
Gepüre und gnädlich darin zu halten. £s beeilte sich hierauf der 
Bath zu erwidern, wie seit Jahren der Mühle kohlen zugefiirt wor- 
den, es sei mit Wissen und Erlaubniss der Märker geschehen; als der 
Bath im Jahr 1521 auf dem M&rk^ding sich beschwert, etliche ver* 
hinderten dass kohlen zugefürt würden, hab der Keller gesagt, er 
wisse nichts von solchem Yerpot, er hab es nicht gedian. Der Bath 
bemerkt weiter, die Mühle liege nicht jenseit der Nidda» es sei altes 
HeriLonmien dass man jeden Märker bei seinen Beohten belasse. Das 
Instrument gäbe dem lantman nicht das Becht Grewahsamkeit zu 
üben, noch dem Waltpotten ungerechtes Fümehmen einem Dritten 
zum Nachtheil zu handhaben. So der Landman in seiner eignen 
Sadi reohtsprechen mdcbt und den Mitmärker seines Bechts entsetzen, 
so möcht er heut einen und morgen den andern hinauswerfen, und 
ihnen ihr Jlecht nach Gelieben nehmen. Darum sei die unterthenigste 
bitt s. F. Gn. als oberster Waltpott und beachirmer solcher obbe- 
stimmten Becht und G^echtigkeit wolle den Bath als Mitmärker bei 
sdnen unleugbaren beseß und Bechten erbieten, handhaben und dem 
Gebot Vollziehung thun. 

D^r Waltpott war damals offenbar in grosser Verlegenheit; einer- 
seits das Drängen des Frankfurter Baths auf sein gutes Becht, an^ 
derer Seits die drohende Bew^ung des lantmans; dazu kam seine 
Betheiligung an der Fehde mit Sickingen. Am Sonntag nach dem 
b. Dreikönigstage hatte er von Cassel aus dem Bath geschrieben, er 
wolle seinem Amtman zu Eppstein und Keller zu Hombeig vor der 
Höbe thun schreiben und befehlen mit Fleiss in die Dinge zuzu^ 
sehen, dass es wie vor Alters gehalten werde« iBin zweites Schreiben 
datirt am Sonntag nach Corpus Christi 1523 aus dem Feldlager bei 
Ebernburgk besagt : sobald er wieder innerhalb Landes gekommen 
wäre, wolle er verschaffen dass das beschehen Verpot au%ethan, den 
Schmitten kolen zugef&hrt werden« Es folgt nun ein drittes Schreiben 
d. d. Cassel^ Freitag nach Assumpte Mariae 1523 an seinen Amtman 
Helwigen von Lauerpach: Wir schicken dir hierbei Abschrift eines 
Bmchts uns von den zu Frankfurt zi^gesehickt, belangend dieselbigen 
von Frankfurt von wegen einer kupferschmitten, und die Märker in 
unser Homburger Mark uf der Hohe, und dieweil die von Frankfurt 
sich anmaassen dass sie solober Schmitten halber des Markrechts in 
gemelter Homburger Mark in besess^ und desshalb offenbar sein soU, 



— 376 — 

auch darauf vorige unsere bescheid und heSM g^allen, und aber die 
Märker solches dermassen nit gesiendig sein wollen; — ist unser 
befehl dass du dich in solchem sommarie erkundigst und wo es notb 
thut beide tlieile darzu forderst ^ dessbalb ihren Bericht und weiter 
Beibringung zu hören, und wo du befindest dass die kupferschmitt 
in Bonames in besess bt, oder je zum wenigsten dass sie in sechs, 
acht oder zehn Jahren dem nftchsten, kohlen aus der Höhe gebraucht 
hat; alsdann ,,yon Unsem wegen als obersten Herren und Waltpot- 
ten gemelter Schmitt solche kolen flirther bis zu rechtlichem Austrag 
der Sachen zu gebrauchen vergennest', auch dassdbige bei den 
Merkern unverhindert geschehen zu lassen verschaffest, und denselben 
Merkern ansagest: wo sie darin Beschwerung hätten, dieweil dann 
solche Irrung zwischen ihnen und den von Frankfurt schwebt, der- 
halben die Märker, als Partheien, unsers Fürsehen nit urtheilen 
mochten, so wären wir geneigt ab der Oberherr und Waltpott gen 
Homburg Tag zu setzen, die Oebrechen auch beider Tlieil bewei- 
sung rigentlich hören, und darin was recht ist geschehen zu lassen, 
und dass darauf ein Theil den andern bei recht und Gewalts erlassen, 
daran geschieht unsere Meinung. — Der Amtmann soUte also zuför- 
derst über die Besitzfrage Untersuchung einleiten, dann über das 
Recht selbst. Er ordnete eine Tagfahrt nach Bonames, Dienstag nach 
Mathai den 22. Sept 1523; es fanden sich daselbst ein von Seiten 
des Baths Dr. Niclaus Bideker, Advocat, Haman von Holzfaausen, 
Schöff, und Conrad Weiss, Bathsireund, samt Job. Marstell^ dem 
Berater und etlichen Söldnern, weiter etliche vom gemajn landt- 
mann; anstatt Ss. gn. Herrn zu handeln war der Ambtman vor der 
Hohe Helwig von Lauerspadi zugegen „auf der Wiesen zwischen 
d^n Müelgraben und der Nidda, nahend bei dem Weher, so dass 
Wasser auff die gnant schmit zwingt^^ Daselbst baten die von Frank- 
furt den Amtman des besess halben zu handeln, und dass der sdmiit- 
ten bis zu rechtlichem Austrag kolen zugeführt würden zu verschaf- 
fen. Sagt der Amtman solche Meinung steh noch bei ihm dem laut- 
man fürzuhalteI^ Er besorge die Pauem würden solcfas nit thun ; 
er wollt doch soviel möglich darin handeln. GUng also zum lantman 
mit dem des Tags Eröffnung halben zu reden. Er verlangt dass ihm 
diejenigen genant würden welche der kupferschmitt kolen aus der 
Mark zugeführt, damit er sich der Sachen erkundigen mödit Dem 
widersetzte sich der Schultheiss von Obemrsel und Grosshenne von 
Homburg : der lantman könne jetzt keine Antwort darauf geben, er 
bat um ein gemein Märkerding, dass aUe ,die Lehenherm und Jun- 
kern so Markrecht betten, dahin kommen moditen, damit Inen und 



— 377 — 

• 

der Mark nichts entflogen Würde^. Die von FrahkAirt erboten sich 
die Namen scbriftKch dem Amtman zuenschicken; sie beriefen sich 
dann w^en des Bechtes selbst^ auf den Augensdiein ,,da8s der 
Graben so uff die kapferscbmitt Uef, ntt die Nidd hieß*. So gefragt 
würde: wie heiaat das Wasser so anf die kupferschmitt lanft mllsst 
gesagt werden: der Mülgraben so auf die Mole lanft^ and wieder so 
gefragt würde wie heisset das Wasser „den 8tranmb der Nidd mey- 
nend'^, müsst getagt werden : die Nidd« Ans dem kläriieh absran^men 
dass die Mühle nit auswendig; sondern in der Mark gelegen wäre. 
So wftre länger denn Menschengedenken eine Walkmühle an Statt 
der Enpferschmitten gelten gewesen ^ die ak in der Mark gehalten^ 
und darwider* keine Einrede gethan worden. Schliesslich wurde vom 
Amtmann ansgesprochen, dass ein jeder so vom lantman zugegen 
gewesen seinen ^Naehpauren'^ diese Handlung entdecken soll; damit^ 
wenn sie zum nächsten Märkerding kcnnmen, ein Jeder wksen möge, 
was er thun und lassen sollte* Und sagt f^mer^ er mödit wol leiden, 
dass sie ^geschickt leuih dahin schicken , dann wenn sie Ochsen da- 
bin verordneten; so zi^pennd (zäg^i) sie als die Buffell und kont 
niemani mit Inen tfeherr komen; so stunden der eyns taik und 
sagten von mehen oder sehemi; die andern hörten nichts zu^^ Solche 
Spässchen hörte man gern, doch ist es dabei -geblieben ; dass ein 
Märkergeding solt vericündet werden. Mitwoch nach Pfingsten 1584 
erschien auf der An vor Oberorsell Jacob Widdersheyn; Schnltheiss 
zu Homburg samt dem neuen Kdler daselbst 'ab Anwalt des Ober- 
stcai Waltpotteu; Johann Brennel (Brendel) als Märkemmster; dann 
Fridrich von Byffenberg; N. Kanipach; Eberhard Schenk; water 
Conrad Wdss und Johann Marsteller. Als der lantaan die Wahlen 
allzusehr in die Länge zog; verfügte sieh Herr Conrad Weiss mit 
dem Batbsehreiber in den Kreis ; brachte die Irrung wegen der holen 
vor; bat in Ansehung der billigen G^echtigkeit nochmals von ihrem 
unbilligen Fömebmen abzustehen. Darauf sich der lantman bedacht 
und nach guter Weile einen Kreis gemacht und in Betsein des An- 
walts von Homberg der kolen halb geantwoftet: Sie gestehen der 
kupfersdimitt kein Gerechtigkeit; denn sie lieg in der Niddc; so sag 
das Instrument man soll darin kein kolen geben. 

Frdtag nach Corpus Christi 1684 ist auf Ansudien des Baths 
der durchlauchtig hochgebom Fürst und Herr; Herr Philipps Land- 
grafen zu Hessen sammt seinem Canzler zuBonemesa auf den Augen- 
schein; die Kupferschmitt belangend erschienen; die besichtiget; auch 
den Fluss des rechten Straumbs der Nidd gesdian und E. Erb. 
Badis Bericht empfiangen. Den Gesandten des Baths wurde -durch 



— 378 — 

den Cansler in Antwort begegnet: Auf das Widerabreiten Yom 
Sohietsen %n Heidelberg sollt £. Erb. Batk ansuchen ^ wollt sein 
Gn. ein Märkerding machen und ehrUohe Bäthe zur Handlung^ darin 
die Partheien zu verhören , bei den Augenschein verordnen lassen. 

Freitag nach Bonifaciw ist darauf Johann Marsteller bei s^ 
günst Herrn, dem Schrauttonbach zu Gronberg gewesen. Sobald 
dieser abgesessen Und sich aussieben lassen, sei er im SoUoas oben 
erschienen, habe um Tagsatzung angesucht. Schrauttenbach habe 
beg^net, er woUe es seinem gn. Herrn anzeig<eu, habe ihn auf den 
Abend wieder beschieden , dieweil die B&th noch hemidden im 
Flecken gewest Also sei er um 3 Uhr wider hinauf gangen und 
habe sich ansagen lassen. Bald darnach seien Schrauttenbach und 
Helwig von Lauerback, Amtman zu Eppstein und Cronberg zu ihm 
kommen, der gn.Herr }asse ihm sagen, wie er dem Amtman Helwig 
Befehl gethan da» Instnunent der Mark zu ersichtigen und auch 
sonst bei den Märkem in Erüurung zu bringen, ob der Tagsatzung 
halber ein benante Zeit im Instrument, oder sonst der Mark Brauch 
were; wo dann dem also, denselfaigen Weg zu halten, die B&the und 
Gericbtschreiber zum Verhöre zu verordnen. J.- Marsteller bedankt 
sijch dieser Antwort mit d^ Zuversicht £. Erb« Bath werde s. f. Gn. 
freondlichenDienst allerzeit gemwillig gedenken, gedienen und onver« 
gessen sein. Br berichtet dann weiter: „demnach hatSchrauttenbaoh 
J. Hellwig von Lauerbacfa gleich bevolhen mich im SaaU bei dem 
Essen zu bduslten. Darauff ich mich bedankt und aBgesagt daß 
gijeh ufisitaen und den Weg geynh Frank&rt woll fbmemen. Da 
hab ich doch zuvor mit dem Amtman üi den Keller gehn und eyn 
Drunk nemien mflssen. Hab also bei dem Herrn Schrauttonbach und 
Juncker Hellwig mein freundlichen Abschaid ehalten, der milr aber«- 
mals zugesagt des Tags und der Benennung Indenk zu sein und 
aufs förderlichste zu vollnziehen. Dabei pUeb es*. 
' Auf dem Märkerding Diensti^ St Lucastag wurden die Gesand- 
ten der Herrsohafben vom Keller .zu Homburg gefragt, ob sie mit 
E. Erb. Bath gütlich Veriiöre annehmen wollten oder aber rechtlicb 
für s. gzL Herrn den landgrafen fUrkommen wollten. Sie haben nach 
einem Bedacht dem lantman angezeigt, und die überredt die Gtlte 
zu verfolgen; es i^ solches durch Philipp Bjffenstajm von wegen 
der Märker o£Eenilieh zugesagt worden. Darauf wurde Dienstag nach 
Martini ids Tag zum Güteversuch bezeichnet Es eröffiaete denselben 
in Homburg der Edel und Ehrenvest Helwig von Lauerpach mit 
begehr ihm etliche Schreiber zuzugeben, dage und Antwort, au&u- 
schreiben, dann ihm solche Fürtrag im Haupt zu behalten unnK%* 



- 379 - 

lieh wäre. Die Edelleute Mimt dem Lantman erklären daas sie allein 
dem Waltpott zu Ehren ^ Ihren Bechten unvorgreiflich, erschieneai 
seien; es wäre dem Weisthum und ihren Markrechten zuwider ^in 
Schriften etwas zu handien ^ sondern wollt £. Erb. Bath etwas clagen^ 
das sollt mondlich gescheen, und in Lufilb geredt werden ; wollten sie 
sich daruff bedenken und Antwort geben*. Der Amtman sagt „were 
ihm nit müglich zu behalten; was in Luft geredt werde, darum were 
sein Bitt noch als vor'^ Der lantman wollte aber nit in die Feder 
reden; begehrten dass die Klage in der Güte geschehe mündlich; 
wo aber nit; begehrten sie den Tietg bis ssa einem Märkerding „u^ 
zuschurizen*. Als sich beiderseits' Yiele Bede Terlaufeii; sagt der 
Amtman „der tag sei gelajst; er konnte nit meh thun*; dann er 
möge wol seinem gn. Herrn anzeigen; warum und wesshalb. sich 
dieser Tag gestossen habe. Darauf Eines Erb. Baths Gesandten dem 
Amtman gedankt und gebeten dem Waltpoden zu entdecken das« 
sie an dem Zenrtossen dieser Handlung nicht Schuld gewesen. 

So sah der Bath sich genöthigt Samstag nach Katharina 1524 
redhtliche kli^e zu erheben. Die Form derselben ist hier nicht un- 
wesentlich; sie beginnt: 

^An Herrn Philipsen; Landgr^ven zu Hessen. Durchlauchtiger; 
hochgebomer Fürst 1 E. F. Gn« seien unser unterthlnig willig Dienst 
alles Fleiss zuvor bereit. — Gnädiger Herr. — Der Irrung und 
Gebrechen halben so sich zwischen dem lantman und unsern Mit» 
merkem der Homburger Mark eyns — und unS; unser kupfersohmitt^i 
halben zu Bonemesa andemtheils erhalten'^ Die Klage gedenkt im 
Eingang der Verhandlungen vor dem Märkergeding; und des Güte- 
versuchs bei welchem aber „nichts fruchtparlichs gehandelt^ weisst 
hin auf den genommenen Augenschein und die Oflfenkundigkeit dass 
die kupferschmitte in der Mark liege ; deshalben wie andere schmitr 
ten darin gelegen;. Markrecht habe. Viel Jahre. habe sie dies Becht 
geübt; der Kelli3r ku Homburg habe der Märker Verbot wiederum 
geöffnet. Es wäre unbillich dass dem grossen Haufen der Märker 
gestattet werden sollt den cläger von seinen offenbaren Markrechten 
ohn einig vorgehend Gericht; recht oder Erkantniss zu vemnrechten, 
dieser wisse anders Niemand« um gebürliche Hilf „dann den obersten 
Waltpottela und Herrn der Homburger Mark'^ anzurufen. Die Bitte 
gebt dahin Se. F. Gn. wolle gnä^gl. verftkgeu; dass der Schmitten 
kolen bis zu Austrag der Sachen zugeführt werden; und den so 
holen führen; für schaden sein imd dass sie Arges nit zugewarten 
haben. „Wo dann die Märker je vermeinen wollten; dass soUichs nit 
Eteinr sollt; so wollen wir ihnen desshalb flirderlicbs und schleiuiigs 



- 380 - 

rechtes vor E. F. Gn. als dem obersten Walltpötten und Herrn der 
Markfa^ nit vor sein; des wollen wir uns ... zu Ew. F. Gn. als 
unserm gn* Herrn untertheniglich verdrehten und solchs alles Vleis 
umb dieselben E. F. Gn. wiederumb zu verdienen willig und bereit 
erfunden werden^. Der Bath bittet zuletzt um schriftliche geneigte 
Antwort. 

Diese erfolgte schon , von Cassel aus^ Montag nach Andrea 
Ap. Sie war ausweichend; im Gefllhle einer bescheidenen Machtstel- 
lung abgefasst. DerWältpott schreibt: er sei nit gemeint die Zufilh- 
rung der kolen zu hindern, sondern des Gemüts so viel an ihm läge 
kolen zuzuflifaren zu gestatten ; dass er aber vor Schaden sein und 
d^m gebürliehe Verhütung thun solle „das will unS; als ihr selbs zu 
ermessen habt; beschwerlich sein. Wir lassen aber geschehen; dass 
ihr auch etwas besesS; soviel recht ist; geprauchet; was uns dann 
unsern theils als ajnem obristen Waltpotten und Herren der Marck 
dartzu zu thun gebürt; an dem soll an uns kejnn Mangell gespürt 
werdeni;!*'. 

Zum Schlüsse dieser Verhandlungen findet sich dann in den 
Akten Mglb. E. 29. 11^. S. 95 noch eine förmliche Elagschrift des 
BathS; welche mit den Worten beginnt: Für euch; den emvesten 
and verordneten Rathe des durcbl. hochgeb. Fürsten u. H« etc. er- 
scheinen Eines E. Raths zu Frankfurt Anwälde zU; „gegen und wi* 
der die emvesten und ersamen landtman und Merker derHombergor 
Mark; und bringen nachfolgende Mejnung in schlechter erzelung 
der G^chicht in Recht klagweiß für^'; und sagen ; dass wiewol die 
kupfermüle zu Bonamese in der Homburger Mark und derselben 

bezirk gelegen sei; und dessfaalb Markrecht hab; so 

sei doch auf begehr des gem. lantmans und Merker der Hom- 
berger Mark verboten worden; dass der kupferschmitt zu Bona- 
mesa und den Inhabern derselben kolen aus der Mark zu- 
gefUhret, oder um ihr Geld verkauft werden solle. Verhandlungen 
auf den Märkerdingen und Güteversuch seien vergeblich gewesen. 
t)emnach sei der Anwälte „in recht bit und begehr an die verord- 
neten Bäthe .... sie wollen mit endlichem Bechtspruch sprechen; 
urtheilen und erkennen; dass vielgemelter gemainer lantman und 
Märker der Honkbuiger Mark solch Neuerung fürzunehmen undVer- 
pot legen zu lassen und zu verschaffen nit gepürt und daran Unreclit 
gethan habC; dass auch; solch vermdndichen Verpotts onangesehen, 
der kupfermül zu Bonemesa und Inhabern derselbigen Markrecht 
gleich andern Merkem . . folgen; gedeyeu; auch Holz und kolen 
mgfiürt werden sollen und mögen; lüles mit erstattenden kosten und 



- 381 - 

Bchadeii .... mit ferner angehüiigtorBitt, in diesem FiJl wuBeekt 
sei asu sprechen; und ihnen den Anwälden anstatt eines Erb. Baths 
au Frankfurt dasselbe mitzuthdlen, auch den Gegenthdl uff solche 
Ela|; zu antworten und den krieg ftlr allen Dingen zu befestigen 
anzuhalten^. Es folgt zum Schluss der gewöhnliche Vor bdialt die 
Klage au mehren und an äiindem. 

Wie diese Sache zu Ende gegangen , dartlber $ndet sich weiter 
nichts vor. Wahrscheinlich hat der Bath fUr klug angeseheu, fiß 
beruhen zu lassen. Ln Jahre 1561 wurde sie auf einem Märkerding 
wieder angeregt: Es hab sich in kurzer Zeit ein Messerschmit gen 
Bonames gesetzt , der verbrauch' au seinem Hantwerk soviel kolen 
und Holtz, dass es der Mark zu grossem schaden reiche; desshalb 
auch die Hufscbmid^ Waffenschmid| kopferschmid, Schlosser und an* 
dere in der Mark gesessen, darüber klageten es kom' ihnen zu gros- 
ser beschwerung, dann der Messigschmid näm' die kolen so theuer, 
dass sie kerne kolen können bekommen, er halte auch einen sonder- 
lichen knecht und ein Pferdt des Walds halben, der ihm Hohs und 
kolen anführe. Darauf haben sich die Märker beqprochen und bedacht 
dass vor Jahren eine kopferschmitte zu Bonmes sei gewesen, die .sei 
abgangen, aber anstatt derselbigen sei eine BapiermttU eingerichtet 
in dero wol soviel oder mehr Holz und kolen verbraucht werden 
als zuvor in der kopferachmitten verbrauclit seien, dass aber gar 
darüber nun auch eine kopfer- oder messig-schmitten (zu verderbung 
des Walds) angerichtet sei oder wöll werden Das sei gar ein neues. 
Auch einen Glasmacher haben die Märker nit wollen leiden, ebenso 
Eschenbrenner. Henrich Biedesell hab wollen Kalk zu Obern Espach 
lassen brennen, aber die Merker habens ihm versagt. So sagten sie 
auch wegen des messigschmid sie wollen ihm soviel Holz und kolen 
als er zu seiner gemeinlichen Haushaltung bedürf, gleich einem 
andern Merker gunnen und nit wehren, aber Holz und kolen zu 
seinem Hantwerk, das könnten und wollten sie nit leiden. 

Auch hier bei dem Bechtsverhältnisse der Ausmärker werden wir 
wieder hingewiesen auf den Stolz den der Märker an den Tag legte, dass 
er in der Mark auf seinem eignen Ghrund und Boden stehe. Würde, 
so.heisst es auf dem Märkerding, Catharinentag 1401, ein Märker 
begriffen der die Mark schädigte, den sollen die Märkermeister oder 
Förster rügen und nit pfänden, der solle zu büß verloren haben 
XV tomese. Würde aber, so beisst es weiter, ein Ausman in der 
mark begriffen, der da innen gehauen hätte, der hätte „lip und gut 
verloren, und sulde man den Manne antworten dem Walpoden, der 
mitime leben mag wie er will, ane den dot und lemede^f die Pferde 



- 382 — 

sollen werden dem lantman; und von den Pferden den Märkermastem 
▼iii 6 heller^ nnd Wagen und Greschhr den Förstern. Ebenso wurde 
anf dem ifärkerding von 1488 gesagt: wftr^ es dass ein Märker in 
derMarg begpriffen würde^ den solte man nit pfenden sondern mgefi; 
der solte xxk Schilling geben; davon solt werden ein Pfand den 
Märkermeistem und z ß den Purstem. Würde aber ein ußwendig 
man dar inne begriffen , da soll man den Hann^ antworten eym 
Walpoden mit dem mag er umbgeen wie er will, also dass er ihn 
nit töde oder Kihmete. 

Die Bezeichnung als Ausmllrker enthielt also keines w^s bloss 
die Erklärung dass Jemand, nicht an dem Gebrauch der Mark theil- 
ssunehmen berechtigt sei, sondern auch dass der Schutz der Mark 
ihm entzogen, dass er der Gewalt des Waldbotten überlassen; dieser 
bei Waldfreveln zu überiiefwn sei. 

Im Jahre 1561 wurde auf dem Märkerding geklagt, dass die 
Amßheimer und die von der WjU, eine Hege so dem Walde zu 
gute gemacht war, verwüstet hätten ; sie sollen für solche lieber- 
fahrung 20 fl. den Märkem zurBuss geben, wenn sie nit in 14 Tagen 
bezalt, sollen sie fbr Ausmärker „eingetrieben^ werden. Weiter die- 
weil der Schultheiss zu Beiffenberg in einem verbotenen Hegewald, 
der Scharterwald genant, Holz erlaubt hat, und doch kein Holzgeber 
noch Merkermeister nit ist, soll er den Merkem 10 fl. zu Buss ge- 
ben, in 14 Tagen vorlegoi; wo nit so sollai sie vor Ausmärker ge- 
halten werden. Im folgenden Jahre ist der Häge am Pfutzenberg 
gedacht, so durch die Beiffenberger und Amoltshainer verhauen sei. 
Dann heisst es lö64 dass die Beiffenberger noch kein Beweisung des 
Bettstmns wegen g^han; endlich heisst es im Jahre 1562, dass der 
Dielnberg oder Bellnstein und der kleine Beltstein ausgelocht wer* 
den solle, auf dass keine Irrung derenhalb fiirfalle, doch onbegeben 
den grossen Bettstein; durch die Amßhainer sei eine Säuheck in der 
Höhmark gemacht, und viel Holz dazu gehauen und verderbt wor- 
den, die Märker haben auch angezeigt : die Beiffenberger, Amßhainer 
und andere jenseit der Höhe, als die Mark ausgegangen worden, 
seien sie in dem Scharterwald von dem rechten Lodrwege einen 
andern W^ g^suagen, haben den Dielnberg, den grossen Bettstein 
und den kleinen Bettstein alle von der Mark gegangen, so doch 
allein um den grossen Bettstein Irrung gewesen; als auch diese 
gelocht worden, so haben darnach die Beiffenberger ohn Wissen 
und Willen der gemein Merker die gehauenen Loch an dem kleinen 
Bettstein ausgehauen, und haben darüber den grossen Bettstein ihnen 
'ZU, und den Märkem abgelocht — haben die Merker sie uff diesmal 



- W8 - 

wem der Mark ansgeschloMen^ woHeii lie ftlr Aoisittrker 
und halten« Im folgenden. Jahr begehren darauf die 9wen 9tänim 
von ByflPenbei^k ond Hattsteiii Anseig^ wamaa die Mftrker ihre ün- 
terlhanen aus der Mark geschlossen. Die Mirker geben an: die Un* 
terthanen haben gilt Wissens dass sie in vide Wege der Mftrker 
OrdBHngen zuwider gelebt^ seien anoh noch Tieler alter Bossen 
schuldig; die Br^fEmbergsen und Amfihainer seien ein tbeil des 
Scharterwaldfl ond den Didaberg^ d«i klemen ond den grossen 
Bettstein von der Mark g^a&gen „danunb können die gemein Mer- 
ker sie nit für MiCnorker erkennen*. Den FQrsteni wird befohlen^ 
wo sie die Rjffenbergsen odor AmMiaiAer in der Mark betreten, 
sieh dero su gebrauchen, so sollen sie dieselbigen ^mit Ijben und 
Hab gen Hbrnbergk dem Widtpoten liefern m straffen ab Ansmer- 
ker^^ Darauf fanden sich die beiden Ortschaften erbötig sieh mit 
den Merkem der ganian Mark su einem gütlicfaen Vertrage su yer- 
gleicben; es wurde auf den 25. Oet. 1565 ein glMiidier Tag nach 
Homburg Ter der Höhe eingesetet um die Immgen der Mtrker 
diesseits und jenseits der HUie bu entscheiden. (Mglb. E. 29. UI. 
S. 12 C S. aa 37.) 

Theidigungstag. Es bildete sieh fiüh schon der Gebrauch 
aus, dass nur die wichtigen Gegenst&nde bei dem ganzen M&ikerding 
reriiandelt und zur Entscheidung gebracht wurden, andere wurden 
nur dem Mftrkerding mitgetheilt, rön diesem daim ausdrücklich oder 
stUlschweigend einem Ausschüsse zur 'Erledigung ttbertriesen. So 
wurden infrbesondere die oft sehr zahlreichen Bügen nur verlesen, 
den Betroffeien stand es frei sogleich sich zu Tcrantworten, zu ver- 
theidigen, oder auch 14 Ti^e nachher auf einem Ausschusstag zu 
Homburg dies zu thun ^. Dieser Tag welcher vorzugsweise sich mit 
dem vertheitigen odertaidingiBn derOerttgten 2U befassen hatte, hiess 
deshalb der Theitigungstag oder i^uoh, weil die Vertheitigung meist 
gar nicht versucht Wurde, der Bufoatztag, oder gar der A-fterbus- 
theidingstag. : 

Ein sehr unleserlich geschriebener Bericht über den Tag Don- 
nerstag nach Conception Mariae 1478 (Mglb. E.29. IL\ S.22.) theilt 



M So io der äohweb dte Naehgemeinde, 8 öder 14 Tage oadi der grossen 
Landsgemelnde, welehe Öfters- von den Wahlen ganz In Anspruch genommen 
war. Sie gehl^rt sn dem regelmSssigen Organismus der Behörden. I>ie Yer- 
pfliobtang zvm JErscbeinen 'fiillt bei dieser weg; sie wird sohwieh^ besucht 
Blnmer, Staats- n. R.-Oeseh. d. Sehw. D. n. &• 108. 



- 5» - 

mit wie die beiden Mäimer von Nieder<-£iie&bach , welche Hole ans 
der Mark verkauft hatten, naeh Homburg beschieden waren. Mit 
ihnen erschien Erwin Dogel, damak nur ak Amtman au Erlenbadi, 
Ludwig Waldecky Schultheias von Uoembuig; PilippsvonBedebheim 
der Jungi Amtman, der Junker von Eppenatein, Beehtold vonfispach, 
Märkermeister, u. A. m. Da eraiUilte Philipp von Bedekiheim, es 
war auf St Eatharinentag auf der Aue vor Ursel dieser Tag ^^ in 
Homburg gesetat worden, dass die von Erlenbach taidingen sollten 
„und dem lantman darbei au sin^, da es sidi gebühre dass die Mftnner 
vor seinen gn. Jungherm den obersten Waltpotten, den Märker- 
meistem und dran lantmsa zu büßen. Darauf sagte Erwin Dogri 
„die armen von Irlebach wären also da zu taidingen und bäten um 
Q-nade und ging^i daruff uß/' A1im> unterredete sich der Amtman 
Philips von Bedelnheim, Bechtold von Espftob ^und etliche vom lant- 
man, d^ nit vii da waß^^ ; man war der Meinung daas die Marker- 
meister und lantinan nit unterstunden au taidingen, da weite der 
Amtman seines gn. Junkhem Meinung auch nicht gdben. . Darauf 
sagte Erwin Dogel, sein Jungher war oberster Walpott, so die 
Männer vor sein Gnaden getaidiuget hätten, hofiken sie bei den an- 
dern desto baß gnade zu erlangen, dann der bruch stand uff sage 
und wäre klar. Es erhob sich aber bedenken hiergegen. Also sind 
sie wieder in die Stube gegangen, da allerlei geredt worden, der 
lantman meinte wieder, dass man so nit ^getaidingen'' könne; Erwin 
Dogel darauf: die armen leute würden also unfreundlicher Weise zu 
kosten bracht, und umgefdhret, und bat noch als wie vor das taidin- 
gen ufzunehmen, aber da dies nit sein möchte, daß dann die gemein 
zu Irlebach wieder zugelassen werde, sidi der Mark zu gebrauchen, 
denn es sei unbillig, obe ein oder zween von ihnen verbreche, dal^ 
darum eine ganze Gemeinde solle verstoßen sein. Darauf erzählte 
Phil, von Bedelnheim wie der lantman nit all da wäre, nachdem dann 
die Sachen lange gestanden, so könnten sie itzt die von Irlebach nit 
zulassen, da das mUssto durch ein gemein Märkerding geschehen. 
Hat man sich abgeredt daß man uff Montag nach Halbfasten uff die 
Au zu Ursel zu einem gemein Märkerding käme und dazu Märker- 



«1 £8 findet sich über diesen Tag noch^ein kurzer Bericht in Mglb. £. 29. 
II. S. 2(>b : da die Erlenbacher Holz aus der Mark verkaufet, sei ein Versach 
der Güte anberaumt worden, da anf dem Tag kein ziemlich Usstrag oder Güt- 
lichkeit an erlangen, so sei auf ein yoU Märkerding erkannt worden, was nach 
altem Herkommen billig sei. Es war demnach jener Tag nicht der eigentiiebe 
Theitigungstag. 



— 385 — 

meister und den lantman allenthalben mit Macht in die Sache zu 
kommen verbotten. Erst auf Montag nach Sontag .Lätare 1479 ist 
wieder von einem Märkerding berichtet, vor Uraell auf der Au. Es 
haben die zwei Männer vor dem Jungher von Eppenstein angefangen 
zu taidingen und werden von diesem gebüßt um 1 Achtel Haber. 
Damach ^hat man mit dem lantman getaidingt^ also dass die Männer 
ihm büße geben, item für Bechtold von Espach, Märkermeister, der 
saget er wolle sein büße der armen fallen lassen ; „damit sollich bruche . . 
vertaidingt ist^ ; es werden die von Irlebach wieder zugelassen. 

In dem Instrument von 1484 ist auch über das theidigen Weis- 
ung geschehen. Art 17 sagt desshalb: Wer gerüget wird, dem soll 
man seinen Sühntag vor Ursel auf die Au bescheiden undgelüst den 
daselbst zu thejdigen, das mag er thun; und ob einer auf denselben 
Tag nit theydigt so soU man ihm ein andern Tag, nemlich darnach 
über 14 Tag gen Homburg bestimmen. Theydigt er auf dem da- 
selbst auch nicht, so mag ihn der Waldbott und Märkermeister, jeg- 
licher nach seiner Gebühr, vor ihce verfallnen büß pfänden. 

In der Ordnung von 1594 heist es im Art. 29 : Ein jeder Flecken 
solle seine Buß&üigen dahin halten, dass sie ihre Bußen auf den zwei 
thedingstagen zu TJrsell oder Homburgk erlegen, sonst sollen die 
Nachbarn alle als Ausmärker eingetrieben werden, bis die Bußen er- 
legt sind, und wollen die Märker zugeben dass die büßen ohn ge- 
taidingt gesetzet und erhoben werden. Im Art. 50 ist vorgesehen, 
dass keine büßen gethejdingt werden, die seien denn zuvor auf der 
Au gerügfet worden. 

Auf dem Märkerding am 27. Mai 1607, nachdem die Rugzettel 
verlesen, sagt der Keller: wer anjetzo nit thätigen wollte, sei inner 
14 Tagen nach Homburg verwiesen. 

Im Jahre 1703 werden bei Gelegenheit der vorgebrachten Be- 
schwerden gegen die üebergriffe des Waldpotten bemerkt : bei den 
Bußsatztägen seien beide Märkermeister und die Schultheissen der in 
die Hohe Mark gehörigen Hauptflecken zugegen, und würden keine 
anderen Verbrechen daselbst gethaitigt, als welche bei dem Märker- 
ding angez^get und gerüget worden, dahero auch einem jeden 
Märker freistehe entweder vor öffentlichem Märkergeding oder aber 
dem folgenden Bußsatztage seine Markbuße zu erlegen. 

Da in dem Instrument ein fester Tag für das Theitigen ange- 
setzt war, so wurde ganz mit Recht strenge darauf gehalten. Der 
Anwalt unterliess es nicht, als er die Rechte der Märker allmälig 

kürzte, auch über diese Bestimmung sich hinauszusetzen. Im Jahre 

25 



— 386 — 

1644 findet sich auf einem Zettel auch die Notiz, wahrBcheinlicb des 
Landbereiters Zeundel, dass die Ruhe (Buge, Theidigung) nacher 
Homburg v. dato über 3 Wochen angesetzt sei „umb gewisser Ur- 
sachen willen^ welches die Märkermeister mit Protestation dass dem 
Herkommen nichts präjudiret werde geschehen lassen. — 

Noch ist aus der stürmischen Reformationszeit, aus dem Jahre 
1524, das Märkerding, Dienstag sant Lucastag, zu erwähnen. Der 
Keller von Homburg fragt ob etliche Mängel, Gebrechen oder Scha- 
den in der Mark wären, die seien jetzt dem Märker und gemeinen 
lantman zu entdecken. Der lantman antwortet: Er, der Amtman, 
möge die Förster darum fragen« Diese gerufen, ob auch die Gebott 
in der Mark seien gehalten worden, sagen nein; und erhub sich 
also vielerlei Rede. Der Amtmann sagt sie würden zulezt die Wald- 
ung gar verderben, die armen Leute würden den grössten Schaden 
dadurch haben, sie könnten kein Holz hauen und wären doch am 
Waldverderb nit Ursach; wenn sie weise wären, sie würden wohl 
anders schreien. Die Märkermeister beklagten sich dass die von 
Oberursel und von Niedem Eschpach nit wollten der bueß halb 
thejdingen. Da ruckte ein Männlein von Oberursel auf einem Pferd 
herfür, sagt, er wäre bescheiden zu reden. Das von den Märker- 
meistern angeregte, als selten etliche zu theidigen sich geweigert 
haben, solches möcht wol also bescheen sein ; doch aus dieser Ursach, 
denn die Märkermeister hätten selbst gebrochen. Nuh stund im Li- 
strument ^wenn sie brüchig würden, so wäre der lantman zu tey- 
dingen nit schuldig, und wenn der Abt W^ür£fel trüg so were dem 
Mönch spielen erlaubt^. Darum wollten sie nit tejdingen, sondern 
bei dem Instrument bleiben. Helwig von Lauerpach bemerkte da- 
gegen, der lantman woU hierin sein Nutz nit prüfen, so würden 
alle Märker in Wald fahren und den ganz verderben, dass je ein 
gemeiner Nutz nit wäre. Darum sollten sie itzo alsbald mit den 
Märkermeistem teydingen. Darauf ward ein gross Geschrei vom 
lantman, sagte, sie wollten das itzo nit thun, es were nit also her- 
kommen, sie wollten bei dem Insttument bleiben. Also sagt Joh. 
Brendel, Märkermeister: Er wüsst nit anders denn daB Listrument 
drückt klarlich aus, wo ein Märkermeister verfüre, so sollt alsdann 
diejenen so nach ihm obertreden nit taidingen, daraus folge nit 
dass diejene so vor ihm gebrochen hätten, darum zu taidingen nit 
schuldig weren; und welcher mit seinem Eide darthun möcht, dass 
er nach ihm, dem Märkermeister, gehauen hätt, dem sollt nichts ab- 
gefordert werden. Aber die Märker schrieen gemainlich darwidder, 
sagen, sie i?^ollten bei dem Listrument bleiben. Der Amtman Hess 



— 387 — 

auB jedem Flecken 2 Personen zum Ansschuss verordnen und ein 
Antwort verfasBen. Nach lang gehabter Unterredung des Ana- 
BchuBses iBt das MendEn von Oberursel abermals herfllr geruckt, er 
hab befehl zu sagen dasB die Personen so nit getajdingt nochmals 
bei dem Instrument und den Zetteln, wie die auf nächstgehaltnem 
Märkerding verlesen worden, bleiben wollten, es bedtLnk sie unbillig 
sein, dass sie bei ihren Eiden sagen sollten, auf welche Zeit sie das 
Holz gehauen haben. Es seien etliche die sagen, er soll reden was 
sie ihm befehlen oder sie wollten ihm den Kopf zerschlagen; wonuh 
solches beschehe, und ihm der Kopf zerschlagen würde, so erschlu- 
gen sie je ein arme Kreatur, er hätt aber noch kinder, die würden 
das nit ongeroöhen lassen. Und darauf redd das Menlin, es ging 
die Bede Johan Brendel were auf die Dörfler geritten, hätt die buoi) 
ingefordert, habe vorgegeben die von Obern Ursell betten getay- 
dingt, das were doch nit also „mit Einziehung eines Schimpfs des 
Schulthissen von Bonamesa wolt solchs also geredt haben". Dieweil 
aber solch Wort in Schimpf geredt, lacht der Schultis und gestund 
das nit „als auch daran ihm onrecht beschah". Also sagt Johan 
Brendel ; welcher das von ihme redt, der sagt nit wahr. Er hätt an 
den von Homburg angefangen, allein Nachred halben, dass nit ge- 
sagt würd, er wollt, dieweil er zu Homburg wohnet, die Urseller 
hassen und an ihnen anfahen. Dieweil aber nichts fruchtbares mögen 
erlangt werden, hat der Amtman gesagt: er wolle das seinem Herrn 
anzeigen. So ist damals nicht getaidingt worden. (Mglb. E.29, 11^ S. 88.) 

Von ungleich grösserer Bedeutung als in der hohen Mark, war 
der Ausschuss in der Seulberger, Erlenbacher etc. Mark. In jener 
bestand er aus den Märkermeistem und den Schultheissen weniger 
fiauptfiecken, ei* bildete gleichsam die Vertretung der verschiedenen 
Regierungen und seine Thätigkeit war vorzugsweise eine richter- 
liche; die Schultheissen stellten die Gerichtsschöffen dar. Der letztere 
Ausschuss war in mancher Beziehung verschieden, sowohl was die 
Befugniss als was die Zusammensetzung betraf. Er nahm mehr und 
mehr die Stelle des Märkerdings selbst ein, verglich sich über die 
Wahl derMärkermeister ebenso wie über die vorzuschlagende Wald- 
ordnung, verglich sich mit den Verordneten des Waldpotten und den 
Märkermeistem über den Eintrieb von Schweinen in die Eckern, 
und hatte ausserdem auch die Frevel zu strafen, welche beim Mär- 
kerding nicht erledigt worden. Es gehörten zu diesem Ausschusse 
neben den Märkermeistem die Schultheisse und Burgermeister sammle 
lieber 6 Dörfer. Diese wurden als Markhäupter bezeichnet. 

25* 



— 388 — 

SaniBtag nach Oculi 15&3 sind auf Erfordernng des Waltpottens 
der Ausschuss gemeiner Märker der Seulberger und Erlenbacher 
Margk; die Ernvesten und ersamen^ nemlich anstatt und von w^^n 
des Waltpotten^ Joh. Abt^ Keller zu Homburg y. d. H., 
Item aus Petterweil der Edel und Emvest Pilips Friderich Haber- 
kom von Zellingen^ Eißeubur^cher Amtmann, Heinrich Hu- 
bert; Solmsicher Keller ^ und Gernhard Zubrodt, Schultiß da- 
selbst; 

Item aus Nidem Erlebach: Philips Schefer, der SchulteiJß; Wendel 

de;* Bender und Hans Broß, Burgermeistere ; 
itenTaus Seulbergk: Hani^ Bockenheim , Schultis, Wol& Thomaß 

und Henß Steingesser, Burgermeistere; 
item aus OberErlenbach : Emrich Bommerscheim, Schultheiß; Lenhart 

und Hanjß Mauß; Burgermeistere; 
item aus Burgkholzhausen Emrichs Henn, Schultis; Engelbert und 

Heiin Johan, Burgermeinstere; 
item aus Kuppern ... Peter anstat desselbigen SchultessC; Endreß der 

Eulner und Heiin Veltiu; Burgermeinstere; 
in Emrichs des Schultessen Hauß zu Ober Erlepach erschienen; sich 
daselbst einer Ordnung ... wie es ein Jahr langk bis uff ein andern 
Merckertag gehalten soll werden; und solches j^den gemein mer- 
kem uff nechst kommenden mitfasten Sontag dieses 53 Jars der 
Margk zu gutem zu verkundeu;" verglichen und entschlossen wie folgt. 

In der Ordnung der Seulberger and Erlenbächer ,,und zu^eich 
anderer Flecken Margk^^ vom Jahre 1588 wird ebenso festgesetzt; 
was durch „den Ausschuss und Häupter deren Flecken^' einhellig 
beschlossen und uffgerichtet worden. Doch heisst es später: Märker- 
meister belangend; ist gemeinter Ausschuss bedacht schierst künftigen 
Sonntag Lätare auf dem Markgeding ufs neue einmütiglich zu bitten 
den Edlen und Vesten Friedrichen von Doebschütz etc. ihr Amt 
noch ein Jahr lang zu tragen. 

Da die Märker hier sich nicht streng an den Wortlaut des In- 
struments hielten; erlaubte sich sehr bald auch der Anwald des Wald- 
botten Eigenmächtigkeiten. Im Jahre 1592 heisst es: demnach das 
Instrument mit klaren Buchstaben ausweisen thut; dass ein jeder 
Herr so Homburg mit Ehren und recht in hatt, für einen OberHerm 
und Waltpotten der Marck erkannt werden, und jeden Jars auf 
Sonntag Mitfasteu; Laetare genannt; die Harck mit Bath der Märker 
bestellen sollC; „welches wolgeweistes Recht von unsem lieben Vor- 
eltern und uns bis auf diese gegenwärtige Zeit ganz in Achtung ge- 
nommen; sonsten es auch wol also gehalten worden; dass von wegen 



— 389 - 

der Ungelegenheit und des zeitlich eingefallenen rauhen ungewitters 
die Märkerhfiupter den Donnerstag in der Wochen zuvor ... zusam- 
men gekommen sind; und sich auf allerhand Nothwendigkeiten be- 
dacht habeu; wie gute Polizei und Ordnung erhalten'^., und aber 
alledem en%egen des durchl. Herrn Georgen Landtgraven zu Hessen 
... jetzigen Herrn Waltpottens Diener und Anwald solche von Alters 
an bestimpte und bisher woIge&Uige Zeit; aus „andern ehehafilen Ur- 
sachen und trefflicheren Herren gesch&ften^^ acht Tage- lang zu die 
sem mahl uffgeschlagen und fOrter diese zween Tage indicirt hat, 
nämlich den Mitwoch nach Lätare zu allerhand nothdUrftiger Vor- 
bereitung oder Abrede, und dann den darauf folgenden Sontag 
Judica zur Hegung und Haltung des Markgedings, so sind hierauf 
zu Ende benante Mftrkerbäupter in Petterweil auf dem Bathhause 
zusammen konmieU; in Meinung sich allda zu beradtscblagen ; ehe 
aber zu der Haupttractation soll geschritten werden, haben beiwe- 
sende Häupter des Ufschlags und Verlegung halben des Markge- 
dings Und der Zeit zum zierlichsten protestirt, protestiren auch noch- 
mals für Euch dem ganzen Umstände allhie, dass dieses thun und 
diese Neuerung ihnen und auch den sämmtlichen märkem unschäd- 
lich sein solle. Zugegen waren diesmal Georg Vestenberger, der Au- 
wald, daün von wegen der gemeinen Märker: Anthonius Zubrot, 
Sollmischer Keller zu Petterweil und „Marckermäister", Theobald 
Schäfer, Schultheis zu Nider-Erlenbach und Marckermäister, Herr 
Hieronjmus zum Jungen von wegen des Burgsesses Nider-Erlen- 
bach; Job. Beck, Schultheiß, und Peter Boch, Luntz Kessel beide 
Burgermeistere zu Holzhausen, Seifried Born, Schultheiß, und Peter 
Schmiedt, Heinrich Grohe beide Burgermeistere zu Petterweil, Con- 
rad Lohre Vice-Schultheiß, und Georg Reiff, Hannß Stam, beide 
Burgerinaistere zue Köpffem; Heinrich Lutzenbruck genant Becker 
und Hanns Weiphardt beide Burgermaistere zue Seulberg, Matthies 
Kracker und Job. Ermell, b. Burgerm, zu Ob. Erlenbach, und end- 
lich Job. Schmiedt, Burgerm, zu Nid.' Erlenbach. Und ist dieselbe 
Ordnung hemacher am Sonntage Judica den 12. Martii an gewohn- 
licher Wahllstadt bei gehegtem Merckergedinge dem ganzen Um- 
stände »publicirt«" worden. 

Solche Protestationen haben nie irgend welchen Erfolg gehabt, 
es ist nie die Zeit gekommen in welcher eine muthigere Generation 
sie hätte verwerthen können. Schon im nächstfolgenden Jahre 1593 
findet sich wieder ein solcher Aufschub. Georg Vestenberger, der 
Anwald, liess den Ausschuss am Donnerstag nach dem Sonntag Lae- 
tare bescheiden, der „gutwilligen erschienene^, und hat im Namen der 



. — 390 — 

s&mmtlichen Märker den abermaligen, gleichwol aus bewussten ebr- 
haften Ursachen und trefflichen Herren geschäften Ufscfalags des 
Märkörgedinges sich vor allen Dingen zum zierlichsten bedinget, de- 
ren tröstlichen Zuversicht, es werde derselbige des Herrn Auwalds 
Anbringen nach, „nicht tolo malo oder ihnen den Märkern zur nach* 
theiligen Consequenz und Präjutiz sondern aus angezogenen Ursachen 
fürgenommen worden sein^^ Dagegen aber Herr Anwald seine Ge- 
genprotestation nicht weniger der Gebühr angestellet und dabei ge- 
deutet hat, dass dergleichen vor ohngefahr 30 Jahren auch beschehen 
und fürgangen ^sein solle^ darum es „vor keine Neuerung angezo- 
gen werden könnt^^ Sonach waren nunmehr die ^trefilichen Herren 
geschäfte^ der obersten Markbeamten für wichtiger erklärt, als die 
Bestellung der Mark selbst. 

Das Frankfurter Archiv hat uns in den Akten Mglb. E. 30, IV. 
eine gerichtliche Verhandlung vor dem Ausschüsse der Seulberger, 
£rlenbacher etc. Mark aus dem Jahre 1597 aufbewahrt. Sie betrifft 
die Nider-Erlenbacher, welche Scliweinssteigen im Walde errichtet, 
Holz dazu wider «rgangnes Verbot gefällt hätten, und beginnt mit 
einer Citation an die Nider-Erlenbacher Burgermeister und Gemeinde : 

„Dieweyl ihr Burgermeister und Gemeind zu Nieder-Erlenbach 
^in Verfertigung eurer iettzigen Schweinsteyhen sowoU wieder die 
j^ewliche, mit euers Schultheißen willen beschehene Waldhegung, 
„als auch den jetzigen zue Holtzhausen durch die marckerhäupter 
„ufgeriechten mast- oder eckern beschluss freuentlich mißhandlet, 
„und nit allein der marcker, sondern auch eures Schultheißen selbsten 
„treuliches Abmahnen verächtlichen in Wiende geschlagenn / 

„AUß haben gemeine Marckerheupter zu bestraffung solches 
„freveis und muthwillens Sampstags nach Martini den 12. buj. schierst 
„künfftig abermalß eine Zusammenkunfft in Holtzhausen angestellt 

„Heischen euch, obgenantte Nieder-Erlenbach er Burg(6rmeister 
9,und Gemeinde, als Verächter hiermit von Marck wegen, und wollen, 
„dass ihr auf gemelten Sampstage umb den mittage und schlage 11 
^Uhr zue Holtzfaaussen, in Peter Jungen Schultheißen Behaußung, 
„für ihnen erscheinen und euren verübten muthwillen thejdigen und 
jgabtragen sollet / 

„Ihr erscheinet nuhn also hieruf oder nicht, wirdt man doch auf 
„Gelegenheit handien, damit der veracht und muthwille nit unge- 
„straffb bleibe, darnach ihr euch zu geriechtten. 

„Sign. Seulberg am 7. Novembris anno 1597. 

^Beide Marckermeister der Seulb. oder Erlenbacher etc. Marcke.^^ 



— 391 — 

Es folgt hierauf ein ProtocoU der gerichtlichen Verhandlung mit 
dem Urtheil: 

„Marckermeister und Marckerheupter deren Seulberger oder Er- 
^lenbacher etc. marcke-siend von wegen das die gemeind zuNieder- 
^Erlenbach ihre ietzige Schweinsstejhen sowoU der Marckordnung 
,,alft auch dem jüngsten MastbeschlusBe zuwieder^ in den newen^ 
„gegen der. Hohen Marck und Ederchdorff zu, gehegten Walde oin- 
„gesetzt und uffgeriechtet, auf heut unden bemeltem dato zue Holz- 
„hauten in Peter Jungen BehauJßung zusammen kommen; sie Erlen- 
„bacher solches ihres verübten muthwillens halben in gepürliche 
„Straffe anzunehmen , unnd haben erstlich gefordert — zehen Gul- 
„deU; dasB die Marckordnung, dan abermals — zehen Gulden, dass 
„den mastbeschluss überdretten und verachtet, und endlichen — neun- 
j^igk Gulden, von wegen das 90 eychenstämme bey ihrer schwein- 
sstejhen veröset und verbrändt, Thut zusamen — Einhundert — 
yzehen Gulden ^^^s 

„unnd obwoll gedachtte Marckere aus der Mastordnung und 
„sonsten Ursach genugsamb gehabt und woU befuget gewesen, sie, 
j^rlenbacliCr, von wegen eines jeden Stammes an — zween gülden 
^ohnnachleßlich zu Vkiejßen — so haben sie doch ihr eingewandte 
„Ursachen der Sterbesleufften und bei ihnen grassirender Pestilenze 
^nachparlich beherziget und es dießmalß bei der eintzeligen straffe 
jyverpleiben lassen / Doch mit der reservation und dem vorbehält, 
„wofern sie auf ihren halsstarrigen Wortten bestehen und ihr an- 
„pringen femer anziehen werden, das sie alsdann weitter nit gehört, 
„unnd von Marck wegen auf diejenige Mittel und Wege bedacht 
•„werden soll, wie man sie zu gehorsamb priengen und die gesetzten 
„bui^n für vollem erlangen möchtt« 

„Hieruf bekantten die Erlenbacher abgesandte ihre, der ge- 
„meind, überdrettunge, prättendirten ihre nach der sterbensläufften 
„und Festilentze, und baten um lienderung der straffe , welche sie 
„auf gewohnlichem Bufoazttage zu thejdigen willig und diel>mals der 
^achparschafffc bei ihnen zu Nieder-Erlenbach dief eibige referiren 
„wollen. 

„Die Marckermeister und Marckerheupter pleiben bei obgesezter 
„ihrer Forderung der — HO fl. und ernennen ihnen, Erlenbachern, 
^zu Erlegung derselbigen hiemit acht tage zeit, darinnen sie die 
„Sachen riechtig machen soUenn. 

j,Conclu8um Holtzhausen den 12 Novembris anno neunzig & 
„siebenn durch nachbeaohriebene Hern Marckermeister und Marcker- 
„häupter : Johann Bender Schultheiß und Marckermeister, Conrad 



— 392 — 

• 

,, Wächteier Marckermeister^ vor mich und dann auch auf Pitt von 
„Seifried Born, Schultheißen zu Petterweill, Peter Jung Schultheiß 
„zue Holzhausen, Conrad Lorey, Johann Zangus, Markscbreiber.* 

Es wandten sich hierauf Schultheiß, Burgermeister und Gemeind 
zu !I^ieder-Erlenbach an den Bath: es sei von den Märkem der Be- 
schluss gefasst gewesen keinen Schweinstall in den Wald zu machen 
mit Holzwerck, sondern die Schwinställ sollten mit Mauern 6 Schuh 
hoch aufgeführt werden; davon hätten sie nichts gewusst, auch nicht 
darinn gewilligt ; denn sie hätten nicht gehen dürfen Sterbens halben. 
Kurz vor dem Eintreiben sei es ihnen angezeigt worden; es sei un- 
möglich gewesen dem Beschlüsse nachzukomnien denn kein Nachpar 
sei bei den andern gewandtert, von wegen dass Gott der Allmächtige 
sie also heimgesucht, sie auch keine fremde Arbeiter hätten mögen 
bekommen. Da nun sie bedroht seien dass heimlicherweise, wenn 
die Märker einen mit Pferden und Wagen bekommen, sie ihn pi^- 
den und gen Homburgk eintreiben, als wie Aussenmärker, derohalb 
bitten sie: der Rath wolle ihnen Verschriefften an Hern Jörgen 
Vestenberger, Kellner zu Homburg mittheilen. 

Eine Aufschrift zeigt, an, es sei Montag den 24. April 1598 diese 
Sache endlich verglichen, und die Gemeinde *^ieder-Erlenbach bei 
fl. 50 straf gelassen worden. — 

Schon in demselben Jahre 1598 wurde dann Bernhard Ebel von 
Nieder-Erlenbach wegen weiteren Umhauens von Stämmen gerüget- 
und gefänglich festgenommen. Er berief sich dorauf dass die andern, 
besonders die Homburgischen Dorfschaften, ebenfalls Holz zu ihren 
Schweinsteigen genommen. 

Wie in der Hohen Mark, so hatte auch in der Seulberg-Erlen- ' 
bacher etc. der Ausschuss die vorbereitenden gerichtlichen Geschäfte 
zu versehen, z. B. den Augenschein einzunehmen. Ein solcher wird 
beschrieben, als im Jahr 1593 die Kirchdorfer, wie bereits angefahrt, 
einen Eichen lochbaum gefrevelt. Bei einem Markumzug war in 
Augenschein befunden worden dass ein solcher, der am Wege ge- 
standen, entnommen, und in einem Graben zu einem Auf halt der 
Gewässer hingelegt worden. Der Keller hatte angedeutet, dass er 
oft unter dem Baum „auf derHasenlauße^ gesessen, den wohl kenne; 
dass man, da er umgewälzet werden sollte, die Lochkerben daran' 
noch befinden würde. Welche Bede als Schultheiss und mehrer theil 
der Nachbarschaft zu Kirchdorf gegenwärtig und nicht widersprochen, 
sondern mit ihrem Stillschweigen die bezüchtigte That gestanden, 
haben darnach die Märkerhäupter die Gemeinde zu Kirchdorf zu 
den Bügen heissen schreiben und am Märkergeding rügen lassen, 



— 393 — 

auch auf dem Bufoatztag ihnen ^ Kirchdörfern 20 fl. zur Strafe 
gesetzet und ihnen den yergünstigten Viehtrieb abkündigen lassen. 
Erst als die Strafe abgefordert worden^ haben die Eirchdo^er ange- 
fangen der ^jHeymmaßung^ oder Bezüchtigung zu widersprechen und 
auf den Äugenschein mit den Märkem zu stammen; haben soviel 
anspracht „daß der landgrevische Canzlar zu Darmstadt; obgedach- 
ter Keller zu Homburg, und alle Markschultheissen, Bürgermeisterei 
Merckermeistere, Schreiber und förstere, sampt Caspar Kollen, Ampt- 
Schreiber uff Königstein , ^ auch Schultheiss und ganzer Gemeinde zu 
KirchdoHT' am 24. Mai auf den Augenschein kommen; alda sie 
nachmals ihre Beschwerden der abgeforderten Straff halben anpracht 
und einen öffentlichen Widerruf deren, mit solcher Bezüchtigung 
ihnen zugelegten injuri begehret, oder aber sie zu überweisen; dann 
sie mit nichten geständig, dass der geklagte Lochbaum durch sie 
abgehauen worden, viel weniger dass es dasjenig Holz, so ihrerseits 
im Graben gelegen, und noch liege, sein solle. Die Märker antwor- 
ten, dass die zu Kirchdorf vor einem Jahre, bei dem Abgang ihrer 
Marke, als ihnen die Entwendung zugemessen worden, darzu still 
geschwiegen, und damit Ursach gegeben, dass die Mark er sie ge- 
rüget und bestrafet hätten, darauf sie nochmals beruheten. Die 
Kirchdorfer haben aber ihre Klage und Verneinen repetiret und be- 
weisen wollen, wo das im Graben gelegene Holz abgehauen worden. 
Denen ^e Märker weiter antworten lassen, dass sie nunmehr Jahr 
und tag stillgeschwiegen, und so sie erstmals sobald widersprochen 
und zum Augenschein sich berufen hätten, wollt' man ihnen ge- 
stämmet haben, welches diesmal nit sein könnte, aus Ursachen dass 
seithero beide, der Stock sowol, auch das Holz „verhergert und zer- 
hauen wofden'^ Nach welchen Beden und Gegenreden der Canzler 
sich erklärt, dass er seinem gn. FUrst^i und obem Herrn Wald 
Pötten untertbänig wolle referiren, was er befunden und was geklagt 
worden; was dann I. f. Gn. darüber decemiren und beecheyden wür- 
den, solle den Parthejen wiederumb zu seiner Zeit schriftlich zuge- 
schickt werden, indessen aber sollen die Sachen einen Stillstand 
haben, und man iieissig Nachforschung haben auf den Thäter, damit 
man in der Sachen desto füglicher verfahren könnte Damit war der 
Augenschein beendigt; die Akten theilen nicht mit, dass den Par- 
theien später etwas schriftlich zugeschickt worden sei, oder dass 
Kirchdorf die Busse bezahlt habe ^>. 



^^ Die Wichtigkeit und Beliebtheit des Augenscheins ist noch heute io der 
Schweiz zu verfolgen, wo z. B. in Glaros ein Angenscheinsgerioht abgehalten wird. 



— 894. — 

Nutzuug der Mark. — Als der eintretende Holzmangel im 
lö^"° und beBonders im 16^^° Jahrhundert eine gröBsere Behtttnng des 
Waldes verlangte; war es wieder Sache der AuBBchüsBe die Mark- 
oder Waldordnungen zu berathen^ und den M&rkem vorzulegen. 
Am Borgflältigsten geschah dies in der Seulburg, Erlenbacher etc. 
Mark, wo gegen das Ende des lö^° Jahrhunderts alljährlich die 
Holzordnung revidirt und stets mit Zusätzen verseh^a wurde. 

Diese Markordnungen gestatten uns einen Einblick auch in die 
gewerblichen Verhältnisse der Dorfscliaften unserer Marken, sie 
haben vielfach noch Spuren der ursprünglichsten Verhältnisse auf- 
bewahrt. Die Versuche der Communisten und Socialisten sind keines- 
wegs ein Erz€)ugniss unserer Zeit, sie sind in Deutschland vor langen 
Jahren schon durch die GenosseDSchaften praktisch zur DürchfÜli- 
rung gekommen. In den urkundlichen Zeiten unserer Marken war 
die Feldmark bereits unter die einzelnen Familien und Bewohner 
getheilt, der Wald aber war noch Gemeingut. Es konnte niclit nur 
ein Jeder nach Bedürfniss sich daraus beholzen, sondern auch das 
Roden einzelner Walddistricte zu ges ndertem Gebrauche war noch 
nicht verboten. Auf dem Märkerding 1537 wurde von den j^Rhödern" 
in der Hohen Mark gehandelt, von jjden gerothen Gütern so inner- 
halb 20 Jahren in der Mark gerödt worden*, die sollten mit Zinsen 
belegt werden. Die Märker konnten sich wegen des Artikels nit ver- 
gleichen; die ReiflFenberger mit dem grössten Haufen (wol allen 
denen die dem Wald zunächst gelegen), wollten dass der Artikel der 
Zinse halber abe sei, es sei denn dass man auch die früher gero- 
deten Güter mit Zins belege. Im Jahre 1545 wird das roden ver- 
boten, und soll was innerhalb 10 Jahren gerodet worden, wieder 
zu gemeiner Mark gezogen werden. In der Seulberg, Erlenbacher 
etc. Markordnung von 1552 wird ^das rathen" verboten bei iO fl., 
dazu soll das ingenommen Radt der Margk bleiben. Itn Jahr 1593 
wird dies wiederholt: das rohden soll durchaus verboten sein bei 
Straf 10 fl. und das eingenommene Rohde nichts weniger bei der 
Mark bleiben. Trotz alledem wurde noch im Jahr 1702 erwähnt 
dass den Markem noch erinnerlich sei wie Hans Georg Stubich eine 
Wiese auf dem Raisberg gemacht, von der Mark aber contradiciret 
worden, und Stubich solche wieder liegen lassen müssen, die Märker 
es mit ihrem Vieh betrieben, und Stubiclien kein Nutzen davon 
ziehen lassen**. 



^ Die Schreibweise von „Rhoden'^ war hier so verschieden, wie sie noch 



— 395 — 

Ebenso war eg dem Märker gestattet Steine nach Bedürfeiss su 
holen. In der Ordnung von 1594 heiset es : der Märker sei befugt die 
Schiefersteinkauten zu gebrauchen^ da die „laidecker^^ zuBeiffenberg 
vor sich allein gebraucht aber kein Zins gegeben. Als später^ in der 
Mitte des 17^^ Jahrhunderts, der Waldpott durch Bergknappen hin 
und wieder graben Hess, beschwerten sich die Mark er allein aus dem 
Grund weil „viel Holz verderbet* worden. 

Das Holz der Mark wurde gebraucht zum bauen, zum ein- 
heitzen und zu den mancherlei Gewerben. Erst im 16*"* Jahrhundert 
wurde der freie Gebrauch eingeschränkt, es wurden Holztage, in der 
Seulb. Erlenb. Mark j^Wittage* festgestellt, Weichköler sollen nicht 
gelitten werden, Hartköler sollen nur mit Anweisung zweier Förster 
kolen brennen, Kupfer- und Waffenschmieden soll nicht mehr als 
6 karren kolen gefolgt werden, brauchen sie mehr sollen sie fllr 
jeden karren 2 fl. jpzu strafft' geben Bretthauer, Lattenhauer, Felgen- 
hauer und Wagner sollen ohne Anweisung kein Holz hauen. Wir 
finden in diesem gemeinschaftlichen Genuss des Waldes eine natür- 
liche Erklärung der Beschränkung beim Verkaufe mancher Producte 
und des Vorkaufsrechts. Die Wagner sollen ihre Arbeit den Inmär- 
kem ^umb ein gebülirlich Geld wieder zukommen lassen und ver- 
kaufen". Sie dürfen nichts aus der Mark verkaufen, auch soll kein 
Holz zu ^Schwindelstegen* erlaubt sein. Auch in der Seulb. Erlenb. 
Mark sollen die Ziegler zu Holzhausen die Ziegel umb gebürlich 
Bezahlung „vor Ausmärkem" gönnen und lassen. Es sollen daselbst 
nicht mehr als 2AueUofen geduldet werden, die sollen den Märkem 
die Ziegel nicht höher als 4 fl. das tausend verkaufen, und „also 
ihnen den Vorkauf zulassen". Dass dieser Punct „bisher in Wiend 
geschlagen, davon soll schierst künftig uff dem bußatze montags nach 
Quasimodogeniti weiter tractation gepflogen werden^. Später, im 
Jahre 1591, heisst es dass die Ziegeler, wie auch alle andere welche 
in dieser Marke Brennholz zu hauen berechtiget, den Merkem ihre 
Ziegel das tausend eiiien Gulden wohlfeiler als einem Ausmerker 
lassen Im Jahre 1595 wird auch des Bierbrauens halben nothdürftig 
geradtschlaget und verabschiedet, dass der Bierbrauer zu Ober- 
Erlenbach dei;! Merkem ihr Bier ein ziembliches wohlfeiler geben 



jetzt in Appenzell inner und äussere Rhenen es ist. Manche Forscher beziehen 
dies Wort anf Abtbeilung znr Entriohtnng einer Leistung, cf. F. Wyw, die 
Schw. Landsgemeinden 8. 71. inZtsehr. f. Sohw. R. I. 1. Kann man nicht noch 
weiter zurückgehen, auf die Veranlassung solcher Abtheilnngen ? 



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solle, als den Ausmerkem, und ihnen allerdings den Vorkanf ge- 
statten. 

In den damaligen Zeiten zog ein jeder oder eine jede Dorfschaft 
möglichst alles das selbst was er bedurfte. Weinberge haben sich «in 
der Namensüberlieferung fast allerwärta noch erhalten^ auch in Ort- 
schaften welche die Weinkultur schon längst aufgegeben, vielleicht 
in den traurigen Zeiten nach dem SOjährigen Kriege als die Armutfa 
den lantman zwang dem Weingenuss zu entsagen. Bei den Markum- 
gängen zogen die Märker westlich von Oberursel an einer ganzen 
Reihe vonWdngärten oder Wingerten hin. Bei Dortelweil heisst es: 
im Weinstück; und am Weingartenweg. Die Weingärten von Bona- 
mes lagen beim Homburgerpfad. Unter dem Eschbacher Hardwald 
liegt der Wingertsberg, ebenso der Weinberg unter dem Lobberg 
bei Ober- Erlenbach. / Zwischen dem Creuzerweg und der Borngass 
östlich von Niederursel lagen die Weinberge und in diesem Orte ist 
selbst eine Bendergasse verzeichnet®^. 

Wie gewisse Gewerbe im Iß'*"" Jahrhundert in dem Holzver- 
brauche beschränkt^ so wurden andere ganz verboten. Den Bendern 
soll kein Eichenholz in der Mark erlaubet werden, Schwarz- 
färber, so leinen Tuch fbi4)en und Aichen und Erlenholz gebrauchen 
sollen nicht gelitten werden. Aicbenpfael^ Girten, Reifstangen und 
Zaunstecken sollen im ganzen Wald verboten sein. Auch nicht kau- 
fen soll man sie. In der Seulberg; Erlenbacher ete. Mark Ordnung von 
lö'^O sind überhaupt Pt'aell, lattenstang und girten verboten , es sefi. 
denn dass „die gehe hohe notb gemeinder Margkflecken* Friede zu 
erhalten fürhanden^; alsdann sollen Märkermeister erheischender 
Nothdurft nach „an etwas^ geben y und also den Ueberfluss meiden; 
dieweil rathsamer^ auch fbrträglicher und sicherer ist eine lebendige 



^ Vergl. hieizn Dr. Kriegk, Frankf. Bflrgerzw. S. 241. Auch anderwärts 
finden wir hierzu bemerkeoswerthe Andeutungen, so in den Fichardisohen Aus- 
zügen. Aus dem Jahre 1566 wird aufgeftthrl; Hochheimer Wein das Fuder 
30 bis 31 fl. Seckb&cber 21 fl. fiinganer 29 fl. ; 1531 Burnheymer Wein per Fu- 
der 11 fl. 18 ß, Wertbeymer 14 fl.; 1584 Riederberger Wein ä 22 fl.; 1589 Hoch- 
heimer Wein neuer per Fuder 101 bis 1Q2 fi. Soder Wein nur 86 fl.; 1590 Nie- 
der-£rlenbacher Wein per Fuder 56 fl., Soder 60 fl., Dflrckelweiler 56 fl., Ober- 
röder 68 fl., Bonameser 56 fl., Hochheimer 84 fl. 12 alb. — Im Jahre 1543 kam 
der Weinzehnte der Sulzbaoher und Soder Gemarkung in den Rathekeller, 
orsterer ergab 2V2 Foder. Noch im Jahre 1628 wird der neue Wein von Sulz- 
baoh und Soden erwähnt, 1680 Oberroder neuer Wein zu 48 fl. Rauenthaier zu 
42 R. Hochheimer zu 61 R« im Jahr 1635 Seckbaoher neuer Wein; und 1647 
Neuenheymer Wein. 



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Gehege um einen Flecken 'zu ziehen^, und uff zu pflanzen , als die- 
selben mit Zäunen zu befriedigen^ so sollen die so Holz zu Zaun- 
stecken begehren werden^ auch ^umsich' eine lebendige Hege zwan- 
zig Ruthen lang uffpflanzen und ziehen ^ wer sich das weigere ; dem 
soll gar kein Holz mehr zu Zaunst^cken gevolget werden. Dazu 
heisst es im Jahre 1591 welcher MSrker seine Zfiune mit Wellen 
beschlagen will, dasselbige nicht von Buchenholz, sondern von Dor- 
nenwellen, feus der Haihnruppen darzu abgehauen, in'sWerk richten 
soll — Allen denjenigen welche das Haffener oder Döpffermachen 
handtwerk nit ehrlich und voll gelemet, soll das Ziegelmachen ernst- 
lich yerpotten sein; so soll auch keiner kein gesinde oder knecht 
darauf halten, sondern mag ein Jeder der das Hä&erhandwerk bei 
ehrlichen leuten gelemet, mit seinen Kindern und Gesinde auch wol 
Ziegell machen, anders soll es nicht zugelassen werden. — Jung 
ejchen Holz zu bender und Wagener Arbeit, als Fass oder Zuber- 
Dauben, it. Speichenfelge und Achsen soll bei straf 10 fl. nit gehauen 
werden* — Dieweil auch des Mühlwerks auf der Bach eine Ueber- 
maass vermerket, so ist abgeredt worden dass hinfUro zu keinem 
Mühlwerk weiter als 8 stamm zu ahrmen gefolget werden solle. — 
Endlich sollen die welche Erlaubuiss bekommen keine kein Ziegel- 
brandt allein thun, sondern ein Jeder hinfOro halb Ziegel und halb 
Döpffen zugleich in einem Ofen brennen. 

Wie bei den Gewerben Vorsehung getroffen wurde den Wald 
zu schonen, so auch bei dem Bauen. Es wurde darauf geachtet dass 
der Märker seine Baue nicht verfallen Hesse; es solle ihnen „zur 
Notturft Wimprichen und Schomsteynruden' erlaubt werden ; sollte 
ein neues Wohnhaus errichtet werden so hatte Scfaultheiss und die 
Schöffen eines jeden Orts Länge und Weite zu messen; der Bauman 
oder Erbauer hatte „zwei dännen Hölzer^ zu ^kaufen, erst wenn 
diese auf dem Bau Placken liegen befunden, soUte der Schein gege- 
ben werden, es sollte der Bauende fOr ein jedes Gebäude 8 Stämme 
angewiesen erbalten, „jedoch da£ sie der Größe und des beigeführten 
Dännenholzes zuvor gewiß und genugsamb berichtet, ohne daß sie 
denjenigen so sich der zwejen Dännen Holtzes auf ein jedes Gebäude 
zu kaufen verweigern würde, auch den geringsten ejchen stamm nit 
erlauben sollen'^ Zu einer Scheuer sollen 20 Stänmi gegeben werden, 
und durchaus Dännen Holz zu Werckholz gekauft und gebraucht 



«s Noch jetit finden sich die Sparen solcher Gehege oder Haingrfiben bei 
vielen Ortschaften vor, z. B. bei Sealberg, Niederursel, Ober-Eschbach u. s. w. 



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werden^ zu einem neuen Stall mit einem ganzen Dache sollen 2 dän- 
nen Hölzer auf den Bau Placken hingeführt und begichtigt werden, 
zu einem halben Stall 1 dänneu Holz. 

Es zeigt uns dies dass gegen das Ende des 16**^ Jahrhunderts 
in der Hohen Mark die Tanne noch nicht gefunden wurde. Die 
Eiche war der vornehmste und wol auch häufigste Baum in den 
Wäldern; Eichen und Buchen wurden als „fruchtbare Bäume^ be- 
zeichnet, es solle in den verbotenen Wäldern nichts an fruchtbaren 
Bäumen ^es sei gleich buchen oder ejchen Holz'^ darin gehauen 
werden ; bei Verlust von zehen Gulden. Wenn etwa ^Gedrayde und 
Mästung in der Margke sich erzeigen thue^ soll daselbe besichtigt 
und eine Ordnung aufgerichtet werden. Schon in der Markordnung 
des Jahres 1552 ist vorgesehen, dass wenn sich „Eckem-getraidt^ 
im Wald erzeigt, sollen der Verordnet des Waltpothens mit Merker- 
meistern und dem Ausschuss gemeiner Merker sich vergleichen, wie 
es damit solle gehalten werden. 

Ausser, den Eichen und Buchen fanden sich aber noch Bäume 
in sehr grosser'Manichfaltigkeit vor, wie wir aus den Aufzeichnungen 
der Lochbliume sehen; es waren darunter Ahorn- ^ Holzapfel- Faul- 
bier- oder Stink -Bäume, Birken, Linden, Erlen, Eschen, Hassel- 
Bäume, ja selbst Kirschbäume werden, wenigstens am Saume des 
Waldes genannt. Hasselbäume wurden sehr hochgeschätzt; die Ord- 
nung von 1594 stellt im Art 31 auf: wer Haselbäume um der Hasel- 
nus willen verderbe, der soll gebttsst werden als ob er ein Eichen- 
baum verderbet hätte. 

Bei den zunehmenden Klagen über Verösung des Waldes wird 
besonders das Abhauen der Eichbäume schmerzlich berührt. Diese 
waren damals noch ungleich wichtiger ftir das Leben der Mark, weil 
zu jener Zeit das Schwein eine viel bedeutendere Bolle unter den 
Hausthieren einnahm, als es heute zu Tag noch der Fall ist. um 
das Jahr 1700 wird unter den Klagen der Märker gegen den Wald- 
potten auch hervorgehoben dass er viele der schönsten tragbaren 
Eichbäume abhauen lassen, von deren theils 4 und mehr Wagen 
Uhrholz g^eben. Uhr-, Ur- oder Ohr-Holz wurde das dürre Stamm- 
holz genannt, Holz, von Fruchtbäumen, d. h. von Eichen und von 
Buchen. In der Seulb. Erl. Mark-Ordnung von 1552 werden 3 Tage 
festgestellt, Montag, Mittwoch und Freitag ^Dore Holz^ zu hauen. 



*« Beim Umgang von 1710 (Mglb. E. 29.} geht derselbe nach dem Pflaster- 
weg, daslebfit ein i,Obm HoUzbaum", weiter wird erwähnt „ein Ohm-banm^*. 



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ul^zufiihren und zu tri^en, doch kein Eichen- oder Bau Holz^ kein 
Grünbolz, sondern „dhor ligende Holcz^. Auf dem Märkergeding 
der Hohen Mark wurde 153>7 ertaubt 2 Tage der Woche, Diedstag 
und Freitag, in der alten Hege „Uhr-Holtz^ auszuführen und 
zu tragen. 

Schon um die Mitte des 16^®° Jahrhunderts werden auch ganze 
Walddistricte in die Hege gelegt, darin zu hauen wird verboten« 
Auf Bartholome 1543 wird beschlossen, es solle 3 Jahr verboten sein 
zu hauen von dem lauberichten Baum bis uff das Kessbergen; ebenso 
der Berg unwendig der Magt Kreutz herüber bis auf die Urseller 
bach und bis auf d^e unterst S